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Jüdische Rundschau · 1935-04-17 · Heft 31-32 (17.4.1935) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 31-32 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 31/32, 17. IV. 1935 40 JAHRE J0D1SCHE RUNDSCHAU Seite 13 0ie Arbeit des Keren Ka jemeth in Deutschland Ein kurzer geschichtlicher Ueberblick Seltsam die nicht so leicht in Worte einfangbare Erregung, die einen immer wieder bei der Lektüre schon heute halb vergilbter Zeitungen und Zeitschriften aus den ersten Jahren zionistischer Bewegung befällt! Ereignisse und Menschen, zu denen man in der Fuchsenstunde oder sonst vor 15 und 20 Jahren noch eine nähere zeitliche und daher n0ch unromantische Beziehung hergestellt hatte, spannt man beim Durchblättern unserer Chroniken heute schon in größere historisch-wichtige Zusammenhänge, kommt nicht von ihnen los, wird von ihnen festgehalten. Und eine gewisse Rührung befällt uns, wenn man liest, mit welcher Liebe zur Sache und zu den Trägern der Bewegung auch noch der kleinste Vorgang in irgendeinem kleinen Orte registriert wird. Heute, bei der jetzigen Größe der Zionistischen Weltorganisation und dem Strome der Ereignisse in Palästina konnten diese Vorgänge, die oft nur lokalen Charakter zu tragen schienen (meist aber mehr waren) gar nicht mehr zur allgemeinen Notiz genommen werden. Und doch waren diese Dinge, die uns die alten Jahrgänge der zionistischen Zeitungen lebendig erhalten haben, die Bausteine der Organisation und des Aufbauwerks in Palästina. Wenn z. B. eine ganze Seite einer Nummer der „Welt" dem von Herri gegründeten Zentralorgan der Bewegung, einem Bericht des KKL-Vertrauensmannes in irgendeinem Ort gewidmet werden konnte, um der zionistischen Oeffentlichkeit die Aufstellung „von 77 neuen KKL-Büchsen in durchweg nichtzionistischen Häusern (mit den früheren über hundert)" zu melden, so gewinnt man einen Eindruck von der Bedeutung, die die leitenden Männer der Bewegung damals schon der zionistischen Kleinarbeit, die sich im KKL verkörpert, beigelegt haben. Mit welcher Hingabe ein Mann wie Kremenetzki für den KKL gearbeitet hat, ist bekannt; aber welcher Ameisenfleiß dazu gehört haben muß, um z. B. im Jahre 1914 für fast 4000 RM. KKL-Marken in Deutsch-« laml — das Stück zu einem Pfennig — zu vertreiben, wird der crmessen, der in der Arbeit für Palästina steht. Nun, die Millionen und Milliarden haben uns die „Sehr- Rcichen" nicht zur Verfügung gestellt. Das große jüdische Privatkapital hat zum nationalen Aufbau in den entscheidenden Stadien nicht mitgewirkt. An seine Stelle mußte das nationale Spendenkapital des jüdischen Volkes treten. Es ist eine der großartigen Leistungen der Zionistischen Organisation, daß sie gegen die ungeheuren Widerstände, die ihr politisch, moralisch und in der finanziellen Propaganda vom völlig ablehnenden westeuropäischen Judentum entgegengesetzt wurden, im Laufe der Jahrzehnte allmählich ein rroßes nationales Kapital geschaffen hat. Einen wesentlichen ieil dieses Erfolges darf der deutsche Zionismus für sich buchen. Als es galt, der Zionistischen Organisation eine auf Freiwilligkeit aufgebaute nationale Spendenorganisation zu begründen, waren es gerade deutsche Zionisten, die Vorbildliches geleistet haben. Diese erste große national-jüdische Spendcnorgatiisation war der Jüdische Nationalfonds (Keren Kajemeth Lejisrael). Als das Hauptbüro des KKL nach dem Tode Theodor Herzte von Wien nach Köln verlegt wurde, übernahm seine Leitung der Kölner Zionist Dr. Max Boden heim er. Schon im Jahre 1904 war, als einer der ersten Landessammelstellen des KKL überhaupt, die Landessammelstelle für Deutschland mit dem Sitz in Berlin errichtet worden. Ihr erster und langjähriger ehrenamtlicher Leiter wurde Dr. Max W oll st ein er. In rastloser Arbeit baute er den KKL in Deutschland zu einem