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Jüdische Rundschau · 1935-02-15 · Heft 14 (15.2.1935) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 14 (15.2.1935)
Date
1935-02-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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4.: Seite 10 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 14, 15. n. 1935 Franz Werfe!: 1(7. Fortsetzung) Der Weg der Verheißung Werfeis Bibelspiel, dessen erste drei Teile wir auszugsweise veröffentlicht haben, schließt mit einem Akt „Die Propheten", worin vor allem Jeremiahs Kampf um die Seele und Reinheit des Volkes mit der Rahmenhandlung der mittelalterlichen Gemeinde verknüpft ist. Während diese Verbindung hier lockerer zu sein scheint als in den ersten Teilen des Schauspiels, ist sie in Wirklichkeit inniger; sie ist „nach innen geschlagen", und der Kampf des Propheten mit den politischen Mächten des antiken Reiches erscheint zugleich als ein moralischer, religiöser, psychischer Kampf in jedem Herzen und um jedes Mitglied der neueren, zu einem nicht minder tragischen Schicksal verurteilten, für eine letzte Nacht in die Synagoge zusammengedrängten Gemeinschaft. Vierter Teil Die Propheten Copyright hj Frani Wtrltl, Wi«a. (Nachdruck varboten) Im Bethaas: Der Dreizehnjährige steht dicht beim Rabbi — Der Entfremdete sitzt auf den Stufen der Lesekanzel DER DREI/KI INJAIÜUGE: Unser I.ohrer hat ein neues Buch aufgeschlagen ... DER RAUM (legi seine Hand auf den Kopf des Knaben): Du frierst und zitierst, mein Knabe ... DER DRKI/.EIIN.lAllRIGE: Ith friere nicht ... Das kommt nur von dem Wind, der aus diesem Buche bläst ... Ich weiß nicht, was darin geschrieben sieht ... DER RABBI: In diesem Buche stchn die Lasten der Propheten geschrieben ... DER DREIZEHNJÄHRIGE: Trusen die Propheten grdßere Lasten als das Volk? DER RABBI: Das Volk hat die Last Gottes von sich geworfen ... DER DREIZEHNJÄHRIGE: Wie schlecht ist dieses Volkl DER ENTFREMDE! Z: Auch ich habe die Last Gottes von mir geworfen. Schuldig bin ich! Aber ich will sie wieder aufnehmen, Herr! Denn mein Sohn führt mich zu meinen Vätern zurück. DER RABBI: Die Last tragen ist schwer, das Schwerste aber ist, sie wieder aufnehmen. DER DREIZEHNJÄHRIGE: Ich wer.'., dir Helten, Vater ... Und wenn es alle tun, dann kommt Messias ... nicht wahr? DER RABBI: Dann kommt Messias wahrlich ... (Er beginnt halblaut zu lesen) IZ1 DREIZEHNJÄHRIGE: Ich sehn mich nach Messias ... Ist es schon seine Stimme? DER RABBI: Es ist die Stimme Jesajahs, des Kunders ... Der Prophet J esaiah tritt auf der Spitze des linken Turmes ins Licht JESAJAH: Wftehter! Wie weit in rler Nacht schon? Wächter! Wie viel noch des Dunkels? DER DREl/.EIlNJ\1'r'GE: Noch eine andre Stimme hör ich klagen. DER RABBI: Es ist Jeremiah, der KQndcr ... Der Prophet Jeremiah tritt auf der Spitze des rechten T u r m e s ins Licht JEREMIAH: Wehe, wehe Jerusalem, .ich geworden, ziir Wohnung des Schakals! i od steigt durchs Fettster der hohen Paläste, Er metzelt die Kinder auf Straßen und Plätzen. Die Leichen verwesen wie Dung auf den Aeckern, Wie faulende Garben, vom Schnitter vergessen. Warum, warum nur gebar mich die Mutter... Warum nicht wurde ihr Schoß mir zum Grab! JESAJAH (wie antwortend): Tröstet, tröstet mein Volk, spricht der Herr. Einst brechen die Völker der Erde auf Und sprechen: wir ziehen zu Israel hin. Denn von Zion allein geht die Lehre au» Und das pöttliche Wort von Jerusalem. Dann werden sie schmieden die Schwerter um Und Lanzen zu Sichel und Pflugschar. Dia Türme verblassen — Dos Bethau» hat sich allmählich mit der Gemeinde gefüllt DER FROMME: Ich höre die süßen und bitteren Stimm« der heiligen Scher ... Unser Lehrer betet aus den Propheten ... Kommt und wachet STIMMEN (Der Reiche, der Aengitlichc, der Fromme) Ein leerer Schreck war's, ein