Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 28 (5.4.1935)
- Date
- 1935-04-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Fr if-rS*- \ ~i Seite 6 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 28, 5. IV. 1935 Prosperity und nationaler Notstand Die Ereignisse in den letzten Jahren haben im gesamten Wirtschaftsleben Palästinas grundlegende Veränderungen hervorgerufen. Die innere und äuliere Struktur des palästinensischen Lehens hat ein neues Gesicht bekommen. Die verstärkte Einwanderung, eine Masseuciuwaiidcrung von Zchntausenden von Juden ans allen Enden der Welt, mußte im Lande Begleiterscheinungen erzeugen, die bei früheren Einwanderungen nicht oder nur in wesentlich geringerem Umfange Einfluß aut die ökonomische und politische Gestaltung nahmen. An die Stelle der Chaluz-Alijah, der Einwanderung von Pionieren der Nation, ist heute eine Massenimmigration getreten, die an diejenigen Wanderungen erinnert, die in früheren Jahren nach anderen Ländern, insbesondere Nordamerika, gerichtet waren. Weder moralische Appelle noch umfassende Erziehung vermögen bei dieser Einwanderung, bei dieser Masse, jene Eigenschaften zu erzeugen, die die Grundhaltung der früheren Einwanderung bestimmten und die Fennente für den Aufbau waren, ohne die es heute nicht eine einzige nationale Position im Lande gäbe. Zwangsläufig mulife daher der Charakter der jetzigen Einwanderung dem fcsamten Leben Palästinas den Stempel des Vielfältigen, 'ngcregeiten, ja Chaotischen geben, und unsere gesamten Anstrengungen werden darauf gerichtet sein müssen, daß die Lebensform, die die Chaluzim der zweiten und dritten Alijah geprägt haben, erhalten und vertieft werden kann. Das Problem der städtischen Konzentration in Zahlen Ende 1031 zahlte man in Erez Israel 175(XX) Juden, Ende 101} 110000 Juden. Die Zunahme der jüdischen Bevölkerung beträgt mithin Iii (IUI oder 77 "o innerhalb dreier Jahre. Das sind 25 »o der (iesamthevölkerung gegenüber 17 <"o Ende HJ3L Dieser auHergewöhnliche Zuwachs der jüdischen Bevölkerung hat sich aber vor allem in die Städte ergossen. Juden in den Städten Juden auf dem Lande Ende 1031 12tS5<>0 (74 »■<,) ■U> ')00 (20 '•») Ende 1034 241000 (70o%) ()() (KM) (21 in) 175 000 310 000 Hiervon leben allein etwa 110 115 000 Juden in Tcf-Awiw, (nüf)f) in Jerusalem, etwa 10 (MM) in Haifa. Von der gesamten judischen Bevölkerung sind mithin 70 "/« in 4—5 Städten zusammengedrängt. Diese gefahrdrohende Entwicklung wird am besten gekennzeichnet durch die Tatsache, dal) im Jahre 1031 der Prozentsatz un.M'rer landwirtschaftlichen Bevölkerung bereits auf 24 " angestiegen war, während er heute nur noch etwas mehr als 20 "o betragt. In Wirklichkeit aber ist diese Ziffer noch zu optimistisch und zu hoch gegriffen. Denn wir können uns immer noch nicht davon freimachen, Petach Tikwah mit seinen 12OU) Einwohnern, das aber heute schon zu einer kleinen Stadt geworden ist, ferner Rischon le Zion, Rechoboth und die Industrie-Vorstadt Tel-Awiws, Kamath Gan, zum Lande zu zahlen. Tatsächlich aber hallen alle diese Orte ihre ländliche Physiognomie, sowohl was die Produktion als auch was den Lebensstil anbetrifft, völlig verändert. Diese Konzentration des Jischuw und der Einwanderung in einige wenige Städte Palästinas zeigt den nationalen Notstand, in dem sich das Aufbauwerk in unseren Tagen befindet, der sich vor allen Dingen in dem jahrelangen Stillstand der landwirtschaftlichen Kolonisation, der Landflucht, der Arabisierung der Landwirtschaft und teilweise auch in dem gewaltigen Import von landwirtschaftlichen Produkten äußert, der zur Befriedigung städtischer Bedürfnisse in das Land gelangt. Die Lage in den landwirtschaftlichen Kolonien Wenn wir zu prüfen haben, ob die jüdische Landwirtschaft für den Aufbau bedeutungsvoll