Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 21 (12.3.1935)
- Date
- 1935-03-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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feite 4 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 21, 12. Id. 1935 ™t^:™!£°eu Deutschland und Palästina Das letzt« Genfer Protokoll Die zionistische Presse aller Länder hat sich in den letzten Wochen reit der Erklärung beschäftigt, die die Permanente Mandats-Kommission des Völkerbundes in ihrer Sitzung vom November WH zu einer revisionistischen Petition abgegeben hat. Bekanntlich machen die Revisionisten seit Jahren für den Gedanken Propaganda, daß durch eine Akti >n des jüdischen Volkes England gezwungen werden soll, seine Palästinapolitik zugunsten der Jaden zu ändern. Es sollen, so schlagen die Revisionisten vor, in der ganzen Welt jüdische Unterschriften gesammelt werden, und mit diesen ausgestattet, sollen dann Petitionen an alle Parlamente und Regierungen der Welt, insbesondere an den Völkerbund, gerichtet werden, die darauf hinauslaufen, daß mit Rücksicht auf die Judennot Palästina und Transjordanien als Judenstaat erklärt werden. Eine besondere Bedeutung wird der Petition an den Völkerbund beigelegt, da ja der Völkerbund verfassungsmäßig die Aufsicht über die Mandats-Verwaltung in Palästina zu führen hat. Der Völkerbund soll, so stellt man sich vor, der Mandatarmacht den Auftrag geben, die Gründung eines Judenstaats vorzubereiten. Demgegenüber hat die Mandatarmacht bis jetzt sich stets auf den Wortlaut des Mandats berufen, wonach sie verpflichtet ist, die Errichtung des Jüdischen Natioualltchns zu fördern, aber zugleich über die Wohlfahrt der bestehenden Be\ölkerung zu wachen. Der Völkerbund und die Mandats-Kommission haben auf diese „zweifache Verpflichtung" stets den größten Nachdruck gelegt. Als erster Schritt in dem System der neuen revisionistischen Politik, die von der allein zur jüdischen Vertretung in Palästina-Dingen legitimierten Jewish Agency als separatistische Souderaktion abgelehnt wird, ist nun im Juni v. J. eine Petition der palästinensischen Revisionisten an den Völkerbund geleitet worden. Diese Petition wurde von der Mandats-Kommission in ihrer letzten Sitzung zurückgewiesen. In der zionistischen Presse wird nun daran! hingewiesen, dafi durch die l.'eberreichuitg dieser revisionistischen Petition die Mandat.s-KoinmNsion geradezu gezwungen wurde, ein Präjudiz zu schaffen, indem sie erklärte, dali die Forderung der Revisionisten nach „Errichtung eines Judenstaates" mit dem Mandat im Widerspruch steht. Die Revisionisten haben also genau das Gegenteil von dem erreicht, was sie erreichen wollten. Es liegt uns nunmehr das gedruckte Protokoll der 26. Session der M a ml a I s - K o m m i s s i o n in Genf vor (Series of League of Natnms Publications, C. 480, M. 214/ 1934 VI), aus dem die Einzelheiten zu ersehen sind. Die Verhandlungen der Kommission haben sich diesmal nicht mit der Prüfung der Verwaltung Palästinas beschäftigt, sondern meist mit B- und C-Mandaten. Dagegen lagen eine Reihe von Petitionen aus Palästina und Syrien vor, die von der Kommission behandelt wurden. Die Berichte der von der Kommission ernannten Berichterstatter sind in dem Protokoll vollinhaltlich abgedruckt. Lieber die revisionistische Petition betreffend Palästina berichtet das belgische Mitglied der Kommission, Orts. Die Petition, so führt der Berichterstatter aus, ist in der Form einer Broschüre von 21 Seiten vorgelegt, die unter dem Titel „Der Sinn des Mandates — die Schaffung eines jüdischen Staates" längere Ausführungen macht und schließlich die Mandats-Kommission auffordert, für eine radikale Revision der Prinzipien der Verwaltung Palästinas einzutreten, indem aiie die Beschränkungen der jüdischen Immigration aufgehoben werden, um schrittweise eine jüdisch« Mehrheit in Palästina als Voraussetzung eines jüdischen Staates zu schaffen, der nach Meinung der Petitiotiäre das letzte Ziel des Mandats ist. Dieser Staat sollte auch Transjordaniest einbeziehen. Die Maiidatarmacht hatte in ihren zu dieser Petition hinzugefügten Bemerkungen darauf hingewiesen, daß diese Petition auf einer Vorstellung beruht, die weit von der der M a n d a t a r m a c h t selbst und des Völkerbundes a b w eicht. I)aher sei es u n m «"> g I i c h, weitere Bemerkungen zu den Einzelheiten der Forderungen und Kritik vorzubringen. Hierzu »agt lier Berichterstatter Orts: „Die Berechtigung dii.