Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 31-32 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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V w*m+mmmmmm*mmmmm*^m Hr. 31/32, 17. (V. 1935 40 JAHRE JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 19 ERINNERUNGEN EHEMALIGER REDAKTEURE Wir haben die ehemaligen Redakteure der „Jüdischen Rundschau" gebeten, fir unsere Jubiläums-Nummer uns eine harre Reminiszenz aus ihrer Redaktionszeit zu schicken. Wir glauben, daß es viele unserer Leser interessieren wir I z". hären, wie man früher in der Redaktion gearbeitet hat und wiche Interessen und Gegenstände damals im Vordergrund standen. Selbstverständlich konnte eine vollständige Darstellung nicht verlangt werden, sondern mehr eine Plauderei, wie sie bei „Familienfesten" üblich ist. Dennoch glauben wir, dap aus diesen kurzen Andeutungen sich so etwas wie ein Skelett einer Geschichte der „Jüdischen Rundschau" aufweist. Hcd. Bis 1908 Von Heinrich Loewe Die „Jüdische Rundschau" ist nicht immer groß gewesen. Sie hat klein angefangen. Sie hat auch nicht immer ihren jetzigen, so angeschenen Namen geführt, sondern ist unter einem anderen Namen zur Weit gekommen. Im Jahre 1895/06 wurde in Berlin der „Vercinsbote" gegründet, ein Blättchen, das in den Augen seiner Herausgeber die Bestimmung haben sollte, durch die Sammlung von Inseraten der verschiedensten Vereine ihnen einen Erwerb zu schaffen. Ihre familiäre Verbindung mit dem damaligen Büro der Berliner Bnc-Brith-Logen sollte datür die Grundlage gewähren. Und eine Zeitlang ging es ihrer Absicht gemäß. Das kleine Vereinsblatt nannte sich nicht „jüdisch", aber es war es insofern, als nur jüdische Vereine ihm Inserate gaben, und sich die jungen Herausgeber auch entschlossen, gelegentlich einen Artikel aus dem jüdischen Leben heraus und einige zu nichts verpflichtende Nachrichten aus dem jüdischen Vereinsleben zu geben. So fremd es heute klingen mag, Foto: Dr. Sp.nier-Hürford, Tel-Awiw War doch der „Geist" des Tanzkränzchcns „Monbijou", i von dem die jungen Leute ausgingen, für den Inhalt |oder vielmehr die Inhaltlosigkeit maßgebend. Man hatte Angst, sich irgendwie herauszustellen, und hatte, soweit man eine Ueberzeugung hatte, vor dieser Ueberzeugung selbst Angst. Trotzdem gelang es zuweilen, irgendeine kleine Notiz hineinzubringen, die sogar etwas von Palästina erzählte, und namentlich auch einen oder den andern Artikel über die erste jüdische Palästina-Ausstellung, die im Sommer 1806 innerhalb der Abteilung „Kairo in Berlin" in der Allgemeinen Gewerbe-Ausstellung in Treptow bei Berlin stattfand. Damit aber war das Jüdische dieses armseligen Blättchens erschöpft. Viel größer und inhaltsreicher wurde das Blatt auch kaum, als es in andere Hände überging, und unter verschiedenem Wechsel von Besitz und Schnftleitung den Namen „Israelitische Rundschau" empfing. Es würde zu weit führen, welche Umwege das Blättchen gebraucht hat, um weiterzukommen. Eines Tages kam man innerhalb der Zionistischen Vereinigung für Deutschland auf den Gedanken, ein Abkommen mit dem Blatte zu treffen, wonach dieses auf seinen K<jpf aufschrieb: „Offizielles Organ der Zionistischen Vercinifung für Deutschland" und dafür gelegentlich auch wirklich Aeußerungen der zionistischen Stellen brachte, freilich auch, beinahe weniger gelegentlich, eine ganz gegenteilige Stellungnahme zeigte. _ Eines Tages aber konnte man nicht weiter. Nicht materiell, ficht redaktionell! Der Zusammenbruch war da. In dieser Not mußte ich einspringen und die Schriftleitung des Blattes übernehmen. , Zwei