Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 11 (5.2.1935)
- Date
- 1935-02-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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JODISCHE RUNDSCHAU Berliner Rundschau NR. 11, 5. FEBRUAR 1935 Der Weg des Liberalismus zur Gemeinschaft Der Vortrag-, den Dr. Arnold Metzger In der Donnerstags-Vortragsreihe des Jüdischen Lehrhauses über „Liberalismus" hielt, war besonders interessant in seinen Schlußbetrachtungen, In denen der Vortragende versuchte, für den liberalen Oedanken eine der gegenwärtigen geistigen Situation angepaßte Formel zu finden. Nachdem Dr. Metzger in seinen vorangehenden, in manchen Einzelheiten oft anfechtbaren Ausführungen die Entwicklung von der gebundenen mittelalterlichen Welt zur universalistisch gerichteten Aufklärung gezeichnet hatte, wobei er insbesondere darauf hinwies, daß der religiöse Liberalismus der Zivilisation und der Möglichkeit, an der allgemeinen Kultur teilzunehmen, die jüdische Tradition geopfert hatte, wandte er sich der wichtigen Frage zu, ob die liberale Idee heute jioch lebendig sein konnte. Alle Voraussetzungen hierfür sind ja eigentlich geschwunden: der Glaube an die Vernunft, an das Universalistische, Menschheitliche und das Aufgehen in der Humanitätsidee sind verlorengegangen. Aus diesem Verfall des humanistischen Oedankenguts tritt die Natur an die Stelle des Geistes, das Partikulare wieder (wie im Mittelalter) an die Stelle des Allgemeinen. Und die besondere Tragik des Judentums liegt darin, daß es um beides gekommen ist: um seine Tradition und um das HumanKätsidcal, den Anschluß an die allgemeine Kultur. Das Problem ist nach Metzgers Meinung dies: müssen wir den allgemeinen Weg ins Partikulare, Gruppenmäßige mitmachen? Seine Antwort lautet: Nein. Der Aufbau Palastinas sei eine bedeutsame Sache — aber es frage sich, ob wir als Nation dorthin gehen wollen oder um einer rein religiös-jüdischen Aufgabe willen. Der Vortragende erkennt an, daß es kein Individuum ohne Gemeinschaft geben könne; eine abstrakte Humanitätsidee sei ein Hirngespinst. Er folgerte daraus: der Liberalismus müsse zum jüdischen Volk zurückkehren, zu seiner Traditoti und zu seinen Werten. Freilich, in der Einpflanzung des universalen Gedankens in die jüdische Gemeinschaft liege das unbestreitbare Verdienst des Liberalismus; das Partikulare könne im Judentum nicht Oberhand gewinnen. Dr. Metzger glaubt sogar, daß der Liberalismus erst jetzt seine echte Wirksamkeit begonnen habe. N. Hundertjahrfeier der Mädchenmittelschule Am 7. Februar besteht die Mädchenmittelschule der Jüdischen Gemeinde, die seit drei Jahren mit der Knabenmittelschule vereinigt ist, hundert Jahre. Aus diesem Anlaß .veranstalten die Schulverwaltung der Jüdischen Gemeinde und die Schule am 10. Februar, vormittags 11 Uhr, einen Festakt in der Aula der Mädchenschule, Große Hamburger Straße 27. Dichterabend Im Kulturbund. Es ist nicht das erstemal, Idaß der Kulturbund den zeitgenössischen Dichtern einen Abend widmet; nur war es bisher meist durch die vermittelnde Kunst von Vortragenden. Diesmal lasen im „Berliner Theater" die Dichter selbst. Nach einem Vorspruch von Julius Ii ab, der die Eigenart von Sturmann, Zodykow und Arthur S i 1 b e r g I e i t kurz charakterisierte, begann die Reihe mit Manfred Stur mann. Sehr schön gleich der Beginn: „Das Bekenntnis". Das lange epische Gedicht von sen Schöpfungen war kein so guter Griff. Wir hätten lkber 'etwas mehr von seinen wahrhaft dichterischen