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Jüdische Rundschau · 1935-04-17 · Heft 31-32 (17.4.1935) · page 34

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Seite 34 40 JAHRE JÜDTSCHE RUNDSCHAU Nr. 31/32, 17. IV. 1935 JÜDISCHE LITERATUR IN FREMDEN SPRACHEN Dichter und Denker der letzten vierzig Jahre Jeder Generation ist eine Gelegenheit zur Entscheidimj geboten. Die Chance der neunziger Jahre war die Dreyfus- Affäre, die viele jüdische Schriftsteller in ihren Strudel gerissen hat. Die Wirkung dieser Kur allerdings war verschieden; spontan fand nur Theodor Herzl den Weg ins Judentum, während die meisten anderen sich umso leidenschaftlicher zum national unbegrenzten Menschentum bekannten; sie wurden jetzt erst recht „gute Europaer''. Sie nahmen gewissermaßen Zolas Partei, nicht die jüdische, und doch begann auch bei ihnen sichtlich eine neue, frische Epoche. Wahrend nicht lange vorher Resignation, ja Verzweiflung darüber, daß der Judenhaß von neuem aufkam, einem deutschwilligen Dichter wie Berthold Auerbach ein trübes Ende bescherte, während die Morbidezza, die fin de siecle-Stimmutig sich ganz symptomatisch im katastrophalen letzten Akt der repräsentativen Geister der Generation erwies, in Nietzsches, van Goghs und Hugo Wolfs geistiger Auflösung, finden wir die Männer, die das geistige Gesicht des zwanzigsten Jahrhunderts schaffen, tüchtig, frisch, gesund am Werk. Während Nietzsche zugrunde geht, wird Georg Brandes sein erster Kiindcr. Man hat Brandes gern mit dem Geist des 19. Jahrhunderts — Liberalismus, .Materialismus, Naturalismus — identifiziert, und tatsächlich war er es, der mit seinen Vorträgen über ,,die Hauptströmungen in der europäischen Literatur des 1(). Jahrhunderts" dem Naturalismus in Skandinavien, wie er sagte, „die Tür von innen geöffnet" hat, der Comtes PoMtivismus propagierte, für Taine, St. Beuve, Darwin, John Stuart Mil! mit unüberschätzbarem Erfolge warb, der Ibsen und Björnson, ja auch noch Strindberg entscheidend beeinflußte, der auch „ein alter Dreyfusard" war. Aber während der Drcyfus-Affiire war er schon über jene Positionen hinatisgrwachseit, ans dein Demokraten war ein Aristokrat geworden, der sich unter Nietzsches Antrieb (wie Brandes ihn verstand) den Monarchen des Geistes zuwendete und Goethe, Shakespeare, Voltaire Monographien widmete. Von dieser Wendung aus beeinflußte er Knut Hamsun und Selma Lagcrlöf; es wäre der Muhe wert festzustellen, wieweit Hamsuns leicht antisemitische Zi\ilisatiousfeindlichkeit sich von Brandes ableiten laßt. Brandes selbst aber mußte im Verlolg der neuen Richtung, unter dem Eindruck russischer Pogrome, des Krieges und der Balfour-Deklaration schließlich auch als Jude „heimfinden". Eigentlich abgelöst wurde Comte erst durch Bergson. „Er hat unsere Fesseln gesprengt", sagte Peguy. Der Sohn eines gali/ischen Juden und einer englischen Jüdin Henri Bergson wurde der" maßgebliche Kopf des neuen Jahrhunderts, indem er die Hegemonie des Kopfes vernichtete; „der Wiederhersteller des Christenglauben« in Frankreich", indem er die Intuition wieder einführte, „die Schopenhauer mit Keulenschlägen aus der deutschen Philosophie herausgeworfen 'hatte", der geistige Vater des politischen Antiliberalismus. Weder Bergson noch seine „dynamische" Philosophie haben, wie man sagt, ausdrücklichen Zusammenhang mit dem Judentum. Wie durchaus jüdisch seine Lehren aber im Grunde sind, spürt man aus ihren Hauptsätzen, die ebensogut in einem chassidischen Buch Martin Bubers stehen Könnten, z. B.; „Alles geht vor sich, als ob ein Wesen nach Verwirklichung getrachtet und sie nur dadurch erreicht hätte, daß es einen Teil seiner Natur unterwegs aufgab. Diese Verluste sind es, die in der