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Jüdische Rundschau · 1935-04-17 · Heft 31-32 (17.4.1935) · page 33

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 31-32 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 33)
Language
German
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Mr, 31/32. 17. IV. 1935 40 JAHRE JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 33 AUS FRANZ ROSENZWEIGS BRIEFEN Franz Rosenzweig war zweifellos eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des deutschen Judentums der letzten Epoche. Er wirkt durch seine Werke, insbesondere sein Buch „Stern der Erlösung" heute weiter und wird in einer Zeit, wo die deutschen Juden eine Verankerung im Judentum suchen, immer mehr ihr Lehrer. Die Sammlung seiner Briefe, die demnächst im Schochen-V erlag erscheint, ist ein einzigartiges Buch, das eine unübersehbare Fülle von Anregungen bieten wird. Erschütternd lesen sich die Worte, die Rnsenzweig in einem Briefe 1917 geschrieben hat: „Ich werde erst posthum meinen Mund ganz auftun." Wir geben mit Erlaubnis des Verlags nachstehend einige Stücke aus diesem Briefband, der noch eine eingehende Würdigung erfahren wird, wieder: Erstens Briefe aus Üsküb, wo Rosenzweig während des Krieges als Soldat gewesen ist, und die einen Seder und Peßach im sephardischen Milieu schildern. Diese Schilderung zeigt Rosenzweig auch als wahren Künstler der Darstellung. Zweitens einige Bruchstücke aus Briefen, in denen vom Zionismus die Rede ist. Peßadi in Üsküb 3. 4. Liebe Eltern, Osterferien! . . . Der Leutnant hat mich . . . sogar einen Tag früher nach üsküb geschickt als nötig war. „Gehen Sie nur schon morgen; es ist sehr hübsch in Csküb." . . . Salonion Gabirol heißt „Ihn liahirol" und es ist nicht gegen die „allgemeine Bildung", den Namen zu kennen. Richter und Philosoph; im Machsor des Kolnidre-Abend ist ein langes Lehrgedicht von ihm abgedruckt. . . . 6. 4. [1917] Liebe Ellern, also gestern, ich halte im-;i zieferfrei übernachtet, schlenderte durch die Stadt, bis ich zufällig an das ,,Hotel Sohar" kam, wo der Seder sein wird, liier traf ich den Burschen des Rabbiners, eines Dr. Lazarus aus Essen, dann ihn selbst. Krkennungsszene, er ist der jüngere Bruder von Dr. L. in Kassel, Konnennäler, . . . zwei Klassen unter mir. Mit ihm blieb ich nun zusammen, aiS gut zu Mittag, unterhielt mich sehr gut; fr ist ein frischer netter Kerl, natürlich noch wenig repräsentativ. . . . Auch Sefarciim habe ich viele gesehen und dem Gemeindevorsteher einen Besuch gemacht, Kauf- Imann, sehr würdig, aber noch viel gerissener ils würdig aussehend, Frau unjüdisch ansehend, Töchter rassig, die altere, üro (Gold- •lien), war in Saloniki auf der deutschen l>rhule, die jüngere, Fortune (Glückel!), vier- I zehnjährig, kann noch kein Deutsch. Fränkisch können sie alle, unter sich sprechen Spanisch, das die Männer mit hebräischen, die Frauen mit bulgarischen Buchstaben schreiben; das versieht man mit Italienisch ziemlich leicht, wohl weil es altspanisch ist. Jüdisches 'Wissen null, jjüdi- | sches Leben dagegen selbstverständlich, ver- [ kehren nur untereinander, fühlen sich, mit k Recht, als Elite, sind aber (in puncto Gastllichkeit usw.) der lkweis dafür, daß wir es [nicht vertragen, wenn es uns zu gut geht. Dies ist das allgemeine Urteil, das ich aber bestätigt fand. Statt Rabbiners schimpft sich dpr Chasan „Chaeham", den Gottesdienst werde ich erst noch kennen lernen. Die Virsteherfamilie heißt Navarro! Denkt euch übrigen« eine ganz mise chambre-garnic-Einrichtung: empfangen wird man in einem Schlafzimmer I Die Namen sind überhaupt herrlich, ■/.. B. Isaak Calderon. — Die Stadt ist sehr schön: heute werde ich noch mehr sehen, Moscheen usw. . . . Heut morgen machen wir noch Einkäufe für Charauses usw., weil ich darauf nicht verzichten wollte Malt Aepfel nehmen wir Kastanien!). Im 'ihrigen sorgt Oro Navarro für das Funktioj niertii der Küchenangelegenheilen, allerdings ~7 Kalchas, du weißt wohl warum: der Uabliincr versorgt Navarros dafür mit Mazze. I!