Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 31-32 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 40 TAHRE JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 31/37, 17. IV. 1935 Jüdische Industrie in Palästina Von A r j e Ii Sc Ii c n kar, Tel-Awiw (Präsident des palästinensischen Industriellen-Verbandes) Erste Anfänge Die eigentliche Entwicklung der palästinensischen I ndusti ic begann erst nach dem Kriege. In der Zeit vor der Balfour-Deklaration gab es irn Lande nur ein/eine Fabriken, zum Beispiel die Weinkellerei in Rischon-leV.ion, Die meisten Betriebe, die damals bestanden, hatten den Charakter von Werkstätten. Dies änderte sich nach dem Kriege dadurch, daß eine größere Zahl industrieller Unternehmer und Spezialisten ins Lana einwanderte, die hier verschiedene Fabriken erbauten. Einer der wichtigen Faktoren für die Entwicklung der Industrie war die Errichtung des Elektrizitätswerkes, das die Versorgung der Betriebe mit elektrischer Kraft ermöglichte. Leider stand die zionistische Bewegung zunächst dem Oedanken einer industriellen Entwicklung Palästinas skeptisch gegenüber. Es gab keine Pläne für industrielle Entwicklung und mau tendierte ganz und gar zu einer Konzentration der kolonisatorischen Energien in der Landwirtschaft. Unterdessen haben wir gelernt, die Industrie richtig einzuschätzen. Auch ist jetzt allen klar, daß die Stadt, vor allem die industrielle Bevölkerung, auch den Konsum landwirtschaftlicher Produkte steigert. Die Erfahrung lehrt, daß nur etwa 30 «> des Haushaltungsbudgets einer Familie auf eigentliche Nahrungsausgaben entfallen, während 7(1 ••für Wohnung, Kleidung, ausgegeben werden, d. h. in der der städtischen Industrien. Aus uUiiil: für die Entwicklung eines a ativh für die jüdische Arbeit in . Hin man den Lasten, die mit P •n Bc, Kulturbedarf und ähnlich Hauptsache fi all dem ',:< ht jeden Landes, Palästina hm unserer Arbeit IlOtzd. A: wenn tetcriI Dies ist p>\cl Ländern der lialulh und als Reaktion h schaftiieheu Arbeit zustrebten. .innen, keinen Vorwurf machen, erster Linie aufs Land richzu verstehen, weil wir in den schließlich in Städten wohnten dem Dorfe und der landwirt- Lrichte und schwere Industrie aus die und Ahm in den letzten die zahlreiche der E c i c h t i i wanderungswell haben Entwarn gen ins Lehen haben. Sie br.u w a r e ii i n <i u s fahrung ins I begann man herzusiel'c den Unternehmern als Das wirtschaftliche Leben im Lande ist in einer dauernden Umwälzung begriffen. Düren die Mas-encinwanderung änderte sii Ii du einheimische Markt von Grund Uli ein bedeutender Konsum, der an.ivpiodtiktc s; hilf. So entstand Pa!.i-tma eine blühende Industrie, nifaih. Die verschiedenen (iruppen sind insbesondere seit der Ein- K'. \ 2") ausgebaut worden. Damals Polen viele liulustneuntcrnehmundic sich seitdem stark entwickelt ■rs auf dem üebiete der W i r k- Strickerei eine erhebliche I r- Aber auch viele andere Artikel H n kelte .- .halt fui 1 lahreu in Zweige in idu-.tr; e . n. gerut Ilten besond t rie und S and mit n, nachdem Spezialisten sowohl unter auch unter den Arbeitern eingewandert waren. Die S c h w e r i n d u s t r i c trat demgegenüber etwas in den Hintergrund, wird jedoch in der jüngsten Zeit stärker entwickelt, nachdem Einwanderer aus Deutsehland und anderen Ländern spezielle technische Fähigkeiten ins Land gebracht haben und .sich mit einer Reihe von Unternehmungen dieser Art befassen. Das Zentrum der Schwerindustrie liegt hauptsächlich in und bei Haifa. Der Import Ebenso wie bei der Welle der vierten Alijah vor zehn Jahren ist mit der jetzigen Einwanderung der Import industrieller Erzeugnisse gewaltig angestiegen. Nicht zuletzt beruht diese Erscheinung auch darauf, daß die Einwanderer an ausländische