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Jüdische Rundschau · 1935-03-26 · Heft 25 (26.3.1935) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 25 (26.3.1935)
Date
1935-03-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 25, 26. III. 1935 JODISCHE RUNDSCHAU Seite 7 Wie gestalte ich den Sciiabbat? Für Sehabbat, 30. März Wochenabschnitt „Sc h'mini" (3. B.M., Kap. 9—12; dazu 2. B.M., Kap. 12, 1-20.) I. Aus Edmond Fkg „Moses" lesen wir das Kapitel „Der Tag der Zehn Kronen", das Midraschim zu unserer Sidra wiedererzählt. Man beginne Seite 138 ... „Und nun nahte der Tag." Man weise darauf hin, daß man an diesem Schabbat Rosch Chodesch Nissan bentscht, und daß der achte Tag, von dem in unserem Wochenabschnitt die Rede ist, Rosen Chodesch Nissan war. II. Hoffmann: „Das Buch Levificus" bespricht ausführlich (S. 300) die Bedeutung der Reinheitsgesetze, die mit dem 11. Kapitel des III. B. M. eingeleitet werden. Es befindet sich dort auch wichtiges Material speziell zum Thema der Speisegesetzc. Sind die Speisegesetze hygienische Vorschriften? — Siehe den Artikel von Josef Carlebach „Religionsgesetz oder hygienische Vorschrift?" in der Sammel- ,chrift „Hygiene und Judentum", Dresden 1930, Verlag Jac. Sternlicht. III. Der dieswöchige Schabbat ist der letzte der „Arba Parschiot" und führt den Namen (JSchabbat Parschat nachojesch". Neben dem Wochenabschnitt wird aus dem II. B. M. Kan. 12, 1—20 vorgelesen. Dieses Kapitel lenkt auf das Penachfest hin. Darüber jedoch erst das nächste Mal. Uebcr die Bedeutung der „Arba Parschiot" siehe Talmud-Traktat M'gilla 30äff. IV. Als Haftara wird Jecheskel Kap. 45, 16-46, 18 gelesen. Die letzten Verse (Kap. 46, 15-18) schildern Maßnahmen, die dazu dienen sollten, das Volk auf seinem Boden /u belassen. Wie greift der Keren Kajemeth den hier geäußerten üedanken auf? Psalm 128. E. Geschichte der jüdischen Menschen Josephus Flavlus Ben Matthlas Darstellungen. Die Gestalt ist sehr umstritten. Erst in letzter Zeit hat ein Roman „Der jüdische Krieg" von Fcuchtwanger das Schicksal des Flavius Josephus zum Gegenstand genommen und so versucht, diese Gestalt der Gegenwart nahezubringen. Man kann aus ihm einige spannende Stellen vorlesen, so etwa die sehr lebendige Darstellung der Eroberung Jerusalems. Kürzlieh wurde im Kölner Kulturbund ein Josephus-Drama von Wolffsohn aufgeführt. Am besten wäre es, wenn ihr die Schriften des Josephus selbst zu Rate ziehen könntet. Auch dort gibt es sehr lebendige und plastische Schilderungen („Der jüdische Krieg" und „Jüdische Altertümer"). Sonst muß man die üblichen Geschiehtsdarstelluiigen zu Hilfe nehmen, und zwar den zweiten Band des Dubnow oder den dritten des Graetz. Besonders (iraetz findet eine leidenschaftliche und farbige Sprache für Josephus. Seine Verurteilung des Charakters ist frei von jedem Versuch, seine Handlungen psychologisch zu verstehen. Aber gerade darum ist seine Schilderung um so kräftiger und leidenschaftlicher. Ein Urteil müßt ihr euch selber bilden. Die Gestalt eignet sich ausgezeichnet zu Unterhaltungen und Diskussionen. Die Gestalt Josephus, der zu seinem jüdischen Vornamen später den römischen Flavius hinzufügte, entstammte mütterlicherseits dem Geschlechte der Hasmonäer. Sein Vater War ein Priester. Er erhält in Jerusalem eine gelehrte Erziehung. Das entscheidende Erlebnis seines Lebens ist eine Reise nach Rom. Es ist das Rom