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Jüdische Rundschau · 1935-03-15 · Heft 22 (15.3.1935) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 22 (15.3.1935)
Date
1935-03-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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18.3.^935 Kr. 2fi / Jahrgang 40 Preis 25 Rpf. JUDISCHE RUNDSCHAU g<}jrifUelt»ne, Varia j a. Anialeanvarwaltuii» ■ BarUn W1S, Halnakaatr.14 Karnrut: Saromel-Nr.) 1 Bismarck 3181/82,7165/70.7240/42. - B.rue.pr.t« j« Monat RM 2,-, ]« Vierteljahr RM 5,75. - Poetacheck-Kouteri der Vertrieb»-Abtaihina; Berlin 71573 (für GroR - Berlin), Berlin 17392 (für des übrige Reich). AiulandebenK In leweiliger Landeewährung- - Erscheint Jedan Diene tag «ad Freitag. BERLIN rrcnn "i tin FREITAG, 15, MAERZ 1935 per Zionismus erstrebt für das |Qdlsche Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Helmstitte In Palästina. (Baseler Programm) Anxalgwnpreiallsta Nr. 2 jröltig. Die I2gesp. mm-Zeile 20 Rpf, für Stellcnr.ee. 10 Rpf, für FamÜiennachrichtcn 15 Rpl. Einzelenzeieen nur gegen Vorauszahlung an Schelter oder auf Poetscheck-Konto Berlin 71618 Montau hie Donnerntag 9-18 Uhr Freitag 9-16 Uhr. Annahroeschluo für die Dienaiag-AuaRabe Montag 10 Uhr, für die Freitag-Ausgabe Mittwoch 13 Uhr (Familienanzeigen bis Donnerstag 10 Uhr Die spanische Staatsfeier Trumpeldor 7..~. 4 4 AJo. — -I »I MSe. Programm der Feierlichkeiten in Cordoba und Madrid Die offizielle Delegation des Komitees der 80Ö-Jahrfeier des Geburtstages des jüdischen Religionsphilosophen Moses ben Maimon in Cordoba teilt folgendes vorläufige Programm der Feierlichkeiten mit: Montag, den 25. März: Offizieller Empfang durch den Bürgermeister der Stadt und feierliche Eröffnung der Festakte. — Nachmittags: Feierliche Gedenksitzung, veranstaltet durch die Akademie der Wissenschaften, Schönen Literatur und Edlen Künste. Dienstag, den 26. März: Vortrag eines ausländischen Philosophen, veranstaltet durch die Fakultät der Philosophie und Literatur der Zentral-Universität von Madrid. — Inauguration des Bibliothek-Museums für Maimottides. Mittwoch, den 27. März: Vortrag, gehalten vom Direktor der Hochschule für Arab. Studien von Granada, Don Emilio Garcia Gomez. — Ausflug nach Medina Az-Zabrc. Donnerstag, den 28. März: Vortrag Dr. Gregorio Maranon. — Literarische Festlichkeit in der Sierra von Cordoba. Freitag, den 29. März: Vortrag Prof. David Baumgardt (Berlin). Sonnabend, den 30. März: Mittags Schließung der offiziellen Festakte der Jahrhundertfeier unter Beisein Sr. Exzellenz des Präsidenten der Republik. Die Stadt Cordoba selbst veranstaltet eine Anzahl populärer Festlichkeiten zu Ehren der Gäste der Jahrhundertfeier. Aus Madrid wird uns berichtet: In den Räumen der „Union Ibero-Americana" in Madrid fand eine festliche Konferenz statt als Einleitung zu einer Reihe von Konferenzen, welche im Laufe des Monats Marz aus dem gleichen Anlaß abgehalten werden. Die Schriftstellerin Olga Briceno, aus Venezuela stammend, hielt einen Vortrag. Die Referentin sprach über das Thema „Maimonides in Corboda, in Fez und in Aegypten". Der Mensch und der Philosoph. In den weiteren Veranstaltungen werden sprechen: Don Francisco Vera über: „Maimonides und die Mathematik des XII. Jahrhunderts"; Don Pedro de Repide über: „Maimonides, ein spanischer Weiser"; Dr. Garcia del Real über: „Maimonides der Philosoph und der Mediziner"; schließlich Dr. Fernandez Alcalde über: „Die Forschungen des Maimonides in der Arzneiwissenschaft". Am 23. März wird ein Huldigungsakt stattfinden unter Mitwirkung der spanischen Regierung und der Akademien der Geschichte, der Moralischen, Politischen und Medizinischen Wissenschaften, sowie der Akademie National der Geschichtsschreiber der spanischen Wissenschaft. (Academias de la Historia, Ciencias morales y Politicas y Medicina, la