blinder LSrm ... Was hilft das? ... Ist es jetzt nicht geschehen, geschieht1! in eintfen Stunden ... Denkt nicht daran ... Denkt ui dJ« 'ropheton ... LESUNG DES RABBI: „Der Zorn des Herrn aber ruhte über Juda und Jerusalem ... Seht Ihr denn nicht, was sie tun in den EtSd.on Judas und treiben auf den Straßen Jerusalems? ..." Man hört ein Klingeln von Glockehtm und Schellen — Die Straße ist hell geworden — Im Eingang der Höhle sitzt Zum Steinbruch Der der Widersprecher als Götzenverkäufer, bietet seine War« feil und schwingt die Glocke — Eine üppig gekleidete Menge fallt die Straße DER WIDERSPRECHER: Kauft Götter! Kauft Götter! Beelim, Theraphim! Hilft der große Gott nicht, so helfen die kleinen! LESUNG DES RABBI: „Und es erging das Wort des Herrn an mich: Geh und verkünde den Bewohnern ..." EIN KNABE, DANN MEHRERE (nach rechts deutend): Der Narr mit dem Joch kommt... Der Narr mit dem [Joch... DER PROPHET JEREMIAH (erscheint am untern Straßenende, ein hölzernes Joch um den Nachen, einen Knotenstock In der Hand, in Lumpen, und bleibt erschöpft stehen) Warum hast du meines Munds dich bemächtigt, O Herr, warum mich, warum mich tiberrannt? Nun bin ich ein Greuel auf allen Gassen, Ein Kinder-Gespötte von Haus zu Haus. Siehe, dein Wort ist Anstoß und Schande. Wie gerne vervvürgt ich's ... Aber es brennt, Es brennt... hier... hier... ich kann es nicht [schlucken... RUFE AUS DER MENGE: Der geifernde Fasler... Der bissige Narr... DER WIDERSPRECHER: Kauft Götter! Kauft Götter! RUFE: Kauft falsche Propheten! JEREMIAH (die Götzen gewahrend) Mein Volk! Du Jugendliebe dos Herrn! Du brachst ihm die Ehe, brünstige Dirne! Vom lebendigen Wasser kehrst du dich ab Und säufst aus Pfützen und sumpfigen Gruben... (Er schlägt mit seinem Stock die Götzen wütend auseinander) DER WIDERSPRECHER (aufschreiend): Narr, Verfluchter... Weh, meine Ware..* JEREMIAH: Kennst du die Thora? DER WIDERSPRECHER: Man will doch leben! JEREMIAH: Wer lebt, wird die Toten des Tales beneiden An jenem Tag, der von Norden kommt. Ein Sturm bricht auf, ein Leu aus dem Dickicht... Du aber, Zion, du wandelst in Purpur Und schminkst dir die Wange und malst dir das Aug. Heul lieber auf und hüll dich in Lumpen. Fern schrillt schon der Schrei der Gebörerin... Es ist beschlossen, doch noch nicht geschehen, Noch ist es nicht da,.. Noch nicht... Noch, noch [nicht,.. (Er hat die Höhe der Straffe erreicht und verschwindet) BETRETENES GEMURMEL: Ein Fluehbescssencr... Er drückt unsre Seelen ... DER WIDERSPRECHER (durchdringend): W: .heilgeschieht, trügt der Träumer dieSchuld! EINE FRAU: Dort, seht Chananjah, den wahren Propheten! Ch a n a n i ah, der falsche Prophet, ist schon während des vorigen am untern Straßenende aufgetaucht. Er ist bunt aufgedonnert und geht geziert zwischen zwei Dienern, die ihm abwechselnd Konfekt und eine Riechflasche reichen CHANANJAH: .Erwach, Tochter Zion, leg Siegesschmuck an Und Prachtgewänder, Jerusalem.. So singt Jcsa.jah und so sing auch ich. Wer gleicht dir, o Volk ... DIE FRAU: Wer gleicht "dir, Prophet! CHANANJAH: Zum Tempel, du schönes, gesegnetes Volk! Während die Menge sich rufend um Chananjah zum Festzug schart, wird die Straße dunkel LESUNG DES RABBI: „In demselben Jahre, zu Anfang der Regierung König Zedekiahs, sprach der Prophet Chananjah im Haute das Herrn vor Priestern und Volk also ..." Der Vorhof des Tempels (Altarbühne) leuchtet auf. Der Zug Chananfahs drangt sich unter dem Altar. Er selbst ist bis zum Tor des Allerhelligsten hinaufgestiegen, wo er zwischen Pas hur, dem Tempelverwaller, und dem Hohenpriester steht CHANANJAH: Zu mir sprach Zebaoth, der Gott meiner Vater: Zerschmettern werde ich Babylons Zwang JEREMIAH (im Volk auftauchend): Amen! Er tue, wie er gesprochen! CHANANJAH: Du aber, Zion, rüste den Krieg! JEREMIAH: Die wahren Künder künden den