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Jüdische Rundschau · 1935-02-12 · Heft 13 (12.2.1935) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 13 (12.2.1935)
Date
1935-02-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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<"iw- ♦wrc«WvMI'1Nr,'*,S* ■ *" i ^^S^^^^^^i^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ ~) < 7 t I I / i- Nr. 131/ Jahrgang 40 Preis 25 Rpt JODISCHE RUNDSCHAU fchrlftlaltnng.Varlag n. Anzelgenverweltung i Berlin Wll, Netnekeirbr.lS Fermrui: S.mmtl-Nr.JI Bismarck 3181/82,7165/70,7240/42. ~ Bezugspreis jeMotwt UM je Vierteljahr RM 5,75. - Postscheck-Konten der Vertrieb» -Abuflnng: Berlin 71573 (für GroB Berlin), Berlin 17392 (für des übrige Reich). AuiUnd» fcerng ia Jeweiliger Landeswährung - Endaalai Jeden Dieutaf nnd Freitag. BERLIN n*snn'« yik 'to DIENSTAG, 12. FEBRUAR 1935 Anxeifenprelsllate Mr. 2 jr«ltlg. Die 12ge*p. ram-Zeile 20 Rpi, Kr Steuenge*> 10 Rpi, für Famitiennach richten 15 Rpf- Einzelanzeigen nur gegen Vbrausiahrang MB Schalter oder auf Postscheck- Konto Berlin 71618 Montag, bis Donnerstag 9-0 Uli«, Freitag 9-15 Uhr. Annihmeschluß für die Dienstag-Ausgabe Montag 10 Uhr, iftf die Freitag-Ausgabe Mittwoch 13 Uhr (Familieoanzeigen bis Donnerstag 10 Uhr) Dar Zionismus erstrebt für das indische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Helmstatte In Palästina. (Baseler Programm) Max Liebermann Professor Max Liebermann ist am 8. d. M. abends im 88. Lebensjahr gestorben und am 11. d. M. auf dem Jüdischen Friedhof Schönhauser Allee bestattet worden. Der Künstler und Jude Von Prof. Dr. Franz Landsberger Max Liebermann ist gestorben, einst der Führer der Berliner Sezession, der Präsident der Preußischen Akademie der Künste, der Ehrendoktor der Berliner Universität, der Ehrenbürger der Stadt Berlin. Bei allen diesen Auszeichnungen war die Verehrung, die ihm gezollt wurde, nie unbestritten. Heute nennt man ihn den Vertreter einer „vergangenen Generation", auch wird er heute, schon wegen seines Judentums, von der maßgebenden öffentlichen Meinung als ein Außenseiter im Gebiet der deutschen Kunst empfunden. Was die erste dieser beiden Einschränkungen anlangt, so ist er in der Tat einer der stärksten Repräsentanten jenes Realismus, der, seit den Tagen der Renaissance emporwachsend, im 19. Jahrhundert seine letzte Reife und Vollendung empfangen hat Diese Vollendung geschah im Zeichen des Impressionismus, das heißt einer Malweise, die nicht, wie der ältere Realismus, die Gegenstände in objektiver Klarheit geduldig wiedergab, sondern sie in abkürzender, persönlich gefärbter, mit allen Reizen der Individualität ausgestatteter Weise dahinschrieb. Deutschland, das diese letzte Phase des europäischen Naturalismus nur zögernd durchlebte, hat in dieser Hinsicht von ihm starke Impulse erhalten, und eine Anzahl von Künstlern, ein Fritz von Uhde, ein Hans von Bartels, ein Konrad von Kardorff — um nur einige Namen zu nennen — sind ihm auf diesem Wege gefolgt. Aber andererseits ist zu sagen, daß das Leben, das ihm als darstellungswürdig erschien, nicht die Großstadt war, die den französischen Impressionisten so reizvolle Motive gab, sondern das Leben der Werkstatt, des Landes, der Scholle, überall da, wo arbeitende Menschen unter Mühsal ihr Dasein fristen. Seitdem er, ein 25jähriger, mit seinem Bilde der Gänserupferinnen den ersten Erfolg errang, gehörte seine Liebe dem Menschen der Arbeit: dem Schuster in der Werkstatt, den Flachszieherinnen in enger Kammer, den Rübenarbeitern auf herbstlichem Felde. Bisweilen hat er, wie in der „Frau mit den Ziegen" oder in den „Netzeflickerinnen", diese Menschen zu großen, den Horizont weit überragenden Gestalten gebildet und der Arbeit damit einen Adel verliehen, der der Kunst vergangener Zeiten noch fremd war. Selbst die Menschen des Amsterdamer Judenviertels malte er in der geschäftigen Tätigkeit eines Markttages, wenn die Lebensmittel auf den Karren aus den dunklen Gassen herausleuchten. Später, als ihn der Impressionismus gefangennahm, hat er die Freude am tätigen Menschen auch auf den Sport — den des Reiters, des Polo¬ oder Tennisspielers —-> erstreckt, und nur selten hat er, in einem idyllischen Zwischenspiel, die arbeitsmüden Männer eines Amsterdamer Altersheimgartens oder die herumstehenden rotgekleideten Mädchen eines Waisenhauses gemalt. Dabei hilft ihm die Farbe, meist auf wenige, Feto: Auedotad ft«i», BtrUn jC& ^^7 7%^/^^^ M ....../u*,/fc« ^Av /1*, /</4c+-*r j/ol*/ -t^f- S «TT « <^ >W-s<Vcv /i** >f*^^ 4*yfy*<+*tS&£ o4> *V/,Vv^ ^^IcJ^C u/ 4i+s ^lW/*»^ , j£ *Js/*J* ß>4~ft+ '^Vfi* $A^* f <W^f*<JfM*A* f«^- j/0 t/A* jfy, jJ?