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Jüdische Rundschau · 1935-03-05 · Heft 19 (5.3.1935) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 19 (5.3.1935)
Date
1935-03-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 19, 5. III. 1935 JODISCHE RUNDSCHAtJ Seife 7 Wie gestalte ich den Üchabbat? FQr Schabbat, 9.MArz Wochenabschnitt „P'kudeJ" (II. B. M. Kap. 38, 21 — 40,38.) I. Der Abschnitt P'kndcj« ist der letzte des Buche» Exodus. Nach einer kurzen Besprechung des Inhalts der Sidra rekapitulieren wir den Inhalt des 2. Buches. Als Disposition läßt sich gut das in der Uebersetzung von Buber-Rosenzweig im Anhang angeführte Verzeichnis: „Die Hauptteile des Buches" verwerten. Insbesondere ist der Weg Aegypten—Sinai—Stiftszeit aufzuzeigen und auf die inhaltliche Bedeutung dieses Weges einzugehen. Der Auszug aus Aegypten erhält seine Sinngebung erst durch den Sinai und die Unterwerfung unter die göttliche Aufgabe. Es ist kein gerader Weg. Das Volk geht oft von ihm ab. Nur durch Moschc gelingt es dem Volk, sein Ziel zu erreichen. II. Eine sehr interessante Parallele zwischen Weltschöpfung und Bau des Stifts/clts wird in der Broschüre von Franz Rosenzweig „Die Schrift und Luther" aufgewiesen. Man schlage die dort aufgeführten Stellen auf und beachte, wie häufig die gleichen Wendungen in den beiden Berichten wiederkehren. An Hand der Broschüre ist nun der innere Zusammenhang zwischen den ersten Kapiteln der Genesis und den Kapiteln, die vom Bau des Stiftszcltes erzählen, herauszuarbeiten. Hier nur kurz die Linie: Gott schafft dem Menschen die Welt. Entsprechend errichtet der Mensch für Gott eine Wohnstätte in der Welt. III. Im „Sefer Agada" von Bialik-RawnitzkI, Teil!, Seite 76, findet sich eine sehr tiefe Deutung der in unserem \Vochenabschnitt vorgenommenen Aufzählung, die an den ersten Vers unserer Sidra anknüpft. Selbst Moschc ist verpflichtet, eine genaue „Abrechnung" der empfangenen Spenden vorzulegen. Warum? — Siehe den erwähnten Abschnitt im Sefer Agada! IV. Als Haftara wird M'lachim I, Kap. 7, 21 und 8, 1—22 gelesen, wo von der Einweihung des durch Schlomo errichteten Tempels die Rede ist. Die unmittelbare Fortsetzung? unserer Haftara bildet das wunderbare Gebet Schlomos, das man unbedingt vollständig behandeln sollte. Die Uebersetzung dieses Abschnittes durch Buber-Rosenzweig ist auch in die vom Hcchaluz herausgegebene Anthologie „Volk und Land" übernommen worden (S. 9). Eine Besprechung dieses Gebetes allein kann viele Onge Schabbat ausfüllen! Psalm 45. E. Geschichte der jüdischen Menschen N e c h e m i a. Esras Arbeit, die Errichtung eines Gottesstaates, brauchte den Mann der politischen Tat und der unerschrockenen Besonnenheit. Sein Werk war durch die dauernde Gegnerschaft der Fremden im Lande (Mischlinge, Samaritaner, einige abtrünnige Priester) bedroht. Er findet seine Ergänzung und damit den Retter seines Werkes in Nechemi'a. Die „Berufung" Nechemias ist fast ein Roman. Er ist Mundschenk im Harem des Königs von Persien. Seine Bestallung durch den König schildert er in seinen „Memoiren", die in dem Buche Nechemia aufgezeichnet sind. Er hört „zu Susa aut dem Schloß", daß die „Mauern Jerusalems zerbrochen und seine Tore mit