Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 18 (1.3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 18, 1. Iii. 1935 Sir John Simon Ein Artikel der „Times" über Palästina .~.~!:.«~i.~*..d~__— e:- i ~ i. - e!___J — *9 Der englische Außenminister Sir John Simon, der gegenwärtig im Vordergrund des politischen Interesses steht und die wichtige Mission einer vermittelnden Tätigkeit im Interesse des Weltfriedens auf sich genommen hat, war, wie vielen noch erinnerlich sein wird, im vergangenen Jahre der Anlaß zu einer interessanten Kontroverse. Sir John hatte in der „Times" vom 4. August 1934 einen Brief veröffentlicht, worin er feststellt, daß er rein „arischer Abstammung" ist. Diese Erklärung Simons war dadurch veranlaßt, daß er vielfach in europäischen Zeitungen außerhalb Englands als Jude bezeichnet worden war. Worauf diese Vermutung zurückgeht, ist nicht ganz geklärt. Es mag sein, daß der biblisch-jüdische Name der Anlaß zu diesem Oerücht war, da es auf dem Kontinent wenig bekannt ist, daß Engländer häufig sowohl als Vornamen als auch (seltener) als Nachnamen biblische Namen tragen. Möglicherweise liegt auch eine Verwechslung insofern vor, als Sir John Simons unmittelbarer Vorgänger in der Leitung des Foreign Office, der Marques» of R e a d i n g, J u d e ist. Sir John Simon hat lange Zeit auf die immer wiederkehrende Behauptung, er sei Jude, nicht reagiert. Er erklärte nun in seinem Briefe an die englischen Zeitungen, er habe sich gegen die Gerüchte seiner jüdischen Abstammung nicht gewehrt, weil er nicht in den Verdacht des Antisemitismus kommen wollte. Denn unter seinen Freunden seien Juden, denen er die größte Hochachtung entgegenbringe, urni er habe diese nicht beleidigen wollen, indem er den Anschein erregte, als ob er sich von ihrer „alten und ehrenhaften AV-tammutiR" abgrenzen wollte. In Wahrheit sei er jedoch ein gvwMtnlkhcr Engländer von arischer Herkunft ohne die geringste jüdische Beimischung. Er gebe diese Erklärung nur;il>, weil ihm gesagt worden sei, daß in Anbetracht der :.g gebeuen Einstände die Klarstellung seiner Abstammung im ..iu-::t'ichvn Intere-.se liege. Diese Erklärung Sir John Simons, die auch der Berliner „Völkische Beobachter" vom 5. August wiedergab, hat in England trotz, der vorsichtigen Formulierung beträchtliches Aufsehen enegt, weil den maßgebenden Kreisen des englischen Volkes, insbesondere den Wissenschaftlern, die Terminologie, die mit tiein Worte „Arier" zusammenhängt, nicht geläufig ist. Infolgedessen hat sich an den Brief Simons ein regelrechter wN-cnM-baftücher Streit angeschlossen, der tagelang die Brief«.palten der „Times" in Anspruch nahm. Dabei haben eine g ui/e Reihe englischer Professoren, Anthropologen, Naturwissenschaftler usw. ihre Meinung über die Rassen fr a g e zum Ausdruck gebracht und Hypothesen über die rassi-rhe /usammciisct/img Verschiedener Völker Asiens und Europa«, insbesondere der gewöhnlich als Semiten und Aiier unterschiedenen Volksstämme ausgesprochen. Bei dieser Gelegenheit wurden auch Meinungen über die Judenfrage geäußert, die über das rein Wissenschaftlich-Anthropologische hinaus auch soziologische und politische Erläuterungen für die eigentümliche Sonderstellung der Juden beibrachten. Gelegentlich ist Sir John Simon auch die Mißdeutung, die er vermeiden wollte, nicht erspart geblieben, nämlich daß er durch seine Erklärimg jene Strömung unterstützt habe, die eine jüdische Abstammung, falls sie vorläge, für etwas Herabsetzendes halte. Diese Annahme aber wäre vollständig unrichtig. Sir John Simon ist gerade jener Typus des Engländers, der sich unzweideutig