übrigen Tierheit, ja auch in der Pflanzenwelt aufbewahrt sind." Oder: „Wenn es ein Mittel gibt, eine Realität absolut zu erfassen, anstatt sie relativ zu erkennen, sich in sie hinein zu stellen, statt Standpunkte zu ihr einzunehmen, sie ohne jede Uebersetzung und symbolische Darstellung zu ergreifen, so ist dies die Metaphysik selbst." Diese dynamische Philosophie gegen die Vernunft, die aller Unwissenheit und dem nationalen Aktivismus Vorschub leistete, zumal sie rasch Mode wurde und sich leicht popularisieren ließ, erweckte einen Gegenstrom in Frankreich, und auch auf der anderen Seite kämpften Juden wie Julien Benda, „der Erbe des intellektuellen Stolzes unzähliger Odehrteneeschlechter, der Hymniker der strengen geistigen Arbeit", und Andre S p i r e, der führende jüdische Dichter Frankreichs. Spire ist längst Zionist, war schon 190-1 eine Art von Kulturzionist, ein bewußt und ausdrücklich jüdischer Autor, aber im Gegensatz zu fast allen anderen hat er sich niemals östlich orientiert. Mit klarer, heiterer Sinnlichkeit liebt er das Leben, die Schönheit der Welt lockt ihn, um so tiefer ist sein Erschrecken über alles Leid der Erde, dem er sich nicht verschließen kann, seine Ehrlichkeit gegen Träume, Illusionen, denen er sich nicht hingeben zu dürfen glaubt, seine männliche Traurigkeit und sein göttlicher Unmut gegen alles Unrecht. ,,Et vous riez" (Und ihr könnt noch lachen) heißt sein Gedichtbuch, das Peguy herausgibt, und das Motto ist das Psalmenwort vom Gerechten, der sich nicht auf die Bank der Spötter setzt. Die Gedichte sind in freien, impressionistisch knappen, höchst musikalischen Rhythmen geschrieben, im vers libre, den ein anderer Jude, der Symbolist Gustave Kahn, in die französische Lyrik eingeführt hat. Zur selben Zeit veröffentlicht Peguy eine Novelle von Israel Zangwill, „Chad Gadja", und diese Novelle entscheidet Spires Leben. Er liest Zangwill, beginnt alles jüdische zu studieren, zu pflegen, sich zu betätigen (als Territorialist), er fährt nach England, lernt Zangwill kennen, sucht das jüdische Proletariat; „Ihr fragt mich, warum ich diese Parias liebe. Es ist das einzige Proletariat, von dem ich etwas erhoffen kann." Er schreibt jüdische Gedichte, er erlebt das „alte Gesetz", er verzweifelt fast im Krieg („Und ich habe den Frieden gewollt!"), er gründet dann die Liga der Freunde des Zionismus, wirbt für Palästina und wird mit der Ode „A la Nation Juive" endlich „der" jüdische Dichter Frankreichs. Keineswegs der einzige; Edmond Fleg ist, mindestens bei uns, viel bekannter, wenngleich leider nicht ah Lyriker. Spire ist durchaus nicht das „Haß-Genie", als das er hier bezeichnet wird, Fleg aber ist völlig unpolemisch. Er gehört zur alten Garde des Zionismus, neigt zur Orthodoxie, die er humanitär interpretiert, ohne dadurch in Gewissenskonflikte zu geraten wie Spire, er schildert Moses und andere jüdische Figuren als Mythen, als Legenden, und es entstehen Midraschirn — ä la Victor Hugo, voll von französischem, pathetischem, klarem Geist. Aehnlich, doch intellektualistischer, Ist die Synthese zwischen Judentum und Franzosentum, die Bernard L a z a r e, Theodore R e i n a c h, James Darmesteter versuchen, mit einer Verschleieruugstechnik, die beider Volkswesen mit Völkerversöhnung und Menschheitsbeglückung identifiziert. Jean Richard Bloch, der prägnanteste Gestalter der nächstjüngeren Generation, begnügt sich nicht mit allgemeinen Idealen, er packt die Gegenwart mit beiden Händen hart an, Psychologie ist seine Stärke, die demokratischrevolutionäre Tradition seine politische Ueberzcugung, und auch in jüdischen Dingen rechnet er mit den Tatsachen, so daß der zähe Lebensmut und die unbestechliche Intelligenz des jüdischen