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Jüdische Rundschau · 1935-02-15 · Heft 14 (15.2.1935) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 14 (15.2.1935)
Date
1935-02-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 14, 15.)!. 1935 — Damit war die Debatte beendet, deren einziger Zweck es wohl nur sein konnte, die Oeffentlichkeit auf das Vorhandensein dieses ungelösten Problems aufmerksam ru machen. Es handelt sich in diesem Falle um ein Versagen der Maschinerie des Völkerbundes. Aber unseres Erachtens ist auch für die jüdische Betrachtungsweise der Dinge eine Lehre zu gewinnen. Das ein/ige Land, das Einwanderer in erheblicher Zahl aufnahm, war P a l ä s t i n a.Wir sind weit entfernt davon, zu meinen, dal! dort schon alles in Ordnung und zufriedenstellend ist. Aber es ist kein Zufall, daß eben nur das dank der zionistischen Bestrebungen völkerrechtlich als Jüdisches Nationalheim anerkannte Land dank der Aufbauarbeit, die Juden seit fünf/ig Jahren dort geleistet haben, in einer Stunde der Not Juden wirklich aufnehmen konnte. Ks zeigt uns, daß wir selbst für uns zu arbeiten verpflichtet sind und dann auch Anerkennung finden werden, wahrend freundliche Worte von nicht jüdischen Stellen zwar in schmerzlichen Momenten eine seelische Linderung bedeuten mögen, aber keineswegs die Judenfrage aus der Welt schaffen, weder für den einzelnen noch für das (ianze. Vortragsabend in London „Die Ehre des Juden, sein Geld" Wie die Zeitung „Der Führer'' in Karlsruhe meldet, fand in Bretten eine Kundgebung für die stadtischen Beamten und für die Beamten aller Krcisgemeimlcn statt, auf der Gauinspektor K ra in e r über das Thema sprach: „Der Jude in Volksstaat Und Wirtschaft", Das Blatt berichtet weiter: „Nim /e,:''. V y ■ i. «'rn.d< n aua heute » h derJudenfrago ii!'' .Vi' ■!■ ■ -1'• ■ U• ii 7M. ihr tai-üchüt-h zukommt. Seh -n iinev i, d.i. I h>' ''«' ' -Iir 'hie. war der Jude (ins wrüet/ende l U iip st im \\)'.k- :!-. ben. IVb'1!,!}! gjhn er darauf ans, die g- I-ilihe ' m w.ih an i- H?u reißen und die Mrnhheit «'inen i r.eiisi., i I nndlergc-ch Ilten dienstbar zu machen. .> t .11/!l I r f II e und K h r e Iii. i 11. Dii; Lhre de, jnd .i i.«. i. ..!, K ••!, -!i«l.l, m in ti «Id.! >« Jude ist ein ii-gjitv. i Kid di i ii.ii.iu: au--4i hl, jli.-> (Jirc hciunierjureifieri und ii. dn, "-' •;'> ."i /.i '•■■.-n. Wie vi(!■ n anderen Juden,' m ist es un'vr lim \ .i.i'i'.. i s.. ...ii; t iuciii K.idcn.ui ne".^h'h. r4cwfM.ii, >!•»!• »er .'s « V -1' ih'i, sinwi ,):,. Wort, da!.', die ('..».chu-ke .in Wie v... :< •', M,...-i, ... i.isl wurden. Ah, im Jahn- 1918 «las "leir ■!.•■ ih'it zu-.....e.."sinn ii, „t, iavii si> h an die Spitze der .Heid.Sem.e. 1,1 -t um Juden. Mit der naiionalso/iati-iti-i hen Ri-voluii.m uunii die Herrsch,,:! des Judentums iu Deutschland gebrochen. Ali-,1 ei,, lii.n^e Weit «ml li.iid erkennen, daß wir in der Judi ist di in t i-;,' ii;. 11 Urf -ind. I »er Jude i-t l'.irasit hn ... 1 :. h , -,'.1 i .iii n"chi im in möglich .viin, im neuen '"'*'. ■' v'.i.e. «"ii1 .er wcidiu und oiuntliehe Aemter zu bekh idnn . . .-• Keinem.'