Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 12 (8.2.1935)
- Date
- 1935-02-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 12, 8. II. 1935 Franz Werfel: '(5. Fortsetzung) Der Weg der Verheißung In unserer letzten Veröffentlichung aus Franz Werfel« Bibelgpiel brachten wir den Schluß des zweiten Teils, Moses Tod. Der dritte Teil, mit dem wir unsere auszugsweise Wiedergabe des Dramas heute fortsetzen, behandelt in freier Gestaltung das Schicksal der Könige. Im Geschehen der Rahmenhandlung, mit der auch hier wieder der Akt beginnt, ist eine Art von Atempause eingetreten: e» ist mitten in der Nacht, und die mittelalterliche jüdische Gemeinde, die in der Synagoge eingeschlossen ist, darf sich einen Augenblick lang nicht mehr so gehetzt und gefährdet fühlen. Man öffnet ein wenig die Tür, ein jüdischer, junger Mensch huscht herein, ein fremdes Mädchen folgt ihm, und im Dialog der beiden ergibt sich eine Szene, die dem Buche Ruth entspricht, aus welchem der Rabbi nun vorliest: „Wo du hingehst, geh ich mit dir hin", sagt Ruth, und die Handlung in der Synagoge spielt schon in die idyllische Bibelszene hinüber, Boas wirbt um Ruth. Mittlerweile wird es Zeit, die Tür der Synagoge wieder zu schließen, der Morgen nahtj „wieder eingeschlossen und ausgeschlossen!" stöhnt der Reiche in der Synagoge, „warum können wir nicht sein wie die anderen Völker!" „Wie alle Völker" — das sind die biblischen Worte, die das Volk zu Samuel gesprochen hat und im weiteren Verlauf seiner Geschichte so häufig sprach. Die anderen Völker haben Könige, und auch das alte jüdische Volk — auf der Bibelbühne — dringt in Samuel, ihm einen König zu salben. Es folgt die Geschichte Sauls, dem der junge David zur Harfe singt. Davids Kampf mit dem Riesen Goliath, Sauls Haß gegen David, Sauls Gang zum Weib von Endor, Mit Davids Aufstieg und Sünde setzen wir die Wiedergabe des Bibelspiels fort. Copyright by Franz Werfel, M'»ea. (Nicbdruck »erboten) LESUNG DES R\MBI: „Und in der Sdiuitlit holten die Philister Sntil und seine Sühne ein •.. Sie «rschliigcn Jonalan und die Söhne Sauls ... Da nahm der König sein Sehwert und stürzte bieli daraul . .." Elim— Klänge der lltindharfo — Auf der Allarbühne leuchtet Davids Gestalt auf DAVID: Ihr Berge Gilboas, verdorret zum Dank*, Denn das Blut meiner Helden war euer Trank". Jnnataii, Sa.nl. im Leben vereint, Eueli trennte auch nicht, der tödliche Feind. Mein Bruder, mein Freund, mein zartes Vertraun, Deine Lieh war mir lieber als Liebe der Fraun... Die Harle entbleitet seiner Ilaiul — Dann Iwbt er den Kopf Und lauscht Ich höre fernes Sl immengewirr ... DER FROMME IM BETHAUS: Sie bringen dem König die Krone des Saul. DAVID: Ich höre 'donnernden Priestergesang . DER FROMME: Sie tragen die Lade zum heiligen Ort. DAVID: Ich höre Gehämmer. ,j DER FROMME: Sie rüsten den Sitz Des Königs in seiner eroberten Stadt, Der heiligen Stutlt... DAVID (fabelnd): Jeruschalajim! Die Altarbühne verlischt DIE GEMEINDE IM II ETI I AUS (überschwenglicher Ruf): Jeruschalajim! EINZELNE STIMMEN IN DER GEMEINDE: Oh, unsre Vaterstadt . . . Warum haben wir dich verloren ... Wir trauern um dich ... Wir sehnen uns ..