Bedingungen stellte ich: die eine, daß das Blatt ficht „Israelitische" sondern „Jüdische Rundschau" heißen sollte, nachdem die zionistische Leitung den von mir verlangten Namen „Jüdische Volkszeitung" abgelehnt hatte. Die zweite war. daß mir erlaubt würde, das Blatt allmählich zu Lateinschrift überzuführen. Aber die Hauptsache war doch, dem Blatte eine jüdische Note, einen nationaljüdischen Inha t nri frisches junges Leben zu geben. Es galt auf der einen Seite den Kampf mit der Assimilation zu führen, auf der andern Seite die Widerstände in den eigenen Reihen zu überwinden. Es war eine schwere «it, aber gleichwohl und vielleicht auch deshalb eine wunderbar schöne Zeit, eine Zeit der Kämpfe und des seelischen Aufbaues. Es war die Zeit, wo an der Spitze der Zionistischen Organisation Dr. Theodor Hcrzl stand, die Zeit der Grundlegung und des Heroismus. Aber es war auch die Zeit, *'o die großen Pogrome von Kischinew und Hornel wie ein Wütiges Fanal auf das jüdische Volk wirkten. Diese Porome haben damals im Zusammenhange mit der „Mauer, j°r der sie bei den Verhandlungen mit dem Sultan standen", nerzl und Nordau dazu gebracht, um die diplomatische Verbindung nicht zu verlieren, wegen eines „Nachtasyls", wie "eh Nordau in Oorkischer Anspielung ausdrückte, in ßritish- Ostafrika zu verhandeln. ,. Damals schickten die nissischen Zionisten durch den jungst verstorbenen Dr. Schimon Rosenbaum und durch Prof. * Gregory Bielkowsky das Ultimatum an Hcrzl. In dieser "regten Zeit, die den Zionismus bis in seine Grundlagen er- ^mittcrtc, warHerzi gestorben. Da kam der siebente Kongreß, "er Territoriaüsmus und das Uganda-Projekt. Nur zwei deutle Zionisten haften auf dem sechsten Kongreß gegen Uganda gestimmt (der eine war der uns kürzlich entrissene Davis inetsch). Im vollen Gegensatz zur großen Mehrheit der deutschen ^'onisten, in schwerstem Streit gegen den ihr vorgesetzten KonfroII- und „Presseausschuß" führte die Redaktion den hef- '!Ssten Kampf gegen Uganda und gegen den TcrritoriaHs- JF1". Der beste Bundesgenosse war der Mangel an Mitteln. Klange die Arbeit mehr kostete, als sie einbrachte, fand M RSC,1on aus dicsem Grunde kein Ersatz in der Redaktion, mußte doch der Redakteur — rein mechanisch — immer mehr °k drei Viertel des Blattes selbst schreiben. Aber das Publicum verlangte Abwechslung. Das wurde erreicht, indem eine Keine von Mitarbeitern auf dem Plane erschienen: Heinrich MChsc- Rübendorfer, Elbmann, Borusso-Judaeus, P. Lotzky, ^aarabi. und wie sie alle hießen, die offenbar miteinander ° verwandt waren, daß sie ungefähr den gleichen Stil schriefn- Ein treuer und immer wertvoller Mitarbeiter war Elias Reibach, der auch in den Verdacht geriet, er sei der Ver- .°Ssw der immer recht scharfen Artikel eines gewissen Elaqtm Das war aber nur ein Pseudonym, und zwar des sehr impulsiven Redakteurs selber. Hilfe leisteten auch vor allem d*'° Jranslateur, der in den Nächten regelmäßig auch bei uei> Korrekturen half, und später auch FriU Abraham sei. Andenkens, und bei dieser seiner freiwillig geleisteten Hilfsarbeit verdiente sich auch ein halbes Kind die Sporen als zukünftiger Redakteur, Hans Goslar. Schwere Kämpfe mußte die Redaktion innerhalb der zionistischen Partei führen, bei denen die Delegiertentage fast ausschließlich den Angriffen auf die Schriftleitung dienten. Dabei mußte sich die Redaktion oft genug vor die Leitung der Zionistischen Vereinigung stellen, ohne doch ihren Stand- Bunkt selbst teilen zu können. Und dies war die schwerste elastung überhaupt. Die Kämpfe gegen die Rundschau erfolgten