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Jüdische Rundschau · 1935-04-17 · Heft 31-32 (17.4.1935) · page 22

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 31-32 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Seit»??, 40 JAHRE JÜDISCHE RUNDSCHAU Hr. 31/32, 17. IV. 1935 'j BEGRÜSSUNGEN Aus den uns anläßlich des vierzigjährigen Jubiläums zugekommenen Zuschriften und Begrüßungen bringen wir nachstehend einen Teil zum Abdruck. Wir tun dies nicht aus einem Wunsch nach Ruhmredigkeil, aber wir glauben, daß bei einer öffentlichen Angelegenheit, wie sie eine Zeitung darstellt, die Resonanz, die sie findet, mit zum Wesen gehört. Die abgedruckten Zuschriften wurden mir an einigen Stellen etwas gekürzt oder verändert, nämlich dort, um der Text nur auf Persönliches hinzielte. Doch haben wir auch manches Persönliche stehen lassen, weil wir der Meinung sind, daß es ja hierbei nicht um eine Person geht, sondern um eine Sache. Einige der Gratulanten haben über die Freundlichkeiten hinaus in ihre Zuschrift auch kritische Aeußcrungcn eingeflochten. Wir freuen uns, daß gerade unsere engsten zionistischen Freunde damit beweisen, daß aufrichtige Sprache auch bei festlichen Anlässen am Platze ist. Wir haben uns mit diesen kritischen Bemerkunger. an anderer Stelle auseinandergesetzt, weil wir der Meinung sind, daß es auch hierbei nicht um eine Person geht, sondern um eine Sache, und zwar um eine sehr wichtige. Sache. Red. Dr. Chaim Wciznwnn telegraphiert uns aus Rcehowotht Sie hab«n immer den Mnt nr Wahrheit gehabt, haben die Kraft gefunden, mit klarem Blick die Wirklichkeit ara offenbaren. Reinen Hermena and mit lauterer Gesinnung haben Sie ruhig und unübertrieben gezeigt, was ist und was «vir durch eigene Kraft tun kSnnen. Mit reichem Wiesen haben Sie hellsichtig den Weg zum Aufbau von Eres Israel beleuchtet. Sie haben früh das Schickaal der jadischen Welt in der Golah erkannt Unerbittlich war Ihre Kritik In den Zelten des lulleren Aufstiegs, beglückend die Haltung in der Zeit des Niedergangs. Sie wurden uns ein Trost in schweren Tagen* Ich danke Ihnen dafür, daB die „Jüdische Rundschau'1 Immer den ewigen Kräften der zionistischen Bewegung gedient hat und es abgelehnt hat, sich mm Sprachrohr der Erfolge des Tages zu machen. Vergessen Sie nie, daB die Verwirklichung des Zionismus mit der Umkehr der Judischen Menschen verbunden ist und daß ohne Wustenwanderaag kein neues Volk erstehen kann. Mut und Wahrhaftigkeit sind die großen Tugenden, die uns zum Sieg« fuhren werden. Weismann Die Reithsvertretung der deutschen Juden schreibt.' Seit Gründung der Rcichsvertrctung der deutschen Juden hat sich die „Jüdische Rundschau" als «in ebenso treuer wie kritischer Freund erwiesen. Möge sie beides noch lange bleiben! Zu ihrem Jubiläum senden wir ihr aufrichtige und herrliche Glückwünsche. Hie Reichsvertretung der deutschen Juden Beeck Hirsch Dr. Leo Baeck schreibt uns: Der ..Jüdischen Rundschau" bringe ich m ihrem vieriigsten Geburtstage meine herzlichen Glückwünsche dar. Auch eine Zeitung hat ihre Jahre; Reginn und Jugend und M.iuni'-ollrr i'olgrn in ihr, wenn sie es erlebt, auf einander, und «enn sie wächst, kann sie ihre \\ achstuniskriscn erfahren, und wenn sie bleibt, können ihre Tagt» zu Zeiten, ihre Zeiten zur Geschichte werden. Jede Zeitung ist für den Tag bestimmt. Aber darin unterscheidet sich die eine von der anderen und entscheidet sich ihr Weg, daß die eine aus der Stunde heraus und die andere aus einem Bleibenden hervor vom Tage und mm Tage spricht. Die eine ist nur eine Reihenfolge von Blättern, sie hat nur Zwecke, und sie vergeht mit der Zeit; die andere hat ihr