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Jüdische Rundschau · 1935-03-15 · Heft 22 (15.3.1935) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 22 (15.3.1935)
Date
1935-03-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 jüdische Rundschau Nr. 77, 13. ffl. 1935 von Irak, der vor einigen Jahren gestorben ist), ein syrisch-palästinensisches Königreich atisgerufen hatte, bevor noch von den Siegern in San Remo die Einigung über die Verteilung der Mandatsgebiete getroffen worden war, versuchten die Franzosen, die früher verbündeten, jetzt unbequemen Araber zu unterwerfen, um ihren schon vorher in Geheimverträgen mit England vereinbarten Anspruch auf Syrien durchzusetzen. Die Araber, Uenen ja die Unabhängigkeit feierlich versprochen worden war, wollten sich der europäischen Herrschaft nicht beugen, und es kam zu Kämpfen, die am Rande der Wüste den Charakter von Einzclaktionen und Plänkeleien annahmen. Im Norden Palästinas, in jenem Zipfel, der in das syrische Gebiet hineinragt (damals, vor der Grenzziehung, zum französischen Okkupationsgebiet gehörig), haben arabische Trupps auch die dort befindlichen jüdischen Siedlungen attackiert, in der Meinung, dali sich dort französische Truppen versteckt hielten. Der Kampf, der sich um Tel Chaj entspann, wo Trumpeldor mit seiner kleinen Schar saß, hatte also keine direkte Beziehung zu jüdischen oder palästinensischen Fragen. Es war natürlich schwer, von einem solchen Punkt aus die politische Gesamtlage zu tibersehen. Trumpeldor kannte nur einen Gedanken: jüdischer Besitz durfte nicht preisgegeben werden. So ließ er sich auf die Verteidigung ein, die bei der Uebermacht der Angreifer nur mit einer Niederlage und Vernichtung der jüdischen Besatzung enden konnte. Wie immer die ein/einen Umstände gewesen sein mögen, der Tod Trumpeldors und der Seinen in Tel Chaj hat für weite Kreise der jüdischen Jugend in Palästina und auch im üaluth eine symbolische Bedeutung bekommen. Die Nachrichten von den Ereignissen von Tel Chaj wurden damals durch Boten nach Europa gebracht. Es tagte gerade in Prag eine sogenannte Vereinigungs-Konferen/, die den Zweck hatte, die palästinensische nationale Arbeiterpartei Hapoe! Hazair mit den in Osteuropa entstandenen „Zeire Zion"-Gruppen und den in Mitteleuropa in Anlehnung an den „Hapoel Hazair" gegründeten gleichnamigen Gruppen, die sich ideenmäßig nahestanden, zustande zu bringen. Diese Konferenz, die jetzt also auch ihr 15jähriges Jubiläum hat, war das erste direkte Zusammentreffen europäischer zionistischer Jugend mit palästinensischen Arbeitern und hat dadurch weit über ihre organisatorische Wirkung hinaus eine lebensmäßige Bedeutung erhalten. In dem Streit um die „Klassenkampf-Parole, die der Hapoel Hazair ablehnte, kam es nach langem Reden nur zu einem Kompromiß. Demgemäß erwies sich das in Prag geschaffene organisatorische Gebilde, Hitachduth genannt, als nicht sehr lebensfähig, da kurz darauf die eine polnische Gruppe, die ohnedies nur widerwillig zur Vereinigung bereit gewesen war, sich wieder von der neuen Partei trennte. Aber für die geistige Entwicklung blieb die Konferenz ein historischer Wendepunkt. In ihrem Mittelpunkt stand die Figur von A. D. Gordon, eines Mannes, der in seinem 50. LchcnsjaJmUcin altes Leben abgebrochen und ein neues Leben aTfp\rbciter in einer Kwuzah begonnen hat. Gordon prägte in seiner Eröffnungsrede jenes so tief aufwühlendeWort„A m-Ada m", Mensch-Volk, Volk im echten Menschensinnc, als das er das jüdische Volk gestaltet sehen wollte. Gegenüber den