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Jüdische Rundschau · 1935-04-05 · Heft 28 (5.4.1935) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 28 (5.4.1935)
Date
1935-04-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite «f /ÜDT5CWE RüKDSCHATf Mr. 28, 5. IV. 1935 Die Entwicklung 1925 -1935 Einem uns vom Büro der Universität Jerusalem tugtkommenen Kommunique' entnehmen wir: Bei der Eröffnung der Universität hatte das Jodaistische Institut nur drei Lehrkanzeln. Heute umfaßt es die folgenden Lehrstühle: Talmud, Neuhebräische Literatur, jüdische Geschichte, Palästinaforschung, jüdische Philosophie, hebräische Sprache, talmudisches Recht, gaonäische und rabbinische Literatur, spanisch-jüdische Poesie, Bibel und Bibel-Exegese, jüdische Soziologie, Kabbala. In Verbindung mit dem Institut steht die Archäologische Abteilung, die im Laufe des verflossenen Jahrzehntes sehr schöne Ausgrabungen gemacht hat. Das Judaistische Institut ist nur ein Teil der O eist es - wissenschaftlichen Fakultät Diese umfaßt heute außer den_ judaistischen Fächern noch das Institut für die Wissenschaft des Orients, das sich insbesondere auch mit arabischer Sprache, Literatur und Geschichte befaßt, sowie mit der Archäologie und Zivilisation des Nahen Ostens; außerdem noch Philosophie, klassische Sprachen, allgemeine Geschichte und einen Teil der romanischen Sprachen. Das Mathematische Institut ist vorläufig der Geisteswissenschaftlichen Fakultät angegliedert worden. Parallel mit der Geistes wissenschaftlichen Fakultät ging die Entwicklung der Naturwissenschaftlichen Fakultät. Palästina ist für den Biologen ein besonders begünstigtes Forschungsgebiet. Die Fauna und Flora des Mittelmeergebides treffen sich hier mit denen des großen Wüstengürtels, der von Marokko bis Turkestan reicht. Im Jordantal finden wir sogar echte tropische Einflüsse. Von den schneebedeckten Abhängen des Hernions bis zu diesen tropischen Oasen oder der reinen Wüste sind nur wenige hundert Kilometer. Der Einfluß äußerer Faktoren auf die Verbreitung und Begrenzung der Lebewesen kann bei so schroffen Uebergängen besser untersucht werden, als an vielen anderen Stellen der Erde. Die Botanik bat ihre erste Aufgabe bereits im großen erfüllt. Auf Grund des sehr umfangreichen Herbariums der Universität ist eine hebräische Flora Palästinas erschienen (eine englische Uebersetzung ist in Vorbereitung), welche den Bestand der Blutenpflanzen und ihre Verteilung aui den palästinensischen Raum fast erschöpfend behandelt. Auf einem kurzen Ausflug zum Toten Meer sind sechsmal biogeographische Grenzen zu überschreiten und häufig ist der Nordabhang eines Hügels von gänzlich anderer Tier- und Pflanzenwelt eingenommen wie sein Südabhang. Der Kamm des _Oelhergcs, auf dem die Universität steht, ist selbst Scheide zwischen mediterraner und eremischer Flora. Der neu begründete botanische Garten der Universität hat sich zur Aufgabe gestellt, den alten Waldwuchs des hiesigen Berglandes in seiner Unberülirtheit wieder herzustellen und sämtliche Zerstörungsformen bis zur nackten Felswüste aufzuweisen. In den trockenen Gebieten Palästinas steht der Wasserhaushalt der pflanzen im Mittelpunkt der pflanzenphysiologischen Forschung. Für den Besucher wird die Sammlung im Museum für biblische Botanik und palästinensische Plantlore von besonderer Anziehung sein. In der Zoologie sind wir noch weit von einer Uebersicht der Tierwelt Palästinas entfernt Nur über Wirbeltiere, Mollusken und einige kleinere Insektengruppen besitzen wir eine erste Uebersicht, über ihre Lebensweise aber wissen wir fast gar nichts. Das ganze Jahr über durchgeführte regelmäßige Untersuchungen an kleinen * Beobachtungsflächen von den Tel-A'jviwer Dunen bis tum Ufer des Jordans