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Jüdische Rundschau · 1935-03-29 · Heft 26 (29.3.1935) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 26 (29.3.1935)
Date
1935-03-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 76, 29. IH. 1935 JODISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Die geistige Stellung des Judentums in der gegenwärtigen Welt Jüdische Bildungsziele Von Arnold Metzger, Berlin I. Das neue Lernen Während seines letzten Berliner Aufenthalts hatte Martin Ruber eine kleine Anzahl von Erziehern zu „Aussprachen über die Hauptfragen der jüdischen Erwachsenenbildung" einluden. Diese Aussprachen waren in ihrer Bemühung um die Methode und den Plan jüdischer Bildungsarbeit von hohem Interesse. Darüber hinaus waren sie symptomatisch für den inneren Wandel, in dem sich das Judentum heute befindet, [las jüdische Selbstbewußtsein ist zu neuer Stärke erwacht. f:> hat begonnen, sich auf seine eigenen Werte zu konzentrieren. Jüdische Wirklichkeit, in vergangenen Jahrzehnten im Hintergrund der Aufmerksamkeit gehalten, ist in den Brennpunkt geistigen Interesses getreten. So verschieden gerichtet dieses Interesse bei den Einzelnen sein mag, darin besteht bei allen jüdischen „Richtungen" heute Einigkeit, daß es keinen Vi'cg der Bildung des jüdischen Menschen gibt, der nicht in der jüdischen Bildung sein Fundament hat. Die heute noch vielfach übliche Scheidung von allgemeiner und jüdischer Bildung ist angesichts dieser Forderung hinfällig geworden. Wie sich versteht, richtet sich diese Forderung nicht gegen den allgemeinen Unterricht, sondern darauf, daß unsere Arbeit, gleichgültig welchen Stoff sie ergreift, von dem Judentum im Menschen getragen werde: von unserer gemeinsamen, jüdischen Wirklichkeit. In der Tat, ein Hunger nach dieser Wirklichkeit, nach jüdischem Bildungs s t o f f, ein Hunger ohnegleichen des Lernens hat bei uns eingesetzt. Das ist nicht die „Erneuerung" des alten „Lernens" unserer UcberHeferung. Es ist die Neubemühung um jüdische Welt, Wieder-Kenncn-Lernen einer Tatsachenwelt, die im Verlaufe eines Jahrhunderts in Vergessenheit und Verlust geraten ist. Das ist nicht das Lernen 'mehr jener alten Generationen, die „in" der Ueberlieferung standen, denen die Gegenstände, die sie in den Talmud-Thora- Schulen traktierten, reale Gegenwart und vor allem innerer I Besitz einer noch lebendigen Tradition gewesen sind. Das ist das Lernen einer um diesen Besitz gekommenen, nunmehr I zurückkehrenden Generation. Wie sollte es auch anders sein j-ach einer Epoche, zu deren ureigensten Zielen, denen alle, I Orthodoxe wie Liberale, verfallen waren, es gehörte, das IJudentum seiner Realität zu entkleiden: nach einer Epoche, [die es verstanden hatte, an Stelle dieses realen Judentums eine [ abstrakte, von aller Konkretion im jüdischen Volke losgelöste, genannte „reine Religion" zu setzen. Am Ende dieser von | dem problematischen Glauben an „reine" Religion, „reine" Vernunft, „reine" Humanität usw. beherrschten Epoche stehen ir heute. An diesem Ende steht der Anfang unseres heutigen i lernens. Im Beginne einer neuen jüdischen Bildungsepoche, I fßchüttert von äußerer und innerer Not, kann es sich uns [nicht um Bildung in dem Sinne äuBcrcn Stoffwissens handeln. I VIns interessiert auch nicht, daß der Einzelne im Sinne des |tbcrlieferten Bildungsideals „gebildet" werde. Wohl handelt sich um den Einzelnen, aber darum, daß er durch das [ Lernen in der gemeinsamen Wirklichkeit des Volksganzen Boden nehme. Wir sind geheilt von falschen humanistischen Ambitionen. Humanistische, universelle Bildung bleibt gewiß [die höchste Aufgabe jeder Menschenbildung in allen Räumen und zu allen Zeiten — Bildung in dem Sinne, daß