Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 13 (12.2.1935)
- Date
- 1935-02-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 13, 12. II. 1935 als Jude, und sein Traditionsgefühl betonte dabei ganz besonders das Alter dieses Volkes, die Größe seiner Geschichte, die Reinheit seines Blutes, die ihm wie eine Art A d e I vorkam. Am Kampf mit der Umwelt, die ihm die Krone des Ruhnies erst nach langen Mühen und immer mit einem gewissen Zögern reichte, war er groß geworden, hatte er seinen Charakter gestählt, der wohl gerade dadurch einen Zusatz von Schärfe, von Aggressivität empfing. Liebermann war ein großer Leser, und Goethe bedeutete ihm gewiß eine der nie versiegenden Quellen, aus denen er Belehrung schöpfte. Aber auch die Bibel gehörte zu den immer wieder hervorgeholten Büchern, und er konnte gesprächsweise die Worte sagen: „Im Alten Testament finde ich alles, was ich brauche. Die fünf Bücher Mosis, die Psalmen und das andere alles. Das Alte ist mit dem Neuen Testament nicht zu vergleichen, ebensowenig wie man Sophokles oder Euripides mit Shakespeare oder Schiller vergleichen kann. Aber der Künstler findet im Alten Testament mehr Stoffe als im Neuen, weil jenes mehr erzählend, dieses philosophischer ist. Rcmbrandt zeichnete zehn Sujets uns dem Neuen, aber hundert aus dem Alten Testament." Liebermann selbst hat sich von der Bibel nur selten zu Kunstwerken inspirieren lassen: doch hat er das leidenschaftliche Thema von Simson und Delila gemalt, hat er das Buch Ruth mit Steindrucken begleitet, die Geschichte von Tobias illustriert. Wer in den letzlcn Zeiten sein Atelier besuchte, der sah dort eine Geistliche, darauf die Rückkehr des Tobias ins Elternhaus zu sehen war, ein ungemein reizvolles Werk, das Höchstes %ersprach. Ich fragte ihn, ob diese Rückkehr lies Tobias mit seinem eigenen Erleben zu tun haln:, denn sicherlich hatten die Ereignisse den jüdischen Gehalt seines Wesens verstärkt. Er leugnete, meinte, daß er sich von äußeren Anlässen in seiner Kunst niemals habe leiun lassen; aber ich hatte doch das Gefühl, daß er nicht zugeben wollte, was ihn zutiefst bewegte. Denn gleichdarauf sprach er mit einer vorher nie gehörten Erregung von dem Zukunftswillen der Juden in Palästina, den es auf jede Weise zu fördern gelte. l'eberhaupt war ja Liebennann bei aller Redefreudigkeit eine merkwürdig verschlossene Natur. Er erzählte gern eine Anekdote, warf eine sarkastische Bemerkung hin, aber fast niemals sprach er von seinem innersten Erleben. Um so rührender war es mir bei einem Besuch im vergangenen Sommer in Wannsee, als er auf einen Kaktus zeigte, dessen Stacheln und seidige Behaarung sich höchst kunstvoll zu einer Kugel zusammenfügten, und dazu die Worte sprach: „Wer das sieht und nicht an Gort glaubt, der ist ein Esel." — — „Ich glaube an ihn", fügte er nach einer kurzen Weile mit leiser Stimme hinzu, und seine Augen bekamen einen ungewohnt warmen Glanz. Im täglichen Umgang kam diese religiöse Seite nur ganz selten zum Vorschein. Hier war er der Realist auch im Leben, der die Dinge mit raschen Zügen skizzierte, die Alenschen mit knappen Strichen umriß, ganz so wie seine Porträts sie mit schnellem Pinsel erfaßten. Diese rege und wache Schilderungsgabe blieb ihm bis in sein hohes Alter erhalten, und man spürte an seiner schmalen Gestalt, mehr noch an den immer schärfer werdenden Zügen seines Gesichtes eine dauernde Konzentration, die sich kaum eine Entspanntheit gönnte, als fürchte sie, dabei zu yerschmelzen. Vielleicht ist es darum, daß sein Werk gerade im Alter nicht in jene mystischen Tiefen hinabreichte, die den Spätwerken unserer Größten, eines Donatello, eines Tizian, eines Rcmbrandt, beschieden sind. Seine