Academia National de Historiadores de la eiencia espanola.) Bei diesen Feierlichkeiten werden u. a. Don Moises H. A r a n c o t, Don Ignacio Bauer und Don Cristobal d e Castro das Wort ergreifen. Edgard Schall Dr. Alfred Klee wird als Vertreter der Berliner Jüdischen Gemeinde an den Veranstaltungen und Feiern in Madrid und Cordova teilnehmen. die Echtheit der „Protokolle" Das neue Gutachten Der „Völkische Beobachter", Berlin, beschäftigt sich in seinen Ausgaben vom 12., 13. und 14. März neuerlich mit dem Bern er Proze ß um die Echtheit der „Protokolle der Weisen von Zion". Die Artikelserie wird mit der Bemerkung eingeleitet, daß nunmehr das Gutachten des Experten Oberstleutnant Fleischhauer eingereicht worden ist und die neue Verhandlung etwa am 29, April zu erwarten sei. Es heißt dann weiter: „Da dieser Prozeß (las Interesse der gesamten Welt, der jüdischen und der nichtjüdischen, in Anspruch nehmen wird, halten wir es für erforderlich, unsere Leserschaft schon heute von den Vorgängen in Kenntnis zu setzen, damit sie später leichter in der Lage and, dem Prozesse, über den wir laufend berichten werden, zu folgen." Die Artikel selbst beschäftigen sich dann mit der Vorgeschichte des Prozesses, wobei gesagt wird, der Hauptangeklagte sei ein junger Musiker von 20 Jahren, von dem die Juden angenommen hatten, er würde nicht die nötige Erfahrung, das nötige Geld haben, um diesen Prozeß zu führen. Der Prozeß selbst sei durch den Art. 14 des Berti erGesetz es betreffend Schundliteratur ermöglicht worden, der folgendermaßen lautet: „Verboten sind: Die Drucklegung, der Verlag, die Feilhaltung, der Verkauf, die tatgrltliche Ausleihe, die öffentliche Aufteilung und Anpreisung, »«■je jedes andere Inverkehrbringen von Schundliteratur, insbesondere ♦"n Schriftwerken, deren Form und Inhalt geeignet sind, zur Begehung von Verbrechen anzureizen oder Anl< itung zu gel>en, die Sitt- 'i'hkeit zu gefährden, da» Schamgefühl gröblich zu verletzen, eine ♦"beerende Wirkung auszuüben oder sonstwie groben Anstoß zu «regen. Das Verbot trifft Büchel, Schriften, Drucksachen, Lieder, Ab- »udungr-n, Plakate, Inserate und andere gedruckte oder bildliche Darstellungen." Nach einigen abfälligen Bemerkungen über die auf Antrag der Kläger und des Gerichts herangezogenen Experten »erden dann im zweiten Artikel die Fragen zitiert, die von dem Gericht und von den Klägern an den von dem Besagten namhaft gemachten Experten gestellt werden. In «cm dritten Artikel werden die Zeugen angeführt, die bei °er Verhandlung in Bern am 29. Oktober v. J. aufgetreten ,'n<J (s- <iausführlichen Bericht in der „J. R." vom 2. Nov. '• Von diesen Zeugen wird dann folgendes gesagt: »Daß gegen alle diese Zeugen unendliches Material vorliegt, fch welches man ihnen nachweisen kann, daß ihre Aussagen den «»gehen nicht entsprechen — woher soll das ein etwas mehr alr jähriger junger Musiker, der in einer Versammlung eine Brat Mlit llat> wissen? Wissen es doch nicht einmal sogenannte I-cute. Sie haben ja in Deutschland einen Pfarrer" Dr. «o 1. L a i b 1 e, Leipzig, der als Herausgeber der allgemeinen nngehsch-lutherischen Kirchenzojtuiig in Leipzig zeichnet, der sich ><ht die Mühe genommen hat, den Wert oder Unwert dieser Zeugen fnnenzulcmen. Auch selbst eler in Deutschland doch nicht ganz gekannte Herr Dr. Wilhelm Stapel vom .Deutschen Volks- ™ hat ohne weiteres diese Zeugenaussagen als richtig angenom- |j*n, obwohl doch in Deutschland genügend Menschen sein sollten, Verbindung mit unterrichteten russischen Kreisen haben dürften." (Auch Dr. Stapel, selbst ein radikaler Antisemit, hat dl "IrVutsrhcn Volkstum" die Meinung ausgesprochen, daß We «Protokolle« eine Fälschung sind.) oschüre gcbil- Dej- Ärtfkel des „Völkischen Beobachters" erwähnt nicht, daß beiden Teilen ein volles Jahr als Frist zur Namhaftmachung von Gutachtern gewährt