nicht bloß von seifen der Ugaiulisten, obgleich dies der Ausgangspunkt der Kritik war, sondern von rechts und links. Die Redaktion vertrat den Standpunkt eines ungeteilten, eines integralen Zionismus. Sie lehnte die Spaltung in Parteien innerhalb der Bewegung ab, und wurde von den entstehenden Parteien als Hindernis auf ihrem Wege empfunden. Besonders richteten auch die Vertreter des Misrachi scharfe Angriffe gegen die Redaktion, die sie für antireligiös, mindestens aber für unreligiös ansahen. Der Hauptkampf, den die Jüdische Rundschau in jener Zeit führte, galt der Gewinnung von Juden für das Judentum, für einen synthetischen Zionismus, der die nationalen und politischen Bestrebungen mit den kulturellen Werten und der wirklichen Palästina-Arbeit vereinigen sollte, der sich selbst als die organische Fortsetzung der jüdischen Geschichte ansah. Heute kann vielleicht ein komischer Beigeschmack dabei empfunden werden, daß es damals eine Gruppe von Zionisten gab, die sich selber „Zionc-Zion", cl. h. die auf Z i o n gerichteten Zionisten nannten. Aber es war nicht so leicht und so einfach, namentlich innerhalb der deutschen Zionisten, die Vorherrschaft des I'aläslina-Gedaiikt ns zu erkämpfen. Es war eine Zeit des Kampfes, aber auch der vollen Siegesgewißheit. Der Kampf um Uganda war entschieden, zugunsten des reinen Zionismus. Da verließ ich die Rundschau, — nicht ganz freiwillig, aber ohne weiteren Widerstand zu leisten, weil es nicht mehr um grundsätzliche Dinge ging. Nun konnte ich mich nach achtjähriger Unterbrechung wieder meinen jüdisch-wissenschaftlichen Studien zuwenden, und ich empfand nach kurzer Zeit die wohltuende Wirkung, von einem Nebenamt entbunden zu sein, das mich und meine Frau jahrelang in fast ununterbrochener nächtlicher Arbeit festgehalten hatte. Aber trotz aller Kämpfe und Enttäuschungen ist die „Jüdische Rundschau*', die ja in Wirklichkeit damals erst geboren wurde, eine schöne Jugenderinncrung, die für mich gleich hinter der Arbeit an der „Selbst-Emanzipation" und nach der Redaktion des vor-Hcrzlischen „Zion" kommt. Tel-Awiw, den 20. Adar II. 5605. Die „Jüdische Rundschau" vor dem Kriege Von Dr. Julius Becker (Genf) Z. Zt. Jerusalem, im März 1935 Das Jahr 190S, in dem ich die Leitung der „Jüdischen Rundschau" übernahm — nachdem ich vorher schon einmal in den Jahren 1904/05 unter Heinrich Loewe an der Redaktion mitgearbeitet hatte — liegt nicht nur ein Menschenalter zurück. Es war, von heute gesehen, eine „prähistorische" Epoche. Man muß in den Erinnerungen herumkrameu: wie war das doch? wie kam das nur? Langsam steigt dann das Bild des damals neu eingerichteten Zentralbüros der Zionistischen Vereinigung für Deutschland auf, die Dr. Artur Hantkc leitete. In der Bleibtreustraße, nicht weit vom Bahnhot Savignyplatz. Man hörte, scheint : ir, die Dampflokomotiven der Stadtbahn fauchen und grüßte es als einen Fortschritt, daß ihnen das fortwährende Pfeifen untersagt wurde.... Dieses neue Zentralbüro, das aus drei oder vier Zimmern bestand und —- natürlich! — von Betty Frankenstein regiert wurde, beherbergte auch die Redaktion der „Jüdischen Rundschau". Da die Redaktion selbstverständlich auch die Korrekturen lesen mußte, vollzog sich ein wichtiger Teil der Redaktionsarbeit, besonders in den beulen letzten Tagen vor dem wöchentlichen Erscheinen in der Druckerei von Lenz & Co. an der Jannowitzbrucke und später von Siegfried Scholen*, der ja den Druck noch heute besorgt. Wir glaubten auch damals eine neue Zeit angebrochen und wollten ihr dadurch Rechnung tragen, dal! wir schon