Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 28 (5.4.1935)
- Date
- 1935-04-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V ) /% r ' cf D fit. 28 / Jahrgang 40 Preis 23 Rpt> JUDISCHE RDNDSC jdirlftlaltnngr.Varlug n. ABMlganvorwaltangt BerllnW!S,Malnokutr. 10 F.mnil: S.romel-Nr.JI Bismarck 3181/82,7165/70,7240/42. - BeiuRHpreia ja Monat RM 2.-, ja Vierteljahr RM 5,75. - Postscheck. Konten der Vertriebs-Abteilung: Berlin 71573 (Kir GroB - Berlin), Berlin 17392 tfür des übrige Reich). Auslande, brius in jeweiliger Landeswährung. — Erscheint jeden Dlanstag und Freitag. BERLIN rrsnn jd^ *a FREITAG, 5. APRIL 1935 Anzeigenpreialiate Mr. J gfllHg. Die Hgesp. mm-Zeile 20 Rpf, lur StellengaaV 10 Rpl, für Familiennachrirhien 15 Rpi. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung an Schaller oder auf Poelscheek-Konto Berlin 71618 Montag bis Donnerstag 9-18 XJht, Freitag 9-16 Uhr. Annshmeschluft für die Dienstag-Ausgsbe Montag 10 Uhr, fut die Freitag -Ausgabe Mittwoch 13 Uhr (Familienanzeigen bis Donnerstag 10 Uhr) per Zionismus erstrebt fDr das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Helmstatte In Palästina. (Baseler Programm) 25Rpß~ für Stellengeaaj ■rauszahlung ata »tag 9 -18 Uhtv ntag 10 Uhr. fü» aerstag 10 Uh«) ogramm) Zum Jahrestag der Universität In diesen Tagen werden überall in der Welt Festvcrsammlungen abgehalten, die der Hebräischen Universität Jerusalem gewidmet sind. Diese Universität, hinter der kein Steuern eintreibender Staat steht, ist schon aus materiellen Gründen darauf angewiesen, Interesse für sich zu wecken; denn ihre materielle Erhaltung muß eine Angelegenheit des ganzen, weithin zerstreuten Volkes sein. Dies könnte leicht dazu verführen, die Universität zu einem Gegenstand der Propaganda zu machen, denn unsere mit Anforderungen überlastete Welt reagiert nur auf starke Anrufe. Wenn mit der Einweihung der Universität die Erinnerung an einen der glanzvollsten Tage Palästinas verbunden ist, an i dem Gäste und Gelehrte aller Völker, europäische | Staaten und wissenschaftliche Institute aus aller Welt [der noch gar nicht vorhandenen Universität Jerusalem eine schon durch den Ort und die äußeren Um- I stände einzigartige Huldigung darbrachten, so war dies [gewiß ein erfolgreiches Mittel, die Aufmerksamkeit der | K'elt auf sich zu ziehen. Aber — so schrieb die „Jüdische Rundschau" damals vor zehn Jahren anläßlich [dieses Festtags — die Universität selbst war dadurch I noch keineswegs geschaffen. Sie war nur eine „Deklaration", wieder verbunden mit dem Namen Balfours, dessen königliche Erscheinung in der Tracht des eng- | lischen Universitäts-Kanzlers die Eröffnung vornahm; I die Universität wirklich zu schaffen, war und ist u n s e r e i Sache, Ziel eines langen, schweren Weges. Heute blicken wir auf zehn Jahre der angespanntesten Arbeit zurück. Wir heute — ja, wir sehen die | Universität so wie alles, was in Palästina geschieht, [rat anderen Augen an. Die Sache ist die gleiche geblieben, aber die Augen des Beschauers sind verändert. | Sie sind erfüllt von Tränen und sehen doch schärfer * zuvor. Die Judenfrage, die uns Gegenstand der Erkenntnis war, ist für uns Gegenstand des Erlebens I geworden. Zwar waren wir, die wir seit mehr als 30 Jahren mit unendlichen Mühen Stein auf Stein zusammenfügen zu dem Bau, der dem jüdischen Volk in Palästina eine Heimstätte sein soll, stets von dem Bewußtsein erfüllt, die entscheidende Tat einer 2000jährigen Geschichtsepoche zu tun; nicht aber hatten wir [gewußt und noch weniger gewünscht, daß sich vor unseren Augen in so handgreiflicher, dramatischer Weise, zusammengedrängt auf eine so kurze Zeitspanne, I die Richtigkeit des Erkannten und Gewollten erweisen |wird. Wir stehen mitten drin in einem Prozeß der Umk'crung des jüdischen Gesamtlebens, bei dem — wie dies leider die unvermeidliche Begleiterscheinung aller derartigen Ereignisse