für alle übrigen Landessammelstcllen der Welt beispielgebenden zionistischen Finanz- und Propaganda-Apparat auf. Mit zunehmendem Organisationsumtang wuchs auch der Umfang der Arbeit, so daß im Jahre 1911 ein besoldeter Sekretär angestellt werden mußte. Während der Kriegs- und nachfolgenden Inflationsjahre führte Siegfried Weitzmann die Geschäfte der KKL-Zentrale in Deutschland. Der Währungsverfall und die in seinem Gefolge auftretenden wirtschaftlichen und politischen Erschütteruncen zerstörten fast vollständig den gesamten Sammel- und l'ropaganda-Apparat. Die Aufgabe, nach Beendigung der Inflation den KKL in Deutschland wieder von Grund auf neu aufzubauen, neue Menschen in allen Orten als Vertrauensmänner heranzuziehen, neue Werbeformen zu finden, vor allen Dingen eine den inzwischen gewachsenen Koloni- Eationsaufgaben in Palästina angepaßte neue Arbeits- und l'ropagandamethode einzuführen, übernahm Dr. Walter Erhard. Während seiner fünfjährigen Amtsdauer gelang es, mehr als 300 Orte in Deutschland^ für den KKL zu erfassen v.nd durch ein nach völlig modernen Gesichtspunkten eingerichtetes Zentralbüro, durch Schaffung von Bezirkssekretafiateri und eine bisher in der zionistischen Finanzarbeit kaum geübte Form der Intensivpropaganda große Teile der Juden Deutschlands zur Mitarbeit an dem Bodenerwerb in Palästina durch den KKL heranzuziehen. Im Jahre 1927 übernahm Dr. Ernst Mechner die KKL-Arbeit für Deutschland. Er unterbaute das bisherige System der Sammeltätigkeit durch eine für die gesamte KKL- Arbeit in allen übrigen Ländern beispielhafte und vorbildliche Werbung. Der Außenapparat, der in dieser Arbeitsperiode geschaffen worden ist, war in sich so gefestigt, DER KEREN HAJESSOD IN DEUTSCHLAND In wenigen Wochen wird auch der Keren Hajessod ein Jubiläum feiern können. Im Juli wird sich der Tag zum 15. Male jähren, an welchem die Londoner Jahreskonferenz — die erste zionistische Zusammenkunft nach dem Weltkrieg — die Gründung des Keren Hajessod beschlossen hat. Unmittelbar danach wurde auch in Deutschland die Vorbereitungsarbeit aufgenommen. Es galt von vornherein, ihr eine möglichst breite Grundlage zu geben und ihren Rahmen über den Kreis der organisierten Zionisten hinaus zu erweitern. Am 21. Februar 1922 fand in Berlin jene bedeutsame Gründungsversammlung statt, welche eine neue Epoche in der Palästinaarbeit einleitete. Führende Persönlichkeiten aus allen Lagern des Judentums, Männer wie Oscar Wassermann, der im Sept. 1934 verstorbene Direktor der Deutsehen Bank, der vor wenigen Wochen verschiedene Generalkonsul Eugen Landau und aus den zionistischen Reihen Dr. Arthur Hantke und Kurt Blumenfeld hatten sich zusammengefunden, um dieses überparteiliche Werk zu schaffen. Es bedeutete damals schwere Pionierarbeit, den Gedanken praktischer Palästinaarbeit in das deutsche Judentum hineinzutragen. Schon zu Beginn seiner Tätigkeit war der deutsche Keren Hajessod nicht nur Instrument zur Sammlung von Geldern, sondern diejenige Plattform, auf der Juden verschiedenster Richtungen sich zum ersten Male vereinigten, um ihr Interesse an der Schaffung der jüdischen Heimstatte in Palästina durch tätige Mitarbeit zu bekunden. So wurde der Keren Hajessod für viele Juden Deutschlands schon lange vor 1933 zum Verkünder palästinensischer Wirklichkeit. « Vor diese für den Palästinagedanken neu gewonnenen Menschen trat der ' Keren Hajessod mit einer für sie völlig ungewohnten und neuartigen Forderung: Er forderte nicht zur Abgabe von „Spenden'" auf, sondern verlangte eine freiwillige Selbstbesteuerung für den Aufbau Palästinas. Für eine solche Forderung bestand vor 15 Jahren bei vielen Juden in Deutschland wenig Verständnis. So mußte auf jeden Einzelnen persönlich eingewirkt werden, um ihm die Größe der Aufgabe und die Notwendigkeit seiner Mitarbeit zu zeigen. Nur durch seelische Verbindung