in dem Ein/einen die ewigen Ideen geweckt werden, die ihn teilnehmen lassen an dem Ganzen der Welt. Aber der Einzelne i;t verflochten mit der Wirklichkeit des Volkes, wo auch immer dieses Volk seinen geographischen Ort hat und welches auch immer die universalen Aufgaben sind, 'zu denen es je und je I h seiner Geschichte aufgerufen ist. Jüdisches Lernen heißt reute: zu dieser Wirklichkeit zurückkehren. Es heißt zugleich: ws dem erneuten Lernen und Wissen heraus inmitten leer gegenwärtigen Welt sich zu den ewigen Wert- und Ziellet/.ungen entscheiden, die sich, als ewig dieselben, durch die | Jahrtausende hindurch in unserer Geschichte manifestiert und bis auf den heutigen Tag durchgehalten haben. II. Der gegenwärtige, geschichtliche Ort Die Besinnung auf die verwandelte Gestalt des Lernens stellt uns vor eine Frage, die sich Lehrern und Lernenden gleich unentrinnbar aufzwingt. Welche geistige Stellung hat das Judentum inmitten der gegenwärtigen Welt? ^as bedeutet das neue Studium biblischer Texte, was das "tue Studium unserer Geschichte über die Absicht hinaus, einen Halt in jüdischer Wirklichkeit zu gewinnen? Was bedeutet es für die innere Auseinandersetzung mit der ^'clt, die uns Juden in allen Ländern erneut jetzt aufgezwungen wird? Wir leben nicht mehr im Ghetto. Wir haben nicht mehr innere Möglichkeit, dahin zurückzukehren, Wir wollen es nicht. Wir sind um die Möglichkeit gekommen, auf die Ereignisse der Welt in der Weise des alten, vormendelssohnschen Judentums zu antworten. Dieses „alte" Judentum hatte, im gründe seit Esra, immer dieselbe Antwort für das, was von außen an Heimsuchungen geschah. Es zog sich auf nine Welt zurück. Es antwortete aus seiner, der Welt Jaunen im Grunde unbedürftigen, monadisch geschlossenen <Jlatihenswelt. Hier soll nicht untersucht werden, ob wir noch der inneren Gewißheit, in der Glaubensgewißheit der "uheren Jahrhunderte sind, die den Bestand der alten, von re|if!i<iicr Autorität getragenen jüdischen Welt und des alten Gemeinwesens garantierte. Sicher ist: wir stehen in einem Radikal anderen Verhältnis zur Welt „draußen". Wir sind "itt ihr verflochten: mit der Weltgeschichte, nicht als von auHen Teilnehmende, sondern in dem Sinne, daß wir zu einem 'eile der Weltgeschichte geworden sind: der poli- Whcn und geistigen Geschichte dieser Welt. Wer wagt es J". sa!s'en, daß die Fragen, die uns heute bewegen, sei es hier, SCl es in Palästina, seien es Fragen der Wirtschaft, der Erdung, des Geistes, oder seien es selbst religiöse Fragen, in der Gestalt, in der sie sich uns darbieten, nicht in der Welt» Problematik dieser Zeit verwurzelt sind? Dem Schicksal dies e r Assimilation werden wir uns nicht mehr entziehen können. Die Tragik unserer gegenwärtigen Lage erhält von daher ihr Licht. Mit dem Eintritt in die Welt vor etwa 150 Jahren haben wir unsere nationale Tradition preisgegeben. Dieser Boden und Halt ist uns seitdem entzogen. Keine „Neoorthodoxie" kann diese geschichtliche Tatsache aufheben. Nunmehr: dem europäisch-abendländischen Denken und Sein verhaftet, sind wir in den offensichtlichen Verfall der Tradition dieses Kulturkreises hineingerissen. Die humanistisch-imiversalistischidealistische Tradition, auf deren geschichtlichem Grund Europa bis tief in das 19. Jahrhundert stand, war uns Juden der geistige Boden, auf dem unsere Aufnahme in diesen Kulturkreis geschah. Nein: auf diesem Boden geschah nicht nur unsere politische, wirtschaftliche und geistige Aufnahme als „gleichberechtigte Staatsbürger", sondern das Judentum selbst hat von sich aus auf diesem Boden seine Rechtfertigung (Apologie) innerhalb der Welt gesucht. Von Mendelssohn über Abraham Geiger bis Hermann Cohen ist da ein Weg. Dieser