Waren aus ihren Herkunftsländern gewöhnt sind und aut diese nicht verzichten wollen. Wir hoffen, daß in dieser ü Umschwung eintreten wird, so daß itport Meli verringert. Was M a s c Ii i - ie he'.idft, wird Palastina vermutlich en Import angewiesen sein. odeusp-. kulation manche Menschen da- ,iN Unternehmer in der Industrie zu Kriise den Weg des leichteren Vercii der mühevollen, aber für die igen Arbeit des industriellen Auf-;ia ja fur uns mir dann sinnvoll iteii, wenn wir uns produktiulwirtschaft und Industrie zuwenliidustric fur die (lesamtheit der igt >i. h heute darin, daß in ihr ■ beschäftigt sind, wahrend es vor dert waren. ,hc s t o auf Hinsicht alhnah der palastinen-.; neu und U o I noch lange Zeit Leider hat von abgehalten betätigen, weil dienstes gelmi, Dauer einsehen bans zu wulm, sein, in Pa'.ästi: v e n Z w c c k i den. Die Bedeutung produktiv Schafft leici jetzt etwa 25 0(10 Arb 20 Jahren nur einige itt zu in Absatzmärkte Die /ionMi.- in Nachbarohne Zweitt ländern in ii in lieblich beschleunig.. D.iduich fur unsere unlu-.tin den Produ Entwicklung Palä.-thns cr«n Besonders wichtig ist in dies sache, daß nach S v ri e n sc schranken möglich i-l, die beul teil ist. Es ist zu hoffen, d kehr auch mit den anderen u entstehen wird, so daß sich industriellen Arbeit erweitert. he Arhert in Palästina hat über die Grenzen des Lanewirkt und die Entwicklung i e g e ii d c:i L ä n d c r n ersind diese ein Absatzmarkt te geworden und haben, der -•ite Möglichkeiten gegeben, cm Zusammenhange die Tat- Ibst eine Ausfuhr ohne Zollen beteiligten Ländern von Vorali ein solcher Austauschvermliegendeii Ländern allmählich dadurch der Radius unserer Weitere Möglichkeifen Trotz allem muß man aber auch heute noch die Tatsache konstatieren, daß viel zu wenig finanziell potente Menschen aus Europa sieh in Palästina der industriellen Entwicklung zuwenden. Es besteht eine gewisse Furcht, die sich aus der Unkenntnis der 1 andesverhältnissc erklärt. Es scheint so, als ob man zu den Möglichkeiten des Orients kein volles Vertrauen hat. In letzter Zeit beginnt diese falsche Einstellung allmählich etwas zu weichen, nachdem man im Lande selbst deutlich sehen kann, zu welchen Hoffnungen die industrielle Arbeit berechtigt und welche positiven Resultate sie bereits ergeben hat Zu tun ist noch sehr viel: es fehlen uns industrielle Unternehmungen auf dem Gebiete der Papierfabrikation, der Kartonnagenherstellung, der Zuckerfabrikation, der Tuchweberei und auf vielen anderen Gebieten, auf denen eine rentable Arbeit möglich ist. Wer aufmerksam die Importzahlen studiert und die Laudesverhältnisse kennt, wird diese Lücken der industriellen Entwicklung leicht konstatieren können, Darum gilt es, auch in Zukunft mit Energie und Tatkraft an dem Aufbau der jüdischen Industrie in Palästina zu arbeiten. Ich will diesen kurzen Bemerkungen noch ein Wort über die deutschen Juden in der neuen palästinensischen Industrie zufügen. Dieses Element ist für die Landesentwicklung von besonderem Interesse. Ein Teil ist bereits zur produktiven Arbeit übergegangen, und ich glaube, daß sich dieser Teil, je mehr die deutschen Juden das Land kennenlernen, noch bedeutend vergrößern wird. Wir erhoffen, daß die deutschen Juden alle ökonomischen Möglichkeiten des Landes untersuchen untl ausnützen werden. Leider kommen viele von ihnen nur mit geringen Mitteln ins Land, was die Entwicklung verlangsamt. Jedoch hat sieh schon jetzt ein großer Teil eine Existenz, geschaffen und in dem Fortsehritt der Industrie ist dieses Element stark spürbar. Wir freuen uns im Lande über die Umwandlung der deutschen Juden, über die Aerzte und Juristen, die zur landwirtschaftlichen Arbeit übergehen und begrüßen vom Jischuw aus diese Bemühungen von ganzein