« DER RABBI: An jenem Tage kamen wir im Festeszug in die Stadt,,. Wahrend die Er: e,/ mtg im Belhnm «.ich steigert, werden die Leiden Seiten^, /,.;,/[.',,>;e. der Miltelhühue hell. — Auf jedem der l'ade.ste i»/ neu je ein Turm cnichlet, der die Feste '/Ann vcr/utrititldlicltt die st::.:mi:n in der gemeinde: Seht sie, die Herrliche ... Das ist die Zionsfeste ... Unser war sie. unser ... lieht die Kinder hoch, damit sie die Stadl erblicken ... Dort der Oelberg, seilt ihr ihn nicht.' ... Das Tal des Kidron ... Das Feld unserer Toten ... Alles erkennen wir, alles ... Im nächsten Jahr in Jerusalem .. , DER DRF.iXKliN.lAitlllCE: Wie ich den König David liebe! ... Jetzt wird er den Tempel G'.'fe.s h.um! DER FROMME: Er durl ihn nie ht Latin, denn er wird sündigen... DER DRElZEiL'vl MülKIE / angstvoll): Sündige nicht, König Dmid, hör mich, sündige nicht... LESUNG DES RAIilil: ,,Und er lustwandelte auf dem Dache des Palastes. Da erblickte er «in badendes Weib von ferne und sah, daß es sehr schön war ..." Der Mitlehehaiiplaf:, der nun den großen Sani im kSnig~ liehen Paiaü vorstellt, leuchtet auf. — David gehl ungeduldig wartend hin und her. — Der Gefährte Davids tritt ein DER GEFÄHRTE: Deine Boten gehorchten..* DAVID: Wo ist sie... Der Geführte läßt eine, verschleierte Frau eintreten Geh! Er Entschleiert B ats cba Bist du's? BATSEBA: Batseba ,,. Uriahs Weib DAVID (versunken): Batseba.,. Vollkommen und ohne Fehl,,s BATSEBA: Deine Magd gehört einem Knecht ihres Herrn, DAVID: Dem König gehörst du.,i BATSEBA: Dein Knecht dient im Krieg... DAVID: b Was gilt mir ein Knecht? Ich bin,,* BATSEBA: Israels Held! DAVID (sie in die Arme schließend): Und David liebt dich ... BATSECA (in letzter Verlorenheit): Uriah..; DAVID: Kein Wort! Sie' versinken in einem Kuß — Das Bild vergeht — Die Straße wird hell — Vor den Türmen werden Wachtposten sichtbar — Uriah der H et titer kommt von links unten die Straße herauf URIAH: lieh, Türmer! Der Weg In "die Davidsburg? DER LINKE WACHTPOSTEN: Wer bist du? URIAH: Frag nicht! Ein wichtiger Mann. Der König selber begehrte nach mir lind wartet meiner mit Ungeduld. Er betritt den linken Turmplatz — Der Palast erleuchtet sich wieder — David auf dem Thron, von Hofleuten umgeben, empfängt Uriah, der sich niederwirft und eine Schriftrolle übergibt DAVID: Wie geht es im Lager? URIAH: Das Heer ist wohlauf. Vor Neumond noch 6türmen wir Rabba, die Stadt. DAVID; Dur König dankt seinem treuen Knecht. Dein Weg war sehr weit. Drum geh jetzt nach Haus Und bade den Leib und leg dich zu Bett. Denn bald mit Botschaft kehrst du zurück, URIAH: Beim Leben des Königs! Ich will nicht nach' Haus. Allgemeines Staunen Noch hat die Lade Gottes kein Dach . Und all die Gefährten liegen im Feld Auf nackter Erde. Sollte ich da Im Bette mich dehnen bei meinem Weib? Wird mir's vergönnt, verbring ich die Nacht Unterm Gefolge vor deiner Tür. DAVID: Deine Treue ist groß, Uriah, mein Knecht. Er entläßt ihn. Zu seiner Umgebung Bringt Königsgeschenke von Silber und Gold Und deckt ihm die Tafel als meinem Gast. Sorgt auch für Rauschwein... Mein Schreibzeug hieher! Alleingelassen, beginnt David nach einer unentschlossenen Pause auf einer Rolle zu schreiben- — Die Himmelstreppe erschimmert dunkelviulett — Man ahnt nur die Heerscharen auf den obersten Stufen — Kinzig ein dunkler Engel steht am Fuße der Treppe in stärkerem Licht — Kr verliest, das Gesieht Gott zugewandt, den Brief, den David gleichzeitig schreibt, aus einer ähnlichen Rolle DER DUNKLE ENGEL: „An Joab, Davids Feldhauptmann! Ihr sollt den Uriah vornean stellen, wo der Kampf am heftigsten tobt. Dann zieht euch weislich zurück hinter ihm, damit er erschlagen werden und sterbe..." DAVID (unterschreibend): David... DER ENGEL: David... Die Himmelstrcppe verlischt — David versorgt die Rolle in einem Briefbenälter und versiegelt sie, dann übergibt er den Brief einem Diener und geht ab — Im nächsten Augenblick kommt Uriah mit dein Brief die Straße herab URIAH: Hör es, du Welt, vernimm es, o Tag! Ein herrliches Wort sprach der König zu mir: Deine Treue ist groß, Uriah, mein Knecht. Er verschwindet links — David und Batseba betreten den Palastsaal DAVID: Vergessen alles, was Davids war! Nur eine, die Einzige Liebliche lebt, Batseba, für ihn... Batseba weint? BATSEBA: Vor Freude und Schmerz..