. Ji.r In Diese Ausführungen, die sieh gegen die jüdische Ehrauffassung wenden und diese ohne jede Begründung verunglimpfen, sind ein typisches Beispiel für den Versuch, das Judentum zu diffamieren und dadurch jede sachliche Erörterung der Judenfrage unmöglich zu inachen. Woran erkennt man ein deutsches Geschäft? Der „Westdeutsche Beobachter", Köln, veröffentlicht einen Aufsatz, der sich damit beschäftigt, wie das Publikum ein deutsches Geschäft in Köln erkennen könne. Der Aufsatz gibt die Begründung des Kölner Verkehrsvereins wieder, aus welchem Grunde der Verein nichtarische Firmen als Mitglieder aufnimmt und deshalb auch jüdischen Firmen eine entsprechende Plakette aushändigt. Da diese Plakette des Kölner Verkehrsvereins nicht darüber Aufklärung gebe, ob ihr Inhaber Jude ist oder nicht, gibt, wie der „Westdeutsche Beobachter" meldet, der stellvertretende Gauleiter Richard Schal ler als Leiter des Amtes für Volkswohlfahrt eine entsprechende Lösung. Fr teilt dem „Westdeutschen Beobachter" uiit, daß die Nx-Voikssvohlfahrt in den nächsten Tagen mit einer Aktion beginnen werde. Und zwar werde jedes Mitglied der NS.-Voll-swoliltahrf, das Geschäftsmann ist, eine gut ausgearbeitete Plakette für das Schaufenster erhalten. „Die Plakette ist ein Hinweis darauf, daß der Geschäftsinhaber Mitglied der NSV. ist, Mitglied der SSV. kann nur der werden, der rein arischer Abstammung ist. So ist dann für jeden Volksgenossen klar zu erkennen, (laß dort, wo das Zeichen der NSV. j»t, das Geschäft unbedingt arisch ist.« * Das „Frankfurter V o 1 k s b 1 a 11", Frankfurt a, M., vom 7. Febr. beschäftigt sich in einem Aufsatz mit dem Thema „Deutsches Geschäft". Das Blatt weist darauf hin, daß SO bis 85 < . aller dazu berechtigten Frankfurter Geschäfte^ sich heute offen als „Deutsche Geschäfte" bekennen. Diese!jtistellting >ei um Sn vorbildlicher, wenn mit ihr vereinzelt der Verlust der „ni. htarischen" Kundschaft verbunden sei. Das (hau erwähnt dann . in Molkervi-Produktegesebäft, das von einer Reihe namentlich aufgeführter nichtarischer Kundinnen die Kuml-cha't aufge-agt bekommen habe, nachdem es das Schild „Deutsches Geschäft" angebracht featte. In diesem Zusammenhange sagt die Zeitung: „V. 11 hal.cn um IrN ihn? g:m einzuwenden, wenn luden ausschließlich iH'int Juden k.iunu, wciie!,. \ driii-chen Volksgenossen aber fnniit™ wir nur die genaue enn,j.rechende Haltung, daß Den' ane au ,, hUcth, 11 nur m ,\ 'cir!„ „ t ,,,;, i ,a i teil' kauten'." Es scheint uns, daß eine solche Haltung weder den Richtlinien der maßgebenden Stellen, noch auch einem gesunden wirtschaftlichen Verständnis entspricht, das jede Beunruhigung des Wirtschaftslebens, in einer Zeit des Aufbaus ablehnen muß. Boykottmaßnahmen, von welcher Seite sie auch immer ausgehen, können nur dazu angetan sein, die wirtschaftliche G e s a in t h e i t zu schädigen. Arthur Balfours Nichte in der Londoner Völkerbundsliga Auf einem Vortragsabend der Londoner Völkerbundsliga, bei dem Leonard Stein den Vorsitz führte, sprach Mrs. D u g d a I e, die Nichte und Biographin Lord Balfours, über „Die Zukunft der Juden". Sie führte u. a. aus: Eine neue Epoche der jüdischen Geschichte Der Aufstieg des Zionismus und die in der Balfour- Dcklaration zum erstenmal erfolgte Anerkennung der jüdischen Nation durch eine Regierung Englands haben eine neue Epoche der jüdischen Geschichte eingeleitet. Noch sind keine zwanzig Jahre dieser neuen Epoche verstrichen, und schon kann man mit Bestimmtheit sagen, daß das National