Feuer verbrannt" sind. „Im Monat Nissan des zwanzigsten Jahres des Königs Artaxerxes, da der Wein vor ihm stand, hob ich den Wein auf und gab dem König, und ich »ah traurig aus. Da sprach der König: Warum siehst du so schlecht aus? Du bist doch nicht etwa krank? Du bist so schwermütig!... Ich aber sprach zum König: Der König lebe ewiglich! Warum soll ich nicht schlecht aussehen? Die Stadt, da das Begräbnis meiner Väter ist, liegt wüste und ihre Tore sind vom Feuer verzehrt"... (Nechemia, 2, 1—3.) Dieser Mundschenk des Königs erhält nun militärischen Schutz, Vollmachten des Königs, Königliche Siegel und zieht nach Palästina. In der Nacht kommt er in Jerusalem an, und er benutzt die Stille der Nacht, um die Mauer von Jerusalem zu inspizieren. In seinen „Memoiren" beschreibt er es eingehend. Der Zustand der Mauer zerreißt ihm das Herz. Die nächsten Tage sind dem Aufruf an die Patrizier gewidmet, die Mauer aufzubauen. Er selbst hilft mit. Gegen die andrängenden Feinde wehrt er sich, indem er die Hälfte der Arbeiter mit Waffen versieht. Intrigen, Anklagen beim König folgen. Er bleibt verschont. Der König vertraut ihm weiterhin. Das Volk gewinnt er durch einen großen Schuldenerlaß. Er selbst verzichtet auf aUe materiellen Vorteile und schafft sich so unbegrenzte Autorität. Er lehnt das Gehalt des Statthalters ab und beteiligt sich selbst am Schuldenerlaß. So steht er neben Esra, eine große, energische Gestalt. Die Mauer ist in 52 Tagen wieder hergestellt. Dann begeht er mit Esra gemeinsam die Feier des Gesetzes, von der wir in der vorigen Ausgabe sprachen. Nechcmias Auftrag erfolgt auch aus politischen Oründen. Die Perser werden durch Aufstände hart bedrängt. Es ist für Artaxerxes beruhigend, im nahen Palästina einen Mann zu wissen, der ihm ergeben ist und der die Hauptstadt des Landes zur Festung macht. Nechemia ist eine der größten Gestalten der jüdischen Geschichte, obwohl er ein Mann der Politik und der praktischen Arbeit und kein Mann des Buches und des Geistes war. Er war weder Priester, noch Prophet, noch Lehrer. Aber seine Praxis war vom Geiste Esras erfüllt. So wuchsen beide — so verschieden sie auch sind — zu einer einzigen, die Epoche, ja vielleicht die ganze jüdische Geschichte bestimmenden Oestalt zusammen. Literatur: Vor allen Dingen die Bibel. (Die Bücher Esra und Nechemia.) Trotz der breiten Erzählung ist alles spannend und plastisch dargestellt. Dann, außer den üblichen Geschichtsdarstelluogen, am besten Rudolf Kittel, Gestalten und Gedanken in Israel. Die großen wissenschaftlichen, neueren Arbeiten eignen sich für unseren Zweck nicht. J. P. Persönliches. Dr. Oeorg Wunderlich, Rechtsanwalt und Notar in Oppeln, feiert am 8. März seinen 60. Geburtstag. Wunderlich ist im deutschen Zionismus kein Unbekannter, und auch die Leser der „Jüdischen Rundschau" kennen ihn aus mehreren Beiträgen. Der älteren Generation der Zionisten ist er ein lieber und geschätzter Kampfgenosse. Wunderlich war bereits als junger Student Zionist und gehört also seit über 40 Jahren der Bewegung an. Er war auch Delegierter mehrerer Kongresse. Als ein Mann von umfassender Bildung, insbesondere auf dem Gebiet der Geschichte und Kultur, vermochte er in Wort und Schrift der