Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 17 (26.2.1935)
- Date
- 1935-02-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JODISCHE RUNDSCHAU b<r. 17, 76. H.1933 derartigen Materialien sehr stark zusammengeschrumpft, der an Dachpappe, Packpapier, Druckpapier und Buntpapier ist sogar fast ganz verschwunden. Position 14: Die Erhöhung der Einfuhrwerte in dieser Position ist darauf zurückzuführen, daß wir im letzten Jahr feuerfeste Steine aus Deutschland einzuführen begonnen haben: daneben ist der Import an Steingut- und Porzellangeschirren stark gestiegen. Der an Wandplatten aus Ton oder Steingut ist aber gefallen. Position 15: Unser Import an naturfarblgai Olasflaschen deutscher Herkunft ist sehr stark gefallen, der an weißen dagegen stark gestiegen. Oestiegen ist auch unsere Einfuhr an deutschem Tafelglas, femer an optischen Gläsern und an photographischen Gläsern und Apparaten. Position: 16: Unsere Einfuhr an Oold- und Silberwaren, insbesondere an silbernen Bestecken, ist etwas angewachsen. Position 17: Dies war immer die wichtigste Position unserer Einfuhr ans Deutschland. Sie hat 1033 rund 62 <y« des Wertes der deutschen Gesamtausfuhr nach Palastina umfaßt, soweit diese in der Einzelstatistik berücksichtigt ist, und im Jahre 1034 rund 72,5 *>«. Sie ist also nicht nur ihrer absoluten, sondern auch ihrer relativen Bedeutung nach gestiegen. Das ist kein Wunder, wenn man beispielsweise sieht, daß unsere Einfuhr an bearbeiteten Eisenrohren aus Deutschland (Walzrohre) von 571 t im Jahre 1933 auf «793 t im Jahre 1934 angewachsen ist, dem Werte nach stieg sie von 131000 M. auf 1911000 M. Die Einfuhr von nichtbearbeiteten Röhren aus Deutschland stieg gleichzeitig von 72 auf 1183 t bzw. von 20 000 auf 213 (KM) M., die an Kund- und Profileisen von JK22 t im Werte von 252 000 M. auf 9156 t im Werte von (>20<KK) M. Allein in diesen Positionen ist also eine Wertsteigerung der deutschen Ausfuhr nach Palästina um rund 2,3 Millionen M. festzustellen. Daneben ist die Einfuhr des Landes an Eisentmd Metallkurzwaren .iiier Art, Schrauben, Nägeln, Werkzeugen usw. stark gestiegen. Was die Einfuhr an deutschen Maschinen anlangt, so ist zu sagen, daß die an eigentlichen Produktionsmaschitten, d, h. nach der deutschen Liste nach Wirkereimaschinen; Appretur-, Metailbearheitungs-, fiolzbearbeittmgs-, Kalk- und Zernentbearbeitungs-, Kartonnapen-, Schuh- und schließlich Bäckercimasrhinen dein (ioamtwert nach um 087 000 M., nämlich von '357 000 auf 344 WO M. angestiegen ist. Viel schwächer war das Anwachsen der Einfuhr an deutschen Motoren (dem Gesamtwert nach von 324 000 auf 430 000 M). Man wird für 1931 den Anteil der palästinensischen Einfuhr aus Deutschland an der Gesamteinfuhr des Landes auf »und 11 — 12°,o anzunehmen haben. Ein neues Hospital der Arbeiterkrankenkasse Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel - A wi w, 13. 2. 35 Unter Anteilnahme von Regicrungsbeamfen, Vertretern der nationalen jüdischen Institutionen und der Arbeiterorganisation wurde in der Nähe von Petach-Tikwah der Grundstein für das neue Hospital der Arbeiterkrankenkasse gelegt. Das Krankenhaus soll zuerst für 60 Berten eingerichtet und später auf 140 Betten erweitert werden. Der Bau wird C 22 000 kosten. £ 10(XX) wurden als Anleihe von der Arbeiterbank und der „Nir"'-Gesellschaft aufgenommen, £ 7000 durch Beiträge der Mitglieder aufgebracht. (Jedes Mitglied der