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Jüdische Rundschau · 1935-01-29 · Heft 9 (29.1.1935) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 9 (29.1.1935)
Date
1935-01-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seife 8 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 9, 29.11935 DAS BUNTE LEBEN Merkwürdige jüdische Begebenheiten Die Auswahl des Handelsministers Sew York Theodor ff n o s e vel l war ein großer Präsident — einer der ganz ivenigen cwi Formal, mit einer l'eherjiille guter Eigenschaften. Die Wahrhaftigkeit hat nieht dazu gehört. — Das iverdcn später .Xhlenveröffentli (-Illingen zeigen. Einmal aber ist er zu Lebzeiten auf' frischer Tat ertappt worden. Der auch in Deutschland wohl noch bekannte Oskar Sir aus, einst amerikanischer Botschafter in Konstantinopel und der erste llandctsminislcr in Washington, feierte seinen 70. Geburtstag mit einem Bankett. Der erste Festredner war sein früherer Chef Roosevelt. Er pries den Jubilar als den Fälligsten der Fähigen. „Als ich", so versicherte er, „ein eigenes Handelsministerium schul, da war für mich kein Zweifel, wer allein diesen Posten würdig ausfüllen könnte: unser Jubilar. Sicht etwa seine gleichzeitige Eigenschaft ah Deutscher und Jude veranlaßt« micli zur Wahl, — nein, nur seine seltenen Qualitäten..." Tiefer Eindruck auf allen Seiten. Als Säclislcr kam der angesehene Jakob II. Schiff zu Wort, dessen Schwerhörig/teil damals schon recht weit gediehen war. „Ja", so begann er, „mein Freund Rooscvell hal gut berichtet. Zufällig kam mir heim Ordnen meiner Briefe vor wenigen Tagen ein Schreiben tles Ef Präsidenten aus jener Zeit in die Finger, in dem er mich bittet, ihm einen geeigneten Kandidaten für i/ns Amt zu ni'nnen, der — gleichzeitig Deutscher und Jude sein sollte..." E.K. Sie konnten zusammen nicht kommen .... gbd., Mannheim Die zwei Ohcrruhhincr in Jerusalem nämlich, liaw Kuh und der < )hct ■rubniner der selbständigen Orthodoxie, Raw I) u r, c b i n s h i. Denn, so berichte! der ,\l. Cr.-!'.-Korrespondent des „Israelit" (Sr. 2 v. S. I. 35), „aus Anlaß des Besuches des schwedischen Kronprinzcnpaures veranstaltete der High l'nmnüssioncr ein Bankett, zu dem er dii' Oberrabbiner usw. einlud.... Da1 Frez Israel-Presse stellt fest, daß bei dieser Gelegenheit 1 >h,-rrnhhincr Dnscliinslii zum ersten Male mit (jberrubhint r l\':i; zusnmnwnaetrid ien ist." Du sieht man also, con wen her Bedentimg der Iii such des schwedischen Kronprinzenpaai ei war.' Man </<'i:/;r sich einmal aus, was geschehen leine, in nn kein Krimprinzmpaar nach Erez Israel gekommen, kein l'mnl.cll beim High ( titnmissioncr veranstaltet worden lettre' Vielleicht hatte es dann eines Wunders bedurft, um die beiden Oherrahhiner zusammentreffen zu lassen. ]'ielleic!it hätte erst der \!uschiueh kommen müssen. Immerhin, man sieht, wie nueti im Leben von — Oberrabbinern das Märchen von den Königskindern sich bewahrheitet. Es ist eine „merkwürdige jüdische Beu,< henheit". Und darum paßt sie auch in diese Rubrik. Mit dem „Zwölfer" in die „Jüdische Kultur" ma. Berlin. Wenn man hier des Abends so gegen 7.30 Uhr in den Zwölfer Omnibus steigt, begegnet man zivisehen 'Zoo und Charlottenstraße so manchem guten Freunde, der, mit Opernglas und „Mitglieds-Ausweis" wahleersehen, dem Kulturbund-! heater zusteuert. Den BVG.-Schaffnern muß zugestanden werden, daß sie diese Theater- und Fahrgäste über das Problem „Wo aussteigen?' usw. freundlich und kundcndienslhejlisscn beraten, bis soll sogar schon vorgekommen sein, daß ein wohlwollender Schaffner einer ängstlich auf ihre Uhr blickenden Dame zugeflüstert hat: „Sa, Frollcinchen, heute kommen ivir aber erst zum dritten Akt zurecht! Die ham da schon angefangen!" Eine niclit alltägliche Art, Haltestellen auszurufen, dürfte aueh die kürzlich von einem Schaffner eingeführte sein: „Charloltenslraße: Jüdische Kultur' ~: A I l c s a u s s t e i g c n!" Die Kompensation o. Jerusalem Der Jerusalemer Gelehrte Rabbiner Assaf hat vor einem Jahre als Rechtsversländiger in einem nach jüdischem Hechte zu entscheidenden großen Erbschaftsprozeß Indien besucht und über seine Reise im „llahed" berichtet. Unter anderem erzählt Assaf: Die linei Israel in Bomhav haben eine große clfklassige Schule, die aus den Mitteln Sir