heim in Palästina immer mehr das Zentrum des jüdischen Volkes werden und daß sein Bestehen den Glauben aller Juden an ihre Zukunft zutiefst beeinflussen wird. Zionismus ist der höchste Ausdruck jenes Lebenserhaltungstriebes, den die Juden mit allen übrigen Rassen und allen gesunden Einzelmenschen teilen. Gestärkt wurde dieser Trieb bei ihnen durch gcnerationenlanges Leid, wie es kein anderes Volk jemals zu erdulden hatte, und es bildet einen Teil des großen Dramas der jüdischen Geschichte, daß das Nationalheini in Palästina eine feststehende Tatsache geworden ist, gerade unmittelbar bevor die Verhältnisse der Nachkriegswelt jene großen Zentren jüdischen Lebens geschwächt oder vollständig vernichtet hatten, in denen jüdischer tiefst am stärksten behütet war vor dem Prozeß der Assimilation, der in den kleineren und stärker zerstreuten Gemeinschaften des Exils sich immer vollzieht. Die Geiahren der Assimilation Assimilation ist der gerade Gegensatz zu jener Forderimg, die zum Entstehen des Zionismus geführt hat. Sie bringt den der Tragödie des Exils entspringenden Wunsch des Einzelnen zum Ausdruck, durch Preisgabe, ja sogar durch eifrige Verleugnung seines Volksbewutttsems, durch Vermisch ung der Kultur seiner Rasse mit der seiner Umwelt Geborgenheit zu suchen. Sie stellt einen Prozeß dar, der folgerichtig dazu führt, daß die Heimatlosigkeit des Volkes im Laufe der Zeit eine so weitgehende Verdünnung jüdischen Geistes und jüdischer Eigenart bewirken muß, daß schließlich der spezifisch jüdische Beitrag zum allgemeinen Kulturgut nicht mehr etwas in der Gegenwart Meßbares wäre, sondern nur noch nach seiner gewaltigen Vergangenheit beurteilt werden könnte. Im Hinblick auf die Größe dieser Vergangenheit und auf die überreichen Beweise dafür, daß der jüdische Genius noch immer in der Blüte seiner Kraft steht, würde ich sein Verschwinden als ein Unglück für die Welt erachten. Die Lage der Judenheit Die Vortragende wandte sich sodann einer Besprechung der gegenwärtigen Lage in Ost- und Mitteleuropa zu, wobei sie darauf hinwies, daß die russische Judenheit, die zum großen Teil aus kleinen Handwerkern und Kleinhändlern bestand, infolge der plötzlichen Beseitigung des früheren Wirtschaftssystems in schwere Notlage geriet. Denjenigen, die diesen Umschwung überlebten, möge es jetzt persönlich besser gehen als im Zarenreich. Die Zeit ihres Einflusses auf die Judenheit der Zerstreuung sei aber vorbei. In den deutschsprechenden Ländern Mitteleuropas sei der Assimilationsprozeß jäh unterbrochen worden. Dies habe ihrer Meinung nach zu einer außerordentlichen Vertiefung des jüdischen Bewußtseins sowie dazu geführt, daB die reiche Saat der von deutschen Juden bisher dem Lande ihrer Geburt geleisteten Beiträge zu Denken und Wissenschaft nunmehr über die ganze Welt verstreut wird. Viel davon werde bestimmt nach Palästina kommen, da dieses eine größere Zahl jüdischer Auswanderer aus Deutschland aufnimmt, als irgendein anderes Land es zu tun vermag. Das dritte große Zentrum jüdischen Lebens außerhalb Palästinas, fuhr Mrs. Dugdalc fort, liegt heute in den Vereinigten Staaten. Ich glaube, daß es seinem Reichtum und seiner Zahl nach noch immer das bedeutendste ist. Wie sich seine Zukunft gestalten wird, abgeschnitten von jeder Neubelebung seines jüdischen Wesens