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Jüdische Rundschau · 1935-04-09 · Heft 29 (9.4.1935) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 29 (9.4.1935)
Date
1935-04-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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^^^^^^^^1 Nr. 29, 9. IV. 1935 JODISCHE RUNDSCHAU Seife 5 Im Spiegel der letzten Generation Adiad Haam und Hermann Cohen über den Rambam Große Gestalten fordern zu allen Zeiten zur Auseinandersetzung mit ihren Sein und Denken heraus. Es ist darum gerade für uns heute, die unr eben erst uns vom 19. Jahrhunderl abzulösen beginnen, besonders reizvoll zu sehen, wie sich die zwei bedeutendsten jüdischen Denker der vergangenen Epoche zu Maimonides stellen. Achad Haam und Hermann Cohen — zwei Antipoden, zwei Wellen, zwei Judentümer — betrachten sich beide, jeder in seiner Art, als Erben des Rambam. In den beiden nachfolgenden Aufsätzen erhalten wir einen kleinen Einblick in die Verschiedenheit ihrer Auffassungen. Achad Haam, aus dessen Auf salz „Schilton Ha-Sscchcl" wir einige charakteristische Proben abdrucken, sucht Maimonides vom Standpunkt des neuen Juden her zu begreifen, in dem das jüdische Nationalgefühl bereits erwacht ist und der darum die für die Gemeinschaft wichtigen Werte aus der Philosophie des Rambam herausholt. Hermann Cohen, der Menschheitsgläubige, wendet sich den ethischen Erkenntnissen zu, die aus Maimonides Philosophie abzuleiten sind und prüft sie besonders auf ihre geschichtliche Herkunft. Beiden Denkern aber ist gemeinsam der Glaube an die Kraft der Vernunft und an ihre Bedeutung für das sittliche Handeln des Menschen: der jüdische Glaube daran, daß sich das Gute wollen, gestalten und leben läßt. Es ist eine ununterbrochene Kette jüdischen Denkens durch die Jahrhunderte. AlIS DlO FfprPüfflflff rlfl«Vf*rniinft" theoretischen Lehrgehalt: populäre Metaphysik, in ihren prak /*UÄ lierr&aiail V emiinii; lisrhm Vorschriften: soziale Ethik und Pädagogik. ... Di« V.--* „I. _ .1 II___!».!• . i . I . .1 . 0 .V Von Achad II a a Aus dem umfangreichen Aufsatz, der im IV. Band von „AI Pcraschath Derachim" („Am Scheidewege", 4 Bände, hehr., Jüd. Verlag, Berlin) abgedruckt und bisher nicht ins Deutsche übersetzt ist, geben wir einige Bruchstücke wieder. Die Auslassungen sind durch Punkte angedeutet. Red. Die Lebensauffassung des Maimonides Maimonides bestimmte Inhalt und Art der Erkenntnis, durch die der Mensch die ,.erworbene Vernunft" erlangt. ... Welches sind die Erkennlnisinhalte, deren Aneignung die Vernunft (— Anlage) zur Realisierung bringt? Es sind die, deren Inhalt das wahre und ewige Sein bildet ...: Die Anformen die Himmelskörper . . ., die stofflosen Vernunftwesen. ... Aber auch hinsichtlich der Art der Erkenntnis gibt es eine sehr wichtige Bestimmung: daß nämlich der Mensch nur durch die Tätigkeil der Vernunft selbst Erkenntnis erlangt, d. h. daß der Mensch die Seinswahrheit durch Vernunftbeweise erreicht, nicht aber daß ihm die Wahrheit von anderen als bloßer Glaube überliefert werden kann. ... Sehen wir nun, welche ethischen Folgerungen sich aus diesem Gedanken ergeben. Die Frage nach dem letzten Zweck des Seins ist für Maimonides eine vergebliche, weil wir außerstande sind, eine zureichende Antwort zu finden. ... Aber Maimonides stimmt Aristoteles und seinen Schülern zu, daß der nächste Zweck aller Dinge in der niederen Welt — der Mensch sei. ... Der Zweck des menschlichen Lebens ist, „sich innerlich die