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Jüdische Rundschau · 1935-04-02 · Heft 27 (2.4.1935) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 27 (2.4.1935)
Date
1935-04-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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/ Hr. tl f Jahrgang 40 Preis 25 RpL JUDISCHE RUNDSCHAU f^rlftleltnng.V.rl«» a. Ansalgmvarwaltiingi BerllnWlS, Mclnakaltr.!• F«nniI:S«mmel-Nr.HBinn«rck 3181/82,7165/70,7240/42. - Beiiipiprei» je Moni RM 2.-, ie Vierteljahr RM 5,75. - Pcmuscheck - Konten der Vertriebs-Abteilung: Berlin 71573 (Kir GroK - Berlin), Berlin 17392 (lür daa übrige Reich). Auslandtbetae i" jeweiliger Landeswährung. - Etachelnt Jadaa Dienataf and Freitag. BERLIN n*snn '3 no DIENSTAG, 2. APRIL 1935 Anx*lff»nprelallst« Nr. 2 ff&lHg. Die Hgesp, mm-Zeile 20 Rpf, für Stellengeal 10 Rpf, für Familiennachrichten 15 Rpl. Einzelanxeigen nur gegen Vorauszahlung ata Schalter oder auf Post schock-Konto Berlin 71618 Montag bin Donnerstag 9 -18 Uhr, Freitag 9 "-16 Uhr. AnnahmeschluÄ Kir die Dienstag -Auagabe Montag 10 Uhr, Ria die Freitag -Ausgabe Mittwoch 13 Uhr (Familienanz eigen bis Donnerstag 10 Unr) Der Zionismus erstrebt fdr das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Helmstatte In Palästina. (Baseler Programm) Kinder in neuer Heimat Vor 50 Jahren und heute In dem Bericht über die Sitzung des Zionistischen Aktions« Comites in Jerusalem wird eine bemerkenswerte Episode geschildert, die Anlaß gibt, sich mit einer Sache und mit einer Person zu befassen. Im Rahmen der Berichte der Exekutive über die An- Siedlung deutscher Juden in Palästina sprach Miß Henrietta .Szold über die Verpflanzung jüdischer Jugendlicher aus Deutschland nach Palästina. Von starkem Applaus begrüßt, führte sie aus, daß 850 Kinder aus Deutschland, die bisher Ins Land gekommen seien, durch die Bemühungen der Stelle für Ansiedlung deutscher Juden insbesondere in Kibbuzlm untergebracht worden seien. Weitere 1500 Kinder werden erwartet. Henrietta Szold erklärte, diese Tätigkeit sei die schönst e, der sie sich in den 50 Jahren ihrer Arbeit für soziale Fürsorge gewidmet hätte. Vor 50 Jahren habe sie im New-Yorker Hafen die russischjüdischen Flüchtlinge nach dem Pogrom In Jekaterinoslav begrüßt; damals habe die amerikanische Judenheit 250 000 Seelen gezählt, wie Palästina im Jahre 1933. Jetzt heiße sie wieder Flüchtlinge willkommen, diesmal aber in der jüdischen Heimat. Die amerikanische Judenheit sei in den 50 Jahren auf 5 Millionen angewachsen; ebenso möge Palästinas Judenheit wachsen. Die Worte der Rednerin riefen tiefe Bewegung fiervor, die Versammlung erhob sich und jubelte ihr zu. Dr. Mossinson, der den Vorsitz führte, drückte den Wunsch aus, Henrietta Szold möge noch viele lange Jahre produktiver Tätigkeit vor sich haben. Es gibt Momente, wo ein Wort herzbewegend sein kann. Diese Rede scheint in der Tat solche Wirkung gehabt und verdient zu haben. Fünfzig Jahre jüdischer Geschichte, und zugleich die Leistung eines Menschenlebens! Was sind wir Juden für ein Volk, und was für Menschen haben wir unter uns! Denn auch darauf darf ein Volk stolz sein, Miß Szold (Sz ss im deutschen Wort „Wasser", nicht „sch", denn die Familie ist ungarischer, nicht polnischer Herkunft), heute eine Frau von 74 Jahren, hat ihr ganzes Leben der sozialen Arbeit im Dienst ihres Volkes gewidmet. Als junges