kleineren Gerbten gehört, wie das schöne Gedicht: „Saul". Oder noch manches andere aus dem Ruch „Wunder der Erde". Auch das Gedicht „Der junge David" gewinnt seine Schönheit aus der Naturnahe. Bekannt, aber um so dankbarer aufgenommen war das Gedicht „Siedler" mit der unmittelbaren Beziehung zum Palästina-Aufbau. — Während Sturmann ganz aus dem Geschlecht der gradlinigen Jugend ist, zeigt Zud y k o w eine Energie, geboren aus einem harten Schicksal. Zodykow ist blind geboren. Um so leidenschaftlicher hat er sich allem Erlebnis hingegeben. Leidenschaft spricht aus seinen Gedichten in dem Bande: „Aus dem Dunkel", ebenso wie aus seiner Prosa. Die im Schicksal gehärtete Lebensauffassimg seiner Aphorismen kann gerade dem heutigen Juden etwas geben. Arthur SilbergTeit las schöne Strophen aus dem Bande „Das Füllhorn Gottes" und unbekannte gelöste und formschöne Gedichte aus dein Bande „Orpheus". In einem Prosagedicht mit dem Titel „Der Leuchter" gab er eine schöne Deutung seines Namens und seiner Herkunft aus dem Handwerk der Silberschmiede. R. M. „Freude Im Winter11 Die seelische Winterhilfe, Ergänzung der materiellen Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde, hat im Januar ihren Hilfsbedürftigen wieder eine große Zahl von Veranstaltungen ernster und heiterer Art geboten. Zwei Synagogeiikonzcrte, vier Bunte Abende mit vier Kindernachmittagen und eine Kinomatinee standen auf Ihrem Programm. Nicht alles, was geboten wurde, war gleichwertig, der Zweck der Veranstaltungen, Freude und Anregungen auch den Aermsten zu bieten, wurde aber erreicht. Die Kindernachmittage, durch Bonbonregen unterbrochen, brachten Stunden reinster Freude, an denen hauptsächlich Berger-Ballan es verstand, sich in ausgezeichneter Weise auf die Kinder einzustellen. An anderen Nachmittagen spielten Kinder für Kinder. Sehr reichhaltig waren die Bunten Abende, an denen wohl jedes Vortragsgenre vertreten war, und an denen sich unentwegt Heinz Ganther als geschickter Conferencier bewährte. Unter den ernsten Gesangen sind an erster Stelle Kar ja S c h a p i r a, Max Kuttner und Siegb. Steinfeld zu nennen, im heiteren Genre ragten W. Steiner und F. Lachmann hervor. Besonderen Erfolg hatte stets Hannl Rosen mit ihren Berliner Chansons. Tänzerische Leistungen zeigten Irmlngard Willner und Ilse Glas, mit Gesang vereint Monica Herrnfeld. Der Athlet Isi Bäsch zeigte außerordentliche Proben körperlicher Oeschulthclt und Kraft. — An jedem Abend war auch das jiddische Lied vertreten, entweder durch Marion K o e g e 1, die den tiefen Getühlsgehalt dieser Lieder betonte, oder durch Alex. Modll, der sie mehr vom Musikalischen her vortrug. Ernst und feierlich waren die Synagogenkonzerte in der Linden- und Lützowstraße. Hier traten das Einzelwerk und die Ansprachen In den Vordergrund. Neben Rezitationen aus der jüdischen Gedankenwelt wurde klassische und romantische Musik vorgetragen, wobei die ganz besonderen Leistungen von Bertram, Graudan und O 1 i t z k i dankbar erwähnt werden sollen. In den Ansprachen von M. Gundersheim) dem Leiter der Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde, Dr. Lamm, dem stellvertr. Vors. des Wohlfaltrts- und Jugendamts, und Rabbiner Dr. Salomonski wurde immer wieder auf die Verbundenheit der Gemeindemitglieder hingewiesen und die Bedeutung der jüdischen Lebenshejahung auch in der jetzigen Zeit.