Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 28 (5.4.1935)
- Date
- 1935-04-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seffe 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 28, 5. IV. 1935 Eine Etappe auf dem Wege Rundfunkansprachen nach Amerika imCardn. nnl5e4JMnn»:c/>k«i Vn*ra.,- ... 1,. t. 4um « Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl, Tel-Awiw, Ende März 1935 Vor zehn Jahren! Der Bück vom Skopus auf Jerusalem Bnd auf die sich zum Toten Meer senkenden Borge, die ungewöhnlich farbige Menge, die sich auf den damals noch rohen Stufen des Amphitheaters am Bergabhans zusammendrängte, die erregte Stimmung, die an jenern Eröffnungstage der hebräischen Universität alle Beteiligten umfaßte, ist noch frisch in der Erinnerung. Es war eigentlich nicht „Eröffnung", sondern Oeburtstag. Die Universität war damals in ihren allerersten Anfängen. Aus dem schwachen Keim, der an jenem 1. April 1925 auf dem Skopus gepflanzt wurde, sollte sieh das führende geistige Institut des jüdischen Palästina, die Universität des Landes, entwickeln, die zugleich zu einem neuen Mittelpunkte des Oaluth werden sollte. Der 1. April des Jahres 1925 wurde damit zum Beginn einer neuen und großen, vielleicht übergroßen Aufgabe. Ls gab so manche, die damals die Möglichkeit der Ausführung der hoch fliegenden Pläne bezweifelten. Eine Universität kann ja ebensowenig „gemacht" werden, wie geistiges Leben überhaupt. Sie muß wachsen, sie muß den Boden einer Sprache und einer Kultur haben, sie muß getragen werden von einem Netz von Schulen, deren Krönung sie ist. Von all diesen Voraussetzungen war die jüdische Siedlung 1925 weit entfernt. Die hebräische Sprache stand in einer Renaissancebewegung, die mit ihrem Fortschreiten die Komplikationen einer Verlebendigung, das Problem einer Neuanpassung der Schriftsprache an sich grundsätzlich ändernde Bedingungen immer starker aufzeigte. Die jüdische Siedlung war klein, das Oaluth draußen nur eine schwache Stütze, auf die man sich nur mit größter Vorsicht lehnen konnte. Es war klar, daß die Schaffung einer Universität in Jerusalem Jahrzehnte erfordern wurde. Forschungsarbeit Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts ist viel Arbeit g>eleistet worden. Es entstand eine Reihe von Instituten, die Forschungsarbeit entwickelte sich neben dem Unterricht, eine Anzahl bekannter Gelehrter erweiterte den ersten -kleinen Stab der Wissenschaftler, und man kann heute bereits — das ist sehr viel für die Arbeit eines Jahrzehnts — die Umrisse des Instituts erkennen. Die Anzahl der Fakultäten steigt, die Lehrmittel — insbesondere die in der anschließenden Nationalbibliothek gesammelten Bücher — werden von Jahr nt Jahr reichhaltiger. Trotz aller organisatorischen und finanziellen Schwierigkeiten ist der Umfang der Universität im vergangenen Jahrzehnt befriedigend erweitert worden. Wie in allen andern Dingen war das junge jüdische Palfistina der Universität gegenüber recht ungeduldig. Es wollte möglichst rasch Resultate "sehen und diese Resultate sollten in erster Linie „praktisch" sein. Als praktisch verstand man diejenigen Ergebnisse, die der Aufbauarbeit als solcher nutzbar gemacht werden konnten. Bekämpfung der im Lande herrschenden Krankheiten, Unterstützung der neu sieh formenden Landwirtschaft und Industrie, Ausbi'lduugsmöglichkciten in für die Siedlung wichtigen Arbeitsgebieten — das waren für weite Kreise die im Moment dringendsten Aufgaben der Universität. Dieses und jenes ist auch in diesem Sinne geleistet worden; es konnte freilieh nie genug sein, um die Forderungen des großen Publikums zu befriedigen. Es wurde bald offenkundig, daß der Aufbau der Universität sich nicht nur dem entworfenen Plan und den Bedürfnissen des Landes anzupassen hatte, sondern daß er zu einem großen Teile auch von den einlaufenden Mitteln und allen möglichen äußeren Umständen abhing. Da man nicht aus eihfcm großen Fonds schöpfen konnte, sondern auf Geldgeber wtcl Propaganda angewiesen