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Jüdische Rundschau · 1935-02-05 · Heft 11 (5.2.1935) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 11 (5.2.1935)
Date
1935-02-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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JOPISCHE RUNDSCHAU__Nr. 11, 5. II. 1935 Das Neueste in Kürze Von unserem palästinensischen gl.-Korrespondenten Seife 4 die die ersten Siedler gerade einziehen, ebenso wie in der daneben gegründeten landwirtschaftlichen Siedlung der deutschen Einwanderer schon die ersten Siedler ihre neuen Hauser bezogen haben. Gegenüber einsteht die vorstädtische Siedlung des Haifaer Mittelstandes, die „Schchunath Motzkin". Bis hierher ist der Boden besiedelbar, der nördliche Teil der Haifa-Ray, von der Farm Katz bis nach Akko, gilt als noch nicht saniert, aber die nächste Zeit schon wird die Sanierung und Bereitstellung auch dieses Gebietes notwendig machen. Für die Entdecker und unermüdlichen Propagandisten der Haifa-Bav, Joseph Loewv und Simon Reich, die auch heute noch in Haifa für "die Fintwicklung des Norddistrikts arbeiten, muß es eine besondere Befriedigung sein, daß ihre vorausschauenden Pläne sich jetzt realisieren, und in jedem Jahr mehr; wer gerade jetzt die Entwicklung der Haifa-Bay miterlebt, ist versucht zu sagen: an jedem Tag mehr. Ls ist noch nicht 5 Jahre her, dali nach den Unruhen des Jahres 102Q die I lilfsgcsellschaften dem bei den Unruhen des Jahres 1020 von seinem Boden vertriebenen ersten Siedler der Haifa-Ilnv, Katz, nur dann materielle Hilfe zusagten, wenn er nicht wieder in die I iaifa-Bay zurückkehren würde. Katz schlug damals dies Anerbieten ans und baute seine Farm wieder auf. las Vordringen der Zivilisation ins Emek Sebulon ist auch an den Lichtern bemerkbar, die jetzt am Abend hinter dem I lafengebict Haifas in der _ Bucht in immer zunehmendem Maße sichtbar werden, es ist ja ein besonders schönes, jedem Besucher Haifas unvergeßliches Bild, die Stadt von der Hohe des Karmel aus mit ihren zahlreichen Lichtern am Abend liegen zu sehen. Bis vor kurzer Zeit endete der jüdische Bodenbesitz an der Küste von Akko. Dies hat sich jetzt geändert, denn auf dieser Strecke ist ein Terrain von 2fVM Düna in erworben, N a h a r i a genannt, auf dem eine neue Siedlung errichtet wird. Es ist dies ein besonders schönes Gebiet, zum Teil direkt am Aleer gelt gen, mit schönem Strand, wasserreich, in der Nahe der hciuhmien Kabriipiellc und mit sehr fruchtbarem Boden. Hier haut die „Nahaiiah Small Holdings Ltd.", entstanden durch, die Initiative der Gruppen Loewv- Dr. Soskin-Heiiu is Ii Cohn, eine .MitteLst.indssiedlmig für 250 Siedler, die in Wiitschaftcu von 5, 7 oder o Dunam hauptsächlich Genittse, und zwar Früh- und Spätgemüse für den Export ziehen Süllen. Von verschiedenen Stellen ans bemüht man sich, in Haifa auch das geistige I eben zu fördern. Selbstverständlich kommen jetzt alle Künstler, die Tel-Awiw und Jerusalem besuchen, auch n edi I Lata, Die Habima, Obel, Kammeroper, die stoße Oper, das Theatron Ohadasch, das Caharet Matatee spielen rcgclmäiiig, eine musikalische Gesellschaft veranstaltet Konzerte usw. Bilderatisstcllungcn finden regelmäßig in den Räumen der Rmgartscben Buchhandlung statt, zur Zeit eine Ausstellung des .Malers .Mohr (ober die einzelnen Veranstaltungen wurdein der „Jüd. Rundschau" berichtet). Zur Zeit ist eine besonders gelungene Ausstellung von Portrat-Photngraphicn der l'hotographinncii