worden ist und daß der Angeklagte zwei Experten tatsächlich namhaft gemacht hat. Der erstgenannte, der in Deutschland bekannte Pastor Münch mey er, konnte, wie der Gerichtshof mitgeteilt hat, durch die Post nicht aufgefunden werden; der zweite Experte, Prof. Hausheer in Zürich, lehnte die Einladung des Gerichtspräsidenten zur Erstattung des Gutachtens ab. Trotzdem waren die Kläger, die Vertreter der Jüdischen Gemeinde Bern, bereit, der Erteilung einer neuen Nachfrist zugunsten des Angeklagten zuzustimmen, obgleich auf diese Weise der Prozeß verschleppt wurde. Ucber die Ausarbeitung des nunmehr für die Beklagten abgegebenen Gutachtens berichtet der „Völkische Beobachter" folgendermaßen: „Erst im letzten Moment erfuhr der Ilauptbeklagte etwas von den Aufgaben des .Welt-Dienst'. Er erbat sich Material zu der Judenfrage, und schließlich wurde eine Vereinbarung getroffen, wonach der Herausgeber des .Welt-Dienst', Oberstleutnant Ulrich Fleischhauer, sich ihm als F.x|Krten zur Verfügung stellte. Fleischhauer trat mit l'ebernahmc dieser Aufg.tbc bis zur Beendigung des Prozesses vom .Wclt-Hiensl' zurück. Spontan bildeten sich gleichzeitig in den einzelnen Ländern Schutz komitecs, die die verschicrlensten Namen annahmen. .Arischer Schutzbund', ,Aryo- Piotfetion-Fond', ,Aryo-christian-Protection Fond' usw. Vor allem kam es diesen Komitees darauf an, Material zu sammeln, da zahlreiche Kenner und Wissenschaftler aus allen Ländern Material zu dieser Frage vorrätig haben. Die Komitees bildeten aus sich heraus ein Zentralkomitee, dem sie das bei ihnen eingegangene und vorgeprüfte Material zur weiteren Prüfung und Sichtung einreichten. Das Zentralkomitee bearbeitet dann die einzelnen Angalten, ergänzt sie, prüft sie und reicht nur das wichtige und neueste Material dem Sachverständigen Fleischhauer für .seine Arbeit ein. Fleischhauer hatte den Richter gebeten, wegen der überaus schwierigen Arbeit ihm doch wenigstens die Frist von wenigen Wochen, statt zum 15. Dezember auf den 15. Februar zu verlängern. Dor Richter verlängerte jedoch die Einreichefrist nur um einen einzigen Monat. Da Fleischhauer bis zu diesem Tage unmöglich in der Loge war, allein sämtliche (in unserer letzten Nummer genannten) Fragen des Richters und der Klägerschaft eingehend zu beantworten, stellte ihm das Komitee einen Mitarbeiterstab von Spezialist e n zur Verfügung. Mit Anspannung aller Kräfte — zuletzt arbeitete die Druckerei in drei Schichten — gelang es, das Gutachten, teils als Manuskript gedruckt, teils in Schreibmaschinenseiten dem Richter einzureichen. Es hat rund 400 Druckseiten im Format des großen Judenlexikons ,Sigilla veri'. (Weitere Berichte folgen entsprechend dem Verlauf der weiteren Aktionen. Schriftleitung des ,V. B.')" Der Wortlaut des Gutachtens selbst ist noch nicht bekannt. Nach den Verhandlungen vom 29. Oktober haben auch überzeugte Antisemiten die These von der Echtheit der „Protokolle" aufgegeben. Es wird interessant sein, mit welchen Beweisen der Gutachter des Angeklagten den Glauben an die Echtheit der „Protokolle" aufrechtzuerhalten sucht. H&cU$Uh> Dienstog,: Reichhaltige Purim- Beilage Zum 11. Adar =15. März In diesen Tagen (am 11. Adar) jährt sich zum 15. Male der Tag, an dem Josef Trumpeldor und sechs seiner Gefährten bei der Verteidigung eines der nördlichsten Siedlungspunkte Palästinas ihr Leben gelassen. Für viele der jetzt erwachsenen Jugendlichen sind auch diese Ereignisse bereits in mythische Vergangenheit gerückt und mit dem Zauber der Legende umwoben. Die ältere Generation braucht sich nur vorzustellen, daß Trumpeldors Tod so weit zurückliegt, wie etwa im Jahre 1912 der erste Zionistenkongreß. Der Jugend von damals war Herzls Wirken schon Kunde ferner Vorzeit. Trumpeldor ist eine der merkwürdigsten Gestalten der jüngsten jüdischen Geschichte; ein Jude, der in einer