Mädchen organisierte sie in Amerika die Hilfsaktion für die ersten russisch-jüdischen Einwanderer nach 1882. Aber sie erkannte, daß das Judenelend keine gewöhnliche soziale Not ist und nicht mit philanthropischen Mitteln bekämpft werden kann; die tieferen Zusammenhänge hat der Zionismus aufgedeckt. Henrietta Szold ist eine Führerin der zionistischen Frauenbewegung Amerikas und überhaupt des amerikanischen Zionismus geworden. Die Frauenorganisation „Hadassa" ist ihre Schöpfung, und diese Organisation hat nach dem Weltkrieg in Palästina das große medizinische Werk aufgebaut, das mit ihrem Namen verknüpft ist. Sie hat sich dann in Palästina zuerst als Mitglied der Exekutive der Jewish Agcncy (bis 1930), dann im Auftrag des Waad Leumi, der sozialen Fürsorge, dem Gesundheitswesen und Erzichungswesen gewidmet. Der Jugend galt ihre Sorge und Tat. Palästina braucht Persönlichkeiten von großer organisatorischer Erfahrung, weitem Horizont und echter ethischer und geistiger Bildung, Jenseits aller Politik verlangt das L e - ben nach Gestaltung, und die Gefahr eines primitiven Nationalismus darf nicht unterschätzt werden. Diese Frau von unbeugsamem Charakter, edler Menschlichkeit, tiefer Religiosität und echter Menschenliebe ist auch die Vertreterin eines geläuterten Nationalismus, der mit tiefer Humanität erfüllt ist. Nun steht sie wieder vor einer großartigen Aufgabe. Sie befreut die Verpflanzung jüdischer Jugend aus Deutschland nach Palästina. Es war sicherlich ein ungewöhnlicher Moment, als Miß Szold von dieser Arbeit sprach; alle Parteidifferenzen und Meinungsverschiedenheiten im zionistischen Lager traten zurück hinter der gemeinsamen Huldigung für einen Menschen und' seift Werk. 850 Kftider wurden bereits nach Palästina verpflanzt, 1500 sollen demnächst folgen. Es ist eine Tatsache, die die einschneidende Wandlung unserer jüdischen Situation so recht zum Bewußtsein bringt. Wir sind gewöhnt, die Schattenseiten des heutigen jüdischen Lebens zu empfinden. Aber es gibt eine Hoffnung! Aus unserer Krise wird neues Leben. Ein Werk, geleitet von einer um das jüdische Volk hochverdienten Frau, heilt Wunden« Große Perspektiven eröffnen sich für die Zukunft. Darum glauben wir, daß es am Platze ist, auch an dieser Stelle den Bericht über dieses Werk mit Dank für Henrietta Szold zu quittieren. Die Maitnonides - Feiern in Cordoba Prof. Baumgardt an der Teilnahme verhindert Im Rahmen der Maimonides-Feierlichkeiten in Cordoba hielt Grand Rabbin Julien W e i 11 aus Paris a n Stelle Professor David Baumgardts aus Berlin, der verhindert war, an der Feier teil zu« nehnien, den Hauptvortrag über die spanisch-jüdische Epoche. Der dritte und vierte Tag der Festwoche waren der Würdigung der philosophischen und medizinischen Bedeutung Hainhams gewidmet. Professor Jose üaos von der Universität Madrid hielt das Hauptrefcrat in der Philosophenkonferenz am Mittwoch über die jüdische Auffassung der aristotelischen Philosophie bei Maitnonides. Am folgenden Tage sprach Prof. Jose Goyanes über Maitnonides als Arzt. Zum ersten Male seit 60Ü Jahren fand am 29. März fn der historischen Synagoge von Cordoba, die jetzt zum Natio- «»Idenkmal erklärt wurde, ein Freitagabend-Gottesdienst statt. Die Leitung wurde dem Pariser Oberrabbiner Julien Weill übertragen. Oberrabbiner Weill führte in seiner Freitag-Abendpredigt aus, Gott habe immer wieder neue Wunder