zur englischen Tradition der Vorurteilslosigkeit in bezug auf Differenzen der Abstammung und Religion bekennt. Er ist dabei keineswegs von Juden beeinflußt. Das hat er einmal sehr eindrucksvoll ausgesprochen, in einer Debatte im englischen Unterhaus am Ei. April 1<H3, die sich mit der Judenfrage beschilftigte. Damals hat Sir John Simon gegen die Anschauung Stellung genommen, daß das Eintreten Englands für die Idee der Gleichberechtigung der Juden etwa von jüdischer Seite v e r a n 1 a ß t oder durch jüdische Wünsche ausgelöst worden sei. Fr sagte: „Ich glaube nicht, daß es deplaciert ist, wenn ich als ein Mitglied der Regierung sage, daß »•< ein tiefer Irrtum wäre, wenn irgend jemand in irgendeinem I aride sich vorstellte, daß dieses in England herrschende Gefühl (in bezug auf die judenfrage) beschränkt ist auf Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft oder aber von ihnen entfacht w>>nh n ist. Im Gegenteil, es ist eine spontane und unvermeidliche Kundgebung unseres Festbaltens an dem Prinzip der rassischen Toleranz... Dies ist eines von d'm Dingen, welche in die Tradition der Gesamtheit des britischen Volkes eingegangen ist... Es ist nicht eine gudEche' Anschauung, und es ist nicht die Anschauung bloß eines Teils unserer Bevölkerung oder einer einzelnen Partei; es Et das, was mit Recht die angelsäc h s i s c h e A n <= c h a u u n g genannt werden kann." Simon, der bekanntlich von der liberalen Partei herkommt, konnte wohl mit Recht sagen, daß dieser Teil des Liberalismus (zum Unterschied etwa von dem Warenfreihandel) in allen Teilen des cuglEuun Volkes Wurzel gefaßt hat. Er selbst ist einer tler charakteristischesten Vertreter dieser, wie er es nannte, „angelsächsischen Anschauung". Natürlich ist der britische Außenminister weit entfernt davon, einem anderen Land in seine internen Angelegen- Lesen Sie ständig die JUDISCHE RUNDSCHAU Heute beginnt der neue Monat! Bestellen Sie jetzt auf dem im Anzeigenteil eingedruckten Schein! 2 Mk. monatlich, 5.75 Mk. vierteljährlich ir Keine Krise bevorstehend" Die Londoner „Times* vom 27, Februar veröffentlicht einen aus Jerusalem datierten ausführlichen Bericht ihres Spezialkorrespondentcn über die Lage in Palästina. Jeder Beobachter dieses Fortschrittes, so ich reibt das Blatt, kann heute nicht viel anderes tun, als die Statistik registrieren, denn wie sich die volkswirtschaftliche Gestaltung vollziehen wird, ist noch nicht abzusehen. Er schildert dann das Wachstum der jüdischen Bevölkerung, die sich im Laufe der letzten fünf Jahre verdoppelt hat und beschreibt die Ueberfüllung der Stadt Tel-Awiw, deren Bevölkerung noch im vorigen Frühjahr auf 65 000 geschätzt worden sei und jetzt mit 110000 beziffert wird. Diese übermäßige Menschenansammlung, die damit verbundene Wohnungsnot, die das Baugewerbe reich macht, und die phantastische Bodenspekulation bilden den Gegenstand der Besorgnis der verantwortlichen Zionisten. In der Umgebung von Jaffa werde für Boden, der vor einigen Jahren 10 Pfund' wert war, 300—100 Pfund geboten. Die Verkäufer legen ihr Geld sofort in entfernteren Gegenden in billigen Boden an um in Zukunft neuerlich durch Spekulation zu gewinnen. Um eine Erleichterung in Tel-Awiw herbeizuführen, wäre vor allem der Bau einer Hauptverkehrsstraße von Tel-Awiw nach Haifa erforderlich, denn die jetzigen Verhältnisse, so waren z. B. während des Regens die auf dieser Strecke liegenden Siedlungen völlig abgeschnitten, verhindern ein Abströmen nach diesen Gebieten. Nach* Meinung der Regierung sei ein wirtschaftlicher Rückschlag noch nicht zu erwarten, und wenn er kirne, so wären