Boden ist uns heute ebenso entzogen. Denn die Welt, auf die das sich emanzipierende Judentum des IQ. und 20. Jahrhunderts zustrebte, die Welt des liberalen Gedankens, ist problematisch geworden. Die universalen Mä hte der Bildung (Vernunft, Humanität) verlieren ihre bislang innegehabte Position. Die partikularen Mächte (des „Blutes" oder wie auch immer sie genannt werden) nehmen mehr und mehr Besitz von dem Bewußtsein der europäischen Völker. Die alten Mittel liberaler Apologetik stoßen ins Leere. Das Judentum steht vor der Aufgabe, unentrinnbar, einen neuen geistigen Standort der Auseinandersetzung mit der Welt zu gewinnen, wenn es sich in ihr begreifen und sich der verwandelten Welt begreiflich machen will. Das Judentum hat diesen neuen Standort — nicht erst seit 1933, aber seitdem mit wacherem Bewußtsein — ergriffen. Es hat sich selbst verwandelt. Es schaut sich anders an. Es versteht sich anders als etwa in den Zeiten, in denen die Herrschaft liberaler Ideen mächtig gewesen ist. Wir sehen nicht mehr und vor allem nicht nur „a 11 g e m e i n e Ideen" oder „Symbole", nicht mehr die allgemeine „Religion aus den Quellen der Vernunft", wenn wir unser Judentum suchen. Wir suchen uns, unsere konkrete, individuelle Wirklichkeit, uns als jüdisches Volk, das seine Schriften geschaffen, seinen Weg durch die Geschichte angetreten hat und dem seine ewigen Aufgaben durch eine lange Geschichte hindurch überantwortet sind. Das Judentum ist im Begriff, sich erneut als Nation zu finden. Diese innere Verwandlung geht alle Juden an, in allen Ländern und in allen Parteien. Denn die Wiederentdeckung des Judentums als Nation, von der hier gesprochen wird, geschieht auf dem Hintergründe eines die Weltgeschichte erfüllenden Geschehens: der allgemeinen Krise des universalen liberalen Gedankens, einer Krise, von der das Judentum schicksalmäßig und geistig wie von keinem Ereignis sonst getroffen wird. Auf diesem gewonnenen und neu zu erwerbenden nationalen Standorte, als einem politischen, geistigen und menschlichen Standorte überhaupt, haben wir die Frage nach der geistigen Stellung des Judentums in der gegenwärtigen Welt zu stellen. Für die anderen Völker der Welt ist vielleicht diese Frage nicht wichtig. Sie können sich in dem Zusammenbruch des universalen Weltbildes damit abfinden, Nationen unter Nationen, Völker unter Völkern zu sein. Sie können es sich gestatten, unter Berufung auf ihre biologische Eigenart, gegen biologisch anders geartete Menscheiigriippen sich abzusondern. Wir Juden können das nicht. Wir können als Volk uns nicht von dem Blute, prinzipiell überhaupt nicht von der Natur her, verstehen. Jüdische Tradition erlaubt es uns nicht, uns so zu verstehen. Unser Wesen als Volk steht auf anderem Grunde als das aller anderen Völker. Am Anfang unserer Geschichte steht die s i n a i t i s c h e O f f e n b a r u u g. Unsere Aufgaben durch die Geschichte hindurch bis auf den heutigen Tag sind von d a h e r bestimmt. Verantwortung in unseren Handlungen ist uns von daher auferlegt, im Verhältnis zueinander, im wirtschaftlichen und sozialen Aufbau Palästinas stehen wir nicht weniger in dieser Verantwortung als im Verhältnis zu den anderen Völkern. Wir sind mit den Völkern der Erde verbunden auch da und gerade da, wo wir uns als Nation bekennen, verbunden nicht nur in dem Sinne, daß wir in das geschichtliche Schicksal der Völker, in deren Mitte wir leben, verflochten sind, sondern in dem israelitischen Sinne, daß wir an die Verbundenheit und Einheit der Volker als einer kommenden und zu verwirklichenden Gottesgemeinde glauben. Es ist keine jüdische Wirklichkeit denkbar, in der die Einheit von Nationalem und Universalem, von Volk und erwarteter