für Israel geschehen lassen. Wir seien heute Zeugen eines Wunders, das auf Moses Maitnonides zurückzuführen ist, wie die Wunder der biblischen Zeit auf den ersten Moses. Einst, als die Juden aus Cordoba vertrieben wurden, hätten die «ahbiner befohlen, daß Musik gemacht werde, damit sie das Weinen und Klagen der Menge übertöne. Heute würden ",e Juden an derselben Stelle mit Musik empfangen und die Tränen, die heute in Cordoba vergossen werden, seien Freudentränen. Am Schluß des Gottesdienstes sangen dl« Teilnehmer die Hatikwah. Das Festkomitee veranstaltete für die offiziellen Gäste f!n Bankett, an dem auch der Zivilgouverneur und der Bürgermeister teilnahmen. Der Vorsitzende versicherte, daß ,ur die Einhaltung der rituellai Speisegesetze streng« Sorge ««ragen wurde. Der jugoslawische Oberrabbincr Senator Dr. Isaac Altlay brachte den Dank der Fcstteilnehmer an Panien für den ihnen zuteil gewordenen unvergeßlichen '-upfang zum Ausdruck und übermittelte dem spanischen •Olk lirwl An — «• ~t« Dn/.ina'iiHiv Aln f~\ •-■"« R Aar- I«i^1a*M. Höf lichkcitsakt, sondern der Ausdruck aufrichtiger Sympathie für Israel. Schließlich sprach der Gouverneur seine Genugtuung darüber aus, daß es ihm vergönnt sei, in dieser Zeit sein Amt auszuüben, da Spanien ein freies friedliches Land ist. Im Zeichen des Friedens entbiete er i m Namen Spaniens aer Judenheit der Welt seine Grüße. Stadtpräsidcnt Zamora und Ministerpräsident Lerroux, die ursprünglich zur Schlußsitzung der Feier kommen wollten, konnten wegen der Regierungskrise nicht erscheinen uno. sandten herzlich gehaltene Telegramme. Es wurden Grußbotschaften aus allen Teilen der Welt verlesen, darunter von Lloyd George und Sven H e d i n. Nach der Feier statteten die Delegierten der jüdischen Verbände den spanischen Behörden offizielle Abschiedsbesuche ab. (Siehe auch Seite 8) }j0lk und der spanischen Regierung die Grüße der JudenyiX des jugoslawischen Senats und des jugoslawischen Volkes, -um Schluß brachte er einen Toast auf den spanischen •Jaatspräsidenten aus. Auf die Ansprache Dr. Alkalays antwortete der Zivilgouverneur von Cordoba. Nach einigen weiteren Reden sprach der Bürgermeister r°n Cordoba. Er versicherte, die den jüdischen Gästen in Panien erwiesene Gastfreundschaft sei nicht ein bloßer John Buchaus neuer Posten Der schottische Schriftsteller und Abgeordnete Col. John B u c h a n ist zum Gcneralgouverneur von Kanada als Nachfolger des Earl of Bcssborough ernannt worden. Buchau ist Vorsitzender des Pro Palästina-Komitees im englischen Parlament. Auf einem vor einigen Monaten von der Jewish Agcncy zu Ehren der Freunde des jüdischen Palästina im englischen Parlament veranstalteten Bankett bezeichnete John Buchau es als die Aufgabe der Parlamentarier, des feierlichen Versprechens eingedenk zu bleiben, das England den Juden gegeben hat, und gleichzeitig der englischen Ocffentlichkcit und der Welt die hohe Bedeutung des zionistischen Ideals klarzumachen. Die schottische Rasse, erklärte John Buchau bei einer anderen Gelegenheit, habe vielerlei Beziehungen zur jüdischen und stehe den jüdischen Aspirationen mit großer Sympathie gegenüber. Der Zionismus bedeute einen großen Akt der Gerechtigkeit und Wiedergutmachung für Jahrhunderte der Grausamkeit und des Unrechts. Der Antisemitismus in Lodz Warschau, 27. März. (JTA.) In dem von einer nationaldemokratischcn antisemitischen Mehrheit