--or Bemerkungen der Maiidatarmacht ist unbestreitbar. Ja die Anschauung des Petitionärs über den Umfang lies Palästina-Mandats stellt in direktem Widerspruch mit der I n t e r p r e t a t i o n, w eiche die Mandats-Kommission seihst dic-etn Dokument in ihrer 17. Session gegeben hat. Daher Et es unmöglich, die verschiedenen Gesichtspunkte der Petition naher zu prüfen. Nur einen Punkt möchte ich hervorheben, nämlkh den Hinweis auf die Gefahr, welche angeblich der jihIi-eisen Bevölkerung droht, weil die Polizei zu 60 "," aus Arabern bestellt. Mit Rücksicht darauf möchte ich daran erinnern, daß bei unserer 23, Session der akkreditierte Vertreter der .Mandatannacht für Palästina die formelle Erklärung abgegeben hat, da!S die Manda larraacht für die A u f r e c Ii t e r h a 11 u n g d e r O r d n u n g unter allen Umständen die Verantwortung übernimmt. Aus diesem Gründe schlage ich folgende Konklusion vor: „Nach Prüfimg der vom 30. April 1934 datierten Petition von A. Weinschal, Präsident des Zentralkomitees der Union der Zionistcn-Revisionisten in Palästina, und der von der Mandatarmacht hieran geknüpften Bemerkungen ist die Kommission der Ansicht, dali diese Petition nicht die Bedingungen der Zulassung erfüllt, weil sie Forderungen erhebt, welche mit dem Mandat für Palästina unvereinbar sind." Diese Antwort der Kommission ist durchaus vorauszusehen gewesen. Die Kommission hätte nach Lage der Dinge gar keine andere Antwort geben können, und es liegt auf der Hand, daß es jeder ähnlich gearteten Petition, wie sie die Revisionisten vorschlagen, genau so ergehen wird. Die einzige Chance, die solche Schritte haben, ist, daß sie G c g c n k r ä f t c auf den Plan rufen, die vielleicht weit über die nur demonstrative Bedeutung der Petition hinaus der Sache des Jüdischen Nationalheims Schaden zufügen können. Art sonstigen Palästina betreffenden Petitionen finden wir In dem Protokoll noch eine vom „Brith Kibbuz Galujoth" in Palistina (wer hinter dieser Organisation steht, ist nicht klar), die sich über die Einwanderungsbestimmungen beschwert und HäcUdcH Tmta$: ICUtdci-UuMtcUau, Wirtschaftsbeziehungen und Transfer In der „Westfäflschen Landeszeitung Rote Erde", Dortmund, vom 8. März veröffentlicht Dr. Hermann Schneider einen Aufsatz „Klarheit um Palästin a", in dessen Verlauf er die gegenseitigen wirtschaftlichen Beziehungen Palästinas und Deutschlands charakterisiert und feststellt, daß unabhängig von der politischen Stellungnahme zu den Juden hier in vielen Punkten ein gemeinsames Interesse wirtschaftlicher Art vorliegt. Es sei daher falsch, wenn die deutsche Industrie gerade Palästina aus ihrem Blickfeld ausschalten wollte. Der Verfasser sagt darüber: „Palästina soll das Heimatland der Juden werden. Zwischen uns und den Juden gibt es einen sehr klaren, einwandfreien Trennungsstrich. (Im Original gesperrt. — A. d. „J. R.'') Soll uns diese Linie, deren Lage heute für jeden Deutschen einwandfrei festliegt, hindern, zu sehen, was jenseits vor sich geht? Wir könnten auf diese Beschäftigung verzichten, wenn die, denen wir weiteren unheilvollen Eingriff in unser Leben und Denken verwehrt haben, jenseits der Linie im Uninteressanten bleiben würden." Er hebt dann die große Wareneinfuhr in Palästina hervor, wobei deutsche Waren eine große Rolle spielen, und fährt fort: „Noch . wichtiger wird aber die Unterrichtung über Paliistina, wenn man sich folgendes vor Augen hält: Die von Deutschland nach Palästina auswand e r n d en Juden können einen Teil