Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 27 (2.4.1935)
- Date
- 1935-04-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seife 6 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 27, 2. IV. 1935 Zwei neue Schocken-Bücher Das Sabbatbudi Daß der Dranff nsr verlorenen geistigen Heimat bisher noch zu keiner encrgievollen und konsequenten religiösen Bewegung geführt hat, ist nicht zum perinpten in dem Mangel an jüdischem Wissen und damit in der Unsicherheit des jüdischen Wollen* begründet. Jeder Versuch ist daher zu begrüßen, der geeignet ist, jüdische Bildung in weite _ Kreise zu tragen zumal wenn er nicht bloß auf ästhetische Wirkung, sondern auf echte religiöse Unterweisung hin angelegt ist. Der neue, im Schocken-Verlag erschienene DoppelbanrT („Der Sabbat, sein Abbild im jüdischen Schrifttum, seine Geschichte und seine heutige Gestalt", von Moritz Zobel) gehört in diesem Sinne zu den besten Schriften der letzten Zeit. Man wühle den Menschen, die sich über Wesen und Wirklichkeit des Schabbat einen ersten gründlichen Bescheid holen wollen, kein besseres Buch zu empfehlen. Mehr als homiletische Betrachtungen über den Schabbat kann diese Erschließung der (Quellen wirken. Zobel zeigt den ganzen Schabbat, der sich nicht im „Oneg" erschöpft, sondern mit dem Kiddusch beginnt und mit der Hawclala schließt. Er vermeidet vor allem den Fehler, das Folkloristische und Aggadi~che, also unverbindlich Gemüthafte mit dein Ciesct/üelvii und Verbindlich.cn in eins zu mengen und so den Zugang zur traditionellen Olaubeuswelt von vornherein zu verbauen. Das Buch verrät nicht nur eine umfassende Kenntnis der gesamten den Schabbat betreffenden Qiiellenliieratur, «.omlcrn zugleich die tiefe Ehrfurcht und das strenge Siciiiit bunileiisv issen gegenüber dieser Welt. An die Spitze der qucrschuittlielun Darstellung werden die lapidaren Satze der Sehabbatbegrundung im Fünfbuch sowie die prophetischen Reden der liiiiM.-|iarfung der Schabbatheiligung gestellt. Uni Deutung, Lrfullung und Gestaltung dieses im Gotteswort Israel < Hfenbarten bewegt sich nunmehr die schöpferische I ei.-tung der Folgezeit. Im Schabbat ist dem jüdischen Volke nicht nur „eine gute Gabe*' geschenkt worden, Mindern in seiner produktiven Durchgestaltuiig hat si. it wie nirgendwo >«»ii,t die jüdische Volksseele selber offenbart. F.in Blick in die ungeheuer \ielfiiltige, aber einheitlich!- Sphar-- des Schahbat gibt die Bestätigung für das talmudische Wort, er sei „bezinna", in der Intimität des „heni u-uen helle jisrael* gegeben worden. Auf den Schabbat im biblischen Zeitalter labt Zobel seine Interpretation in der hellenistischen Welt folgen. Vielleicht wäre hier ein an den Forschungen I. 1 iciueniamis orientierter Hinweis auf die schiefe, aus griechi-clieti Buiiuii/,v<>r,ui-sct/.ungen fließende Deiitungswcise l'hiius angebracht gewesen. Den stärksten und legitimsten Ausdruck hat das Frlebnis des Schabbat im talmudischen Schrifttum gefunden, aus dem in glücklicher Aaswahl eine Fülle von aggadischem Material gebracht wird. Es folgt ein guter Querschnitt durch das nachtalmudisehe Schrifttum von Saadia bis Ch. J. D. Azulai, also durch Rcligionsphilosophie und Kabbala. Spätere Autoren (wie S. R. Hirsch und Franz Hosenzweig) sind selbständig nicht mehr vertreten. Ein sehr wichtiges und interessantes Kapitel, zufleich ein religionsgeschkhtlieher Beitrag? zur Erhärtung der hese, daß die innerchristliche Sektengeschichte im wesentlichen einen Kampf zwischen Judenchristen