Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 13 (12.2.1935)
- Date
- 1935-02-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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JODISCHE RUNDSCHAU »J 11 £ C II " R 11 II ll N C ll U 11 NR. 13,12. FEBRUAR 1935 Tag der jüdischen Jugend Wie wir bereits gemeldet haben, veranstaltet der R e i c h s au s sch uß der jüdischen Ju g e n dv er b ä n d e vom 9. bis 11. März in Berlin einen „Tag der jüdischen Jugend". Bei dieser Zusammenkunft, die von den Vertretern der jüdischen Jugend aus allen Teilen des Reiches beschickt sein wird und an der sämtliche jüdische Jugendgruppen Deutschlands teilnehmen werden, sollen die grundlegenden Fragen, mit denen sich die jüdische Jugend Deutschlands heute auseinanderzusetzen hat, besprochen werden. Wir glauben, daß eine solche Veranstaltung für die weitere Jugendarbeit im deutschen Judentum von außergewöhnlicher Bedeutung sein kann; ergibt sich doch hier die Möglichkeit, daß in einer von den oft erstarrten Schemata der Erwachsenen abweichenden Weise über die brennenden Probleme materieller und geistiger Natur, die unsere junge Generation besonders stark berühren, gesprochen werden kann. Schon in den Wochen vor der Veranstaltung werden in allen Gemeinden besondere Ausspracheabende den Fragen des Jugendtages gewidmet sein. Unsere heutige Jugend-Rundschau bringt aus dem Kreise der an dieser Arbeit Beteiligten eine Reihe von Aeußerungen. Red. Behörde oder Bewegung? Vor 1933 Wer heule in Rückblick und Ausblick Linien der Arbeil des Reichsaussehusses charakterisieren will, muß von der Gesamtstruktur ausgehen, in der der Sturm des Jahres 1933 die deutschen Juden traf. Der geistige und ökonomische Verfall ist oft genug beschrieben worden. Hier ist vor allem der organisatorische Aufbau wichtig. Das deutsche Judentum war organisiert in unzähligen Zweckvereinen, für Kultus, für Kultur, für soziale Hilfe usw., die alle mehr oder minder isoliert voneinander bestanden. Die Gemeinden wehrten sich unter liberaler Führung ängstlich und erfolgreich dagegen, zentrale gemeinsame Aufgaben (Erziehung, Wirtschaftshilfe) im notwendigen Umfang einzubeziehen, und verstanden insbesondere jahrelang, die Bildung einer wirksamen Spitzen Organisation zu verhindern. Hinter dieser komplizierten und unübersichtlichen Organisation verbarg sich ein ziemlich einfacher sozialer Tatbestand: Die Organisationen des deutschen Judentums waren zum erheblichen Teil finanziell von ein und derselben großbürgerlichen Schicht getragen. Ihre Leitung bestand fast durchweg aus Notabein von finanziellem oder sozialem Gewicht. Wahlen hatten fast immer rein formellen Charakter. Wer nicht zu dieser Schicht gehörte, war wenig an Veränderungen interessiert. Die Versuche der Zionisten, politische und weltanschauiche Maßstäbe in den organisatorischen Kampf hineinzutragen, wurden nicht recht ernst genommen. Der Umschwung Unter den Stößen des Jahres 1933 brach dieses System scheinbar völlig zusammen. In den Wochen und Monaten, als Entscheidendes von einer einheitlichen und straffen Führung, cinfr zentralen und umfassenden Organisation abhing, gab es weit und breit nur Büros, deren Leitungen nicht mehr da waren und die keinen Kontakt mit der Mehrheit der deutschen Judenheit hatten. So verblieb die ganze Arbeit einzelnen A\cnschcn, die hier und dort inmitten aller Unsicherheit anfingen, die Hilfs- und Aufbauarbeit zu tun. Der ReichsausschuB früher Der „ReichsausschuB