Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 19 (5.3.1935)
- Date
- 1935-03-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU1 Nr. 19, 5. m. 1935 Hungerstreik der „Illegalen" (Von unserem Berichterstatter) Tel-Awiw, Ende Februar Verhaftungen von illegalen Einwanderern, die ohne Pa8 oder Visum die palästinensische Grenze zu überschreiten versuchen oder fiberschrittfn haben, gehören in Palästina zu den täglichen hrvignissrn. Im letzten Halbjahr hat die illegale Einwanderung, in der Hauptsache wegen des rigorosen Eingreifens der Paliistinaregierung und der scharfen Grenz- und Kiistenpatrouillcrt nachgelassen, aber es bleibt von früheren Zeilen auf diesem Gebiete noch genug zu „liquidieren" übrig und auch heute werden immer wieder Immigranten an den Grenzen verhaftet. Es ist überflüssig zu sagen, daß diese „Illegalen" nicht nur Juden sind, sondern daß auch Araber aus Serien und dem Chaurau der Polizei in die Hände fallen, die Gefängnisse füllen Und die Gerichte beschäftigen. Im Oelfingnis von A k k o sali seit längerem eine Anzahl von jüdischen Einwanderern, die wegen illegaler Einwanderung zu verschiedenen Freiheitsstrafen verurteilt worden waren und sie zum größten Teil auch bereits verbüßt hatten. Sic wurden jedocli auch nach ihrer Strafzeit nicht befreit, weil die Polizei sich nicht im klaren war, was sie mit ihnen anfangen sollte. Es fehlten die genügenden Unterlagen für die Staatsbürgerschaft der Ein/einen, die man also nicht ausweisen, auch sonst nicht recht amtlich identifizieren konnte. Die Polizei behielt sie darauf im Gewahrsam, entweder weil sie nach und nach doch herauszubekommen hoftte, woher die einzelnen stammten, oder weil sie sieh überhaupt nicht darüber schlüssig werden konnte, wir jetzt der Amtswcg weiterginge. Gegen 80 der Gefangenen, <üe ihre Strafzeit bereits verbüßt hatten und keinen anderen Ausweg wußten, erklärten schließlich den Hungerstreik. Die Gemeinde in Haifa und der Wand Leiiint als die Vertretung der palästinensischen Juden Ii i*il nahmen sich des Falles an und wurden beim Sekretariat des High Commissioncrs vorstellig. Die Gefangeneu betonten, daii sie sich in ihrem Streik nicht gegen die (iefängnislritiing in Akko wandten, sondern gegen die Polizei und die Wi'i'irrunir. Nach l'ir/er Zeit gab der High Commissioner seine Entscheidung ulier den Fall kund und verfugte, daß alle Gefangenen, di>- ihre Strafe abgebüßt hätten, befreit werden können, wenn jnler zwei Hurgen, zusammen mit einer Geldkaution, beibrächte. I>ir Gemeinde in Haifa ging sofort daran, die nötigen l'iiri'en zu beschaffen und die zahlreichen Verwandten der Häftlinge meldeten sich, um das ihre zu tun. Ein Teil der Kirgisien i»t bereits befreit worden, bei anderen scheint jedoch oii* Stellung genügender Burgen auf Schwierigkeiten zu stoßen. In Jerusalem wurde kurz darauf ebenfalls ein Hungerstreik initiiert, mit ähnlichen Resultaten wie in Akko. Die jiidiM'he Presse im Lande hat die Entscheidung des High ConiinisMoners mit besonders warmer Anerkennung aufgenommen. I's wird betont, daß unbürokratische Haltung und Verständnis für die besonders kritische Lage der Juden im Gallith einen Entschluß hat reifen lassen, der, ohne sich an den Buchstaben des Gesetzes zu klammern, dahin wirken wird, du Vertrauen in die Regierung bei den Juden zu festigen und zu heben. Seit langer Zeit ist kein Schritt der Behörden von so viel Anerkennung begleitet gewesen wie diese Befreiung der illegalen Häftlinge. Konzerte in Jerusalem Das Jerusalemer Streichquartett (Häuser»Schocken, Jellin, Jacoby), das schon allein durch seine exklusiven Programme einen besonderen Rang im palästinensischen Musikleben einnimmt, gab einen besonders eindrucksvollen Abend. Es spielte das „VogeP'-Quartett von Haydn, die Serenade für Flöte, Geige und Bratsche op. 25 von Beethoven und das D-nioll-Quartett von Schubert („Der Tod und das Mädchen"). Die Aufführung der bezaubernden Beethoven- Serenade ist der Mitwirkung des ausgezeichneten amerikanischen Flötisten Schumer zu verdanken. Was an der Darstellung diesmal den Hörer fesselte, war die absolut reine, konzentrierte und transparente Gliederung gerade der Werke Haydns und des frühen Beethoven, die dem Stil der Zeit, aus der sie stammen, gerecht wird. Interessant ist übrigens, welchen Einfluß diese Musik auf den jüdischen Synagogengesang ausgeübt hat. Wir finden eine genaue Spiegelung der Kunstformen in der liturgischen Musik, z. B. Sedergesänge, die wie Haydnsche Menuetten wirken und Rondos nach hebräischen Melodien, die ebenso gut von Leopold Mozart sein könnten. Unter dem Protektorat des High Commissioners und mit Hilfe der „Mizpah-Loge" fand in der Eveline Rothschild» School zugunsten des