und Heidenchristen darstellt, ist die ausgezeichnete Darstellung der Sekten „nichtjüdiitcher Beobachter des Sabbats". Haben wir nach alledem ein theologisches und philosophisches Verständnis der Schabbatidee uns in diesem Gang durch die jüdische Geistesgeschichte erarbeitet, so tut der Verfasser recht daran, nicht bei der Idee stehen zu bleiben, sondern ein ganz konkretes Bild des ge lebten jüdischen Schabbat zu entrollen. Er wird damit bei sehr vielen Dank ernten, die im Laufe der letzten Zeit vielleicht allzu sehr mit Theoretischem übersättigt und in ihrem Bedürfnis nach jüdischer Lebensgcstaltung im Stich gelassen worden sind. Der Verfasser verzichtet zwar aus einem echten Verantwortungsgefühl heraus auf Darbietung des Religionsgesetzlichen, das ja schon dem Umfang nach den Rahmen des Buches sprengen würde, gibt aber nach einer kurzen Skizze der religionsgesetzlichen Grundbegriffe ein plastisches Bild von dem Ablauf des Schabbattages und schließt mit einer überaus wertvollen Zusammenstellung der häuslichen Sabbatgesänge, Rabbiner Dr. Alexander Altmann Die Josefslegende in Biedermeierzeidinungen Es ist sehr zu begrüßen, daß der Schocken-Verlag sich entschlossen hat, eine Bilderfolge zur Illustration der Josefgeschichte, von deren Provenienz man kaum etwas weiß, zu publizieren und sie der Oeffentlichkeit einfach als das zu übergeben, was sie vorläufig ist — herrenloses Gut. Die Bilder sind außerordentlich reizvolle kolorierte Zeichnungen. Die Originalaquarellc, ein Teil von ihnen, hängen im Jüdischen Museum in Berlin. Die Bilder stellen dar: 1. Josef wird verkauft. 2. Der blutbefleckte Rock. 3. Josef und Potiphar. 4. Josef und seine Brüder. 5. Josef reitet seinem Vater entgegen. 6. Die Söhne Jakobs tragen den Vater zu Grabe. Nur Bild 2 und 6 tragen Titel auf jiddisch. Die übrigen sind unbeschriftet. Die Sprache der Titel läßt es zunächst als unwahrscheinlich erscheinen, in der beschrifteten Form wenigstens, daß die Bilder für den „jungen Fürsten Olizar in Podolien" angefertigt wurden, wie das der Akzessionskatalog des Jüdischen Museums vermerkt. Uebrigens müßte der ursprüngliche Katalog eingesehen werden können, denn, waa jetzt vorliegt, ist eine Schreibmaschiuenabschrift, und es ist fraglich, ob nähere schriftliche Angaben über die Begleitumstände der Erwerbung der Josef-Bilder jm Museum zu finden sein werden, besonders wenn sie aus der alten Sammlung von Albert Wolf herrühren, die den Grundstock «les Museums bildet. Das Museum besitzt noch zwei andere Bilder des gleichen Künstlers, darunter den „Sündenfall" mit der polnischen Unter, schrift „Adam", „Ewa", und einer Nummer dazwischen Offenbar handelt es sich um Buchillustrationen. Man wird an einen sehr ähnlichen Fall erinnert, an jenen Hersz Lei. bowiez in Nieswiez, den wir aus der Literatur kennen Der Zeichner oder Stecher verfertigte Mitte des 18. Jahr! hundert» im Schloß der Fürsten Radziwill nach den Familien- Widern der Ahnengalerie W) Vorlagen für ein illustriertes Werk. Die Heranziehung von jüdischen Künstlern durch russi. sehen und politischen Adel hat an sich nichts Unwahrscheinliches. Erna Stein, die die Erläuterungen zu den Bildern für die Veröffentlichung der Schocken-Bücherci schrieb, sah sich vor eine schwierige Aufgabe gestellt, die sie glucklich löste. Sie datierte die Bilder in die Biedermeierzeit, beschrieb mit Sachkenntnis und Liebe das Kostüm und die Komposition der Bilder. Ihrer Vermutung, daß die Zeichnungen nn'ijj. licherweise Umarbeitungen fremder