______ Dr. Lotte Loose Musikwissenschaftliche Vorträge im Kulturbund. Dr. Anneliese Landau gab einen Abend unter dem Motto: „Die Kammermusik des Rokokosalons". Es gelang ihr, ein Bild des Musiklebens kulturhistorisch aus dem Milieu zu entwickeln, die Atmosphäre der Zeit Louis XIV, zu geben und auf elegante Art von der Cembalomusik Frankreichs (L. Couferin, Rameau u. a.), Deutschlands (Kuhnau, Bach), Wiens Fux) zu erzählen. Entzückende Beispiele führte Gertrud Wert heim auf dem Cembalo mit feiner Registrierkunst vor. — E. Ehrenreich referierte über die Entwicklung der Synagogalmusik („300 Jahre Synagogengesänge") auf Grund der Forschungen Idelsohns. "Er streifte die Musik zur Zeit des Tempels (Levitenchöre), sprach über den Stand in Deutschland vom 10. bis zum 15. Jahrhundert, über die Verwandtschaft der Melodien mit orientalischen, die Anleihen der Urchristen bei den Psalmintonationen des Tempels, die Einflüsse der Umwelt im Mittelalter, die Entwicklung in Italien (da Modena, Rossi), über Aron Beer, Sulzcr, Lewandowsky, über die Improvisation der Chasanim in Osteuropa, den Gemeindegesang der Chassidim, die Verhältnisse in Amerika, die Bestrebungen von Schalit, Bloch, Milner. Er berichtete zum Schluß über die Absichten der Gemeinde, die dahin gingen, den Gemeindegesang zu aktivieren und die Psalmen auf eine traditionelle musikalische Grundlage zu stellen. Sehr gut ausgewäbjte SchaHphtten (u.a. eine charakteristische Chorplatte, auf der die Sänger instrumentale Effekte nachzuahmen suchten, als Beispiel für die Einführung der „Instrumentalmusik" in den Gottesdienst entgegen dem Verbot der Rabbtnim), das ausdrucksvolle Singen Oberkantor Johns und des W in a wer sehen Chors, das klare Orgelspiel Erwin Jospes gaben der Matinee instruktiven und künstlerischen Wert. Dr. Hans Nathan Auf einem Gemeindeabend des „Jüdischen Volksbundes" im Religionsverein „Ohel Jizchok" sprachen Rechtsanwalt K o z o w e r und Direktor K a r e s k i über die Lage der Privatsynagogen. Rechtsanwalt K o z o w e r bedauerte, daß die Privatsynagogen und Vereine an der Peripherie nicht die Unterstützung finden, die sie verdienen. Direktor Kareski sprach über das Versagen der Berliner Gemeindeleitung gegenüber den Synagogenvereinen und forderte eine engere Beziehung zwischen dem Vorstand und den Gemeindemitglkdern. _________ Zum Leiter der gynäkologischen Poliklinik Im Kranken« fiaus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Ist Dr. Kurt Fl ei« scher gewählt worden. Makkabi-Veranstirltunß \) am 10. Februar wird i Bei der llstlna-Woche) am w. reoruar wird ein «ingetroffener Llchtbildstreifen „Vom gezeigt (im Rahmen der Pa> soeben aus Palästina Sport in Erez Israel" Patästuta Woche DU n&tUsien großen l/eiOHtfaUuHfeH. In Berlin Dieneiaa, den 5. Februar, 30U Uhr, Im groSan Saal da« Broderverelf» KurfüretenstreBe IIS—116 Selbsthilfe und Solidarität Barich! daa Laitara dar deutschen Abtalluno dar Jawlih Aoency I« PallstlM Dr. GEORG LANDAUER Donneret«», da« 7. Fabruar, 20V, Uhr, im groBan Saal daa Laaenhauaaa KletstetraBe 10 Die Zukunft Erez Israels Palis'tlna 1900 — 1935 — 1950 Dr. MICHAEL TRAUB •onnaband, dan B. Fabruar,?0H Uhr. in dar Slng-Akademla. Am Fastungsgraben 2 Zion — Zwei Jahrtausende l '. 1. Jüdischer Sehnsucht I Au"'"k«»* . Ein Onog Schabtet: Rabbinor Dr. JOACHIM PRINZ Kantor BENJAMIN BESTIMT EDITH HERRNSTADT.OETTIN8EN CHEMJA WINAWER mit seinen 30 jOdltchen Sängarn Sonntag, don 10. Fabruar, u>Uhr, im Atrium, Kaiierallea (Ecke Berliner Sha^o), MaUVab'-Sporlschau Der 2. Makkabiah entgegen Dr. HANS FRIEOENTHAL .Dar Weg dar JUdischon Jugend nach Erez lerael" Rückblick und Auaschau / Vorfohrunqqn, Tänz«. Chöre, Orchester der Jüdischen Künsllerhiife Karten für diese Veranstaltungen BZV-BOro, Mainekeetr. 