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Jüdische Rundschau · 1935-02-01 · Heft 10 (1.2.1935) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 10 (1.2.1935)
Date
1935-02-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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w Nr. 10, 1.11.1935 JODISCHE RUNDSCHAU Seite 7 Im Wald von Chedera / von David Sdiimonowitz ins Deutsche übertragen von Louis Weinberg Eine hebräisdie Idyllen-Dichtung in Hexametern Unter den Vertretern der episch-lyrischen Richtung in der hebräischen Literatur nimmt David Sdiimonowitz eine hervorragende Stellung ein. Der Dichter, der bereits vor dem Kriege aus Rußland nach Palästina kam und nach dem Kriege dorthin zurückkehrte, lebte lange Zeit im Lande als Arbeiter und Wächter und hat die Natur Palästinas in seinen Gedichten und Idyllen plastisch und mit starkem Gefühl geschildert. Wir haben vor einigen Jahren (30. 12. 1931) in einem größeren Aufsatz von Dr. Max Mayer eine Charakteristik seines Werkes gegeben. Heute veröffentlichen wir einen Teil seiner Idylle: „Im Wald von Chedera.'' Der Ort, an dem diese Idylle spielt, ist durch seine Geschichte für uns besonders interessant, ist doch dieser Wald einst unter unsägliclien Mähen und Opfern auf Sumpf boden gepflanzt worden, auf dem sich heute eine blähende Kolonie ausbreitet. Wenn die zionistische Bewegung jetzt daran geht, im Hule-Gebiet neue Kolonisation zu beginnen, so wird auch dort Sumpfland erobert werden, das in absehbarer Zeit blähendes Fruchtland werden wird. Die Helden Chederas, von denen der Dichter spricht, werden ein Vorbild auch für die Bearbeiter der Hulesümpfe sein. —- Die Uebersetzung hat die metrische Form des Originals (hebräische Hexameter) beibehalten. (Red.) iL Golden« Krabe gleiten hinab durch Zweige and Bfttehe, Springen auf Gräser und blitzen auf Schwingen det jubelnden Vögelt. An den Aexten verfangen sie tich in den Stümpfen der Biume. Und et glänzt und vertieft lieh der Stahl. Zuweilen geschieht es, Daß vom Meere ein Windstoß kommt mit heimlicher Kunde. Dann erschrickt das goldgelbe Licht und kriecht in die Spalten. Und die scharfe Sige verschattet Reb Pinchas iu Füßen. Durch die Blatter rauscht es; und scharfe betäubende Düfte Bringt herbei der geflügelte Wind aus Gärten der Ferne. Und Naftali schnuppert und seufzt and atmet die Düfte: „War ich doch jetzt in den Gärten! Ein Dutzend großer Orangen Würde ich pflücken, iu löschen den Durst, und ich wäre ein König..." Und Reb Pinchas lachte und wischt sich den Schweiß von der Stirne, Tauchte das Brot in die Milch und kaute es Stückchen für Stückchen; Sprach dann plötzlich: „Naftali, du magst vor der Sünde dich hüten. Siehe, viel Gutes ward uns tuteil, gelobt sei der Schöpfer I Hätten wir Arbeit im Feld statt im schattigen Walde — wie gut wär's; Hätten wir Arbeit im Wald, und kein Lüftchen wehte — wie gut wär's; Und jetzt schenkt uns der Wald von Chedera lieblichen Schatten, Und dazu den kühlenden Wind —- wie müssen wir danken.." Doch Reb Pinchas könnt nicht vollenden. Naftali der Spötter — Eine Wildnis sein schwane* Gelock, ond breit seine Schultern —- Lächelt ihn gutmütig an und fällt ihm kurz in die Rede: „Hätten auch wir ein Glas Milch wie ihr, Reb Pinchas — wie gut wär's, Ach, nur Wasser braucht es sa sein, wie gut wär's, Reb Pinchas. Doch wir haben