Vernunfterkenntnisse zu bilden". ... lind was ist dann die größte sittliche Pflicht und was das vollkommenste sittliche CJ u t? Zweifellos gibt es keine höhere sittliche Pflicht als die, daß der Mensch sich bemühe, seinen Daseinszweck zu erreichen; und kein vollkommeneres sittliches Gut. als die Erreichung dieses Zweckes. ... So sind wir zu einem neuen ethischen Kriterium gekommen und zu einer vollständigen ..Umwertung aller Werte". ... Jede Tat hat positiv oder negativ einen ethischen Wert nur in dem Maße, als sie den Menschen in seiner Bemühung fördert oder beeinträchtigt, den Zweck seines Daseins zu erreichen — die Aktualisierung seiner Vernunft. „Gut" im ethischen Sinn ist alles, was dies fördert, „böse", was es hindert.... Lediglich die Beziehung eines jeden Dings zur Erreichung des Vernunftzwecks bestimmt seinen sittlichen Wert. ... Das Dasein der Mehrheit der Menschen hat einen Selbstzweck, verschieden vom Daseinszweck der auserwähllen Minderbeil. Diese hat ihren Daseinszweck in sich selbst, insofern sich in ihr die vollkommenste Form in der niederen Welt verkörpert. Aber tler Zweck der Mehrheit liegt ... darin, daß durch sie die notwendigen Bedingungen für das Dasein der Minderheit geschaffen werden: die menschliche Gemeinschaft mit allen ihren Kulturgütern (im materiellen Sinn), ohne die unmöglich „die Weisheit existieren kann". Damit haben wir aber in die Ethik ein neues Prinzip eingeführt — das soziale Prinzip. ... Alles, was die Vervollkommnung der Gemeinschaft ... fördert, ist das sittlich Gute, alles, was sie beeinträchtigt, das Schlechte. Von diesem ethischen Kriterium können sich weder die Melcn noch die Wenigen befreien. Für die Vielen versteht es sich von selbst, da es ja für ihr Dasein keinen andere« Zweck gibt als eben ihre Teilnahme an der Gemeinschaftsarbeit. ... Aber auch die Wenigen, die den höchsten Zweck zu erreichen fähig sind, und für die es daher ein individuelles ethisches Kriterium gibt, auch sie müssen überall, wo ihr individuelles Kriterium dem sozialen widerstreitet, sieh notwendig diesem unterwerfen. Denn je mehr sich die Gemeinschaft vervollkommnet und die Sorge um die körperlichen Bedürfnisse leichter wird, desto mehr wächst auch die Möglichkeit der Entstehung des Vollkommenen mit größerer Inständigkeit und in größerer Zahl, und es ergibt sich, daß in Betracht des höchsten Zweckes der Menschenart überhaupt, in dem ja die Wurzel der sittlichen Pflicht liegt, das Wohl der Gemeinschaft wertvoller ist als das des Individuums, selbst weim es sich um einen der wenigen Vollkommenen handelt. .., So nähert sich wiederum Maimonides der all jüdischen Anschauung, die das Leben der Gemeinschaft zum Lebenszweck des Einzelnen macht, nachdem es zuerst schien, als ob t sich von ihr entfernt hätte, als er den einzelnen „Vollkommenen", den Träger der „erworbenen Vernunft", zum Ziel des Lebens der Menschheit überhaupt bestimmt hatte.... Religion aus dem Denken ... Obwohl Maimonides sein System ausschließlich auf Philosophischen Grundlagen aufbaute und nicht das '■"Hingste von seinen philosophischen Anschauungen preisp!>, um zwischen ihnen und den damals im jüdischen Volk '"■rrsrhenden religiösen Anschauungen zu vermitteln, war <*r ohne Zweifel eine religiöse Natur und glaubte an die '"'ttlichkeit der Lehre Moses, nur daß seine Anschauung über "f'sen, Aufgabe und Werl der Religion ganz neu war und von anderer Art wie die volkstümliche Auffassung, indem er »ueh hier, auf dem eigenen Gebiete der Religion, jenen Grundvoraussetzungen treu blieb, auf die er die Ethik aufgebaut hatte. Achad Haam legt dann dar, wie Maimonides Offen- ^'"gsglauben und Philosophie zu vereinigen sucht und fährt ■■■ Was ist also die „göttliche Religion", d. h. die Lehre u Judentums, nach dem System des Maimonides? In ihrem ,..