war, mußten wieder und wieder Aenderungen gemacht, Pläne zurückgestellt werden. Die Universität erwuchs nicht nur entsprechend den Notwendigkeiten, sondern auch entsprechend den Nöten. Universitätskurse In Tel - Awiw Es fst eine selbstverständliche Erscheinung des UniversitStslebens, daß es abseits von dem groben allgemeinen Strom des täglichen Geschehens verläuft. Die palästinensischen Juden, Insbesondere die geistig sehr regsame Arbeiterschaft, empfand diese Absonderung jedoch als eine Gefahr. Man wollte nicht eine abgeschlossene Klause entstehen lassen, in der Gelehrte und Schüler sich ihren Studien hingaben, sondern drängte auf einen stärkeren Kontakt der Universität mit weiteren Kreisen, auf eine Verbindung mit der wachsenden Siedluugsarbeit. Eine Reihe führender Persönlichkeiten, mit Bialik au der Spitze, hat immer wieder dieses Problem zu losen versucht und ist schließlich zur Schaffung der Universitäfskurse in Tel-Awiw f«langt, in denen die Professoren über die verschiedensten hemen vor einem weiteren Hörerkreise lasen. Es hat sich gleich bei den ersten Versuchen gezeigt, daß diese Kurse mit großer Befriedigung aufgenommen wurden. Man empfand und schätzte sie als den Beginn eines Verbindungsnetzes, das den Einfluß und die Bildungsmöglichkeiten der Universität über das Land und weitere Kreise tragen würde. Die Kurse waren das erste Instrument, das der stärkeren Verwurzelung der Universität im Jischuw diente. Es ist zu hoffen, daß es mit dem Wachstum des Instituts in seinem zweiten Jahrzehnt sich weiter stärkt und entwickelt. Politische Aufgabe Nicht wenige, die mit Interesse und Sympathie die ersten Anfänge der Universität verfolgten, erhofften von dieser neuen Schöpfung auch einen Einfluß und eine Klärung auf politischem Gebiet. Nicht etwa, daß man daran gedacht hätte, die Leitung oder den Lehrkörner in politische Tagesdebatten hineinzuziehen. Es war im Gegenteil von Beginn an deutlich, daß die politische Bedeutung einer solchen Institution nur dann Gewicht hätte, wenn sie dem üblichen Streit der Parteien entzogen sei. Was man von der Universität erhoffte, war dagegen die Schaffung eines wissenschaftlichen Hintergrundes für die Tagespolitik. Palästina ist ein Land, das, noch mehr wie alle anderen, ein ausgebreitetes Wissen als Grundlage für vernünftiges politisches Handeln voraussetzt. Es ist ein Land mit einer bewegten und sehr eindrucksvollen Geschichte, in dem neben den einwandernden Juden eine zahlreiche arabische Bevölkerung lebt, deren Historie, Sitten und Tendenzen jedem vertraut sein müssen, der es unternimmt, seine Zukunft mit zu formen. Es wäre eine große Aufgabe für die hebräische Universität, hier einen Forschungsmittelpunkt zu schaffen und von diesem Mittelpunkt aus das Verständnis für die arabische Welt nicht nur bei Gelehrten und Studenten, sondern auch bei der Intelligenz aller Klassen im Lande zu wecken. Die Anfänge eines Forschungsinstituts dieser Art sind in den zehn Jahren entstanden. Seine Ausstrahlungen sina bis heute noch nicht spürbar. Vielleicht können sie es noch nicht sein, denn nichts muß mit soviel Geduld behandelt werden, wie der Aufbau derartiger Kulturstätten. Was jedoch fehlt und heute wohl schon da sein könnte, ist ein Bewußtsein im Jischuw, daß dort oben auf dem Skopus der Wille tätig sei, einen solchen wissenschaftlichen Hintcrfrund für politische Aktionen zu schaffen. Es würde sich ann vermutlich bald eine Peripherie von Zustimmung — und auch von Opposition — bilden, die eine Verlebendigung der Arbeit nach sich zieht. Anläßlich des zehnjährigen Jubiläums der Universität Jerusalem wurden Reden, die vom Universitätskanzler Dr. J. L. Magnes in Jerusalem und von Sir Herbert Samuel und James de Rothschild in London gehalten wurden, auf eine Reihe großer amerikanischer Rundfunkstationen übertragen. Die amerikanischen Sender verbreiteten gleichzeitig eine Ansprache des Vorsitzenden des Administrative Committee der Jewish Agency, Felix M. Warburg. Die Rundfunkansprache Sir