ist — viele Einzelne schwer zu leiden haben, manche auch den Verlust ihrer alten Ideale nicht verwinden können (und dieses Leid manchmal bedauerlicherweise auch nach innen abreagieren), aber die Gesamtheit vor neuen produktiven Aufgaben steht, die so große Maße des Schöpfefischen gestatten, wie dies in ruhigen Zeiten nie der ^11 ist. Die Leiden der Einzelnen sollen wir durch Gemeinsinn, durch organisierte Hilfe mildern, die jüdischen Gemeinschaftsorganisationen haben gewiß so viel u»d so vielseitig zu tun wie noch nie, aber der Blick tler Gesamtheit muß auf den Aufbau gerichtet 5C>", und zwar aus zweifachem Grunde: Erstens weil das Werk so außerordentlich und ungeheuer ist, daß nur die Anspannung aller Kräfte es vollbringen kann; keine Konjunktur kann uns da helfen. Zweitens aber, Wt'il unsere Gesamtheit ohne seelischen Halt und ohne d'1s Bewußtsein eines Zieles innerlich zugrunde gehen mj'Rte. Das jüdische Volk befindet sich in einem Ent- K'icklungsstadiuin, wo wir ein bloßes Dahinvegetieren 'ihetto-Zustand nicht mehr ohne Schaden ertragen Tonnen. Das Bewußtsein, daß gerade in dieser Zeit unsere Gemeinschaft zu schöpferischer Leistung beraten lst> wird uns, und gerade diezwischen Illusionen Und Panik hin- und hergeworfenen deut- Schen Juden, zu Herren über sich selbst machen. Darum kann ein Tag, wie die Zehnjahresfeier der Universität Jerusalem, eine aufrichtende Wirkung für as deutsche Judenrum haben. Die Universität symboli- *lert am stärksten die geistige Seite des Palästina-AufauS obwohl wir natürlich nicht der Meinung sind, ali aller Geist „akademischer" Geist sein muß. Für die putschen Juden wäre dieser Tag auch ein geeigneter |.n'aß, über die Rolle nachzudenken, die sie selbst in!cscr Sache gespielt haben. Wenn man sich heute v'elfach rühmt, daß deutsche Juden an diesem .Werk mitgearbeitet haben, so müßte gerechterweise gesagt werden, daß sich dieser Ruhm auf einen Kreis beschränkt, der beim Palästinawerk mittat, während andere große Teile des deutschen Judentums gerade in dieser Sache sich verletzend verhielten. Wir begrüßen mit Genugtuung, daß die Jüdische Gemeinde Berlin auch zu den Körperschaften zählt, die den Zehnjahrestag mit einer Feier begehen. Vor zehn Jahren weigerte sich der Gemeindevorstand, auch nur ein Begrüßungstelegramm zur Einweihung abzuschicken; und als später in den finanziell guten Jahren der Gemeinde als ein geringfügiger Beitrag zum Palästina-Aufbauwerk durch Vereinbarung der Parteien ein Lehrstuhl an der Universität Jerusalem gestiftet wurde, hat man, nachdem die Liberalen wieder die Mehrheit erlangt harten, diese Vereinbarung einseitig aufgelöst. Dies gehört der Vergangenheit an, aber wir würden wünschen, daß wenigstens an diesem Tag eine Lehre daraus gezogen wird. Viel Bitterkeit würde dann aus dem jüdischen Leben verschwinden. Wir wollen die Universität gewiß nicht unter dem Gesichtspunkt beurteilen, ob sie jüdischen Gelehrten aus Deutschland ine Zuflucht gibt und jüdischen Studenten aus Deutschland eine Studiermöglichkeit bietet. Weit größer sind die Probleme, die die Universität uns stellt. Denn hier wird zum erstenmal in praktischer Weise das Problem der jüdischen Bildung in Angriff genommen. Wenn man hier von „jüdischer Bildung" spricht, so hat dieses Wort nicht den Klang und die Bedeutung wie im Gallith; nicht um Bildung in jüdischen Dingen handelt es sich. Vielmehr geht es um die harmonische Vereinigung von Judentum und Menschentum. Auf dem Boden des Judentums, in Menschen, die mit voller Selbstverständlichkeit als Juden leben, soll sich die ganze Fülle des Geistes entfalten. Das ist es ja eben, was wir erstreben und was nur das neue Judentum in Palästina uns geben kann: ein unbefangenes Verhältnis zu Welt und Leben, zu den Dingen des Geistes und der Natur, denen wir nachforschen aus dem ewigen Drange nach Wahrheit und Erkenntnis, ohne daran zu denken, daß wir Juden sind, Die 2. Makkabiah eröffnet (Telegramm unseres p. I.