„,„ ,i iuisuiiiihii. 1JMUK. UHU I'rtliagUgllW ... DlR Religion steht nicht über, sondern unter der Vernunft, wie die Menge, für die sie geschaffen ist, unter dem vollkommenen Menschen steht. ... Dies alles verringert aber nicht die allgemeine und ewige Verpflichtung auf die praktische Erfüllung aller Vorschriften der Religion. Die Befreiung der Vernunft Die Herrschaft der Vernunft 1 Können wir denn heute noch ... die volle Größe und Tiefe der geistigen Revolution nachfühlen, die in diesen Worten zur Zeit des Maimonides eingeschlossen lag? Der Grundzug des Geistes des mittelalterlichen Menschen war ein negatives Verhältnis zur menschlichen Vernunft und mangelndes Vertrauen auf seine Kraft, Wegweiser des Lebens zu sein und den Menschen zu seiner wahren Glückseligkeit zu führen. Verhaßt und verachtet war die Vernunft wie ein gefährlicher Verführer und Verderl>er. ... Auf die Grundfragen über Welt und Leben suchte man damals gerade Antworten, die jenseits der Vernunft lagen, ... Die Befreiung der Vernunft von ihrer Abhängigkeit von einer äußeren Autorität — das ist die große, für alle Zeiten bleibende Tal, um deretwillen Maimonides allen Licht- und Erkennlnissuchenden in unserem Volke stets so überaus lieb und wert war. Das theoretische System, um das sich Maimonides ... all diese Midie machte, ist längst von der Welt verschwunden mitsamt der arabischen Hermann Cohen und Maimuni In der Geschichte der Philosophie wird Maimuni als Aristoteliker, Rationalist, ethischer Intellektualist und Gegner der Mystik charakterisiert. Aber die aristotelischen Gedankengänge kreuzen sich bei Maimuni mit Motiven, die einem tiefen jüdischen Glaubensgefiähl entspringen; die aristotelische kosmische Teleologie wird bei Maimuni bis zu einem gewissen Grade ethisch-volunlaristisch; und der aristotelische Begriff von Gott als der ersten bewegenden Ursache mit einer Vorstellung mystisch-neuplatonischer Herkunft von Gott als von dem unsagbaren und unerkennbaren Absolut-Einem, und mit der jüdischen Glaubenslehre von Gott als dem allwissenden und allmächtigen Wellherrscher verbunden. Hermann Collen, der letzte Ausläufer des deutschen philosophisch-kritischen Idealismus und der größte jüdische Rcligionsphilosoph unserer Zeit, hat das Verdienst, als erster die nie ht-anstoteli.i eben Züge — platonischen und jüdischen Ursprungs — hei Maimuni gezeigt zu haben. Cohen selbst betrachtet sich als einen Forlsetzer der großen „mailnonidischcn" Linie in der jüdischen Geistesgeschichte. Ihnen beiden war das Pathos der philosophisch-wissenschaftlichen Erkenntnis, der Glaube an die Macht des Verstandes und die Verwurzelung im historischen Judentum gemeinsam. Sie beide waren „Aufklärer" und Gläubige zugleich. Und wie Maimuni so war auch Cohen überzeugt von der Wesensgleirhheit des reinen Ideengehalls de« Judentums und der reinen philosophischen Vernunft. Als philosophischer Svstematikcr- Kommciitator mußte Cohen auch die Philosophie des Maimuni in seinem eigenen — platonisch-kantisch-jüdischen ■—• Geiste zu deuten versuchen. Daß dieser Interpretafions-Versurh die Gefahr der Einseitigkeit in sich birgt, dessen war sich Cohen voll bewußt. An einer Stelle seiner