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Jüdische Rundschau · 1935-03-01 · Heft 18 (1.3.1935) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 18 (1.3.1935)
Date
1935-03-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 18, 1. III. 1935 TRAUM IM ABGRUND Der Februar hatte endlich und nicht mehr erwartet die §roße Kälte gebracht. Schneidender Frost klirrte über der tadt. Die Stralk'n, die Fenster, die Mauern waren mit einer Eiskruste überzogen. In der Villa des Herrn Jacob Heffter waren in einer Nacht sämtliche Hyazinthen zwischen den Doppelfenstern erfroren. Es waren hundertfünfundsieb/ig Gläser, in denen das Wasser, zu Eis erstarrt, die langen, weißen Wurzeln erdrosselt hatte. Der Gärtner zeigte es gegen halb neun Uhr morgens bekümmert und bestürzt der Hausdame, die sehr an den Pflanzen hing. „Lauter Edelsorten, direkt aus Holland bezogen — alle hin — aut einen Schlag! Alle hin!" Er verstummte und beugte unbewußt, wie von schwerem Gewicht bezwungen, den Rucken; das Auto des Chefs hielt knirschend vor der Eisentür des Gartens. Gärtner und Hausdame sahen Herrn Heffter aus der Tür treten, die ein Diener aufgerissen hatte. Der Chauffeur hüllte den kleinen Mann behutsam in zwei Decken und schloß den Wagen, der mit einem gedämpften Grollen anzog und entschwand. Der Gärtner richtete sich wieder auf, nickte ein paarmal mit dem Kopf und i-agtc: „Was sind für solche Leute hundert Hyazintheiuwiebeiu? Sind sie kaputt, bestellt man neue, nur sehne!!, Eilgut, iluli sie bis zum Geburtstag des Fräulein Tochter in Blute stehen. ISnsereinem tut's weh um jede Knolle, die um ihr bilicheu Leben gebracht ist." Die Hausdame unkte seuf/end, während sie die Kartothek des \X'äseiies h.-aitkes ordnete. „Na! Ich werd sehen! Was zu reiten et, Kneten Sie alles in Ihr Zimmer, Frau Doktor", schloß der Biedere und ging, Körbe zu holen. * Nachmittags um fünf l'hr verließ Heffter sein Büro. Er hatte im ti eine Besprechung hei seinem Anwalt—, abends Gesellschatt hei Prot. II. Der Diener stand hinter der Tür mit Pelz, Hü! und I iaud-chuheu. Jeden Tag, zwei Minuten bevor Heffter die letzte Konferenz endete, erhielten Diener, Portier und Chauffeur durch den Privatsekretär telephonisch Mitteilung, sich bereit zu halten. Der IMener hielt eleu Pelz oder Mantel dann minutenlang in einer Stellung, die dem Chet das Anziehen in einem Augenblick sicherte. Ein alter Einarmiger hielt die Presseschau, eine Sammlung aller interessanten und Heiner interessierenden Artikel des Tages bereit (Politisches war rot, Wirtschaftliches war blau, Kunst grün, Konkurse schwarz .mgi-strichcu). Der Chef nahm kurz dankend das Heft im Vorbeigehen aus der Hand des Aiten, ohne daß sein Schritt innehielt. Der Chauffeur hielt auch heute den Schlag geöffnet. Aut dem kleinen K'aik■hd.-.ch am Fenster des Wagens lagen vier Sorten von Zigarren bereit, da Heffter während der Lektüre der Presseschau zu rauchen liebte. Als er heute die Fabrik verließ, hielt die Kälte noch immer die Weit umklammert. Aber es lag schon die Helligkeit des längeren Tages in der Luft. Der Himmel schimmerte opalfarben; die Spatzen zeterten es zu Dutzenden von den Dächern, daß der Frühling nicht mehr weit sei und sieh nur einen Fastuachtsscherz erlaube. Der Chauffeur hatte eine Minute zu lange in den Himmel geblickt, während Heffter die acht Stufen herabging. Als der Chef am Auto stand, war die Decke noch nicht in Meßners Hand. Der l'»glückliche erhielt einen Blick, der ihn erzittern ließ. „Hätte ich mir Zeit gelassen, in den Himmel zu starren, ich stände heute nicht da, wo ich stehe." Schart durchschnitten die Worte die Luft. „Ihr vergeudet die Zeit, wie ihr alles vergeudet." Der Chauffeur stotterte eine Entschuldigung, während er die Füße vles kleinen Gewaltigen einhüllte und blickte