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Jüdische Rundschau · 1935-04-12 · Heft 30 (12.4.1935) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 30 (12.4.1935)
Date
1935-04-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seire 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 30, 12. IV. 1935 der« in politischen Angelegenheiten, soll bis zum Ausschluß von -der Mitgliedschaft vorgegangen werden. 1 )er Beschluß gegen die revisionistische» Petition weist darauf hin, daß die Genfer Niederlage der Revisionisten die früheren Beschlüsse und Warnungen gegen politische Somleraktioiieii rechtfertige und verurteilt die Aktion der Revisionisten, weil sie zerstörend wirkt. Oer Beschluß druckt das Vertrauen aus, dali die Exekutiv-Aktion die Anarchie beenden wird, die Teilen der Zionistischen Organisation Somleraktioiieii erlaubt, die die Lage der Gesamtorganisation gefährden. ' Eine Reihe von Erklärungen der Parteiführer folgte der Abstimmung. Mossinson erklärte namens des WeltvcrbaiKles der Allgemeinen Zionisten, daß sie die Koalition aller Teile der Bewegung anstrebten. Raw Berlin (Misraehi) stellte eine gewisse Besserung der Beziehungen /wischen den Parteien als Ergebnis dieser Tagung fest, beklagte jedoch die ungenügende Einheitlichkeit und hofft, dali eine allgemeine Vei Bändigung; auf der Basis religiös-judischer Lebensführung herbeizuführen sei. Berl K a t z n e 1 s o n erklärte für die Arbeitersthaft, daß er sich keiner Tagung erinnere, die so tief in der Wirklichkeit der Probleme des Zionismus und des Jisehuw wur/elte und von einem so innigen Wunsch nach der Erreichung eines Maximums von Verständigung erfüllt war. Das Abstimmungsergebnis erweise die starke ZusanimeiischhilSkraft der konstruktiven Kräfte der Bewegung. Die Arbeiterschaft halte fest an dem Ziel einer breiten Koalition auf der Basis der vollen Autorität der Zionistischen Organisation; doch sei eine Verständigung mit einer Partei, die nicht die Autorität der Zionistischen Organisation anerkennt, undenkbar. Anläßlich der Abstimmung drohten die Revisionisten, sie vi irden bei Annahme der Beschlüsse an den Kongreßwählen nicht teilnehmen; sie erhoben schließlich erneut die Forderung nach einer Round-Tahle-Konfercn/ der zionistischen Parteien. Der Vorsitzende Gold mann erklärte für das Präsidium, dal! der Antrag außerhalb der Kompetenzen des A.-C. liege, da das A.-C. den Parteien ihr Verhalten nicht vorschreiben könne. Daraufhin verlas namens der Revisionisten Ben Chorin eine vorbereitete Erklärung, in der das A.-C, der Ablehnung alier u \ isiuiiistisi In.ir Ei kik iisvors Jilagc beschuldigt wird. Er kündigte an, d.dj die Revisionisten au den Kongreßw nlhl e n n i c Ii t teil n e h m e u werden. Nach dieser Erklärung verließen 7 Re\Monisten den Saal. Nnclt diesem Zwischenfall wurden die Beratungen fortgesetzt. Kaplan beantwortete kurz eine Interpellation des Misraehi dahin, daß die Klausel über Einhaltung der Schabbatruhe in sämtlichen Vertragen mit den Siedlern enthalten sei. C <> 1 d m a n il wies in seiner Schlußrede die Behauptung zurück, das A.