infolge der Einstellung der Einwanderung aus Europa nach Amerika, wage ich nicht vorauszusagen. Vorläufig aber kommt der amerikanischen Judenheit noch ihre besondere Rolle in dem Prozeß nationaler Wiedergeburt zu. Reich und arm innerhalb der üesamtjudcnheit haben in den letzten zwanzig Jahren beigetragen zum Aufbau des Nationalheims. Die schwere Wirtschaftskrise hat die Vereinigten Staaten später erfaßt als Europa. Dennoch haben die Juden Amerikas ihre eigenen Probleme und ihre eigenen Sorgen, auch abgesehen von den wirtschaftlichen. Der Antisemitismus bildet sogar in diesem seiner Freiheit sich rühmenden Lande eine latente Gefahr. Vielleicht nur im britischen Reich kann der einzelne Jude seiner Zukunft einigermaßen sorglos entgegensehen. Individuelle Sicherheit genügt aber nicht, selbst wenn sie sich auf das Gebiet der Religion und des Denkens erstreckt. Galuth nnd Palästina Für lange Zeit hinaus werden die Juden im Exil und die im Nationaiheim wieder angesiedelten Juden auf gegenseitige Hilfe angewiesen sein; aber ich gla u b e, d a ß die wirkliche Zukunft der Judenheit immer mehr in die Obhut der Palästinenser übergehen und von ihnen geformt werden wird. Es wird vielleicht nicht möglich sein, die Verschiebung des Gleichgewichts von Jahr zu Jahr festzustellen. Auf dem Gebiete des materiellen und wirtschaftlichen Lebens wird es die allgemeinen Verhältnisse in der Welt widerspiegeln und mit ihnen hin- und herschwingen. Noch wird von den jüdischen Gemeinschaften außerhalb Palästinas Geld zur Schaffung von Siedlungen, zur Aufrcchterhalttiug jüdischer Sozialarbeit nach Palästina gesandt. Andererseits — und das ist eine äußerst bemerkenswerte Erscheinung — beginnt Geld aus Palästina in die Galuth zurückzufließen. Der vernachlässigte Boden fängt nun an, für die Sorgfalt und das Wissen, das in den letzten siebzehn Jahren in ihn hineingesteckt wurde, zurückzuzahlen; Landwirtschaft und Industrie gedeihen, sie machen eine Hochkonjunktur durch. Ich habe von einer landwirtschaftlichen Kolonie gehört, in der nur 300 bis 400 Menschen leben, und aus der nicht weniger als 1000 Pfund jährr lieh an Untcrstützungsgeldern für die in Polen und Rumänien verbliebenen Angehörigen gezahlt werden. Dasselbe vollzieht sich auf kulturellem Gebiet. Die Einwanderungsquote jedes Jahres bringt nach Palästina Fragmente des ungemein bunten Lebens der Gesamtjudenheit. Aus diesem buntscheckigen Einwanderergemisch geht allmählich ein neuer jüdischer Typ hervor. Lord Balfour, schloß Mrs. Dugdäle, hatte keinen Augenblick Zweifel an dem Erfolg dieses Experiments, obwohl er ein schärferes Auge wie jeder andere für die Fehler der Juden hatte. Niemals zweifelte er im geringsten daran, daß es für die Seele des jüdischen Volkes nichts geben würde, was sie nicht vollbringen könnte, sobald man ihr die Möglichkeit schafft, in Freiheit zu atmen. Dr. Kanowitz in Deutschland Auf Einladung der Z.V.f.D. ist Dr. Siegfried Kanowitz, Tel-Awiw, in Berlin eingetroffen, um sich für einige Wochen der zionistischen Arbeit zu widmen. Dr. Kanowitz war vor seiner vor zwei Jahren erfolgten Ucbersiedlun^ nach Palästina aktiv zionistisch tätig, und zwar mehrere Jahre hindurch als Generalsekretär der Z. V. f. D. Besonders auf dem Gebiete der Jugend- und Propaganda-Arbeit ist er bekannt geworden. In Palästina