noch einmal auf, um aus dc-^en Augen die Andeutimg eines Lächelns oder bon-t ein Zeichen der Vergebung zu erhaschen. Aber der Chef las bereits. * Der Geburtstag der Tochter (sie war die schwache Stelle in Heffter* syr-temdurchsetztem Dasein) war am Mittwoch, dem 30. März. Man sehrieb Montag, den 28., als der Vater von einer Sitzung kam. Der Vortrag, den er gehalten, hatte offenbar die nwünschte Wirkung gehallt. Seine Ideen (uber neue l.ohuta; i ic und Senkung der Beti iebskosten, ohne daß der AiLeiter eine Entbehrung erfahren müsse), hatten die auwcMudeu Häupter der Industrie überrascht und offenbar m. iimi ia-t ub.-rzeugt. ..Sie haben uns wieder einmal durch die außerordentliche Klarheit Buer Gedanken, in der Gründlichkeit, W;>-;.m haitli< hkeit und Humanität sich die Waage halten, völlig neue Weg«; gewiesen. Mir scheint, ihre heutige Keile, die wir an höchster Stelle vorlegen werden, wird eine Wendung bedeuten.** Diese Worte seines älteren Kolkgen, der mit ihm gemeinsam das Gebäude verließ, bewiesen die Richtigkeit seines eigenen Eindrucks; alier sie zauberten auf seine Züge keineswegs das bewußte Lächeln selbstzufriedener Eitelkeit, wie ein Lob sonst das Angesicht der Menschen, gegen Willen und Selbstbeherrschung, aufzudecken weiß. Sein Gesicht zeigte nichts anderes als eine höfliche Miene; das schwere Haupt neigte sich zu ernstem, konventionsbeschränktem Dank - , au* keiner anderen Ursache als der, daß ihm billige Selbstzufriedenheit fern lag. Eine gut geglückte zweistündige keile war kein Grund, auf Schmeichelei zu reagieren. Er verlaugte von sich ebenso das Letzte wie von den Anderen. Verweilen bei dem Anschein eines Erfolges kannte er nicht. Unerklärliche Unrast trieb ihn vorwärts. „Genug ist nicht genug!" Diese Versz.cilen. des von ihm geliebten Schweizer Dichtere, schwebten über seinem Bewußtsein wie eine unsichtbare Peitsche, deren Schläge ihn stetig vorwärts jagten. während er nun, mit liebenswürdiger Geste, den grauköpfigen Bewunderer in den harrenden Wagen lud, fragte er kurz: „Alles erledigt, Mehner?" Der Chauffeur hielt schon den Zettel in der Hand, las aber mehr aus dem Gedächtnis ab, denn aus dem Blatt: „Jawohl, alles erledigt! Alle Hyazinthen sind aufgeblüht, werden am dreißigsten früh aus dem Gewächshaus hcrubcrgcholt. Der Gärtner hat die beiden Kallastöcke, wie gewünscht, durch Höhensonne zum Blühen gebracht. Der Mamlclbaum ist eingetroffen, die Blüten duften" -- Meßi.cs grinste - „zwanzig Meter weit. Das Modehaus lielert heute abend; alles andere ist", er deutete auf einen Haufen Päckchen und Pakete neben dem Führersitz, „abgeholt." „Danke." Mehr sagte Heffter nicht, aber Meßner hatte ein so warmes Lächeln in den stahlgrauen Augen des liebend Qefürchteten auftauchen sehen, daß er wie beschenkt vor Von Jizehak Tora 1 sich hin lachte und mit jungenhaftem Schwung seinen Sitz einnahm. Am Abend brachte der Getreue den Chef mit einigen Herren zur Bahn. Die ganze Fahrt im Auto würde zu kalt werden. Heffter zog vor, die Herren, einige Mitarbeiter und einen bedeutenden Politiker, zum nächsten Bahnknotenpunkt zu bringen, von wo aus man direkt den D-Zug benutzen konnte. Es war kalt und ein scharfer Wind pfiff auf dem Wpsteig. Meßner spürte es und riet, unten vor dem Bahnhof zu bleiben, der geschützt in einer Talfalte lag (die schlechte Luft eines Wartesaals konnte nicht in Erwägung gezogen werden). Man habe noch zwanzig Minuten Zeit. Er werde rechtzeitig abrufen. Die Herren waren in Gespräche vertieft. — Heffter liebte es, mit klugen Männern zu sprechen, um teststellen zu können, daß er fast alles, was sie vorbrachten, längst durchgedacht und verworfen hatte, und daß er ihnen allen um Schrittlänge voraus war. Er empfand es auch heute mit Genugtuung und spürte auch heute die dumpfe Traurjgrigkeit