-C. sei gegen den Frieden; er unterstrich die Ilern »Innigen der Tagung um die Erreichung einer Verständigung, da ja alle Parteien die Notwendigkeit einer einheilt ii lien < )i i,am--aiioii anu kennen. Er druckte die Hoffnung aus, daß der Abgang der Revisionisten nicht ihr letztes Wort sei, hob dahohe Niveau du Debatte hei vor und bezeichnete die ruhige, würdige Haltung während der Gesamt-Tagung als gutes Vor/eichen für die Wahlkampagne und die weiteren Bemühungen um einen konstruktiven Frieden beim Kongreß. Mit dem Absingen der Hatikwah wurde die Tagung geschlossen. lieber die vorausgehenden Sitzungen liegen noch folgende Berichte vor: Das Budget Elijahu Berti gne (Allgem. Zion.) unterbreitete den B u dg e t a u t r a g der Finaii/.-Konimission für das Jahr 56<jr>. Danach sind die Einnahmen mit C 329 000 festgesetzt, davon C 25(1000 durch den Keren Hajessod. Auf der Ausgabenseite figurieren C 1S7 000 für landwirtschaftliche Kolonisation. Es wurde beschlossen, von diesem Budget 40 «•» für neue Kolonisation, -10 >•,, für die Errichtung von Arbeiterworinsiedhinge.il innerhalb der bestellenden Kolonien und 20",, für Darlehen an bestehende Siedlungen zu verwenden Ferner: C 20 000 für Erziehung, C 5000 für das Bialik- Institut und der Rest für Ein Wanderung, das politische Departement, die Propaganda, den Reservefonds usw. Das Budget wurde unverändert mit 20 gegen 0 .Stimmen angenommen, dagegen stimmten der Misraehi und einige Revisionisten — der Misraehi, weil sein Autrag auf eine größere Zuwendung für religiöse Zwecke abgelehnt worden war. Eine eingehende Aussprache fand über einen von allen Parteien unterstützten Vorschlag statt, auf dem nächsten Kongreß eine „große Koalition" zu bilden. Auch die Arbeiter- Vertreter stimmten diesem Vorschlag unter der Voraussetzung zu, daß die Diszipliuklausel auf den Schekelformularcn beibehalten wird. Einwanderung und jüdische Arbeit Einstimmig wurden Resolutionen zur Arbeits- und E i n w a n d e r u n g s f r a g c angenommen, in denen die Exekutive aufgefordert wird, eine Erhöhung der Arbeitereinwanderungs-Schedule für das nächste Halbjahr zu verlangen und die Regierung zu ersuchen, die Regelung der Einwanderung durch die Zionistische Exekutive nicht durch die Festsetzung von Spezialkategorien und Unterkategorien von Einwanderern zu komplizieren. Die Regierung wird auch aufgefordert, wieder Zertifikate für Handwerker, die 250 Pfund besitzen, und für Mittelständler mit 500 Pfund Eigcnkapital auszugeben, wobei vom Jüdischen Natiouall'oiids, von der Palestine (Kolonisation Association (Pica) usw. übernommener Pachtbesitz ebenso angerechnet werden soll _wie eigenes Vermögen. Das Aktions-Comite richtete an die Regierung gleichzeitig den Appell, allen Personen, die als Touristen nach Palästina kommen und später, nachdem sie Stellung gefunden haben, sich dauernd niederlassen wollen, die Erlaubnis hierzu zu erteilen. Das A.-C. begrüßte die Initiative der Exekutive bei der Durchführung der Anleihe bei Lloyd's Bank. Angenommen wurden ferner die Vorschlage der Exekutive für die Gründung einer Industriebank zur Gewährung langfristiger Darlehen und einer Landwirtschaftsbank zur Gewährung von Darlehen an Arbeitgeber, die jüdische Arbeiter beschäftigen, sowie die Gründung einer Bank für landwirtschaftliche Hypotheken; die Ausarbeitung eines Planes für eine Körperschaft, die die Kontrolle der Finanzen ausübt. Zur Bekämpfung von Mißbrauchen bei Regelung der Immigration beschloß das A.