Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 16 (22.2.1935)
- Date
- 1935-02-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16, 22. II. 1935 JODISCHE RUNDSCHAU Seite 3 | Eugen Landau] Mit Eugen Landau, der am 19. Februar in Berlin starb, ist eine markante Persönlichkeit des deutschen Judentums dahingegangen. Eugen Landau, der erst vor drei Jahren anläßlich seines 80. Geburtstages Gegenstand zahlreicher Ehrungen indischer und nichtjüdischer Kreise war, gehört noch einer Epoche an, in der das jüdische Bürgertum in freier Entfaltung wirtschaftlich, sozial und kulturell an der Entwicklung des deutschen Lebens mitarbeiten konnte. Er spielte im Industriellen- und Finanzleben, aber auch im gesellschaftlichen Leben Berlins eine große Rolle und erfreute sich vieler Freunde und großer Beliebtheit. Seit 1875 war er spanischer Generalkonsul, und seitdem wurde er meist Init diesem Titel benannt. Landau hat sich stets auch für j ü d i sc h e Angelegenheiten eingesetzt. Er gehörte zu den Gründern des „H111 s v e r - eins der deutschen Juden" und hat auch in anderen jüdischen phihntropischen und gemeinnützigen Institutionen Funktionen und Ehrenämter bekleidet. Er war überall zu finden, wo es zu helfen galt, und sein Gefühl für jüdische Solidarität führte ihn, obwohl er, einer anderen Zeit entstammend, sich der zionis.ischen Bewegung nicht anschloß, bald zur Erkenntnis der Bedeutung des Palästina-Werkes. Es gelang, ihn gleich bei der Gründung des Keren Hajessod für dessen Autgaben zu interessieren, und er wurde Vizepräsident des deutschen Keren Hajessod Komitees. Zusammen mit dem nun gleichfalls verewigten Oskar Wassermann hat er zahlreiche Veranstaltungen des Keren Hajessod geleitet, und trotz seines hohen Alters fand er stets Worte herzlicher Zusammengehörigkeit mit der jüdischen Sache in Palästina. Selbstverständlich brachte er auch den Bestrebungen zur Erweiterung der Jewish Agency durch Niehtzionisten reges Interesse entgegen und nahm an den Arbeiten des damals in Deutschland gebildeten Initiativ-Komitees lebhaften Anteil. Häufig hat er auch sein Haus für Veranstaltungen zur Verfügung gestellt, die jüdischen und jüdisch-palästinensischen Zwecken dienten. Aus einer Rede, die der Verewigte vor etwa 10 Jahren in einer Keren-Hajessod-Versammlung in Breslau gehalten hat, zitieren wir nachstehend einige auch für ihn persönlich charakteristische Stellen. Landau sagte: „Der Grund dafür, daß ich hierher nach Breslau gekommen bin, liegt darin, daß ich in meiner Heimatstadt Breslau, wo ich zu Füßen von Abraham Geiger und Rabbiner Joel gesessen habe, an dem Orte, wo ich in meinem großelterlichen Hause immer wieder von dem Ideal Palästinas gehört habe, am Aufbau Palästinas mitwirken will. In dieser Stadt, \u der mein Großvater gelebt, dessen größter Stolz der Besitz «nes Säckchen Erde aus Jerusalem war, das er oft zeigte und ist dem nach seinem Tode sein Haupt ruhen sollte. Deshalb bin ich, als der Ruf an mich erging, ihm freudig gefolgt. Wir Niehtzionisten haben uns dem Keren Hajessod zur Verfugung gestellt, weil wir durch die Tat bewiesen wollen, daß der Streit der Parteien und der Meinungen im Judentum nicht dazu führen darf, die wichtigsten Aufgaben des Judentums zu vernachlässigen. Und der Aufbau Palästinas ist heute eine Aufgabe, die dem Judentum der ganzen Welt und damit auch unserem deutschen Judentum gestellt ist____ Dieser großen judischen Aufgabe gegenüber sollten wir uns verschließen? Ich bin überzeugt, daß Sie mit uns auf diese Frage die einzig richtige Antwort geben: Sich mit uns zusammenfinden für den Aufbau, für den Keren Hajessod." Hochbetagt ist Eugen Landau jetzt von uns gegangen. Ein ehrendes Andenken wird ihm bewahrt bleiben. I Oberrabbiner Sacerdoti | I^MMMMMHMMMMMHMnHHMMHHMMWI Der Oberrabbiner von Rom und Vorsitzende des Rabbiüats des Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens, Prof. Ur. Angelo Sacerdoti, ist in Mailand einem Herzschlag erlegen. Oberrabbiner Dr. Sacerdoti hat auch im politischen Leben der italienischen Juden eine hervorragende Rolle gespielt. Er war i. J. 1930 neben dem damaligen Präsidenten des Jüdischen Gemeindeverbandes, Advokat Sereni, und dem Professor des kanonischen Rechts an der Mailänder Universität, Mario F a I c o, einer der drei jüdischen Vertreter in der von Mussolini mit dem Entwirrt des neuen jüdischen Gemeindegesetzes betrauten Spezialkommission. Durch dieses Gesetz wurde der dem korporativen System Italiens eingegliederte Zwangsverband der jüdischen Gemeinden geschaffen, dem neben der Pflege der religiösen, auch die der national-kulturellen Aufgaben der Judenheit Italiens obliegt. Als jüdischer Gelehrter genoß Prof. Sacerdoti hohen Ruf. Besonders groß war sein Einfluß auf die sephardischen Gemeinden der Mittelmeerländer. Er vertrat die Judenheit Italiens im Cotnite des Delegations Juives und nahm tätigen Anteil an dem jüdischen Aufbauwerk in Palästina. Zu dessen Förderung hat er mit führenden Zionisten zusammengearbeitet und die Sympathien Italiens für die Palästina-Sache zu stärken verstanden. Forderungen des „Westdeutschen Beobachters" Der „Westdeutsche Beobachter", Köln, wendet sich unter der Ueberschrift: "Rassenschänder gestellt!" gegen das unter genauen Angaben und unter Namensnennung angeführte, jedoch gerichtlich nicht verfolgte Verhalten eines Juden, dessen Lebenswandel zu Beanstandungen Anlaß gebe. In diesem Zusammenhang heißt es: „Nach unserer Ansicht wäre es jedoch angebracht, «hiß in einem «leutschen Gesetz, die llcstimmtmg Vorwochen wäre, daß derart ige Klcmcnte ,die die Rasscnschiiixluiig anscheinend als Sport betreiben, durch Entmannung un*cha<IIi<h Rcmacht würden. Ebenhills dürften diejenigen Kölner Vergnügungsstätten, die als 1 hiiipmiinmelphtz dicker Juden Iwkatmt sind, sieh ein Verdienst erwerben, wenn .sie derartigen VerbrcclH'rn den Aufenthalt in ihren Räumen untersagten. Auf dem Lande und auch in den Kleinstädten haben »ich die Kestaurationsbetriche schon seit längerer Zeit rkmi bereit gefilmten, Juden in ihren Lokalen nicht zu dulden. So müßten es auch die Großstadthetriebe machen, damit ein deutscher (ia-t nicht daran Anstoß zu nehmen braucht, daß jüdische Schieber mit ihren „Damen" sich breitmachen. Laßt die Juden zum Juden gehen, darin sind sie unter sich. Den Kauern und Landwirten aber, die. immer noch mit diesen Juden . . . Geschäfte machen, sei hier ins Siammbuch gesehrieben, daß wir sie als Verräter am deutselien Volke betrachten. Denn wer Verbrecher unterstützt, macht sich mit strafbar und versündigt sieh an seinem Volk." Juden auf Viehmärkten Das „Höchster Kreisblatt" vom 18. Febr. bringt eine Veröffentlichung der Landesbauernschaft Hessen- Nassau, in der es u. a. heißt: ,,f)ie verantwortlichen Stellen auf dem Gebiet des landwirtschaftlichen Marktwesens sind selbstverständlich unermüdlich tätig, alle noch ungesunden Zustände zu beseitigen. Wie weit dies geschehen ist und wie weit inslx'sondcre die unzuveilässigen Elemente auf den Yichmärkten ausgewetzt wurden, u igt die erfreuliche Tatsache, daß es gelungen ist. die Viehmarkte in Darmstadt und Gießen von rassefre m d c n Elementen vollständig frei zu machen und den j ü d i s c h e n Anteil am Auftrieb in Frankfurt auf 25 Prozent und in Mainz und Wiesbaden auf 15 Prozent h e r a b z u d r ü c k e n." Die Veröffentlichung bleibt allerdings den Beweis dafür schuldig, daß die ausgeschalteten Juden „unzuverlässige Elemente'' waren. Wir wissen, daß in zahlreichen Fällen gerade zwischen dem jüdischen