und Vereinsamung, die nach solcher Einsicht regelmäßig sich über ihn legte. Da aber geschah etwas Ungewöhnliches. Das Gespräch berührte unversehens ein Thema, dem er seit langer Zeit die Tore seines Denkens bewußt verschlossen gehalten hatte. Im allgemeinen sprach man — schon aus Taktgefühl — in seiner Gegenwart nicht über die Juden frage. Aber heute hatte es sich ergeben, daß im Anschluß an die Acußerung eines bekannten Wirtschaftsführers, die in der Zeitung wiedergegeben worden war, einer der Herren (es war der Politiker) eine Bemerkung über die, von dem Sprecher übrigens sehr positiv bewertete, Rolle der Juden machte; und wie von einem plötzlichen Einfall berührt, sieb verwunderte, daß ein Mann von solchem Format (der Politiker betonte das Wort, indem sein Blick Heffter streifte) noch nie seine Ansicht über dieses Problem — denn ein Problem liege unzweifelhaft vor — geäußert habe. Es müsse doch — so hörte Heffter jenen sagen — für einen Juden von so angesehener Stellung und so großem Einfluß, für einen „solchen Kopf" von so weitem Horizont, recht verlockend sein, an diesem „interessanten Problem" ein wenig zu doktern. Es war mehr eine elegant hingeworfene Bemerkung als ein wirklich ernst gemeintes Anschneiden des Problems gewesen, und da noch einige wichtige Dinge zu besprechen waren und die Zeit kurz war, der Zug mußte gleich einlauten, huschte das Gespräch darüber hinweg. Aber Heffter harte gefühlt, wie einen Augenblick lang sein Kopf blutleer geworden war. Seit seinem 18. Jahr hatte er sich von den jüdischen Bräuchen, mit denen er im Elternhaus vertraut gewesen war, radikal losgemacht. Er hatte alles, was mit dem Komplex „Judentum" zusammenhing, aus seinem Leben ausgeschaltet. Er konnte, wenn er sich seiner großen organisatorischen Aufgabe, dein Aufbau seines Werkes, widmen sollte, sich durch solche „Sentimentalitäten" nicht stören lassen. Sein Leben verlief ohne jede Beziehung zu dieser Vergangenheit, er wollte auch seine Familie davon freihalten, seine Kituler sollten unbeschwert den Weg in die Gesellschaft-finden. Aber heute, als dal Wort „Jude'" gefallen war, hafte er sich tief getroffen gefühlt. Es war, als ob in einer tiefen Schicht seiner Seele, der er den Zutritt zu seinem Bewußtsein ängstlich verwehrt hatte, ein Einbruch, eine Erschütterung stattgefunden habe. Eine Stimme, es war ja nur die Stimme des gutgekleideten, mit Genuß an seiner Zigarre ziehenden Herrn gewesen, hatte ihn an etwas gemahnt, was in einem verborgenen Winkel seines Herzens lauerte. Ob die Gesellschaft seines Erblassens gewahr geworden sein mochte? Heffter ärgerte sich über das plötzliche Gefühl der Unsicherheit, das ihn, den sonst so Sichern, Wohlabgewogenen, erfaßt hatte. All dies hatte nur einige Sekunden gedauert; schon spürte er, wie sein Gesicht sieh rötete; er fühlte sein Gleichgewicht zurückkehren und wollte zu sprechen beginnen. Aber, in diesem Augenblick, erschien der Chauffeur und mahnte: „Es ist Zeit". Die Herren gingen durch einen Tunnel und stiegen die Treppe hinan. Auf dem Bahnsteig empfing sie ein heftiger Windstoß, der ihnen Schneeflocken ins Gesicht sprühte. Ein wütender Blick aus Heffters Augen traf den Chauffeur: „Zwei Minuten zu früh!" Er zischte die Worte. „Soll ich mir hier oben —" er hatte sagen wollen: „zum Geburtstag meiner Tochter eine Lungenentzündung holen", aber das Schnauben des einfahrenden Zuges schnitt ihm die Rede ab. Er mußte noch laufen, um während der einen Minute, die der Zug hielt, das Kupee erster Klasse zu erreichen. In seinem Unterbewußtsein war noch nicht entschieden, als er sich in die Polster warf und zornig ein Bein über das andere schlug, ob die zu erwartende Erkrankung, die das Fest verderben könnte, dem eiskalten Zug auf dem Bahnsteig oder dem unnützen Rennen