-C. die Schaffung von Sonderschietlsgerichten, die ermächtigt sein sollen, Strafen aufzuerlegen, die bis zum Ausschluß aus der Zionistischen Organisation reichen. Für Polen soll das Sondergericht bis spätestens Mai eingesetzt sein. Zur Propaganda des Prinzips der jüdischen Arbeit sollen öffentliche Komitees im ganzen Lande gebildet werden. Arbeitgeber, die sich weigern, jüdische Arbeiter zu beschäftigen, können aus der Zionistischen Organisation ausgeschlossen werden. Die politischen Beschlüsse, die mit allen gegen die Stimmen der Revisionisten angenommen wurden, sprechen sich gegen die Boden-Gesetzgebung aus, die nur zur Entfachung von Bodenstreitigkeiten führt und fordern von der Regierung die Erleichterung "einer dichten jüdischen landwirtschaftlichen Siedlung gemäß dem Mandat. Das A.-C. unterstützt ferner die Forderung des Waad Leumi auf Erhöhung der Reideruugsbeiträge für die jüdische soziale Fürsorge einschließlich eines speziellen Beitrags zur Errichtung von Schulgebäuden. Schließlich protestiert das A,-C. gegen die Entziehung der palästinensischen Staatsbürgerschaft von Juden. Eine doppelzüngige Erklärung? J e r u s a 1 e m, 0. April (Palcor) Die verantwortlichen zionistischen Kreise betrachten die Ergebnisse der A.-C.-Sitzung als einen wichtigen Schritt zur Konsolidierung der Zionistischen Organisation, zur Stärkung ihres Prestige und der Autorität der Exekutive. Man erhofft als eine Wirkung dieser Sitzung eine Annäherung zwischen der Exekutive und einem Teil der bisherigen Opposition sgrupen, insbesondere den Allgemeinen Zionisten Gruppe B und dem Misraehi. Die Tagung gab Gelegenheit zur Würdigung der grollen Errungenschaften der Bewegung in den letzten zwei Jahren. Der Exodus der Revisionisten und ihre Erklärung, am Kongreß nicht teilnehmen zu wollen, wird als ein neues taktisches Manöver aufgefaßt; in diesem Sinne ist es charakteristisch, daß die den Revisionisten am nächsten stehenden Gruppen, SCHIFF DER JUGEND Momentaufnahmen von der „Makkakiah"- Heise Von Mascha K a I e k o An Bord der „Roma", 31. März. 1035 1. .Gebrainlisiui«eisung" für Neuankömmlinge Grenzstation wr Tricst Krame deine armseligen Vokabelbrack eu hervor und brummle sie b-i-e vor dkli hin: „Bon giorinr ■ ..Guten Taj", „f.isehiun" -- „Trager!" „quanta costa" ■ „was kostet'" .- Viel mehr wirst du kaum benötigen, um Mittag geht das Schiff. „Tricsfe!"' ■ Itaiicii. ... Wundere dich nicht, winn das erste Wort, das du aut ifaüeiu-iiieiii BiKien hörst, deinem Ohr so unitalienisch kliuirt. _ „Palästina" heißt das Wort. Es wird dir vom Bahnsteig ins t oupefcüstcr hinaufceiufeu. Mit einem Fragezeichen. „Palästina?" fragt der mit der blauen Armbinde. Nicke nur und vertraue dich ihm an. Er will keine Lire vor» ihr, er ist ein „< icmcitiniitzigcr" und iut, als wäre er das Palädina-Anit persönlich. Frag ihn gehörig aus. Nun laut ein bißchen m der Stadt umher, treib dich aut «.lein FKehmarkt und am Hafen herum. Frag irgendeinen Burschen nach der „Mole" in deinem allerbesten Italienisch, er wird dir in seinem allerbesten Deutsch Antwort geben; „Ah, Schie wollen su die Hafen, su die ,Roina', si?" Mach kein dummes Gesieht, wenn der Wohlinforniicrtc dich ausfragt, ob du nach „Gerusalemmc" oder „Caitfa" willst, laß dich ruhig von ihm hinuntergeleiten ans Schiff. Du findest dort die Stadt I rie-t würdig vertreten durch ihre Schuljugend, auch Studenten, ja selbst ganz unu gar erwachsene Burger haben sich hier im Hafen zusainineiigetan, das