Viehhandel und der bäuerlichen Bevölkerung seit Jahrzehnten ein enges Vertrauensverhältnis besteht. Strafen wegen antisemitischer Propaganda in Holland Amsterdam, im Februar. (JTA.) Der frühere Herausgeber der antisemitischen holländischen Zeitung „De Stornier", C. A. Pronk, der sich nach Einleitung einer polizeilichen Untersuchung gegen ihn ins Ausland begeben hat, wurde wegen Beschimpfung der Juden in seiner Zeitung vom Amsterdamer Polizeirichter in contumaciam zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. — Der Friedensrichter im Haag verurteilte einen 23jährigen jungen Mann wegen des Rufes „J u d a verrecke" zu zwei Wochen Gefängnis. Der Richter erklärte, solches Benehmen widerspreche den holländischen Ueberlieferungen und dem Gefühl für die Einigkeit aller Mitglieder der holländischen Gemeinschaft. Ein Bewunderer Chagalls Aus Zürich wird uns geschrieben: Im Züricher Kunstbaus fand eine Ausstellung von Bildern des bekannten jüdischen Malers Marc Chagall statt, der meist ostjüdische Motive malt. Auch die rassenantisemitisch eingestellte Zeitung „Front" berichtete darüber; es heißt in der Kritik: „Eine warme kindliche Luft weht aus den Blättern Marc Chagalls, des in Paris lebenden Russen. Der Eindruck dieser märchenhaften Welt ist stark, voller Romantik und Sehnsucht und kindlicher Freude an bunten — und doch wieder zart empfundenen — Zusammenstellungen („Russen im Schnee", „l.es Amants du village", „Amt environs de la ville"). Wir kommen hier nicht mit Kunstkritik heran, man berührt die Seele der Menschen zu stark, sie ist gleich an der Obei fläche dieser Bilder." Es mag die Frage aufgeworfen werden, ob der Kritiker Elches Lob geäußert hätte, wenn er gewußt (oder mit seinem Instinkt erkannt) hätte, daß Chagall Vollblut]ude ist. Die Palästina-Konferenz in Washington hat, wie die jetzt aus Amerika hier eintreffenden Zeitungen zeigen, in der amerikanischen Öffentlichkeit ein unbeschreibliches Echo gefunden. Einzelne Materialien und Berichte dieser Konferenz wurden z. B. von der amerikanischen Hearst- Presse in Zeitungen mit einer Gesamtauflage von fünf Millionen Exemplaren abgedruckt. Die wichtigeren Aeußerungen, wie die Botschaft des Präsidenten Roosevelt und die Rede des Innenministers Ickes, fanden natürlich besondere Aufmerksamkeit, aber auch die Details der von den jüdischen Referenten vorgetragenen sachlichen Referate über Palästina-Arbeit haben anscheinend die amerikanische jüdische und nichtjüdische Oeffentlichkcit sehr interessiert. Neben den mehr programmatischen Reden einzelner zionistischer Führer ist u. a. auf das Referat hinzuweisen, das der Generalsekretär des Keren Hajessod, Leo Hcrrmann, gehalten hat, worin in großen Zügen eine Geschichte der Siedlungsarbeit seit Ende des Krieges enthalten ist. Wenn man jetzt, so heißt es in dem Referat, mit einer Einwanderung von 50 000 im Jahre rechnet, so dürfe man nicht vergessen, daß zu Beginn der Nachkriegsperiode die Einwanderung vom Keren Hajessod gefördert und finanziert werden mußte. Dann begann das große Siedlungswerk, insbesondere im Emek, von dessen Anfängen eine stetige und nicht immer gleichverlaufende Entwicklung bis zu der letzten Anleihe von 500 000 Pfund seitens Lloyds Bank führt. Der Referent gab folgende Ziffern über die Ausgaben des Keren Hajessod: Landwirtschaftliche Siedlung 1 640 000 Pfund, Erziehungswesen 753 000 Pfund, städtische Unternehmungen und öffentliche Arbeiten oogOOO Pfund, Immigration 457 000 Pfund, Sanitätswesen 324 000 Pfund, religiöse und Gemeinde-Einrichtungen 306 000 Pfund, Verschiedenes 322 000 Pfund. Nun beginne eine neue A e r a, denn zum ersten Male nach vielen Jahren geht der Keren Hajessod wieder an neue landwirtschaftliche Siedlung, wobei das Hule-Projekt eine