Herzen. Wir hoffen, daß die Immigration aus Deutschland noch wichtige Früchte für das Land und seine Wirtschaft bringen wird. l Blick auf die drei Riesen* Turbinenrohre des Riithcnbcrgsehen Kraftwerkes am Jordait- Jarmuk-Steiudamm Ana: Th; A'eto Palestin» Möglichkeiten industrieller Investments Von Alfred Marcus (Haifa) Die Frage der produktiven Investierung des in Palästina amagesuchenden Kapitals ist eine Lebensfrage nicht nur für die palästinensische Wirtschaft und damit für den Aulbau des Landes, sondern auch für den Investor selbst. Sehr häufig liegen ja die Dinge so, daß die zur Investierung in Palästina dem Einzelnen zur Verfügung stehenden Kapitalien Reste ehemals großer Vermögen darstellen, die im Laufe jahrzehntelanger Arbeit in Europa oder Amerika erworben worden sind und zu einem erheblichen Teil sich während der Weltkrise in nichts aufgelöst haben. Wenn mm letzte Reste solcher privaten Kapitalien in Palästina angelegt werden sollen, so spielt die Art dieser Anlage für den Investor eine ganz andere Rolle als früher einmal die freie Disposition über bestimmte Vermögensteile in Europa oder in Amerika. Denn es handelt sich hierbei jetzt nicht-mehr so sehr um ein Geschäft im üblichen Sinne des Wortes, sondern um die Konservierung bestimmter Vermögensteile für Menschen, die selbst nicht mehr dazu imstande sind, sich neue Existenzen mit eigener Arbeit aufzubauen, oder für ihre Kinder. Gewiß, nicht das gesamte Investorenpublikum, das sich heute für palästinensische Anlagen mehr und mehr interessiert, stammt aus diesem Kreise. Aber ein erheblicher Teil der Interessenten befindet sich nun einmal in der eingangs angedeuteten Situation, und es ist klar, daß die Investierung dieser „Restkapitalien", dal! ihre Konservierung den Gegenstand der Hauptsorge aller der Stellen bilden muß und bildet, die sich von Verantwortung gegenüber dem gesamten Aufbau getragen mit der Anlage von Kapitalien in Palästina befassen. Es liegt in der Natur der Dinge, daß gerade solche Kapitalien mit größter Sicherheit, aber auch mit einer möglichst schnell beginnenden normalen und stetigen Verzinsung angelegt werden müssen. Denn gerade der Investor dieses Kreises ist selbst sehr häufig nicht mehr arbeitsfähig, er ist auf eine schnelle und stetige Verzinsung seines Kapitals angewiesen. Das sind also die beiden Pole, zwischen denen der Ausgleich bei einer solchen Investierungstätigkeit zu liepen hat: Sicherheit und schnelle Verzinsung, wobei es klar ist, daß die Höhe der Verzinsung durch das Motiv der Sicherheit stark beeinflußt werden muß. Man kann nicht nach menschlichem Ermessen sichere Anlagen mit Phantasieverzinsungen erwarten, und der vernünftige Investor wird das auch nicht tun. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet ist es zu begrüßen, dall in der letzten Zeit eine Reihe von Anlagemöglichkeiten industrieller Natur in Palästina entstanden ist, die den Typ des „Prefereiice-Sharcs" englischen Rechtes mit fester Verzinsung in den Vordergrund gestellt haben. Hier sind die oben gekennzeichneten beiden Bedingungen: „größtmögliche Sicherheit und Stetigkeit der Verzinsung mit schnellem Verzinsungsbeginn" von vornherein soweit rechtlich festgelegt, daß der Investor nach menschlichem Ermessen die Wünsche, die er von seinem Standpunkt aus mit Recht an eine solche Anlage zu stellen hat, befriedigt findet. Gewiß kann man sagen, daß die Vorzugsaktion dieser Art nicht an allen Gewinnchancen ihres Unternehmens teilnehmen, und diese Gewinnchancen muß man bei einer Reihe der in Frage stehenden Unternehmungen ziemlich hoch einschätzen. Das große Mißverhältnis zwischen der Konsumkraft der palästinensischen Bevölkerung, vor allem des Jischuw, und den bisher im Lande vorhandenen Produktionsanlagen