10, Buchhandlung Kurt Ros«nbaum, M^nelestr. '0 part., KV-Heim, Kantair. 54, Atiant.c-E.nret, IXMnehatr '00 (S-Benn FnedrIchatraO«), Buchhandlung Sali«», Drenad.emtr 30. Deuficr.land.Patftstinfl Vari<ehrBgnelf»chelt, Kurfurstandamm 2?4 (Ccko Metnekn&tr.), Konditorei H.tc3b. Flensburnnr Str. 19, Buchhandlung Kedom, DaMmannyr R, Papierwaren ha ndlucn. Uppmann, Trautenauetr. 16, Buchhandlung Mapntr, Inselstr. fla In Hamburg Donnaratag, den 7. Fabruar, 20W Uhr, im Konvent-Gerte«. Rabbiner Dr. JOACHIM PRINZ Erez Israel Forderung — Erfüllung — Bewährung Dianatag, den 12. Fabruar, 20% Uhr, Im Konvant-Garteai Größe und Gefahr der Stunde Kundgebung zum Erwerb der Hule-Konzession Dr. 8E0RQ J08EFHTAL / 181 EIBNER In Leipzig Dianatag. dan 5. Fabruar, 20!4 Uhr, Im Kryelall-Palaat Die Zukunft Erez Israels Palastina 1900 — 1935 - 1900 Or. MICHAEL TRAUB Senntag, dtn 10. Fabruar, 11 Uhr, Im Kryatalt-Pataet Größe und Gefahr der Stunde Kundgebung zum Erwerb der Hula Konzession Dr. U LEHRFREUND / Dr. QEORQ JOSEPHTAL / ISI E'SNEft Dianalag, «Jan 12. Fabruar, 20H Uhr, Im Weiften Saal daa Zoo Wizo-Veranstaltung Rabbinar Dr. JOACHIM PRINZ Die Grundlagen jüdischer Erziehung GaaprScho mit Eltern In Hannover Bla Mittwoch, d. 6. Fabruar, I. d. RSumon des Jugendhelmes, Langelaube 4-6 Pallstlna-Schau Sonntag, dtn 10. Fabruar, 20>4 Uhr, Im KOnatlerhai» Größe und Gefahr der Stunde Kundgebung der jurilachen Jugend Dr. QEORQ JOSEPHTAL PalSstlna-Woche M Breslau, Beuthen, Stettin und Königsberg, ». 17. bla 14. Fabnaar ZIONISTISCHE VEREINIGUNG por DEUTSCHLAND Kulturbund Deutscher Juden / Künstlerhilfe der Jüd. Gemeinde Sonder-Koniert aus Anlaß des 250. Geburtstages voa Gtora Friedrich Handel Donnaratag, 14. Fabr., 20.1S Uhr, Philharmonie), Barnborgar St». SS Einmalig! Aufführung daa Oraterlasas BELSAZAR Dirigent: Kürt Slnsjeir Ausführende: Der Keurt Singar'aetie Che» / Dar OpeNmciwr «Im Kulturbundoa Deutscher Juden (Leitung! Barthold Sander) / Daa Orchaatar dee Koltorbondae Dantacbtr Jndan Splittern Ruth Wolffreim, Thea Bieber-Brandt, Martha Frost, Hana Joachim Heini, Fritz U oh Oer, Ernst Wolff (Frankfurt a. M.)k, Cembalo: Hugo Strelltrar. Orgel: Erwin Josoe. Gutscheine zur Verlosung für Mitglieder and Abwathtler zum rVeiea von RM 1,80 garen Vorzeigung dar MltglledeWarten .bat daa bekannten Zshtstellen. Ferner Im MltglletierbBro, Undanatraae 74, II (Montag bis Freitag 9 11 Uhr. auffordern Mittwoch 17-19 Uhr) u., soweit vorhanden, o. d. Abendkasse. Karten für hlltflliMar Dar JMttetM BamWlMM dar* dl. KtWlarhllf. rata Prelaa von RM f.— u. 3,- bei folgenden Vafkaufaattillani Jßdiaehe Gemeinde, Oranienburger Str. 29 (Hauswart), Kastellan dar Synagoge, Fasanen, atrnfle 79-80. Buchhandlungen: Kedem, Dahlmennstr. 8. Ernst Wolff, Prager Platt 4. Lachmann, Bnyeriaeher Platz 13, Sehtldherger, an Bahnhof Ballevue, Flensburger Str. Philo-Buchhandlung, Pariser Str. 44. Lesen und verbreiten Sie überall die ludiscUe WWWWWWI^I^rWwr JluHcLsckau PrebasamiDtra est Vn< Ii koataal«* KINO-SPIELPLAN VON DIENSTAG BIS DONNERSTAG ' alf^CsilTi^r^Nr^ KurfOrstandamm ei? Mbmm 1 l ,J leset. Ecke FasanenstraBe Symphonie der liehe mit H«dy KleeUr. Artbert Mo« Beginn täglich 3, 5, 7, 9.15 Uhr Ä CAPITOL AM ZOO »fc FERNRUF; 8 5 BARBAROSSA 7088 mjl Katz' im Sack ■■■■■ mit Btagda Sehaaldar Tigl. 0.41, 9.18, Sbd. u. 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