der jüdischen Jugend v e r b ä n d e" ist bis zu dieser Zeit weder Behörde noch Bewegung gewesen. Er war eine gemeinsame Organisation der Jugendbünde zur Erledigung gewisser Aufgaben wie Jugendherbergen, Fahrpreisermäßigung usw. Seine eigentliche Bedeutung und sein fruchtbarer Kern lagen in dem Kreis, der ihn trug und der durch die Personen von Ludwig Tietz und Georg Lubinski charakterisiert wurde. Hier war eine Atmosphäre von persönlichem Vertrauen und unbedingter Offenheitüber alle Gruppen und Richtungen hinweg, die durch die menschliche Haltung ihrer Träger weiter wirkte und im Seesener Ferienheim eine Stätte hatte. Was gab dem Keichsausschuß die Bedeutung, die er im Laufe des Jahres 1033 bekam? Neue Aufgaben In dem organisatorischen Zerfall erwies e i n Sektor eine überraschende Festigkeit: Die Jugend bände. Die enge persönliche Verbundenheit, die gemeinsame weltanschauliche Hindung, die gewollte Isolierung gegenüber der „bürgerlichen Gesellschaft" ließen die Jugendbünde in ihrer Geschlossenheit und Festigkeit fast unerschüttert die schwere Zeit überstehen. Umgekehrt wurden sie für einen großen Teil der Jugend erst jetzt anziehend; die zionistischen Jugend b ü n d e und besonders der „H ec h a l u z" wuchsen in unerhörtem Umfange. Der Zusammenbruch der assimilatorischen Ideologie war augenfällig, aus den gemeinsamen Nöten ergaben sich sichtbare große Aufgaben, die nur gemeinsam gelöst werden konnten. Der natürliche Ort dieser Zusammenarbeit war der Reichsausschuß, dessen Leitung das unbedingte persönliche Vertrauen hatte, das es in der älteren Generation nicht gab. Schwierigkeiten Vom Frühjahr 1933 ab wurde zunächst im Rhein- Ruhr-Bezirk der Versuch gemacht, den Reichsausschuß?uin Träger einer Bewegung zu machen. Ein provinzieller Zusammenschluß aller Bünde mit einer gemeinsamen Arbeitsleitung wurde geschaffen, der als Untergliederungen überall Ortsringe der jüdischen lugend gründen sollte. Gemeinsame Aufgaben waren vor allem Bcrufsum schichten ng, jüdischkulturelle Arbeit und gemeinsame Erfassung der Unorganisierten und der Jugend in Kleingern ein de n. Schon die Durchführung in diesem Bezirk zeigte die Schwierigkeiten. Ueberall war ein ehrlicher gemeinsamer Wille, überall gab es gemeinsame Aufgaben in Hülle und Fülle, aber das Beharrungsvermögen der einzelnen Organisationen war sehr groß, und vor allem fehlte es an Menschen. Die Generation der 30jährigen, deren Sache diese Arbeit eigentlich gewesen wäre, war als solche nicht da, die Einzelnen, die es gab, saßen in den zentralen Institutionen. Der Kreis der 20jährigen, der aus den Bünden kam, war klein; Menschen aus anderen Kreisen kamen nur selten in Frage. Ueberall war die entscheidende Frage: Was können wir den Gemeinden gegenüber tun? Wir sind zu schwach, um sie zu erobern, und sind doch auf sie angewiesen! Allmählich stockte der erste Schwung, die Arbeit ging nicht recht vorwärts. Aehnlich ging es an anderen Stellen, wo derselbe Versuch unternommen wurde. Eine verlorene Chance Da ergab sich noch einmal eine außerordentliche Chance: wie Legalisierung des Reichsausschusses durch die Reichsjugendführung, die erste Bestätigung einer judischen Spitzenorganisation durch eine zentrale Institution des neuen Staates. Hier entstand eine Möglichkeit, mit einer Autorität aufzutreten, wie sie keine andere Spitzenorganisation des deutschen Judentums hatte. Hier ergab sich die Möglichkeit, die ganze jüdische Jugend geschlossen in dem Kampf um