bei Jericho gestatten zum ersten Male eine Uebersicht über die Tiere dieser Flächen und ihre Verteilung im Jahreswie Tagesverlaufe. Besondere Aufmerksamkeit wurde der bereits in der Bibel erwähnten Wanderheuschrecke (Schistocera gregaria) anläßlich ihres letzten Auftretens geschenkt. Das wissenschaftliche Zentralproblem des hiesigen zoologischen Laboratoriums besteht in der Grundlegung einer allgemeinen tierischen Bevölkerungslehre. Im Museum liegen die ersten Anfänge zu einer wissenschaftlichen Sammlung der palästinensischen Tierwelt vor. Die Geologie trägt ebenfalls ihr Scherflein zur Lösung dieser biologischen Probleme bei. Sie gestattet eine Analyse des Klimas von Palästina seit seiner Festlandwerdung (Miozän), und auf dieser Bums läßt sich die Geschichte der Besiedlung unseres Landes mit Pflanzen, Tieren und Menschen voll verstehen. Neben den Aufgaben der biologischen Landesaufnahme, der Lösung der Wasserversorgung, den angewandt geologischen Problernen (Phosphatlager, Petroleuniquellen usw.), bietet z. B. das Jordantal eine einzigartige Gelegenheit zum Studium allgemeiner Fragen der Tektonik wie der Orabcnbrüche. Mannigfach sind die wissenschaftlichen Aufgaben, weiche den Forscher locken und mannigfach die praktischen Probleme, welche die Erschließung des Landes erfordert. Auch die chemische Forschung an der Universität bestrebt siel), den Erfordernissen des Landes zu dienen. Die Natur des Landes, seine Produkte, sein Boden, seine Pflanzenwelt usw. liefern dazu das erwünschte Material. Die heute bestehenden, modernsten Fragen der Bod-enbildung und Bodem hemie, der künstlichen Dünger (Kalisalze des Toten Meeres, Phosphate), der Eiweißchemie, der Enzymreaktionen, der pflanzlidien Atmung, alles Probleme der modernen physikalischen Chemie, Biochemie und Kolloidchemie, stellen die dominierenden Objekte der Tätigkeit auf diesem Gebiete dar. Sie liefern auch den Studierenden der höheren Semester die Themen ihrer Spezialausbildung. Heute hat die Naturwissenschaftliche Fakultät folgende Studien- und Forschungsfa'chcr aufzuweisen: Botanik, Zoologie, Biologische Chemie, Bakteriologie und Hygiene and Parasltorogie. Ein anonymer Spender hat die Einrichtung rem Laboratorien für Krebsforschung ermöglicht. Die entsprechenden Pläne sind bereits ausgearbeitet worden und zwei Laboratorien werden im Frühjahr 1935 mit ihrer Tätigkeit beginnen: das eine, für Zellularphysiologie, wird von Dr. Doljansi, das andere, für Radiobiologie, von Professor Ludwig Halberstädter geleitet werden. Die zionistische Frauenorganisation in Amerika „Hadassah'4 und das jüdisch-amerikanische Aerztekomitee haben Vorbereitungen getroffen, um ein Universitätskrankenhaus zu errichten. Die Mandatsregierung hat eine — in ihrer Höhe noch nicht genau festgesetzte — Beteiligung an dem Baufonds zugesagt Das Krankenhaus soll den Namen Rothschilds tragen und in der Nachbarschaft der Universität errichtet werden. Aus der Glückwunschmappe Wir veröffentlichen nachstehend zwei Glückwünsche, die der Universität zum 1. April 1925 von deutscher Seite zugekommen sind, und zwar erstens die Rede, die der ehemalige deutsche Generalkonsul in Jerusalem, Kapp, bei einem Festbankett gehalten hat, und zweitens den Glückwunsch der Georg-August-Universität in Göttingen. Wenn wir diese Worte heute wiedergeben, so sind wir uns dessen gewiß bewußt, daß sich die Verhältnisse gewandelt haben; das heutige Deutschland würde solche Grüße nicht senden. Dessen ungeachtet aber bleibt die Universität, wie mit der ganzen Fülle geistigen Lebens aller Völker, auch mit dem deutschen Geist verbunden, und das Gedicht von Goethe, das der deutsche Generalkonsul damals zitierte, wird auch heute von uns mit vollem Herzen aufgenommen. Der Deutsche