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Jüdische Rundschau · 1935-02-15 · Heft 14 (15.2.1935) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 14 (15.2.1935)
Date
1935-02-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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JODISCHE RUNDSCHAU Berliner Run «1 sc Ii im NR. 14,15. FEBRUAR 1935 Von der hebräischen Arbeit der Jüdischen Gemeinde Das altmodische Haus in der K 1 o p s t o c k s t r a ß e ist ein echtes Bürgerhaus aus den letzten Jahrzehnten des verflossenen Jahrhunderts. Seit den letzten Jahren ist es allen räumlichen Hindernissen zum Trotz einer der Mittelpunkte jüdischen Lernens in Berlin geworden. Von früh an strömen jüdische Kinder mit ihren Schulranzen hierher, junge Lehrer wandern durch die Korridore oder beaufsichtigen im Garten die durcheinander flutenden Kinder; hier ist eine der neugegründeten Schulen der Jüdischen Gemeinde untergebracht. Aber nachmittags gehört der Schauplatz der reiferen Jugend und den Erwachsenen aus allen Berufszweiaen und Lebenslagen; Landgerichtsräte, Studienrätc, Aerzte und Lehrerinnen — sie alle kommen hierher, um Hebräisch zu lernen. Hier hat die Hebräische Lehranstalt der Jüdischen Gemeinde eine ihrer Schulen errichtet. Seit die Hebräische Sprachschule 1925 von der Jüdischen Gemeinde übernommen wurde, hat sich diese Gründung des Jüdischen Sehulvereiiis ständig vergrößert. Jetzt werden ungefähr oOO S c h ü 1 e r und Schülerinnen dort in die Sprache eingeführt. Nach gründlicher grammatischer Schulung werden gemäß den Grundsätzen des modernen Sprachunterrichts die Schüler möglichst bald ans Hören und Sprechen des Hebräischen gewöhnt. Niemals wird dabei vergessen, daß dieser hebräische Sprach Unterricht nicht nur denjenigen zugute kommen soll, die in Palästina selbst die Sprache des Landes sprechen werden, sondern auch allen denen, die vom lange vergessenen Wunsche beseelt sind, in das große Schrifttum der hebräischen Vergangenheit und Gegenwart eingeführt zu werden — vor allem in die Bibel. Von dem Pentateuch und den leichtesten historischen Büchern der Bibel an bis zu den Propheten und zu Hiob; von Rambatn bis zu neuesten hebräischen Dichtern und Publizisten: alles dies gt'hört zum Lehrplan der hebräischen Lehranstalt. Wer je auf diesen Holzbänken saß, der vergißt niemals die Dankbarkeit für viele Stunden der fruchtbaren Zusammenarbeit von Lehrern und Schülern. Neben dem Schuljungen sitzt der ergraute Mann, der älteste Schüler der Lehranstalt — und einer der Eifrigsten dazu! — hat die Grenze des biblischen Alters schon längst tiberschritten. Es kommt auch einmal vor, daß der Zwölfjährige in das Heft des Vaters guckt, der neben ihm sitzt, und dort ein Ajin entdeckt, wo eigentlich ein Aleph hätte stehen sollen — das tut dem Respekt keinen Eintrag. Im Gegenteil, Alt und Jung arbeitet eifrig zusammen; und zu Zeiten erhebt sich höchstens darüber ein Streit, welcher von den Lehrern es am besten versteht, die erst so verwickelt erscheinenden Binjanim am leichtesten faßlich zu machen. An den Schabbat-Abendcn kommt ab und zu ein großer Teil der Lehrer und Schüler an diesem Orte zusammen — es ist auch schon vorgekommen, daß man, wenn die andern Räume des Hauses nicht frei waren, den geräumigen Keller des Hauses zu diesen Zusammenkünften benutzt hat — und versucht, mit hebräischen Liedern, Vorträgen und Gesprächen