bietet schon eine gewisse Garantie dafür, dali sachgemäß geleitete industrielle Unternehmungen, die richtig dimensioniert und nicht etwa auf Riesenbetriebe europäischen oder amerikanischen Umfange* berechnet sind, erhebliche Gewinnchancen haben. Aber es bleibt dem Investor unbenommen, den oben gekennzeichneten Typ der Vorzugsaktie mit fester Verzinsung nicht zu wählen, sondern den der Stammaktie mit schwankender Verzinsung, entsprechend mobilem Kurse und selbstverständlich auch im Verhältnis zu den erhöhten Gewinnchancen erhöhten Risiken. Man kann natürlich einer Stammaktie keine 100 »oige Liquidationsgaramie vor allen anderen Aktionären einräumen, wie dies bei einigen Vorzugsaktien in letzter Zeit gerade wegen des oben in den Vordergrund gestellten Sicherheitsmotivs der Fall gewesen ist Es ist Sache der persönlichen Entscheidung des einzelnen Investors, wie er investieren will, ob mit größerer Sicherheit oder mit größerer Chance, und man kann in vielen Fällen sogar dazu raten, beides zu wählen und einfach zwischen festverzinslichen Vorzugsaktien und Stammaktien zu teilen, aber d.ts hängt von der Lage des einzelnen Falles ab und eine allgemeine Regel wird sich hierfür nicht aufstellen lassen. Es muß aber darauf hingewiesen werden, daß es jetzt im Lande Stellen gibt, die unter genauer Berücksichtigung der Bedürfnisse des allgemeinen Aufbaus und des Investors, getragen von einer gründlichen Kenntnis der sachlich.cn und personellen Verhältnisse Anlagen dieser Art empfehlen und durchaus mit Erfolg. Es muß fernerhin darauf aufmerksam gemacht werden, daß die im Gange befindliche Differenzierung des industriellen Sektors der palästinensischen Wirtschaft die Auswahl unter diesen industriellen Anlagen fast von Monat zu Monat größer werden läßt. Auch das ist natürlich für den Investor ein sehr wesentlicher Faktor. Wurde oben davon gesprochen, daß es in gewissen Fällen ratsam sein kann, eine Anlage von Kapital auf Vorzugsaktien (aus Sicherheitsgründen) und auf Stammaktien (aus solchen der erhöhten Chance) zu verteilen, so besteht heute in Palästina aber auch bereits die Möglichkeit, solche Anlagen auf die Anteile verschieden er Unternehmungen zu verteilen. Es ergeben sich so Variationsmöglichkeiten der Anlage, die das Risiko für die Ofsamtanlage noch weiterhin vermindern und ihre Sicherheit erhöhen. Wenn man sich beispielsweise sagt, daß heute bereits dl« Möglichkeit dazu besteht, in der oben angedeuteten Weise Anlagen zu verteilen auf die Anteile einer Elektrizitätsgescllschaft mit praktischem Monopol, eines chemischen Unternehmens mit einer Produktionsgrundlage, die in der Welt ziemlich einzig dasteht, einer Stralknbaugesellschaft, welche mit einem der größten Oelkonzerne der Welt zusammenarbeitet und schließlich auf eine ganze Reihe Unternehmungen der fertigverarbeitenden Industrie in allen möglichen Zweigen, so beweist das Auswahlmöglichkeiten, die man nicht unterschätzen soll. Wenn man dann noch den Schnitt durch diese Anlagen sozusagen horizontal legt und auf Vorzugs- und Stammaktien verteilt, so ist eine Anzahl von Variation-- möglichkeiten gegeben, die schon heute sowohl dem Sicherheitsbedürfnis als auch dem nach höherer Gewinnchance Rechnung zu tragen erlaubt. Worauf es vor allem ankommt, das ist die Notwendigkeit, dem Investor ausreichende Unterlagen in die Hand zu geben, auf Grund deren er selbst zu prüfen vermag, was für seinen speziellen Fall angemessen ist oder nicht. Auch in dieser Hinsicht sind Möglichkeiten vorhanden, die für den Investor wesentlich und für den Aufbau des Landes bedeutungsvoll sind. ALIJÄH Informationen für Ptlistlna-Auiwand«"1 ist soeben neu erschienen « ^!'%tSi müRBIRg —_:__. ^"WAlhQ ■ A R lUiiD.r.AQISC u O B F' P; N III SPCV» v ti svev^