nicht Milch und nicht einmal Wasser. Verdiente Dieser kleine Reb Berl nicht vierzig übergezogen! Seit einer Stunde ist er schon fort, um Wasser zu holen; Und verschwunden ist er und sein Esel, die beiden Verliebten 1" Und beim Frühbrot lachte ringsum die ganze Gesellschaft; — Der aß grüne Oliven gefettet im eigenen Safte, Der Tomaten mit Salz, und jener Eier mit Käse — Und mit ihnen lachte Reb Pinchas, sein silbriges Barthaar Zauste der Wind, und es schimmern die lachenden Augen in Freude ... Denn es war seit langem bekannt, daß Berl seinen Esel Liebte und wie seinen Augapfel hütete, tausendfach Mühe Für ihn verwandte. Nicht heute zum erstenmal war in der Gruppe Kichern und lachender Spott ob dieser seltsamen Liebe. Es folgt nun ein scherzhafter Disput zwischen Naftali und einem aas Rußland eingewanderten Jüngling, der Berl wegen seiner Liehe tur Natur verteidigt. Und die ganze Gesellschaft lachte. Ein Vöglein oben Trillert lustig und hüpft und fliegt von Wipfel zu Wipfel, Kreise von Sonnenlichtern fallen durch Zweige und Büsche. Süll ist der Wald ... nur fern aus den Sümpfen tönt es leise — Eine Weise voll Schwermut: „Im Walde Arabiens nachtet—" Nur diese wenigen Worte erklingen, doch hunderte Male Wiederholen sich Worte und Weise, und immer und immer Quillt daraus von neuem der Schmerz, von neuem die Hoffnung, Trauerndes Irren zittert darin und schwaches Erwarten, Und Reb Pinchas neigt sich und lauscht mit verhülltem Gesichle, Und es lauscht gespannt Naftali dem Sänger im Sumpfe, Und in der Gruppe wird's still: Wie seltsam ist jener Mensch doch — Morgens in aller Frühe erhebt er sich, geht zu dem Sumpfe, Wo das gelbe Sterben lauert, morgens ganz frühe Pflanzt er Bäume im Sumpf, darin den Tod zu besiegen, Und den Sumpf dem Leben zu schenken. Es schütteln die Fäller Frei sich von Staub, ergreifen ihr Werkzeug, Axt, Stricke und Säge, Und der Wald hallt wider von Kraft und Gesang und von Arbeit Lichthell schimmern die Balken, es blitzt der Stahl in den Aexten. Freudig kreischen die Sägen. Doch horch — ein Stampfen und Schreien. Berl kommt hüpfend und vor ihm sein abgetriebener Esel. Und in der Kanne geschüttelt das Wasser ... II. Dar zweite Teil des Gedichtes spielt am Mittag. Berl gedenkt eines Spazierganges nach Sichron Jakob und gibt sich seinen Träumen hin. Als er erwacht, wird er In ein Gespräch mit dem jungen russischen Einwanderer verwickelt, der die Eukalyptusbäume des Waldes und die Natur des Landes preist. Indessen wird ein Baum gefällt, und Naftali schildert den Nutzen seines Holzes, aas von den Jünglingen alsbald für den Gebrauch zugerichtet wird. III. Rötlich glänzen die Wipfel. Es ist wie betend Geflüster Mit dem Zephir des Abends. Noch glühen die Ränder des Westens, Und wie Frühlingsschimmer zittert das Glühn in der Schwebe Und ergießt sich und fließt in die Weiten der dunklen Bläue, Schwindet leicht wie es lebte ... In seinen Anblick versunken Steht Reb Pinchas. Dann wendet er sich nach Osten und betet, Und ein Baum ist ihm Stütze ... Er weiß: wie der schwindende Abend Lischt sein müdes Leben dahin ... Wie häufig entsank schon Seiner schwachen Hand die Axt ... Sein Nerz ist so müde, Und vom Wandern sind wund die Füße. Noch zögert die Ruhe, Zögert die lockende Ruhe ... Und immer noch hört er den Herzschlag. Ungesättigt sein Sehnen ... Noch schwingen zu