Kunst, als sie einmal im Impressionismus den Gipfel erreicht hatte, verblieb in dieser Richtung, ohne sich von ihr zu entfernen. Alier andererseits gelang es ihm dadurch auch, seine Werke auf steter Hohe zu halten, und Bilder wie das des Chirurgen Sauerbruch oder des Reichspräsidenten von Hindenburg, die erst vor einigen Jahren entstanden, konnten alle Kraft seiner besten Jahre behaupten. Es gibt in seinem Werk Arbeiten, die nur so nebenher iauien, und von denen er einmal witzig und bescheiden sagte: dazu seien die Kunsthistoriker da, um ihm später einmal die schlechten Bilder abzusprechen. Seine starken 1 eistungen aber werden bleiben und von Jahr zu Jahr immer klassischer werden. Eben weil er seine Zeit kannte und ausschöpfte, wird er sie überleben. Denn alles, was groß ist in der Kunst, ist zwar an die Zeit gebunden, ragt aber über alle Zeiten hinaus. Repräsentant der Epoche Die Beerdigung Max Liebermann war gewiß eine repräsentative Figur des Jahrhunderts, sowohl in künstlerischer Beziehung als auch in seiner Eigenschaft als vollkommenste Verkörperung einer eigenartigen, für diese Zeit charakteristischen kulturellen Synthese, die die ganze Problematik der deutsch-jüdischen Existenz in sich schloß. Er ist in der liberalen Aera aufgewachsen, im Schöße eines wohlhabenden und kultivierten jüdischen Bürgerhauses, er ist ein Exponent der deutschjüdischen Bourgeoisie der Jahrhundertwende geblieben. Aber Liebermann müßte nicht ein so großer Mann gewesen sein, wenn er nicht auch über das Denken und Fühlen dieser Schichten herausgewachsen wäre. Er ist mit der Stadt Berlin, ja mit „Preußen" eng und organisch verbunden; nicht nur Hebte er Berlin, sondern er war auch ein Ur-Berliner, in seinem Wesen, seiner Sprache, in einer bestimmten Art, sich zu geben. Trotzdem gehörte er nie ganz und unbefangen dazu, er wurde von Anfang an instinktiv auch als fremdes Element empfunden, und je nach der Einstellung des Betrachters hat man ihm das Deutschtum entweder abgesprochen oder aber besonders aufdringlich zuerkannt, gewissermaßen, um Zweifeln und Einwänden zuvorzukommen. Jedenfalls war zeitlebens das Bewußtsein vorhanden, daß etwas nicht ganz stimmt. Man hat dann die „spezifisch-jüdischen" Eigenschaften bei ihm entdeckt, vor allem das „Vorherrschen des Intellekts" auf Kosten der Sinne und des Gemüts. Bei den Analysen seines Wesens stieß man auf das Jüdische auch bereits in einer Zeit, die der Erörterung des Jüdischen gern aus dem Wege ging. Auch Liebermann legte diesen Dingen niemals große Bedeutung bei. (Schon anfangs der achtziger Jahre harte er sich gelegentlich des Bildes „Christus im Tempel" gegen antisemitische Angriffe zu verteidigen.) Er verband mit seinem Berliner Sarkasmus ein gut Teil „jüdischer" Selbstironie. Die ungeheure Zahl von Liebermann-Anekdoten, die überall kursieren, haben häufig eine jüdische Note. Liebermann hat sein Judentum nie verleugnet, aber in seiner positiven Bedeutung ist es ihm wohl erst in der Altersreife ins Bewußtsein getreten. Wie stark ihn die Umwelt als Juden empfand, beweisen die bekannten Verse, die Richard Dehmel in seinem Versbuch „Zwei Menschen" ihm gewidmet hat. Dehmel läßt dort seinen Helden sprechen: „Er ist mir doch zu gottvoll zum Hasse, Ein so urdeutscher Menschheitstyrann, Daß nur der Vollblutjude Liebermann Ihn malen könnte, so schön voll Rasse." In Liebermann hat die deutsch-jüdische Symbiose der liberalen Aera zweifellos eine ihrer kostbarsten Blüten gezeitigt. Die gegenseitige Befruchtung "der beiden Wesens- Die Beerdigung Max Liebermanns fand am Montag mittag unter großer Beteiligung auf dem alten Friedhof in der Schönhauser Allee statt. Man bemerkte unter den Trauergästen