Bewegung große Dienste zu leisten. In der Ortsgruppe Oppeln ist er stets eifrig tätig und bei Tagungen ist er häufig mit seiner markanten Stellungnahme hervorgetreten. In letzter Zeit gilt sein Haupt- Interesse hebräischen Studien. Vor drei Jahren traf den Jubilar ein schwerer Schicksalsschlag durch das Ableben seines Bruders, Dr. Albert Wunderlich, der bereits vor 10 Jahren nach Palästina übersiedelt war. Wir wünschen dem Jubilar noch viele J^hre arbeitsreichen Lebens im Dienste der jüdischen Sache. TRAUM im ABGRUND Von Jizchak Toral (1. Fortsetzung) Kurze Zeit danach kehrte Heffter von einer aufreibenden Konferenz aus London im Flugzeug zurück. Obgleich die Fahrt ziemlich glatt vonstatten ging, fühlte er sich sehr unwohl. Ein nagendes, lähmendes Gefühl kroch ihm vom Hinterkopf aus den Rücken herab, spannte sich über das Gehirn, umkrallte seine Stirne. Das Surren der Maschine rill an seinen Nerven — der Geruch des Oels erregte ihm l'ehelkeit. Er kämpfte gegen heftigen Brechreiz. Der Gedanke, sich hier in der Kabine der Tüten bedienen zu müssen, in Gegenwart anderer Menschen, war seinem Selbstgefühl wie seinem Bedürfnis nach Disziplin unerträglich. Er biß die Zähne zusammen und versuchte zu lesen. Die Zeilen schlangen sich ineinander, die Buchstaben verwirrten sich. Er faßte kein Wort, So schloß er die Augen und hoffte auf einen leichten Schlummer. Aber sowie er sich der Untätigkeit überließ, drehte sich alles in rasendem Wirbel um ihn, würgte Uebelkeit in seinen Eingeweiden. Er glaubte zu stürzen, und klammerte sich an den Riemen fest. Gewaltsam riß er die Augen auf und erblickte einen unendlichen Himmel um und über sich — unter ihm aber leuchtete das Meer. Vor seinen Augen stand plötzlich in klaren Lettern eine Verszeile aus Dantes Paradies: „Demi unser frieden ist sein Wille nur, Dies Meer, wohin sich alles muß Ix-wegen. Was Er schafft, was hervorbringt die Natur. Nun sah ich: Paradies ist allerwegen, Wo Himmel ist, strömt auch von oben, her Vom höchsten Gut nicht gleich der Gnade Regen." £ine jähe Helligkeit schien aus diesen Versen zu strömen. Fr sagte sie mehrmals in sich hinein, wiederholte sie, und holte mit äußerster Konzentration alles, was aus den Gelingen dieses unsterblichen Gedichtes in den Tiefen seines Gedächtnisses ruhte, hervor. Er dachte es durch, murmelte bei zunehmender Beruhigung seines Inneren, vor sich hin und landete endlich, nach Stunden, schneeweiß, aber mit einem stillen Lächeln auf den Zügen. Im Auto fühlte er sich schwindlig, und zu Hause, wo er mit seltener Wärme Frau und Tochter in die Arme geschlossen, sank er unversehens ohnmächtig aut den Teppich. Als er nach geraumer Zeit in seinem Bett zu sich kam, klagte er über wilden Schwindel, konnte sich nicht aufrichten ohne heftige Ucbcikeit, und der Arzt, der im Grunde ratlos war, erklärte alles mit nervlicher Ueberlastung. So wurde eine Krundlichc Ausspannung über ihn beschlossen und er ergab si"h, indem er seiner besorgten Frau nur diese Bedingung »•eilte: er müsse ganz allein reisen, er wolle und müsse sich finmal gehen lassen. Jeder Mensch — auch der Nächste, lege lh"i Schranken, Rücksichten und eine bestimmte Einstellung »»f. Er müsse einmal alles abschütteln, von