seine Konsequenzen nicht gefährlich, da auch dann noch ein dauernder Strom von Einwanderern aus Europa kommen wird. Die Regierung beabsichtige, im Falle einer Krise öffentliche Arbeiten durchzuführen, wofür sie eine Reserve von 41/« Millionen Pfund angesammelt hat. Auch in diesem Jahr werden die wirtschaftlichen Aussichten wegen der guten Ernte-Chancen günstig beurteilt Der Berichterstatter beschäftigt sich dann noch mit dem politischen Problem, für das noch keine Lösung gefunden wurde. In der Seele des Arabers, so sagt er, kämpft die Abneigung gegen den jüdischen Zustrom mit der Versuchung, daraus Profit zu ziehen. Auch bei der jüdischen Bevölkerung sei das politische Interesse im Vergleich zu früher zurück, getreten, teilweise dank den deutschen Juden, die sich mehr um ihre wirtschaftliche Existenz als um Politik kümmern. Der Beschluß der französischen Mandatarmacht, jüdische Einwanderer nach Syrien hereinzulassen, bestärke die allgemeine Meinung, daß es nur eine Frage der Zeit ist, daß die jüdische Einwanderung auch nach T r a n s j o r d a n i e n beginnen wird, dessen Agrarnot und niedrige Bodenpreise das Kapital wie ein Magnet anziehe. Jetzt schon kaufen palästinensische Araber Boden in Transjordanien zu Spekulations/wecken, woraus hervorgeht, daß sie das Eindringen von Juden als unvermeidlich ansehen. Die palästinensischen Araber hätten sich jedenfalls bisher unfähig zu einer geschlossenen Politik gezeigt und denken nicht daran, die von ihnen in Worten proklamierte Politik durch persönliche Taten zu unterstützen. heiten, etwa in der Judenfrage, hineinzureden. Was er sagt, ist — wie er auch im Parlament betonte — lediglich als Kundgebung des angelsächsischen Gefühls zu befrachten. Amtlich Lst Sir John Simon mit der Judenfrage nicht befaßt, da die Palästinafrage nicht in das Gebiet des Auswärtigen Amtes, sondern in das Gebiet des Kolonialamtes fällt. Nur gelegentlich hat er sich auch zu jüdischen Fragen zu äußern, so z. B. kürzlich, als er im Unterhaus das Bedauern der englischen Regierung über die antisemitische Haltung im Irak zum Ausdruck brachte. Die Gattin des Außenministers, Lady Simon, gleichfalls reine Arierin, ist seit langer Zeit eine Freundin und Bewunderin der zionistischen Bewegung. In Erinnerung wird den Lesern der „Jüdischen Rundschau" ihre Rede anläßlich der Herzl-Feier in London im Juli 1934 sein, bei der sie die charakteristischen Worte sprach: „Wäre ich nicht eine bejahrte irische Frau, sondern eine junge Jüdin, dann würde ich mich mitten in den Kampf um die Schaffung einer machtvollen zionistischen Bewegung stellen." Sie gab in dieser Rede der Verwunderung Ausdruck, daß es noch Juden gibt, die dem Zionismus ablehnend gegenüberstehen. Sir John selbst war erst kürzlich, worüber wir berichteten, Gast des Präsidenten der Jewish Agency, Sokolow. Wenn Sir John Simon jetzt seine Mission im Dienste des Weltfriedens in Angriff nimmt, die auch in Deutschland begrüßt wird, so dürfen auch wir Juden hoffen, daß seine Mission gelingen möge und eine Zeit des Friedens und glück« liehen und friedlichen Aufbaus für alle Völker heraufkomme IN ALLER KURZE Im Alter von 62 Jahren ist in London der aus Rtrßlaind stammende jüdische Philanthrop Mark Schalit gestorben, der auch für die Palästina-Arbeit stets ein reges Interesse bewiesen und den zionistischen Fonds große Spenden gemacht hat. Als Nachfolger des verstorbenen Oberrabbfners Prof. Dr, Angelo Sacerdoti dürfte der vor einigen Jahren als Oberrabbiner nach Alexandrien berufene Prof. David Prato das Amt des Oberrabbiners von Rom und Vorsitzenden des italienischen Rabbinatskollegiums