Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1935-03-08 · Heft 20 (8.3.1935) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 20 (8.3.1935)
Date
1935-03-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2653827-2653847--26515-2687904
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seit» 4 JODISCHE RUNOSCHAD Nr. 20, 8. III. 1935 Kann ein Nichtarier Vormund sein? Zeitschriftenschau Bei Geisteskranken ja — sagt Landgericht Das Landgericht Berlin hat in einer Vormund- Sehaftsangelegenhcit, in welcher einem nichtarischen Vormund die Vormundschaft für eine wegen Geisteskrankheit entmündigte Person vom Amtsgericht entzogen wurde, mit Urteil vom 15. Januar den Beschluß des Amtsgerichts aufgehoben. Der Amtsrichter hatte festgestellt, daß der Vormund wegen seiner Eigenschaft als Nichtarier aus der Liste der Rechtsanwälte gelöscht worden ist und ihn daraufhin auch als Vormund entlassen, „du nach den Grundsätzen des nationalsozialistisch«! Staates ein Nichtarier, wenn Ausnahmebestimmungen zu seinen Gunsten keine Anwendung fänden, aus Aemtern, die ihm übertragen worden seien, entlassen werden müsse". Die Beschwerde des Vormundes gegen diesen Beschluß wird vom Landgericht als begründet anerkannt. Hierzu führt die Entscheidung des Landgerichts aus: „Wie da»> Kainnfigerieht bereits mehrfach, insbesondere in dem Beschluß vom 15. Juni 1934 (la. X. 372/34} ausgesprochen hat, hat tlie nationalw>zi.di-t i.s.-he «m srizgebung einen allgemeinen Rechtssatz des Inhalts, daß Nichtarier aus allen Aemtern, insbesondere Ehrenämtern, zu entlassen seien, nicht ausgesprochen. Lediglich auf bestimmten G «bieten hat sie durch Einzclgesctze bestimmt, daß Nichtarier, »oweit nicht besondere Autnahmegriinde vorliegen, aus ihren Aemtern zu entlassen seien. Das Kammergerii ht hat in dem erwähnten Beschluß mit Rücksicht hierauf au-geführt, daß der Unistand allein, daß ein Vormund oder Pfleger Nichtarier sei, seine Entlassung nicht rechtfertige, vielmehr besondere L'mstände hiniukommcu müssen, die im Einzelfall die Entlastung de» Vormundes oder Pflegers wegen seiner Eigenschaft als Nichtarier genriß § 1886 HUB. rechtfertigten. Sei he besonderen Um,lande, die vor allem dann vorliegen werden, wenn der Vormund mit der E r z i e h u n g des Mündels befaßt ist, oder wenn infolge seiner Eigenschaft als Nichtarier besondere» Schwierigkeiten bei notwendigen Verhandlungen mit anderen Beteiligten entstehen, sind im vorliegenden Falle nicht ersichtlich. Das Münde! ist geisteskrank und befindet sich in einer Anstalt; ein Eingreifen des Gegenvormundes in das persönliche Leben des Mündels kommt deshalb nicht in Betracht. Der Vormund, mit dem der Gegenvormund in erster Linie zu vei handeln hat, wünscht seine Beibehaltung. Ein Antrag auf Abberufung ist von keiner Seite gestellt. Die Voraussetzungen des § 1886 BGH. (Gefährdung des Interesses des Mündels durch Verbicilien des Vormundes im Amte) unter denen allein die Entlassung eines Vormundes oder Gegenvormundes gegen seinen Willen erfolgen kann, sind demnach nicht erfüllt." In diesem Urteil wird neuerlich bestätigt, daß in Fällen, wo nicht ausdrücklich das Oesetz etwas Gegenteiliges besagt, die Vermutung für eine Beibehaltung des früheren Rechtszustandes spricht. Aeufierungen zur Rassenfrage In der von dem Wiener Soziologen Ottmar Spann her, ausgegebenen Zeitschrift „Ständisches Leben" (Heft2) schreibt Otto Brandl in einem Beitrag „Die Rassenfrage vom Standpunkt der ganzheitlichen Gesellschaftslehre" u. », folgendes: „Die Verwendung der Mendelschen Gesetze rar zuchlmäßigen Entmischung eines Volkes ist unmöglich. Rassenhygiene hat ihre unschätzbare Bedeutung, wenn es darum geht, Einflüsse körperlich oder geistig Kranker auf die Nachkommenschaft auszuschließen... Von