Schiff und seine Insassen zu bestaunen. Es ist beinahe gar nicht übertrieben, was der Ober vom Cafe in der Via San Nieolo sagte: „T r i e s t steht im 2 e i c h e n der M a k k a b i a h". B e i n a h c gar nkiit übertrieben. •- Wenn dir zwei Lire nicht zu viel sind, kannst du ein sogenanntes ewiges Andenken erwerben bei dem StralSenphotographeu mit dem zergerbt-braunen Sudläiidergcsieht. Er wird mit seiner unwahrscheinlich altmodischen Klappkamera dich und ein kleines Stück deines Schiffes auf eine Postkarte zaubern. Du kamist es dir aussuchen: entweder den oberen Schiffsteil mit wehender Flagfgc grüinveiliiof «der einen halben Meter Schiffsbug mit den Lettern „Roma", Für zwei Lire. Alles inklusive! — Nun aber wird es Zeit, den Dampfer zu inspizieren. Freunde dich gleich an mit ihm, dreieinhalb Tage lang wird er dir Daheim und Draußen, Cafe und Sommerfrische sein, der schwimmende Vorraum des Landes, das dir Ziel ist. Steige die Leitertreppe hinauf, mische dich unter die Makkabim, die in funkelnagelneuem Blauwciß-Dreß auf dem Deck umherschwirren. Eine Gruppe hält bereits zünftige Diskussionen darüber ab, ob dieses Schiff mit seinen 33 000 Tonnen noch zu den Mittel- oder schon zu den Schwergewichtlern zu rechnen sei. Jedenfalls, das muß zugebilligt werden, der Dampfer ist „gut in Form". Blendendweiß liegt die ^Roma" da, sie hört dies alles ein bißchen hochmutig mit an: schließlich ist man von Haus aus ein echter Aincrikadamnfer, und so eine Fahrt nach Palästina macht man glatt ais „kleinen Trip", wenn man auf sich hält. Und man hält auf sich. 2. ..All pcople on board!" „We shali bave a fine weather to-day, Captain?" „II fait tres beau aujourd'hui, n'est-ce-pas?" „Hajom jafe m'od, chawerim!" „... Poschct: Summer!" „— Det Wetter, Mensch! Einfach knorke!" Pack deinen dicken Sprachführer in den Koffer zurück, Bildungsbeflissencr. So viele Sprachen kamist du in den paar Tagen nicht mehr lernen. Das schwirrt nur so: Deutsch und Englisch, Polnisch und Französisch, Tschechisch und Ungarisch, Jiddisch und Hebräisch, gut gemischt mit dem Italienisch der Triester Schiffsmannschaft. Die Rettung aus diesem babylonischen Gewirr heißt: Hebräisch. Aber im Iwrith-Kurs habt ihr gerade erst die zweite Konjugation „gehabt", leider. Und wenn die aus Kowno und Warschau ganz selbstverständlich ihr fließendes Hebräisch sprechen, bleibt euch nichts anderes, als neidvoll aufzuhorchen und — zunächst einmal - klug zu schweigen. „Bagagli!" ... „Bagagli!" .....Bagagli:" Diese italienische Vokabel wirst du dir merken, aus welcher Ecke der Landkarte du auch kommen magst. „Bagagli!" schallt es an, auf, hinter, in, neben, über, unter, vor und zwischen den Schiffskabinen. „Bagagli!" - Das Gepäck! Siebzelmhundcrt Passagiere besteigen das Schiff. Siebzehn hundert Passagiere halten es für unwahrscheinlich, daß nicht zumindest die Hälfte aller Koffer spurlos verschwindet. Siebzehnlnmdert Passagiere sind nahezu überzeugt davon, «laß gerade ihr Gepäck das verlorengegangene sein wird. Wenn nicht ein Wunder ...I Das Wunder geschieht aber. Es ist alles an Bord gelangt, vom schweinsledernen Schrankkoffer für die Luxuskabinc bis zum unscheinbaren Bündel für das Auswandererdeck. Der Schlachtruf „Bagagli" verhallt. Nun ist es soweit. Die Sirenen haben gebrüllt, programmgemäß, die Musik hat ihr obiigates Abfahrtslied