Leben, ihr Ziel, und ihre Stetigkeit wird zur Geschichte. Die „Jüdische Rundschau" hat es erlangt, daß ihr Werden und Wachsen zu einem Geschichtlichen geworden ist. Sie hat es erreicht, vor allein, weil sie keiner Partei und keiner Gruppe unlertan geworden ist. Sie hat einer Bewegung, der zionistischen, dienen wollen; sie hat ihr durch freie Männer, die jedem Blatte aufrechte Gestalt und rechtschaffenen Ausdruck geben wollten, gedient. Der Zionismus begann in Deutschland, das ]-\ hier sein Eigentümliches, alseine Revolution der Jugend. Das war hier seine Stärke, und das hatte schließlich eine Schwache werden können; denn Jugend wird eines Tages zur Vergangenheit. Daß das, worin Jugend innerlich weiterleben kann, das Geistige, das Ideale, die große Hoffnung, sich immer neu forme und bilde, das ist dio große Aufgabe, die Meli die „Jüdische Rundschau", je länger, desto entschiedener, treselzl hat. Auch damit ist sie über das bloß Parteigemaßo emporgewachsen. Die Bewegung will Kraft sein, Kraft zum Wege; die Partei mochte Macht werden, hallende Macht. Und alle Kraft, alle Bewegung will Kraft und Bewegung eines großen Ganzen sein. Das Ganze, das jüdische Ganze zuerst sehen und erst von ihm aus das Gesonderte, das Herantretende, das ist es, was einer jüdischen Zeitung eine Größe und damit ein Lehensrecht und eine l.ebenspfliebt gehen kann, für die es sich lohnt zu arbeiten und zu wirken. Der „Jüdischen Rundschau" ist es so zum Zeichen und zum Zeugnis geworden. Mögen ihr in geschichtlicher Zeil sich Jahre zu Jahren fügen! f)wJ?- Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlin, Direktor Heinrich Stahl, sdireibt uns/ Die „Jüdische Rundschau" begeht an einem der nlchston Tage die Feier ihres vierzigjährigen Bestehens. Ist die Zeit auch nicht geeignet für uns, zu jubilieren, so lohnt es sich doch, solche Tage als Marksteine jüdischer Leistung zu betrachten und mit Befriedigung der geleisteten, mit Zuversicht der kommenden Arbeit zu gedenken. Die „Jüdische Rundschau" hat gerade in den letzten Jahren einen besonderen Aufschwung genommen. Sie halte das Glück, einen publizistischen Leiter seltenen Grades zu haben, der ihr Kopf, Herz und federführende Hand zugleich ist. So nimmt sie im Schrifttum des Judentums über Deutschland hinaus eine allgemein beachtete und angeschene Stellung ein. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde, für den ich spreche, will daher auch seinerseits nicht an diesem Gedenktag vorbeigehen. Waren die Meinungen von Gemeindevorstand und Schriftleituiig auch häufig voneinander abweichend, werden sie es vielleicht auch in Zukunft sein, — gemeinsam wird der reine Wille sein, nach bestem Willen für das Judentum zu wirken, gemeinsam der Wunsch, bestehende Meinungsverschiedenheiten in Fairoess und Freundschaft auszutragen. M. Ussischkin, der Vorsitzende des Keren Kajemeth lejisrael in Jerusalem, schreibt: Sehr geehrte Redaktion! Zum 40jährigen Jubiläum der „Jüdischen Rundschau" sende ich Ihnen meine innigsten Glückwünsche, Im Laufe dieser 40 Jahre habe ich Ihre Veröffentlichungen — mit verschwindend kleinen Ausnahmen — eifrigst verfolgt. Nach meiner Auffassung hat die „Jüdische Rundschau" drei Perioden durchgemacht. Die erste fiel in jene Zeit, als in Deutschland sich nur eine ganz kleine Gruppe zum Zionismus bekannte und das ganze übrige deutsche Judentum der zionistischen Bewegung feindlich oder gleichgültig gegenüberstand. Ich war stolz auf diese tapfere Minorität, welchedie „Jüdische Rundschau" mit so viel Mut gegen die jüdischblinde Welt vertrat, denn es bedurfte eines starken Mutes, Ideale zu predigen, die in einem schroffen Gegensatz zu den Nahum