dieser Arbeit aber bis zur Zucht geistig-kulturell hochwertiger Menschen klafft ein Abgrund, der nicht überbrückt werden kann... Nein, die Rasse als Oesamtbild des Menschen in seiner geistigen und körperlichen Seite können wir nicht formen... Die Rassen haben alle ihre eigene Aufgabe, einen Teil des Programms eines Unsichtbaren zu erfüllen. Sie bestehen nur in ihrer Gegenseitigkeit, wir mögen das Bild der einen oder anderen für schöner und wertvoller halten; jede ist unersetzlich. Aus dem Traum der Rassezucht mußten wir geweckt werden... Alle Völker sind aus verschiedenen Rassen gemischt. Ihr Einfluß auf die Völker ist ein verschiedener. Volkstumspolitik kann es nicht sein, das eine oder andere Element körperlich auszumerzen — der Feind würde uns nur wie in einer Tarnkappe entgleiten ~ Volkstumspolitik ist es, im inneren Bereich des Einzelnen und des Volkes die guten Rassetikräfte aufzubrechen und für ihr Volkstum wirken zu lassen." Aerztliche Fortbildungskurse Aus A e r z. t e k r c i s e n wird uns geschrieben: Im Monat März finden in Benin Internationale Fortbildungskurse der Berliner Akademie für ärztliche Fortbildung statt, und zwar über innere Medizin, Stoffwechselkrankheiten, Röntgenologie usw. Jti den Teilnalimebedingungen für Kursusteilnchmcr heißt es: ..An den Kursen können deutsche relchsangehorige Aerztc arischer Abstainmung, sowie Aerzte ausländischer Staatsangehörigkeit teilne!im?n." Diese B es f im tri ti tu» ist nicht allen jüdischen Kollegen bekannt, imcl es ist daher wichtig, darauf hinzuweisen, damit sich nulit peinliche Situationen erpeben, falls ein reichsdeutscher indischer Arzt sich in Unkenntnis der Bestimmungen anmelden sollte. Bleibt zu Hause" „Der Staat Ade Her I) u l d s a m k <■ der Gnuelmel' krümmt. Er je 5» Die ,,N e u s t c 11 i n e r Kreiszeitung" veröffentlicht unter der Ueherschrift „Bleibt lieber zu Haus!'' einen Artikel, in dem es heißt: •H Hitlers ist ein Staat der Toleranz —• it! Jeder soll leben! Wir haben auch, trotz hingen des Auslandes, keinem Juden ein Haar ge- <iii.ii künden sie weiter ikier Beschäftigung nachgehen. Un.-erctwtgcn. . . .! — Sie sind f u r einen deutsehen Menseln n einlach nicht da! Wir sehen sie eben nicht. Aber eins paßt uti, ni-ht: daß diese Gäsfe unseres Volkes so ganz aaehl und unauffällig Boden zu gewinnen suchen . . . Aber auch in den Lokalen Neustettins tauchen «ie schon wieder auf! Man hat sie .bisher keinesfalls vermißt, und man hat durchaus keine Lust, in ihrer Gesellschaft seine Freizeit zu verbringen. Es ist eigentlich eine Angelegenheit <|es Taktes, und dieser deutliche Wink hätte sich wirklich vermeiden la-.en, wenn man sich lieht in bewahrter Unverfrorenheit wieder Int ii zu machen versuch!e. Also, in aller Deutlichkeit: Bleibt zu II au sc, es ist für bciik Teile das Richtige, und laßt unsere Ixikale uns!" Auch im Interesse der jüdischen Würde sollen Juden Lokale, in denen sie als lästig empfunden werden, meiden. Gegen Boykott in Danzig Wir das „Dan/iger (iemeindeblatf mitteilt, hat der Se- Jf a t der freien Stadt Dan/ig auf eine Beschwerde des Vorstandes der Synagogengemein de in Dan/ig wegen der Boykntfanfforderungen sregenüber jüdischen Geschäften eine Antwort erteilt, in der die der Beschwerde zugrunde liegenden Tatsachen zugegeben werden und Abhilfe versprochen wird. Der Senat, druckt sein Bedauern über diese Vorfalle aus. in/wischen hat sieb der (iemeindevorstand erneut genötigt ge-Jten, beim Senat Beschwerde über die Verteilung von gedruckten Boykottaufforderungen in Danziger Schulen und über IfetykottanrVi/ungert durch einen Beamten innerhalb seiner Diensttätigkeit zu erheben. Der Kairoer „Judenprozeß" «agt: f ine in vielen Zeitungen abgedruckt DNB-Meldung be- ..fr i ■ 11 Kairoer J u d « n p