strahlender Höhe Adlerfittiche stolz ... Doch trauernd schweben sie nieder: Nicht mehr schützt ihr Schalten die Jungen; in alle vier Winde Flogen sie fort und ließen die Felsen der Heimat ... Es sproßt« Und es welkte schon manches Jahr das Grün auf dem Hügel, Der das Weib seiner Jugend bedeckte, das gleich einer Taube Sanft und stumm sich duckte dem Schlag seiner mächtigen Flügel ... Niedergebeugt, gelehnt an den Baum, wie mit ihm verwachsen War Reb Pinchas' hohe Gestalt ... Will Gott dieses Opfer? Hat den nackten Ffelsen befruchtet das Feuer der Träne, Die kein menschliches Auge noch sah? Ihr Blut — soll es kommen Ueber sein müdes Haupt? ... Und er schüttelt den Kopf in Bewegung, Wie erwacht aus schrecklichem Traum, und öffnet die Augen, Rafft sich zusammen und schaut ringsum: Wer zog diese Brut groß? Goß ihnen Eisen ins Blut? Wer ließ sie lachen in Freude? Lehrte sie sicheres Schreiten? ... Im Westen zitternde Wölkchen, Eine Kette schimmernder Perlen, von Strömen durchzogen Dunkelglühenden Saftes der Kirsche, rotgoldenen Weines, Reiner Milch umhaucht von göttlichem Lieht,— wie ein Bogen Lagern sie über dem Dickicht des Waldes, und rötlicher Glanz fällt Auf das in Haufen geschichtete weiße Stammholz der Bäume. Und zum Aufbruch rüstete schon die Gruppe. Der eine Sucht seinen Rock im Gebüsch, der andere schärfte das Beil noch, Dieser bündelte trocken Gezweig als Dank für die Küche; Und wen ausgelassene Lust anwandelte, schwang sich Auf den Rücken des Esels, der sorglos im Grase sich tummelt. Da erhob sich Naftali, und stille war es im Umkreis, Und er hob die Hand zum Zeichen, daß man ihm lausche, Und er sprach: „Der Holzfällerstand in unserem Volke Ist nicht besonders in Gunst seil den Tagen der Gibeonitcni Seht, die zarten Töchter Galils und des Landes Jehuda Pflegten von jeher den Lehrern und Schreihern den Vorzug zu geben — Darum erstehe durch euren Beschluß die llolzfällergruppe, Und zum Oberhaupt wählt ihr Reb PinchasI Ihr Freunde, er lebe!" Durch den Wald erscholl das Echo des jubelnden Lärmes: „Hedad, es lebe Reb Pinchas! Es lebe die Gruppe der Fäller! Jeder Jüngling lebe, der stark ist, den Axthieb zu führen! Und es lebe Galil, seine Berge; es lebe Jehuda, Und die Ebene Saron, die Hügel und Flusse und Täler!" Und den Himmel hüllt schon Dunkel; und wieder Naftali: „Brüderl Erinnerung ziemet sich wolü für die Helden Chederas, Die dem Sumpf und dem Schwert und dem Pfeil zum Opfer gefallen .." Während er zitternd sprach, erstarb auf den Mienen das Lachen, Und die sonngebräunten Gesichter der Jünglinge schwiegen verfinstert. Doch da drängte Reb Pinchas sich durch und trat in die Mitte: „Nicht in Trübsal, — rief er, — soll man ihr Andenken krönen. Laßt uns nach fröhlicher Arbeit in Freude ihrer gedenken! Da der Tag dem Ende sich neigt, so laßt uns hinausgehen, Und die Tagesarbeit mit festlichem Rundtanz beschließen ..." Und dann schlössen sich alle zum Kreis, die Axt in dem Gürtel, Ineinandergehängt begannen sie Horra zu tanzen In der geschnittenen Zweige Gewirr, gehemmt durch die Stämme. Doch ihre Füße bewegen sich leicht ... Es strahlte Reb Pinchas. licht fiel auf die zerrissenen Schuhe, es flogen die Böcke, Und die breiten Hüte aus Stroh, sie hingen —ein Wunder—« Auf den Köpfen im Tanz, der brannte wie lohendes Feuer. Weit und mächtig rauschte das Lied; und wenn