Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 27 (2.4.1935)
- Date
- 1935-04-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 27, 2. IV. 1935 Die Tagung des Zionistischeil Aktions-Comites Telegraphiacher Bericht Im großen Saal des Hauses der Exekutive der Jewish Agency in Jerusalem wurde, wie schon in voriger Nummer kurz gemeldet, am 28. Mär/, 10.30 Uhr vormittags, die Tagung des Zionistischen Aktions-Comites eröffnet. Der Saal - war von Mitgliedern des Aktions-Comites und der Exekutive dicht besetzt. Nach einleitenden Worten H. Farbsteins ergriff der Präsident der Zionistischen Organisation, Nahum Sokolow, das Wort, um in meisterhafter Rede zunächst der in der letzten Zeit dahingegangenen grollen Männer der jüdischen Erneuerungsbewegung, Chaim Nachman Bialiks, Leo Motz- . kins, Victor Jacobsohns, Edmund de Rothschilds u. a. zu gedenken und an die im Aktions-Coinite vertretenen zionistischen Gruppen einen eindrucksvollen Appell zur Ucberbrückung der zwischenparteilichen Gegensätze und Herstellung des innerzionistisclien Friedens zu richten. Der Vorsitzende des Jüdischen Nationalnts Palästinas, I. Ben Zwi, überbrachte der Versammlung die Grüße des Waad Leumi und des gesamten Jischuw. Ben Zwi erklärte, daß seit der letzten Tagung die Bevölkerungszahl des J i s c h u w von einer Viertel Million auf .323 000 gestiegen ist, was über 2.5 »u der Gesa m t b e v ö 1 k e r u n g Palästinas ausmacht. Er gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß das Bestreben von Stadtverwaltungen, in denen Juden und Araber gemeinsam arbeiten, die Grundlage zu einer Annäherung der beiden Volker des Landes biete. An das Aktions-Comite richtete Ben Zwi die Aufforderung, den Bedürfnissen der Knesseth Israel besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die lirfordernis.se der sozialen Arbeit seien gewallig gestiegen und obwohl der Jischuw sich mit großer Opferwilligkcit an allen an ihn herantretenden finanziellen Aufgaben beteiligt, .»den die Mittel unzureichend. Die staatlichen Beihilfen wurden erhöht werden, jedoch nicht in dem Maße, wie es den Bedürfnissen des wachsenden Jischuw entspricht. Ben Zwi wies auf die einheitliche Haltung des Jischuw in beziig auf die Ablehnung des Gesetzgebenden Rates hin und hob hervor, dali der Jischuw im l aufe des verflossenen Jahres seinen Beitrag zu den zionistischen Fonds verdoppelt hat. Donnerstag nachmittag wurde ein Antrag der revisionistischen A.-(";.-Mitglieder, die Frage der Einberufung einer Round T a b I f - K o n f c r t ii? aller zionistischen Parteien auf die Tagesordnung zu setzen, mit den Stimmen der übrigen Mitglieder abgelehnt. Diese machten dem Antrag gegenüber geltend, dali das Aktions-Comite selbst die einzige Round Table-Konferenz sei, die für die Erörterung dieser Fragen in Betracht kommt. Politische Referate Professor Brodetskv erstattete einen Bericht über die _ politische Lage. Er steiitc fest, daß innerhalb der Zionistischen Exekutive vollständige 1'eberciiisttmmung betreffend Programm und Methoden der Politik herrscht. Das Einwanderungsproblem bilde die Grundlage der Politik. Die Vertagung der Einsetzung eines Legislative Council sei beachtenswert, doch müsse das Aktions-Comite darauf aufmerksam gemacht werden, daß diese Angelegenheit keineswegs erledigt sei, sondern weiterhin noch ernste Bemühungen erfordere. Professor Brodetsky kam sodann auf