beherrschten Stadtrat von Lodz stellte der Berichterstatter der Etatskommission den Antrag, alle städtischen Beihilfen für jüdische Wohlfahrtscinrichtungen und Hilfsorganisationen zu streichen, da die Juden in Polen bloß Gäste seien und keinen Anspruch auf öffentliche Beihilfen hätten. Hiergegen erhob der Regierungskommissar Einspruch und netontc, daß die jüdischen Hilfsorganisationen, die Hervorragendes auf dem Gebiet der öffentlichen Wohlfahrt leisten, Anspruch darauf haben, durch öffentliche Mittel unterstützt zu werden. Die Judetmummer des „Westdeutschen Beobachters" Der „Westdeutsche Beobachter-' hat, wie schon kurz ge« meldet, eine Sonderbcilage „Der Jude in Staat, Wirt* schaft und Kultur" herausgegeben. Die umfangreiche Sondernummer, die bereits seit langem angekündigt worden war, will, wie die Hauptschriftlcitung bemerkt, „unabhängig vom Tageskampf____in sachlicher Darlegung unseren Volksgenossen Material in die Hand geben, wenn jetzt wieder verstärkt die Frage auftaucht: Was habt ihr eigentlich gegen die Juden? Was wir gegen die Juden haben, welche Rechnung das deutsche Volk Israel zu präsentieren hat und welche unüberbrückbare Scheidewand die Natur zwischen deutsch und jüdisch setzte, will der „Westdeutsche Beobachter" heutezusammenfassend aufzeigen." Gauleiter U r o Ii e; sehreiht in einem Geleitwort u. a.r „Der Antisemitismus steckt den arischen Menschen ihrer Natur entsprechend so im Blute, wie umgekehrt der Jude aus seinem blutsmäßig bestimmten Innern heraus alles Arische ablehnt, haßt und mit allen .Mitteln zu vernichten bestrebt ist. Das sind Gesetze der Natur, an denen die Menschen nichts ändern können. Aus dem Wesen des Judentums heraus erklärt sich dessen grimmiger Haß «egen das deutsche Volk» der sieh zu allen Zeiten zeigte,' im Weltkrieg sich besonders! übel betätigte, nach dem Kriege unsere Jugend demoralisierte, die Wirtschaft korrumpierte, jedes religiöse Gefühl verhöhnte und auszurotten versuchte. Daß das Judentum dem im Zeichen des Hakenkreuzes begonnenen Wiederaufstieg Deutschlands Schwierigkeiten auf Schwierigkeiten bereitet, einen Verleumdungs- und Bovkottfeldzug nie dagewesenen Ausmaßes organisierte, wurde zur jüngsten Bestätigung dieses immerwährenden Kampfes des Judentums gegen die deutsche Nation. Der nationalsozialistische Staat ist mit dem Judentum humaner verfahren, a I s' c s umgekehrt das Judentum je m a Is zu tun i in stau d e w ä r e. Es wurden Gesetze geschaffen, die zwar eine Zurückdrängung des judischen Einflusses mit sieh brachten, aber es sind noch nicht alle Gesetze da, die unser Volk zum Schutz gegen die jüdische Gefahr braucht. Diese Gesetze werden noch kommen. Wichtiger aber als alle Gesetzesmaßnahmen ist die unaufhörliche Erziehung unseres Volkes im Sinne seiner rassischen Eigenart und seiner Sendung unter den arischen Völkern." Hauptschriftleiter Dr. Peter Winkelnkemper schreibt über „Ariertum und Jude". Dieser wird als geborener Feind seßhaften Volkstums und völkischer Kraft bezeichnet. Aus seinem ewigen Haß gegen die sittlichen Werte des Ariertums erwachse seit Jahrhunderten die zerstörende Tätigkeit des Judentums auf allen Gebieten der nordischen Kultur und Ge« sellschaftsordnung. Der Leiter der Kommission für Wirtschaftspolitik der NSDAP., Bernhard Köhler, wendet sich gegen die übermächtigen Einflüsse der Wirtschaft auf die Politik, die aus