Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 27 (2.4.1935)
- Date
- 1935-04-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seife 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 27, 2. IV. 1935 Die Weltkonferenz der Wizo Tel-Awiw, 29. mtr/.. (JTA.) Auf der achten Weltkonfcrenz des Weltvt'rbandt's zionistischer Frauen (WIZO) erstatteten Frau Rebekka Sief f, Frau Goodman und Frau Hadassa S a m u e 1 Referate über die Tätigkeit der Hauptleitungen der WIZO in London und in Jerusalem. Frau B. I d e 1son berichtete über die Tätigkeit der Moazath Hapoalofh (Arbeiterinnenrat). Nach Erstattung des Finanzberichtes wurden verschiedene Arbtitskommissionen eingesetzt. Hierauf wurden die Berichte aus den einzelnen Ländern angehört. Frl. Dr. Celina Sokolow, die Tochter des Präsidenten der Jewish Agciicy und Frau Epstein berichteten über die Arbeit in England; hieran schlössen sich Berichte über die Arbeit in Polen, Rumänien, Südafrika, Tschechoslowakei und anderen Ländern an. Frau Vera W e i z rn a n n, die Gattin Dr. Chaim Weizmanns, hielt ein Referat „Uebcr die Lage", Frau Ada Fishm a n sprach über chahuische Hachscharah für Mädchen und Frauen in der üaluth und in Palästina. Ucber die Kulturtätigkeit in den Qaluthländern referierte Frau Prof. Hanna Steiner (Prag). Den Berichten und Referaten schloß sich eine lebhafte allgemeine Aussprache an. Das Neueste In aller Kürze Von unserem palästinensischen gl-Korrespondenten Aus derExpansion der Palästina-Wirtschaft Die ersten 10 Häuser für Siedler aus Deutschland in Wadi Hawarith werden jetzt fertiggestellt. Im ganzen ist die Ansiedlung von 4t) Familien vorgesehen. Der Ort erhält den Namen K f a r J e d i d j a Ii. „Tnuwab", die V'crtriebskooperative der landwirtschaftlichen Siedlungen des Keren Hajessod, bringt jetzt 37 000 Liter Milch pro Tag zum Verkauf. (21000 aus den Siedlungen des Emek, 12(XX) aus dem Bezirk Tel-Awiw und 4CXX) aus der Umgebung Jerusalems.) In Tel-1osef, Daganiah A und Kfar Malal wurden neue Kühlanlagen für die Milch eingerichtet. Die Arbeiterorganisation in Haifa hat eine Sektion für Seeleute eingerichtet, deren Mitglieder die jüdische Besatzung des Schiffes Tel-Awiw sind. Aus Politik und Oesellschaft In einem Lauddisput über die „R u s c h m i e h-Böden" (Haifa) sprach das Gericht der Gesellschaft „Hachscharat Hajischuw" (Paicstine Land Development Co.) eine Entschädigung von £ 10 000 und Ersatz der Kosten zu. Die Gesellschatt hatte den Boden im Jahre 1034 von einem arabischen Lk-dtzer gekauft, der aber danach von der Gesellschaft „Hauott.a"' durch Mehrangebot bewogen wurde, das Land nicht der ersten Käuferin, sondern „Hanotea" abzutreten. Von den illegale n 1 in m i g r a n t e n, die vor kurzem durch einen Hungerstreik das Recht erzwangen, gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt zu werden, befinden sich noch immer zehn im Akkoer Gefängnis, weil sich keine Bürgen für sie fanden. Aus dem arabischen Leben Eine syrische Handelsdelegation ist in Jerusalem eingetroffen, um die weitere Ausgestaltung der Handelsabkommen zwischen Palästina und Syrien (Vertrag von 1029 und Einfuhrlizenzen für Weizen und Weizenmehl) mit der Regierung zu diskutieren. Hasan Dajani, einer der Stadträte von Jerusalem, hat einen Prozeß gegen den neuen Bürgermeister gewonnen und ist in seinem Amte als Stadtrat bestätigt worden. Dajani hatte seine Demission eingereicht, sie jedoch sofort in einem zweiten Briefe zurückgezogen. Der Bürgermeister lud ihn darauf nicht mehr zu den Stadtratssitzungen