geschmettert, wir haben alle, wie es sich gehört, aufgeregt an der Reeling gestanden, nämlich der offizielle Misraehi und die Allgemeinen Zionisten Gruppe B, auf deren Abmarsch nicht reagiert haben. Von den Allgemeinen Zionisten haben nur die beiden ostgalizisehen Delegierten Schmorak und Landau sich der Abstimmung über die Resolution bezüglich des Schekel-Textes enthalten. Bemerkenswert ist auch, daß Ussischkin, der bisher stets disziplinare Mafinahmen gegen die Revisionisten mißbilligte, sich aktiv an der Formulierung der Vorschläge beteiligt hat. Im übrigen wird darauf hingewiesen, daß der Text der von den Revisionisten im A.-C. verlesenen Erklärung zweideutig ist. Es wird darin nicht gesagt, daß die Revisionisten nicht am Kongreß teilnehmen, sondern daß die „Revisionistische Union" nicht teilnimmt. Da die Revisionisten aber stets betont haben, daß die revisionistische Union kein Teil der Zionistischen Organisation ist und daß nur individu. eile Revisionisten am Kongreß teilnehmen, so ist eigentlich durch den Buchstabensinn der zweifellos mit Absicht so formulierten Erklärung nichts Neues ausgesagt. Diese Auffassung würde auch dadurch bestärkt, dali die revisionistischen A.-C.-Mitgliedcr zwar einen Exodus veranstalteten, aber nicht ihren Austritt aus dem A.-C. erklärten. (Sollte diese Interpretation richtig sein, so müßte man der Meinimg derer zustimmen, die glauben, daß es sich hier um einen nichtssagenden Theatercf f ekt handelt, der nur dazu bestimmt ist, die uninformierte Oeffentlichkeit durch den Anschein eines Bruches, den man aus leicht verstand liehen Gründen gar nicht ernst meint, zu terrorisieren. — A.d. R.) * Im Gegensatz zu der vorstehend angedeuteten Auffassung steht die nachstehende Meldung der JTA. aus Jerusaleoi: Jerusalem, 9. April. (JTA.) Pas Ausscheiden der revisionistischen Mitglieder aus dem Aktions-Comite" und ihre Ankündigung, daß die Revisionisten auch dem nächsten Kongreß fern bleiben würden, ist auf eine entsprechende Weisung der Exekutive der Wcltunion der Z i o n i s t e n - R e v i s i o n i s t e ti in Paris zurückzuführen. Diese hatte noch am Sonntag die revisionistische Fraktion des Aktions-Comites telegraphisch aufgefordert, im Hinblick darauf, dali der Vorschlag, eine Round Tablc-Konferenz aller Parteien zur Befriedungder Bewegung einzuberufen, abgelehnt worden war, die Tagung verlassen. Gleichzeitig gab die revisionistische Exekutive offiziell bekannt, daß sich die Revisionisten am nädisten Kongreß nicht beteiligen würden. Wie die JTA. ferner aus Paris meldet, hat die Exekutive der revisionistischen Union eine von Jabotinsky unterzeichnete lange Erklärung veröffentlicht, worin gesagt wird, daß die Revisionisten daran gehen, einen „neuen Zionismus zu schaffen" (soll wohl heißen eine neue Organisation). Sie werden, so heißt es, die 600 000 Juden, die die Petition au den Völkerbund unterzeichnet haben, zu Petenten-Upen organisieren und in deren Namen vom Völkerbund die Umwandlung Palästinas in einen Judenstaat fordern. Sie werden einen Weltkongreß von Delegierten derjenigen Juden, die die Petition unterschrieben haben, einberufen. In New York gab Jabotinsky, der am 10. April die Rückreise nach Europa angetreten hat, die Erklärung ab, die Revisionisten seien bereit, sich der Disziplin der Zionistischen Organisation zu unterwerfen, wenn diese das revisionistische Programm annehme (I), Andernfalls würden die Revisionisten die Petitionsbewegung fortführen und nichts mehr mit den Zionistenkongressen zu tun haben. Ilauptschriftlciter: Dr. Robert Weltsch, Bcrlin-Charlottonburg 9. Stellvertreter und verantwortlich: Kurt Locwen stein, Berlin WlS. Anzei^'cnleilerin und verantwortlich für den Inhalt, der Anzeigen: Rut I'uscncr, Dvrlm W30. Uülüg: Ari/.