die revisionistische Petition und den als Antwort darauf erfolgten Beschluß des Völkerbundsrates zu sprechen, wodurch der Zionismus schwer geschädigt worden sei. Solche Separataktionen einzelner Gruppen müßten künftig unterbleiben. Daher müsse die Frage der Organisationsdisziplin ein für alle Mal geregelt werden. Die _ allgemeine Lage beurteilte Professor Brodetskv optimistisch. Durch die zionistische Arbeit seien weitere Horizonte eröffnet worden und dies werde von Juden, Arabern und der öffentlichen Meinung Englands anerkannt. Im Hinblick auf die jetzt der Bewegung eröffneten großen Möglichkeiten sei es unbedingt notwendig, jede Störung des Fortschrittes durch unrichtige politische Aktionen zu vermeiden. Der politische Referent der i'alästina-Exekutive, Mosche Schertok oerichtefe über die in Jerusalem geleistete politische Arbeit Er wies darauf hin, daf! die Ziffern über die Ein wand ertMigsbewcgung, die jetzt dem Aktions-Comite' vorgelegt werden können, sich von denjenigen des vorigen Jahres wesentlich unterscheiden. Wahrend früher die Arbeitereinwanderung •gleichbleibend war, sei sie jetzt im Steigen begriffen. Damit werde das Märchen, die Regierung habe der jüdischen Einwanderung unabänderliche Grenzen gesetzt, zerstört und die _ Politik der Exekutive gerechtfertigt. Doch sei der Arbfitcrmangcl weiterhin akut, was eine große Gefahr bilde. Deshalb müßten die Bemühungen, eine Verstärkung der Arbeitereinwanderung herbei/iiführen, fortgesetzt werden. Das Bodenprohicm nehme an Schärfe zu; und zwar nicht nur infolge der in der Bodenspekulation liegenden Gefahren, der Feindseligkeit in arabischen Kreisen und der Drohungen mit gesetzlichen Beschränkungen des Bodenkaufs, sondern auch infolge der natürlichen Begrenztheit der Bodenvorräte. Deshalb seien große konstruktive Projekte erforderlich, die Raum für jüdische Siedhing in bisher unerschlossenen Gebieten hei Wahrung der Interessen der vorhandenen arabischen Landbevölkerung schaffen. Die Regierungstimmederlnangriffnahmesolc h e r S i e d 1 u n g s a k t i o n e n grundsätzlich zu, die Möglichkeiten der Verwirklichung dieser Pläne aber seien von der finanziellen Leistungsfähigkeit der Bewegung abhängig. Die Möglichkeit einer Ansiedlung in Transjordanicn werde von der Exekutive fest im Auge behalten, ebenso wie dies jahrelang in bezug auf das Hule- Gebiet der Fall war. Der Jordan sei schmal, aber tief genug, daß diejenigen in ihm ertrinken können, die ihn zu überspringen versuchen. Deshalb müsse man erst Brücken bauen und unermüdlich und geduldig arbeiten. Die wachsende wirtschaftliche Bedeutung Palästinas, die die Folge der jüdischen Anstrengungen ist und dem gesamten Mittleren Osten zugute kommt, sei ein Faktor, der neue Wege zur Behandlung der Araber f r a g c und zur Untermauerung der Beziehungen zu England eröffnet. Das Ziel dieser Bemühungen müsse es sein, die jüdischen, englischen und arabischen Interessen in Einklang miteinander zu bringen. Die vermehrten Möglichkeiten auf wirtschaftlichem Gebiet, fuhr Schertok fort, und politische Erfolge hätten mächtige Aufbauinstrumentc in der Hand der Jewish Agency zur Voraussetzung. Ein Mittel hierzu sei die von der Jewish Agency bei der Lloyds Bank aufgenommene große Anleihe Der Erfolg der politischen Aktion der Jewish Agency hinge von der Fähigkeit ab, die neugewonnenen Möglich« keiten auszunutzen. Die Zukunft des