Sokolow, Präsident der Jewssh Agcncy, telegraphiert uns ans Jerusalem i Mein« herzlichsten Glückwunsch« anläflUch Ihres Jubiläums. Chasak! Nahum Sokolow Anschauungen der damaligen deutschen Judenheit standen. Diese ersten Jahre der „Jüdischen Rundschau", in der sie die Ideale des nationalen Stolzes, des Jüdischen Selbstbewußtseins, der jüdischen Hoffnungen auf eine eigene Heimat inmitten einer diesen Gedanken feindlichen Welt verkündete, werden unvergessen sein. Dann kam eine Periode des Sieges; die „Rundschau" wurde ruhiger, weniger aggressiv, sachlicher, tiefer. Man konnte den von ihr vertretenen Anschauungen zustimmen oder nicht — Anlaß zu einem heftigen Streit gaben sie nicht. Eine Glanzperiode für dio „Jüdische Rundschau" war Hie Zeit unmittelbar vor dem Weltkriege, wo sie mutig den Kampf für die Verteidigung der hebräischen Sprache in Erez Israel aufnahm. Ks wird immer ein Ruhmesblatt in der Geschichte der „Rundschau" bleiben, daß sie es gewagt hat, gegen den Hilfsverein der deutschen Juden den Kampf um den Primat des Hebräischen in den Schulen Erez Israels aufzunehmen. Dann brach der Krieg aus, und wieder halte die „Rundschau" Gelegenheit, ihren Mut zu zeigen. Das Judentum der ganzen Welt war zerrissen, Bruder kämpfte gegen Bruder auf den verschiedensten Schlachtfeldern, doch die „Rundschau" verstand es, auch in jener Zeil, eine Harmonie zu schaffen zwischen ihren Pflichten gegen das Wuhnland und ihren Pflichten gegenüber den Stammesgenossen. Es kam die Nachkriegszeit und plötzlich — erlauben Sie mir, dies offen zu sagen — eine Depression der Kraft und des Mutes der zionistischen Bewegung. Ich kann mir die Ursachen dieser Depression erklären. Diese Periode ist kritisiert worden und wird weiterhin kritisiert werden. Die „Rundschau" führte einen Kampf gegen große Iloffnungon und Aspirationen innerhalb des Zionismus; diesen Kampf führte sie ehrlich, aber er war schädlich. Diese Periode ist fast gänzlich überwunden. Dann brach über das deutsche Judentum die große Katastrophe herein, und es gereicht der „Rundschau" »um unvergänglichen Verdienst, daß sie mit Stolz den gelben Fleck des Judeseins trug. Mit dieser Haltung wurde der Schatten der vorhergehenden Periode beseitigt. Zu ihrem 40jährigen Jubiläum ist mein Wunsch, daß Sie Ihren Stolz und Ihren Mut nie verlieren, daß Sie unter keiner Depression die Wünsche und Aspirationen des jüdischen Volkes aufgeben. Die Stimme des lebendigen Erez Israel dringt schon jetzt in die entferntesten Ecken der Welt — wo immer Juden aus diesen oder jenen Gründen Unterdrückt werden, bringt diese Stimme neuen Mut und neue Hoffnung. Und wenn Sie Ihr 50jährige» Jubiläum feiern werden, wünsche ich, daß die Sonne auch dem deutschen Judentum wieder erstrahlen möge, und Sie imstande sein werden, zu Ihrem Publikum in unserer nationalen Sprache zu reden. Ich weiß, es ist üblich, anläßlich von Jubiläen ntir Gutes zu sagen und keine Kritik zu äußern, aber meine Anschauung ist eine andere. Nur derjenige ist ein Freund, der immer ond stets frei, und offen die .Wahrheit sagt» und als ein solcher Freund beglückwünscht Sie Ihr Dr. J. L. Mngnes, der Kanzler der Universität Jerusalem, sdireibt uns: Ich gratuliere der „Jüdischen Rundschau" zn ihrem 40jSh» rigen Jubiläum, und tue das insbesondere wegen der Haltung der „Jüdischen Rundschau" in den letzten 15 schicksalsreichen Jahren. Sie haben die „Jüdische Rundschan'' zum Organ de* höcM sten sittlichen Strebens und Denken! innerhalb des jüdischen Volkes gemacht Sie haben niemals versagt, und mit jeder neuen Krise wurde die „Jüdische Bundschau" zum Wecket und geistigen Führer. Möge die „Rundschau" ihren Mut und