*:igcii|>reisliste 2 v. 1. Jan. 1&35. Verlag und Am» igenverwaltun^: Jüilischo Rundschau, Berlin W 15, Mcinektitr. 10. D.-A. März 33 044. — Druck: Siegfried Scholt-m, iJcrliii-Sdn'iiK'bcrjj. Kameras wurden gezückt, Taschentücher flatterten, es war alles wie im Roman. Nun zieht sich der Hafen _ langsam zurück, ganz, fern werden die Triester Hänge mit ihren auf den Berg geklebten Häusern. Die schwarze Menge hinter dem Zollhaus entschwindet, nun ebht auch der Turbinenlaim ab, wir schwimmen. Es ist heutzutage nicht mehr schicklich, von „grün" schillerndem Meer", „blauem Himmel" und ähnlichem Lamlschaftsziibehör zu schwärmen. Kluge Leute lehnen dergleichen von vornherein als „Kitsch" ab. Schade. -- Sonst wäre ni berichten gewesen, daß dieser 28. März des Jahres l')>3 ein Prachtexemplar von südlichem Sommertag war. Hoch oben spannte sich die unter diesen Breitengraden zuständige „italische Bläue" nebst strahlendem Sonnenschein, ein Bild, dessen sich der anspruchsvollste Mittelmeerprospekt nie'11 zu schämen brauchte. Das Meer war (siehe oben) grünschillernd, mit hellen Sonnenlichtern verziert, und die Wellen, — sie taten, was ihres Amtes war: sie „rauschten". Zumindest um Bug und Schiffsschrauben herum. Wahrheitsgemäß muß zugestanden werden, daß kein sehr erhebliches Wcllcnrauschen stattfand, es reichte gerade noch hin, den Namen „Seefahrt" zu rechtfertigen. Der Herr aus Hamburg ist unzufrieden. Ihm geht das Schiff zu ruhig. Ein bißchen „hofier Seegang" würde sich so dekorativ machen für spätere Reiseberichte, daheim. Schade. 3. Von „Rilbergehern" und „Ruberfahrern" Es ist wohl zu unterscheiden zwischen a) „Rübergehern" u;id b) „Rüberfahrern". Erstere verfügen über das Zertifikat und die Absicht, „drüben" zu bleiben. Wir haben scihshundert „Rübergeher" an Bord: Chalu/im mit kleinem üe" pack und großem Optimismus, wohlbeleibte Herren mit großem Gepäck und kleinem Optimismus und Chassidim aus Polen, latigbärtige Juden im Kaftan, mit beinahe gar keinem Gepäck und sehr viel „Oolus" belastet. Sie sitzen schweigsam auf ihren Holzibänkeu in den unteren Schillsräumen. Sie stehen einsam und stumm auf diesem großen Dampfer, der sie nach Erez Israel führen soll. Sie versammeln sich zu den Gebetzeiten nach altem Brauch, dann und wann sagen sie ein Wort zu ihren La/idsleuten, zwischendurch aber stehen sie immer wieder allein über die Reeling gebeugt und starren aufs Wasser hinab. Die „Rüberfahrer" hingegen sind weniger gedankenvoll, weniger beschwert. Touristenvisum im Paß ist unverbindlich. Die meisten machen nur eine Palästinnreise, eine Reise zur zweiten Makkabiah, oder einen Pcfiachbcsuch bei Freunden „drüben". „Wir haben alle einen Freund drüben'', sagt der Melancholische aus Berlin. „Unsere Familien sind zerstreut. Der eine Teil in Weißensee, — der andere i c in Uebersee ..." Der Melancholische ist eine Ausnahme- (Fortsetzung auf Seite *)

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