des Kaisers Nero, also voll von Glanz, Pracht, hervorragenden Bauten, breiten Straßen, Triumphbogen, Theater und Spielen. Der Empfang hei der Kaiserin blendet ihn vollends. Rom und die römische Wacht repräsentiert sich ihm als das schlechthin Unüberwindliche. Seine Kultur als das schlechthin Unnachahmbare. Nach Palästina zurückgekehrt, findet er Jerusalem klein und provinziell und die Juden zum Untergang bestimmt. Als er den palästinensischen Boden betritt, war gerade jener Aufstand ausgebrochen, welchen man gewöhnlich den jüdischen Krieg nennt; mit allem Zwiespalt im Herzen übernimmt er den Oberbefehl der galiläischen Provinzen. Er bildet ein Heer nach römischem Muster aus, aber weit eher, um es den Römern gleichzutun als um sie zu schlagen. So zieht er sich in eine Festung in der Nähe von Tiberias zurück und verjRpl . sucht, sie geg-en die anstürmenden Römer zu verteidigen. Nach 47 Tagen ergibt er sich unter den schmählichsten Bedingungen. Während ein großer Teil seiner Leute Selbstmord verübt, um den Römern nicht in die Hand zu fallen, versteckt er sich in einer Höhle. Aber auch dort spielen sich Szenen ab, die kein gutes Licht auf ihn werfen. Er unterwirft sich Vespasian, dem er den Thron prophezeit, wird von ihm freigelassen und begleitet dann als Zuschauer und Historiograph das römische Heer. Zuletzt macht er mit Titus die Belagerung Jerusalems mit. Vor seinen Augen versinken Stadt und Tempel in Trümmer. Er zeichnet in eingehenden Berichten seine Eindrücke auf. Er stirbt in Rom als römischer Bürger, nachdem er jahrelang eine von Vespasian ausgesetzte Rente erhalten hat. J. P. Aus der Stadt des Maimoindes Ein alter jadischer Friedhof In Cördoba In Cördoba ist kürzlich ein alter jüdischer Friedhot freigelegt worden, der in mehr als einer Beziehung interessant ist. Enrique Roinero de Torres, ein bekannter Kunsthistoriker, fand in mittelalterlichen Urkunden, daß am Sevilla-Tor, unmittelbar außerhalb der Stadtmauer, der Friedhof der Juden lag. Schon bei oberflächlichen Grabungen wurden rn 11. 1 m Tiefe die ersten Gräber aufgedeckt: sie sind trapezförmig ausgehoben, nach Osten orientiert, die Seitenwände sind mit hochkant gestellten Steinplatten abgestützt, und als Verschluß dienen quergelegte Steinplatten oder eine Art Wölbung aus Ziegeln oder Feldsteinen. Inschriften wurden nicht gefunden, und an Grabbeigaben nur einige Tongefäße. Dieser Mangel wird aufgewogen durch die Entdeckung von drei genagelten Skeletten: durch verschiedene Knochen sind dicke und lange Eisennägel getrieben. Als 1933 der Direktor des Museums von Numantia, Blas Taracena, über die Ausgrabung von genagelten Skeletten auf dem „Judenhügel" von Deza berichtete, leugneten die jüdischen Gelehrten diesen Brauch. Ein Zweifel war aber von vornherein ausgeschlossen, da die Skelette durch Ringe mit dem eingegrabenen Gottesnamen als jüdisch ausgewiesen wurden. Nun werden seine Behauptungen durch den Fund in Cördoba bestätigt: die spanischen Juden des späten Mittelalters (die Friedhöfe gehören wohl ins 13. bis 14. Jahrhundert) nagelten ihre Toten! Jüdisch ist dieser Ritus allerdings nicht. Er widerspricht imserm Gesetz und unserm Gefühl. Er stammt aus uralter Zeit, und war, wie zahlreiche prähistorische genagelte Skelette beweisen, auf der Pyrenäcnhalbinsei heimisch längst bevor es hier Juden gab. Der Brauch, die Toten zu nageln, entspringt der primitiven Furcht