r o t e ß, der im veriirt i i ten In-tanz v»n der hinter den jiithVhra Wiiihga zur Abwehr de» Antisemitismus verlor Vi rinier der jm li-«1ieti Partei, der in Aegypc-,ih«ait Leon beir», die Bcrufungsbcgriindung cm er den eigctuli<hcn Berufungsbegrürtdungs- C.injeiifri I,,! Klägern lu loren u-tadr, trn an i ■ - Igt' eingereicht, r termin bereits vcr-.iumt hatte. Seiner Berufungsbegründung hat "er em Gutachten zweier Pariser Juristen, Capitant und Ripert, beigefügt. Damit ist. aufs neue bewiesen, daß hinter den jüdischen Klägern in Aegypten die internationale Judenschaft steht." Wir haben seinerzeit die Einbringung dieser Klage als höchst unzweckmäßig bezeichnet. Die Klage wurde wegen Mangel aktiver Klagelegitimation abgewiesen. Daß in einem internationalen Prozeß das Gutachten internationaler Juristen eingeholt wird, ist nichts Ungewöhnliches. Die Berufungsverhandlung wird laut der zitierten Meldung am 11. April stattfinden. Bukarest, 27. Februar. (JTA.) Der frühere Premierminister Vaida Voevod hat von Ciui (Klausenburg) aus «tne Aktion eingeleitet, die darauf abzielt, die Verfassung m dem Sinne zu andern, daß zwischen den Bürgern Rumäniens nach ihrer ethnischen Abstämmling unterschieden werde. Auf Grund dieser Bestimmung der Verfassung soll dann der „Numerus valachi-cus" eingeführt werden, dem gemäß in allen staatlichen und privaten Berufen, sowie im Erziehungswesen die ethnischen Minderheiten nicht stärker, als es ihrem zahlenmäßigen Verhältnis zur Gesamtbevöikerung entspricht, vertreten sein können. Gleichzeitig wird aus Jassy gemeldet, daß der frühere ünternchtsmtnister Co st ach esc« dort in einer großen nationalzarani tischen Versammlung erklärt habe, der Geburtsschein dürfe nicht das Kriterium dafür sein, ob der eine oder der andere in diesem oder jenem Beruf sein Brot verdienen dürfe. Der natürliche Auswahlprozeß darf nicht behindert werden. Kleine Nachrichten Wie das Geheime Staatspolizeiamt der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitteilt, ist die (von der JTA. veröffentlichte) Nachricht, derzufolge die Erlasse verschiedener lokaler Polizeistellen, nach denen die Beflaggung durch Juden in den Reichsfarben als unerwünscht bezeichnet wurde, aufgehoben worden sein sollen, unzutreffend. Die Erlasse sind auch weiterhin in Kraft. Wie dem „Niederdeutschen Beobachter" Schwerin von der Kreisleitung der Deutschen Arbeitsfront Rostock-Land mitgeteilt wird, ist „der Jude Richard Bernhard, Inhaber der Firma Richard Bernhard (Tcssin), wegen Mißhandlung seines Lehrlings, eines Hitlcrjungen, in Schutzhaft genommen worden." Die „Rhein-Ems-Zeitung" in Emden vom 28. Februar bringt einen Bericht über die von uns bereits mehrfach erwähnten Transporte ostfriesischer Kühe nach Palästina und bemerkt dazu: „Es braucht kaum bemerkt zu werden, daß diese Viehausfuhr nach Palästina die deutsche Wirtschaft erheblich befruchtet. Insbesondere ziehen auch Gruppen der Emder Geschäftswelt Nutzen daraus." Wie der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden mitteilt, fand am 3. März in Oldenburg eine Versammlung des Jüdischen Landesgemeinderats unter Vorsitz des Landrahbiners Dr. de Haas statt, wobei beschlossen wurde, die Oldenburgischen Synagogengemeinden in den Preußischen Landesverband in der Weise einzugliedern, daß die Landesgemeinde der Jüdischen Rcliffionsgcselischaft Oldenburg die Rechte und Pflichten eines Provinzialverbandes übernimmt. In M o d e n a ist der hervorragende Gynäkologe der dortigen Universität, Professor Michele Bolaffio, ein Sohn des Oberrabbiners von Turin, gestorben. Der italienische Unterrichtsminister De Vecchi di Val Cismon hat an die Universität und an die Hinterbliebenen Beileidstelegramme gerichtet. Nach Zeitungsberichten wird von amerikanischer