Palästinawerks hange von der Festigkeit des Baues ab, der jetzt auf dem über dem Fundament der anerkannten Rechte des jüdischen Volkes bereits errichteten Grundmauern aufgeführt wird- Die Das Gutachten Fleischhauers „Nicht der Zionistenkongrefi, sondern ein ,Freimaurerkongrefi' habe die Protokolle beschlossen" In der an anderer Stelle dieses Blattes angezeigten Juden- Nummer des „Westdeutschen Beobachters", Köln, ist auch ein Artikel von Dr. Franz Josef Richter unter der Ueberschrift: „Die Protokolle der Weisen von Zion" veröffentlicht. Dieser Artikel ist darum sehr interessant, weil der Verfasser offenbar genau informiert ist über das Gutachten, das der im B e r n e r Prozeß von dem Beklagten geführten Sachverständigen, Oberstleutnant a. D. Fleischhauer aus Erfurt, dem Gericht erstattet hat. Das Outachten wurde am 15. Januar abgegeben, aber noch nicht veröffentlicht und wird wahrscheinlich erst in der Gerichtsverhandlung, die für den 29. April angesetzt ist, bekaunt werden. Der Verfasser resümiert die Stellungnahme der jüdischen Prozeßpartei, die die Echtheit der „Protokolle" bestreitet und dieses Buch als Schundliteratur im Sinne des Berner Gesetzes erklärt wissen will, wie folgt: „Nach Dchnuptung iler Klager seien die Protokolle von Organen der rtis.wlKü GclM'iin|>olizet behufs Schulung des Judenhasses verfaßt worden, wobei man -ich einerseits des 1864 in Brüssel erschienenen Buche* öe.s Rechtsanwalts Maurice Joly „Dialogue aus enfers entre Machiavel et Montesquieu" (Gespräche in der Unterwelt zwischen Machiaveil und Montesquieu), anderseits der bekannten Friedhofsszcoc aus dein 1868 erschienenen Romane „Hiarritz" des deutschen Schriftstellers Sir John Rctcliffc (Fclermimc dir Hermann Grcdsche) als Tnterlagcn bedient hätte. Mit dem Zionismus Herz!? stünden sie in keinerlei Beziehung, und sie hätten unbemtwlrre keinen Beratungsgegeiwtand Heu ersten Zionistenkonpresses in Basel 1897 gebildet, was bisher stets behauptet worden sei." Zu dieser These äußert sich nun der Experte Fleischhauer nach den Mitteilungen von Dr. Richter nachstehend: „Vor allem stellt das Out achten, das den vollen Text der Protokolle und die Gegenüberstellung der betreffenden Stellen der Dialoge enthält, endgültig fest, dali der I'rotokoliverfasscr den veitaus überwiegenden Teil seiner Ausfüllungen den Dialogen J o 1 y s e ii t n o in ni e n hat, dagegen den Roman „Hiarritz" in keiner Beziehung benutzte. Letztere Feststellung ist gegenüber den Befürchtungen des Gutachters Loosü und der jüdischen Zeugen von Ix-sonderer Bedeutung. Ein eingehender Vergleich der Dialoge mit der Rabhinerrede des Romans ergab nämlich, daß bereits Joly im Jahre 1864. also vier Jahre vor Oiedschc, den gleichen Text wie nach ihm Grcdsche zur Hand gehabt haben mußte, da Jolys Buch eine Reihe von Gedanken, die die Rabbitierrede entwickelte, enthält. Damit Usläiigle sich die bisherige Vermutung, daß schon früher in Rußland ein geheimes Welthet i "chaftsprogramm unter den jüdischen Führern im Umlauf stand. Dieses auf irgendwelchen Wegen nach dem Westen gekommene Dokument benutzte zuerst Joly und nach ihm Gredsche. Der JudenMiimmling und Freimaurer Joly hat somit auf dem Rahbinerprograinm aufgebaut, und nur weil die Protokolle selbst wieder eine UmaiIxitung der Dialoge sind, finden wir Gedanken des Rabbinc rprogrutums auch in den I'totokollen. Fleischhauers Behauptung, daß