Generalkonsul in Jerusalem, Kapp, sagte in seiner Rede u. a~: Möge diese neue Geistesstärte eine Stätte wahrer Freiheit werden: Fernes und Nahes, Neues und Altes verbinden, Ziel und Anfang zugleich sein. Eine Stätte der wahren Freiheit, wie sie Lehrer, Philosophen und Dichter erträumen und wie sie Goethe, etwa achtzig Jahre alt, in folgenden Versen geformt hat: Kein Wesen kann zu nichts zerfallen: Das Ew'ge regt sich fort in allen, Am Sein erhalte dich beglückt! Das Sein ist ewig: denn Gesetze Bewahren die lebend'gcn Schätze, Aus welchen sich das All geschmückt Das Wahre war schon längst gefunden, Hat edle Geisterschaft verbunden; Das alte Wahre, faß es an! Verdank es, Erdensohn, dem Weisen, Der ihr, die Sonne zu umkreisen, Und dem Geschwister wies die Bahn. Sofort nun wende dich nach innen: Das Zentrum findest du da drinnen, Woran kein Edler zweifeln mag. Wirst keine Regel da vermissen: Denn das selbständige Gewissen Ist Sonne deinem Sittentag. Möge dieser Geist der Freiheit ausgehen von dieser Stätte, die der ganzen Welt teuer ist! Möge sich die Menschheit des Vermächtnisses ihrer großen Oeister bewußt werden! Möge die Hebräische Universität in Jerusalem iß diesem Sinne wirken 1" Die Georg-August-Universltät Cöttbigen schrieb: „Im Namen der Qeorg-August-Universität zu Gotting*» danke ich für die Einladung zur Feier der Eröffnung der Universität zu Jerusalem und spreche dieser jüngsten Hochschule die aufrichtigsten Wünsche für ihre weitere Entwicklung aus. Vor allem darf kh der Hoffnung Ausdruck geben, daß diese Hochschule nicht nur eine Pflanzstätte der wissenschaftlichen Forschung und Lehre, sondern auch der Sammelpunkt für das heute noch in aller Welt verstreute Judentum werden möge, das, von diesem Zentrum nationalen Bewußtseins mächtig angezogen, den Weg in seine Heimat zurückfinden und auf der geweihten Erde Palästinas zu neuer geschlossener Einheit und zu freiem und freudigem Leben als Nation gelangen möge." Kleine Nachrichten Schertok und Ben Gurion hatten am 3. & M eine Unterredimg mit Wauchope wegen der nächsten Zertifikats-Zuteilung. Das Mitteilungsblatt des Jüdischen Nationalfonds in Prag teilt u. a. mit: Die Aktion zwecks Bodenerlösung für Kfar Masaryk wird bald beendet sein. Sie wird den Betrag von Kc. 1000 000 weit übertreffen. In der Warschauer Philharmonie berichtete der berühmte polnische Schriftsteller Andrzei St rüg über seine Eindrücke von seiner Palästina-Reise, die sehr positiv sind. Der Kernsatz des geistreichen Referats, das viel Aufsehen erregt hat, lautete: „Jeder anständige Mensch muß den Aufbau Palästinas begrüßen." (Strug, Mitglied der polnischen Dichter-Akademie, der Dichter der polnischen Freiheitskämpfe von 1905, gilt als einer der führenden nationalen Autoren Polens.) Der Nestor der jiddischen Sprachforschung, Dr. Alfred Landau, ist in Wien im 85. Lebensjahr gestorben. Spendet Büffler Zehnlabresspeide ier „Gesellschaft der Freunde der Jerusalem - Bibliothek e.V." Semmelstellen i Berliner Zionistische Vereinigung, Berlin W15, MeinekeetreSe W Breslauer Zionistische Vereinigung, Breslau S, Karlatrsie 15 Frankfurter Zionistiache Vereinigung, Frankfurt e.M., Unterlindso 21 Hamburger Zionistiache Vereinigung, Hamburg 37, BrehmeaU«. 