den Neubau des deutschen Judentums einzusetzen. Die Wirklichkeit war anders. Monatelang wurde um Führcrplätze und Formulierungen gefeilscht, monatelang kamen Tag um Tag Rufe aus der Provinz, was der Reichsausschuß tue, daß man auf das erlösende Wort zur gemeinsamen Arbeit warte, für das nur der ReichsausschuB die Autorität habe. Das Wort kam nicht, weil man sich monatelang in Berlin weder organisatorisch noch inhaltlich aut die Grundlinien der Arbeit einigen konnte. In dieser Zeit fielen im Grunde die Entscheidungen. Das Reich verlernte, auf Berlin zu hören, die ältere Generation DAS HALTENDE Ein Wort an die jüdische .fugend Deutschlands .Worauf kommt es für uns heute en?* fragt einer. Und einer antwortet: »Auf Haltung". Aber was Ist damit gesagt? Kann man eine Haltung annehmen, ohne sie eben dadurch zu verfehlen? Ist eine angenommene, nichf von selber gewordene, Haltung nicht unwirklich? Verrat sie Ihre Unwlrkliebkelt nicht durch Ihre augenscheinliche Gewollthelt, ihre-Gezwungenheit? Haltung mufj von selber geworden sein, um wirklich zu sein. Aber wie wird Haltung? Unter welchen Umstanden wird sie? Wann hat ein Mensch Haltung, ohne sie angenommen zu haben? Haltunp hat, wer Halt hat. Wer auf einem so unerschütterlichen Grunde steht, da6 dessen Unerschütterlichkeit sich Ihm bis In Herz und Rückenmark mitteilt und all seinen Gliedern, Organen, bewegenden Kräften den einigen Zusammenhalt verleiht, der braucht In den Weebselffilien, die sein Gleichgewicht bedrohen, sich nicht erst auf Haltung zu besinnen: sie ergibt sich, sie stellt sich ein, sie Ist da. Aber kann man sich denn einen Halt geben? Gilt nicht für Ihn erst recht, was für die Haltung gilt? Mufc nicht ein Halt, den Ich selbst hergestellt habe, trügen? Wie könnte das mir die Urgewlfeheit des Nicht-erschüttert-werden-könnens einflö&en, was von mir gemacht worden Ist? In der Tat, man kann sich nicht selber halten. Aber man kann sich halfen lassen. Wenn da nfimllch ein Haltendes Ist, das einen halten will. Man kann sich den Halt nicht geben, aber man kann Ihn sich geben lassen. Wenn da nfimllch ein unerschütterlicher Grund Ist, der nur wartet, da» Ich mich auf ihn stelle. Es ist nur not, da6 Ich mich auf Ihn stelle, daß ich mich von Ihm halten lasse, — das nimmt er mir nicht ab. Der Grund Ist da. Das Haltende Ist da. Ist es das Judentum"? - Ein Tum unfer Tümern? Das Ist noch zu wenig. Es kann nur Jenes UrJudentum sein, das eben In Wahrheit kein Tum Ist, sondern Israel. Nein, noch nicht tragend genug) Es können nur die »Machte" (Genesis 20, 13) sein, die Israel aus den Tümem hervorholten und In sein Geschick schickten. Ihnen vertraut euch an! Sie halten, wer sich von Ihnen halten 186t. Martin Buber wurde mit ihrer Spitzenorganisation eher fertig als die tilgend, mit der Gründung des deutschjüdischen Einheitsundes konsolidierte sich die Gruppe, deren aktiver Kampf der „gesamtjüdischen" Linie der Reichsausschuß-Mehrheit galt. Mit dem Tod von Ludwig Tietz. fiel die zentrale Person dieser gesamtjüdischen Haltung, die zentrale Person des Reichsausschusses überhaupt. Abbau der Funktionen Die weitere Entwicklung geschah zwangsläufig. Die neue Führung des Rcichsausschusses ging von der richtigen Erkenntnis aus, daß der Kampf der Mittelgruppe um die Führung vergeblich gewesen sei, und beschränkte sich im wesentlichen darauf, „ehrlicher Makler" zu sein. Die Aufgabe der Berufs um Schichtung übernahmen nunmehr völlig „Hechaluz." und Zentralstellen, der