aus dem Programm kein einziger Gedanke in die Protokolle direkt überging, als nur auf den» Umwege über Joly, wird insbesondere durch die auffallende Tatsache gestützt, daß alle Ausführungen des Programms, die Joly nicht benutzt hatte, auch in den Protokollen nicht enthalten sind. Ebenso gehingen ist der Beweis, daß die Protokolle auf dem ersten Zionlstenkongreß nicht beschlossen wurden, sondern tu f einem gleich zeitig stattgefun denen Freimaurerkongreß, und zwar des jüdischen Hnai-Tirist -Ordens. Diese En'.dtckiing ist riet» in Polen lebenden pensionierten Staatsanwalt Noskowicz zu verdanken, der dem Sachverständigen von du; Acußcrungen eines Rabbiner-Stellvertreters R. Fleischniann in Skoki aus dem Jahre 1900 Mitteilung machte. Fleischniann war von seinem Oberrabbiner Dr. Veitchenfeld, der Fleisrhmanns Braut mißbraucht hatte, schwer beleidigt worden und hat hierauf dem Noskowiez das (icheininis preisgegeben, daß alle Zionistenkongresse doppelt geführt werdein und daß die Protokolle ein echtes jüdisches Programm seien. Nun war der Gordische Knoten durchschnitten. Ks konnte aus jüdischen Schriften festgestellt, werden, daß llerzl selbst in seinen Tagebüchern (I S. 595) achrieb, daß der Basler Kongreß eja öffentlicher und ein vertrauliciier sein werde, daß nach einer Korre. spondenz des in Budapest 1920 beschlagnahmten Bogenmateiul, eben für das Jahr 1897 auch ein Buai UrU»-Kongreß einberufen war, daß laut Sitzungsbericht des in Basel 1899 abgehaltenen dritten Zitmisteiikorigresses damals auch eine Besprechung der anwesenden Präsidenten de* Bnai-Brist-Ordens stattfand und daß nach einem Buche des Freimaurers Dr. Marctzki auch während des sechsten Zionistenkongresses in Basel 1903 eine besondere Sitzung der Bnai. Brist-Briider abgehalten wurde. Damit waren die Mitteilungen dea Fleischniann l>estätigt. Aber noch mehr: nun konnte auch die Bedeutung der Unier. schriftsklausel, die unter der ersten französischen Abschrift der Fmtokolle Mand, richtig bewertet werden. Sie lautete nach der ersten russischen Protokollauiga!>e des Schriftstellers G. Butmi aas dem Jahre 1901: .Enterzeichnet von den Repräsentanten Zions des 33. Giade.-.', wobei Butmi ausdrücklich betont: .Nicht zu verwechseln mit den Vertretern des Zionismus.' Es wurde »mit 1897 ebenso wie später 1899 und 1903 ein Doppelkoiigreß abgehalten, ein öffentlicher Kongreß der ZionUtcn und ein geheimer Kongreß der Freimaurer. Dieser letztere Kongicli hat die Protokolle beschlossen, denn .sie wurden von Ilochfreiinauicra des 33. Grades unterfertigt. Die Behauptung der jüdischen Zeugen vor dein Berner Gericht, daß die Protokolle auf dem Zionistcukotigrcß nicht zur Beratung standen, war somit w a h r, aber in echt r a b b u. listisch et Art verschwiegen sie, daß ein zweiter Parallelkongu Ii stattgefunden hatte. Danach wurden sie infolge Unkenntnis de« Gerichtes nicht gefragt, und daher haben sie wohlweislich nicht davon gesprochen." Diese, den jüdischen Leser als märchenhafte Phan. tasten anmutenden Darlegungen werden noch ergänzt durch folgende weiteren Behauptungen: „Das Dokument selbst wurde, wie nicht mehr widerlegt werde; kann, in dem von dem jüdischen Politiker Achad llaam in Od . gegründeten und freimaurisch organisierten Geheimorden den Benc Mosche, d. L der Söhne M o s i s, ausgearbeitet, wobei die .Mit. arbeiter das in Freimaurerkreisen bekannte und hierfür