vor der Wiederkehr der Begrabenen, vor ihrem Aufsteigen aus der Gruft als „Lebender Leichnam". Aus derselben Angst — und ursprünglich aus keinem anderen Grunde — werden die Gräber mit Steinfilatten beschwert, oder, wie in manchen Gegenden Deutschlands, besonders tief ausgehoben. Die Nägel dienen also dazu, den Toten auf einem Holzbrett fcstzuschlagen. So wird auch verständlich, warum in weiten Teilen der Alten Welt die Sitte bestand, den Toten Eisennägcl ins Grab zu legen; es ist die Abschwächung des rohen Brauches in einer Zeit, in der die Scheu vor der Verletzung des Leichnams in dieser symbolischen Maßnahme einen Ausweg suchte. So meint aticTi Schcftclowitz in seinem Buch über „Altpalästinensischen Baucrnglauben", „daß die eisernen Nägel den Toten nach antiker Sitte in das Grab gelegt wurden, um ihr Wiedererscheinen unmöglich zu machen". Aber bei den Juden in Spanien hielt sich die Leichennagelung bis ins späte Mittelalter, bis weit über die Zeit von Gabirol, Jehuda Halevi und Maimonides hinaus, in seiner krassen Materialität, unbeeinflußt durch religiöse oder menschliche Rücksichten. Ja, sie wurde für die Juden schließlich so charakteristisch, daß die spanische Umwelt den noch heute lebendigen Fluch prägte: „Genagelt sollst Du werden wie ein Jude." Dr. Georg Sachs, Madrid Konzert in Amsterdam Amsterdam, im Mär4 Am Sonnabend, dem 9. März, abends, bot der nahezu ausverkaufte, bald 2000 Personen fassende große Saal des Amsterdamer „Conccrtgcbouw", der der Berliner Philharmonie entspricht, ein eigenartiges Bild. Der Amsterdamer Männerchor „Harmonie", ein etwa 60 ausschließlich christliche Herren umfassender Verein, der von der Musikkritik als einer der anerkannt besten Chöre des Landes bezeichnet wird, und der wiederholt aus großen Preis-Singen als Sieger hervorgegangen ist, feierte sein 30jähriges Bestehen durch ein Festkonzert. Das Programm zerfiel in zwei ungefähr gleiche Teile. In dem einen sang der Chor unter der Leitung seines Dirigenten Engländer, eines hervorragender! jüdischen Musikers, der gleichzeitig Leiter des berühmten Chors an der Großen Synagoge ist, holländische,_ deutsche und italienische Lieder und u. a. eine Komposition „Jörn Kippur", mit der er schon im Vorjahr in dem großen Zandvoorter Preis-Singen holländischer Gesangvereine den ersten Preis errungen hatte. Im anderen Teil des Konzertes brachte der erwähnte S y n a g o g e n - C h o r, ebenfalls unter Leitung Engländers, eine Anzahl zum Teil außerordentlich schöner synagogaler Werke zum Vortrag. Hier wirkte als stürmisch gefeierter Solist der Hannoversche Oberkantor I. Alter mit. Es war interessant zu beobachten, wie der jüdische Teil des Publikums bei den hebräischen Liedern und bei den Solis des Oberkantors Alter seine Kopfbedeckungen hervorholte und sich bedeckte, ohne daß auch nur einer der mindestens 7- 800 christlichen Zuhörer darüber Erstaunen äußerte. Es war weiter interessant zu sehen, wie gerade die hebräischen Vorträge Alters den aüerstärksten Beifall des gesamten Publikums fanden, und wie gerade die, wie gesagt, rein christlichen Mitglieder des Gesangvereins „Harmonie" ganz besonders durch ihren begeisterten Applaus. Alter zu immer neuen hebräischen Zugaben zwangen. -a« Juden und Jüdisches im Rundfunk Mtitwoch, 27. Mari: l.u\rml>ii.:.; Lach. — Wi.-n (507). 14: (540), 16: Ktei-ter, Br.xl kv — l'o-t I'urWi-ii (313). 