Unternehmertums in seinen Romanen „Livy" und „Siraler &; Co." ihre Apologien finden. „Wir sind Worte, aber eingefügt in das Satzglied des Universums, und dieses wiederum ist Glied der glorreichen Periode, die eins ist in Seinem (Gottes) Gedanken", sagt Marcel Schwöb, der Meisler des skeptischen RomanSj einer oier „Maitres impeccables" der französischen Prosa, m der durchsichtigen Klarheit und edlen Einfachheit des Ausdrucks und in seiner taniversalen Ironie Anatole France, in seiner Psychologie Proust verwandt (Proust ist, wie France, halbjüdischer Abstammung). Zum Judentum hat Schwöb keine intime Beziehung, obwohl auch keine Abneigung wie 2. B. Suares. Darf man in solchem Zusammenhang den Troß jüdischer Autoren erwähnen, die mit mehr oder weniger jüdischem Witz oder französischem Esprit unterhalten und Probleme umgehen wie Tristan Bernard, Verneuil, Savoir, Sarah L6vy („Oh mon Goye") und Irene Nemirowska („David Golder")? Von allen neueren Belletristen' hat Andre Maurois noch am saubersten die jüdische Linie gefunden, ohne die tranzösisch-europäische zu verlassen. Maurois war im Krieg .Verbindungsoffizier einer schottischen IIMMIIIllllllllIHBIIllllllllirm tfoyi £e» fafr t~«tfiZ (flu pk, lU^/f <M»W feg** -£fe*Ä2 «/SU?» — jju /^yw*^ l7(<^r^^ f~~7-~^T~* . A^C4*. /Af>**~, 'Jfirr, *UM#f£* Uno* A «J*+#r£*d>' tfa i~4,\U4 /ää-VJkTflu4#r*>^irf+><^e*£- tu*s//'****^*jk t**w*u> «mW^c?? $S' '<p&vHvb ft* u*iAf Je«*. et'fr*. J~ajr «~*rtoO &Cf-fyt*^ 7 fr'ßr4-(Ur,J.' Öst (&lw/h6Jb Else Lasker-Schüler BmmmimmrotMiuiiiuHiimmiiiHmwiw Division und ist seitdem Verbindungsoffizier der französisehen Literatur zu England, Panegyriker des Gentleman-Ideals, Romancier und skeptischer Philosoph. Sein Konservativismus vereint sich mit einer Englandhebe und seiner Skepsis vorzüglich zu einer Leidenschaft für die Tradition, die er auch allem Jüdischen gegenüber mit ehrfürchtigem Lächeln wahrt, ohne sie sonderlich zu betätigen. Brandes hatte einen intellektualistischen Disraeli geschrieben, Maurois schrieb ihn „mit dem jüdischen Herz". Die gleichen Geschehnisse und Störungen wirkten sich unter den deutschen Juden viel schroffer, wirrer und exzessiver aus. Der jüdische Mangel an Selbstachtung, ge. wiß auch eine Folge der Fin de siecle- und Drcyius-Stimmung, ließ einem ebenso genialen wie charakteristischen Menschen jener Uebergänge wie Otto Weininger keine Wahl als die Selbstzerstörung. Er war einer von denen, die das Judentum als etwas Unentrinnbares erkennen, und er glaubte, es hinabzureißen, er wollte es, maßlos besessen, austreiben. Rudolf Borchard versuchte das nur durch Flucht ins Mittelhochdeutsche, Ludwig Jacobowskis „Werther der Jude" durch Flucht in die Sackgasse seiner Gegenwart, Alfred Mombert durch Flucht in den Kosmos, TRAURE NICHT! Von Karl Wolfskehl Was spricht dein Zittern, meine Seele, Die angstvoll äugt, die schreiend flieht? Was hast du Seele, meine Seele, Von welchem Fehle, meine Seele, Bist du bedrangt? „Dafc alles magertet, Zu lugen trieb's midi und zu lauern. Ich war verzaubert und betört. Ob flatternd Aber Tempelmauern Ob eingesperrt in fremden Bauern, Nie wellt' ich wo ich hingehört, Urtstai zirpt' ich im wilden Laube, Tal mit wie's schmettert, dröhnt und ruckt. Bis ich nicht Aar noch Fink noch Taube, Allen ein Aergernls, im Staube Des Alchenwinkel« mich geduckt." Traure nicht, traue meine Seele I Der dich aus Rast und Reigen reifet, Der alle auf dich loilfifct, Seele, Der stets dir nachgestellt, o Seele: Er Ist es, Der Sich dir verhelfet. Beslofener Fittich, raudi Gefieder: So bist du ihm gerecht und rein. Dich Aschenvogel dich beschied er. Du warst verflogen, immer wieder Winkt' er, und heul fangt er dich ein. Er h«lt dich In den