Einfluß des Rcichsausschusses wurde ausgeschaltet. Die Uebernahme von kultureller Arbeit in größerem Umfang wurde verhindert. Die Landesausschüsse wurden als Vertretungskörperschaften der verschiedenen Richtungen aufgebaut, so daß sie praktisch bedeutungslos wurden, bis auf wenige Verwaltungsfunktionen. Der Landesausschuß Berlin, der naturgemäß die größten Aufgaben hat, ist bis heute nicht gegründet. Der ReichsausschuB ist heute ein mehr oder weniger gut funktionierendes Büro. Daran können auch einige nützliche Dinge nichts ändern, die er erreicht hat, wie der Aufbau eines Herbergsnetzes für die wandernde Jugend usw. Und die Zukunft? Was geht uns dann heute noch der Reichsausschuß an? Das liegt in seinen potentiellen Möglichkeiten. Gerade heute, wo die Fronten zwischen den einzelnen Richtungen vielfach erstarrt sind, ist die Möglichkeit zur Begegnung, zur offenen Aussprache von hohem Wert. Die Menschen der einzelnen Richtungen leben vielfach so isoliert voneinander, daß nicht einmal das Wort von der anderen Seite sie mehr erreicht. Und die Grundfragen unseres jüdischen Seins, unseres Seins in dieser Zeit sind nicht beantwortet. Heute haben die einzelnen Richtungen das Bestreben, sich zu einer organisatorischen und weltanschaulichen Totalität abzurunden, aber jede andere als politische Fühlungnahme mit der anderen Richtung zu vermeiden. Die zionistische Jugendbewegung weiß, daß dieser Weg nicht richtig ist. Sie will die Begegnung mit den Menschen der anderen Seite, weil sie daran glaubt, daß die Grundfragen dieselben sind. Die Führcrschulutigswoche in Lehnitz hat gezeigt, daß die Möglichkeit dazu noch besteht. Wer Verantwortung für das deutsche Judentum spürt, kann nicht wollen, daß es in Teile zerfällt, die geistig isoliert voneinander leben. Es gibt viele praktische Aufgaben, die gemeinsam zu tun sind. Ernst S t i 11 m a n n Einigendes und Trennendes Alle weltanschaulich so verschiedenen Gruppen, die sich im Reichsausschuß zusammengefunden haben, sind von der Erkenntnis durchdrungen, daß die heutige jüdische Jugend in Deutschland eine U c b c r g a n g s - (i e n e r a t i o n ist. Aufgewachsen in einer versinkenden Welt, hineinwachsend in eine ungewisse Zukunft sucht diese Jugend nach neuen Wegen, Ausdrucksformen und Zielen. Aus dieser Erkenntnis resultieren zahlreiche Ueberlegungen. Vor allem weiß man, daß es mit der bisherigen B e r u f s s c Iii c h t u n g nicht so bleiben kann. Man spürt ferner, daß es gilt, die Welt des Judentums wieder zu erringen. Man hat erkannt, daß der Entjtidungs-Prozcß die Jugend an den Rand des Judentums geführt hat, und sucht auf allen Wegen wieder zurückzukehren. Die Parole; „Hinein ins Judentum'' ist Allgemeingut geworden. Die Stellung zur deutschen Umwelt und zur deutschen Kultur bedarf einer Klärimg. Die Bedeutung E r e z Israels wird auch von denen anerkannt, die noch vor kurzer Zeit weit entfernt waren, dieses Land in das Gesichtsfeld ihrer Jugendarbeit einzubeziehen. Die Fruchtbarkeit der Auseinandersetzungen int Reichsausschuß liegt darin begründet, daß die Organisationen und die Blinde der jüdischen Jugend an die Probleme ohne die „offiziellen" Richtlinien und Programme der ihnen verwandten Organisationen des_ deutschen Judentums herangehen können. Es wird auch in Zukunft wichtig bleiben, den Einfluß der Svndici und Organisations-Chefs auszuschalten. Die Gefahren sind nicht klein. Nachdem man im .sogenannten „deutsch-jüdischen" Lager die