• iliaupt, wie gesagt, sie sind sehr happig, hie Kochfrau (Jüdin!) war nicht unter — 2«! (zweihundert) Mark zu kriegen. Armes bi'iitschland! Einen Soldaten, elwa einen Schlächter, zu kommandieren, gelang nicht, *>il keiner aufzutreiben war. — ... Die Kimler _sind nett hier. Wer sagt, die Sefardan seien eine andere Hasse wie wir, der '"t't. Aber sie haben ein anderes Schicksal gehabt. — Seffirdisdie Bräuche. 10 4 rmn] hiebe Eltern, wieder beim Zug, bei den 'reizen; . . . Also es waren wunderschöne K«', die ich ungern aus meinem Leben streichen würde. Üsküb ist eine sehr merkwürdige Stadt. Ein völliges Neben- und ^übereinander der drei Nationalitäten (Tür- '•'H. Mazedonier, Juden; die Zigeuner zählen ^"llpolilisch nicht mit; ihr Vierlei ist das "inlelhierlel. etwas Besonderes soll es nicht Freilag war ich bei den Sefardim 'ii der großen Synagoge, einem sehr schönen, f1nz weiß getünchten viereckigen Raum mit . "Pl'elkasselten und zugehörigen Säulen. Der ■ üchsor ziemlich wie bei uns, die Melodien anders, auch die alten, aber originell lebendig, das ,,1'cha dodi" war sehr II "''ii, eine Knabenstimme mit Tenorvolum Wer vielmehr Tenorlimbre führte; die Kchrt- ''iiiliing bei der Schlußslrophe machen sie k". > '''"'Regen die drei Schritte rückwärts . "'i Kaddisch; hier sagen sie hinter "]'^0,1 l™^8 noch: .TfWa aip'V) und die Verdungen und das Hüpfen in der Sch'mone ,'.r<: v.ie bei unS) ebenso das Küssen der '0ra mit dem Tallis, den Tallis tragen sie U 9 gerollt um den Hals, teils um den "iltrkopf, dagegen wenig über dum Rücken, Beim Soh'ma, d. h. nur bei dem ersten Satz, pressen sie zwei Finger fest auf die geschlossenen Augen und küssen dann laut die Finger. Von den Freilagabendpsalnten sagten sie nur den Gewitter--') und den Sabbalpsalm'). Diu Bänke z. T. so, daß man direkt dem AI meinor den Rücken zudreht. Die Tliorarolleu eingewickelt, aber nicht in kinderw ickeln1), wenigstens sind sie ganz indifferent ornamentiert. Der Trop völlig um nnserm verschieden, viel farbloser; . . . Disziplinlosigkeit und Gemütlichkeit gut entwickelt. Im Gebet für den Landesherrn (ich bin ja schon am Samslag früh hineingeraten), das nur hebräisch ge-agl wird, habe ich also für *T2l«,-nD ~\b?371 '') ptTSin gebetet. In Belgrad wird das Gebet ausgelassen. — Hoffentlich komme ich nnirg«'i» weiter zum Erzählen. Jetzt erst Antwort . . . Dieses Volk Ja, das schwarze Pulzianum6) hat stilistischen Schmiß; daher habe ich es auch so K'liön abgeschrieben. Vor dem blonden1) hat es voraus die längere Lagerzeil; daher sind die „allgemeinen Vorbemerkungen" (Mathematik! Sprachen! u. a.) nicht, „im Denken" und zwecks Denken niedergeschrieben, sondern mit voller Überlegenheit nur soviel gesagt, wie ich für zweckmäßig hielt (so der Anfang, dann über den Rabbiner und das Publikum, über die Emanzipation). Überhaupt steckt viel Diplomatie drin. —... Der Monde") Bruder ist von Franz Hesse'1), ich kenne ihn nicht; spuckt man nach ihm, so verteidige ich ihn nicht. Meine „Kraft" mag drüben wirken, meine „Energie" bleibt in der „Bann"-meile. Ich bin genau so pessimistisch wie du; es hat noch keinem gut getan, sich als Jude um die Juden ah Juden zu kümmern, von Moses ab. Lud jedem wird, wie 09 Möses geschah, angeboten: sei« Name solle groß werden, aber „dieses Volk" untergehen. Moses hat geantwortet: laß meinen Namen untergehen, aber das Volk soll leben. — Ich habe jetzt mit einem zehnjährigen Kind darüber gesprochen, oder vielmehr es mit mir.'