19.3 Varls (1648), 21:!Vr Kitiih nald« Ii ahn. Donnerstag, 28. l:i0t). 13.43: lv.:i.'er(, Ii. a. Offenipl., u. a. M.iim-r. — HiTomünster \V.ii - I. :u 11345). 17.05: Milhsud. Suelic; der „Yoiv d'Krael". —■ ,;« >..:■ Venedig, Oper ton Key- Schottland (3U1). 21.45: K.:>nz.rt. u. a. \U mlcUohru, Marz: I.n\. inlhu l; Ii:«»), 21.20: Konzert, u. a. ijiee-.et (322, Iii, KubiiMrm: 21.40: Konzen, u. a. Meynbcei misch), 23.10: Srhallpl., u. a. <', 4,ila<kn. j Freitag, 29. Marz: Luxemburg (1304), y: Kontert, 11. a. Ottenbach'. —i Pari* (1648), 12.45: Sendung der „\ ix d'Urarl-. - - Wien (S07)„ 14: Sehallpl., u. a, Wr.t Srlmaii .»iiigt. ..... l'u-te Partien (313), 19.37: Srhallpl. v. lelmdi .\h nuhm. - Brunn (325), 21.40: Klavierkonzert v. Miüiaud. - - kaviuiu (25'J), 21.35: Mosikowiki« — Brüssel (484), 22: ,M' \,(i»ri. Die Israelitische Kultus-Gemeinde Bad Dürkheim (Rheinpfalz), der dortige Frauenverein und der Jünglingsverein haben dem Keren Kajemeth je 10 RM. gespendet. Dazu schreibt die Gemeinde: „Die jüdische Welt sow wissen, daß auch wir in einer ehemals reichen, aber heute verarmten jüdischen Gemeinde das jüdische Palästina-Werk mit unseren schwachen Kräften fördern wollen." Wir bitten unsere Abonnenten, die zum I. April ihre Wohnung wechseln, uns noch heute ihre alte und ihre neue Adresse mitzuteilen, damit in der Zustellung der „Jüdischen Rundschau" keine Verzögerung oder Unterbrechung eintritt. Jüdische Schachmeisterschaft von Leipzig. Zum zweiten Male wurde in Leipzig die Meisterschaft der jüdischen Schachspieler entschieden. 10 Spieler und 15 Jugendliche beteiligten sich an dem fünf Monate langen Kampf. Meister von Leipzig wurde, wie im Vorjahre, der früher beste sächsische Spieler S. Fajarowicz, der in der Endrunde aus 10 Partien 9 Punkte erzielte. Es folgen: Mundsztuk 8; J. Katz 7; Wühl 6%: Dr. Kost, Dr. Blumberg 6; Jaffe, Steinhaus 3V»; Lipszyc 3; Verständig 2«4; Fischer 0. In der zweiten Endgruppe siegte Dr. Wachs mit 8 Punkten aus 9 Partien vor Kunin, Dresner 7; A. Hoffmann, Schußheim 4</3; Adler 3y2; Baum, Schlesinger, Sonini 3; Frl. Friedmann 1'/». Im Jugendturnier belegte A. Hoffmann (II1/») den ersten Platz. Dann kamen Stisson II; Leßmann 10; Weber °'/2; Engländer 9 usw. Die Schachabteilung des Bar Kochba Leipzig, die das Turnier veranstaltete, stattet am 31. März dem Berliner Bar Kochba-! lakoah einen Besuch ab. Das erste Treffen der beiden Vereine brachte im Vorjahre den Leipzigern einen knappen Sieg. Beatrice Waghalter wird am 28. März im großen Saal der Urania in Prag unter ihren „Bunten Liedern aus aller Welt" ihren Zyklus hebräischer und jiddischer Lieder singen. Auf "Dingen steht die Welt Erzählung von GERSON STERN tachewk „»bäum (1. Fortsetzung) Bertlichen war wieder guter Hoffnung. Das jüngere Madrhen war nun zwei Jahre alt, die Schwester fünf. Bessinger mietete ein neues Heim. Die Straße war eng. Die Wohnung war finster. Die Kinder sollten Luft haben. Die Pensionäre wurden anderweitig untergebracht, bei dankbaren Kunden. Bessinger zog in eine ,.bessere" Straße. Man schuldete es seinem Namen, der allmählich Klang gewann. Aber man tat es der Kinder halber. Und die Kinder? Sie hatten es gut. Oh, sie halten es gut. Wer halle sich um Hessinger gekümmert, als er klein war? Seit dem Umzug hatten die Kinder ein Fräulein, eine gesehidle Kraft mit abgestempelter Bestäligung. Sie trug eine blaue Haube mit weißer Paspelierung. Es sah