vorzügli-:, geeignete Buch des Freimaurers Joly benutzten. Die Protokolle stell,n sich als eine Art Skripten der Vorlesungen dieser Verschwörer-}]<kIi. schulen dar. Damit erklärt sich der Aufbau in Form von Sitzung;. Protokollen. Auch das Dunkel über die Anwesenheit Achad II a a m s in Basel 1897 ist nuntnelir gelichtet. Kr kam nach Basel, obwohl er als erbitterter Feind llerzls am Zionistcnkongreß aktiv nicht te.l. nahm. Der Zweck seiner Reise war vielmehr die Teilnahme atn Freimaurerkongreß, dem er die Arlxdt seines Gcheimorderis als Gegengewicht zu dem von ihm bekämpften zionLsiisclicn Programm vorlegte." Jeder Kenner Achad Haams und der von diesem im Jahre 1914 veröffentlichten Dokumente des Ordens „B n e Mosche" (der sich die Bekämpfung der durch Bodenspekulation in Palästina eingerissenen Mißstände, sowie die Durchsetzung eines „ethischen Gemeinsinns im Kampf gegen den Satan des Egoismus" zum Ziele gesetzt hat) wird sich bei der oben zitierten Darlegung fragen müssen, wie es überhaupt möglich ist, da« derartige Konstruktionen zustande kommen. Hinzu kommt aber, dah Achad Haam bekanntlich im Jahre 1922 eine Beleidigungsklage gegen den Grafen Reventlow vor einem Berliner Gericht erhoben hat, die damit endete, daß Graf Reventlow seine gegen Achad Haam gerichteten Anschuldigungen zurückzog. Im übrigen handelt es sich um ein schwebendes Gerichts, verfahren, und wir wollen daher weitere Darlegungen vorderhand zurückstellen. Einige Zeitungen haben dieser Tag« wieder den Aufruf des „Internationalen Komitees zur Wahrung arischer Interessen" abgedruckt, der um Geldspenden zur finanziellen Unterstützung der Berner Prozeßführung bittet. Jewish Agency müsse in der Lage sein, für die Festigkeit des Baues die Verantwortung übernehmen zu können. Sonst müsse es zu Verantwortungslosigkeit auf allen Gebieten, und damit zu einem Chaos kommen. Hauptziel der politischen Arbeit sei die Gewinnung von Land, die Errichtung einer möglichst umfangreichen landwirtschaftlichen Siedhing und die Vermehrung der jüdischen Arbeitskräfte. Es folgte das Referat von Henrietta Szold über Kinder-AHjah (siehe 1. Seite). Dr. Ruppin gab eine Uebersicht der großen Leistungen nationaler Siedlungstätigkeit, insbesondere derjenigen der Arbeiterschaft. Er wies darauf hin, daß alle Siedlungen des Keren Hajessod im vergangenen Jahr einen Gewinn abgeworfen haben, was die beste Antwort an die früheren Kritiker sei. Dr. Ruppin sprach von der Schaffung von Wasscrbohrgescllschaften durch die Exekutive und den Keren Hajessod, sowie über die Körperschaft für landwirtschaftliche Ansiedlung, und berichtete über die Ansiedlung deutscher Juden, von denen bisher 20 000 nach Palästina gekommen seien. Di« Einwanderung In der Abendsitzung referierte Grün bäum über Einwanderung. In den Monaten Januar- April 1933 seien 7000 Juden nach Palästina gekommen; im Jahre 1934 sei die Zahl für dieselben Monate auf 9000 gestiegen; 1935 seien 14 000 eingewandert. Die Arbeitereinwandrrung bestehe aus 22000 Personen, d. h. 52 Prozent der GrsamteinWanderung von 42 000 im Jahre 1934. Grünbaum wies auf die Notwendigkeit größerer Anstrengungen hin, um die Arbeitereinwandentng zu erhöhen. Er sprach von den schweren Bedingungen, unter denen die auf Hachse harah befindlichen C h a i ti i i m lebten und kündigte au, daß die Exekutive Vorschläge erwäge, die diesem Uebel abhelfen sollen. In bezug auf