sich selbst Ferien nehmen, wenn er sich überhaupt noch einmal erholen solle. Frau erschrak. Nimmt er denn Rücksicht? Legt er sich schranken auf? Sind nicht wir es, die nicht zu atmen *aKen, wenn er müde oder unwirsch ist — die ständig auf 'i'i' und seine Wünsche eingestellt sind? Vor Besorgnis und f«ltäii«chung lagen plötzlich Schatten unter ihren Augen und Chatten in den Augen; das etwas fahle Grau dieser Augen wurde tiefdunkel, die Iris wirkte groß und das Angesicht war von einer Beseeltheit überflutet, die nur wenige an ihr kannten. Sie neigte das Gesicht über seine Hand und sagte leise: „Gibt es denn niemanden, der dir so gleichgültig oder" — sie schluckte — „so nah ist, daß du dich in seiner Nähe gehen lassen könntest? Es ist mir sehr schwer, dich jetzt allein zu wissen", sie zögerte, wagte noch nicht zu sagen, daß sie selbst ihn doch begleiten müßte. Da meinte er lächelnd: „Doch! den gibt es. Meßner kann vorausfahren und mich in Zürich mit dem Wagen erwarten. Dann kannst du unbesorgt sein, wenn ich in Italien reise." * Ende April rollte Heffters Wagen über den Gotthard. Es war eine phantastische Fahrt vom keimenden Frühling in den eisigen Winter hinauf. Auf der Höhe des Passes stand die Schneemauer vier Meter hoch zu beiden Seiten der Straße. Das Hospiz, ragte nur mit dem Schornstein und der Schwei/er Fahne aus den weißen Schneemassen. Die beiden, Heffter und sein Chauffeur, mußten aussteigen, die Räder bravichten Schneeketten, um vorwärts zu kommen. Heffter sah hinab. Das Gebirge, das sie hinter sich gelassen, schimmerte durch einen leicht brodelnden Nebel in kobaltblauen und bräunlichen Tönen. Unwirklich, gespensterhaft, wie in einer furchterregenden Märchenlandschaft türmten sich die Gesteinsmassen. Heffter dachte an eine Geschichte aus seiner Knabenzeit. In einem der Abenteuer Sindbad des Seefahrers war von solch unergründlichen Gebirgen erzählt, die von Giftschlangen bewohnt, nur riesenhaften Vögeln aus der Höhe zugänglich sind. Ihn fröstelte. Ich bin überreizt, mußte er denken. Schnell bestieg er den Wagen und sagte, auf den schwergraucn Himmel deutend: „Vorwärts! — rasch! Es gibt was". Und wirklich — bald setzte ein Sturm ein, der alles, was nicht zu Eis erstarrt war, gegen die Scheiben wirbelte. „Sibirien kann nicht schlimmer sein", brummte Meßner und fuhr sachte und mit strenger Bremse talabwärts. Die Schneewände ringsum waren eingehüllt in einen wildflockenden Schleier. Der Wischer konnte kaum die Scheiben freihalten, der Sturm heulte um das kleine Gefährt. Herr und Diener saßen mit hochgezogenen Schultern und zusammengebissenen Zähnen. Nach zweistündiger Fahrt durch die EisTandschaft, die an erhabener Furchtbarkeit alles übertraf, was an den beiden je an Landschaften vorbeigezogen war, zeigten sich endlich fahlgrüne Flecken zwischen den weiten Schneefeldern. Airolo lag verschlafen am Hang unter ihnen. Meßner atmete auf und rief ins Wageninnere: „Gott sei Dank, endlich eine Ortschaft. Da oben hätt man schier 's Gruseln lernen können. Und der Wagen hat auch allerhand geschafft. Wir beide könnten schon eine kleine Rast brauchen." Aber Heffter, dem das eisige Schweigen der Höhe noch aut der Seele lastete, meinte: „Wir fahren Iiis zum