Schüler-Stipeudienfonds ein öffentliches Schülerkon zeit des Palestine Conservatoire (Leitung: Emil Hauser) statt, welches für die erstaunliche pädagogische Arbeit von anderthalb Jahren Zeugnis ablegte. Selbst die jüngsten Schüler zeigen eine beachtliche Ueberlegenheit über den Stoff und der Gesamtstandard kann sicherlich den Vergleich mit einem hochrangigen europäischen Institut aushalten. Unter den zahlreichen Schülern, die sich präsentierten, sei besonders Daniel Fried 1 ander (Schüler Abileahs) genannt, der in musikalischer und pianistischer Hinsicht ganz außerordentlich talentiert Ist. Gleiches läßt sich von einer Schülerin Abileahs sagen: Beate Gokistein-Gumperts. — Interessant war die kleine Komposition: „Erwachen" von S. Silman (Schülerin von Towa Berlin) und als Sängerin leistete Frl. Marcus (Schülerin von Dr. Karl Salomon) Bemerkenswertes, während Barueh Magnes schon durch seine Vielseitigkeit Imponierte. — Auch die jugendlichen Pianisten Friedmann und Bcsharah (Schüler von Irma Schönberg) geben zu berechtigten Hoffnungen Anlaß. Das Programm enthielt kleinere Werke und Sätze aus größeren Kompositionen der vorklassischen Zeit bis zur Moderne. Die Fülle der kurzen Stücke wirkte etwas ermüdend und beeinträchtigte etwas die Gesamtwirkung. Alice Jacob-Loewenson Die Schulsubventionen der Palästinaregierung Die Regierung wird in den Etat des im April 1935 bt* ginnenden V'crwaitungsjahres für Schulzwecke «inen Posten von über 250 000 Pfund einstellen. Die Regie, ruug lehnt es jedoch ab, der Forderung des Waad LeumJ zu entsprechen, daß die Regierungsbeihilfe für das j Q, dische Schulwerk im Verhältnis zu der Zahl dej jüdischen Schüler erhöht werde. Ein Ausländergesetz In der „Official Gazette", dem palästinensischen Amts« blatt, wird bekanntgegeben, daß jeder Einwohner Pa* lästinas, der nicht im Besitz der palästinensischen Landes* bürgerschaft ist, nunmehr als Ausländer zu gelten habe. Gleichzeitig wird betont, daß die Rechtsprechung für alle Einwohner Palästinas einheitlich sei. Was diese neue Bestimmung, die an die Stelle des Artikels 59 der palästinensischen Grundverordnung tritt, prak« tisch bezweckt, ist noch ungeklärt. Kinobauten In Haifa wird demnächst die erste moderne Tos« f i 1 m b ü h n e in Hadar Hacarmcl eröffnet. Das Theater verfügt über 1600 Sitzplätze, davon 600 auf dem Rang. Die meisten Bau- und Dekorationsmaterialien sind im Landa hergestellt. Der seidene Bülmcnvorhang wurde im Beth Hachaluzoth gewebt. Die Entwürfe stammen von den Archi« tekten Rosoff, Haifa, und Vogelj Tel-Awiw, die Konstruktion wurde von den Ingenieuren Ginsburg und Schwarz durch« geführt. Für ein arabisches Nationalkino an der King. George-Street in Jaffa war ein allgemeiner Wettbewerb ausgeschrieben, der aber mit nur einem Preis ausgestattet war. Es waren Arbeiten aus Palästina, Transjordanien und Syrien eingelaufen. Den Preis erhielt der syrisch-arabische Architekt Elias el Mur aus Beirut. In engster Wahl waren ferner noch die beiden Entwürfe von Prof. Oskar Kaufmann und Architekt Wilhelm Haller, Tel-Awiw. Wie wir hören, ist die Zahl der jüdischen Gäste, die das King-David-Hotel in Jerusalem besuchen, ständig im Wachsen begriffen. Das Hotel beschäftigt jetzt mehr als 50 jüdische Angestellte. Der erste Jahresbericht des „Palestine Conservatotra of Musik and Dramatic < Art" (Jerusalem) ist erschienen. Er umfaßt das Schuljahr 1933/34. Der Bericht ist durch das Schulsekretariat (Abyssinian Building, Street of Prophets) zw beziehen. PALÄSTINA-ANZEIGEN F. W. I. GESEILSCHAFT ZUR FÖRDERUNG WIRTSCHAFTLICHER INTERESSEN VON IN DEUTSCHLAND WOHNHAFTEN ODER WOHNHAFT GEWESENEN JUDEN KANTSTRASSE 158_ M. B. H. J1 BRAUCK 6045, 6052 Vermögensverwaltung Vermögensverwertung in alten größeren Städten Deutschlands Grundstück*) Liquidation»« Aus wanderar bsratung — - - - oefcan Elniiahung von AuOanstetnrf«* Steuer- und Davfsans« Autorisierte Vortretung In Palästina: Dr. Landsberg, Dr. Förder, Tel-Aviv, Allenbystr. Hypothakejn Vorsitiender des Aufsichtsrots: Miriiteiiolrot o. D. Dr. Otto Hirsch geschäflsführendes Vorstandsmitglied der Reichsvertretung der deutschen Juden r KING DAVID HOTEL v rint f« * m m JERUSALEM Besitzer: The Palestine Hotels Ltd. TrlejrsniSB-AdresieiKindotel-JernesUnj Modernste! n. Homlorlaöc!«tc« Bold In nahen Osten 200 Zimmer, 100 Badezimmer. Jedes Zimmer mit fließendem warmem und kaltem Wasser Bestrenommierte Küchel Eratkl. Bedienung! Herrlicher Garten mit Terrasse und Blick auf die Stadt 5-Uhr-Tee * P r I v a t g a r a g e n Neu erolfnel Früher Berlin Pension BERTA WEISS BAIT-WE9AN bei TEL-AVIV Möbliert» Zlmmar mit und orrn« Pension Flißßencjes Wm ser » Bad Dachgarten an-! 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