Herbert Samuels hatte folgenden Wortlaut: „Hier in London ist es %3 Uhr morgens am Mittwoch. Mr. de Rothschild und ich sind bis zu dieser unvernünftig späten Stunde wach geblieben, da sie für unsere Hörer in dem weiten Raum von der atlantischen bis zur pazifischen Küste der Vereinigten Staaten der günstigste Zeitpunkt ist. Ich mochte so viel als möglich über die Hebräische Universität in Jerusalem sagen. Die Universität bedarf dringend der Hilfe aller Ihrer Freunde. Die Universität ist etwas Wesentliches im Leben des neuen Palästina. Und das neue Palästina ist etwas Wesentliches im Leben der Juden aller Länder. Für sie, die in allen Ländern zerstreut leben, bildet Palästina den einzigen Kernpunkt Und Palästina darf nicht bloß etwas Materielles, etwas Wirtschaftliches bedeuten. Gewiß Ist es wichtig, daß Palästina Erfolg habe in seiner Landwirtschaft und Industrie — und es hat Erfolg. Aber dies ist nicht alles. Es muß ein Land sein auch der Kultur und der Ideale, ein Zentrum von Philosophie und Religion, von Gelehrsamkeit und Literatur, von Wissenschaft, Musik und Kunst. Darum ist die Universität etwas Wesentliches für Palästina und für uns alle. Aber wie die Universität jetzt ist und gegenüber den ihr gestellten Aufgaben, gleicht sie einem in einen zehn Tonnen schweren Wagen eingebauten Motor von nur einer Pferde- Kraft. Der Motor leistet, was er kann, aber seine Stärke ist offenkundig zu gering. Und Stärke ist in diesem Fall nichts als eine Geldfrage. Geeignete Lehrer und Forscher stehen zur Verfügung; infolge der Entwicklung in Deutschland Ist die Zahl derjenigen, die sich um eine Anstellung bewerben, naturgemäß bedeutend gestiegen. Auch Hunderte» Tausende von Studenten bewerben sich um die Zulassung. Sie hungern nach Wissen, aber um mit Milton zu reden — „die hungrigen Schafe blicken auf und niemand füttert sie". Und dies einfach darum, weil die Universität völlig von Mitteln entblößt ist Die Gehälter der Lehrer sind beschämend niedrig. Der dauernde Kampf um Ausbalancierung des Budgets bildet die tagtägliche Sorge der verantwortlichen Stellen. Die Universität begann ihre Arbeit mit gewaltigem Alarm. Plötzlich trat die Weltwirtschaftskrise ein und führte zu einer einschneidenden Senkung Ihrer Einkünfte. Gleichzeltig stieg Infoige der Ereignisse in Mitteleuropa gewaltig die Notwendigkeit, Lehrstellen für Professoren und Lerngelegenheiten für Studenten zu schaffen. Kleinere Einnahmen auf der einen Seite, die Notwendigkeit größerer Ausgaben auf der anderen — das einfach ist die Lage, die ich vor Ihnen darlegen will. . Wir feiern den zehnten Jahrestag der formellen Eröffnen der Universität. Mein geistiges Auge richtet sich zurück aut jene eindrucksvolle, denkwürdige Zeremonie. Lord Baifour war eigens, um diese Zeremonie zu vollziehen, aus England nach Palästina gereist, obwohl er schan fast 80 Jahre alt war. Viele hervorragende Männer aus zahlreichen Ländern, mancher von ihnen als Vertreter der alten Universitäten Europas und der moderneren Universitäten Amerikas, waren gekommen, um die neue Schwester zu begrüßen. Es war für mich ein e r g r e 1 f e n d e s Erlebnis. Ich war der erste Südliche Gouverneur Palästinas nach fast 2000 Jahren — der erste seit Herodes Agrippa, und der war schließlich bloß ein Idumäer aus dem Lande Moab. Und ich konnte auf den Bergen über Jerusalem an der Einweihung eines jüdischen Zentrums des Wissens, wie man es dort ih all diesen 20 Jahrhunderten nicht gesehen hatte, teilneh men. Wahrlich ein ergreifendes Erlebnis 1 Und angesichts dieser großen Zuhörerschaft konnte ich nichts anderes als den alten Segensspruch sagen: Gelobt seist Du, der Du uns am Leben erhalten hast und uns bewahrt hast bis auf diese Tage. Lasset uns, die Generation dieser Tage, uns würdig er. weisen des hohen Erbes der Vergangenheit und eingedenk bleiben unserer Pflicht gegenüber der Zukunft!" * Im Rahmen der von den amerikanischen Freunden der Hebräischen Universität veranstalteten Jubiläumsfeier wurde im