See. Knapp zwei Stunden haltet ihr's beide wohl noch aus. Dort ist es warm und ich muß Wärme fühlen." Meßner brummte etwas vor sich hin und drückte zornig auf den Hebel. Er war gekränkt und fuhr, wortlos in sich hinein schimpfend, weiter. Bald war der Himmel blau. Es tauchten wieder Farben «uf. Das Leichentücherweiß verschwand mehr und mehr. Je tiefer sie ins Tessin hinabglitten, desto mehr erwachte das Land. Meßner wurde ganz vergnügt, als er die ersten blühenden Bäume sah. Da aber gar der See seine Wellen glucksend ans Ufer warf, und wahre Wunder an blühenden Magnolienbäumen vorbei flogen, strahlte er über das ganze Gesicht, drehte sich heftig um und sagte: „Na! da haben der Herr ja mal wieder recht gehabt, hier unten --" er kam nicht weiter, ein Ruck, ein Stoß, der Wagen bebte, schwankte und stand, Die Untersuchung ergab, daß keine gewöhnlich« ™""»aa--aBHsaa P^MsÜHa-lVocUc Twhkfuvt Hl Mittwoch, den 6. März, 20^ Uhr Im V«rein»haus, Eschanhaimer Landstraße 27 Größe und Gefahr der Stunde Kundgebung zum Erwerb der Hule-Konzesslon RlM. Dr. M. GrUneweld-Mennhilm, Dr. Hin« Pomtran» SonnUfl, den 10. März, 20 Uhr: Sonderveranstaltung des Kulturbund»« deutschar Juden im Rahmen der PalAsttnawochat Im Vereinshaus, Eschenheimer Landstraße 27 Jüdische Musik Dienetag, den 12. März, 20H Uhr Volk — Thora — Land Rakb. On Jakob Heitmann, Frankfurt a. M., lal Elanar, Bariin HtÜHcUe+t Sonntag, den 10. Marz, Uhr Im Annaeaal, Robeit-Koch-Stralie 9 (Eingang Reltmorslraße) Palästina und die deutschen Juden Forachung — Bewährung - Erfüllung Rabbiner Dr. Joachim Prinz Montag, den 11. Mlrx, 20'Uhr Die Zukunft Erez Israels Palästina 1900-1935-1950 Dr MichaelTreub HtOHHÜeim Mittwoch, den 6. Marx, 20'/i Uhr, Im Casino Prüfung und Bewährung Zwei Jahre deuischö AUjah in Palästina Dr. Siegfried Kenowltz, Tel-Aviv Dennoretag, den 7. Ma>z,?0'/i Uhr, Im Colping-Hstis Die Zukunft Erez Israels Panne vorlag, sondern daß, wohl infolge der übergroßen Ith anspruchnahme, ein Zylinder defekt war. „Verflucht und zugenäht, jetzt kann ich zu Fuß zurück nach Locarno laufen und ein Ersatzteil holen." Heffter war ausgestiegen, streckte sich, reckte die Arme, und sog die milde, köstliche Luft in tiefen Atemzügen ein. Er fühlte sich schon halb genesen. Frühling, Frühling! Sonne! dachte er. Nochmal zog eine leichte Welk des vergangenen Schwindels über ihn hin — dann war ihm herrlich frei und leicht. Bis Meßner alles besorgt haben und wieder zurück sein konnte, mochten wohl ein bis zwei Stunden vergehen. Der Fürsorgliche hatte noch, ehe er sich auf den Weg gemacht, Zeittingen und Kissen bereitgelegt und gerufen: „Der Herr kann solange schlafen oder lesen." Auf den Gedanken, dali jener sieh spazierengehend beschäftigen könnte, kam er nicht. Heffter hatte seit Jahren keine Zeit zu Spaziergängen gehabt. Auch auf seinen Erholungsreisen (die letzte lag zwei Jahre zurück) waren alle Strecken im Auto zurückgelegt worden. Er kannte kaum mehr <lns Gliirksgcfühl, das sich regt, wenn die Sohle über weiches Erdreich federt, wenn der Fuß durch welkes Laub raschelt, kannte nicht mehr den zarten Geruch durtiisonnter Eide oder bemooster Baum-* rinde. Vor ihm, rechts der Mühe zu, geht ein schmaler, kaum erkennbarer