* DAVID: G i b t 's noch einen Schmerz? BATSEBA: Vielleicht fiel er... ietzt... DAVID: Und wenn es geschah', So sollst du trauern... Dann aber, dann.,. BATSEBA (mit stillem Jubel): Ich trage ein Kind meines Königs in mir, DAVID: Du trUgst "den Sohn der Verheißung in dir! David fährt Batseba links ab — Als er den Raum verlassen will, wird er angerufen — Auf der Altarbahne ist der dunkle Engel erschienen — David bleibt slehn, dreht sich aber nicht nach dem Sprecher um DER DUNKLE ENGEL: David! DAVID: Wer spricht? DER DUNKLE ENGEL: Ein Künder des Herrn, Richte! Zwei Männer leben im Land, Ein Reicher, ein Armer. Der Arme besaß Ein einziges Lamm. Er liebte es sehr. Mit seinen Kindern zog er es auf Wie eine Tochter. Es aß und es trank An seinem Tische und schlief ihm im Schoß. Da rüstete einst der Reiche ein Mahl, Und weil er litt um seinen Besitz, Schlug er des Armen einziges Lamm Und tischte es auf.,. Nun richte! DAVID: Der Mann Muß sterben! DER DUNKLE ENGEL: Der Mann bist "da selbst! So spricht der Herr: Das Deine hast du Verborgen getan mit Tücke und List. Das Meine will ich im Sonnenlicht tun Vor Israels Augen... DAVID: Nein, nein!! DER DUNKLE ENGEL: Der Sohn. Den Batseba gebiert..« DAVID: Weh.,. Sprich' es nicht aus. »> DER DUNKLE ENGEL: Wird sterben! DAVID (wirft sich nieder): Nimm lieber mein Leben, Herr!! Die Allarbühne verlischt — Der Palaslsaal wird dunkler, aber nicht ganz dunkel v (Weitere Teile folgen) Neuhinzutretende Abonnenten erhalten auf Wunsch die bisher erschienenen Teile des Werfel-Dramas kostenlos nachgeliefert. Eine neue jüdische Bücherreihe Wie uns mitgeteilt wird, erscheint eine Biographie de"? Maimonides aus der Feder von Dr. Abraham H e s c h e 1 im Laufe des Februar im Erich Reiß Verlag, Berlin W15. Diese Veröffentlichung bildet den ersten Band einer populären Bücherreihe, die der Erich Reiß Verlag unter dem Titel „Judentum in Geschichte und Gegenwart'1 herausgibt. Der Verlag beabsichtigt, im Rahmen dieser Sammlung 6- 8 Werke im Jahr zu bringen. Außer der Maimonides-ßiographie sind für das erste Jahr noch zwei Darstellungen anderer, für das Judentum entscheidender Geister vorgesehen: „Philo von Alexandria" (Lebensbild von Dr. Edmund Stein und Anthologie), „Raschi" (Prof. Elbogen) und eine Schrift über die „Propheten" (Dr. Heschel). Ferner eine „Wirtschaftsgeschichte des jüdischen Volkes von seinen Anfängen bis zur Gegenwart" (Dr. Kaplun-Kogan), und ein Buch „Die Juden in der Welt" (Dr. Mark Wischnitzer), das einen Ueberblick über den gegenwärtigen Stand des Judentums aller Länder bringt. Endlich sind im Rahmen der Sammlung drei Anthologien geplant: „Jüdisches Arztfum", „Jüdische Briefe", und „Jüdische Ii» dichte". Die Bücher der Sammlung werden etwa 200 Seiten Umfang haben und kartoniert M. 2,80 kosten. Es wird auch eine in Leinen gebundene Ausgabe erscheinen. jüdische Musik. Aus Polen wird uns berichtet: Li» Fidel man in Grodno (Polen) widmete ein Konzert ihrer Schüler ausschließlich jüdischer Musik. 24 Schüler interpretierten Werke von Achron, Alsberg, Bloch, Caselnuovo- Tedesco, Engel. Alex. Krcin, Kopit, Lwow, Arno Nadel, Jitomirski, Rabinowitz, Rosowsky, Stutschewsky, Schallt, -Tocb, Weinberg und Wolfsohn. Diese Veranstaltung, ein beachtciis- und nachahmenswertes Beispiel, verdient auch außerhalb Polens vermerkt zu werden.