hat Dr. Kanowitz sich mit den Fragen der Sozialhygiene beschäftigt und ist Vorstandsmitglied der palästinensischen Acrzte-Organisation, Er beabsichtigt, sich in den nächsten Wochen der Aufgabe der Berichterstattung über Palästina und die Eingliederung der deutschen Juden in das Leben des Landes zu widmen und wird auf einer Reihe von Kundgebungen sprechen. Ferner will Dr. Kanowitz die Frage der gesundheitlichen Auswahl der Einwanderer in Zusammenarbeit mit den hierfür berufenen Instanzen klären. Der Drive in Amerika New York, 10. Februar. (JTA.) Das Joint Distri« bution Comraittec und dieZionistischeOrganisation Amerikas künden die Eröffnung einer gemeinsamen Sammel-Campagne für das Jahr 1935 an, durch die ein Betrag von 3'A Millionen Dollar aufgebracht werden soll. Zum Vorsitzenden des Komitees, das die Aktion leiten soll, wurde der Ehrenpräsident des Joint Distribution Committee und Mitglied des Administrativ Committee der Jewish Agency, Felix M. War bürg, gewählt. „Nichtarisch" und „jüdisch". Das Hervortreten des Ras- Bengesichtspunktes bei der Bezeichnung der Zugehörigkeit zum Judentum hat in der letzten Zeit auch zu eigentümlichen Konsequenzen geführt. Vielfach hat man in der Praxis „nichtarisch" und „jüdisch" gleichgesetzt, wie dies der Anwendung des Arier-Paragraphen entspricht. Dies wird aber, wie uns berichtet wird, zuweilen auch auf Angelegenheiten übertragen, für die es nicht paßt. Wenn z. B. ein Stifter von Stipendien ausdrücklich bestimmt, daß der Genuß der Stiftung zu gleichen Teilen au „Studenten jüdischen Glaubens" und „Studenten christlichen Glaubens" zu verteilen ist, dann ist unseres Erachtens, ohne Rücksicht auf die inzwischen eingetretene Veränderung der Anschauung bezüglich der Rasse, der Wille des Stifters eindeutig und müßte auch dementsprechend eingehalten werden. Man kann also bei der Ausschreibung solcher Stiftungen nicht einfach an Stelle „jüdischen Glaubens" das Wort „nichtarisch" stellen. Denn es wäre unbillig, wenn die für „Studenten jüdischen Glaubens" bestimmte Zuwendung an nichtarische Studenten christlichen Glau b c ns fallen wurde. Wo Solche Irrtümer in der Ausschreibung vorkommen, wie es jüngst bei einer Studentenstiftung in Berlin der Fall war, so bedarf es gewiß nur des einfachen Hinweises auf den Irrtum, um eine Korrektur, entsprechend dem wirklichen Wunsche des Stiftungsbcgründcrs, zu bewirken. Die „Beleidigung" Von einer Leserin wird uns geschrieben: In der Zeitschrift „Mode und Heim" Nr. 25 (Verlag Vobach, Leipzig) finden wir in der Rubrik, die überschrieben ist „In Fragen menschlicher Bedrängnis" folgende Antwort: „Nach der heutigen Rechtsprechung ist der unberechtigte Vorwurf di r niehtari.eben Abstammung eine 1! e 1 c i rl i g 11 n g tiach § 188 SiGB. Der Betreffende, dem nichtarische Abstammung vorgcwoilen wird, mag sich einen dieser Verleumder herausgreifen und (fegen ihn die Beleidigungsklage erheben. Nach der obengenannten Vorschrift muß dann der Angeklagte den Kachweis für die Richtigkeit seiner Behauptung erbringen. Kann er das nicht, .so erhall er eine geh irige Strafe. Das wirkt dann wohl hinreirh' nri abschreckend, daß auch rlic übrigen Lästermäuler verstummen. Man kann dem Fragesteller nur empfehlen, sich wegen dieser Frage mit einem tüchtigen Rechtsanwalt in Verbindung zu