ein, bis das Gericht den Fall durch seinen Schiedsspruch klärte. In Hcizliah streikten die arabischen Arbeiter in mehreren jüdischen Plantagen, um eine Lohnerhöhung zu crlaiißen. Die jüdischen Pflanzer ersetzten sie darauf durch arabische Einwanderer aus dem Hauran, die billiger sind als einheimische; arabische Arbeiter. Hebräisches Marionettentheater In Jerusalem. Eine nette Holzpuppcnauffiihrung unter Zugrundelegung eines hebräischen Textes (F. Goitein) fach einer Idee von Grete Wolff- Krakaucr, die auch die famosen Figurinen entworfen hat, wurde den Jerusalemer Kindern zu Purim geschenkt. Der Stoft war eine Kreuzung aus der Esthermegillah und Hauffs Geschichte vom Kalif Storch. Die Musik lieferte Theresa Ooitein, die Holzarbeiten Chawa Bergmann, Technisches Oscar Seit/er. Sämtliche Männerstimmen wurden von Benvenuto Mautiis, die Frauen von Chawa Bergmann gesprochen. A. J.-L. Musik in Palästina Der Judith-Stoff in der Musik Ein Judith - Oratorium von — Mozart Im Zusammenhanf; mit den Universitätsfeierlichkelten wird am 10. April Mozarts Jadith- Oratorium unter Karl Solomons Leitung in Jerusalem aufgeführt werden. Im Aufbau des palästinensischen Musiklebens interessieren uns neben den Werken jüdischer Autoren besonders diejenigen Schöpfungen der großen Meister, in denen Stoffe der Bibel und der jüdischen Geschichte behandelt werden. Allein von Haendel gibt es über ein Dutzend Oratorien jüdischen Inhalts und cbensovicle umfangreiche Psalmkompositiorien. Von anderen Klassikern dagegen gibt es fast gar keine Vertonungen jüdischer Stoffe. Und doch gibt es von Mozart auch ein Oratorium; es ist allerdings beinahe in Vergessenheit geraten, und selbst die Fachleute kennen meist nur den Titel: La Betuiia liberata — Das befreite Betul. Der junge Mozart komponierte vermutlich 1771 in Padua dieses „italienische Oratorium" als 118. Werk; die in ihm besungene Befreiung Betuls ist die Tat Judiths. Die Dichtung Metastasios hat die Form eines zweiaktigen Dramas. Es gibt nur handelnde Personen, keinen Erzähler. Auch von Mozarts Oratorium wäre daher eine dramatische Aufführung — etwa in der Art der modernen „statischen" Oper — möglich. Um so eher, als die Einheit des Ortes durchaus gewahrt ist: die Handlung spielt im Innern der eingeschlossenen Stadt. Daher tritt auch Holofernes selbst nicht auf — seine Ermordung wird von Judith berichtet. Diese Erzählung ist eines der kunstvollsten Rezitativc Mozarts, besonders erstaunlich als die Schöpfung eines 15jährigen. Ueberhaupt ist die ganze Musik viel reifer als die etwa der frühen Opern Mozarts. In dem Plane, das Werk mit dem Akademischen Chor in Jerusalem aufzuführen, hat uns eine wunderbare Tatsache bestärkt. Es gibt eine h e b r ä i s c he Uebersetzung aus der Zeit Mozarts. Ob der in Amsterdam lebende sefardischc Jude David Franco- Me ndes von Mozart etwas gewußt hat? Wohl kaum! Aber das Drama Metastasios war in jenen Tagen populär, und die L'ebersetzung hält sich fast durchweg _ an den Sprachrhythmus des Originals, so daß sie mit Leichtigkeit auch für das Mozartsche Oratorium zu verwenden ist. Was 1791 in Amsterdam gedichtet wurde, 1801 in Rödelheim gedruckt, soll nun mit Mozarts Musik in Jerusalem Klang werden. Karl Salomon Arthur Honeggers Judith - Drama Auch Honeggers dreiaktiges Musikdrama, 1925 erschienen, hat keine große Popularität erreicht, obwohl es — wenn auch von einem Nichtjuden stammend — zu den wenigen Standardwerken jüdischen Inhalts gezählt werden muß. Und nicht nur der Inhalt ist hier jüdisch; Honegger