die Wahl geeigneter Kandidaten für Einwanderung sei mit Industriellen eine Vereinbarung getroffen worden. Was die Zertifikate, die der ßauernvercinigung zur Verfügung gestellt worden sind, betreffe, so sei dies ein Versuch, der nur wiederholt werden werde, falls er befriedigend ausfalle. Grünbaum übte schärfste Kritik an Parteien, die die Möglichkeiten der Beeinflussung der Immigrantenauswahl für ihre Zwecke mißbrauchten und kündigte namens der Exekutive entschlossene Maßnahmen gegen jede Form der Exploitation der Einwanderung an. Günstiger Finanzbericht In seinem Bericht über die wirtschaftliche und finsmaeTle Tätigkeit der Agency sagte Kaplan, daß das Einkommen des Keren Hajessod im Jahre 5694 die Ziffer von 5693 mit £ 34000 überstiegen habe. Die Anleihe habe den Weg zum internationalen Geldmarkt geebnet. Die kurzfristigen Verpflichtungen der Exekutive seien von £ 571000 im vorigen lahre auf £ 61 000 gesunken, da es viele Kreditoren gebe, d i c keine Zahlung vor Verfallsdatum annehmen wollten. Die Hälfte des vorjährigen Budgets sei für Schuld- Zahlung verwendet worden; in diesem Jahre seien nur ~ ' des Budgets diesem Zweck zugeführt worden. Von dem Gesamtbetrag von £ 320 000 seien zwei Drittel wirtschaftliche Investitionen, insbesondere neue Ansiedlung von 80 000 Siedlern, darunter 15 000 Mittelständlern. Die Agency sei bemüht, in Palästina die Planwirtschaft einzuführen; ein Komitee sei jetzt mit der Ausarbeitung eines Planes für die nächsten fünf Jahre beschäftigt. Die Agency sei sofort bereit, £ 25 000 für die Schaffung einer Industriebank, die Finanzierung von größeren und mittleren Unternehmen, Gemeinschaften und anderen Idementen zu investieren, ferner £ 25 000 für eine Landwirtschaftliche Bank zur Unterstützung von Bauern, die jüdische Arbeiter beschäftigen. Die Agency werde der Palestine Land Development Company bei der Erhöhung ihres Kapitals um weitere £ 150 000, sowie dem Keren Kajemeth bei der Gründung neuer großer Unternehmungen, die zu entstehen beginnen, behilflich sein. Den Abschluß der Sitzung bildete das Organisationsreferat Berl Lockers, der sich mit den innerzionistischen Parteiverhältnirsen auseinandersetzte und die Forderung nach strengster Wahrung der Organisationsdis/iplin aufstellte. Dem Vorschlag Jabotinskys, eine Föderation zionistischer Parteien zu schaffen, lehnte der Redner ab. Die Disziplinklausel, die jetzt in den Text der Schekelformulare aufgenommen wurde, stelle keine Neuerung dar, sondern sei einfach das Ergebnis der Beschlüsse des Kongresses. Itn Anschluß an die Referate wurde Frcitagvormittag die Generaldebatte eröffnet. In der Generaldebatte wurden, nach den vorliegenden Berichten, zunächst die O r g a n is a t i o n s f r a g c n " ' sprochen, wobei die einzelnen Parteien ihren Standpunkt y1»* trugen. Als erster Redner sprach der Vorsitzende des «»' Verbandes der Allgemeinen Zionisten, Dr. Schwarz bar Es folgten Schapiro (Poale-Misrachi), B e n c h o r i n 0<evisioniit), Remez (Arbeiterpartei), Reiss (Arbeiterpartei;- Hauptachrlftteitert Dr. Robert Welt «eh, Berlin-Charlottenburg «• Stellvertretert Kurt Loe wentteln, Berlin W IS. Anzeigen!*"«^0 und verantwortlich für den Anzeigenteil: Helene Chanel ■>*' Berlin N 64. Verlag and Anzeigeorerwsltung: Jüdische Kund«-^- G.m.b.H., Berlin W15, Meinekestr. 10. D.-A. März 1935: 33»«* Druckt Siegfried Scbolcpi, Berlk-Sehöneberg. *