-Sonderberichterstatters) Tel-Awiw, 3. April. Der lang erwartete große Moment Ist vorUber! Im neu erbauten Stadion im Norden von Tel- Awlw am Mittelmeer wurde gestern die Zweite Makkabiah eröffnet. Ueber 50 000 Zuschauer füllten das Stadion bis auf den letzten Platz. Viele Tausende konnten keinen Einlaß mehr finden. In hebräischer Sprache, durch Lautsprecher übertragen, hielt Lord Melchett die Eröffnungsrede, nachdem 5000 Makkabi-Sportler aller Länder ihren Einmarsch!n das große Oval des Stadions vollendet hatten. Die Mannschaften marschierten nach dem hebräischen Alphabet der Herkunftsländer, Oesterreich eröffnete. Besonders fielen die Türkei, Balkanländer, Amerika und Südafrika auf. Der Makkabl Deutschlands stellte eine der imposantesten der auswärtigen Delegationen. Die Vertreter des „Hapoel" und „Betar" begrüßten die Makkabiah; in seiner Antwort erklärt« Lord Melchett, daß die Annäherung der jüdischen Sport-Organisationen bevorsteht. Hiernach begannen die feierlichen Eröffnungszeremonien und die Ablegung des Makkabiah-Eldes. Der Präsident des Makkabi-Weltverbandes, Dr. Hermann Lelewer, nahm den Eid ab. Nach seiner Ansorache ertönte ein dreifaches „Am Jisrael chaj"! Während die Hatikwah intoniert würde und die 5000 Sportler salutierten, ging am Turm des Stadions die Fahne der Zweiten Makkabiah hoch. Gleichzeitig wurden die Brieftauben mit der Botschaft der Eröffnung der Zweiten Makkabiah als Sinnbild der Freiheit und des Friedens losgelassen. Tausende erhoben sich und begrüßten unter unbeschreiblichem Jubel die Fahne der Makkabiah. Es war das begeisterndste Schauspiel, das palästinensischer Boden je erlebt hat. Stürmischen Applaus erntete Lord Melchett nach seinen Worten: „Ich freu« mich mit Erez Israel dieses freudigsten Tages". Kurz darauf wurde die Makkabiah- Fahne für eine Minute auf Halbmast gesetzt zur Ehrung des gestern beim Versuch der Rettung eines Arabers aus dem Meere ertrunkenen Makkabi-Sportlers. Auf der Haupttribüne waren Weizmann, Sokolow, die Mitglieder der Exekutive und des Aktions-Comites, das selnt Tagung In Jerusalem für diesen Tag unterbrochen hatte. Alle fuhrenden Regierungsbeamten einschließlich der Bezirkskommissare des Norden* und Südens waren anwesend; Unter den Vertretern der ausländischen Mächte bemerkte man u. a. In Ihrer , Zeremonicklcidung die Konsuln von Amerika, Oesterreich und Polen. Die deutsche Makkablah-Mannschaft hat bisher zwei Siege errungen und befindet sich vorläufig In der Gesamtwertung auf dem zweiten Platz hinter Amerika vor Polen. s i s c h e Bildungsstätte, Judentums. Man hat in geworfen, daß sie den identifiziert. Wir sind tellektuelle im „freien schweben muß; aber weil das so selbstverständlich ist. Wir wissen auch, daß die Bezeichnung „Universität" keine eindeutige ist. Man versteht darunter im Wandel der Zeit und an den verschiedenen Stellen der Welt nicht immer die gleiche Struktur einer Anstalt. Die Universität Jerusalem hatte in diesen zehn Jahren unter Konflikten zu leiden, die in der Hauptsache darauf zurückzuführen sind, daß Menschen aus verschiedenen Ländern auch verschiedene Vorstellungen von Universitätsleben angewandt wissen wollten. Sie wird weder dem amerikanischen, noch dem englischen, noch auch dem kontinental-europäischen Typ vollständig gleichen können. Sie muß etwas N e u e s sein, eben eine palästinencine zentrale Anstalt des neuen Europa den Juden häufig vor¬ Typus eines weltfremden „Intellektuellen" repräsentieren. Man hat uns mit einer bes stimmten Periode der europäischen ücistesentwicklung nicht der Meinung, daß der In¬ Raum" zwischen den Schichten wir wollen nicht, daß die Universität Jerusalem „Intellektuelle" züchtet. Sie soll dem Volk und dem Land verbunden sein, nur dann wird sie ihre wirkliche Aufgabe, das Leben des Volkes kulturell zu formen, erfüllen können. Die überstürzte