Krankenkasse im ganzen Lande steuerte einen Monatsbeitrag außerhalb der normalen Zahlungen bei.) Man hofft, da3 die Regierung sich ebenfalls mit einem Beitrag, der auf £ 5000 geschätzt wird, an dem Werke beteiligen wird. Der Leiter des Gesundheitsdepartements der Regierung, der sich an der Eeier beteiligte und die Verdienste der Krankenkasse besonders hervorhob, konnte in dieser Hinsicht noch keine festen Versprechungen abgeben, ließ jedoch durchblicken, daß die Regierung über die Möglichkeit eines Beitrags im Zusammenhang mit dem Budget des neuen Jahres berate. Das Krankenhaus wird auf einem 11 Ditnam großen Platz erbaut, der früher von einer Arbeitergruppe Desetzt war und der Jcwish Agency gehört. Die A r b e i t e r k r a n k e n k a i s« wird von 80 000 Menschen frequentiert (hei einem (iesamt-Jischuw von ca. 300 000 Menschen.) Ihr jährliches Budget beträgt heute £ 150000, das ist das Doppelte des Bushiets von vor zwei Jahren. Die Mitgliederzahl wächst mit jedem Einwandererschiff. Die Arbeiterkrankenkasse im Lande arbeitet unter besonders schwierigen Bedingungen. Bei dem Fehlen einer entsprechenden Arbfiterschutzgcsctzgfbung, wo kein Zwang zur Krankenversicherung besteht und weder die Regierung noch der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet sind, zur Versicherung der Arbeiter finanziell beizutragen, ist der judische Arbeiter gezwungen gewesen, diese lein nswichtige Institution zum größeren Teil aus eigenen Kräften aufzubauen. Die nationalen Institutionen haben von Zeit zu Zeit Hilfe geleistet, und es gelang durch Verhandlungen im Laufe von Jahren, einen Teil der Arbeitgeber in Verträgen dazu zu verpflichten, daß sie sich an den Versicherungskosten beteiligen. Mit der wachsenden Einwanderung wachsen die Anforderungen an die Kasse. Die steigende Mitgliedcrzahl verlangte in den Städten und Kolonien eine dauernde Vergrößerung der Ambulatorien und Arrztezahl, Es ist wohl unvermeidlich, daß bei diesen Bedingungen — nur geringe Hilfe von außen und dauernd steigende Anforderungen zusammen mit schweren klimatischen Verhältnissen — die Kasse nicht immer ihren Aufgaben gerecht werden kann. Ihre Geschichte ist eine ununterbrochene Kette von Verbesserungen und Anpassungen an die sich ändernden Situationen, wobei natürlich die Verhältnisse sich rascher andern als die Administration des Instituts. Das neue Krankenhaus bei Petach-Tikwah erfüllt ein überaus dringende» Bedürfnis. Die absolut ungenügenden Hospitalisierungsmögliehkctten Tel-Awiws und damit der umliegenden Siedlungen, sind genugsam bekannt. Es sind im letzten Jahre eine Reihe Von Privatkliniken gegründet worden — zum Teil von Aerzten aus Deutschland, die auch In größerer Zahl in das Personal der Kasse aufgenommen wurden —, aber diese Privatanstalten können naturgemäß nur die Kreise versorgen, die »ich die höheren Preise leisten können. Das neue Hospital ist für die großen Arbeiterkreisc der Stadt und der Siedlungen gedacht. Bisher hat die Kasse nur ein Hospital besessen, und zwar in Afule, in der Ebene Jesreci. Das Spital bei Petach-Tikwah, das sowohl die städtischen Arbeiter aus Tel-Awlw wie auch die Siedlungen Judäas und des Scharon versorgen soll, wird für diese Gegend eine große Erleichterung bedeuten. Fragen des Alltags Umgangsformen Im „Dawar" veröffentlicht Elieser Steinmann Betrachtungen über den Umgang mit Menschen in Palästina. Seine erste Erwägung gilt der