ihre Weisheit immer bewahren und immer für das Licht und die Wahrheit kämpfen. jhr Martin Buber sdireibt uns: Von der „Jüdischen Rundschau* wäre aus den 40 Jahren ihres Bestehens — ich kenne sie fast ebenso lange — manches Rühmliche zu sagen; das Rühmlichste aber ist, wie sie die Judenheit und das Judentum seit 2 Jahren vertreten hat. Sie hat es stolz und gelassen getan; aufrichtig, unsre Mängel nicht beschönigend, aber sie in ihren wirklichen Dimensionen zeigend; mutig, mit einem ruhigen, sachlichen Mut, ohne Bravour und ohne. Unterstreichung; klug, jeder Nachricht die rechte Sprache und jeder Meinungsäußerung den rechten Ton verleihend; unbefangen, allem Krampf, aller Gereiztheit, aller Kleinlichkeit abhold; anpassungsfähig und auf sich beharrend, tatsachentreu und ideentreu zugleich, Charakter und Niveau in einer Weise verbindend, wie sie in der Presse aller Völker nur selten zu finden ist; bedeutend, unvergeßlich, geschichtlich, ^/^Vd'ßlu^ Dr. Shmarja levin sdireibt uns aus Jerusalem: Bis jetzt hat man noch keinen einheitlichen Maßstab gefunden, um die Zeiten zu messen. Es gibt ruhige Zeiten und bewegte Zeiten. In bewegten Zeiten wickelt sich der historische Prozeß bedeutend sclineller ab. Die 40 Jahre, die die „Jüdische Rundschau" hinter sich hat, müßten in verschiedene Zeitabschnitte eingeteilt werden, um zu einer richtigen Wertschätzung der Entwicklung, die die „Jüdische Rundschau" in der Gesamtperiode ihrer Ent« wicklung durchgemacht hat, zu gelangen. Wenn ich aber in biblischen Kategorien denke, dann erwacht in mir das Bild der einstigen 40jährigen Wranderung durch die Wüste, bevor unsere Vorfahren den Rand des Gelobten Landes erreichten. Es bedurfte auch für das westeuropäische Judentum 40 Jahre der vorbereitenden Arbeit, um mindestens gedanklich die Wichtigkeit des Landes der Verheißung für das jüdische Volk einzusehen. Die „Jüdische Rundschau" hat immer auf der Wacht gestanden und bemühte sich mit ihren besten Kräften, der westlichen Judenheit klare Erkenntnisse vom jüdischen Schicksal beizubringen. Mit Mut und Ausdauer stand sie beinahe einsam da, umgeben von Gegenströmungen, die das Judentum aller Erinnerung und Verbundenheit an seine historische Vergangenheit entfremden wollten. Die „Jüdische Rundschau" strengte sich an, um gerade diese Vergangenheit der jüdischen Historie im Gedächtnis der heranwachsenden Generation wachzurufen, damit auch die Zukunft des jüdischen Volkes neu gestaltet wird. Nachdem die Wüste, die wir durchwandert haben, hoffentlich hinter uns liegt und der Beginn unserer Erlösung konkrete Formen angenommen hat, auf die jeder von uns mit Stolz und Zuversicht aufblicken kann, wünsche ich den Leitern und den Mitarbeitern der „Jüdischen Rundschau", «* soll ihnen vergönnt sein, ihre ganze Kraft der Schilderung des Aufbaus zu widmen. %^/j^ory^<^UJy^ Justizrat Dr. Julius Brodnitz, Vorsitzender des Centraivereins deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens, sdireibt an unseren Haupt Schriftleiter t Sehr geehrter Herr Dr. Weltach 1 Wenn eine Zeitung wie die „Jüdische Rundschau" aar eine 40jührige ehrenvolle Tätigkeit zurückblickt, so ist ge*»» ein Anlaß gegeben, den Dank für diese Arbeit auszusprechen, auch wenn man sich selbst nicht zu dem Standpunkt der „HuBdiftaut« bekennt. Ich habe immer den Standpunkt wrtreten, daß es im jüdischen Leben zwar Vertreter verschiedener Meinungen und Weltanschauungen gibt und auch geben muß, daß niemals aber ein Jude dem ™™tW„z1 Gegner gegenfiberlritt Gerade bei Ihnen, sehr geehrter ntxr Dr. Wcltsch, darf ich die gleiche Stellungnahme voraussetzen»

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