amerikanischen Rundfunk neben der Festrede des Universitätskanzlers Magnes und Ansprachen von Dr. Magnes, Sir Herbert Samuel und James de Rothschild auch ein Aufruf Felix M. Warburgs zu stärkerer Förderung der Hebräischen Universität verbreitet. Warburg, der selbst einen so bedeutenden Anteil am Aufbau der Universität hat, gab einen Ueberblick über das erste Jahrzehnt. Zum Schluß wies Warhur? auf die große Rolle hin, die die neue Rothschild-Hadassahw Universitätsklinik auf dem Skopusberg zu spielen herufen sei: „Wenn erst die Klinik auf dem Skopusberg stehen wird, werden die besten Wissenschaftler der Welt Gelegenheit haben, von jener historischen Stelle aus zum Stolz der Judenheit und zum Segen der Menschheit zu wirken." Der Verband zionistischer Frauen Amerikas, „Ha. d a s s a h", hat seine Sammelkampagne zur Aufbringung von dreihunderttausend Dollar zwecks Errichtung eines medizinischen Zentrums an der Hebräischen Universität Jerusalem eröffnet. Der Kanzler der Universität Dr. Magnes sprach von Jerusalem aus über die amerikanischen Sender, Er sagte u. a.: Ich spreche im Gebäude der Hebräischen Universität. Es ist frühe Morgenstunde, bevor die Morgenröte hinter den Bergen Moab heraufsteigt. Westlich von mir liegt die schlaf, umfangene Heilige Stadt, östlich die stumme Wüste. Die Morgensterne singen den Chor dazu. Vor zehn Jahren versammelten sich auf diesem Berge 12000 Menschen, um de offiziellen Eröffnung der Universität durch Balfour beizuwohnen. Niemand, der Augenzeuge war, wird das farbenprächtige Bild, die Musik, das Majestätische der Szene vergessen. Damals war noch keine Universität vorhanden. Es gab nur das Judaistische Institut mit vier Professoren und zwei Assistenten. Heute verfügt die Universität über einen Lehrkörper von 90 Köpfen, über eine geisteswissenschaftliche und eine biologische Fakultät und wird von mehr als 500 Studenten aus Palästina und anderen 19 Ländern einschließlich Amerika besucht. Für die nächsten fünf Jahre ist neben Vergrößerung und Stärkung aller bestehenden Abteilungen folgendes Programm vorgesehen: 1. Ausbau einet Fakultät für Naturwissenschaften und Mathematik; 2. Lehrerseminar; 3. Institut für Sozialwissenschaft; 4. Medizinisches Zentrum zusammen mit der Hadassah; 5. Landwirtschaftliches Institut; 6. Technologisches Institut; 7. Fakultät für Jurisprudenz, Staatsrecht und Verwaltung; 8. Externe Kurse im ganzen Lande; 9. Erweiterung des Universitätsverlags, ', Bereicherung der hebräischen Literatur durch Neuersdun- 'nungen und Uebersetzungen. Das Programm, das durchaus durchführbar ist, setzt ein Einkommen von 500 000 Dollars voraus, an Stelle der bisher verausgabten 100000 Dollars. Die Universität, Hadassah, das Technikum, das Sieff-Insii;ut in Rechoboth haben bisher zusammen etwa 50 jüdische Wissenschaftler aus Deutschland aufgenommen, es werden aber mehr benötigt Palästina ist die große Probe für das jüdische Volk. Hier werden die Judenfragen in Menschheitsfragen verwandelt, die Probleme der Menschheit in Judenprobleme. Palästina muß die Probe bestehen, die uns auferlegt ist durch unsere sozialen, ethischen und religiösen Ideale. Der wissenschaftliche Hintergrund der Tagespolitik beschränkt sich nicht auf die Geschichte der Juden und Araber. Er muß notwendigerweise den dritten politischen Faktor einschließen, der mit in die gegenwärtige Palästinageschichte gehört: das englisch« Imperium, Es kann ohne Uehertreinung behauptet werden, daß unter der Mehrzahl der Juden im Lande die Kenntnis der englischen Psychologie und insbesondere jeder Kolonialgeschichte ebenso gering ist wie ihre Kenntnis der arabischen Kultur. Und während auf dem islamisch-arabischen Gebiete die Universität die solide Grundlage eines Instituts gelegt hat, ist das ganze große Gebiet der Kolonisationsgeschichte bis heute eine terra incognita geblieben. Kenntnis der kolonialen Entwicklungen jedoch, des Nahen Ostens, der großen Kolonisationsgebiete Afrikas und des Fernen Ostens, sei es zu Beginn auch nur