übernehmen. Der Vorsitzende der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes und Mitglied des italienischen Senats, Marquis T h e o d o I i, hielt im Institut für Kolonialforschung in Florenz einen Vortrag über die Arbeit der Mandatskommission, wobei er sich im besonderen auch mit den Problemen des englischen Mandats über Palästina befaßte. Marquis Theodöli brachte seine Bewunderung für die Leistungen der Juden in Palästina zum Ausdruck. Der „Manchester Guardian" nimmt in einem Artikel zu der Ausweisungspraxis der französischen Behörden Stellung. Er weist darauf hin, daß viele Auswanderer, die jetzt ihren Wohnsitz in Frankreich haben, absolut keinen Ort haben, wohin sie sich wenden sollen, und daß es daher grausam ist, diese Menschen auszuweisen und im Falle der Nichtbefolgung der Ausweisimgsorder zu bestrafen und so systematisch zu zermürben. Das Blatt meint, daß das Nansen-Büro in Genf die Angelegenheit der Emigranten endlich zentral in die Hand nehmen sollte. Wie unser Wiener Korrespondent berichtet, fand Ende Februar in Salzburg der Distriktstag der alnenländisehen Zionisten statt, an dem auch der Wiener Kulruspräsident Dr. Friedmann und der Vorsitzende des Landesverbands, Dr. Orönbaum aus Wien, teilnahmen. Die Tagung wurde durch eine öffentliche Versammlung eingeleitet. David Schmetterling, einer der lltesten Arbeiter und Siedler in Daganiah, der ältesten jüdischen Genossen- Schaftssiedlung Palistinas, ist in Deutschland eingetroffen, um bei der beruflichen und geistigen Vorbereitung der zur Auswanderung bereitstehenden jüdischen Jugend mitzuwirken. Der Richter am Mailänder Appellationsgericht, Silvio Mortara, der Jude ist, wurde nach Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand versetzt. Gleichzeitig wurde der Richter, der Vorsitzender des Jugendsenats war, durch die Verleihung des Titels eines Ersten Ehrenvorsitzenden des Appellationsgerichtshofs ausgezeichnet Auf einer Advokatenversammhmg im Bukarester Justk- Palast forderten mehrere Anwälte die Einführung des Numerus clausus im Advokatenstand ganz Rumäniens; und zwar solle ein sogenanntes „Numerus romanus" eingeführt werden, dessen Grundlage das proportionelle Verhältnis zwischen der rumänischen Bevölkerung und den Minderheiten Rumäniens bilden soll In Berlin ist eine nationalsozialistische Esperanto-Vereinigung begründet worden. Der Erfinder der Esperanto-Sprache, Dr. Ludwig Zamenhof, der 1917 in Warschau verstorben ist, war bekanntlich Ostjude. Im Alter von 82 Jahren ist in New York der jüdische Dramatiker Josef Lateiner gestorben. Die Beflaggung jüdischer Häuser Eise Verfügung in Frankfurt Der Vorstand der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M. veröffentlicht nachstehende Erklärung: „Durch Anordnung der Geheimen Staatspolizeistelle Frankfurt a. M. Ist uns folgende Bekanntmachung aufgegeben: Es Ist unerwünscht, daß Juden, sowie jüdische Organisationen und Körperschaften, ihre Privat- und Geschäftshauser, Wohnungen und Geschäftslokale mit den Reichsfarben (Hakenkreuz- oder schwarz-weiß-rote Fahne) beflaggen. Beflaggung In den Frankfurter Farben (rot-weiß) ist anheimgegeben." Wie uns zu der gleichen Frage aus Leserkreisen in Insterburg geschrieben wird, ist auch der Vorstand der dortigen Kreissynagogengemeinde aufgefordert worden, den Gemeindemitgliedern mitzuteilen, daß das Zeigen von Flakenkreuzfahnen und schwarz-weiß-roten Fahnen sowohl an Privathäusern als auch an Geschäftshäusern in Zukunft nicht gewünscht wird. Auch in anderen Gemeinden sind ähnliche Verfügungen ergangen, doch ist uns die Liste noch nicht bekannt. Wir