ist vielleicht derjenige Komponist, der das Wesen der orientalischen Musik am legitimsten mit neuzeitlichen kompositorischen Mitteln erfaßt hat. Rezitativ, Parlando, typische Klangfarbe (man denkt bei dieser Mischung von Franzosentum und Orient unwillkürlich an Flauberts Salambo), Instrumentierung — all das ist vom Orient her, und zwar auf eine ganz; geniale Weise zum Erklingen gebracht. Die Motivarbeit geschieht ebenfalls im Sinne der orientalischen Musik: in jedem Stück wird eigentlich nur ein einziges Motiv verarbeitet, ganz in der Art der orientalischen Melodien und ihrer spezifischen, sinnvollen Monotonie. Unterstützt wird das alles durch das geradezu eigensinnige Individualleben, das jedes Orchester- Instrument führt. Es ist merkwürdig, daß Honeggers Werke von jüdischer Seite bis heute so völlig übersehen wurden. Ueber einen allzugroßen Reichtum von wirklichen modernen Kunstwerken jüdischen Inhalts können wir uns doch nicht gerade beklagen, und die technischen Schwierigkeiten einer derartigen Aufführung sind infolge des kammermusikalischen Formats ja keinesfalls übermäßig große. Alice Jacob-Loewenson Konzerte in Jerusalem Konzert jüdischer Musik, wie es nicht sein sollte Anläßlich des dreißigjährigen Jubiläums des Jerusalemer Chors: „Schirath Jisrael" wurde in Jerusalem ein Festkonzert veranstaltet. Von den Ausführenden sei in erster Linie der einundsechzigjährige Zavel K wartin genannt, der in Europa hauptsächlich durch seine Konzertabende und durch die von ihm besungenen Grammophonplattcri populär geworden ist. Er gehört zu den jüngeren Vertretern seiner Kunst, hat noch alte chasonischc Tradition, ist aber ebenso wie Rosenblatt, Merschmann usw. durch konzerty mäßige Darstellung des Synagogengesanges reichlich ver* flacht. Bei allem elementaren Klang, den seine Stimme auch heute noch bewahrt hat, ist Kwartin als amerikanisiertet? Degenerationstyp der Chasanuth aufzufassen und nur der Kenner kann beurteilen, was an interessanten Momenten noch in seinem Gesang hörbar wird. Kwartins Interpretationen, obwohl durch kitschige Klavier« bearbeitungen verdorben, bildeten aber noch eine der Glanzleistungen des Abends. Schlomoh Weißfisch, der an und für sich stimmlich und interpretatorisch begabt ist, brauchte noch einige Jahre gründlichen Studiums, ehe er sich aufs Podium wagen dürfte. Eine Katastrophe war aber der vom Kantor Riwlirt geleitete Männer- und Knabenchor. Das Stimmen-, material ist an und für sich ausgezeichnet, aber die Art, wie dieses köstliche, empfindsame Material der hohen, hellen Knabenstimmen mit dem orientalischen oder ostjüdischen Timbre behandelt wird, ist ganz unmöglich. Auf diese Weise müssen die Stimmen nach einigen Jahren völlig erledigt sein. Zudem handelt es sich bei dem Singen hier um einen Drill schlimmster Sorte; alle Natürlichkeit wird völlig erstickt. Das Schlimmste war aber der äußere Eindruck von Unordnung und Nivcaulosigkeit, den die Veranstaltung' machte. Von der Literatur, die hier als „Jüdische Musik" ausgegeben wurde, wollen wir lieber schweigen. Veranstaltungen jüdischer Musik von solchem Tiefstand können nur das ganze Gebiet diskreditieren. Taube und Jerusalemer Streichquartett. Michael Taubes zweites Jerusalemer Konzert mit der Solistin Elsa Jülich zeigte wieder hohes Niveau und einen geradezu verblüffenden Hochstand des Orchesters, doch konnte das herrliche Händel- Mozart-Programm, das die Vorzüge des Strcichkörpers bc. sonders zur Geltung brachte, durch die klanglich anspruchsvolle, aber geistig weit schwächere