Seite die Errichtung einer Autofabrik in Persien oder Irak zwecks Belieferung des Nahen Ostens geplant. „Juden" im Nürnberger Faschingszug. Wie die „Fränkische Tageszeitung" berichtet, enthielt der Nürnberger Faschingszug auch einen Wagen und Gruppen, die deutsche Juden darstellten. Die „Fränkische Tageszeitung" bemerkt dabei: „... am heitersten... wurde die ausziehende Judensippschaft, die in naturgetreuen Nachbildungen zu sehen war, aufgenommen." „Der Jude als Parasit". Laut einem uns zugesandten Bericht des „Lübecker Volksblattes" fand in L ü heck eine Versammlung statt, in der Dr. Mündt über das Thema „l)er lüde als Kultur-Parasit" sprach. Die Zeitung resümiert den Vortrag wie folgt: „In diesem Vortrage kam sehr klar das Wesen des Juden zum Vorschein, der im Gegensatz zum nordischen Menschen vorwiegend von eigensüchtigen Interessen getrieben wird und nicht wie jener für die Gemeinschaft eintritt." — Es mag sein, daß viele Juden von eigensüchtigen Motiven getrieben werden, aber zweifellos gilt dies auch für viele Nichtjuden; es handelt sich um eine allgemein menschliche Schwäche. Wenn z.B. im Geschäftlichen ein Kaufmann die Kunden auffordert, nicht bei der (jüdischen) Konkurrenz, sondern bei ihm selbst m kaufen, so ist sehr schwer zu unterscheiden, ob nicht auch hier gelegentlich eigensüchtige Motive mitspielen. In der „Pädagogischen Warte" vom 1. März bespricht Richard B i a 11 a s unter dem Titel „Rassenkunde — keine Bildungs-, sondern eine Erziehungsangelegenheit" die Möglichkeiten, diese Fragen den Schülern im Unterricht nahezubringen, und er gibt hierfür folgende Methode an: „Jenes Wirken in uns, die .Rasse' nämlich, ist im Unterrieht in dichterischen Bildern und Erzählungen aufzuweisen... Das geschieht notwendig am besten durch Aufzeigung von Gegensätzen... Da ist der deutsche Frontsoi. dat. Aus dein Felde heimgekehrt, tritt er an zum letzten Parademarsch vor seinem Rcgimentskommendeur... Drüber aber steht einer mit grinsender Miene — der Jude — und sieht hohnlächclnd auf die grauen Kolonnen. ,HeIdenschafsköpfe — ich hab schlauer gehandelt, steht doch schon im Talmud: Wenn du in den Krieg ziehst, so gehe als letzter hinaus, damit du als erster wieder heimkommen kannst'. Aber die Nornen spinnen die Schicksalsfäden. Der Frontsoldat wird Baltikummann, Ruhrkämpfer, SA-Mann ...Jener andre aber, der Hetzer, der Volksfeind, endet als Emigrant, ausgestoßen, verachtet, geächtet, verfemt... Thcrsites. Derartige Gegensätze sind auszuführen. So etwa Schlageter und Severing (sein Gegenspieler), wobei aufgezeigt werden muß, daß in dem letzteren die Rasse nicht mehr sprach, sondern eine feige, gemeine, jüdische Lehre, die den inneren Menschen überwuchert hatte." Wir bezweifeln sehr, ob diese GegemibersteMung tob Typen, die mit der Wirklichkeit nur in Ausnahmefällen übereinstimmen, der Jugend eine richtige Vorstellung von der Lebenswirklichkeit übermitteln kann. N. Religion und Nation Die Zeitschrift „Deutsche Theologie" Stuttgart vom Januar veröffentlicht den ersten Teil einer Antrittsrede von Karl Georg Kuhn, die er an der Universität Tübingen über das Thema: „Die Ausbreitung des Judentums in der antiken Welt" gehalten hat. Der Verfasser beschäftigt sich mit der Geschichte des antiken Judentums und seiner religiösen Entwicklung. Er kommt zu dem Ergebnis, daß das Judentum Volk und Religion gleichzeitig ist und daß keines ohne das andere sei. Aus diesem Grunde sei es für den einzelnen Juden der Welt völlig einerlei, an welchem Orte der Welt er seinen Wohnsitz habe. Ahasver, der ewige lüde, sei tatsächlich der Inbegriff des Judentums. Eine Rückkehr der „Verbannten" bedeute, weil in der Geschichte nicht möglich, das Ende der Geschichte. Palästina sei für das Judentum daher nicht die