eine große Anzahl prominenter Persönlichkeiten, die dem Verstorbeneu das letzte Geleit gaben. Als Vertreter der Berliner Jüdischen Gemeinde war Direktor Heinrich Stahl anwesend. Rabbiner Dr. Warschauer hielt die Gedächtnisrede, in der er versuchte, die Eigenschaften nachzufühlen, die das Werk Liebermanns ermöglicht haben. Er sprach insbesondere von der Gnade des Sehens, die dem Künstler zuteil geworden sei und die ihm damit die Welt in einer ganz eigenen Form zueigen gemacht habe. Er höh hervor, daß sich in dem Werk Licbermanus Deutschtum und Judentum zu einer glücklichen Einheit verschmolzen habe, und daß sein Werk für alle Zeiten unvergänglich bleiben wird. Es sprach ferner Karl S c h e f f 1 e r, der mit ergreifenden Worten den Verlust schilderte, den die deutsche Kunst durch den Tod Max Liebermanns erfahren hat. Mit dem Tod Liebermanns werde eine ganze Epoche zu Grabe getragen. Darauf bewegte sich der Leichenzug in feierlicher Form nach dem Frbhrarähnic Her Familie Liebermann. demente Liebcrmanns gestaltete sich hier zu schöpferischer Wirksamkeit, zeigte aber zugleich auch deutlich und unverkennbar ihre immanenten Grenzen. So ist die Figur Liebcrmanns nicht dazu angetan, in dieser oder jener Hinsicht als typisch ausgewertet zu werden. Es ist eine einmalige Erscheinung, die einer einmaligen Zeitepoche angehört. Auch wir, die die Existenz und Zukunft des Judentums uns anders denken als es das deutsch-jüdische bürgerliche Milieu der liberalen Aera tat, vermögen einer Gestalt wie Liebermann Gerechtigkeit angedeihen zu lassen. Wir bewundern ihn als Künstler, wir verehren ihn aber auch als Menschen und Juden, und wir freuen uns, daß er selbst am Ende seines reichen Lebens, in voller Frische und biblischer Altersweisheit noch aus der Ferne einen wohlwollenden Blick werfen konnte au! die jüdische Jugend, die andere Wege geht und ein anderes Leben sucht. Liebermamt hat seit je für jüdische Dinge Interesse gehabt Er gehörte schon vor dem Kriege dem Ehrenvorstand des Vereins „Bezaliel" (Kunstschule in Jerusalem) an. Auch sonst hat er sich an jüdischen Wohlfahrtsbestrebungen gelegentlich beteiligt und in den letzten Jahren hat er auch, wie zahlreiche an verschiedenen Stellen uns überlieferte Gespräche beweisen, sich eingehender mit der Judenfrage beschäftigt. Große Sympathie hatte er für die Bestrebungen der „Jugend- Alijah", deren Freundeskreis er angehörte. Die deutsche Presse hat von seinem Hinscheiden mit Zurückhaltung Kenntnis genommen. Wenn man bedenkt, daß Liebcrmann noch vor einigm Jahren als Präsident der Akademie der Künste in höchstem Ansehen stand, so kann man ermessen, was es bedeutet, daß die meisten Zeitungen erst auf der 4. oder 8. Seite (oder gar nicht) der Tatsache seines Ablebens gedenken. Bei den positiven Wertungen, die ihm hier und da noch zuteil werden, wird freilich die Tatsache seines Judeseins nicht erwähnt. Andere kurze Nachrufe heben nachdrücklich hervor, daß er einer vergangenen Epoche angehörte und „technisch Bedeutendes" schuf oder, wie es die „B. Z. am Mittag" in einem kurzen Nachruf an versteckter Stelle zusammenfaßt: „Eigentliche Meisterwerke zwischen fragwürdigerer Produktion fehlen bei ihm." Eine Darstellung von Liebermanns Leben und Werk ist enthalten in dem „Liebermann-Buch" von Hans Ostwald, Verlag Paul Franke, Berlin, 1930. Die erste öffentliche Trauerkundgebunq für Liebermann geschah bei der Qneg-Schabbat-Feier innerhalb der Palästina-Woche der Berliner Zionistischen Vereinifung in der Berliner Singakademie am Sonnabendabend, wo er Redner, Dr. Prinz, die Gelegenheit ergriff, des Dahingeschiedenen zu gedenken. (Wir berichten darüber an anderer Stelle.) Eine Selbstbiographie aus dem