große Rolle spielt. Anschluß der thüringischen Gemeinden an den Preußischen Landesverband. Am 17. Februar fand die Gemeindetagung des Thüringischen Landesverbandes in Eisenach unter dem Vorsitz von S. Voll mann, Meiningen, statt. Den Preußischen Landesverband vertrat Dr. Alfred K I c e. Nachdem der Sachbearbeiter des Gemeindereferats des Preußischen Landesverbandes, Max Birnbaum, Berlin, eine Reihe von Aufklärungen gegeben hatte, wurde einstimmig der Anschluß des Thüringischen Landesverbandes und der ihm angehörigen Gemeinden an den Preußenverband beschlossen. Im Großen Rat des Preußischen Landesverbandes wird Herr Vollmann, Meiningen, der zum Vorsitzenden des Thüringischen Landesverbandes einstimmig gewählt wurde, und als sein Stellvertreter Rechtsanwalt Dr. Backhaus s, Eisenach, die thüringischen Gemeinden vertreten. Deutsche Juden In Brasilien. Eine neu gegründete jüdische Vereinigung „Sociedade Israelita Paulista" in S a o Paulo (Brasilien) übersendet uns ihr in deutscher Sprache monatlich erscheinendes Mitteilungsblatt, aus dem hervorgeht, daß die nach Brasilien ausgewanderten Juden nicht nur ihr neues Leben mit Mut in Angriff nehmen, .sondern auch den Kontakt mit der jüdischen Welt nicht verlieren wollen. Die Vereinigung ist unpolitisch und soll den Mitgliedern die Kenntnis der Landesverhältnisse Brasiliens erleichtern, aber sie zugleich zu „bewußten, stolzen und aufrechten Juden" machen, die sich freudig zu ihrem Volk bekennen. DAS GASSENFENSTER Wer verlassen lebt und sich doch hie und da irgendwo ort* schlichen möchte, wer mit Rücksicht auf die Veränderungen der Tageszelt, der Witterung, der Berulsverhältnlsse und dergleichen ohne weiteres Irgendeinen beliebigen Arm sehen will, an dem er sich halfen könnte, — der wird es ohne ein Gassenfenster nicht lange treiben. Und steht es mit Ihm so, dafc er garnlchfs sucht und nur als müder Mann, die Augen auf und ab zwischen Publikum und Himmel, an seine Fensterbrüstung (ritt, und er will nicht und hat ein wenig den Kopf zurOckgeneigt, so reiften ihn doch unten die Pferde mit in ihr Gefolge von Wagen und Lärm und damit endlich der menschlichen Eintracht zu. Franz Kafka Aus dem soeben erschienenen i. Band dm neuen Gesamtausgabe (Schocken-Verlag, Berlin) Raw Kuk 70 Jahre Der Stadtrat von Tel-Awiw hat, wie aus Palästina ge> meldet wird, beschlossen. Oberrabbiner K tt k aus Anlaß seines 70. Geburtstages zum Ehrenbürger zu ernennen. Das genaue Datum der Geburt steht unseres Wissens bei Rabbi Kuk nicht fest, da, wie es häufig bei russischen Juden der Fall ist, die Geburtsdokumente fehlen. Man darf aber annehmen, daß der Stadtrat von Tel-Awiw nach der größten Wahrscheinlichkeit gehandelt hat. F' " "1 Rabbi Kuk ist eine der I ^■Hk eigenartigsten und bedeutend-! .jMsss^Be^Hb. f1cn [>erM')„ijc|1iiejtei1 des heutigen Palästina, aber darüber hinaus der rabbinischen Welt der Gegenwart überhaupt. Kuk war schon vor dem Kriege eine Autorität des orthodoxen Judcnlums. 1014 nach Europa zurückgekehrt, wurde er Rabbiner einer orthodoxen Gemeinde in London und nach dem Krieg Oberrabbiner von Jerusalem und Vorsitzender des 1021 geschaffenen rabbin sehen Gerichtes. Er ist das Haupt der von ihm begründeten großen Je- Fchiwa in Jerusalem und ist durch das palästinensische Gemeindegesetz, von 1()2S als offizieller Leiter der obersten jüdisch-religiösen Behörde Palästinas amtlich anerkannt. Kuk hat sich stets im Gegensatz, zur Trennungsorthodoxie für die einheitliche jüdische Gemeinde in Palästina eingesetzt. Er wurde von der Trennungsorthodoxie scharf bekämpft, die sein Oberrabbinat nicht anerkannte. Geistig steht er dem Misrachi nahe. Rabbi Kuk hat . eine große Anzahl von rabbinischen Schriften und religiösen Responsen verfallt. Er ist auch politisch