zuzuschreiben sein würde. Meßner hätte wissen müssen, wo der Wagen erster Klasse hält. Die beklemmende Episode von vorhin war vergessen. * Das Fest war glänzend verlaufen. Frau Heffter, die ihren Mann vergötterte, hielt sich in den Gefühlen zur Tochter streng in Zucht, denn Agathe war ja zum Teil ihr Werk und sich selbst gegenüber erlaubte sie sich keinerlei Illusionen. Während der achtzehn Jahre ihrer Ehe hatte sie sich so sefir in ihren Mann eingelebt, war so bereit, jede dürftige Aeußeriing als ausbaufähiges Symptom seines Wesens zu benutzen, daß sie sich angewöhnt hatte, vieles ganz kl seinem Tonfall auszusprechen. So hatte sie eine Art „Aha" zu sagen, mit der Betonving auf der erster» Silbe — ganz wie er es in Fällen tat, wo er in wohlwollender Verfassung einem' Gegenüber zuhörte. Vielleicht wollte jhr Unbewußtes dieses seltene Ereignis dadurch, daß sie iijm Häufigkeit ga.b, zur Dauer im Hanse zwingen. Sie hatte ihre Pflichten als Hausfrati, wie stets, so auch heute, glänzend und bis zum letzten erfüllt. Sie liebte es keineswegs, ein großes Haus zu führen, Menschen um sich zu sehen, Feste zu feiern. Ihr hätte es viel mehr gelegen, viele Kinder zu haben, die sie, von starker Mütterlichkeit getragen, allein und in der Stille erzogen und geleitet haben würde; immer zur Stelle, wenn eines der vielen nach ihr verlangt hätte, gleichviel zu welcher Stunde des Tages Oder der Nacht. Das Schicksal hatte es ihr versagt, da sie nach Joseph» dem zweite« Kind, so schwer erkrankt war, wie durch ein Wunder nur am Leben erhalten, daß eine nochmalige Schwangerschaft und Geburt «mer Herausforderung des Himmels gleichgekommen wäre» „Besser nur zwei Kinder unter deiner Obhut, als drei ohne dich" — hatte ihr Mann gesagt und damit war dieser Teil des Lebens ihr ein für allemal geordnet. Der 17. Geburtstag der Tochter aber hatte nach Heffters Wunsch die seltsame Stille dieses Hauses durchbrochen. Li sollte ein Tor zur großen Welt für das Kind werden. Alk Räume des unteren Stockwerks strahlten in hellem Licht. Blumen in allen Farben erquickten das Auge. Kostbares altes Gerät verriet gediegensten Geschmack- Zwei Sabbat- Leuchter von seltener Schönheit, offenbar ein altes Familienerbstück, standen im Bibliothekzimmer — „wohl mehr zur Zierde, denn zum Gebrauch", tuschelte ein Weißhaarig« einer Dame ins Ohr. Das Erscheinen des Hausherrn mit der Tochter am Arm unterbrach das Gespräch. Nachdem Agathe seit einem halben Jahr Tanzunterricht erhalten hatte — mit sechzehneiuhalb begonnen — (genau nach des Vaters Wunsch) fanden die zahlreich geladenen jungen und älteren Flerren eine sanfte, schüchterne Mädchengestalt, die mit ernstem Gesicht die kleinen, künstlichen Schritte des Tango und Boston vollführte. Frau Heffter freute sich an ihrer tadellosen Haltung, mehr noch aber an dem Angesicht ihres Mannes, das eine seltene Befriedigung zeigte. Er war liebenswürdig und lebhaft und bald hatte er, wie immer, die männlichen Gäste in einem Raum um sich geschart und dozierte — nachdem er sich höflich-duldend von der Ausgelaugtheit und Dürftigkeit ihrer Ansichten überzeugt hatte — über Dante und seinen Einfluß aut die seltsame Entwicklung des Ignatius von Lojola zum Politiker. Am nächsten Morgen hatte Agathe den Wunsch, den Vater in seinem Büro zu besuchen. Die Mutter begleitete das Mädchen, getragen von dem Verlangen, noch einen Schimmer jener frohen Zufriedenheit in den Zügen ihres Mannes zu finden, die sich so selten an ihm zeigen wollte. Im Grunde war ihr das Wesen dieses Mannes ein verschlossenes Buch. Hin und wieder lüftete er ihr einige Seiten — leider immer die gleichen, und auch dafür war sie dankbar — aber die vielen anderen, die sie ahnte, blieben ihr wohl für immer versiegelt. Dies band sie mit einer schmerzenden Erwartung au ihn. Sie