jüdisch-materialistischem Geist herstamme. Graf E. Reventlow gibt Erinnerungen aus der antisemitischen Bewegung der 70er Jahre wieder. Weitere Aufsatze behandeln die Juden als Beherrscher des Goldes und die Beziehungen von Juden zum Marxismus und zur Arbeiterbewegung. „Ohne Judentum kein Marxismus!" - schreiht 1 lauptschriftleiter Martin Sch wa ehe — „ohne Judentum keine Revolte von 1918, kein Schmachfrieden von Versailles, kein Niedergang des deutschen Volkes bis zum Rand des Abgrundes, keine Verelendung von Millionen deutscher Familien — ohne Juda hätte das Meer von Tränen, hätte das Blut unserer besten Söhne und Väter nicht zu fließen brauchen! Jnela ist der Todfeind, dessen verruchter Geist den Bruderhaß in unser Volk getragen hat. Wer wissen will, ob es richtig ist. daß wir die Rasse ablehnen und damit jeden Einzelnen bekämpfen, der schaue zurück auf 14 Jahre marxistischer Herrschaft! Der erkenne endlich, daß Marxismus und Judentum dasselbe bedeuten! Daß ohne Judentum die Welt niemals diese fürchterlichste aller Plagen, schlimmer als Pest und Cholera, erlebt hätte!" Der Leiter der Bc/irkswirtsclialtskammer Rheinland. Freiherr von Schröder, schreibt über die deutsche Börse: „Anonymes hebräisches Industriekapital", „Jüdische Geschaftsmethoden", „Totengräber des Mittelstandes" sind die Themen weiterer Artikel. Die Frage „Jüdisches Warenhaus oder deutscher Einzelhandel" behandelt Wirtschaftsschriftleitcr Leo Schäfer. „Gegen die verderblichen Einflüsse jüdischen Kapitalismus' auf das Bauerntum" «endet sich Landcsbaucrnführcr Freiherr von Eltz-Rübenach. Mit der Stellung der Juden in der Kultur, in Musik und Sport und im deutschen Volks«eseu beschäftigen sich weitere Aufsätze. Stimmen des Auslandes zur Judenfrage werden sodann zitiert. Die „P r o t o k o I I e d c r Weisen von Z i o n" bespricht ein Aufsatz, auf den wir an anderer Stelle noch zurückkommen. Unter der Ueherschrift „So sehen die Juden aus" werden Beispiele aus der Tätigkeit von Juden im Gau Köln-Aachen gegeben. Eine Annoncen-Beilage erscheint unter dem Titel „Judenfreie Wirtschaft". Eine Beilage „Das Kölner Handwerk" gibt ein Verzeichnis arischer Handwerksmeister, nach Stadtteilen geordnet und innerhalb der Stadtteile nach Geschäftszweigen unterteilt. * Auf einem Appell der (iauarntsleiter und der Kreisleiter sprach, wie der „Westdeutsche Beobachter" berichtet, in Köln Gauleiter drohe. Er sagte u. a.: „Der Nationalsozialismus ist antisemitisch, weil er dem deutschen Wesen entspricht. Das Judentum bedeutet eine Gefahr für alle arischen Völker. Darum ist es sehr zu begrüßen, daß unsere Gauzeitung, der ,Westdcutsehc Beobachter', in diesen Tagen eine große Beilage herausgebracht hat, in der auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens das Judentum als Gefahr für die deutsche Volksgemeinschaft entlarvt wird." Am 29. März veröffentlicht der „Westdeutsche Beobachter" eine Berichtigung, in der eine Reihe von Handwerkern angeführt werden, die fälschlicherweise in das Handwerkerverzeichnis der Juden-Nummer aufgenommen worden waren, bzw., wie die Zeitung mitteilt, sich „durch teilweise unrichtige Angaben in dieses Verzeichnis eingeschlichen haben". Diese Firmen werden namentlich aufgeführt. Bezüglich einer dieser Firmen wird dann am nächsten Tag widerrufen, daß sie doch nicht jüdisch, sondern arisch sei.

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