Jahr 1906 Im Jahre 1906 schrieb Liebermann nachstehende Darstellung seiner Jagend, die für sein Wesen aufschlußreich ist. De Lagarde, der eigentlich Böttcher hieß, der später berühmt gewordene Verfasser der „Deutschen Schriften", der mein Lehrer in der Sekunda war, behauptete, daß ich nach dem Schnitt meiner Augenbrauen von den assyrischen Königen abstamme. Ich weiß nur, daß mein Großvater und Vater Kattunfabrikanten in Berlin waren. In einem Aufsatz über die Familie Liebermann, der Mitte der 60er Jahre in der „Gartenlaube" erschienen war, wurde auch das stadtkundig gewordene Wort zitiert, das mein Großvater in einer Audienz gegenüber dem König Friedrich Wilhelm IV. geäußert hatte: „Majestät, ich bin derjenige, welcher die Engländer vom Festlande vertrieben hat, nämlich in der Kattunbranche." Mein Großvater mütterlicherseits hieß Haller und war Juwelier und Mitinhaber der Firma Hallcr 8t Rathenau. Der Bruder meines Großvaters siedelte sich in Hamburg an und trat zum Christentum über. Sein Sohn war der berühmte Bürgermeister, dem Mamburg sehr viel, sogar 1866 seine Unabhängigkeit zu verdanken hatte. Da ich 1847 geboren wurde, ist es nicht zu verwundern, daß meine politischen und sozialen Lebensanschauungen die eines Achtundvierzigers waren und geblieben sind. Obgleich ich oft genug vom Gegenteil überzeugt wurde, bilde ich es mir noch immer ein — daß, wie es in der Verfassung heißt, alle Preußen vor dem Gesetze als Staatsbürger gleich sind. Ich bin in meinen Lebensgewohnheiten der vollkommenste Bourgeois: ich esse, trinke, schlafe, gehe spazieren und arbeite mit der Regelmäßigkeit einer Turmuhr. Ich wohne am Pariser Platz in dem Hause meiner Eltern, wo ich meine Kindheit verlebt habe und es mir sehr schwer fallen würde, wenn ich woanders wohnen sollte. Auch ziehe ich Berlin als dauernden Wohnsitz jeder anderen Stadt vor. Ich absolvierte das Friedrich-Werdersche Gymnasium. Das Abiturientenexamen bestand ich freilich nur mit Ach und Krach, da ich in Mathematik „ungenügend" bekam. Die realen Wissenschaften waren und sind mir ein Buch mit sieben Siegeln geblieben, und ich konnte mich nur mit größter Mühe an die Vorstellung gewöhnen, daß die Erde sich drehe. Auch wurde ich als Junge geneckt, weil ich gesagt hatte, daß der Mond in der Leipziger Straße (wo ich ihn eines Abends beim Spazierengehen als riesige Scheibe erblickt hatte), am größten sei. In wissenschaftlichen Dingen verstehe ich nur die demonstratio ad oculos. Ueberhaupt beschäftige ich mich viel lieber als mit spekulativen Dingen mit manuellen. Auf den Fabriken meines Vaters in Schlesien, wo wir alljährlich die großen Sommerferien verlebten, hatte es mir die Modelltischlerei besonders angetan, so daß mir in einer Bodenkammer unseres Berliner Hauses eine vollständige Tischlerwerkstatt cingerichtel wurde. Auch jetzt noch habe ich Handwerkszeug im Atelier. Natürlich habe ich von Jugend an gezeichnet, und zwar, was ich sah. Fünfzehnjährig, mit dem Keifezeugnis zum Einjährig-Fieiwilligen Dienst, wollte ich Maler werden, wie ich glaube, hauptsächlich, um der Schule zu entwischen. Mein Vater aber bestand bei uns drei Brüdern (Georg, Bankier und langjähriger Berliner Stadtverordneter, Felix hervorragender Historiker), darauf, daß wir das Abiturientenexamen machen müßten, bevor wir uns für einen Beruf entschieden, bei mir wohl mit dem ganz natürlichen Nebengedanken, daß ich, einmal dem Gymnasium entronnen, das mir ein Greuel war und noch heute mein schwerster Traum ist, auf der Universität im Besitz der akademischen Freiheit bald von selbst den Plan, Maler zu werden, aufgeben würde. Inzwischen sollte ich bei Steffeck, der damals in Berlin als Lehrer sehr renommiert war