ihres Besitzes mit sieh nehmen. Ohne weiteres wurde ihnen das gestattet, da man erkannte, dali die Juden nur dann in größerem Ausmaß zu der von uns gewünschten Auswanderung kommen, wenn sie die Möglichkeit haben, sich anderweitig eine Existenz zu gründen. Die Mitnahme der Vermögenswerte ist aber bei unserer Devisenlage selbstverständlich nur in Form der Warenausfuhr möglich. Dieser Vorgang kann sich nicht etwa so abspielen, daß der auswandernde Jude mit einer Menge Waren irgendwelcher Art Deutsehland verlädt. Es ist vielmehr so, daß aus den Erlösen der von Deutschland nach Palästina gelieferten Waren, die dort aus Deutschland eingewanderten Juden ausgezahlt werden, wogegen -der deutsche Exporteur aus den hier eingezahlten, zum Transfer zugelassenen Markbetragen der Emigranten befriedigt wird. Wenn nun der Absatt deutscher Waren in Palästina, der sich 1934 gegenüber 1933 um last 50 ",'o tlcs Wertes heben konnte, irgendwie verlangsamt wird, kann sich dies auch auf das Tempo der jüdischen Emigration nachteilig auswirken — was bestimmt ganz und gar nicht in unserem Interesse liegt." Gesunde Grundlagen der Wirtechalt Im zweiten Teil des Artikels wird dann die Palästina- Wirtschaft einer näheren Betrachtung unterzogen. Dazu sagt Dr. Schneider: „Es ist hillig, in Zukunftsphantasien ta machen und aus arabischen Wüsten Fata Morganas entstehen vi lassen. Es ist aber auch ebenso hillig, jeder im Bau begriffenen Wirtschaft sofort unvermeidlichen Einsturz der wahnwitzigen Spekulation vorauszusagen. Allzu blühende und allzu gallige Phantasie sind schlechte \V i r t s c h a [ t s be r i c h t e r s t a 11 e r. Tatsächlich hat es noch nie auf der Erde den Fall gegeben, daß ein Land im Zuge einer starken Einwanderung von Menschen und Kapitalien kolonisatorisch erschlossen wurde, ohne däß spekulative liebertreib ringen vorkamen. Das war in Amerika ebenso der Fall wie in Aegypten, Ist in Südairika ebenso gewesen wie in der Mandschurei. In Palästina mag es vielleicht noch ein wenig schlimmer sein, als in anderen jungen Ländern die Regel war und ist Die jüdischen Einwanderer halwn ja für diese Art des Geschäftes eine besondere uns aus einer Reihe von Fällen zur Genüge bekannte Veranlagung. Keinesfalls wird jedoch auch in Palästina die in der vorhandenen Spekulation steckende Gefahr je in der Lage »ein, auch bei stärksten Rückschlägen etwa das Land wie de r auf den Zustand vor Einsetzen der Einwanderung zurückzuwerfen. Das Land hat in dem letzten Jahrzehnt einig? hunderttausend Menschen und — vorsichtig geschätzt — viele hundert Millionen Mark an Geld in sich aufgenommen. Selbst starke Depres. •*j°nen können von diesen Summen nur Bruchteile vernichten, da die finanziellen Grundlagen der Industrie, des größten Teils der Landwirt, schaft und eines erheblichen Teiles der Bauwirtsch.au. viel zu gc. sund sind. Schließlich ist in dem, von der Mandatsregierung gf. wissermaßen zu ihrer eigenen Verwunderung angesammelten Budgetüberschuß, der zur Zeit schon mehr als 60 Millionen Goldmark — das ist mehr als ein Jahresbudget des Landes — ein höchst stabilisierend wirkendes Rückgrat der palästinensischen Wirt, schaft gegeben." Weiter führt der Verfasser aus, daß auch der Einwand in Palästina gebe es keine Rohstoffe, unrichtig sei, da einesteils die wirtschaftliche Entwicklung von Ländern nicht immer nur von der Rohstoffbasis abhängt, andererseits aber auch die Rohstoffbasis Palästinas nicht zu bagatellisieren ist, wobei er insbesondere auf das Kali des Toten Meeres und das Erdöl von Mossul verweist. Vor allem habe Palästina als wirf, schaftlicher Brückenkopf eine gewaltige handels« politische Bedeutung. Derselbe Verfasser veröffentlicht auch in der Zeitschrift „Die L cd er warte" (Mitteilungsblatt der Reichsbetriebsgemeinschaft Leder) einen Aufsatz über die Entwicklung Palästinas, worin er die schnelle kolonisatorische Entwicklung des Landes, insbesondere der Stadt, schildert mit ihren allgemein bekannten Schattenseiten, die