damals unter dem Einfluß der russischen Revolution starken sozialistischen Tendenzen beschwor Gordon die Konferenz (und durch sie die gesamte jüdische Jugend), dessen eingedenk zu sein, daß man nicht durch „Klassenkampf" eine neue ..Gesellschaft" bauen könne, sondern dal! es darauf ankäme, ein lebendiges, arbeitendes Volk zu haben, verbunden durch Liebe von Mensch zu Mensch, fähig, in eine beiher organisierte Gemeinschaft der Völker einzutreten, denn der organische Aufhau der Menschheit aus der kleinsten natürlichen Zelle zur immer höheren Zeile wirklichen Lebens sei die ein/ige Form sozialer Höherentwicklung, nicht aber könne die Rettung von Doktrinen und Parteiprogrammen kommen. Dieses „Lebensmäliige", Organische, aller Abstraktion Abholde, wollte er durch das Wort „Am-Adam" ..... Mensch-Volk symbolisieren. Diese .Worte trafen die jüdische Jugend Europas in ihrer tiefsten Seelenscliirht, denn ähnliche Oedanken waren hier gewachsen. Aber mau begriff auch, daß es nicht auf Gedanken ankam, sondern auf die Verwirklichung. Gerade heute, wo Palästina infolge der Masseneinwanderung und der kapitalistischen Tendenzen eine andere Entwicklung zu nehmen beginnt, ist es fruchtbar, an jene Konferenz und an A. D. Gordon zu erinnern. Man möchte wünschen, daß die Werke A. D. Gordons (in deutscher Sprache in einem Sammelband des Jüd. Verlags erschienen), eine weite Verbreitung finden, damit vor allem d i c Menschen, die heute ganz unvorbereitet, ohne Vorkenntnis der Palästina-Bewegung auch nur der letzten Jahrzehnte, nach Palästina kommen, wissen, in welche verpflichtende Traditionsreihe sie eintreten. Gordon ist tot, Arlosoroff — eine andere, damals aus Mitteleuropa kommende Hauptfigur der Prager Konferenz von 1920 — ist tot. Die Prager Konferenz empfing mit großer Erschütterung die Nachricht vom Tode Trumpeldors. Fünfzehn Jahre sind vergangen. Manches von dem, was Trumpeldor, Arlosoroff, A. D. Gordon gewollt haben, ist begonnen worden, sehr vieles ist nicht oder noch nicht verwirklicht worden. Palästina bietet ein anderes Gesicht als damals. Die Gestalt Trumpeldors steht für die Nachlebenden in einem merkwürdigen Zwielicht. Die Arbeiterschaft, zu der Trumpeldor selbst sich rechnete, hält das Andenken des Gründers des Hcchaluz hoch; die Arbeiter-Legion, Gedud Awodah, nannte sich „Gedud awodah al schein Josef Trumpeldor" «= „Arbeiter-Legion auf den Namen Josef TrumpeU Um den Numerus Clausus in Rumänien Die Aktion Valda-Voevods Bukarest, im Man. (JTA.) Das Exekutivkomitee der nationalen Bauernpartei hat eine Sitzung abgehalten, in der die Aktion des früheren Ministerpräsidenten Vaida Voevod zur Einführung eines „Numerus valachicus" einstimmig verurteilt wurde. Der sogenannte Numerus valachicus sieht vor, daß in allen Unternehmungen und Berufen die Angehörigen der ethnischen Bcvölkerungsmehrheit in entsprechender Zahl vertreten sein müssen. Dieser Vorschlag verstößt gegen die auch in der rumänischen Verfassung verankerten Minderheitsschutzbestimmungen. Für die Forderungen Vaida Voevods setzt sich die nationalistische Gruppe 'Stefan Tatarescus, eines Bruders des derzeitigen Ministerpräsidenten, ein. Im Verlaufe der Auseinandersetzungen zwischen Vaida und der rumänisch-nationalen Bauernpartei wurde schließlich Vaida aus der Partei ausgeschlossen. Er erklärte, daß er jedoch auch weiter mit alier Energie für die Verwirklichung der Idee des Numerus valachicus eintreten werde. Appell an den König Bukarest, 11. März. (JTA.) In Anbetracht der bedrohliche Formen annehmenden antijüdischen