besonders eindrucksvollen Form eine Haltung verkörpert, die man sonst im allgemeinen nicht als „jüdisch" zu bezeichnen pflegt, weil die Lebensformen der großen Mehrheit des jüdischen Volkes Jahrhunderte hindurch keine Gelegenheit dazu gaben. Der Jude des Mittelalters, das für die Juden bis ins 19. Jahrhundert reicht, war der lernende Jude, der über Bücher gebeugt ist und sich in eine vergangene Welt so völlig einspinnt, daß er die direkte Beziehung zu der sinnlich wahrnehmbaren Welt fast verliert. Man meinte schon, es könne nicht anders sein. Nur durch Assimilation an andere Völker meinte der Jude, auch anders leben zu können. Daß es aber unrichtig ist, eine aus den Zeit- und Lebensverhältnissen entstandene Eigenart als konstitutiv zu betrachten, ergibt sich daraus, daß bei einer Veränderung der äußeren Lebensbedingungen auch ganz andere, früher verkümmerte Charakterz.üge (wobei wir von einer Bewertung hier absehen) zur Entwicklung gelangten. Das haben wir in der Periode der nationalen Renaissance, im Zionismus, plötzlich erfahren. Die Tagebücher Theodor Herzls enthüllen uns einen Menschen, der von Ghetto-Gesinnung,ganz frei war. Die Tagebücher Trumpeldors zeigel« uns daneben einen anderen Typus des neuzeitlichen Juden, der in seinem Gefühlsleben nichts mehr mit dem gebeugten Ghetto-Juden zu tun hat. Trumpeldor verband mit persönlicher Tapferkeit und Todesbereitschaft ein inniges Gefühl für Natur und Menschlichkeit und Ehrfurcht vor dem Lebendigen. All sein Sinnen war auf die Schaffung einer besseren Lcbensordnung gerichtet, in der Gemeinschaftsgeist und menschliche Nähe das Zusammenleben bestimmen. Eine solche Ordnung, das wußte er, konnte nur aus dem vollen, selbstlosen Einsatz, jedes Einzelnen entstehen. Dieser Mann, der als junger Mensch im Russisch-Japanischen Krieg (1904) sich ausgezeichnet und in den Kämpfen einen Arm verloren hatte, der persönlich alle Voraussetzungen für Assimilation mitbrachte, fühlte sich ganz, gebunden an die Aufgabe der Erneuerung des jüdischen Volkes. Als der Weltkrieg in Osteuropa ein ungeheueres Chaos geschaffen und die Lebensgrundlagen riesiger Massen des jüdischen Volkes vernichtet harte, war es Trumpeldor, der die Jugend des Volkes für ein neues Leben zu organisieren begann. Er war es, der die Parole der Chaluziuth, des Pioniertums der Jugend, als erster ausgegeben hat. In seinem Sinne sind die ersten Gruppen jüdischer Jugend aus Rußland nach Palästina gezogen, um dort die damals noch völlig verödeten Hachen für ein l eben des Volkes vorzubereiten. Sie waren „Pioniere", die vorangehen, damit die andern nachkommen können. Trumpeldor selbst konnte erst im November 1919 nachfolgen. Er kam nach Palästina mit der Absicht, die bestehenden Arbeitergruppen, die sich ideologisch bekämpften, zu einer Einheit zu verschmelzen und eine „Legion der Arbeit" zu schaffen. Nicht zum Kampf, sondern zur aufbauenden Arbeit im Zeichen eines neuen Gemeinschaftsgefühls und im Zeichen der Errichtung einer neuen besseren Volksgemeinschaft wollte dieser Soldat das von ihm geführte Heer junger Juden einsetzen. Der Zusammenbruch der europäischen Welt im Weltkrieg hat den Gedanken verstärkt, daß das neue Volksleben des jüdischen Volkes in Erez Israel auf gesünderer, gerechterer sozialer Grundlage aufgebaut sein muß. Für diesen Gedanken warb Trumpeldor in Wort und Schrift und vor allem durch sein persönliches Beispiel. Es ist eine Tragik und zugleich eine Ironie der Geschichte, daß dieser Mann, der vielleicht der ganzen Entwicklung Palästinas ein charakteristisches Gepräge hätte geben können, gleich am Anfang seiner Nachkriegs- Tätigkeit einer Episode zum Opfer gefallen ist, die an sich keine große Bedeutung hat. Im Frühjahr 1920, als in Syrien der damalige Emir Feissal (der spätere König W^ifj* ■• I

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