Brahms-Sinfonie nur abgeschwächt werden. (Auch die Bläser sind dem noch nicht gewachsen.) Das Jerusalemer Streichquartett spielte in der Musical Society außer je einem Quartett von Schumann und Beethoven ein Quartett von Norman Corteous, über das wir gelegentlich seiner Uraufführung im Palestine Conscrvatoirc berichteten. Es ist ein erfreuliches Werk, das auf ältere Vorbilder zurückgeht. Der Geiger Josef Szigeti. Wenn auch sein Programm im wesentlichen sich nicht übermäßig von dem der anderen Solisten unterschied, so muß doch dieser Abend zu den herrlichsten der Saison gezählt werden. Die Durchgestalttmg jedes Werkes, der blutvolle Ton, das markante Pizzik.it» stellt Szigeti turmhoch über die meisten Geigenvirtuosen unserer Zeit. Es ist schade, daß wir dieser reinen Freude nur einmal teilhaftig wurden. Szigeti spielte auch Jüdisches und Modernes. Alice Jacob-Loewenson Das 10. Symphonie-Konzert in Tel-Awiw unter Leitung von Wolfgang Friedländer (der im neunten bereits mit Werken von Beethoven, Bach und Schumann debütiert hatte) stand im Zeichen der slawischen Musik. Das interessante Programm enthielt folgende Werke: A. Bor od in: Steppenskizze aus Mittelasien; Joel Chajes:drei Melodien im slawischen Volkston; Dvorak: Serenado und Tschaikowsky: 5. Symphonie. Der Weg zur Klagemauer. Von C. Z. Kloetzel, Jerusalem, 1935. 20 S. Im Selbstverlag, Jerusalem, P.O.B. 307. Preis 30 mils (zirka 40 RPf.). Kioetzel führt in seiner kleinen Schrift den Leser vom Jaffa-Tor zur Klageinauer, durch den Bazar und das Judenviertel der Altstadt. Das Heft ist in erster Linie für den jüdischen Besucher Jerusalems bestimmt. Es wird aber in seiner Allgemeinverständlichkeit und Lebhaftigkeit der Schilderung auch vielen Lesern außerhalb Erez Israels willkommen sein und Lesestoff für die höheren Klassen jüdischer Schulen abgeben. Das Hotel Zlon, Haifa, wurde mit einem Frühstück Mitte März vom Districtscommissioner Mr. Keith-Roach im Beisein des Districtseommissioners von Jerusalem, Mr. Campbell, und seiner Frau eingeweiht. Zum ersten Male wurde ein jüdisches Hotel von Vertretern der Regierung offiziell eröffnet. Das Hotel hat Lift bis zum Dachgarten, Bar und liegt auf dem schönsten Punkt des Hadar. Am 10. März beging Frau Thekla Meinrath, die vor 25 Jahren die Ortsgruppe in Konstanz begründet hat, in Jadjur ihren 50. Geburtstag. Mit der gleichen Aufopferung, mit der sie in der Galuth zionistische Arbeit geleistet hat, ist sie seit ihrer Alijah für ihren Kibbuz tätig. -'; st-Hf. STELLENMARKT 1 ANGEBOTE 1 SMMttndNW Kontoristin a. bwmimmh htm in allen Arbeit, jung. Kraft iür Groflhsndrl per inf. fei. Off m. Gthtltiantpr. unl. C 754 an An* -Abt., Meinekestr. 10. TUchUM Kontoristin aus d«r Abzahhinjjsbraocbe m. Kurzschriftu. M»ichin«nkemitn'titn von SrSB. Teiljahlunf<sleicMft Iflr Zwickau'Sa. per ml. (tiucht. Yerkaufilalent erw. Bewerbung, mit Geiieltismpr. u. Zeuöntsabschr. unter C 757 an Anr.-Akt. Mcintltcitrafl« 10. 1— Jünger« Kontoristin —1 mit Hinz-Buchhaltung vertraut, pari, aa iiratl. Bflroarb. einschl. Korrespond. i. bald. Elntr. ges. Nur arneitslreud , onhed. lUTtrliii. 9. trlbsttnd. Krlfl«, die verantwortungsvolle Stellung« In guten Häusern, mogl. d. Textilbranche, innehatten, wollen sich mit £eugnisebichr. haadecariftl. bewarb*« unter C 7M an Anis.-Abt., Meinekeitr 10, Cebild. junges Mldehcn EnSUnderm. od. peri, engl, «pr«liend, zu 2 Kind. I8Wu. SÜJ.) Iür I.V. get. Kit. Arrthausb. übe rieb!. Angeb, ra, Bild erb. unl. 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