setsen, der dann das Weitere veranlassen wird." Obwohl es menschlich begreiflich ist, daß unter den heutigen Verhältnissen niemand zu Unrecht als Jude gelten will, ist doch nach unserer Meinung die fälschliche Bezeichnung als Jude zwar eine Unwahrheit, aber keine Beleidigung. Der Professor an der Berliner Universität und Berliner Handelshochschule, Dr. Marcs, hat auf seine Lehrbefugnis verzichtet. Die auf Grund des § 8 des Berufsbeamtengesetzes früher ausgesprochene Entziehung der Lehrbefugnis ist damit aufgehoben worden. Inzwischen war Professor Manes als Gastprofessor an der Universität Buenos Aires tätig, woselbst er zum Ehrenmitglied des Instituts für Versicherungswesen ernannt worden ist. Ferner hat er die Ehrcnmitgliedschäft des Verbandes der Universitätslehrer für Versicherungswesen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika erhalten. Max Liebermann ist anläßlich seines Ablebens auch in der ausländischen Presse ausführlich gewürdigt worden, dabei wird sein Lebensgang und sein Werk dargestellt. Charakteristisch ist der ausführliche Nachruf, den die Londoner „Times" dem Verstorbenen widmet. „Wenige Leben könnten deutlicher die Veränderungen im heutigen Deutschland mit ihrem heftigen Zusammenprall von Ideen widerspiegeln als das Leben Max Liebermanns", heißt es darin. Der Verfasser des Nachrufs gedenkt nicht nur der künstlerischen Tätigkeit Liebermanns, sondern auch seines Verhältnisses zum Judentum. Er hebt u. a. hervor, daß er_ schon in der Vorkriegszeit mehrere an ihn gestellte Angebote, sich taufen zu lassen, entschieden zurückwies. Von seinem Atelier aus, so heißt es weiter, konnte L. ganz Berlin überschauen; die Fenster des Liebermann-Hauses führen sowohl auf den Tiergarten wie auf Unter die Linden. Liebermann fand, daß die Kunst des 19. Jahrhunderts am Schürzenband einer engstirnigen Bourgeoisie und ihrer Konventionen hing, und er versuchte, dagegen vorzustoßen. Jahrelang war er der Brennpunkt aller künstlerischen Kontroversen. Der Artikel schildert dann, wie Liebennann sich schließlich durchgesetzt hat. Seine Bilder fanden ein Heim in vielen Galerien. Der Nachruf erwähnt auch, daß Liebermanns Haltung gegenüber dem Zionismus sympathisch gewesen sei, besonders in den letzten Jahren. Der Kunstkritiker der „Times" erinnert im Anschluß an den Nachruf daran, daß ein im letzten Jahre gemaltes Selbstporträt kürzlich, der Londoner Täte Gallcry von Simon Marks (dem bekannten Zionisten) geschenkt wurde. Außer diesem besitze die Täte Gallery noch ein Bild, das den gerade angesichts der heutigen Zeit vielsagenden Titel trage: „Juden betrauern den Konig Friedrich TM " — Von deutschen Nachrufen ist außer dem von Ernst Bcnkard in der „Frankf. Ztg." auch der von Paul Fechter in der Wochenschrift „Deutsche Zukunft" hervorzuheben, der die „historische Rolle" Liebcrmanns würdigt und hervorhebt, daß viele seiner Werke lebendig bleiben werden. lUuptiehriftlcitet: Dr. Robert Weltjch, Berlin-Chailottenburg * Siehvertreter: Kurt Loewenstein, Berlin W 15. An»eig«nleiterio und verantwortlich für den Anieigenteil: Helene Chancin« Berlin N 84, Verlag und An«eig(mverwaltungj Jüdische Rundsch»* Berlin W 16, Meinckettr. 10. D.-A. Januar 83 444. — Druck i Siegfried Scholen», Berlin-Schön.ebcrg.

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