Einwanderung der letzten Jahre droht, in Palästina geistig einen chaotischen Zustand zu schaffen. Niemals war es wichtiger als jetzt, eine Instanz der geistigen Ver* antwortung und der geistigen Autorität zu besitzen. Die Aufgabe, die vor uns steht, die Verbindung eines tatkräftigen Nationalismus mit echter Humanität, ist ein geistiges Ziel von einer weit über den jüdischen Kreis hinausreichenden Tragweite. Wird die Universität nicht die bewußte Trägerin dieser Idee, dann kann uns auch die fleißigste wissenschaftliche Kleinarbeit nicht entschädigen. Und in dieser Beziehung haben wir unsere Besorgnisse. Der primitive Nationalismus, der sich auch in Palästina regt, hat an den Pforten der Universität nicht Halt gemacht; und an ernsten Dokumentierungen humanistischer Haltung haben wir noch nicht viele zu verzeichnen. Ein guter Gedanke, die Schaffung eines Lehrstuhls für internationales Friedensrecht, ist durch die Ausführung beinahe zu einer Farce geworden, weil die Universität in ihrer materiellen Abhängigkeit von dem Wohlwollen des Publikums auf Absonderlichkeiten einzelner Stiftungen einzugehen genötigt' ist. Aber wir wissen, daß dem Kanzler Dr. Magnes, der sich durch seine hingebungsvolle Arbeit in diesen zehn Jahren die größten Verdienste erworben hat, dieses Ziel der Synthese von Nationalem und Humanem als oberste Leitidee vorschwebt Begreift man jetzt, warum diese Universität eine Volkssache werden muß, warum sie das eigentliche entscheidende Anliegen unseres Volkstums realisieren muß, vom Volk empfangen und dem Volk gegeben, in ununterbrochener Wechselwirkung? Nicht Studenten im alten Sinn müssen ausgebildet weiden, sondern Menschen, die neben ihrem fachlichen Wissen, das natürlich nach strengen Maßstäben gemessen werden soll, die charakterliche und menschliche Eignung haben, Träger der Wiedergeburt des Volkes zu werden. Denn diese Wiedergeburt ist im wesentlichen ein geistiger Prozeß. Alles Wirtschaftliche und Technische sind nur Begleiterscheinungen, sind das Gerüst, die materielle Hülle, in der die Seele wohnt Und weil wir auch in der Diaspora vor ähnlichen Problemen stehen, weil der auch hier immer stärker durchbrechende jüdische Nationalismus in Gefahr steht, in Ressentiment und Ueberheblichkeit auszuarten, weil auf der anderen Seite in der Diaspora ein fiktiver und blutleerer Humanismus, der nur die Flucht vor der Realität kaschieren soll, unhaltbar geworden ist, — darum kann die Universität Jerusalem auch für die breiten Massen der Juden in der Diaspora Unsägliches bedeuten. Was not tut, ist nur, daß wir wissen, wohin wir gehen und worauf wir abzielen. Es kommt uns nicht darauf an, vor anderen Völkern mit dieser oder jener wissenschaftlichen Einzelleistung zu prunken. Wir brauchen für uns selbst Kräfte der Aufrichtung, der Formung; es gilt alles daran zu setzen, daß die neue Volkwerdung von den rechten geistigen Kräften beherrscht wird. Im Mittelpunkt all dessen kann unsere Universität stehen. Es ist nicht zu viel gesagt, wenn wir glauben, daß sie die Keimzelle einer ungeahnten schöpferischen Geistesmacht sein kann. Daß sie dies werde, wünschen wir ihr; wünschen wir uns zu ihrem zehnten Geburtstag. hters" •n kurz ge« at, Wirtnfangreich'e? igt worden unabhängig .•ren Volkslieder verlegen die t Rechnung nd welche ■n deutsch iter" heute ort u. z.z -heu ihrer der Jude les Arisch& ■estrebt ist., hen nicht» aus erklärt he Volk^ besonders» d ein oral ise Gefühl nihiin dem Jcraufstiegj bereitet, gewesenen mgi dieses : deutsche Judentum das J u» :s wurde» des jüdinicht alle»; jüdische o m m e rtv unaufhörrassischej* Völkern." reibt über ner FeindJ Wlift'c,iA (OB k v , Ariert'uraV.'? jkeit des und Ge» ' ,' , > flitik dop < die üben, die aus even t:~ gungt der ie Juden >n Juden : Judenr Martini 91S, kein leutsdicn ung von as Meer ld Vater;sen ver- ' lat. 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