ist, kann dies nur von dem Gesichtspunkt .aus geschehen, ob sie, insbesondere der Pflan/ungsbau, in den in den letzten Jahren große private Kapitalien investiert worden sind, die Fassungskraft des Landes für die Aufnahme weiterer Juden aus dem Gallith erhöht und ob die mehrere Millionen Pfund betragende Privatinvestierung zu einer Verwurzelung der Menschen auf dem Lande und einer Entlastung der Städte führt. Unter diesem Gesichtspunkt befrachtet, bietet der Pflanmngsbau ein wenig erfreuliches Bild. Die gesamte Pflanzungszone, die heute 1-10 000 Dnn.arn umfaßt und in diesen Monaten um weitere 30 01)0 Dtinam neue Pflanzungen vergrößert wird, ist in den Händen von etwa 1750 Eigentümern. Während noch vor Jahren in der PfLmzungsvvirtschaft 1200 jüdische und etwa 2000 arabische Arbeiter beschäftigt waren, hat sich diese Zahlenproportinrt in einem betrüblichen Matte geändert. Deute arbeiten trotz der außerordentlichen Vergrößerung der bepflanzten fläche mit ihr nur 1500 Juden gegenüber 5000 Arabern. Wahrend man alv> noch etwa im Jahre 1031 auf je 10 11 Dunam jud. [MDrizung-boden einen jüd. Arbeiter rechnete, entfallen heute schon 30 Dunam Boden auf ihn. Die Verhältnisse im nationalen Sektor Eine Ausnahme, die dieses Bild etwas zurücktreten läßt, bietet die i utwii khmg in den Kolonien auf nationalem Boden des Keren Kajemeth. Wenn auch hier die Landflucht in einem gewissen und kh'inen Umfange sichtbar ist, so trägt sie doch dori nur Vi.ruber^eheiiden Charakter. Die Leute gehen nur vorübergehend, in die Stadt, um Geld zu verdienen und dann zu ihrem Boden und ihren Wirtschaften zurückzukehren. Das Problem der jüdischen Arbeit besteht in den Kolonien auf Keren Kajemethdiodcii überhaupt nicht, im Gegenteil: hier ist die jüdische Arbeit in der gleichen Zeit, in der sie von der arabischen Arbeit in dem Pflanzungsbau immer weiter zurückgedrängt wild, um 100 o/o großer geworden. Wenn es theoretisch möglieh wäre, mit einem Schlage die Bodenfrage zu losen und das gesamte Land in Palästina in jüdischen Besitz überzuführen, der jüdische Arbeiter aber zöge in die Stadt, oder sein Leben auf dem Lande wäre nicht gesichert, so wäre /war der Boden in Jüdischem Besitz, von einer nationalen Heimstätte für das Volk könnte aber nicht die Rede sein; denn nicht derjenige macht das Land jüdisch, der es besitzt, sondern der es bearbeitet. Die Ursachen des Notatandes Der Notstand, der zu einer Zusammenballung wurzelloser Arbeitermassen in den Städten führen muß, hat seine tiefste Ursache in der augenblicklichen sicdlungs-politischen Situation. Es steht außer Frage, daß die zionistische Erziehung zu einem Leben der Arbeit auf dem Lande nicht hoch genug bewertet werden kann, und die Mittel, die angewandt werden, um die jüdische Jugend auf das Land zu führen, sind sicherlich in ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzen. Aber man muß bestreiten, daß mit Erziehung und dem Appell an das nationale Gefühl allein die Vergrößerung des landwirtschaftlich« Sektors und die Ausbalancierung des Mißverhältnisses zwischen Stadt und Land möglich ist, solange die harte Wirklichkeit nicht durch großzügige kolonisatorische und bodenpolitische Maßnahmen verändert wird. Wenn in Rechobotb und Petach Tikwah 25 o/o der landwirtschaftlichen Arbeiter heute noch immer weniger als 5 ,£ und 75 °'o weniger als 7 £ monatlich verdienen, so ist es klar, daß der Arbeiter bei aller chaluzischen Haltung und zionistischen Erkenntnis auf die Dauer nicht bei der Arbeit in den Kokmicn gehalten werden kann; denn inzwischen werden die Arbeiter älter, gründen Familien und es entsteht die Frage des Unterhaltes und der Erziehung der Kinder. Welcher landwirtschaftliche Arbeiter könnte bei dieser Situation auf die Dauer dem einfachen wirtschaftlichen Zwange widerstehen, nach