Bewegung im ganzen Reiche haben sämtliche jüdischen Parteien in der hauptstädtischen Presse einen sehr eindringliehen Appell an das öffentliche Gewissen gerichtet, in dem die Juden Rumäniens Schutz für ihre wohlerworhenen Rechte fordern. In einer Versammlung der Zentralrepräsentanz der Union rumänischer Juden erstattete der Präsident der Union, Dr. Wilhelm Fildcrmann, ein Expos* über die politische Situation. Es wurde eine Resolution angenommen, in der an den König der Appell gerietet wird, Im Sinne der PofltUf des verstorbenen Königs Ferdinand für die Wahrung der Rechte der luden Rumäniens einzutreten. In einem der ^Dimiftcatza" gegebenen Interview erklärte der hervorragende Gelehrte und frühere Ministerpräsident Professor Jorg«, er »et der Ansicht, dal» der „Numerus valachtaMr»iiir den sich Vaida Voevod einsetzt, ein Phantasleprodukt de» Herrn Vaida und nicht anwendbar ist. Dieselbe Nummer der „DimhJeatza" veröffentlicht «ig Interview mit dem Dekan der Czernowitzer Advokaten, kammer, Professor Dr. Constantin Radulescu, der den Numerus clausus als verfassungswidrig erklärt Italienische Warnung Rom, 11. März. (JTA.) In der letzten Nummer der den Regierungskreisen nahestehenden Wochenschrift „Affari Esteri'1 (ausländische Angelegenheiten) wird ein umfang» reicher Aufsatz über den „Antisemitismus in Rumänien* veröffentlicht. Die Zeitungwarnt vor antisemitischer Massenpropaganda, denn im Hinblick aut die Zahl tmd Bedeutung des jüdischen Elements in Rumänien könnte dies nicht nur innerhalb des Landes, sondern auch im Ausland zu ernsten Konsequenzen führen und Rumänien die Sympathien entziehen, die es bei einer Reihe größerer und kleinerer Völker genieße. New York, 11. Marz. (JTA.) Der Verband der rumänischen Juden Amerikas hat bei der rumänischen Oesandtschaft in Washington Vorstellungen dagegen erhoben, daß durch das neue Gesetz zum Schutz der nationalen Arbeit eine Diskriminierung gegen die Juden in Rumänien ausgeübt wird. Der Verband hat «1er Gesandtschaft eine Denkschrift zur Weiterleitung an Titulcscu überreicht. IN ALLER KURZE Im „Deutschen Reichsanzeiger* wurde wiederum eine Liste von 139 zumeist nichtarischen Personen veröffentlicht, deren Einbürgerung der Berliner Polizeipräsident widerrufen hat. Die aufgeführten Personen harten die preußische Staatsangehörigkeit in der Zeit zwischen dem 9. November 1918 und dem 30. Januar 1933 erworben. Sie sind durch den Widerruf nicht mehr deutsche Reichsangehörige. Der Städtische Hauptausschuß beim Stadtrat München hat die Unibenennung der Hirsch-Gereuth -Straße beschlossen. Das Münchener Amtliche Stadtadreßhuch verzeichnet zu dem bisherigen Straßennamen: Kläre Freifrau v. Hirsch- Gereuth, gest. 1899, überaus wohltätige Stifterin zugunsten der Münchener Armen. Im Alter von 61 Jahren ist in Prag der Rechtsanwalt, Politiker und Publizist Dr. Jindrich Kohn, der geistige Führer der tschechisch-assimilatorischen Juden in der Tschechoslowakei, gestorben. In Beantwortung einer Anfrage des Abgeordneten Wedgwood stellte der Minister für die Kolonien, Sir Philip Counliffc-Lister, im englischen Unterhaus fest, daß die Wahlberechtigung der Einwohner Palästinas durch die Neufassung des Begriffes „Ausländer", wie sie vor kurzem in Palästina bekannt gemacht wurde, nicht berührt wird. Die neue Formulierung beziehe sich nur auf die Zusammensetzung der Gerichte und das Justizsystem. Wie wir der „New York Times" entnehmen, ist Arnold Schönberg als Lehrer für das Jahr 1935/36 an die Juilliard-Musikschule in New York berufen worden. Anläßlich