äußerlich das Format vergrößerten und die „Rundschau" aus dem Wochenblatt zu einer wöchentlich erscheinenden Zeitung machten. Sie auch innerlich dazu zu machen, war unter den damaligen Verhältnissen nicht ganz einfach. Die Eierschalen des ehemaligen I amilienblattes, aus dem ja erst Heinrich Loewe ein zionistisches Organ gemacht hatte, klebten fester, als ich geglaubt hatte. Wieviele Schriftführer von Ortsgruppen und Vereinen ich mir damals wegen „ganz ungebührlicher Verkürzung der Berichte über unserii so gelungenen Purimball" zu Feinden gemacht habe, das will ich heute lieber nicht mehr nachrechnen, auch nicht, wieviel kostbare Zeit auf diese gebührende Verkürzung verwandt werden mußte. (Aehnliches passiert auch heute noch; nichts für ungut. — A. d. R. der „J. R." d. J. 1935.) Ein „politisches" Blatt sollte die „Rundschau werden als das deutsche Organ der zionistischen Bewegung. Und im Rahmen der Vorkriegsverhältnisse waren die jüdisch-politischen Probleme innerhalb und außerhalb der zionistischen Bewegung ernst genug. Der Kongreß im Haag (1907) lag hinter uns, der neunte Hamburger Kongreß mit seinen schweren und ernsten Kämpfen um die Leitung der ganzen Bewegung stand bevor. Trotz der Sympathien für die damalige Opposition, die der leitende Redakteur der „Rundschau" nicht verbergen wollte und konnte, mußte die „Jüdische Rundschau*' doch das Organ aller deutseben Zionisten sein, ja, sie hatte darüber hinaus den Ehrgeiz, ihren Wirkenskreis auch auf die immer größer werdenden Kreise in Deutschland auszudehnen, die uns freundlich gegenüberstanden, ohne doch den Anschluß an die zionistische Bewegung finden zu können. Ich hatte oft in späteren Jahren den Eindruck, daß ihr gerade auf diesem Gebiete nicht die schlechtesten Erfolge besehiedeu waren. Wenn man bedenkt, daß damals zionistische Arbeit in Deutschland zum guten Teile Propaganda sein mußte, so wird man auch die an heutigen Maßstäben gemessen bescheidene Arbeit der damaligen „Rundschau" zu werten wissen. Bescheiden war die Arbeit auch im Hinblick auf den Umfang der Redaktion: der Chefredakteur war zugleich einer der 1 lauptmitarbeitcr, Korrekturenleser, Redaktionssekretär und Uinbiueh-Redakteur in einer Person. Bis ich dann in einem jungen gelegentlichen Mitarbeiter einen Helfer, Rcdaktionskollegen und später Nachfolger fand: Fritz Abraham, der aus ganz assimilierten Berliner Kreisen kommend, wenn ich nicht irre, vom Sport aus zum jüdischen Sport und dann immer weiter ins Judentum und in den Zionismus hineingefunden) hatte. Fritz Abraham, dem diese Zeilen ein wehmütiger später Nachrut sein sollen, denn er ist aus dem Kriege, nach mehreren schweren Verwundungen, von denen er immer wieder an die Front zurückkehrte, schlielilich nicht mehr wiedergekommen. Fr war ganz und gar der Arbeitskamerad, den ein Allein- Redakteur sich nur wünschen konnte, zu jedem Dienst bereit und, wenn's nottat, auch zu jeder Arbeit fähig. Und für den Redakteur der „Rundschau" in den Jahren, von denen hier die Rede ist, hatte Fritz Abraham noch einen groben Vorzug. Er war eine Art Naturbursche und in keiner Weise ein Snob. Wann immer er nicht verstand, fragte er kühn darauf los, bis er auf den Grund der Dinge kam. So gab es endlose, aber fruchtbare Diskussionen, die wir nicht kedaktioiiskonfcrenzen nannten, die aber ergebnisreicher waren als manche stundenlange Redaktionskonferenz, an der ich spater teilgenommen habe. Nie war er verdrossen, obwohl eine Zeitung, von zwei Leuten allein gemacht, eine Unmenge verdrießlicher Arbeit erfordert, die nicht selten das Geistige sogar