Völkergemeinde, je aus dem Zentrum jüdischer Existenz ausschaltbar wäre. Es gibt keine jüdische Wirklichkeit, in der bis in die kleinsten Details der Zeremonialgcsetzgebung hinein unser Volk sich nicht als Träger universaler Zielgebung verstanden hätte. Das jüdische Martyrium in der Gegenwart ist die Kehrseite des allgemeinen Martyriums der von der Idee des Universalen verlassenen Welt. In dem Zusammenbruch der großen europäischen universalistischen Tradition voll/i ht sich unsere Umkehr zu Volk und Land. Jüdisches Leben, jüdisches Werk ist das Sein, auf das hin wir uns bewegen. Ihm sind wir in der politischen Aktion und in unserer erzieherischen Arbeit zugekehrt. Diese Umkehr ist nicht Abkehr von der Welt. Das ewig Lebendige im Judentum, wo auch immer es angetroffen wird, ist die Hoffnung auf die Welt. Politische Verwirklichung des jüdischen Volkes ist seine sozial-ökonomische und seine moralisch-innere Verwirklichung auf jüdischem Boden darüber hinaus ist sie Hoffnung auf Verwirklichung des Ewigen unter und zwischen den Völkern. Nie war das Judentum mit den gegenwärtigen Sorgen einer unsäglich leidenden Welt enger verbunden; nie hat es tiefer seinen Standort im Angesicht der Welt begriffen; nie war es wclt- und zeitnäher als in diesem geschichtlichen Augenblick. Der Bestand der Welt Robben Schimon ben Gamllel sagt: Auf drei Dingen steht die Welt: auf Recht, Wahrheit und Frieden, wie gesagt Ist; .Wahrheit und friedliches Recht / richtet In euren Toren." (Sech. 6, 16.) Aboi 1. 18. Uebers. v. N. N. Glafzer Geldaufbringung in Amerika Wie schon gemeldet, haben die großen amerikanischen Gcldaufbringungsorganisationen, nämlich das Joint Distribution _ Committce und ehe American Palestine Campaign, sich vereinigt, um eine gemeinsame Kampagne unter dem Namen United J e w i s h Appeal durchzuführen. Ziel soll die Aufbringung von 3250 000 Dollars sein. Die Sammlung wird als eine Hilfsaktion für die d cuts c Ii tn Juden und für die osteuropäischen Juden gekennzeichnet, teilweise mit dem klaren Ziel, jüdische Emigranten aus den erwähnten Ländern in Palästina zur Absiedlung zu bringen. Uns liegt jetzt der Aufruf vor, mit dem das Komitee die Kampagne einleitet. Darin heißt es: Die neue Kampagne ist eine Fortsetzung der Sammlung de^s letzten Jahres, die in SO amerikanischen Gemeinden ein Ergebnis von 2 169 S92 Dollars hatte. Der dem Joint Distribution Coinmittec überladene Anteil ermöglichte es u. a., die Arbeiten des Zentralausschusses für Hilfe und Aufbau in Deutschland zu unterstützen. 71 "o aller ausländischen Gelder dieses Ausschusses kamen vom Joint. Damit werden grolle Teile der Wirtschaftshilfe finanziert, insbesondere auch das grobe U m s c h i c h t u n g s w e r k und die Ausbildung von Tausenden junger I eute, die sieh ursprünglich geistigen Berufen zugewandt halten, in Handarbeit und Landwirtschaft, mit dem Ziel einer späteren Auswanderung nach Palästina. Auch das Schulwerk, so heißt es in dem Aufruf weiter, wird durch diese Gelder unterstützt, und ferner werden Reisezuschüsse an Emigranten gegeben. - Auf der anderen Seite dient eias der Palestine Campaigu zugeteilte Geld für Unterstützung der „Zentralstelle zur Ansiedlung deutscher Juden in Palästina" enter der Leitung von Dr. Weizmann. Der Aufruf erklärt, daß auch im künftigen Jahre in der gleichen Weise die gesammelten Gelder verwendet werden sollen. IN ALLER KÜRZE Ueber die in New York von der „Pan-Aryan Allinnce** herausgegebenen „Protokolle", in denen alle Behauptungen über die angeblichen „Weisen von Zion" wiederholt werden, ist eine behördliche Untersuchung eingeleitet worden. Der ehemalige Chefredakteur der „Welt", Dr. S. R. Landau, wird bei der Fortsetzung des Bern er