Tel-Awiw zu gehen, um dort das Doppelte und Dreifache zu verdienen, anstatt in Petach Tikwah sich seine Aus einer Rede von Ch.N.Bialik Ich will euch erzählen, was ich einmal in der Stunde eines Prolessors erlebte. Er fragte seine Hörer: .Wieviel öoden mu6 der Mens* unter sich haben, damit er seinen Standort als stark und sicher empfinde?" Die Hörer antworteten ihm: »Es genagt das Stück Boden, auf dem seine Füfee stehen — denn nur auf diesem steht der Mensch - und schon hat er das Gefühl, daß seine Stellung sicher und gefestigt Ist". Da sagte der Professor: »So Ist es, wenn der Mensch den ganzen Boden um sich herum fühlt. Nehmen wir aber an, man erhöht seinen Standort und bringt ihn auf einen Platz, wo er um sich herum keine groben Flachen hat; wieviel Soden mu6 er dann unter sich haben, damit er kein Zittern in Füben und Knien empfinde und ihn keine Furcht befalle, zu stürzen?" Und er gab selbst die Antwort: »Die Größe des Sodens muh der Grö&e seiner Gestalt entsprechen) Der Mensch braucht, um fest zu stehen, ein seiner eigenen Grone entsprechendes Stück Boden, damit er auf dem Boden Hegt, wenn er fallt, und auch nicht ein kleiner Teil seines Körpers in der Luft schwebt..." Ich denke an die Zahlen, deren sich der KKL rühmt, und Ich frage mich: Entspricht der Umfang der erworbenen Bodentlfichcn der Größe des jüdischen Volkes? Kann er uns das Gefühl der Sicherheit geben und uns von der Furcht des Fallens befreien? Darauf gibt es nur eine Antwort: Für ein großes 16-MlllIonen-Volk, ein Volk von ewiger Gestalt, das 4000 Jahre alt ist, genügt diese kleine Flache Bodens nicht einmal für den Standort seiner Füße... So wünsche ich dem KKL, daß er und wir mit Ihm den Tag erleben mögen, an dem der von ihm erlöste Boden Palastinas der Größe des Jüdischen Volkes entspricht!....... Arbeit mit 20 Piaster pro Tag für seinen und seiner Familie Lebensunterhalt vom Pardess-Besitzer erkämpfen zu müssen. Die Wohnungspreise in den Kolonien sind gestiegen und betragen heute bereits 1V*—2 £ pro Zimmer monatlich, und auch zu diesen doch sehr hohen Preisen ist es infolge eines allgemeinen Wohnungsmangcls nicht immer möglich, eine Wohnung zu erhalten. Man hat festgestellt, daß heute etwa 1500 landwirtschaftliche Arbeiter in den Kolonien in fast unerträglichen Wohnungsverhältnissen und etwa 1000 Arbeiter in Zelten leben. So hat die Konzentrierung des jüdischen Arbeiters in der Stadt zwar zu einer Erhöhung seines Lebensstandards dort geführt, aber die Lebensverhältnisse des landwirtschaftlichen Arbeiters sind schlechter geworden und müssen auf die Dauer zu einer Entblößung des Landes vom jüdischen Arbeiter führen. Das Problem der Dekonzentration Eine neue Situation kann eintreten, wenn es gelingt, die Voraussetzungen zu schaffen, die den landwirtschaftlichen Sektor größer und aufnahmefähiger machen für die Verwurzelung einer mit unseren Maßstäben gemessenen großen landwirtschaftlichen Bevölkerung: wenn es uns gelingt, in einer Zeit der Einwanderung von jährlieh 40 000 50 000 Personen in die Landwirtschaft und aufs Land 15 000—17 000 Personen zu bringen. Diese Dekonzentration der jüdischen Massen im Lande kann nur durchgeführt werden, wenn wir die Möglichkeit haben, dem jüdischen Mittelstand und dein jüdischen Arbeiter die Aussicht auf Ansiedlung zu geben, die Gründung von GemeinschafbsiedluJigen durch Errichtung von llilfswirtschaften zu organisieren, wenn es uns gelingt, bei Städten Vorstadt-Siedlungshäuser mit einem kleinen Garten zu errichten, der dem Siedler die Möglichkeit zur Züchtung von Gemüsen usw. gibt. Hiernach ist vor allen Dingen notwendig: Boden in der Nähe der Stadt, in der Nähe der Kolonie und Böden in unerschlosscnen Gebieten, die für die Errichtung von großen geschlossenen Siedlungen geeignet sind. Es kann keiner