und der meine Zeichnungen gesehen und anerkannt hatte, am Mittwoch und Sonnabend Nachmittag zeichnen. Ich ging also in sein Atelier; aber es, ist wohl selbstverständlich, dau ein Fünfzehnjähriger lieber mit den weiblichen Modellen herumschäkert, als sie abzeichnet. Als Primaner verging mir vor lauter Schularbeiten die Lust zu zeichnen, wenigstens bei Steffeck, der von uns weitab neben dem damaligen Kammcrgericht in der Hollmannstraße wohnte. Endlich hatte ich das Abiturientenexamen bestanden und wurde auf der Berliner Universität immatrikuliert, aber ich belegte nicht einmal ein Colleg. Als ich eines Morgens im Tiergarten meinen Frühritt machte, traf ich Steffeck, der ebenfalls vor der Arbeit seinen Gaul stil- und sportsmäßig tummelte. Er forderte mich auf, in sein Atelier zu kommen und ihm beim Malen eines Pferdes, das er zu porträtieren hatte, zu helfen. Zum erstenmal nahm ich Pinsel und Palette in die Hand. Der Versuch fiel nach Steffecks Ansicht ganz günstig aus, und — ich war Maler geworden. Palästinafragfeii im Unterhaus London, 6. Februar. (JTA.) Im Unterhaus fragte am 6. Februar der Abgeordnete Colonel Josiah C. Wede wood den Minister für die Kolonien Sir Philip Cunliffe-Lister, ob es richtig sei, daß in Jerusalem ein ATaber zum Bürgermeister ernannt wurde und warum dies, falls es zutreffe, geschehen sei, da doch die Bevölkerungsmehrheit der Stadt jüdisch sei. Der Minister antwortete: „Zum Bürgermeister der Stadtverwaltung von Jerusalem wurde ein Araber, Dr. Hussein f akri Effendi el K h a 1 d i, ernannt. Das Gesetz gibt dem High Commissioner unbeschränkte Vollmacht zur Auswahl irgendeines Stadtverordneten für die Ernennung zum Bürgermeister, und ich habe vollkommenes Vertrauen zu seiner Beurteilung." Der Abgeordnete Wedgwood richtete an den Minister weiter die Frage, ob über den Vorschlag, A c h i - M e i r seine palästinensische Bürgerschaft abzuerkennen und ihn des Landes zu verweisen, bereits eine Entscheidung getroffen worden sei; falls dies geschehen sei, warum und welcher Präzedenzfall es für ein solches Vorgehen in Großbritannien oder in den Kolonien gebe. Sir Philip Cunliffe-Lister antwortete: „Ein solcher Vorschlag wurde mir noch nicht zur Genehmigung vorgelegt. Bezüglich des dritten Teils der Frage möchte ich bemerken, daß in den Kolonien unter gewissen Umständen die Möglichkeit zur Einziehung von britischen Naturalisations-Ausweisen unter Voraussetzung der Zustimmung des Kolonienministers besteht: z.B. in dem Fall, wenn der Inhaber des Naturalisations-Ausweises Abneigung oder Illoyalität gegenüber Sr. Majestät bewiesen hat oder in den ersten fünt Jahren nach der Erteilung des Ausweises von irgendeinem Gericht innerhalb der Dominions zu einer mindestens zwölfmonatigen Gefängnisstrafe, zu Strafarbeit oder zu einer Geldstrafe von mindester» 10Q Pfund verurteilt worden ist." Der südafrikanische Antisemiten - Porzefl London, 4. Februar. (JTA.) Der Vorsitzende des Board of Deputies of British Jews, Neville Laski, teilt mit, er habe soeben aus Johannesburg die Nachricht erhalten, daß Harry I n c h, einer der drei Angeklagten, die in dem Grahamstowner Prozeß um die „Protokolle der Weisen von Zion" zu hohen Geldstrafen verurteilt wurden, eine Gefängnisstrafe von 6«/* Jahren erhalten hat. Gegen ihn und mehrere Komplicen sind noch einige Strafsachen anhängig. Ilauptschriftlciter: Dr. Robert W e 111 c h. Berlin-Chariottenburg *• Stellvertreter: Kurt Loewenttein, Berlin W 16. Anieigenleiterin und Terantwortlieh für den Anzeigenteil: Helene Chanciner, Berlin N 84, Verlag und Anieigenverwaltung: Jüdische Rundschau. Berlin W 15, Meinelcestr. 10. D.-A. Januar 33 444. — Druck: Siegfried Scholem, Berlin-Schöne berg.