Volksheimat. In diesem Zusammenhange kommt der Verfasser im Schluß' absatz auf den Zionismus zu sprechen, der „auf einem typisch säkularistischen ,modernen' Mißverständnis des Wesens des Judentums beruhe", weil er unter Aufgabe der religiösen Grundlage des Judentums nur Volk sein wolle, wie alle anderen Völker. Das gleiche Mißverständnis walte bei denen ob, die sagen, man solle einfach alle Juden nach Palästina schaffen, um die Judenfrage zu lösen. Die Judenfrage sei ein ewiges Problem, und sie könne nur so behandelt werden, daß man die Juden dort, „wo sie in ihrem Streben nach Macht sich vordrängen", in ihre Schranken zurückweise. Die Charakteristik des Zionismus, die der Verfasser hier gibt, ist zweifellos in dieser Form irrig. Aber interessant ist für uns die Tendenz des Autors, der die Konstruktion, Ahaswer sei tatsächlich der „Inbegriff des Judentums", nicht aufgeben will. Wir Juden können eine solche Korn struktion nicht anerkennen. Der Judenkongreß in Budapest Präludien Von unserem Berichterstatter Die Eröffnung der ungarisch-jüdischen Landesversarnmhmg ist wegen Verhinderung des Kultusministers Hnman auf den 5. März verschoben worden. Der Kongreß umfaßt, wie bereits in der „Jüdischen Rundschau" dargelegt, nur die neologen (liberal-reformerischen) Kultusgcmcinden, während die orthodoxen abseits stehen. Der orthodoxe Landesverband hat jetzt eine ausführliche Erklärung veröffentlicht, worin er sich gegen den neuen, von dem Landeskongreß vorbereiteten Statuten-Entwurf wendet. Die Orthodoxie besteht auf einer vollständigen Trennung der Gemeinde- Einrichtungen, weil nach ihrer Meinung nur auf diese Weise Streitigkeiten vermieden werden können. Der gegenwärtige Stirtuten-Entwurf, so wird betont, müsse einen Bruderkampf Im ungarischen Judentum entfesseln, der unter den heutigen Verhältnissen unbedingt hätte vermieden werden sollen. Der Zionistische Landesverband Ungarns hat «n Vorabend der Landesversammlung eine Erklärung veröffentlicht, worin es heißt: „Hauptaufgabe der Tagung wird die Schaffung eines neuen Orftniiationut»rat* »ein, dessen Entwurf durch den. Anwalt da Fester Kultusgcmcinde, Dr, Emst Munkicsi, mit einem Redaktion*. Komitee sorgfältig vorbereitet wurde. Der Entwurf ist eine Hervorragende juristische und kodifikatorische Arbeit Der nicht unbedeutende zionistische und palästinafreundlich gesinnte Teil der Delegierten betrachtet jedoch die geplanten Bestimmungen des neuen Statutes für nicht zeitgemäß und bereitet daher seit vielen Monaten eine Ergänzung desselben vor. Insbesondere wird die obligatorische Einführung des proportionellcn Wahlsystems bei <l'"n Kultuswahlcn gefordert, da z. B. in der Bester Großgemeinde als Folg« des veralteten Majoritätssystem« die Minderheiten gar nicht zu Worte kommen können. Weiter wird die Förderung des Palästina-Aufbauwcrkes, der hebräischen Sprache und Liter»4 tur, sowie Umschichtung der jüdischen Jugend gefordert" Die Zionistische Organisation Ungarns veranstaltete an. 3. d. M. eine große öffentliche Versammlung,.!*1 der der Präsident der Wiener Kultusgemeinde, Dr. Desidcr Friedmann (bekanntlich ein Zionist), über die Aufgaben der Gemeinde sprach. Ein mehr als lOOOköpfiges, begeistertes Auditorium zollte dem Redner viel Beifall und Anerkennung. Zum Schluß setzte Vorstandsmitglied der Z. V., Dr. Nissan Kahan, auseinander, die Versammlung wolle keine Demonstration gegen jemanden sein, sondern bloß dagegen demonstrieren, daß das amtliche Judentum die bedeutendsten Vertreter der zionistischen Bewegung aus dem Kongreß «"* geschaltet habe. Trotzdem würden die drei grundlegenden Abiwkrtmgsvorschläge der Partei m würdiger Form v<* das zuständige Forum der Landesversammlung gelangen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.