!! Davon morgen. . . . „Herr Lcutnannt, ein Cohen" 11. 4. [1917] Liebe Elfern, also war ich bis Freitag, den 6. abends; die Spaniolcn geben meistens europäisch gekleidet, einige; aber mehr türkisch: breiter Talar mit schwarzem pelzbe-etztern Mantel ,— /um Seder waren drei- bis vierhundert Soldaten da. auch Österreicher, Russen und Rumänen, je ca. fünfundzwanzig. Die Bulgaren halten natürlich einen eigenen im Hause des Turnvereins Makkabi; sie haben kleine, ganz dicke feste Mazz.es, zwei Finger dick. — Von Offizieren war nur ein Artillerieleutnant . . . da, sonst Arzt, Lazareltinspektor, Apotheker; wenig Infanterie, viel Artillerie usw. Es war große Unordnung und viel (ieschimpf, dabei war alles sehr reichlich da, aber keine Organisation. Den Seder gab Lazarus, mit teilweiser Benutzung der schrecklichen Gedichte der Seligmannschen llaggada . . . I in zwölf waren wir im Quartier. . . . Um sieben früh ging ich zu den Sefardim; es dauerte von sieben bis neun, ich erzählte schon das Bemerkenswerte; danach sah ich noch eine Brismile, die sehr pittoresk verlief, es wurde sehr eintönig und viel dazu gesungen. Nachher gab es Zuekerwerk für die Kinder draußen. Um zehn war in dergleichen Synagoge der Mililärgottesdienst. — Ich vergaß noch: es gab bei den Sefardim eine kurze und sehr frisch unsalbaderig gesprochene Predigt des Chacham aus Sofia, der die Schule in Üsküb leitet, eines kleinen, alier schön bevollbärleten ca. vierzigjährigen Manns. Das Spanisch klingt prachtvoll energisch, schon durch die vielen ./»"-Endungen der Plurale; verstanden habe ich fast nichts. — Also um zehn; wieder ca. dreihundert Soldaten, ich machte etwas Sehammes- *) Aramäisch: „Kr möge Königen sein Königreich" und: „Er möge nähern seinen Gesalbten". *) Psalm 29. 3) r-alm 92. *) Die Väter pflegen ihre einjährigen Knaben in die Synagoge zu tragen und mit deren Namen bestickte Händer zu stiften. &) König Ferdinand I. von Bulgarien. 6) Pie Urosehürc „Zeit ist',". ') „Volksschule und Keii Iks< hulc"; eine unveröffentlichte Schrift zur dem-dien Schuitragc. *) „Volksschule und R, i. h-M-lmW". "J Erwogenes Pseudonym lüt L. K. gesehiifte, indem ich die Täfelchen an die Aufzurufenden ausgab und dabei einen der drei christlichen Offiziere, die, offenbar von der Orlskomtuaudaiitur, aber ohne sich dem Rabbiner vorgestellt zu haben, da waren, fragte, ob „Herr Leutnant ein Gölten sind". Als Gha-an fungierte ein wirklicher aus Lichtenberg bei Berlin, ein ca. dreißigjähriger Landslurmmauii. mit einem wirklich s'hötien Mozarllenor; aber ich mußte doch lachen, wie ich, zum erstenmal wieder, die schrecklichen Fratzen sah, die so ein berulsinäßiger Sänger schneidet; es war mir früher nie so aufgefallen. Ks war dadurch ein sehr, was man nennt, würfliger Gottesdienst, nach deutscher Art; die Lewandnwskischcn Melodien wurden kräftig ohne Bücher mitgesungen. Vorher Ilallel, nachher Mussaf. Aufgerufen wurden erst zwei beliebige Gemeine ab Cohen und Levi, dann der Leutnant, der Arzt, ein Russe, ein Rumäne, als Maflir ich; bei den Brüchen, die ich runterrappeleu wollte, verhedderte ich mich etwas, was aber nichts schadete, dafür wurde mir, wie ich nachher hörte, schwer verübelt, daß ich die llaflara, da ich den Trop nicht genügend kann, mit vernünftigem Ausdruck, wie einen deul-chen Text, las (nicht das Lesen, sondern die sinngemäße l'hrasierung fand man ..eingebildet", so rasch haben einen die Menschen heraus;. Nach dem Kinheben (geleint hatte ein öslerreichisch-galizi-cher Lehrer mit \ollbart und polnischer Oissprache, sehr hübsch i predigte Lazarus, ganz nett, obwohl in den Senlimentalilälen noch ohne Glaubwürdigkeit: er ist noch zu jung und lustig. Da er inzwischen gemerkt halte, daß die drei christlichen Offiziere dabei waren, so legte er ohne rechten Zusammenhang eine patriotische Donner- und Blitzeinlage ein. Kr war übrigens, da er am Mittag des Freitags einen Wagemut fall (in üsküb gibt es Droschken 1) gehabt hatte, im Verband und salbeubescluuiert im Gesicht, „Mission"? Nein 12. 4. [1917] . . . Du hoffst noch viel zu viel von den Juden. „Bewundern" würden sie mich nur, wenn ich eine Berühmtheit von deutschen Gnaden mitbringe. Und wenn einer ein großer Bakteriologe ist, so wirtl seine Ansicht, in jüdischen Dingen ehrfürchtiger angehört, als wenn einer sich mit diesen Dingen expreß befaßt hat. Sit' werden mich nur begeifern. Ich habe es seit Jahren verfolgt und habe nicht vor, mich zu wundern. Eben sehe ich,' daß ihr das auch schreibt, in einer Stelle, die ich zuerst übersehen halte; ja gewiß, so ist es. Illusionen macht! ich mir nicht, sicher nicht für Lebzeiten. ,,Mission'? nein, dann müßte ich ja an mich glauben, aber ( ich habe) das ganz bestimmte Bewußtsein, keine Wahl mehr zu haben, weil ich („ich") gewählt habe. Meyrink hat die Sache mehrmals gut geschildert (übrigens um Himmels willen, daß ihr nicht glaubt, ich hätte Visionen usw., keine Spur von sowas). — Wir leihen schon ein Gelehrtenproletariat, unsere l'rivaldozenten, die, ungeiauft, an deutschen Universitäten nicht leben und nicht sterben können, sind es, und mögen sie noch so reichlich von Hause finanziert sein. Mit fünftausend Mark und Amt ist man kein Proletarier mehr. . . . Seder mit Kameraden 13. 4. [1917] Abends ging ich wieder ins Ghetto, ich halte gehört, es gäbe noch eine andre kleinere Synagoge, ich fragte auf der Straße ein paar .Jungens nach der „piecola" Synagoge, was nicht verstanden wurde worauf einer, ein zarler gut angezogener (Salonlirolcrjöpprhcn) mich französisch fragte, was ich wollte und mich dann selber hinbrachte. Y,r hieß Kmantiel Noah, zehnjährig, sprach außer französisch auch schon ziemlich viel deutsch, entpuppte sich als Neffe von Navarros, hat noch sechs Brüder. Die kleine Synagoge wird von den aus Saloniki Kingewanderlen besucht (auch Navarro gehört dazu"), ist ein breites Rechleck, Bänke an den Wänden, die Frauenrmpore im Süden. — Der Gottesdienst natürlich viel weniger offiziell als in der großen. Nachher zeigte ich dem kleinen Immanuel noch unsere Sedertafel, er halle mir vorher die bulgarische gezeigt. Kr gefiel mir sehr, sudaß ich ihm sagte, er sollte mal am nächsten Millag rüber zu Navarros kommen. Beim Seder holte ich mir F. . . . und wir setzten uns zu den Russen; es waren meist große starke Leute, aus Minsk, Odessa, einer aus Kamienez an der galizischen Grenze. Bei diesen könnte man viel eher darauf kommen, es wäre eine andre Hasse; ich fürchte auch, daß es wirklich s<i ist: die große Pogromepochi: seit 18SI muß jat Folgen gehabt haben. Sie sprachen alle natürlich deutsch, d.h. eben jüdisch, was nicht schwer zu verstehen ist, waren scharf und aufgeweckt. Zur Bewachung war ein vollhloudhärliger Hamburger Landslurmmann mit, der vor liülirting weinte und den ich fleißig mit Mazze etc. lullerte. Nachher gab es noch eine lililzlichlaulHahme in einem Hof. Am Sonn tat; schlief ich lange, einen orthodoxen