der scheidenden Königin noch „das Geleit zu geben (Melawath Malkah), wie der schöne hebräische Volksausdruck heißt. Hier lernen meist Erwachsene, freilich oft zusammen mit der reiferen Jugend; aber in letzter Zeit hat man eingesehen, daß außer den bisher üblichen Religionsstunden die K'ndcr, welche die Schulen der Gemeinde besuchen, auch im lebendigen Hebräisch unterrichtet werden müßten. Mit Beginn des Winterhalbjahres 1934 wurden fakultative Kurse eingerichtet, in denen Schüler vom 4. Schuljahr an aufwärts zugelassen wurden. Stürmische Teilnahme der Kinder begrüßte diesen Beschluß. Noch ehe die Kurse ins Leben traten, hatten sich ungefähr 800 Kinder dafür angemeldet. Augenblicklich lernen etwa 550 Kinder in den Gemeindeschulen in vier Wochenstunden neben dem obligatorischen Religionsunterricht Hebräisch nach den Grundsätzen des modernen Sprachunterrichts. Es wäre äußerst wünschenswert, daß dieser Unterricht auch den Kindern zugänglich gemacht würde, die nichtjüdische Schulen besuchen, soweit Wünsche in dieser Richtung bestehen. Dr. Bertha Badt-Strauss Max Liebcrmanns letzte Ruhestätte auf dem Friedhof Schönhauser Allee Foto: J. Abraham Ein Minjan Iwrf. — Aus dem seit längerer Zeit im Bezirk Zentrum-Nord der Berliner Zionistischen Vereinigung bestehenden großen Chug-Iwri ist ein Minjan Iwri hervorgegangen. Von befreundeter Seite wurde ein Ssefcr-Thora zur Verfügung gestellt; ein zweites Ssefer-Thora gab die Berliner Jüdische Gemeinde her. Am vergangenen Erew Schabbat fand in Gegenwart von Rabbiner Dr. Freier unter Teilnahme von etwa 50 hebräisch sprechenden Teilnehmern im Heim des Bezirkes, Rosenthaler Str. 44, die Eröffnung des Minjan lwri statt. Mordechai Ehrenkranz hielt eine kurze hebräische Ansprache, in der er auf die Gründe, die zur Schaffung dieses Minjan lwri geführt haben, einging. Dr. Freier schloß sich mit einer hebräischen Ansprache an, in der er auf den Wochenabschnitt Trumah hinwies. Nach dem Gottesdienst am Schabbat-Morgen, an dem wiederum Rabbiner Dr. Freier teilnahm, entwickelte sich eine zwanglose Ssichah, an der sich neben Rabbiner Dr. Freier die Herren Bornstein, Locker und eine größere Zahl von Chawerim lebhaft beteiligten. ~ Die Gottesdienste finden regelmäßig im Heim, Rosenthaler Str. 44, v. II, am Erew Schabbat und am Schabbat-Morgen statt. Wie kann man Menschen helfen? Vortrag von Martin Buber Die Frage „Wie kann man Menschen helfen?" wurde von Buber in einem Vortrag zugunsten der Jüdischen Altershilfe von den Gedankengängen des Chassidismus aus beantwortet. Die Welt des Chassidismus ist aufgebaut auf gegenseitiger Hilfe; ihr Kern ist brüderliche G e m e i n - s a m k c i t. Aus der Tatsache, daß sich die Chassklim als Brüder, als Söhne eines Vaters fühlen, folgt notwendig ihre gegenseitige Hilfsbereitschaft. Menschenliebe und Gottesliebe sind im Chassidismus eng verbunden; es gibt keine Gottesliebe ohne Menschenliebe. Was aber bedeutet helfen? Es beginnt damit, sich mit dem Annen abzugeben, ihm, wie es ein Chassid ausdrückte, „ins Auge zu schauen". Aber man muß noch tiefer dringen: man muß imstande sein, der Menschen Bedürfen zu spüren und ihr Leid mitzutragen als ein eigenes. Und man darf nicht geben in der Erwartung eines Dankes; man soll vielmehr frei werden von dieser Hoffnung auf Belohnung. Und wenn man in so uneigennütziger Weise gibt, dann braucht man auch nicht den Menschen