Grußformel. Dem in Paliistina üblich gewordenen „Schalom" wirft er Eintönigkeit und Langeweile vor. Wir gebrauchen so oft dieselbe Grußformel „Schalom", daß wir so weit gekommen sind, in Palästina überhaupt keinen richtigen Gruß zu haben. Ganz anders würde das breite „Schalom aleichem" klingen, das Gelegenheit bieten würde zu mannigfacher Modulation und Abstufung. Die beiden Worte je nach Gelegenheit in verschiedener Tönung ausgesprochen, würden einen viel elastischeren und klangvolleren Gruß abgeben, als das kurze und keiner Nuance fähige „Schalom". Aber auch sonst hat die hebräische Sprache Grußformeln genug, die sich nur nicht durchgesetzt haben. Steinmann führt an: Birkati Icha! Jörn tow! Jörn ssameachl Boker chcnl Jörn baruch! Erew schalom! Lei menucha! Et menucha! Noam alecha! usw. Wie aber die Grußformel einförmig und langweilig ist, so sei die Grußart, schreibt Steinmann, in Palästina vielfältig und ungeregelt und dadurch ganz stillos. Der eine grüßt, indem er den Hut abnimmt, der zweite, indem er den Finger hebt} der dritte, indem er den Stock an den Hutrand legt, der vierte, indem er nach orientalischer Art die Hand ans Herz legt. Alle Stilarten des Ostens und des Westens haben sich hier zusammengefunden und das Resultat ist eine Stillosigkeit, die schon in der Art des Grüßens verrät, daß Palästina noch nicht eine einheitliche Art des Lebens und der Sitten geschaffen hat. Auch die Formel der Ansprache ist vollständig verschieden; der eine gebraucht die dritte Person der Einzahl, der andere die zweite Person der Einzahl. Besonders in Arbeiterkreisen hat sich die Ansprache mit „du" durchgesetzt und gehört zu dem von der Mistadruth beeinflußten Lebensstil. Steinmann hält diese Einführung für unzweckmäßig. Sie beraube den Verkehr zwischen Menschen um eine wichtige Nuance und der Uebergang vom Sie zum Du, der in anderen Sprachen das Zeichen einer Intimität ist, werde auf diese Weise für den Hebräer unmöglich gemacht. Andererseits sei die dritte Person der Einzahl, die sich in bürgerlichen Kreisen durchgesetzt hat, zu fremd und kalt. Steinmann schlägt als Uebersetzung des „Sie" die zweite Person der Mehrzahl vor, eine Art der Ansprache, die aus dem Hebräisch der Chassidim in das gesprochene Hebräisch aufgenommen zu werden verdiente. Steinmann tadelt an der Form des heutigen hebräischen Gespräches vor allem die Inkonsequenz der wechselseitigen Anrede, deren Folge es sei, daß der eine Gesprächspartner das Du gebraucht, während der zweite ihm per Sie antwortet. So bekommt das Gespräch etwas völlig Formloses. f, Sachverstandige aus London, die soeben die Jerusalemer Wasserleitung technisch untersucht haben, stellten fest, daß 70 <»« der Wasserrohre den Wasserdruck nicht aushalten und ausgewechselt werden müßten. Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope konferierte mit dem Wasserleitungskonstrukteur Chefingenieur Pearlstone und mit dem Chef des geologischen Departments Mr. Blake über Umfang und Termin der technischen Erneuerungsarbeitea an der Jerusalemer Wasserleitung. Kleine JerusalemerVortrags-Chronik Mit welchem Eifer die Alijah aus Deutschland jede Gelegenheit wahrnimmt, sich in jüdisch-kultureller Hinsicht zu bilden, bewies der Erfolg zweier Veranstaltungen, die in der letzten Zeit in Jerusalem stattgefunden haben. Im Anschluß an zwei Vorträge, die Herr Ingenieur Max Heck er auf Einladung des KJV. über das älteste Jerusalem