ja, wie der Verfasser auch in dem oben zitierten Artikel betont, in allen derartigen Fällen bei der Erschließung von Kolonialländern unvermeidlich sind. Unnötigerweise versieht die Zeitschrift „Die Lederwarte" diesen Bericht mit einem für die Juden unfreundlichen Titel. In der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" wird an der Hand der Zeitschrift „Der Nahe Osten" das Abkommen mitgeteilt, das zwischen der Jaffa Citrus Exchange und den zuständigen deutschen Stellen bezüglich der Bezahlung palästinensischer Orangen in Deutschland getroffen wurde. Die Palästina-Orange ist in Deutschland bekanntlich sehr beliebt, und auch vom palästinensischen Blickpunkt gesehen ist Deutschland wichtiges Absatzgebiet. Da jedoch devisentechnisch die Bezahlung der Orangeneinfuhr große Schwierigkeiten machen würde, ist folgendes Arrangement getroffen worden: „Die Beträge, die von den deutschen Orangeneinfuhrhändlern an die Exporteure in Palästina abzuführen sind, werden in Reichs, mark auf ein Sonderkonto eingezahlt, das das Hamburger Bankhaus M. Warburg & Co. zugunsten der Anglo Palestine Bank in Tel-Awiw eröffnet, die diese Beträge zur Verfügung der Exportcure hält. Diesen ist es nun anheimgestellt, ihre Markguthaben an deutsche Ausfuhrhäuser, die den Fernen Osten. Britisch-Indien und Aegypten beliefern, zu verkaufen, die ihrerseits ermächtigt sind, einen bestimmten Teil ihrer Deviseneingänge für Währungskon Versionen dieser Art bereitzustellen.' Die auf diesem Wege eingetauschten Devisen" »erden dann über das Bankhaus Warburg und die Anglo Palestine Bank den Exporteuren zugeführt. Zunächst ist von deutscher Seite die Gesamtsumme, die auf vorgenannte Weise zur Bezahlung der Orangenlieferungen aus Palästina transferiert werden darf, auf 4 MilL RM. festgesetzt. Es besteht aber große Aussicht, daß dieser Betrag erhöht werden wird, wenn der Umfang der Orangenverschiffungen nach Deutschland eine solche Erhöhung notwendig macht und sich die getroffene Regelung des Transferproblems in der Praxis bewährt." von der Kommission ohne weitere Bemerkungen ad acta gelegt wird. Dasselbe Schicksal erleidet eine vom Israelitischen Konsistorium Bulgariens überreichte Petition, die gleichfalls gegen die „künstliche Beschränkung" der jüdischen Einwanderung protestiert. Auch eine arabische Petition hat der Kommission vorgelegen, und zwar die vom 28. Februar 1934 datiert« Petition der „Association Syrienne Arabe" in Paris, die eine Einschränkung der jüdischen Immigration verlangt und sich dagegen wendet, daß die arabischen Demonstrationen „in brutaler Weise niedergeschlagen" worden seien. Mit Rücksicht auf die vorliegenden Aufklärungen der Mandatarmacht hat die Kommission auch diese Petition zurückgewiesen, aber zugleich „die Aufmerksamkeit des Völkerbundsrates auf den Gemütszustand gelenkt, der durch diese Petition enthüllt wird". Damit ist insbesondere ein Satz gemeint, der in dem Bericht ausdrücklich angeführt wird; die Petition hatte nämlich gesagt: „Da sie keine Mittel sich zu wehren haben, sind die palästinensischen Araber gezwungen, ihre Existenz zu verteidigen, so gut sie können." Darin, so sagt die Mandats- Kommission, ist eine Drohung zu erblicken, daß die Situation unter Umständen auch durch Mittel der Gewalt reguliert werden soll. Diese Drohung, so meint die Kommission, verdiene die Aufmerksamkeit des Völkerbundsrats. Faschistische Fürsorge für tripolltmbche Juden. ,,L'Artig i a n o" („Der Handwerker"), die Wochenschrift der faschistischen Föderation der Handwerker, die in einer besonderen, zum Teil deutschsprachigen, Ausgabe zu Propagandazwecken in Deutschland verschickt wird, berichtet in der Nummer vom 24. Februar auf der ersten Seite ausführlich über die erste Tagung der jüdischen Handwerker in Tripolis, die in Anwesenheit zahlreicher faschistischer und jüdischer Würdenträger, darunter des Rabbiners und des Inspektors für das jüdische Handwerk, Rüben Hassan, im jüdischen Gemeindehaus in Tripolis eröffnet wurde. In