mit dem Gedanken des jüdischen Palästina konnte die materielle Opferwilligkeit geweckt werden; es ist verständlich, daß zu jener Zeit große Teile des deutschen Judentums, die ihre Existenz für völlig gesichert ansahen, noch nicht bereit waren, dieser größten jüdischen Aufgabe ihr aktives Interesse zuzuwenden. Um so entscheidender war es, daß schon damals weitblickende „Nichtzionisten" die Forderung der Stunde verstanden und ihre Persönlichkeit in den Dienst des Keren Hajessod stellten. Ihrem beispielhaften Wirken ist es in erster Reihe zu verdanken, wenn die Arbeit des Keren Hajessod sich mehr und mehr ausbreiten und ein immer stärkeres Echo im deutschen Judentum finden konnte. Wie sich die Arbeit des Keren Hajessod in den Anschauungen eines führenden Nichtzionisten verdichtete, wird aus den folgenden Worten deutlich, die Oscar Wassermann einmal geschrieben hat. „Sonst kolonisieren Staaten mit ihren Machtmitteln; für uns Juden war der Keren Hajessod Grundlage und Symbol für die neue Besiedlung unseres alten Stammlandes. Die zerstreuten Kinder Israels unternehmen es, getrieben von uralter Sehnsucht, ihr nie vergessenes, uraltes, ihnen in allen Zeiten ihres Daseins gegenwärtiges Mutterland neu zu erbauen, ohne Waffen, und im Vertrauen auf ihr Recht und auf die eigene Opferwilligkeit." Nichts kann besser als diese Worte zeigen, daß die Arbeit des Keren Hajessod sich niemals darauf beschränkt hat, Menschen nur durch Geldopfer mit dem Aufbauwerk zu verknüpfen, sondern daß er Schrittmacher für den Zusammenschluß alier Juden im Bekenntnis zu Eres Israel gewesen ist. Von entscheidender Bedeutung für diese Entwicklung der Keren Hajessod-Arbeit war allerdings der Ausbau seiner Organisation in Deutschland, die zunächst von Walter Tur- L ^Türkisch 8 m> nowsky, später von Alfred Berger und nach dessen Aus-, scheiden, bis zum Jahre 1933 von Dr. Martin Roscnblüth als jeweiligem geschäftsführenden Präsidialmitglied geleitet wurde. In unermüdlicher Arbeit haben diese Männer mitgewirkt, den Palästinagedankcu im Bewußtsein der deutschen Juden zu verankern. Es ist bekannt, daß der Keren Hajessod im Laufe seiner bisher 15jährigen Arbeit in Palästina die Vorbedingungen für den gesunden Aufbau des Nationalheims geschaffen hat. Er hat das Land für die Einwanderung von Hunderttausender» von Juden erschlossen, hat die Gründung von 02 Kolonien und die landwirtschaftliche Ansiedlung von vielen Tausenden von Juden ermöglicht, hat die Eutstehuni: lebenswichtiger industrieller Werke und Anstalten der Privatwirtschaft gefordert und hat für den Ausbau der Schulen und die Förderung des Gesundheitswesens Entscheidendes geleistet. Mehr denn je ist auch heute nationales Kapital der Grundpfeiler jeder weiteren Entwicklung und die notwendige Basis unseres künftigen Aufbaus. Bei aller Prosperität und trotz der ungeahnten, vorwärtsstürmenden Entwicklung Palastinas sind die Probleme, die es heute zu meistern gilt, /ahlreich und schwer. Die Aufnahmefähigkeit Palastinas muß erweitert, die Sumpfe von Emek CJiefer und von lluie müssen getrocknet, die Wüsten des Sudens bewässert, für weitere Hunderttausende, die vor den Toren Palästinas warten, muß neuer Raum erschlossen werden. Die deutschen Juden haben, auch soweit sie schon seit Jahren den Keren Hajessod unterstützt haben, gewiß nicht daran gedacht, daß sie mit ihren Beiträgen Lebensmöglich« keiten auch für eine große Zahl deutscher Juden schaffen würden. Am entscheidenden Wendepunkt ihrer Geschichte sehen sie nun, daß auch die, die nur für andere zu arbeiten glaubten, an der eigenen Zukunft und an der ihrer Kinder gebaut haben. Jetzt, da die Zukunft des deutschen Judentums unlöslich mit Palästina verknüpft ist, ist es notwendiger denn je, daß deutsche Juden mit allen ihren Kräften und Mitteln, über die sie heute noch verfügen, an der aktiven Gestaltung