^6i»7» <z*Y^<**u/»*f *^ jlM++**^*x«A«fiA'tytu föu++6<* jSui«*^ i^^.^/u^ j*~^jU/4*, yU;«/<uis<*«~«4^ ^yL^fy. >^ .42j~#t£^t<«' Das obenstehende Zitat Ist einem Brief entnommen, den LJcbermann anläßlich der Aktion zugunsten einer Siedlung der „Werkleute", die in Palästina auf Keren Kajemeth-Boden durch den Kcren Hajessod errichtet werden soll, an einen Freund in Deutschland schrieb. Die von uns wiedergegebenc Briefstelle lautet: r>. Aus dem schönen Traum der Assimilation sind wir leider, leider! nur zu jäh aufgeweckt: Für die jüdische Jugend sehe ich keine Rettung als die Auswanderung nach Palästina, wo sie als freie Menschen aufwachsen kann und den Gefahren des Emlgrantentüms entgeht. Leider bin ich, der ich im 87. stehe, zu alt um auszuwandern, aber der heranwachsenden jüdischen Generation zu einem freien Dasein w verhelft«, »tfhtkrt mir die wünschenswerteste Hilfe." diskrete Klänge gestellt, den Ernst dieser Szenen betonen, und das Weben von Luft und Sonne, der rassige, schmale Strich seines Pinsels erhöhen noch die zuckende Lebendigkeit seiner Bilder. Auch seine Porträts bevorzugen den aktiven Mann, dessen Antlitz von der Arbeit des Tages geprägt ist, und diese Prägung nahm bei ihm, dem geistvollen Menschenbeohachtex, eine so zwingende Form an, daß man auf einer Anzahl von ihnen den Habitus und die Gestensprache einer ganzen Generation herauszulesen vermöchte. Kein Wunder, daß seine Porträtkunst von allen Seiten gesucht wurde und ebensowenig beim Industrieführer wie beim Dichter, Gelehrten oder Bühnenleiter versagte. Ueber seine „Artfremdheit" haben frühere Zeiten anders als heute gedacht Ohne zunächst die Frage, wie weit wir selbst den Künstler als jüdisch betrachten, hier zu erörtern, ist jedenfalls festzustellen, daß eine frühere Kunstkritik ihn mit Emphase als deutsch in Anspruch nahm. Wilhelm Bode hat ihn, in einem Aufsatz, den er zu Ehren des Sechzigjährigen erscheinen ließ, „einen der deutschesten Maler unter den lebenden Künstlern, mehr als er selbst weiß und zeigen will", genannt, und Karl Sehe ff ler, der eines der gescheitesten Bücher über Liebermann schrieb, hat zum Ausdruck gebracht, daß „seit Menzels und Leibis Tod kaum etwas Deutscheres in der Malerei geschaffen wordon ist als die Bilder Liebermanns". In der Tat sind seine Werke ohne Deutschland undenkbar, genauer gesagt: sie sind ein Zweig von jenem Baume des speziell norddeutschen Realismus, der mit den Tagen Chodowicckis anhebt und über Schadow, Krüger, Blechen, Menzel, Steffeck —; seinen ersten Lehrer — zu ihm selber geleitet. Neben den großen Holländern, den großen Franzosen hat er vor allem diese deutschen Meister geliebt und ihre Werke in seiner Wohnung versammelt, wie denn dieser Vorwärtsdränger überhaupt gern seine Herkunft, seine Traditionsgebundenheit betonte. Liebermann selbst fühlte sich jedenfalls als Deutscher und hing an Deutschland. Den Aufstieg des Deutschen Reiches hat er freudevoll miterlebt, seinen Weltkrieg mit anfeuernden Zeichnungen begleitet, dessen Ausgang aufs tiefste beklagt. Wenn wir nun als Juden uns fragen, inwieweit Liebermann als J u d e zu werten ist, so ist das eine offen zu sagen, daß er wie so viele den Traum der deutschen Assimilation nährte und darum jeder Absonderung fernstand. Als im vergangenen Jahre in London die Ausstellung deutsch-jüdischer Künstler veranstaltet wurde, hatten wir große Mühe, ihn zur Teilnahme daran zu bewegen; er wollte nicht als jüdischer Künstler im begrenzten Rahmen, sondern als Künstler schlechthin erscheinen, Liebermann gehört zu den deutschen Künstlern, die auch dem Ausland bekannt sind. Im Pariser Musee Luxembourg ist er nicht weniger vertreten als in der Londoner Täte Gallery, die zu ihren zwei Bildern erst vor kurzem ein drittes, kaum vollendetes Selbstbildnis gewann. Doch wäre es weit gefehlt, wollte man vermuten, daß Liebermann ein jüdisches Bewußtsein abging. In einem frommen jüdischen Hause erzogen, fühlte er sich zeitlebens m * vi

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