den Ansprachen wurde u. a, darauf hingewiesen, daß es der besondere Wunsch des Gouverneurs — des berühmten Fliegermarschalls Balbo — sei, den einheimischen Handwerkern zur besseren Verwertung ihrer Erzeugnisse zu verhelfen; deshalb sollten die jüdischen Handwerker bereitwilligst mit den faschistischen Institutionen zusammenarbeiten und den Behörden ihre jeweiligen Wünsche vortragen. Der Gouverneur lege Wert auf die Errichtung eines besonderen Handwerkerviertels, das atich schon im Bau begriffen sei und u. a. eine Schule für Oold- und Silberschmiede und eine für Keramik enthalten werde. Dieses Viertel müsse einen besonderen Anziehungspunkt für den Fremdenverkehr bilden. Es wurde ein Komitee eingesetzt, das die Probleme der Produktion und des Absatzes jüdischer Handwerksprodukte studieren soll. — Für die arabischen Handwerker fand eine entsprechende Tagung statt. A. P. Dm Bild von Gereon Steno, das in unserer vorigen Nummer veröffentlicht wurde, stammt aus dem Atelier von Dr. Waltet Vogel, Mainz. Presseschau Lord Ratherlord Aber die emigrierten WiMeaacbaHler In der Londoner „Times" vom 9. März schreibt anläßlich des eben erschienenen Berichts des Flüchtlingskommissars der berühmte englische Chemiker Lord R u t h e rf ord unter dem Titel „The Scholar in Exile" über das Problem der emigrierten Wissenschaftler, mit dem sich an anderer Stelle auch Sir Ernest Barker beschäftigt (s. Zeitscltriftenschau S. 3). Der Bericht weist aus daß von 650 Wissenschaftlern, die Deutschland verlassen haben, 218 bereits in feste Positionen wieder eingegliedert sind, davon 40 an der Universität Istanbul und 18 an der Universität Jerusalem, während die anderen über die ganze Welt zerstreut sind. Stipendien wurden an 336 Bewerber gegeben. Im Vorwort zu seinem Bericht führt der Kommissar Mr. MacDonald aus, daß die Fonds für die akademische Arbeit ohne Rücksicht auf Glauben und Rasse verwandt worden sind. Die Mittel seien sowohl von jüdischer wie von nichtjüdischer Seite zur Verfügung gestellt worden. Der „British Central Fund" (Englisch-jud. Hilfsfonds) hat £ 5000 beigesteuert, und aus privaten jüdischen Spenden kamen noch £ 5750 zusammen. Ein großer Teil der restlichen £ 28 000, die größtenteils durch Spenden und Subskriptionen zusammenkamen, entstammt von nichtjüdischen Gebern bzw. Akademikern. Rutherford hebt dies deshalb hervor, weil er Wert darauf legt, daß es sich bei dieser Frage nicht allein um ein jüdisches Problem handelt, sondern um ein aHge* meines Problem. In der Zukunft werde die Arbeit schwieriger als in der Vergangenheit sein. Die internationale Aufgabe ist jetzt, die 366 zeitweilig untergekommenen Wissenschaftler in feste Positionen zu bringen; die Mehrheit dieser Personen sind jüngere Menschen ohne den internationalen Ruf, der es bei ihren älteren Kollegen leichter machte, die Eingliederung zu vollziehen. Aber gerade diese jüngere Altersgruppe verlange besondere Hilfe bei ihrer Wiedereingliederung. Her Academic Assistence Council will ungefähr 70 jüngeren Wissenschaftlern für zwei Jahre Stipendien geben und versuchen, den Wissenschaftlern, die sich in Deutschland selbst unterhalten könnten, aber keine Möglichkeit haben, ihre Forschungsergebnisse zu veröffentlichen, gelegentliche Kurse in Großbritannien zu ermöglichen; außerdem sollen 20 Forschungsstipendien zunächst für drei Jahre gegeben werden. Der Bericht des Kommissars selbst sagt hierzu, daß die Lösung des ganzen Problems völlig bekannt sei und dali es nur an den finanziellen Voraussetzungen fehle. Dabei seien die finanziellen Erfordernisse gering m bezug aut die Bedeutung der Arbeit. „Ein Mann von Vt'eitsteht und Großzügigkeit könnte diese Krisis in der Universitätsgeschichte beenden." Rutherford schließt seinen Aufsatz mit dem Wunsch, die brachliegenden Erfahrungen und Begabungen der von ihren Posten entfernten Akademiker dadurch vor der Vernichtung zu bewahren, daß man «in* ständige internationale Organisation für akademische n,lie schafft,