Fenibach-Fuchs in der Nagkrschen Buchhandlung in Hadar Hacarrne! zu sehen und erweckt grof.es Interesse, lieber die Haifier Volksunivcrsilät ist in der „Jüd. Rundschau'' vom M. 12. schon berichtet worden. Die Hitachduth üiej Germania veranstaltet Vorträge zur Einführung in die Problerne des Landes in deutscher Sprache, um möglichst viele neue Einwanderer mit den Fragen des Landes bekannt zu machen. Die Hi-d.adruth hat ein Seminar über volkswirtschaftliche Themen eingerichtet, das K. J. V. kommt regelmäßig zusammen, kurz gesagt, es gibt auch in diesem Winter ein reichhaltiges Programm, Haifa bemüht sich auch auf geistigem Gebiet, es Tel-Awiw und Jerusalem gleichzitttm. Die Landes-Konferenz der palästinensischen Wlzo Die Histadruth Naschim Zionioth b'Erez Israel (Föd. der Wizo) hielt ihre Jaltreskonferenz vorn 6.—'). Januar in Jerusalem ab. Diese Konferenz war bedeutsam als die erste öffentliche Tagimg der Organisation nach ihrer Vereinigung aus den zwei früheren Gruppen der Histadruth Naschim Ivrioth und der Wizo Arzith. DO Beteiligung war so stark, daß zu keiner Sitzung der vorhevtimmte Saal ausreichte. Zu der glänzend gelungenen ErötfinmgN\erftammhmg konnten viele Hunderte von Männern und Frauen im Saale de-s Ik-th ha Briuth Nathan Strauß keinen Platz mehr finden, obwohl dieser selbst lebensgefährlich überfüllt war. Frau Esther S m o i r a als Vorsitzende kennzeichnete prägnant die Aufgaben und Arbeit der HNZ.; die Berti Bungen von Miß Henriette Szold, Mrs. Vera W e i / in a n n und Mrs. Rebecca S i e f f, von Izchak Grün bat: m seitens der Jiwish Agcncy gaben wertvolle Anregungen für dir Weiten' b'.ät. Die am nächsten Tage gehaltene Rede t 's f i s e h k i n s (var leider nur dem begrenzten Kreis der Teilnehmerinnen gewidmet, obwohl sie besser vor einem großen Saal hatte gesprochen werden sollen. Ussischkiu erkannte die große Bedeutung der Frauenarbeit an auf den Gebieten der praktischen Arbeit, der Erziehung, der Verantwortlichkeit für übernommene Verpflichtungen. Fr wies besonders hin auf die Bedeutung der fäati für die Kultur des Volkes, wie sie sich in Sprache und I it-ratur, in der I'•>rm des politischen und gesellschaftlichen Lebens äußert, und er begrüßte (wie alle Teilnehmerinnen) ln-amders das Referat von Frau Regina Zimmer in a n n üh-T die Notwemligekit gesteigerter Aktivität auf diesem Gebe. re. Die Konferenz befaßte sich eingehend mit Problemen der Konsolidierung mid Erweiterung der Aufgaben, insbesondere auf den (ichivten der Kulturarbeit und sozialen Fürsorge für die neue Einwandern!, ihre Unterweisung und Vorbereitung für das Leben im Lande; sie beschloß die Eröffnung von Klubs iit möglichst jedem der 22 Punkte, an dem Ortsgruppen der HNZ bestehen, sowie die Schaffung neuer Gruppen, hauptsächlich in jenen Siedlungen, in denen bereits Hacnscharah-Arbeit geleistet wird. Die Klubs sollen überall, wie die bereits bestehenden, der Zentralpunkt für die Arbeit, für Sprachkurse, Koch-, Näh- und Hauswirtschafts- Unterricht, für geselliges Leben der Mitglieder, für Erfassimg neuer Einwanderer, werben. Eine neugegründete Kommission innerhalb der engeren Leitung wird sich den organisatorischen, propagandistischen und kulturellen Problemen widmen. Eine Abcndsitzurrg war der Arbeit der HNZ für den Kcrcn Kajemeth gewidmet, über dessen gegenwärtige Aufgaben Dr. Bistrizky referierte. Ein Beschluß der Konferenz verpflichtet die LINZ zur Erfüllung eines bestimmten Kontingentes, das durch