Prozesses um die „Protokolle der Weisen von Zion" als Zeuge auftreten. Seiner Aussage wird deshalb besondere Bedeutung beigemessen, weil er der einzige überlebende europäische Kongreßdelegierte ist, der auch an den Vorkonferenzen des Kongresses teilgenommen hat, auf die sich die Verfechter der Echtheit der „Protokolle" nunmehr berufen, nachdem ihnen das Kongrcßprotokoll selbst keine Stütze für ihre Beschuldigungen bietet. Norman Bentwich, der Mitarbeiter des Oberkommissars für Auswandererfürsorge, James G. MacDonald, weilte einige Tage in Genf, wo er sich über die Möglichkeit einer Eingliederung des Hilfswerkes für die Auswanderer aus Deutschland in das dem Völkerbund unterstellte Nansen- Amt informierte. Anfang April begibt sich Bentwich naeli Amerika. In Buenos Aires ist der Generaldirektor der Jewisht Colonisation Association, Louis O u n g r e, eingetroffen. Er erklärte, die Gesellschaft sei auf der Suche nach geeigneten Menschen, um sie auf ihrem 201)000 Hektar umfassenden Bodenbesitz, anzusiedeln. Für Palästina befinde sich ein neuer Siedlungsplan der 1CA in Vorbereitung, dessen Durchführung er personlich leiten werde. Königin Wilhclmine hat den Ingenieur Jonkheer C. C. A. van Lidth de J e u d e zum Minister für öffentliche Bauten und Straßen ernannt. Wie aus seinem Namen hervorgeht, ist Jonkheer van Lidth de Jeuele jüdischer Herkunft; „de Jcudc" bedeutet „der Jude" und Lulth ist ein kleines Dorf in der Provinz Nordhrabaiit. Vermutlich waren vor 200 Jahren die Vorfahren de-s Ministers Juden. Wie die „Westfälische Landeszeitung Rote Erde" aus Hagen berichtet, ist es bei der Aufführung des Films „Frühlingsparadc", in der die J ii d i n Franziska Gaal die Ftauptrolle spielt, zu Protesten gekommen. Am Dienstag stimmte der grollte Teil der im Kino Anwesenden in den Ruf ein: „Wir wollen keine Judenfilnie, wir wollen deutsche Filme sehen!" Unter Absingen antisemitischer Kampflieder verließen etwa drei Viertel der Besucher das Kino-Theater und verlangten an eler Kasse das Eintrittsgeld zurück. Kurze Zeit danach mulite die Voistellung abgebrochen werden. Der „Westdeutsche Beobachter" vom 22. März lenkt die Aufmerksamkeit der K ö I n e r St a d tver w a I t u n g ilarauf, daß es in Köln noch eine Heinestraße gibt, feiner eine O f t e n b a e h s t r a Ii e, M c n d e I s s o h n s t r a ß e, I. a s - s a I I e s t r a ß e, und verlangt deren Unibenennung. Von Heine heißt es bei der Gelegenheit: „Heine, der l ump, der um schnöden Mammons willen das Land verriet, das ihm und seinen Eltern so lange Gastfreundschaft bewiesen hatte." Wie uns mitgeteilt wird, befindet sich am Eingang des Ausflugsortes Wörlitz in Anhalt eine Tafel mit dem Hinweis, daß Juden unerwünscht seien. Auf Antrag des Stadtverordneten Murrey Stand hat der Ausschuß des New Yorker Stadtrates beschlossen, den jüdischen Angestellten der New Yorker Stadt Vertretung den ersten und letzten Peßachtag in diesem Jahre freizugeben. Wie alljährlich, wurde auch diesmal anläßlich der bevor« stehenden Pelkehfeiertage eine antireligiöse Propaganda-Aktion in der Sowjetunion eingeleitet. Die Aktion wird von Haus zu H aus durchgeführt. Zu unserem Bericht über den Rücktritt Dr. Thons als Vorsitzenden des jüdischen Clubs im polnischen Sejm, wird noch mitgeteilt, daß Dr. Thon der Ansicht war, die jüdische Fraktion müßte gegen die Verfassung stimmen, während die Mehrheit der jüdischen Abgeordneten beschlossen hat, ebenso wie die anderen nationalen Minderheiten, sich der Abstimmung zu enthalten. Der jüdische Club hat an Dr. Thon die Bitte gerichtet, seine Demission zurückzuziehen. .■1. f 4, l> pJH.'v* Mfc?** p-~^*Ko>fWA^ c4u pE c0voGwf^

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