Frage unterliegen, daß dieses Werk und diese Aufgabe vom privaten Kapital nicht oder wenigstens nicht hinreichend bewältigt werden könnte; denn hier fehlt es am Anreiz des privaten Gewinnes. Diese Dekonzentration der jüdischen Massen kann vielmehr lediglich durch eine von großen siedlungs- und bodenpolitischen Gesichtspunkten aus geleitete planvolle Bodenerwerbs- und Siedlungstätigkeit des nationalen Kapitals, also durch den Keren Kajemeth und den Keren Hajcssod erfolgreich durchgeführt werden. A**y.A$hil halt jeder Berliner ZionUt den für den Keren Kajemeth Lejisrael gesammelten Betrag, den Quittungsblock und die eigene Spende zur Abholung durch unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter bereit. Butine* HohlsUh erfällt Eure Pflicht. Sammelt für neue Bodenkäufe in Palästina. Betlinei ifohittiscUe. VcufafyuhQ. Nene Kolonisation Ein Anfang in der Schaffung einer Vorstadtsied, lung ist gemacht. In der Haifa-Bay, wo er 40000 Dunam l>e. sitzt, hat der KKL nach Assanierung des Bodens das Gelände für ganze Vorstadtteile nach Plänen eines der größten Städtebauers aufgeteilt. Heute schon erheben sich in der Haifa- Bucht fast 800 vorstädtische Arbeiternäuser mit kleinen Gärten, und es steht zu erwarten, daß in der nächsten Zeit und in den nächsten Jahren dort Tausende jüdischer Arbeiter aus dem engen und luftlosen Stadtleben in einer halbländlichen Umgebung sich mit Grund und Boden verwurzeln können. Die Frage, in welchem Umfange und mit welchen Mitteln die Zurückführung der in die Städte abgewanderten landwirtschaftlichen Lohnarbeiter in die Kolonien erfolgen kann und wie große Teile der Alijah den Kolonien zugeführt werden können, hat die maßgebenden Kolonisationsinstanzen in den letzten Monaten unaufhörlich beschäftigt. Da die Lösung dieser Frage davon abhängt, ob und inwieweit es möglich seki wird, dem Lohnarbeiter die konkrete Aussicht auf die Errichtung einer eigenen kleinen Häuslersiedlung und Hilfswirtschaft zu geben, ist damit schon entschieden, daß hier das nationale Kapital eine große Aufgabe zu bewältigen haben wird. Denn zum Erwerb eigenen Bodens hat der landwirtschaftliche Arbeiter kern Geld; daher kann seine Sefc haftmachung nur auf nationalem Boden des Keren Kajemeth, in den er keine „Kapitalien zu versenken" braucht, erfolgen. Er kann dann seine Ersparnisse unmittelbar der Gründung und der allmählichen Erweiterung seiner Wirtschaft ruführcn. Wenn es gelingt, im weiteren oder näheren Umkreise der schon bestehenden Kolonien neue Bodenreserven für diesen Zweck zu schaffen, so wird auch allmählich das Problem der jüdischen Arbeit, wenn auch nicht gelöst, so doch auf ein national erträgliches Maß beschränkt werden können, Denn die Hilfswirtschaft wird die Lebensverhältnisse des Lohnarbeiters grundlegend ändern, den Unterhalt seiner Familie sichern, und der natürliche Drang, zur Stadt zu gehen, um hier einen höheren Lohn zu erzielen, wird beseitigt werden durch die Ruhe des eigenen Besitzstandes. Am Beginn einer neuen Siedlungsepoche In den vergangenen Monaten begann man an die Verwirklichung solcher Pläne heranzugehen. So wurde vor einigen Tagen gemeldet, daß sich unter aktiver Teilnahme der Exekutive der Jewish Agency eine Gesellschaft mit einen Kapital von 50 000 £ gebildet habe, die durch Gewähnrnj von Darlehen an jüd. Arbeiter den Bau von 500 neuen Arbeiter- Wohnhäusern auf Boden des Keren Kajemeth ermöglichen will, Auch die Pläne zur Entfaltung einer neuen Kolonisation auf breitester Grundlage werden nicht ohne neue große Bodenkomplexe des Keren Kajemeth verwirklicht werden können. Hierbei ist es gleichgültig, ob an die Schaffung der bekannten palästinensischen Gemeinschaftssiedlungen oder an die mittelstandischen Einzelsiedlungen gedacht wird. Die bitteren Erfahrungen aus den