auszuwählen, dem man helfen will. Eine solche Handlung wäre nach der Ansicht des Chassidismus ein Verstoß gegen die göttliche Ordnung. Man kann auch nicht zwischen Frommen und Gottlosen, zwischen Würdigen und Unwürdigen scheiden, weil man nicht in der Lage ist, die Triebfedern menschlichen Handelns so zu erkennen, um eine solche Trennung der Menschen vornehmen zu können. Und schließlich bleibt noch die Frage: Was und wieviel soll man geben? Es liegt im Wesen des Chassidismus, daß er dem Rechnen abhold ist und das Geld als eine Nebensache betrachtet. Aufgabe des Helfenden ist es allein zu erkennen, was der Bedürftige braucht; daraus ergibt sich die Hilfe. Als Beleg für alle diese Anschauungen trug Buber chassidische Geschichten vor, die die Lebenshaltung und die Beziehung der Chassidim zum Nebenmenschen deutlich machten. N, Gemeinschaft der Studenten? Es gibt in Berlin — nach dem Muster der anderen Konfessionen - eine jüdische Studentcnscclsorge, die unter der tatkräftigen und zielbewußten Leitung von Rabbiner Dr. M. Wiener sich bemüht, die nach den großen Veränderungen im Hochschulwesen noch übriggebliebenen jüdischen Studenten zusammenzufassen. Von den etwa 1500 jüdischen Studierenden vor l'BS durften heute etwa 250 übriggeblieben sein. Wenn früher die Studeutenscclsorge zu einem gemeinsamen Abend aufrief, fand sich immer nur ein sehr kleiner Kreis zusammen; die .Wehrzahl der Studenten war nicht zu erfassen. Bei dem am letzten Dienstag veranstalteten Beisammensein hatten sich etwa 50 Studenten und Studentinnen eingefunden, eine Zahl, die immer noch verhältnismäßig niedrig ist. Wenn man hei der Zusammenkunft beobachtete, wie sich die Anwesenden gruppierten, nämlich im wesentlichen nach dem Studienfach, dann konnte man erkennen, wie weit entfernt die jüdische Studentenschaft noch von einem wirklichen Gemeinschaftsgefühl ist. Die Selbstverständlichkeit, mit der sich junge Menschen 7. B. bei überbündischen Tagungen zusammenfinden, fehlte hier leider, obwohl der vorzügliche Vortrag Dr. Wieners ütjer Maimoni des eine geistige Verbindung zwischen den Zuhörern hätte herstellen können. N. ^Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der B. Z.V. Sonnab., 16. Febr. Passafie-Festsäle 20.30 Uhr Her str. 151-152 S"nnab. 16. Febr. Heim der B/.V in ... H| Torrn. 11 Uhr Brückenstr. 9 Sonnab., 16. Ftbr. Heim der BZV 20.30 Uhr Brückrmlr. 9 i er muß Snnnab., 16. Febr. Heim der BZV 20.30 Uhr Kantilr. 54 saBI MiDtaü. 18. Febr. Restaurant Rosenthal, e folgen) H 20.30 Uhr Witte-nberjplatt 4—5 UicnsUtf, 19. Febr. Heim der BZV mich die H 20.30 Uhr Brückenstraße 9 los nach- ■ Uiensta«, 19. Febr. Logenhaua 20.30 Uhr KleiststraDc 10 Mittwoch, 20, Febr. Heim der BZV aaasataaaaassi H J0.30 Uhr KantstraBe 54 Mittwoch, 20. Febr. Heim der BZV dfunk ■ 20.30 Uhr Roienthaler StraOe 44 Donn*r«U2l.Ftbr. Heim der BZV SciialM. H 20.30 Uhr KantstraBe 54 : Kreisler: Hl Donnen»., 21. Febr. Cafe Wittenbach Jhr; Aus- Hj 20.30 Uhr Bayerische» Platz 2 Oneg Schabbat One( Schabbat Lajeladim Onej Schabbat Dr. Borodieoski, Dr. Kalelto: Hebräischer David - Frischmann-Abend Alexander Adler, Felis Isaak, WalterTem-el: „Drei Städte wachsen: Tel-Aviv, Haila, Jerusalem* Alexander Adler: »Das Recht auf Paläsiinaeiowanderung" S. Tachartok, I9I4-S934, 1 Jahrxehnte Gallith Dr. Arthur Prinz: „Dia Judenfrage als Bildungsproblem" Walter Tempel: .Weg« künftiger Paläitinaentwicklung" Dr. Rudolf Abraham: .Der Weg des deutschen Juden" Dr. E. Bercnt. Dr. K. Kanowitx, Frau H Lewinsohn. S Orbach.W.Tempel: „Gceproch. Zeitung" Sonder-Nr.