Pfad. Heffter folgt ihm mit den Augen, sieht oben Felsen und grünes Gezweig und ist schon entschlossen, zu steigen. Verwelkte Farrcn, Wurzeln und Moos verdecken oft den Steig, dorniges Wacholdcrgestnipp sticht seine Knöchel. Zaghaft ruft der Kuckuck. Seit vierzig Jahren hat er ihn nicht mehr gehört. Freude wärmt ihn von innen her. Er schreitet schneller, bald ist er oben, in der Talsenke zwischen den Felsen, von wo ihm das zarte Grün gewinkt. Ein Birkenwäldchen erfüllt die schmale Senke. Wie lichtgrüne Schleier hängen die Zweige um die schlanken weißen Stämme. Zarten Mädchenkörpern gleichen sie, die sich ängstlich vor den schwarzen Felsriesen ringsum zusammendrängen. Und wieder ruft der Kuckuck, Der Mensch inmitten dieser Wildnis staunt. Eine jungenhafte Begierde zu rennen, zu springen, zu klettern packt ihn. Fort mit allem Zwang, mit aller Last, mit aller Würde. .,. Dreiviertel Stunden mag er so gelaufen sein, durch die Wildnis. Der Pfad windet sich moorig-feucht durch die enger werdende Schlucht. Näher rücken die Felsen. Er mißt mit den Augen einen hohen Gesteinsblock ab, aus dessen Ritzen dürftiges Oesträuch wächst. „Ob ich von seiner Spitze den See erblicke?" fragt er sich, Und während er vorsichtig steigt und sich an Wurzeln und Birkenstämmen in die Höhe zieht, denkt er — der Chef — der immer zu erreichen sein wollte, mit wahrem Jubel; „Keiner weiß, wo ich bin! Endlich bin ich allein, ohne Sekretär, Diener oder Chauffeur, einmal wirklich allein, und ohne daß ich friere." Rasch pulst sein Blut. Elastisch schwingt er sich von Block zu Block, bald steht er oben, neben einer jungen Birke, zartblauen Himmel über sich. Ein rauher Ton — als Jauchzer wohl gedacht -— dringt fremd aus seiner freudentwöhnten Brust. Er hebt die Arme, streckt sich dem Himmel entgegen — schämt sich in der gleichen Sekunde des fremden lieber-" Schwangs, reißt sich zurück, strauchelt und stürzt. Bevor die Ohnmacht ihm den unmenschlichen Schmerz in der Seite und am Bein verhängt, sieht er über sich, zwischen zwei schwarzen Felsen ein Stück blauen Himmels und einen »«rturünen Birkenzweig. (Fortsetzung folgte Palletina 1900 —10;sr> . tOf.o Or. Michael T r s u b Sonntag, den 10 Min,;:0 , Uhr Größe und Gefahr der Stunde Kundgebung zum Erwerb der Hnie-Kcn?esBion Rabb. Dr. M. G rUnewald Dwsd&t Dienetag, don S. Mira, 20J< Uhr: Lotrtor Tag der PolSstlna-Schau Veranstaltimg der Wi«> in der l'raturnitae - Logo, MoritlstrafSe 1b Die Frau in der judischen Gemeinschaft Frau Dr. Margarete Motu Mittwoch, den 6. März. 20!; Uhr in der I raiernitas-Loge Größe und Gefahr der Stunde Kundgebung zum Erwerb der Hula-Kon.-ession Dr, Georg Joeaphtfl Sonnabend, den 9, März in dar Harmonie Zion — zwei Jahrtausende jüdischer Sehnsucht CUemUt<z 9.—11. März Palästina-Schau Eröffnung Sonnabend shmd, Dr. J o s et W e I et Hlaydefaug, Donnneriton, den 7. März,;>()'? Uhr Im Großen Saal der Stadtmlsbior, Luitörsiraße 10 Probleme des palästinensischen Alltags S ee w Orbach, Qiwath Brenner Sonnabend, den 9. März, 2{>> . Uhr Größe und Gefahr der Stunde Kundgebung zum Erwerb der Hule-Konzession Walter Tempel, Dr. Seolonlreund Zionistisch« Vereinigung f. Deutschland

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