Vorlagen bieten, schließe ich mich durchaus an. Dafür spricht die viel zu glatte, abgeschleifte Zeichnung, das Fehlen von Gliedmaßen und die unkorrekte Darstellung zum Teil verdeckter und sich übersehneidender Bildteile. Die Figuren sind in ihrem Aufbau nicht durchdacht und tragen die Kennzeichen unverstandener Nachahmungen. Demgegenüber verrät die Behandlung) des Details ein«.1 außerordentliche Beobachtungsgabe, und die Farbengcbung einen Sinn für feines Abwägen der Tonwerte, Der Künstkr gefällt sich In der Ausschmückung und Bei musterutig jeder sichtbaren Fläche die eben für die parahrasierende Phantasie so charakteristisch ist. Erna Stein at mit sicherem Instinkt die Bilder in die Kreise des ost. europäischen Chassidismus lokalisiert. Die jüdischen Trachten, die türkischen Krummsäbel, die russische kleinbürgerliche Art, Tee aus der Untertasse zu schlürfen, all das und vieles andere sind unverkennbare Zeichen eines enger zu umschreibenden Milieus. Das Thema bedarf einer besonderen Behandlung, jedenfalls scheint mir die durch Gegenübcrstellung ähnlichen Bildmaterials zu gewinnende Spur in eine ganz bestimmte Richtung zu führen. Die sclir sorgfältige und geschmackvolle Ausgabe, die mit den entsprechenden Stellen aus der Schrift in der Ucber. Setzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig versehen ist, muß als erste Kunstpublikation in der „Bücherei" üa Schocken-Vcrlagcs willkommen geheißen werden. Rahel Wjschn itzer-Bernstein Mendele Mocher Seforims „Reise Benjamins Hl.« erschein«, jetzt in New York in englischer Uebertragung von A. Katz und Eva Dowkin. HEBRÄISCHE BEILAGE 7 1 T7 M Ü t ..TTin O TT* fi'3 nw *ipi» DER JÜDISCHEM RUNDSCHAU l 0 Jß I I \mt Nr. 27, 2. APRIL 1935 _ Redaktion i Dr. S. Kaliko v\w n ntfia immti ^fama w«™ .»w» , <W8n) cia^afc mrum mmna l iv v- j , mn 1873 mwa .nwiDon 'infiaya ptayV aw 1 :■>? •. * t t- <o'a?D ~Mr* '^^^^^^J'^^JiJ^, rrn *taa W ntivmn nwwoa »njni? w naviyp) p^a-'nanxp 'mjj - - .m»m impn **a. :tm &TCÄÄÄS, aw» *° mitriß an n»T TV«? W S™Ä2m?Ä A?^Äi^i^Ä "J* <WJ rtf* «TO» q^f ans »Wie« c-. ™» 1?) aViyn p öixn Qv a-,nn x,n1 .n-*Ti«a 'n^n-na^n.n bninb F 'Q^fra.n Va *w «Ba^-rai&n n« ^naa fc,nn hivtajf? «a^xai m-relan *») n*np? Wa Kk» ifrv ly - -ins rti «pmnxi mVa ™P" a^na rm .(x»am na*a) «yap-na'ff' &*v _ rara axya pi1 rmn nayn ^u^soa J . ' ' a)' b», n^s ' , - ■ - , .rt'nncon imiaya an o^uian i-"na nmn dqibv fmmn *\fvt Ywxn .brnfra yisnn ni ^"w ni3,av 'aWyt} P"«-? '?! 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IS) Irrtum. 18) prtten. echlag«. 20) Beult«. 81) privat. 21) T.rWndern. 2») Fall«. 20 O^Oei-WadevortMilier. m ^-aMbenteti. 2S) b«- ... nnte'tuchen. 17) Wirkliohkeii; «„ein. 18) OoKeni>at>: 24) Spekulation. ») «n«genetr.t. »»Schacher. 7t) «cMdllch. ranben; piandtra. 80) »aormi: aMdrteken. Sl) -r^, -;8ohUe«aob, P.O.B^-^-rap«.-, * inaoB, Iani=«^-7yr 1») betrachten. 20) —. - . —........' * Beetinmong. rig «ein. 27) erreichen.: 0 Wlrkliolikeil; D»sein. 18) Oogennat-. 2«) Spekulation. 28) «nKgenetjtl. 'JI) Hcnacner. -Ii) «enaanen. ranuen; piunuern. ou; "msw; •«■uruoaen. ni) yyy <m —-----— ■ »--- t 20) Rerlnfser Anteil. 81) Ma8. 21t) Zwecks *>»ardi». «8)Mmterbei»pleL «0)Zeichen. 81)chalu»l»rhe.r galt. 82)BtrdlUobow. 38) Wobnongiweohael. 84)BehWomlr. BaobU-irrrrlf t-«ea-n'S»o'n>a ikui\»Tii«r<ti'rv>"'>'v' ilVourtloB 24)eel0atan »! Bsnhlr 28) tran- Oelst. 32, »chl»gen 88) Innerhalb. --—■——--- -----......----np»'^nj j r ,t* :hen. 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