auch die Stimmen Nicht in gleichem Maße getönt den Herzen entströmten, Aus der Ferne trug das Echo den Ruhm Galliens, Preis der Arbeit und rauschende Jugend wie Härhe in» Frühling ... Und mit leeren Blechen beladen, bereit für den Heimweg, Reibt sich am Baum des kleinen Berele Kscl, die. Obren Steil in die Höhe gerichtet, und staunt: Was ist nur geschehen? Der so ergebene pünktliche Berl! Was ist nur geschehen, Daß er im Kreise sich dreht? lind den Trog seines F.sels vurgiß! er!? In der Ferne ruft ein Vogel; es fällt schon der Naehtlaa; Und es bleicht das letzte Gold der Wolken im Westen ... Briefe aus dem Emek Von einem deutschen Zionisten Die nachstehenden Abschnitte von Briefen aus dem Emek Jesreel stammen von einem bekannten deutschen Zionisten der jüngeren Generation, dar im porigen Jahre nach Palästina gegangen ist. Red. Afule, 26. November 103-1 liebe Freunde 1 Ich bin seit hurte hier am Krankenhaus, einem der schönsten und besteingerichtetesten, die ich kenne! Ich bin hierher gerufen worden, wozu, weiß ich nicht, auch hier weih man es nicht, es ist auf Veranlassung des ärztlichen Leiters der Kupath Ctiolim in Tel-Awiw geschehen, den ich vor einigen Wochen in Ejn Charod kennengelernt habe und der irgend etwas mit mir vorzuhaben scheint. Mir geht es gut. Richtig gut Die Arbeit schaffe ich jetzt mit viel geringerer Anstrengung und das Leben draußen macht mir Freude, wie sehr, das merke ich so recht an einem Tag In Haifa oder Tel-Awiw, wo ich kürzlich ein paar Stunden war oder auch heute hier, ich sehne mich richtig nach „zu Haus". Man gehört schon ganz dazu und alles gehört zu einem. Unser Zimmer ist jetzt sehr nett und gemütlich. Könnt ihr euch vorstellen, daß ich mich neulich dabei ertappt habe, wie ich im Duschraum leidenschaftlich darüber stritt, ob es möglich ist, mehr als 35 Pakete Preßstroh auf den Wagen zu laden, wenn Mosche und Hans vorgespannt sind? Und ich bleibe dabei, daß es nicht möglich ist. Wir haben zu unserer Freude in letzter Zeit mehrfach gehört, wie sehr man mit unserer Arbeit zufrieden Ist, und wie begeistert man darüber ist, wie wir uns eingearbeitet und eingeordnet haben. Ich bekomme jetzt auch das, was ich anfangs sehr vermißt habe, und was ich die „innere Beziehung zur Arbeit", rur Landwirtschaft als solcher, nenne. Ich habe in den letzten Wochen viel bei der Saat gearbeitet, das hat richtig Spaß gemacht, ist übrigens auch eine große Auszeichnung, da sonst nur Leute dam eingestellt werden, die schon jahrelang da sind. Letzte Woche haben wir, d. h, sieben Leute und ich, in Schümm gearbeitet; dort haben wir einen großen Komplex Boden gepachtet Es liegt zirka IV» Stunde Autofahrt von Chefzibah weg, halbhoch am Fluß des herrlichen Oiwath Ha-Moreh, landschaftlich unbeschreiblich schön; man siebt tclleng«^ hluof; *KM -18 Uhu 'Uhr.«« : 10 UM amm) SKIT |© JAHRE! «* et fk in R nret SAXONIA-DROGERIE :Llel^enburoer ^tt. 33 Eck« Sächsische Str., mm Poitaaat WlS *rs" rrz ge* Wirt« jreich'o vordem hängig Volks,?r vercn die* •hnung welche deutsch heute u. ss ihrer Jude irisches :bt ist,, nichts» erklärt! /olty anders noralijefühl l den* ifstiegj weitet, isenen dieses utsche entun» Ju„ urder» jiidilt aller dische m e nv ufhör-« ischenr kern.!"* über Feine? M|AujR^*2): rtunrnt vTS»^ : des 1 Oe- . 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