wunderbar aus, und die Kinder mußten glücklich sein. Das Fräulein war besonders geeignet für Kinderpflege und Erziehung, Bessinger hatte es schriftlich. lind Berthchen? Und er selbst? „Das Geschäft ist ein lyratin", seutzle er und stürzte sich um so heftiger in die Arbeit. Bertlichen seufzte nicht. Aber es kam vor, daß sie« ans dern Geschäft nach Hause eilte und die Kinder an sieb riß und drückte und herzte mit solcher Heftigkeit, daß dio *mder Angst vor diesen Angriffen hatten. Ja. manchmal über- . ' 08 Berlhchen. Das entz jgene Mutterglück warf sie in '"•neu Taumel. Sie hätte am liebsten die Kinder nicht wieder ^'s den Armen gelassen, und sie gab sie erst frei, wenn sie iaut schrien. Und die Kinder? Da war die Aelteste. Sie hieß Hcrlda. 'edda:* Ja. Es war eine verunglückte „Helene". Eigentlich atte man mit Ludwig gerechnet. Aber es war ja ein Mädchen. Bessinger war damals etwas erregt und in Eile zum Standesamt gelaufen, hatte undeutlich Helene gesagt, und der Beamte wiederholte: „He?" — Bessinger sagte: „Ja". Der Beamte vorstand: „Da" oder verstand überhaupt nichts. Auf joden Fall schrieb er: Ileilda. Es wurde erst später entdeckt. Die llcdda war unabänderlich geboren. lledda war fünf Jahre all. Sie war sehr verhätschelt worden in den ersten Jahren. Von allen Pensionären war sie verhätschelt. Dieses Kind, das putzig und freundlich und so lieblieh rund war. Und immer lächelte, nicht nur mit den Zügen, sondern auch mit, den Augen. Es war nicht zu sagen, wie das möglich war, al>er es war so. lledda sah die Ellern wenig, fast gar nicht Die Eltern arbeiteten. Berthchen wollte manchmal aufsässig werden. Aber dann sagte Bessinger: „Für wen arbeiten wir? Für unsere Kinder". Ja, sie arbeiteten für das Glück der Kinder. Aber lledda wußte dies wenig zu würdigen. Sic halte trotz dem diplomierten Kiuderfräulein zuweilen Sehnsucht. Sie rief leise: „Mutter, Mutler", und erhielt keine Antwort Sie kroch? in den Kleiderschrank und roch an den Kleidern. Ihre Sinnt» waren früh entwickelt. Sie roch Ihre Mutter und fand eine leise Tröstung. Ja. es kam so weit, daß in diese Augen, diesu weich lächelnden Kinder.iugen ein neuer Ausdruck trat, eine unmerklich leise Wehmut im Lächeln. Wie ist es mit Kinrleraugen? Dr. Fromm, der Hausarzt von Bessingers, hatte einmal diese Frage an ihn gestellt. Bessinger war verblüfft. Er hatte nie darüber nachgedacht. Er hatte wahrlich über arideres nachzudenken, über „Tachles", wie er sagte. Nun stellte dieser Menseh eine solche Frage. „Wissen Sie, daß Kinderaugen reden?" sagte Fromm, „daß Kinderaugen die Wahrheit reden? Sie erzählen unerbittlich ihr Glück und ihre Pein, diese Augen. Die ganze eigene Welt liegt in dem Blick eines Kindes. Wir nennen diese Welt klein. Und sie ist unausschöpflieh. Sie ist schon Jahrtausende alt und wird neu geboren. Freuen Sie sich über jedes frohe, offene Lachen. Manche verlernen es. Hüten wir uns," Abends im Bett sagte Bessinger zu seiner Frau: „Dieser Dr. Fromm ist überspannt. Man sollte einen anderen Hausarzt haben." Wörtlichen wollte nichts davon wissen, und Bessinger sprach nicht weiter. Er überdachte die Verhandlungen, die der Makler Simon in seinem Auftrage geführt und welches Aufsehen es gegeben balle, alj man nach Kaufabschluß erfuhr, daß Arnold I*.