die Arbeit der Frauen hereingebracht werden soll. — Das zweite Referat dieses Abends galt der Ausgestaltung der J u n g - W i z o- B e w e gun g. Ein sehr schöner Empfangsabend der Jerusalem er Oruppe für die Kcnferenzteilnchmermncn mit einem Konzert der Pianistin Frau Schoenbcrg unterbrach die Sitzungstage. Nach einer inhaltsschweren Schlußsitzung wählte die HNZ Ihren neuen, aus 29 Mitgliedern bestehenden Landesvorstand, der sich aus allen Ortsgruppen des Landes zusammensetzt, seinen Sitz in Tel-Awiw hat (Allenby Road °3), und in einer anschließenden Sitzung sogleich die engere Leitung zur permanenten Führung der Geschäfte wählte. Nanny Marguües-Auerbach, Tel-Awiw Anläßlich des 13. Todestages von A. D. Gordon wurde fil Tel-Awiw, eine Gedächtnis-Ausstellung seiner Schriften »etanstaltet. Aus den Städten und Kolonien Jerusalem erhält an den wichtigsten Verkehrsecken eine neue Straßenbeleuchtung, die mit Verkehrsinseln verbunden ist. In Klrjath Anawim (bei Jerusalem) hat der Keren Kajemeth Lejisrael Boden für die Errichtung eines Sanatoriums für Lungenkranke zur Verfügung gestellt. Die Liga zur Bekämpfung der Tuberkulose in Palästina bemüht sich, Beiträge für die Anstalt von der Stadtverwaltung Tel-Awiw und von der Regierung zu erhalten. Es gibt bisher kein Sanatorium dieser Art im Lande. Nur in dem Spital in Safed standen zehn Betten zur Verfügung. Die Liga richtete im vorigen Jahre eine provisorische Anstalt in der Nähe von Jerusalem ein. Der Haifa er Stadtrat berät die Einführung einer Gehaltsskala für seine Beamten, die in sechs Klassen eingeteilt werden sollen. In T e I - A w i vv wurde für den Norddistrikt der Stadt eine neue Polizeistation eröffnet. Das Orundbuchamt (Tabu) in Jaffa siedelt im April In ein größeres Haus über. Das Publikum hat sich seit langem beklagt, daß die bisherigen Arrangements im Amt nicht mehr den gesteigerten Anforderungen entsprechen. Die Stadtverwaltung von Jaffa hat damit begonnen, eine neue und bessere Straßenbeleuchtung in den Hauptstraßen einzuführen. In Tiberias wurde mit der neuen Fassung der heißen Quellen begonnen. Die Arbeit wird sechs Monate in Anspruch nehmen und mindestens hundert Arbeiter Zlonlslerung der deutschen Alijah Von Oerhard Holdheim, Tel-Awiw Mein Aufsatz „Zur Psychologie der deutschen Alijah" (vgl. „J. R." Nr. 60 Jahrgang 1034) versuchte in seinem zweiten Teil, die Sorgen und Nöte der Menschen anzudeuten, die bis zu ihrer Uebersiedlung Träger der aktiven zionistischen Arbeit waren und, hier selbst noch im Stadium der physischen und psychischen Akklimatisation, in eine Verantwortung sich gedrängt sahen, die einem Neueinwanderer kaum tragbar erscheinen mußte. Verantwortung wem gegenüber? Dem Zionismus, der in schrecklichem Kontrast zu der rapiden Entwicklung der Wirtschaft seiner Idee beraubt schien. Und den deutschen Olim, die, großenteils ohne jede geistige Vorbereitung, ein trauriges Emigrantenleben führten. Die kongreßpolitischen Pläne, die zur Gründung der „Kidmah, Kreis allgemeiner Zionisten" führten, sollen, nicht nur aus Raumgründen, von den nachfolgenden Betrachtungen ausgeschlossen sein. Die nächsten Monate werden darüber entscheiden, ob diese Oruppe es verstehen wird, die positiven Kräfte der deutschen Zionisten und darüber hinaus des andern, von den Fliigelgruppen nicht absorbierten Jischuw hinter sich zu bringen. Auch von dem, was sonst durch deutsche Zionisten auf den Gebieten der Propaganda und Erziehung (vor allem durch die