gehalten hatte, veranstaltete er eine Führung, zu der sich nicht weniger als Ou Damen und Herren einfanden. Der Weg führte zunächst zu den sichtbaren Resten der ältesten erhaltenen Mauer der Altstadt auf dem Evangelischen Friedhof und zu dem mächtigen Widerlager des Brückenbogens in der Mauer des Tempelplatzes. Dann ging es durch das Misrtor hinunter ins Tal zu jener Stelle, an der die Ucbcrreste aus der Jebusiterzeit freigelegt sind, lose gefügte Mauerstücke, die wahrscheinlich schon aus vorisraelitischer Zeit stammen. Dann folgte als interessantestes Kernstück des Ausflugs die Besichtigung der Gichonqticlle und ihrer Austrittsstellc am sogenannten „Marienteich". Diese beiden, etwa dreihundert Meter voneinander entlernten Orte, sind verbunden durch einen in den Felsen gesprengten Kanal — eine seit 27«) Jahren ununterbrochen funktionierende Wasserleitung, deren Geschichte und Anlage Herr Heeker in seinen Vorträgen besonders ausführlich und spannend behandelt hatte. Endlich wurden noch einige der typischen Felsengräber besichtigt und die fälschlich so genannten „Gräber" Absaloms und Secharjas, die in Wirklichkeit Denkmäler sind, deren Zusammenhang mit einer Grabstätte wahrscheinlich, aber bis jetzt nicht erwiesen ist. Dieser historisch-archäologische Ausflug unter so sachkundiger Führung hat das größte Interesse erregt und die Teilnehmer außerordentlich befriedigt. Seine Wiederholung und die Veranstaltung ähnlicher Führungen wird lebhaft gewünscht. Alice Jacob- Loewensohn veranstaltete Im Jerusalemer Konservatorium für Musik einen sehr gutbesuchten Vorfragsabend über „Chassidisehe Musik", bei dem ebenfalls die deutsche Alijah ein großes Kontingent der Hörer stellte, während auch die eingeborenen Musikkreise repräsentativ vertreten waren. Die Art dieses Vortrags dürfte insofern für Jerusalem neu gewesen sein, als Alice Jacob-Loevvensohn nicht nur Beispiele zum Thema auf dem Flügel mm besten ab, sondern neben ausgesuchten Schallplatten auch einen leinen, wohlgeschultert gemischten Chor zur Verfügung» hatte, der den chassidischen Gesang sehr lebendig zur Darstellung brachte. Erfreulich war die große Zahl von jungen Menschen unter den Zuhörern. Das politische Interesse wurde stark angeregt durch zwei Vorträge, die das KJV. und die „Zionistisch-Akademische Gesellschaft" veranstalteten. Im ersteren sprach Redakteur Klinow über das Verhältnis Englands zu Palästina, in der letzteren Julius Berger über „Außenpolitische Fragen". An beide Vorträge schlössen sich lebhafte Debatten, in denen der Wunsch laut wurde, die Aussprache über politische Probleme regelmäßiger und systematischer zu gestalten. czk. lieber Folklor der sephardischen Juden Im „Doar Hajom" veröffentlicht Josef Mejuchas einen Artikel über die Notwendigkeit einer intensiveren Pflege der Erforschung des Folklor der sephardischen und überhaupt der orientalischen Juden in Palästina. Mejuchas knüpft an einen Vortrag an, welchen Bialik im Jahre 1927 vor der sephardischen Jugend in Jerusalem gehalten hat. Bialik ging von der Erwägung aus, daß der Reichtum und die Vielfältigkeit der „Stämme" unter den heutigen Juden eine durchaus positiv zu wertende Erscheinung sei und forderte Pflege der Eigenart der sephardischen, jemenitischen, persischen u. a. Juden „Stämme". Bialik rief damals der sephardischen Jugend von Jerusalem, die ein Ideal darin sah, die aschken'asisehe Jugend nachzuahmen, zu: Kehret zu