glauben aber, daß in dieser Frage des Flaggens eine e i nheitliche Regelung erfolgen muß, da sonst die Juden nicht wissen, woran sie sind. Wenn bei einer allgemeinen Beflaggung aus einem patriotischen Anlaß die Juden sich ausschließen würden, so könnte das zu Mißdeutungen AnlaJ geben; wie aber der Frankfurter und Insterburger Fall l*- wielsen, kann auch die umgekehrte Situation eintreten. Die Berliner Jüdische Gemeinde teilt uns auf Anfrage mit, daß bei ihr bis zur Stunde eine gleichartige Benaclilichtigung nicht eingetroffen ist. Neuer Kampf gegen das Judentum In Dillen bürg veranstaltete die NSDAP des Dillkreises einen Mitgliederappell. In einer Ansprache führte der Gauleiter, Reichsstatthalter Sprenger, nach dem Lagdespressedienst u. a. folgendes aus: „Wir bauen so unseren Staat, in dem Blut- und Artfremde nicht» zu sagen haben. Für uns ist entscheidend die Stimme des Blutes. Schon «piirt. man überall wieder, daß sich die Juden erneut am ihren Schlupflöchern herauswagen und mitreden wollen. Wir mü'<en im Kampf gegen das Judentum neu den Kampf aufnehmen." Wie der „Westdeutsche Beobachter" in Köln meldet, sprach Reichsminister Dr. Goebbels in einer Kundgebung in Aachen. In seiner Rede kam er auch auf die Judenfrage zu sprechen. Der „Westdeutsche Beobachter'' berichtet darüber, daß der Minister ganz besonders die harte Unerbittlichkeit der Bewegung in der Judenfrage herausgestellt habe. Die „Germania" über Palästina Die „Germania" beginnt in ihrer Ausgabe vom 27. Febr. mit einer Aufsatzfolge über „Palästina von heute", in der sich der Korrespondent mit den Fragen der jüdischen Arbeit in Palästina auseinandersetzt. Der mit Illustrationen versehene Artikel behandelt das Palästinamandat, die verschiedenen innerzionistischen Strömungen, den arabischen Nationalismus und die Haltung Englands. Im allgemeinen werden die vorhandenen Kräfte richtig gesellen, wenn auch dazwischen Fehlurteile unterlaufen, wie dieses, daß die national-arabische Bewegung verstärkte Stoßkraft „durch die mit der jüdischen Einwanderung in Zusammenhang stehenden Verelendung weiter arabischer Schichten'' bekomme. Im Anschluß hieran werden die verschiedenen Typen der in Palästina lebenden Juden charakterisiert: der rVollblutzionist, dem man auch das Sterben für seine Sache zutrauen mag", das alteingesessene orthodoxe Element und die Opportunisten. Die Erstgenannten seien „wohl die einzigen »selbstverständlichen' Juden dieser Erde. Sie haben den Blick, den der trägt, der auf eigener Scholle zu Hause ist und sich ernährt aus den Produkten eigener Erde". Freiherr von Rechenberg, der am 26. Februar an den Folgen eines Verkehrsunfalls im 71. Lebensjahr gestorben ist, war ein Freund des jüdischen Palästinawerkes. Der Verstorbene war vor dem Kriege eine Zeitlang Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, und als Kolonialfachmann interessierte er sich sehr für die Probleme, die mit dem Aufbau des Jüdischen Nationalheims in Palästina zusammenhängen. Er war Mitglied des Komitees Pro Palästina und hat bei den Hauptversammlungen wiederholt seine Anschauung über Palästina zur Geltung gebracht. Die zionistischen Kreise, die seinen Rat und seine Erfahrung zu schätzen wußten, werden diesem Manne ein dankbares Andenken bewahren. _____ Havplschriftleiter: Dr. Robert Welt seh, Berlin-Chnrlottcnburg «• Stellvertreter: Kurt Loewenstein, Berlin W 15. Anzetgenleiienn und verantwortlich für den Anzeigenteil: Helene Chanein er. Berlin N 54, Verlag und Anwigenverwaltung: Jüdische Rundich»0, Berlin W, 16, Meinekestr. 10. D.-A. Januar 33 444. — Dniek: Siegfried Scholem, Berlin-Schöoeberg.