Flammenhanden Wie's dich entzündet, dich durchbraust I Leuchtend entsteigst du seinen Branden Schwebst heiligen Sangs ob den Geländen: Frei bis! du Seele, goltbehousf. Georg Simmel in den Relativismus, wo er „auf dP. Bäumen des Ungewissen seine Eichhörnchen-Kunststücke voll führte". Die Parolen der Aufklärung, der Emanzipation und Assi, milation fanden unter den deutschen Juden viel beharrlichere Verfechter als im Westen, gegen den man sieh mit ebensoviel Mißtrauen verschloß, verkapselte, wie gegen die Ostjuden. Hermann Cohen kannte, so erzählt On,.ä y Gasset, noch nicht lange vor dem Kriege nichts von Henri Bergson (den er trotzdem ablehnte), „obwohl sie beide Juden waren". Das komplizierte neukantianische Gedankengehäude aui dessen Dach schließlich das Judentum als Religion der Vernunft etabliert und rehabilitiert ist, konnte keine geistig Zuflucht vor der jüdischen Not werden noch sonst vor einer Menschennot. Cohen erfüllte seine Mission gewissermaßen trotz und neben seinen Hauptwerken, in seinem Eintreten und Einstehen für das Judentum mit seiner Person, mit seinem Wissen und seiner Leidenschaft, in seinen Nebensat/en ohne alle Dialektik. Und ebenso stand es mit seinem un- und ami. dialektischen, schulfeindlichen Widerpart Constantin Brun, ner. Auch er sprang immer wieder für das Judentum (vielmehr gegen dessen Feinde) in die Bresche und nicht das, was er als Ziel predigte, sondern die Wucht und brennende Kraft seines Auftretens allein können wir als jü. dische Leistung bezeichnen. Von einem extrem jüdischen Ge. Sichtspunkt muß man alle diese einander entgegengesetzten Denker wie Hermann Cohen, Brunner, Mauthner in eine Reihe stellen: sie bieten Leistungen, sie weichen Entscheidungen nicht aus, sie sind Juden, sobald man das Judentum anfastet, sie idealisieren oder romantisieren die ludenheit, die Religion der Vernunft, den Spinozismus, die Aufklärung _ wie von außen her. Vielleicht ist es zu kraß, das Idealisieren, jede Romantik als eine Art von Flucht anzusehen, und gewiß macht Brunner so wenig den Eindruck eines Flüchtenden wie Cohen, aber waren ihre Synthesen denn jetzt tragbar, und wenn ja, warum mußten sie sie ständig wie etwas Zusammenbrechendes stützen und verteidigen? Auf einer schlichteren, weniger komplizierten, rein literarischen Ebene fand Moria Heimann eine, wenn man will, paradoxale Lebensmögli«. keit: „Es ist nichts Unnatürliches darin, seine Bahn mit zw« Mittelpunkten zu laufen; einige Kometen tun es, und die Planeten alle", — auf der Ebene sozialistischer Lebensgestaltung, die fast religiös erscheint, findet Gustav Landauer das Judentum wie ein Stück Natur, auf der Ebene der Religion, die alles bestimmt, ist die Synthese entschieden ... für Franz Rosenzweig. Wie diese Synthese heute lebensmäßig beschaffen wäre, wissen wir leider nicht, da Rosenzweig 1929 gestorben ist, sprachmäßig ist sie da und lebt und wirkt weiter. Rosenzweigs Schriften und Uebertragungen werden immer einflußreicher, seine und Martin Bubers Bibel-Uebersetzung ist du Grandioses Zusammenleben von jüdischem Urgut und deutscher prachgestaltung. Buber hat in seinen Darstellungen und Interpretationen des Judentums ebenso stark den Osten europäisiert, wie er ihn uns erschlossen hat; er hat das Vielfältige des Chassidismus als Organisches, das Dunkle als Mystik, das Glaubensmäßige als Metaphysik erkannt und aufgetan, er hat von solchen Gründen her das Judentum überhaupt plastisch, fast praktisch legitimiert, wie Cohen es intellekteil, wie Brunner es apologetisch legitimieren wollte. Von den Dichtern, die es scheinbar leichter haben, faul nur einer ganz einhellig den geraden Weg*, Richard Beer- H o f m a n n, der mit seinen wenigen Gedichten und