Abhandlung „Charakteristik der Ethik Maimunis" (Hermann Cohens „Jüdische Schriften", III. Band, S. 221—289) sagt er selbst von seiner Deutung der Atlributenlehre: „Wir kommen hier an einen Punkt, an dem ich einem Grundgedanken meiner eigenen systematischen Logik nachgehe. Damit ist ausgesprochen, daß die Unbefangenheil der Erörterung, die Objektivität der historischen Beleuchtung auf eine harte Probe gestellt wird. Indessen dürfen der Leser wie der Autor sich zunächst damit beruhigen, daß alle Geschichte der Philosophie mit dieser Gefahr eines selbständigen Interesses der Spekulation und daher unausweichlich mit der Bevorzugung eines einzelnen Problems behaftet ist, oder, wie man vielleicht sagen darf, behaftet sein sollte" (S. 250). Der Gott des Aristoteles ist nicht der Gott Maimunis, sagt Cohen. Denn Maimunis Gott ist der jüdische Gott, der Gott des „Guten" und des sittlichen Handelns; er ist daher eher der platonischen Idee des Guten, die „jensei»« alles Seins" ist, verwandt. Daher ist die mairnonidischc Lehre von den negativen Attributen Gottes nicht in neuplatonischem Sinne zu verstehen; nämlich daß wir vom „verborgenen" Gott überhaupt nichts Positives, sondern nur Negatives aussagen können. Sondern sie ist so zu verstellen, daß auf den Begriff Gott« keine beschränkenden Bestimmungen (keine „Privationen") anwendbar sind, und daß infolgedessen die göttlichen Attribute nur vom Standpunkte ihrer Beziehung zum Menschen, und das heißt in der Relation mit der Sittlichkeit, positiv bestimmbar sind. So findet Cohen die Verbindungslinien zwischen Maimunis Lehre von den sog. negativen Attnbuten und seiner Lehre von den „Attributen der Handlung". Denn die Attribute Gottes sind für uns „Seine Wege"; sie sind für uns nur Wirkungsaitribute und nicht „Attribute Red. Metaphysik, auf der es beruhte). Aber die praktisch« Folgerung, die sich aus diesem System ergab, die Befreiung der Vernunft, hatte bleibende Dauer, und ihre Spur ist von damals bis heute unverkennbar in der Entwicklung des jüdischen Geistes. ... Das Nationalgefühl des Rambam ... Ich möchte aber noch einiges über eine andersartige „Herrschaft" hinzufügen — über die Herrschaft des N a l i o n a 1 g e f ü h 1 s. ... Manche Erscheinungen zeigen bei Maimonides das Nalionalgefühl unbewußt so stark lebendig und wirksam, daß es ihn manchmal sogar daliin brachte, vom Wege der Logik abzubiegen. ... In dieser Hinsicht, kann uns Maimonides ein Musterbeispiel sein, wie sogar der größte „Logiker" im Innersten seines Herzens irgendeinen geheimen Winkel hat. wohin die Herrschaft, der Vernunft nicht gelangt, und wie er außerstande ist, die „Rebellen" sich zu unterwerfen, die von dort, herkommen und die feste ^Ordnung" stören.... So gelangen wir zuletzt zu der Einsicht, daß auch Maimonides wie die anderen Weisen ,li<raels mit seiner großen Arbeitsleistung, wenn vielleicht auch nicht vollbewußt, das Endziel verfolgte, das Judentum nach Inhalt und Form zu einer festen Burg zu machen, die dem Volke die G e währ seiner Erhall u n g in der G a I u t h geben konnte. Der Unterschied war nur der: vor Maimonides sah man die Gewähr darin, daß das Judentum über der Vernunft stehe, Maimonides jedoch lehrte, daß die Gewähr darin liegt, daß das Judentum Vernunft ist. (Uebers. von Seh.) des Wesens". Sie dienen nämlich „als Vorbilder für Handlungen der Menschen". „Die Gollescrkcnntnis bedeutet daher die Erkenntnis der Vorbilder als der Vorschriften, als der Gesetze der menschlichen