Jahren 1925 und 1926 haben gelehrt, daß die landwirtschaftliche Ansiedlung des Mittelstandes besonders sorgfältig vorbereitet und unter nationaler Kontrolle stehen muß. Denn zur Ansiedlung gerade der dem Mittelstande angehörenden Menschen in Palästina sind mehr als nur das Vorhandensein einiger Geldmittel und der gute Wille, zu einem urproduktiven Berufe zurückzukehren, notwendig. Die Mehrheit der Mittelstandsgruppen, die die Böden für ihre landwirtschaftliche Ansiedlung aus ihren Mitteln erworben hatte, geriet in große Schwierigkeiten, weil ihr Kapital bei weitem nicht ausreichte, um sowohl den Boden ni kaufen als auch die Kosten der Ansiedlung zu bestreiten. So mußten die damaligen Methoden, planlos landwirtschaftliche | Siedlungen des Mittelstandes zu gründen, zu schweren Enttäuschungen führen, und aus dieser Erfahrung haben die Kolonisationsinstanzen die Lehre gezogen, daß eine umfassende Ansiedlung des Mittelstandes mit Erfolg nur möglich ist, wenn die für den Erwerb eigenen Bodens erforder-> liehe Geldsumme für die Ansiedlung verwendet werden kann. Wie verlautet, wird der Keren Hajessod mit einer großen Summe nunmehr die Besiedlung des im Besitz des Keren Kajemeth befindlichen Bodengebietes vom Emek Chefer (Waifi Chawarith) durchführen und hier insgesamt 1320 meist dem Mittelstand angehörige Familien ansiedeln. So stehen heute neue, große Aufgaben vor den nationalen Kolonisationsinstanzen. Weder der Erwerb der zur Erfüllung1 dieser Aufgaben notwendigen Bodengebiete noch die Hergabe von Siedlerkrediten an den Mittelstand und die landwirtschaftliche Arbeiterschaft sind ohne großes, selbstloses nationales Kapital möglich. Der Keren Hajessod ist durch die vor einiger Zeit gewährte große Anleihe in den Stand gesetzt» eine neue Siedlungsära einzuleiten, wenn es dem Keren Kajemeth gelingt, die zum Erwerb einer Massenkolonisation erforderlictien Böden in jüdischen Besitz überzuführen, und so von innen die Tore Erez Israels zu öffnen, die von an (im her und ohne entscheidende Mitwirkung des jüdischen Volkes an der Schaffung eines großen nationalen Kapitals uns verschlossen bleiben. _ Dr. Josef Weiß Ein Beispiel nationaler Haltung Die Siedlung Sch'chunath Borochow hatte vor einigen Jahren anschließend an ihre KKL-Böden in der Nahe von Tel-Awiw 300 Dunam erworben und als Kaufpreis 30 £ P"* Dunam gezahlt. Vor einiger Zelt sind nun die Bewohner des Borochow- Viertels an den KKL mit dem Wunsch herangetreten, das Land, für das sie noch keinen Besitztitel erlangt hatten, zu dem ursprünglich gezahlten Preis zu erwerben. Sch'chunath Borochow wollte mit dieser Maßnahme für alle Zukunft ausschließen, daß die in Tel-Awiw sich immer mehr ausbreitende Bodenspekulation auch auf ihre Böden übergreife; denn nur der KKL als Eigentümer des Bodens kann die Spekulation verhüten. Der KKL braucht die volle Kaufsumme nicht sogleich zu zahlen, sondern kann sie Im Laufe von fünf Jahren tilgen. Die beispielhafte Haltung, die in diesem Schritt der Mitglieder von Sch'chunath Borochow zum Ausdruck gelangt, wird noch besonders deutlich dadurch, daß der Wert des Bodens heute auf 60 000 £ geschätzt wird, wahrend der KKL nur 9000 £, den ursprünglichen Kaufpreis zu zahlen braucht. Der Boden wird den neuen Mitgliedern In Sch'cburtftn Borochow verpachtet werden, welche darüber hinaus sogar bereit sind, eine Pachtrente von vier Prozent des Originalpreises von 30 £ pro Dunam zu zahlen. Dieser Erwerb wird den Besitz des KKL gerade in demselben Distrikt, in dem die Eindämmung der Spekulation am dringlichsten ist, erheblich vergrößern und eine neue Position gegen den Bodenwucher schaffen. Die Forderung der Stunde - Neuer Boden für neue Kolonisation Spenden an den KEREN KAJEMETH LEJISRAEL, BERLIN W1S, Melnekettrate 10 * Poetlcheck-Konto: Berlin 282«