hoffte, daß er an den vielen Abenden, die er allein in der Bibliothek verbrachte, über sein Leben, sein äußeres und sein inneres, von dem keiner wußte, schreiben würde und daß dann einmal alle erfahren durften, was an Schätzen in ihm verheimlicht lag. Er aber durchforschte statt dessen Lexika und Folianten, um sein Wissen zu erweitern, las Gedichte von Keller, Hölderlin, Goethe und Rilke, um an der geläuterten entweitlichten Kunst ihrer Sprache den ruhelosen Brand seines Inneren zu sänftigen. Als die beiden Frauen den langen Korridor zu des Vaters Arbeitsraum entlanggingen, sahen sie die grüne Lampe vor seiner Tür brennen, ein Zeichen, daß Störung untersagt sei. Frau Heffter zögerte einen Augenblick. Sie achtete ihm Mannes Arbeit wie sein Gebot in jeder Minute, und auch nicht in einem Winkel ihres Herzens hätte etwas dagegen zu verstoßen gewagt. Er wußte das wohl, er brauchte ihre Anbetung, ohne daß sie ihm doch im eigentlichen helfen konnte oder seine Einsamkeit für länger als Augenblicke zu bannen vermocht hätte. Agathe aber meinte: „Für uns brennt sie nicht", und näherte sich fröhlich der Tür, als diese eben aufflog. Ein Mann mit feuerrotem Kopf stürzte heraus. Die Damen nicht gewahr werdend, stöhnte er: „Das ist zuviel, zuviel!" lehnte sich mit der Stirne an die Wand und verharrte so im Flur, den Rücken den Frauen zugekehrt. Diese traten durch die offengebliebene äußere Tür auf die Schwelle. Die innere Tür war angelehnt und sie hörten, während sie die äußere leise einklinkten, des Vaters erregte Stimme mit kaltem Holm sagen: „Ich habe es satt, mit Ihrer Unfähigkeit meine Zeit zu verlieren, meine Herren. Stroh dreschen mögen die Andern. Mein Werk hat einen besseren Sinn!" Das Telephon schrillte, der Vater hob es ab. Seine Stimme klang ruhig, sachlich und fast gütig, als er sagte: „Die Masse ist fertig! Genau nach meinen Angaben? — Gut! Ich bin in zwei Minuten im Laboratorium." Er stand auf und entließ drei bleiche Herren, auf deren Stirnen Schweißtropfen standen. (Fortsetzung folgt) Juden und Jüdisches im Rundfunk Sonntag, 3. Mlrzi London Reg. (342), 14.30: SchallpL Nr. 1. * und 6: Moritz Roscnthal (Klavier). Montig, f. Miro Lmeniburg (1304), 13.55: SchallpL u. a- May.«« Jehudi Msriu'hin. — Bordeaux (278), 20.00: Kontert, u. a. Kaddisch von Aau-L — Luxemburg (1304), 20.2Ü: Orchester-Konzert, f. a. Engebtrautn von Rubinstein. — Paris (1648), 21.00: „Dcf polnische Jude", Oper von Erckmami-Chatnan, Musik v Erlanger. Ditnttag, |. Mint Monpellicr (224), 15.00: Konzert, u. a. Offenbach, AbraniaÜ: Orient aL Rhapsodie. — Lyon (463), 15.C.0: Vielen-Konzert, u. a. Nigguu von Ernest Bloch. — Paiis-N'orJ (247), 18.45: Eine Viertelstunde Ottenbach. Oer Jüdische Kulturbund Rhein-Ruhr teilt mit: Di« an das Preisausschreiben geknüpften Erwartungen sind leider nur zu einem geringen Teil erfüllt worden. Unter derj wst ausschließlich epigonalen Arbeiten jeder Stilrichtimg fand «ich kein bühnenreifes Werk, das den besonderen Anforderungen der Kulturbundbuhne genügt hätte. Der erste Preis konnte deshalb nicht vergeben werden. Das Preisrichterkgllegium sprach einstimmig den 2. Preis dem Schauspiel „Channa" von Martha Wertheimer (Frankfurt a. M) Ztf, von den übrigen Einsendungen müssen anerkennen* erwähnt werden: das Lehrstück „Benjamin oder die Lieber-" Windung!* von Heinrich Infcld (Tei-Awiw), „Das Messiasspiel", Mysterium von Fritz Roscnthal (München), „I'a* eterna"» Schauspiel von Maurice Rübner (Hainburg), »Man türmt", Lustspiel von Oswald Pander (Hamburg), „Kalenner flbri Auto*, Schwank von Herbert Schönlank (Amsterdam)i sowie ()ie beiden Kinderstücke: „Chanukkafestspiel" von Martin M#pbj«t|«' (Lübeck), „Esther" von Sylvia Cohn-Ober-' brunner (Offenburg/Baden).

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