eurem Sephardentum zurück! Und so groß war seine Begeisterung für den Partikularismus der verschiedenen jüdischen Gruppen, daß er in jenem Vortrage sogar eigene Schulen für die Sephardeu forderte. Die Sepharden — führt jetzt Mejuchas aus — gehen nicht so weit, wie Bialik ging. Sie sehen ein, daß es ein Gebot der vom Zionismus diktierten jüdischen historischen Stunde ist, daß in Palästina aus allen Volkssplittern eine neue Gemeinschaft geboren werde. Es ist darum unvermeidlich, daß die sephardische Eigenart untergehe. Um so mehr aber erwächst der heutigen Generation, die eine Generation des Ueberganges ist, die Pflicht, für die Geschichte und das Gedächtnis des Volkes zu retten, was gerettet werden kann. Mejuchas selbst hat sein Augenmerk der Sammlung von Sprichwörtern und Volkserzählungen gewidmet und, wie er mitteilt, bereits reichliches Material gesammelt. Er bedient sich bei seiner Sammelarbeit der Mithilfe seiner Schüler (er ist Leiter einer Volksschule), denen er die von ihm gesammelten Erzählungen vorliest, sie auffordernd, von Eltern und Großeltern Ergänzungen und parallele Erzählungen zu erbitten. Mejuchas mahnt die sephardische Jugend, sich der Erforschung anderer Teile des Folklor zu widmen, der Sammlung von Romanzen, Volksliedern, der Aufzeichnung von Sitten und Gebräuchen. Gründung einer Brotfabrik In Tel-Awlw. Wie wir hören, werden demnächst Wiener Fachleute mit dem Bau einer Brotfabrik in Tel-Awlw mit einem Kapital von £P 25 000 beginnen. Die Fabrik wird das größte derartige Unternehmen in Palästina darstellen und mit den modernsten Maschinen, automatischen Oefen usw. ausgestattet sein. Palästina In englischer Beleuchtung In der „Empire Review" schreibt Harold J. Shepstone in einem längeren Aufsatz über Tcl-Awiw, dail diese Stadt, die heute schon über 400 blühende Fabriken und eine internationale Messe besitze, offenbar zu einem wichti. gen Wirtschaftszentrum für den ganzen vorderen Orient bestimmt sei. Der Verfasser verweilt dann bei den schmucken öffentlichen Gebäuden, den mannigfachen, kultu. rellen, hygienischen und Unterhaltungseinrichtungen der Stadt und meint, der merkwürdigste Zug Tel-Awiws, durch den erst seinen besonderen Charakter erhalte, bestehe darin, daß es „e i n e Rasse ehre und begünstige, aber keine andere verachte". Die Juden dort seien nicht etwa fremdenfeindlich, sondern höflich und zuvorkommend, und zögerten auch nicht, den Engländer in seiner Sprache anzureden; auch könne man, abgesehen vom Arabischen, jede europäische Sprache in Tel. Awiw hören. Aber die herrschende Sprache sei überall das Hebräische. Mit seinen vielen Annehmlichkeiten werde Tel. Awiw heute schon zur „Riviera des Nahen Ostens", wohin Juden und Nichtjudcn in hellen Scharen strömten, um schöne Feiertage zu verbringen. Und die Stadt verstehe das Geschäft, Fremde anzulocken. Sie sei aber nicht nur ein Ort des Amüsements, sondern auch eine Stätte wirklicher Kultur, wie die 100 Schulen, das prächtige Gymnasium, die beiden Musikkonser. vatorien, die Buch- und Zeitungsverlage, die Theater und das Museum bewiesen. Das Beth Am (Volkshaus) hat dem englischen Besucher besonders imponiert. Auch am Schabbat sei Tel-Awiw trotz der allgemeinen Ruhe keineswegs eine trübeinnige Stadt. Shepstone schildert dann ausführlich die kurze, aber wechselvolle Geschichte Tel-Awiws und gibt viel; Einzelheiten über sein Wirtschaftsleben. 