in den Hintergrund drängt. Daß es trotzdem, unser zionistisches Ideal, immer der Leitgedanke unserer Arbeit blieb, beweisen, scheint mir, die Jahrgänge der „Jüdischen Rundschau1' aus jenen jetzt so fernen Jahren. Theodor Hcrzl war uns damals noch nahe. Trotz manchen Interregnums war schon damals Chaim Weizmann der kommende Führer der zionistischen Bewegung. So „zwischen den Zeiten" am zionistischen Tagewerk tätigen Teil gehabt zu haben, ist mir eine tiefe innere Genugtuung, wenn ich heute sehe, welchen glänzenden Aufschwung unsere kleine „Jüdische Rundschau" von 1908 zusammen mit der zionistischen Bewegung genommen hat. Redakteur 1913-1914 Von Dr. H u go Herr m a n n (Jerusalem) Ich war vom Oktober 1913 bis Juli 1911 Redakteur der „Rundschau", also nur sehr kurze Zeit, und sicherlich war mein gestaltender Einfluß auf die „Rundschau" weit geringer als der meiner Redaktionsarbeit auf mich, denn ich lernte damals und an der „Rundschau'' eigentlich erst das Handwerk. Ich war vermutlich der erste „Ruudschau"-Redakteur, der im engsten Zusammenhang mit dem Zionistischen Zentralbüro arbeitete, also der Weltorganisation und ihrem „Engeren Aktions-Coniite": wie damals die „Exekutive" hieß, und vor allem mit deren Organ, der „Welt". Zentralbüro und „Welt" waren ja nicht zu lange vorher nach Berlin verlegt und noch später war die enge Wohn- und Werkgemeinschaft zwischen Zentralbüro, Z. V. f. I)., „Welt", „Rundschau" und „Jüdischem Verlag" in der Sächsischen Str. S geschaffen worden. Wir bildeten eine Familie, eine wirkliche Denk- und Arbeitsgemeinschaft; es gab keine strenge Abgrenzung von Kompetenzen, ebensowenig aber auch formelle „Sitzungen" zur gemeinsamen Information und Meinungsbildung. Gesessen freilich wurde viel und lange; das Leben war noch nicht so hastig und nicht so--ernst, wie es seither geworden ist. Die Menschen, die damals in der „Sächsischen Straße" arbeiteten, sind seither immer in Freundschaft verbunden geblieben, auch wenn ihre Lebenswege sie bald auseinander führten. Von den Mitgliedern des E. A. C. nahm allein Dr. Hantkc, der zugleich Vorsitzender der Z. V. f. D. war, unmittelbar Einfluß auf die „Rundschau", aber als ich in der zweiten Hälfte meines Rcdaktiousjahrcs eine Zeitlang vertretungsweise auch die „Weif redigierte (fürKurt Blumenfeld, der auf der Hochzeitsreise in Palästina war), und in jeder großen und kleinsten Frage den Einfluß der wirklich überlegenen Weisheit Dr. Tschlenows erfuhr, färbte das natürlich auch auf die „Rundschau" ab. Dr. Hantkc, mein eigentlicher „Vorgesetzter", ließ mich, einen jungen unerfahrenen Menschen, der die Verhältnisse in Deutschland kaum kannte, fast völlig frei gewähren, aber seine gelegentlichen, immer von Lebensklugheit und praktischem Sinn bestimmten Belehrungen, meist in aphoristischem Stil, haben mir nicht nur für meine damalige Arbeit, sondern für mein ganzes Leben und meine weitere zionistische Wirksamkeit viel gegeben. Ich schäme mich schlielilich nicht, hier offen zu sagen, daß ich auch über Fragen der Redakfionsführung oft und gern mit dem Verlag, das heißt mit Betty Frankenste i n, sprach und nützliche Belehrung von ihr annahm, die damals schon lange und glücklicherweise bis heute die Seele der Zionistischen Organisation in Deutschland war und ist. EHe aktuellen Fragen meiner „Rundschau"-Zeit waren zuerst der „Spracheiistreit" in Palästina und die Kontroverse mit dem „Hilfsvercin der deutschen Juden", wovon allerdings in der „Rundschau" nur ein Abklang hörbar war, und später, um den Leipziger Delegiertentag vom Juni 1914 herum, die De-