—im süddeutschen Konzern dio drei Häuser in der besten Laue der- Lange Straße gekauft hatte. Man war schon Ix'im Abreißen der Häuser. Der Architekt ging täglich aus und ein. Nun erwies sieb Bossingors Begabung. Hier und dort wußte or einzuhaken. So war es in den Kaufvcrhandliingen gewesen, dio er Innler der Szene geleitet hatte. Er halte eine gute Nase. Er konnte Gründe vorschieben. Er hatte nich! nur gut gekauft, or hatte preiswert gekauft, und es erwies sich au den Bauplänen. Lelx'rall konnte) etwas herausgeholt werden. Der Architekt wunderte sich. Er lernte. Er wurde überrannt. Er hallo so etwas noch nicht erlebt Während neue Gedanken Bessingor durch den Kopf fuhren, so daß er sich hin und her warf, lag Frau Berlhchen still da. Sie fühlte ein Ziehen in ihrem Leih, ein beunruhigendes Ziehen. Sie sagte nichts, obwohl sie ihre Tage überdachte. Es war etwas zu viel. Joden Augenblick kam ihr Mann mit Fragen. Er schleppte sie zum Bauplatz und erklärte. Er zog sie abends zu Besprechungen mit dorn Architekten. Man mußte reisen. Hier sland ein neuer Gesrhii ftsbau und in jener Stadt und in noch einer. Sie kam nicht zur Buhe. Und das Geschäft und die Kundschaft und das Haus, alles dies, und, ja, und dio Kinder! Und dieses Werdende, das sie in ihrem Schoß barg, Sie hatten Erfolg. Sie halten viel Erfolg. Sie hallen Glück, man mußte es schon sagen. Die anderen sprachen darüber „Schaut Bessingers an. W'as sie anfassen, wird zu Gold." So war es wohl. Man mußte Gott danken. Man sprach es nicht aus, man fühlte es. Man sprach es nicht aus, es war wohl unrecht. Aber woher sollten sie die Zeit nehmen? Und nun wieder dieses Werdende in ihr. Konnte sie dararl denken? Es war eine Hetze, ein rastloses Treiben. Ein Denken und Ueberdenken. Wann sah sie. noch lledda? Und wann dia kleine Lotto? Ach, die sprach nur von Dedda und Dedda, wia sie das Kinderfräulein nannte. Sie begann zu schreien, wen« die Mutler sie längere Zeil von Dedda fernhielt. Es gab Berthchen jedesmal einen Stich. Was konnte sie tun? Dia Arbeit war da und mußte getan werden. Wen liebte sie mehr1 als die Kinder? Aber die Arbeit, die Arbeit. Und litt nicht das Werdende darunter? Was sagten diese eigenartigen Schmerzen? Frau Berlhchen proßlo die Lippen zusammen. Dia Schmerzen waren stark. Die Arbeit stand am Toro ihre! Lebens, sie. drückte auf ihr Herz. Der Tag ist kurz. Die Pflicht ist groß und schwer. Welche Pflicht? McllengM^ »htumt mm >-18Uh«y 0 Uhr, Ka .( lOUhtJ ramm) ti ers curz ge-< .Wirt« ngreiche worden! ibhiingig; i Volks* der ver-;gen die eebnung welche deutsch r" heut« t u. a.-a in ihrer ler Jude; Arische trebt ist, :n nicht» s erklärt! rVol k^ iesonders» iemorali- Gefühl tum der» •raufstiegf bereitet, iwesenon igt dieses» deutsche; lud en tun» a s J u»; wurden* des jüdinicht alle? jüdisches > m m e tu unaufhörassischept Völkern," eibt über ler Feind rnrt ^us^JÄ5! \riertum.*1^|;k«it des Und Oe« ilitik des* ■ lie über?« die au? e v c n t:- gung' der ie Juden an Juden e Judenr Martin 918, kei« deutschen iung von las Meer nd Väter ssen verhat. Wer hnen imd rück aufllich, daß ne luden» ■ Plagen, md, Freie Börse: jeschäfts- Thcmen •der deutiter Leo len Kapilernführer \usik und h weitere erden son Z i o n" noch zulic Juden i im Gau nut unter as Kolner ksnicister, eile nach Orisleiter chtet, in onalsoziaesen ent- : arischen ere Gaun Tagen allen (ies Gefahr « 1 Bcobaclf- LI a n d - e in das men worurch' .teilschlichen iihrt. Besten , Tag, ¥

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