seinem biblischen Dramenzyklus „der" deutsche Dichter der jüdischen Erneuerung ist. Arthur Schnitzler hat nicht nur im „Weg ins Freie" über sich „jüdischen Gerichtstag" gehalten; sein Judentum war nie an sich ein Problem, sondern eine ihm ewußte und gepflegte Realität. Für Jakob Wassermann war es ein Problem, den Weg als Deutscher und als Jude.ru gehen, ein bewußte^ ständige Auseinandersetzung forderndes Problem, und das Ende des Weges war Verzweiflung. Das Problematische der deutschjüdischen Existenz konnte auch Georg Hermann durch die „Flucht in die Vergangenheit;- weit" Jettchen Geberts nicht umgehen, und in seiner einzigen theoretischen Schrift „Der doppelte Spiegel" fand er nodt weniger den Ausgleich und Frieden. (Man wird uns einwesden, daß eine derartige Betrachtungsweise allzu einsciti} aus der heutigen deutschjüdischen Situation heraus kommt, worauf zu entgegnen ist, daß wir Worte wie „Flucht", „Weff, „Wendung zum Judentum" weder pro noch contra meinen, sondern daß wir Tatsachen konstatieren.) Auch das bloße Bekenntnis zum Judentum, die Anerkennung blut- und geschieht*- mäßiger Zusammenhänge ist ja keine Rettung. Alfred Döblin hat sein Judentum nie verleugnet, sein Deutschtum nie als absolut empfunden und doch nie eine klare Entscheidung erzielt. Vielleicht haben die alten zivilisationsbewußten, g«|lZ westlich eingestellten, nur Emanzipation suchenden Ghettoromantiker Franzos und Kompert ein näheres Verhältnis zum Judentum gehabt als manche reumütigen Heimkehrer der „Moderne". Aber die Grenzen verwischen sich, und vielleicht gibt es wenig so Jüdisches wie Franz Werf eis und Else Lasker-Schülers Gedichte, Peter Altenbergs Impressionen und Franz Kafkas seltsame Prosa. Arnold Zweig hat sich von seinem Ritualmord-Drama an mit jüdischen Stoffen auseinandergesetzt, Max Brod hat das Judentum in Ideenströmen und an historischen und erdachten f ip1' ren zu deuten unternommen, St. Zweig versucht, es auf einer menschheitlich allgemeinen, ethischen Basis zu halten. D|e Um- und Nebenwege der Fried eil, Kraus, Polga,r> Ehrenstein, Gundolf, Fulda verraten vielleicht m ihrem Besten jüdisches Wesen. Von allen Heimkehrej-n aber gab Karl Wolfskehl die großartigste, dichterischste jüdische Vision. In seinen Gedichten hat das deutsche Judentum, das in sich verkapselte, nach Ost und West sich verschließende deutsche Judentum, den Kontakt mit der antik bestimmten jüdischen Idee wiedergefunden. Die Geschichte hat die Liebenswürdigkeit gehabt, ck» englisch-jüdischen Autoren das Leben nicht so prob!emschwer zu machen. Mit stolzer Pointe konnte Disraeli, obwohl lang" kein Jude mehr, über den Darwinismus, die menschliche Verwandtschaft mit den Affen, hinweggehen: „Wir Juden habe" damit nichts zu tun, unser Stammbaum geht auf die Erzengc zurück." Der Hang zu einem romantisierten Judentum uw zum Alten Testament ist in der englischen Literatur Tradition und spiegelt sich in Lord Byrons Hebräischen Melodien, Robe" Brownings Balladen, George Eliots Zionismus jn „Daniel IJf ronda", in Bernhard Shaws Offenen Briefen an Henri Bernstein, in Chestertons und Hilaire Belloes weitherzigen und gescheiten Erörterungen des jüdischen Problems. Von den englisch schreibenden Juden aber hat nur Israel Zangwill sk damit wirklich herumgeschlagen er hat jüdische Menschen g ' zeigt, nicht immer glückliche, aber ungemein glücklich in de humoristischen Kabinettstück „Der König der Schnorrer vo den jüngeren Autoren hat keiner so berechtigten Erfolg P\ habt wie der höchst realistische, unerbittlich psyeholo|is*J und ethische Kriegslyriker Siegfried S a s s 0 o n. C, , , Pin er o und Alfred Sutro haben mit Dramen, Giaa>' i t

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