gelegentlich hervorgetreten; bei seiner Stellungnahme in innerjüdischen Fragen läßt er sich von seinem tief religiösen Glauben an die Auserwähltheit Israels und an das Recht des jüdischen Volkes auf Erez Israel leiten. Wenn auch der moderne Jischuw zu der Persönlichkeit von Rabbi Kuk nicht mehr ein rechtes inneres Verhältnis finden kann, so ist doch sein Einfluß m orthodoxen Kreisen sehr stark. Zweifellos werden ihm zu seinem 70. Geburtstag große Ehrungen zuteil werden. Au» dem Jüdischen Lexikon Information über aktuelle Palästinafragen Pressekonferenz der Z.V. i.D. Die Zionistische Vereinigung für Deutsch* I a n d veranstaltete am vergangenen Mittwoch für die Vertreter der jüdischen Presse eine Zusammenkunft, die der Information über eine Reihe aktueller Palästinafragen diente. Hei der Veranstaltung, die von Rechtsanwalt Benno Cohn geleitet wurde, sprach zunächst Dr. Siegfried Kannwitr, Tel-Awiw, der ein umfangreiches Expose über die Probleme der sozialen Fürsorge und medizinischen Versorgung in Palästina gab. Dr. Kauowitz schilderte in äußerst instruktiver Weise den Stand dieser Arbeitsgebiete und die Lücken, ilie es auszufüllen gilt. F.r wies insbesondere darauf hin, daß im Zuge des fortschreitenden Aufbaus und der zunehmenden Bedeutung Palästinas als einzigem jüdischem Einwanderungsland die Fragen der sozialen Fürsorge äußerst brennend geworden sind und um so mehr die Autmerksamkeit der jüdischen Gesamtheit beanspruchen, als es sich um ein importiertes Elend handelt. Er schilderte die medizinische Versorgung 'nach der organisatorischen Seite hin wie auch im Hinblick auf die psychologischen Verhältnisse im Jischuw. Das Referat gab Gelegenheit zur Beantwortung einer großen Zahl von Fragen, die aus dem Zuhöreikreis gestellt wurden. Im Anschluß hieran referierte Dr. Franz Meyer über einige Eindrücke, die er auf seiner Palästinareisc gewonnen hat, und beschäftigte sich besonders mit dem Problem der kolonisatorischen Kraftcutfaltung der Einwanderer aus dem deutschen Judentum und den Fragen der Erziehung. Konferenz der Wizo in Tel-Awiw Die erste zionistische Weltkonferenz, die in Palästina abgehalten werden wird, ist die der Women's International Z i o n l s t Organisation (Wizo). Sie wird am 24. 3. im Britischen Pavillon der Levante-Messe in Tel-Awiw eröffnet werden und bis zum 31. März dauern. Es werden ungefähr 150 bis 200 Delegierte als Vertreter der 00000 zionistischen Frauen, die in der Wizo organisiert sind, an der Konferenz, teilnehmen. Außerdem wird auch eine große Anzahl von Gästen aus dem Ausland und aus Palästina selbst erwartet. Auf der Tagesordnung der Konferenz, stehen eine Reihe sehr wichtiger Fragen, besonders die der Hachscharah und Alt ja h von Frauen und Mädchen, die in Anbetracht der noch außerordentlichen Schwierigkeit für alleinstehende Frauen oder Mädchen, nach Palästina auszuwandern, einen breiten Raum in den Konferenzberatungen einnehmen wird. Ein anderer Punkt von allgemeinem Interesse ist die Entwicklung der I tt n g - W i z o - B e w c g u n g. Vor und nach der Konferenz werden Führungen durch das Land organisiert. Das Programm dieser Touren sowie alle Informationen betr. Fahrpreisermäßigungen usw. weiden auf Anfrage vom Wizo-Hauptbüro, London W. C. 1, 75, Great Russell Street, erteilt. Die Meldungen über die in Palästina abgehaltene lokale Wizo-Konfcvetiz hat vielfach den irrigen Eindruck erweckt, als ob die 8. Welt-Konferenz der Wizo bereits stattgefunden habe. Es soll daher ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dal) es sich hierbei um die Jahreskonterenz der P a I ä s t i n a - F ö d c r a t i o n der Wizo, der Histadrirth Naschim Zionioth, gehandelt hat, während die 8. Welt-Konferenz der Wizo erst stattfinden wird. mmemm _L