Frieden. CHANANJAH: Chananjah weissagt. Wer stört sein Gesicht? DER WIDERSPRECHER (Jeremiah vorstoßend): Der Volksverderber... Der Narr mit dem Holzjoch., CHANANJAH: Warum trägt der Narr das Holz auf dem Rücken? JEREMIAH: Ich schleppe Israels künftige Last. CHANANJAH: Hierher mit dem Kummet! (Jeremiah wird das Joch abgenommen) Ich tue ein Zeichen... (Er hebt das Joch hoch und bricht es mitten durch/ DAS VOLK: Wahrlich ein Zeichen! JEREMIAH: Wahrlich ein Zeichen! Das Holz zerbrachst du und schmiedest dafür Ein ehern Gestänge um unsern Nacken... (stoßweise, gegen sich seihst kämpfend) Es ist beschlossen... Doch nicht vollzogen... Vielleicht... Eine Frist noch... Tut Buße.., [Kehrt um.., Traut nicht den Feisten, den Vogelstellern... Sie drücken die Armen... Sie beugen das Recht,.. Kehrt um... Eine Frist noch... Dann liegt zerbrochen Jerusalem... Wie ein Töpfergefäß... Nichts heilt mehr die Scherben ... Und seinen [Tempel... Auch seinen Tempel... weh, ich ersticke... Auch seinen Tempel verbrennt Adonai. PASHUR: Ihr habt es gehört mit eignen Ohren. CHANANJAH: Lästerung mitten im Hause des Herrn. DER WIDERSPRECHER: Schlagt ihn zu Boden, den Lügen verkünder! Steinigt ihn, steinigt ihn! DAS VOLK: Steiniget ihn! Jeremiah wird niedergeschlagen — Dunkelheit DER DREIZEHNJÄHRIGE: Jetzt haben sie den Propheten Gottes erschlagen ... DER RABBI: Mein Knabe, wie wohl wäre ihm im Tode. Doch er muß das Ende sehn, das er von Anfang sah. (Weitere Teile folgen) Neuhinzutretende Abonnenten erhalten auf Wunsch die bisher erschienenen Teile des Werfel-Dramas kostenlos nachgeliefert «luden und Jüdisches im Rundfunk Sonnlag, den 17. Februar: Wien (507 m), 8.55 ' Uhr: Schall;»:. Nr. 1 Ouvertüre „Orpheus" von Ottenbach, Nr. 6 Friti Kreisler: „Liebesfreud, Liebcslcid". — England (1500 m), 18 Uhr: Auszug aus Mendelssohns „Elias.", Schalljil. 16.10 Uhr: „Zwischen den beiden Testamenten", Rclig. Vortrag. Montag, den 18. Februari England (1500 m). 13.15 Uhr: SchallpL Nr. 3 Jascha 1 leitet! (Violine). — Suttens t'Fri. Schweiz, 443 ml, 19.40 Uhr; Dr. II. Wuillouss Weinberg und Wein in der Bibel. 20.35 Uhr: Kammermusik, u. a. Schönberg. Streichquartett Nr. 2. — Luxemburg (1304 m), 20.40 Uhr: Konzert, u. a. Meyerbeer. — Budapest (550 m), 19.40 Uhr: Komert, u. a. Mahltr, Kindcrtotcnlicdcr. — Alle Italien. Sender, 17.30 Uhr: Hermann Schey singt. — Wien (507 m), 21.40 Uhr: Sven Hedin t. 70. Geburtstag. — London (342 m), 21 Uhr: Konxert, u. a. Kol N i d r e v. Bruch. Dienstag, den 19. Fubruan Warschau (1345 m), 18.15 Uhr: Nr. 1. Polnischer Tango, A, Kubinstciu. — Monte Ceneri, 21 Uhr: Arien aus Operetten und Camonctten, vorgetragen von Teresa üeri" — England Nat. (1500, 288 m), 21 Uhr: Der tapfer« SolaV. Operette v. Oscar Strauß. — Wien (607 m), 21.15 Uhr: Chorkonzert, u. a. 91. Psalm v. Schubert. 22 Uhr: Ralph Beoitiky Kontert Eine Krcliltr-StnMtion. Der bekannte Violinvirtuose Fritz Krcisier, der jüdischer Abstammung Ist, feierte kürzlich seilten 60. Geburtstag. Aus diesem Anlaß hat er vom österreichischen Bundespräsidenten Miklas das Offizierskreuz des österreichischen Verdienstordens erhalten. Krcisier hat letzt in der „New York Times" die überraschende Enthüllung gemacht, daß die zahlreichen Bearbeitungen alter Kompositionen, die er In «einen Konzerten zu spielen pflegt, in Wahrheit nicht Bearbeitungen sind» sondern eigene Kompositionen. Er habe sich hinter den Namen dieser Komponisten, wie Vivaldi, Porpora, Stamltr, Couperin usw., verborgen, well er sein Konzertnrogramm nicht mit lauter eigenen Kompositionen füllen wollte. Die Londoner „Times gibt ihrer Ucbcr^cugung Ausdruck, da II seine Enthii'lung de« wahren Autors die allgemeine Wertschätzung dieser popuI<lf gewordenen „Bearbeitungen" der Vlolln-Ütcratur nicht ver« mindern wird.

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