jüdischer Zukunft in Palästina mitarbeiten. Aufgabe des gesamten deutschen Judentums muß es sein, durch unmittelbare Palästina-Arbeit die Voraussetzungen für das Leben kommender Generationen in Palästina zu schaffen! Dr. Michael Traub daß trotz der starken Fluktuation im Jahre 1933 das bisher erreichte höchste Nettojahresergebnis erzielt werden konnte. Der KKL ist im Laufe seiner jahrzehntelangen Entwicklung heute zu einer der größten jüdischen Organisationen ^ed*-*^ fS* 41 w Deutschlands geworden. In regelmäßigen Abständen tritt er im Jahre an einen großen Teil der deutschen Juden durch seine Vertrauensleute und durch seine ständigen Informationen über den Palästina-Aufbau heran. Er bringt den deutschen Juden die Botschaft Erez Israels und wirbt um jeden Einzelnen, sich einzureihen in die Front derer, die durch die Ueberführung des Bodens in den nationalen Besitz des Keren Kajemeth Lejisraei an der Zukunft des jüdischen Volkes bauen helfen. Dr. J. Weiß Kleine Nachrichten Der High Commissioner Wauchopc gewährte der Jewish Agency für das am 1. April begonnene Halbjahr 8000 Zertifikate zusätzlich 500 vom vorherigen Schedule. Dies ist die größte Anzahl, die im letzten Jahrzehnt auf einmal gewährt worden ist. Die englischen Parlamentsmitglieder besuchten m Begleitung des Sekretärs der arabischen Abteilung die Jewish Agency, den Mufti und den Bürgermeister Khaldi. Nachmittags waren sie Ehrengäste bei einem Empfang der Jewish Agency. In Hartich fand am 9. April die Pflanzung der ersten Bäume für den König-Alexander-Wald, der zur Erinnerung an den ermordeten König von Jugoslawien angelegt wird, statt. Entsprechend der Zahl der jüdischen Stämme wurden durch den High Commissioner Wauchopc 13 Bäume gepflanzt. Eine Tel - A w i w e r R u n d f u n k g e s e 11 s c h a f t führt Verhandlungen) um die Rundfunkübertragung der samaritanischen Peßachzeremonie am 17. April auf dem Berg Gerisim zu ermöglichen. Die „Official Gazette" veröffentlicht eine Verordnung, derzufolgc das G e s a m t g e b i e t von Hui e von der landwirtschaftlichen Vermögenssteuer befreit wird. Die Eröffnung des vom Hebräischen Wcltverband (Brith Iwrith Olamith) nach Tel-Awiw einberufenen Kongresses der Hcbraisten soll am 20. Mai stattfinden. Zwei bedeutsame Neuerscheinungen aus dem Schocken Verlag, die soeben in den Buchhandel gelangen: Franz Kafka: Gesammelte Schriften Franz Rosenzweig: Briefe Von der auf sechs Leinenbände zum Preis von fe M 4.50 angelegten Ausgabe liegen bisher drei Bände vor: in dem Band,,,I>:ä7ilungen und kleine Prosa" sind alle zu Lebzeiten des Dichters erschienenen Werke vereinigt; die beiden weiteren Bände enthalten Kafkas große, für das edelste Judentum unserer Zelt repräsentative Romane „Der Prozeß" und „Das Sdiloß", / Anläßlich dieser Neuausgabe schreibt Hermann Messe: Unter den Zeugen unserer zerrissenen und leidenden Zeit wird das erstaunliche Werk des Prager Dichters welterleben. Er war zum Grübeln und zum leiden begabt, er stand aller Problematik seiner Zeit offen, oft prophetisch offen, und zugleich besaß er - trotz allem ein Liebling der Götter - in seiner Kunst einen Zaubersthlüsscl, der uns nidit bloß Verwirrung und tragische Visionen-erschlossen hat, sondern audi Schönheit und Trost. [744 Seiten Großoktav. In Leinen M 12.50] Kaum ein Buch kann den jüdischen Leser von heute so tief ergreifen, führen, aufrichten wie dieses hinreißend scheine Dokument eines beispielhaften Daseins. „Man kam zu si<h bei Franz Kosenzweig, man war entbürdet, entschwert, entengt bei Franz Hosenzweig", schreibt Karl Wolfskehl von einem Bcsudi bei dem Lebenden und sagt so zugleich aus, was der Leser dieser Briefsainmlung an sich erfahren wird. SCHOCKEN VERLAG / BERLIN SW Auslieferung des Schocken Verlags in Palästina durch Rubin Maß, Jerusalem «

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