Aussichtslosigkeit einer Berufe Umschichtung ohne Palästina erkannt hat, versucht man neue Ideologien um den Kaufmannsberuf zu schaffen. Man übernimmt ferner Schöpfungen des Zionismus, wie die des Oneg Schabbat, und macht sie für sich zurecht Man erkennt die Bedeutung von Erez Israel und versuch! gleichzeitig, den Aufbau unter der Rubrik „Galuth" einzuordnen. Die zionistischen Gruppen im Reichsausschuß erhoffen vom Jugendtag eine ernste und verantwortliche Stellungnahme der nicht-zionistischen Bünde und Gruppen zu diesen Problemen. Nur wenn es gelingt, diese Jugend selbst sprechen zu lassen, kann Fruchtbares von einer Auseinandersetzung erwartet werden. Die Meinungen der Führer und Funktionäre kennen wir. Es bedarf keiner Programmreden, es muß möglich sein, unvoreingenommen und mit aller Verantwortlichkeit noch einmal die Lage der jüdischen Jugend zu diskutieren, Kenntnisse zu erweitern und sich vor Erkenntnissen nicht zu fürchten. Der Reichsausschuß ist die einzige Stelle, auf der zionistische und nicht-zionistische Jugend zusammentrifft. Hieraus könnte Wertvolles erwachsen. In einem jugendlichen Gremium kommt es nicht darauf an, Ausgleiche zu schaffen und Kompromisse zu sch'ießcn. Hier muß durch Aussprache und Zusammenarbeit Neues geschaffen, Falsches als falsch erkannt und Echtes vom Unechten geschieden werden. Uns alle im Reichsausschuß eint die Sorge um die jüdische Jugend in Deutschland; uns trennen die Vorstellungen von ihrer Zukunft. Dr. Hans Friedenthal Und die „Provinz" —? Der Reichsausschuß mit seinen Landesausschussen und Ortsringen will mehr sein als eine Stelle, die einmal im Jahr bei irgendwelchen Schwierigkeiten um Hilfe angerufen wird. Diese Tätigkeit und auch andere Verwaltungsaufgaben könnten vielleicht der zentrale n Stelle in Berlin eine Existenzberechtigung geben, aber wozu bestehen dann die Lande sausschüsse und Orts ringe? Es sollte eine Zusammenarbeit der Jugendbünde ermöglicht werden. Mau ging von der Auffassung aus, daß die jüdische Jugend in Deutschland, die als solche vor schwere Schicksalsfragen gestellt ist, zu einer gemeinsamen Aktion kommen, zum mindesten aber versuchen soll, sich zu einer ständigen Aussprache zusammenzufinden. Nicht einmal dieses Minimalprogramm ist bisher durchgeführt worden. Mag sein, daß in der Zentrale eine Zusammenarbeit und geistige Auseinandersetzung zustande kam, in der Provinz kann von all dem keine Rede sein. Im Gegenteil, die nichtzionistischen Gruppen meiden eine wirkliche Auseinandersetzung; nicht selten hören wir von Vertretern des BDJJ. und des RJF., sie seien an einer Auseinandersetzung über die Fragen der jüdischen Jugend gar nicht interessiert. An einer praktischen Zusammenarbeit scheint man oft erst recht nicht interessiert zu sein. Bei der nichtzionistischen Jugend in der Provinz besteht dieselbe Tendenz wie bei den Erwachsenen-Institutionen, nämlich das ungeheure Wachstum der zionistischen Jugend in den letzten Jahren und die Wandlung in der jüdischen Welt zu übersehen und nicht anzuerkennen. Aus dieser Tendenz heraus mag man sich erklären, daß die Gründung von Ortsringen des Rcichsausschusses von nichtzionistischer Jugend nicht immer gern gesehen wird. Der Reichsausschuß könnte eine Wirksamkeit in der Provinz entfalten. Er könnte dafür sorgen, daß die Jugend ihre Fronten nicht in derselben Weise verhärtet und sich gegeneinander abschließt wie die Erwachsenen, aber bisher hat er diese Aufgabe nicht erfüllt. Schau! Weinberg, Köln