Hitachduth Olej Germania) geschehen ist, soll hier nicht die Rede sein. Denn es wird weder ein summarischer Bericht beabsichtigt, noch ist der Schreiber dieses Aufsatzes in der Lage, die mannigfachen Bemühungen, die in dieser Richtung gehen, zu übersehen. Nur von einer Aktion sei erzählt, die ein Kreis KJV.er in Tel-Awiw durchzuführen entschlossen ist und deren Anfänge bereits hoffnungsvoll stimmen können. Efwa fünfzehn Menschen haben sich, unter dem Vorbehalt weiterer Aufnahmen auch aus Nicht-KJV.er-Kreisen, zu einer „A k t i v g r u p p e" zusammengeschlossen, die rege'mäßig zusammentritt und strengste Disziplin von ihren Mitgliedern verlangt. Die Beteiligten haben sich verpflichtet, ein in seinen Einzeiligen jeweils vorher besprochenes und unter ständiger Kontrolle der Gesamtheit stehendes Aktionsprogramm in die Wirklichkeit umzusetzen. Das Ziel heißt: Zionistische Erfassung eines möglichst großen Teiles der in Tel-Awiw ansässigen deutschen Olim. Die Mittel sind u. a.: Veranstaltung von ,,ZirkeIabenden", zu denen unter Berücksichtigung regionaler Gesichtspunkte eine Anzahl von Mitgliedern der Oruppe ihnen bekannte oder als interessiert aufgegebene Leute in ihre Wohnung einlädt. Auf diesen Abenden, die durch private Besuche tunlichst vorbereitet sein sollen, berichtet ein Mitglied der Oruppe über allgemein zionistische bzw. Tagesfragen. Und es kommt darauf an, das Interesse möglichst vieler der Anwesenden zu erwecken, die Menschen zum Sprechen zu bringen und eine „Atmosphäre'1 zu schaffen, die eine — vielleicht sogar regelmäßige — Wiederholung solcher Zusammenkünfte zum Wunsche erhebt. Die Erfahrungen, die auf diesen Abenden gesammelt werden, sollen dann unter den Mitgliedern der Oruppe diskutiert, die Bedürfnisse festgestellt und schließlich — das notwendig Erscheinende veranlaßt werden. Während diese Zeilen geschrieben werden, haben bereits fünf solcher Zirkel stattgefunden. Uebereinstimmend wurde berichtet, daß sie gut besucht waren, reges Interesse herrschte, die Erschienenen Anregungen gaben und erklärten, daß sie eine Fortsetzung wünschten. Wir haben vor, zionistische Bibliotheken zusammenzustellen; eine bzw. zwei Broschüren sind in Vorbei eitung; zionistische Schulungskurse sollen eingerichtet werden. Ein „Abend" zeichnete sich in seiner Zusammensetzung dadurch aus, daß nur Herren, die einer bekannten Berliner „paritätischen" Studentenverbindung augehörten, geladen waren und die Gäste dadurch einen persönlichen Zusammenhang hatten. Wohl alle Beteiligten standen unter dem fast gespenstisch anmutenden Eindruck, daß hier zwei Personenkrtise, die einmal in schärfstem Ideenkampfe miteinander lagen, nun unter völlig veränderten Umständen, im zionistischen Lande, zu gemeinsamer Durchdenkung gemeinsam gewordener Probleme sich zusammenfanden. Wenn wir uns fragen, warum sich arte Zionisten mit solchem Eifer den hier geschilderten Aufgaben zuwenden, so besteht Klarheit darüber, daß es mehr gibt, als Schicksalsgefährten dabei behilflich zu «ein, im Lande sich geistig einzuordnen. Auch parteipolitische Momente spielen keine Rolle. Wir waren immer der Meinung, daß jede innerzionistische Entscheidimg die Erfassung des Zionismus in seiner Totalität zur Voraussetzung hat. Und um dazu zu gelangen, muß man Kenntnisse besitzen, Zusammenhinge verstehen, zionistische Bildungselemente bi sich aufgenommen haben. Doch unsere Aufgabe soll sich nicht darauf beschranken. Wissen zu vermitteln und Quellen zur