16 Beitritt xur „Gesellschaft"! Berlin-Schmargendorf, Auguste-Viktor». StraÄ« 66in — Frsnklnrt-Main, Frau-Rücker-Allee 16 (Dr. Mich. 1) POSTSCHECK KONTOS BERLIN 4***0 Sammelt Bücher! Das Jüdische Palästina allein ist weder auf Orund ihrer Kopfzahl noch ihrer inneren Festigkeit, noch auch ihrer kulturellen Qeschlossenheit, am wenigsten aber auf Orund ihrer geschichtlichen Lage imstande, tragende Gemeinschaft der Jerusalemer Universität zu sein. Diese Rolle wird noch lange Zeit dem Diasporajudentum zukommen. Aus der gesellschaftlich-geistigen Lage des Oaluth hervor. fegangen, organisch geworden, ist die Hebräische Universität ie in Erez Israel hineinragende Spitze einer Pyramide (deren — viel zu breite — Basis in den Qaluthländern steht), die das Land erst allmählich, nach und nach „abfangen* wird. Daß die Hebräische Universität manchmal noch als ein Fremdkörper im Lande erscheint, ist verständüch und berechtigt nicht zu Klagen. Diese Sachlage verpflichtet die Freunde der Uni« versität außerhalb des Landes ganz besonders. Ihre Kreise in den verschiedenen Ländern müssen zu verläßlichen Kraftquellen der Universität ausgebaut werden. Die ungeteilten Sympathien, die auch dem zionistischen Gedanken noch Fernstehende der Universität und ihren Einrichtungen fast ausnahmslos entgegenbringen, erleichtert sehr diese Aufgabe. Eine der vornehmsten Pflichten im Dienste der Universität ist die Erweiterung ihrer Gemeinschaftsbasis durch die Vervollständigung ihres Bücherbestandes. Nur das Buch, dieses zeitlose Wunder geistiger Gemeinschaftsmöglichkeiten, nur die Verpflanzbarkeit der gesamten in Buchform thesaurierten wissenschaftlichen Vorerfahrung erlaubt Erwartungen, die an die Zukunft der Hebräischen Universität geknüpft werden. Die Büchersamtnel- Erfolge der Freunde der Universität in Deutschland, der „Gesellschaft der Freunde der Jerusalem-Bibliothek e. V.", lassen eine namhafte Erweiterung des Bücherbestandes der Universität im kommenden Jubiläumsjahre erhoffen. Ernst Hoffmann Uebersetzungen ins Hebräische Im „Haarez" schlägt Baruch Krupnik dem neugegrfin» deten Bialik-Institut vor, jährlich drei Preise für die besten Uebersetzungen ins Hebräische auf dem Gebiete des theoretischen Schrifttums, der Belletristik und der Lyrik auszuschreiben und begleitet diesen Antrag mit einigen sehr erwägenswerten Betrachtungen über die derzeitige Lage des Uebersetzens in der hebräischen Literatur. Es tut not, schreibt er, die öffentliche Aufmerksamkeit auf diese Frage zu lenken, denn auf dem Gebiete des Uebersetzens liegt alles im Argen. Es ist vorgekommen, daß palästinensische Institute Uebersetzungen, die vorzüglich waren, abgelehnt haben mit der Begründung, sie seien nicht verständlich. Man machte also die arme Sprache der Straße zur Richtschnur der literarischen Sprache. Die Bedeutung der Uebersetzung ist beim heutigen Zustand der hebräischen Literatur nicht zu überschätzen. In Wahrheit übersetzen tatsächlich alle Menschen, die heute hebräisch sprechen, aus einer fremden Sprache ins Hebräische und die berufsmäßigen literarischen uebersetzer sind nur der Vortrupp eines großen Heerlagers. Die Kritik schenkt im allgemeinen der Güte der Uebersetzung keine Beachtung. Der Kritiker hat die Pflicht, zu untersuchen, wie der Uebersetzer an seine Arbeit heranging, aus welchen Sprachschichten er schöpfte, und ob ihm sein Vorhaben gelungen sei. Stattdessen kümmern sich unsere Kritiker nur um das Originalwerk, das übersetzt vorliegt. Die Redaktionen könnten auf eigene Kritiken des Originalwerkes überhaupt verzichten und gute Kritiken aus der Sprache, in welcher das Buch ursprünglich erschien, übersetzen. Die hebräische Originalkritik aber soll vor allem, ja vielleicht ausschließlich eine Kritik der hebräischen Uebet tragung als solcher sein. JUDISCHE RUNDSCHAU Angriffen und Empfehlungen m unterer SonJer-Ausgale am 16. AfirtJ werden von einem ttark erweiterten Leserkreis mitmttergrößttmlnteresseleacltet und genutzt wer den, sie schaffen neu* wichtige Geschäftsverbindungen. Schon in etwa einer Woche erscheint die Sonder-Autgalel Ülermituln Sie noch Kernte Ihre Dispositionen und Wünsch* der Anseigen - Verwaltung der Jüdischen Rundschau', Berlin W15, Meinekestr.iO

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