unter einer kleinen Gruppe von Lehrern und Hörern, würde die Möglichkeit einer soziologisch-historisch-politischen Aufklärung geben, die unter den besonderen Bedingungen palästinensischer Politik dringlich nottut. Viele Schritte Englands, die sieh aus Tradition und Experiment erklären, scheinen heute der Mehrheit, die diese Traditionen und Experimente nicht kennt, unverständlich; und Vergleiche mit anderen Ländern und ihrer Entwicklung werfen häufig ein neues Licht auf Tagesereignisse, das eine objektivere und klare Einstellung ermöglicht. Geistiger Mittelpunkt Das letzte und größte Ziel einer hebräischen Universität in Jerusalem muß sein, dem um Renaissance ringenden Volke einen geistigen Mittelpunkt und eine wegweisende Erzieh ungsstätte zu geben. Es heißt nicht, leichtfertig an der Arbeit eines Jahrzehnts Kritik zu üben, wenn man heute feststellt, daß die Anstalt auf dem Skopus von diesem Ziel jetzt noch sehr weit entfernt ist. Die Glückwünsche und Begrüßungen die wir anläßlloh des vierzigjährigen Bestehens unserer Zeltung In den letzten Tagen erhielten, haben uns sehr erfreut Wir werden dieselben —- soweit möglich — In der Jubiläumsausgabe vom 16. April zur Veröffentlichung bringen- Wie am Anfang gesagt wurde, kann ein solches Gebilde nur wachsen und nicht von heute auf morgen gemacht werden. Sein Wachstum hängt zu einem bedeutenden Teile nicht nur von der Universität selb«' ab, sondern von dem geistigen Körper, mit dem es sich entwickelt, das heißt mit dem palästinensischen Judentum. Um der Univer-it't ihre Fülle und Blüte zu geben, muß diese palästinensische Judenheit dazu gelangen, wieder aus ihren eigenen geistigen Quellen zu schöpfen. Daß es heute nur kleine und schwache Kreise gibt, auf die dies zutrifft, ist kein Geheimnis- Aut sprachlichem Gebiete, einem der entscheidenden kir jedes kulturelle Leben, machte Palästina imletzten Jahrzehnt Krise über Krise durch. Vielfach führt der Weg zurück zur hebräischen Sprache erst einmal durch die schwere Phase der Sprachlosigkeit. Vielfach bleiben die Tausen und Zehntausendc bei ihren stockenden Bemühungen um gesprochene und geschriebene Hebräisch in den ersten I'hisen eines gefährlichen Levantinismus stecken, der seme Zeichen in der Literatur hinterläßt. Jede Lehrtätigkeit wir . von dieser Schwierigkeit berührt, die ja nicht nur «n« Schwierigkeit des Ausdrucks, also der Form ist, sondern eine des Inhalts, der kulturellen Zusammengehörigkeit umi >'i; Abgeschnittenseins vom tragenden und befruchtenden Volksgut. An dieser wie an anderen Stellen hängt das Schicksal der hebräischen Universität aufs engste mit dem des hebräischen Palästina zusammen. Wenn sich aus den heute herrschenden Mischungen und Verwirrungen eine lebendige Hrtfl entwickelt, so wird auch die Universität Ihrem Ziele einer wegweisenden Erziehungsstätte näher kommen. Es ist jedoot eine der zentralen Aufgaben der Universität, der Entwickln*!:: dieser lebendigen Form zu dienen. Die Universität ist in ihren Schicksal abhängig von der Entwicklung des Jischuw, aber sie ist zu gleicher Zeit berufen, dem Jischuw in dieser seiner geistigen Entwicklung ein sicherer Führer zu st'" Bei der besonderen Situation der Juden im Oaluth und der einzigartigen kulturellen Problematik des palästinensischen Judentums ist die Arbeit von Forschern und die Ausbildung von Studenten nur ein Teil der der Universität zufallenden Arbeit. Sie muß zugleich eine Stätte der jüdisch-hebräischen Kultur, des Wissens und des geistn;«' Schaffens werden, das Führung und vielleicht auch einmal wahrer Ausdruck des palästinensischen Lebens ist. Hauptechriftleiten Dr. Robert Weltsch, Berlm-Charlottcr.bu'R »• Stellvertreter und verantwortlich: Kurt Loewenstein, Berlin N 1 Anw?igenleitertn und verantwortlich für den Inhalt cter Ati'CC' Rut Polmer, Berlin W 30. Gültig: An«igenpreisliste 2 v. 1- Jm-1 Verlag und Anseigenverwahung: Jüdische Rundschau, Berlin J' Meinekestr. 10. D.-A. Mär» 33 044. — Druckt Siegfried Selmie». Bcrlm-Schöneberg.