der 100-Jahrfeier der Li bau er Großen Synagoge sandte der lettische Ministerpräsident Ulmanis der dortigen Judenschaft ein Glückwunsch-Schreiben. Der bisherige Generaldirektor der Werften der italienischen Kriegsflotte, General Umberto Pugliese, ist zum Vorsitzenden der Kommission für Schiffsbauprojekte ernannt worden. General Pugliese, einer der bedeutendsten Fachleute des Schiffhaus in Italien, ist Jude. In Wien wurde auf Initiative der Iiistadruth Iwrith ein Komitee zur L'ebcrführung der sterblichen Ueberrcste Perez Smolenskys aus Meran nach Palästina gegründet. Das 10 jährige Jubiläum der Hebräischen Universität Jerusalem Der Arbeitskreis in Deutschland der Hebräischen Universität fordert die jüdischen Gemeinden Deutschlands in einem Rundschreiben auf, den Tag des 10jährigen Jubiläums, den die Hebräische Universität Jerusalem Anfang April feiert, würdig zu begehen. In jeder Gemeinde möge eine dem Ernst der Zeit und der Größe der Aufgabe angemessene Kundgebung veranstaltet und die Bedeutung der Universität, ganz besonders für die deutschen Juden, in den Predigten der Gemcinderabbincr hervorgehoben werden. Das Rundschreiben weist darauf hin, daß die Hebräische Universität seit den Tagen, in denen das deutsche Judcnschicksal besonders schwierig wurde, sich in den Dienst des deutschen Judentums gestellt, viele Studenten aufgenommen und vielen jüdischen Dozenten aus Deutschland neue Arbeitsmöglichkeiten geboten hat. In einer Zeit, in der man dem Judentum jede schöpferische Kraft abspricht, habe sie aufs neue den Beweis für die Bedeutung der Juden auf dem Gebiete der Wissenschaft und der Forschung erbracht. Handwerker-Ausbildung nur zwecks Auswanderung: Die Zeitschrift „Deutsches Handwerk". München, veröffentlicht in ihrer Ausgabe vom 8. d. M. nachstehendes: „Wie der Reichs- und Preußische Minister des Innern mit mitteilt, hält er es nicht für angebracht, die Abhaltung von handwerklichen Unterrithtskiirsen für auswand erungswillige Juden zu verhindern oder tu erschweren, da jede Maßnahme zu begrüßen ist, die die Auswanderung der Juden fördert. Der bei einem Verbleib einzelner handwerksmäßig ausgebildeter Juden im Inlande befürchteten Schwaratrbeit dürfte durch polizeiliche Mt&nah. men wirksam begegnet werden können. Der in solchen Fällen etwa beabsichtigten selbständigen Ausübung eines Handwerks als stellendes Gewerljc stehen die Vorschriften der Dritten Verordnung ülier den vorläufigen Aufbau des deutschen Handwerks vom 18. Januar 1935 — RGBl. I S. 15 — entgegen." Die von dem Rimdcrkd erwähnte Handwerkerverordrmng sieht den sogen, großen Befih%«jigsnachweis vor: die Ausübung eine» Handwerks wird künftig, von einigen Uebergangsbestimmungen abgesehen, in Deutschland nur nach Absolvierung einer ordfH»ig*rnSßißen Lehr- und Gesellenreit und nach Ablegung der Meisterprüfung möglich sein. (Derselbe Erlaß ist inzwischen auch vom Pressedienst der NSDAP amtlich verbreitet worden.) Daraus geht hervor, daß es als nicht erwünscht gitt, daß in Deutschland verbleibende Jude« ein Handwerk ausüben. Zugleich aber finden vir oft, daß man aus der Tatsache einer verhältnismäßig schwachen jüdischen Handwerksschicht psychologische Folgerungen bzgl. angeblicher Abneigung der Juden, handwerklich zu arbeiten, zieht. Bestrafte Gefälligkeit Die „Frankfurter Zeitung" meldet aus Braunschwelgl Der 47jährige Otto Reupke in Langelsheim hatte einem nichtarischen Kaufmann erlaubt, auf der Bodenkammer seiner Dienstwohnung'- Waren aufzustellen. Dem Kaufmann war es wirtschaftlich so schlecht