1 Der „Manchester Guardian" vom 4. Febr. bringt leinen umfangreichen Artikel über die schnelle soziale Entwicklung in Palästina. Der Korrespondent des Blattes hebt besonders hervor, welch ausgezeichnete Arbeit die Verwaltung durch den Straßenbau, durch die Errichtung würdiger und zweckmäßiger öffentlicher Gebäude und durch die Erziehungsarbeit an den arabischen Fellachen leiste. Nachdem lange Zeit hindurch das Los der Araber im Gebirge keinen Vergleich mit den Fortschritten in der Lebenshaltung der jüdischen Siedler und der Araber in der Ebene ausgehalten habe, sei jetzt, zum großen Teil durch die Erziehungsarbeit der Regierung, auch im Bergland ein großer Fortschritt zu verzeichnen. Besonders segensreich wirke die Errichtung zahlreicher Genossenschaften unter den Arabern, die vor allem der Gebirgsbevölkerung zu erträglichem Zins Realkredite verschafften. Sehr bemerkenswert sei auch die Entwicklung der arabischen Initiative im Transportwesen, die zeige, wie schnell die Araber imstande seien, von den Juden zu lernen und sich die moderne Technik zu eigen zu machen. Der Korrespondent bespricht ferner ausführlich Vorteile und Gefahren der Prosperity im jüdischen Palästina und meint, es müsse zweifellos ein gewisser Rückschlag auf die teilwebe schwindelhafte (fictitious) Prosperity folgen, und einige Personen würden dabei ruiniert werden; aber die allgemeine Entwicklung habe eine so breite Grundlage, und der Antrieb, der heutzutage die Menschen nach Palästina bringe, sei so stark, daß es unwahrscheinlich sei, daii aut die Zeit der Expansion ein wirtschaftlicher Nie d e r g a n g folgen werde. A. P. Gründung einer Agrarbank Jerusalem, 20. Februar. (JTA.) Die Palästinaregierun? bereitet die Gründung einer Agrarbank mit einem Kapital von 400 000 Pfund vor. Zu diesem Zweck wird eine Aktiengesellschaft gebildet, an der sich die führenden Bankinstitute Palästinas beteiligen werden. Als Generaldirektor der neuen Agrarbank ist ein höherer Beamter des Finanzdepartements der Palästinaregierung, Charles 11 a r v e y, in Aussicht ge< nommen. _ Bllderauittellung in Jerusalem. In der Reihe der Bilder' aUmstellungen in Jerusalem ist die Ausstellung des Malers Israel P a l d i nennenswert. Paldi ist schon seit vor dem Kriege in Palästina ansässig und ist einer der bedeutendsten Maler des Landes. Interessant sind seine folkloristischcn Sujets aus Jaffa und Tel-Awlw, die eine große Meisterschaft zeigen. Uf verkennbar ist, daß Paldi sich an Pariser Vorbildern geschult hat. Die köstliche Tonalität seiner Werke, die Freiheit vom Literarischen und Theatralischen, der gesunde Realismus dec Bilder zeugen dafür. Das Strandleben von Tel-Awiw zieht an uns vorüber, die Kindergärten im Freien, die Reiter, die arabischen Bootsleute — alles in gut zusammenklingenden ge* sättigten Farbtönen, in sicherem Können und Geschmack. Mit erstaunlicher Energie geht Paldi seinen Weg. Von dw Besten in der Kunst geleitet (sein Ideal ist VcUuqtiez), halt er sich fern von allem Marktschreierischen und „Genialen » was für eine Kunstprovinz, wie es Palästina heute noch ist» etwas Außergewöhnliches bedeutet 5. R. Der Schelk des Dorfes Atiba im Distrikt Tulkarem, Rafik Na gib, wurde verhaftet, weil festgestellt worden war, daß er eine Bande für Ueberfälle auf Juden organisiert hatte. Die arabische Aulstellungsgesellschaft, &z In den letzten Jahren in Jerusalem Ausstellungen veranstaltet hat, hat ihre Auflösung beschlossen.