„Ali|ah" Bezirk Neukölln Bezirk Südost Bezirk Südost Kulturahteilung der BZV Bezirk Wittenbargplatz Gruppe Jannowitzbrückc Westliche Gruppen Grupnen Oper und Westend Gruppe Wodding Gruppe Halensee Gruppe Stadipark Lehrstelle Ch. N. Blttlik dar Berliner Zionistischen Vereinigung. Sonderveranstaltung: Montag, 25. F.br 20,30 Uhr, a Logenhaua, KleisUlraße 10 Martin Buber , Jheokralie n. Theopolitik im biblischen Israel" Kurten: Für Mitglieder der BZV RM —,40, liir NiclitmitdKeder RM -,50. Vorverkauf Buchhandlung Rosenbaum u Kulturahteilung der BZV, Meinekestr 10, >rHem, DaHmannstr. 8. Atlantic-Kspr«-»», Friedrehslr. 100. l«ZV-Heim, Kantilr 54 HARDT Sonntat;. 17. Febr., 8ks Uhr Logenhaua, Kleiststr. 10 Theater Variete Kernen Zirkus Scrnuapieler-.,Portriit«" Kanon RM 1,10 bi» 3,30 Kedem, Philo, BotetsFock Wertllfim, Abendkasse am 1?. Felir. nudi B 5 Barbar. 1449 1 Sonnabend, den 16. Februar, 8 3/4 Uhr ' Sonntag, d. 17. Februar, 4>/2 u.B"/, Uhr Humorvolle ISonder-Abende im ehemaligen Logemham* Joachinsthaler Mrafle 12 a Halmailh Wolff konferiert Willy Präger »rminjrard Willaar Erik Elken lund das große Programm! I Eintritt: 2,—, 1,50 und!,— I Vorverkauf JoachimsthalerStr.t 2a I Fernsprech. H 9 3044 u. J 1 6979 LEON Kurfürstcndomm 155 Sonnabend, 16. 2., 21 Uhr Wegen des gr iBcn Erfolges! Kinnal ge Wiederho!ungt 30 Jahre Kleinkunst Mitwirkende u. a. Walten, Elia, Otmini, Bolssler, Tachauar, Oondoaeh, Dr. Roe°nwald, Lacha Anschließend: T&tIZl Kaptlta Lacha und aaina So'iatan Vorverkauf' Tele!. Bestell, und Tischre* Leon J 7 6110 u ,1 7 4229 iZcitungss'andl Preise: Rc<erv Platz RM 2.- . I. Platz RM 1 50, II. Platz RM 1— einschl. Sleu.-r Geschlossene Veranstaltung! I Klavierstimmer PBHBI > tlt^trlitit IB'ft Futterstoffe säiä QuslUlten. Hans SUbersteln, W 50, Augiburger Str., Ecke Würzburger Str. Nr. 1 ugunsten «er WoMfahrtselnrlcMunsen «er Israel. - Sephardlsclteii Gemeinde Kostüm-Vorpurim-Ball Eineftelse auf dem Dampfer „Tbi-Aumt Darbietungen an Bord: „Sis linrers" mit G. Kuthan, Herweg, Korn. Rohr, i iondos, Hanni Brandt / 2 Orchester, Ader u. Sascha Dykatem / 14 Soulen t Kiinstl. Geaamtleitun? : t-erris Clan die (Gondos! / Riese n - 'ornhn a, Gewinne u a. Ein* Ralea »ach PalKatlna hlss aad turfleJt a. D. „Tal-Avlv", echt« wertvol e Peraertepp che MeiHun» wie an Bord / Bordpersonal / Allerlei Volk / GeteTle*aftstoilette Sonnabend, den 23. Februar 193S, 21 Uhr, tu neu Beaimtriumtn di> Logenhauaee, Kleiststr, 10 ' Eintritt RM 2.50, Im Vorverkauf RM 2.- Telefonische Bestellungen: J 3, 3C70 Vorverk auf Iwria-Bantc, Berlin C25, Dircksenatr. 26 7, Iwria-Bank, Btn.-Charlottenbury/. l'asani-nstr. 18, Teppich.Sid, Berlin W. Uhlnnd.tr. 173, Leon Kohen, Charlbr., Sophie-Charlotten-Str. 57.58, Buchh. Kedem. Charlb^., Dalitmannstr. 8 KINO-SPIELPLAN VON FREITAG BIS MONTAG KuriUrstendamm 217 F.cke Fasanenstraße Telefon: |1 Bismarck 110H Bestion tätlich 3, V 7.9.15 Uhr Liebe nach Noten mit Jeanatt« McDonald, Ramon Hovarro Kulturfilm „Zwischen Tl'ern und Olntoln" ADMIRAIS. Kino, I riedrichstraBe 101 11 Uhr vorm. bl» 1 Uhr nachts Sonnlait ab 1 Uhr Gustav Fröhlich in ODeruiachtiriBist. schwenKa mit Sybille Schmitz, Marianne Hoppe. Rctfie: C«r! 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