Gotlesdieiist sah ich leider nicht, ich hatte es einfach vergessen, nur zu einem kam ich, der zu Linie war, — ich sah nur noch einen Kniefall einer Frau, sudaß ich nun weiß, wie die-e I)<Hojew-kische Geste („nicht europäisch, weißt du, — russisch!!" sagt Mit ja karama-of f) aussieht. Arabisches Intermezzo Wir sahen einen Derwisch, sie tanzen aber jetzt nicht, weil die Klo-Ier alle mit Bulgaren lieh et sind. - - Man erkennt sie am grünen Turban. Auch eine kleine Begräbnishalle von Derwischen entdeckten wir /.ufälhg. einen Raum mil elwa zehn mit lüchern bedeckten I lolz«ä igen und Waffen an der Wand. Aber das Merkwürdigste war dies: ich wollte, den llo/lschn1") der .Moschee kennenlernen, F.... ließ .-ich rasieren, ich ging voraus, fragte. — „Ja. der Mufti11) sei oben", ob man wohl huidürl'le.1 Ja, Ich klopfte al-o an. ein großes, helles Zimmer, Slühle etc. sauber an der Wand, ein Tischchen mil ein paar Büchern, an einer Wuiul ein kleines Regal mit Büchern, sonst leerer Ilauni in der Milte. An der Wand hinter dem Tischchen der Mufti, also das geistliche Haupt der l'sküber Mohammedaner (wenn nicht mehr), schwarzer Talar, kleiner Bart, etwas Oberlehrer oder Bürokrat, Türke, Sulcimann, neben ihm ein langer kaffeebrauner, bunter gekleideter Mensch mit dem gewissen stumpf sinnig-geistvollen Orienlalengesicht, ein Inder, wie sieh nachher herausstellte. Ich wurde zum Sitzen aufgefordert» neben ihm an der Wand, bekam meine Zigarette und dann sprach ich kühn arabisch' drauflos, es ging wirklich etwas; ich ließ mir. seine Bücher zeigen, erklärte ihm, daß ich ein Muallitn filfeil-af.i1-) sei usw., er wollt« mir auch die Bekanntschaft von Mohammed ihn Schdendi vermitteln, ich sagte aber, daß ich ihn schon kenne. Sudaß ich aber immerhin die Gewißheit habe, wirklich die beiden in Betracht kommenden Leute in f'sktib kennengelernt m haben. Nachher kam aueb F. hereingeplatzt, was eine kleine Verlegenheit gab; er war elien-ow enig wie ich auf so eine „Spitze der Behörden" gefaßt gewe-cn, ah die sich der Mufti schon äußerlich und durch das Zimmer präsentierte. Der Inder sprach kein Wort; der Mufti erklärte, daß er das Arabisch so anders au —prorhe, daß er nicht mitsprechen könnte. Fr begleitete uns dann nachher bis zur Treppe. . . . Inzwischen war es Zeit für mich, zu Navarros zu gehen. Fs gab ein sehr gutes K—en, das abgesehen von der südlichen Nuance ganz an gutes jüdisches Fssen in Deutschland erinnerte (sehr feit und sehr müde machend); vor Tisch rituelles I länch'w .'ischen, nachher kein Tischgebet, vielleicht weil während des Mazzcpuddiugs eine christliche Krankenschwester gekommen war. . . . Nachher suchte ich' Fmanuel, weil er nicht gekommen war, fand ihn nicht zu Hause, suchte weiter auf der Straße, fand ihn mit andern Jungens. Er benahm sich vollendet weltmännisch, entschuldigte sein NiVlitkommen mit einem Mißverständnis (— in Wirklichkeil liegt es so, daß Navarros offenbar keinen großen Wert auf die Verwandtschaft legen). Nim blieb ich mit ihm zusammen. Er nahm mich erst von all den andern Jungen fort, der wäre schmutzig lener wäre Wieso denn hi Das sei eine böse Familie. Sie machten am Festtag das Geschäft nicht zu. Üb es viele striche Familien gäbe;' Ja, etwa fünf. Hebräisch konnte er noch nicht viel. An der Wand im Turnverein Makkabi. wo ich die Jungen getroffen halte, standen passende Sprüche, hebräisch mit spaniolischer") (hebräisch geschriebener) ÜLei'setzimg. (l'othetzuiig auf S. 38) '») Geistlicher. I!) Gutachtlicher Richter. ls) Lehrer der Philosophie. n) Ladino, Judenspanisch. M

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