gegangen, daß er Wohlfahrtsunterstützung bezogen hatte. Später hatte er eine Stellung bei einer ansehen Firma bekommen, für die er Waren verkaufte. Damit er nun nicht immer den schweren Koffer mit sich zu tragen brauchte, wenn er die Waren in Langelsheim verkaufen wollte, hatte Reupke ihm aus Gefälligkeit gestattet, den Koffer und die Waren auf der Bodenkammer unterzubringen, Eine Entschädigung hatte Reupke dafür nicht genommen, sie war ihm auch nicht angeboten worden. Er hatte es aus Gefälligkeit getan und weil et wufite, daß der Kaufmann Kriegsfreiwilliger war. Als die Angelegcnlteit in Langelsheim bekannt wurde, kam es dort zu einer großen Erregung, so daß drei Abgesandte der Partei bei Reupke erschienen und ihn wegen seines Verhaltens zur Rede stellten. Reupke hatte sich jetzt vor der Dienststrafkammer für nichtrichterliche Beamte zu verantworten. Der Gencralstaatsanwalt beantragte gegen ihn, weil er nicht die Genehmigung seiner vorgesetzten Dienstbehörde eingeholt habe, einen Verweis. Wegen der beleidigenden Aculkrungen, die außerdem der Anklage zugrunde lagen, beantragte er Freisprechung, da Reupke zuerst beleidigt worden sei. Die Dienststrafkammer verurteilte den Angeklagten wegen Nichteinholung der Genehmigung der vorgesetzten Dienstbehörde zu der beantragten Strafe. dor", sie nannte ihre erste Siedlung im Ernek Jesreel ihm zu Ehren Tel Jossef — Josefs-Hügel. Viel später, als eine revisionistische Jugendbewegung entstand, die vor allem das Soldatische betonen wollte, nahm diese die Figur des Soldaten Trumpeldor, der ja auch mit Jabotinsky während des Krieges den jüdischen Legionsgedanken verfocht, für sich in Anspruch und nannte sich „Trumpeldor-Bund" (Brith Trumpeldor). Beide, heute einander erbittert befehdenden, Lager verehren also das Andenken Trumpeldors, und der Waad Leumi, der Nationalrat der palästinensischen Juden, mußte auch in diesem Jahre die Zeit für den Besuch des Trumpcldor-Grabes genau einteilen: die Arbeiterschaft besucht das Grab am 15. März, der revisionistische „Bethar" (Brith Trumpeldor) am 17. März. So ist im Zeichen Trumpeldors gerade das entstanden, was er nicht wollte, eine Spaltung innerhalb der jüdischen Volksgemeinschaft Palastinas. Es ist heute schwer zu ermessen, wie sich diese Spannung weiter gestalten soll, und es ist nicht unsere Sache zu entscheiden, wer der rechtmäßige Erbe des Namens ist Oft scheinen uns die Worte Tel Chaj und Trumpeldor durch die, die sie im Munde führen, bedenklich banalisiert. Die denkwürdig gewordene Farm Tel Chaj soll übrigens jetzt durch jüdische Jugend aus Deutschland wieder aufgebaut werden. Die fünfzehnte Wiederkehr dieses Todestages möge ein Anlaß sein, nicht nur eines der romantischesten Kapitel der neueren jüdischen Oeschichte zu durchdenken, sondern auch die besten Kräfte des Volkes auf das Ziel hinzulenken, wie etwas von den Idealen, die die verehrten Toten vertreten haben und deren Impuls erst die ganze Bewegung einer idealistisch gerichteten Jugend und damit des ganzen Palästina-Aufbaus ins Rollen brachte, hinübergerettet werden kann in die so viel nüchterner gewordene Gegenwart. HaupUKhri Weiten Dr. Robert Welt ich, Berlin-Charlotten bürg & Stellvertreter! Kurt Loe we n»te in, Berlin W 15. Anreigenleiteria und verantwortlich für den Anzeigenteil: Helen« Chtneincr, Berlin N 54, Verlag «nd AnieigenverwaJtangi Jüdische Rundich««* G.m.b.H., Berlin W 15, Meinekestr. 10. D.-A. Februar 1835: 33 461 , Druck; Siegfried Schokm, Bcrlin-Schöneberg.

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