Erarbeitung von Spezialkenntnissen anzugeben. Worauf es uns mindestens so ankommt, ist: neuen Menschen den Sinn des Zionismus zu lehren. Das muß in Palästina genau so geschehen wie In der Gallith; vielleicht Ist es hier noch nötiger und gar noch schwerer. Denn in dieser Ocgenwart einer MassenemWanderung drängt sich das beschäftigen. Der normale Badebefrieb soll durch' die Arbeiten keine Einbuße erleiden. In Zofith, der jüngsten Siedlung des Scharon, wurde der Orundstein für die Schule unter Anteilnahme der umliegenden Dörfer gelegt. Günstige Ernteaussichten Jerusalem, 1. Februar. (JTA.) In einem Berieht über den Stand der Landwirtschaft in Palästina stellt der Direktor des Agrikultur-Departments der Palästina-Regierung fest, daß die klimatischen Bedingungen und die letzten starken Refenfälle eine sehr günstige Wirkung auf den tand der Saaten und Plantagen gehabt haben. Auf den Bergen Judäas, besonders im Osten, ist der Stand der Landwirtschaft viel besser als in den letzten Jahren. Die Schäden, die die letzten starken Rcgenfälle verursacht haben, werden ohne Zweifel durch die bessere Ernte kompensiert werden. Die Höhe der Schäden wird erst am Ende der Export-Saison ermittelt werden können. Großer Erfolg der Hypotheken-Pfandbriefe Wie Palcor meldet, hat sich die Konversion der Pfandbriefe der Allgemeinen Hypothekenbank zu einem großen Erfolg gestaltet. Die Emission der fünfprozentt-] gen Bonds im Gesamtbetrage von 350 000 Pfund ist im Laufe1 der festgesetzten Frist vollständig verkauft worden. Eine neue Emission wird in Kürze erwartet. mammonhungrige, nicht vom Feuer der nationalen Idee durchglühte Element erschreckend hervor. Spekulation mit Boden, kleinbürgerlicher Snobismus, schlechtester Golus nach Tel- Awiw übertragen. Und wir müssen den Menschen sagen: Nicht dies..., das Gegenteil war gemeint. Chaluzim im Emek, in Galiläa. Opfersiun, Einordnung in die Gemeinschaft. Ein neues Geschlecht von Juden. Herzl träumte davon und starb dafür. Alle Großen im Zionismus lehrten es: Ach ad Ha am, A. D. Gordon, Bialik. Und heute, in diesen Tagen, im Massenmeeting in Tel-Awiw, vor den Siedlern von Nahalal, mahnt Chaiin Weizmann, die geistige Autorität der Bewegung, in bitteren, schneidenden Worten zur Selbstbesinnung. Zionisten fühlen sich oft einsam in dieser jüdischen' Stadt. Gewiß gibt es große Teile der Arbeiterschaft Und Hunderte auch im Bürgertum. Wir suchen die Bundesgenossen im anderen Jischuw. Aber unsere besondere, nur von uns lösbare Aufgabe heißt: Alijah aus Deutschland. Alte Ordnungen gelten nicht mehr. „Sehckclzahler", „Ortsgruppenleiter" mit langer zionistischer Tradition versagen, assimilieren sich rasch an schlechte Sitten, sind bald nicht mehr unterscheidbar von denen, die wir bekämpfen. Dagegen zahlreiche neue Gesichter, bis vor zwei Jahren scharf distanziert, durch Erlebnis gewandelt, bereit, mit uns zusammenzugehen. Fünfzigjährige, mit bestem Namen, sagen: Wir wollen lernen. „Gebt uns Nachhilfeunterricht." Eine „neue Gesellschaft'' bilden — immer wieder fällt das von Herzl geprägte Wort. „Oeffentlichc Meinung" schaffen. Gegen schlechte Geschäftsmoral, die verruchte Spekulation, den Levantinismus. Für... man sieht noch unklar. Zionistische Organisation ist noch terra incognita. Die Institutionen sind kaum mit dem Namen bekannt, die Geschichte wurde nicht miterlebt; über die Ideologien, die miteinander rangen, herrschen verwirrte Begriffe. Aber daß hier und nur hier der Ansatzpunkt — unsere Worte finden offene Ohren. Stärkung der Autorität der Organisation, der nationalen Fonds. Keren Hajessod nicht nur Sammlung für gute Zwecke, wo man Spenden Pibt, nach Belieben, dem freien Ermessen. Sondern das inanzinsfrument unserer führenden Instanz. Ohne das es kein Erez Israel gäbe. Und von dem gerade jetzt, bei der Disproportion zwischen Stadt und Land, alle Zukunft abhängt. Freiwillige Steuer — contradiefio in adjecto. Steuer ist exekutierbar. Aber würde die Tatsache, daß wir das juristische Recht zur Exekution nicht haben, zur Verweigerung führen, so wäre es glatte Unmoral, ein Stoß ins Herz der Bewegung. Stimmen — nicht nur unter den alten Predigern des Keren Hajessod, verlangen: Boykott der Verächter der Fonds. Gesellschaftliche Acchtung. Man will nicht in solchen Geschäften kaufen. Der und jener verstößt bewußt gegen konventionelle Formen, wenn Berufsgenossen, Bekannte sich hier versündigen. Eine Besprechung unseres Komitees für den Keren Hajessod, erweitert durch Gäste, wird das Thema haben: Wie erzwingen wir Achtung und Unterwerfung? Nicht um die hunderte Pfund, die hier verloren gehen, handelt es sich. Für die Idee geht der Kampf. Freiheit des Geistes — niemand tastet sie an. Nicht-Zionisten — mag sich so nennen, wer will. Aber fruktifizieren von dem, was die Fonds geschaffen, — und jetzt, noch jetzt erklären: meine Privatsache, ob ich gebe ... Diesen Affront werden wir zu parieren verstehen. Unsere Aufgabe: daß diese entschlossene Stimmung in den bisher uns fernstehenden Kreisen nicht nur gefürchtet wird und man sich nolens volcns ihr beugt. Sondern daß sie Gemeingut wird von Hunderten neuer Olim und diese selbst zu unerbittlichen Forderern werden. Wir glauben, daß die Alijah aus Deutschland dein Lande zum Segen gereichen kann. Nicht nur in den Bezirken der Wirtschaft. Auch und gerade in ihrem ernsten Bemühen, daran mitzuhelfen, daß Kosmos in dieses Chaos kommt. Die negative Seite, daß wir unvergleichlich weiter von jüdischen Kulturgütern entfernt sind als der östliche Jischuw und der Gebrauch der Sprache uns schwerer fällt, kann kompensiert werden durch klare Erkenntnis, zionistische Schulung und den heißen Willen, einem schrankenlosen Individualismus durch Bindung an nationale Gesetze entgegenzuwirken. Nicht ohne Genugtuung läßt sieh heute schon konstatieren, daß der östliche Jischuw die Initiative, die von deutschen Zionisten ausgeht, aufmerksam und mit manchmal sogar übertriebenem Lobe begleitet. Und wenn wir uns am Anfang oft fragten: Wie kommen wir ait den „Jischuw" heran?. — die Antwort ist jetzt gefunden: durch eigene Leistung. Wir, Träger der zionistischen Arbeit in Deutschland, dem Jischuw zuerst fast alle noch unbekannt, sind auf dem Wege, um die aufbaubereiten Kräfte der nichtzionistischen Alijah uns zu verstärken. Die Zeit ist nicht fern, wo dieser deutschjüdische Jischuw eine ausgeprägte Physiognomie erhält und sichtbar wird, daß hier Menschen gekommen sind, entschlossen und fähig, in die jüdischen Städte des Landes besten, unverfälschten Zionismus hineinzupumpen. Wenn wir dann auch schon so weit sind, in unserer gemeinsamen hebräischen Sprache zu sprechen, wird ost- und westjüdischer Zionismus sich automatisch verbinden. Und aus dieser Kooperation zweier in der Mentalität oft fremder, in der Sennsucht aber geeinter Elemente, kann das erwachsen, was heut« noch Traum ist: die neue zionistische Gemeinschaft.

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