Handlung, vermöge, derer sie zur sittlichen Handlung wird" (S. 247). Auch die Ethik Maimunis erhält durch diese Interpretation einen neuen Charakter. Sie ist mit der Gotteserkenntnis verbunden. „Ohne Erkenntnis keine Sittlichkeit und kein Gott." Und andrerseits „begründet die Gotteserkenntnis den Erkenntniswerl der Ethik" (ibid.). Im Gegensatz zu Aristoteles, der die Ethik als Wissenschaft leugnete, erkennt also Maimuni mit Plalo die Ethik als die Grundlage aller philosophischen Erkenntnis an. Er „bezeugt sich dadurch vorzugsweise als der lebendigste und innerlichste Vertreter der Philosophie im Judentum: daß s e i n e Metaphysik ihren d u r c h - wirkenden Mittelpunkt in seiner Ethik ha t" (S. 231). Allerdings sind für Maimuni die „Gesetze der Ethik" nicht Vernunftgesetze, so wenig als Gesetze der l eb?rlieferung: sondern sie sind als allgemein anerkannte auszuzeichnen" (S. 238). Nun ist es wahr, daß Maimuni gerade in den ethischer» Lehren sich inhaltlich eng an Aristoteles anzuschließen und seinen intelleklualistisrhen Eudämonisnius anzuerkennen scheint. Wie Aristoteles lehrt auch Maimuni, dal'» der höchste Zweck und die höchste Seligkeit des Menschen im reinen Erkennen bestehen und daß die sittlichen Tugenden nur ein Mittel zur Erreichung dieses Zweckes sind. Aber die \ ollkommenheil selbst ist hei Maimuni nicht et« as Statisches. Fertiges, sondern Aufgabe und Ziel, Werk und Tätigkeit (nicht „Sc.hcleniuth", sondern „llisrhlhahnuth"). Und da die Gotteserkenntnis Im-i Maimuni ethisch fundiert ist, so kann dio Seligkeit der „Kontemplation der Herrlichkeit Gottes" nicht nantheistisches Sicheins« issen mit der Gottheit, sondern das Bewußtsein der Annäherung („llilbkarbulh") an Gott bedeuten, der als Vorbild für das sittliche Handeln in uns wirkt (S. 262). Und wenn Maimuni in der Tugeudlehre das aristotelische Prinzip des „Mittleren Weges" -.'wischen den Extremen anzuerkennen scheint, so stellt er diesem das Prinzip der Billigkeit, zur Seite und lehrt zugleich, daß die Tugend der Demut nicht als mittleres Maß, sondern als Absolutes und Unbedingtes zu fordern sei (S. 270). Die Demut ist nicht nur der Mittelpunkt des gesamten Tugendwerkes, sondern wird von Maimuni sogar als ein Attribut Gottes bezeichnet. Den tiefsten und entscheidendsten Unterschied zwischen der Ethik Maimunis und der des Aristoteles sieht aber Cohen in der sozial-ethischen Auffassung der eschatologischmessianischen Idee bei Maimuni. Die höchste Erkenntnis als Erkenntnis der sittlichen Wahrheil in der Idee des einzigen Gottes ist für Maimuni nicht das glückliche Los des Weisen allein, sondern ihrer sollen alle Menschen — je nach ihrer« Vermögen — teilhaftig werden. „Kein Widtbestes ohne den Univcrsalismus der Erkenntnis" (S. 286). „Darum trägt ganz Israel Verlangen nach den Tagen des Messias, auf daß sio Ruhe erlangen von den politischen Dingen, um des ewigen, Lebens würdig zu werden: weil in jenen Tagen des Messias sich mehren wird die Einsicht und die Weisheit und die Wahrheit" (S. 284; Zitat aus M. . (S. 285). Alle Menschen sollen „die Einsicht gewinnen von der Bedeutung der Gottesidee, und zwar daß Gott kein Körperliches sei; daß seine erkennbaren Attribute nur die ethischen der Handlung seien. Bedeutet dies für den Einsichtigen etwas anderes, als daß die allgemeine religiöse Gotteserkenntnis für das ganze Volk und die ganze Menschheit nur in der Ethik begründet werde?" (S. 2S6). Dr. Joseph Hellet ik *

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