Ali Kadoories gebaut wurde. An der Schule erhalten neben fünfhundert jüdischen Kindern auch etwa hundert indische Kinder Unterricht, eine Erscheinung, die vom pädagogischen Standpunkte nicht zu begrüßen ist. Als Assaf nach der Ursache jragte, wurde ihm geantwortet, daß die Bnei Israel, die ihre Kinder in diese Schule schichen, sehr arm sind und zum größten Teil kein Schulgeld zahlen können, denn die Reichen schicken ihre Kinder in die englischen Schulen. Die indischen Schüler aber, die in die Schule aufgenommen werden, zahlen Schulgeld, und dies bedeutet für die Schule eine wichtige Einnahmequelle. Raw Assuj wunderte sieh aber zum zweiten Male, als er sah, daß auch unter den Lehrern zahlreiche Inder sind. Darauf erhielt er zur Antwort: ein indischer Lehrer ist viel billiger als ein Lehrer von den linei Israel, und die Anstellung indischer Lehrer an der jüdischen Schule ist eine große Ersparnis. Der abgebrochene Zahn h. Warschau Da kommt eine junge, gar nicht häßliche und gar nicht unjüdisch aussehende Dame ins W a r s c h au e r Rabhinat und verlangt, bittet, bettelt, weint, beschwört, ist gar nicht zu hallen vor Aufregung. Man beruhigt sie und bekommt, allmählich heraus, was sie will: Sie will unbedingt sofort wieder ins Judentum aufgenommen werden. Was ist passiert? Die junge Dame ist Dentistin, sie halte eine gute Stellung in Aussicht, aber nur, wenn sie den Glauben wechselte. Sie hatte sich also taufen lassen. Am Vormittag war sie zur Taufe. in der Kirche; am Nachmittag, in der Sprechstunde, kommt eine Patientin zu ihr, eine alte jüdische Frau, der sie einen Zahn ziehen soll. Die Prozedur beginnt, sie ist nicht ganz einfach, und mitten im Ziehen bricht der Zahn ab. Der alten Frau, die sich nicht hat betäuben lassen, tut es sehr weh, sie jammert. Die Dentistin wird nervös, die alte Frau weint, die Dentistin fängt die Operation von vorn an, die alte Frau sehreit, es tut ihr furchtbar weh, die Dentistin läßt sie einen Moment verschnaufen; da werden die Sehmerzen unerträglich, die alte Frau schreit: „Sehma Jisroel!" Und da ist es passiert. Die Dentistin, die ohnehin nervös gewesen war und wahrscheinlich auch wegen ihres lieber- Iritis Gewissensbisse halle, konnte es nicht mehr aushalten, lief, wie von Furien gejagt, zum Rabbinat und schrie: „Ihr müßt mich wieder aufnehmen!" Die christliche Hebräerin o. Jerusalem Die folgende Geschichte erzählte mir die Frau des Konsuls eines mitteleuropäischen Staates in Jerusalem, eine gute Christin. Sie wünschte ihrer Tochter in Jerusalem eine französische Erziehung zu gehen und schichte das Kind deswegen in die Schule der Alliance IsraHile. Ob das Kind viel Französisch gelernt hat, weiß ich nicht, aber Hebräisch hat es bald erlernt. Kürzlich fuhr die Frau Konsul nach Tcl-Awiw, um Einkäufe zu machen, und sprach in einem Geschäft Französisch. Man verstand sie nicht recht, und sie rief deswegen ihre Tochter herbei, die hebräisch den Dolmetsch machte. Als sie wegging, sagte ihr der Geschäftsinhaber: „Gnädige Frau, Sie sollten sich doch ein wenig vor Ihrer Tochter schämen. Sehen Sie, wie gut sie Hebräisch erlernt hat, und Sie selbst sprechen noch kein Wort." Kongreß - Stempel Ein Interessengebiet der Briefmarken - Sammler Wie nbii'n-Ko Delegiert leren I r r.rfoi agtingen Kit 4 und <d;is sei iS-Leitiini' von t auch hei den Zioh'H'lk; Arbeiten der der zweckmäßigen tles Nachrichtendienstes ab. Wo der Kongreß mag, stets wird sich wahrend der Kongreß- Organisierung auch stattfinden zeit ein reger Posthetrieb abspielen. Nun pflegen die einzelnen Postverwaltiingen hierfür Sondcr-Postamtcr einzurichten und diesen S o nd c r ■ St cm pel zu gehen, deren Inschriften auf die Eigenart der betreffenden Tagung hinweisen. Diese Stempel verbinden also Entwertung der verwendeten Briefmarken mit Feststellung des Abgangs- Datums und einer Erinnerung an die Tagung. Leider ist das in Betracht kommende Material außerordentlich zerstreut, nie systematisch gesammelt oder registriert worden, so daß heute eine Rekonstruktion noch manche Lücken aufweist. Der älteste dem Schreiber dieser Zeilen bekannte ist ein halbamtlicher violetter Stempel, der vom 14. 20. August 1907 beim VIII. Kongreß Verwendung fand. Auf dem IX. Kongreß wurde, wenigstens nach Studium der deutschen einschlagigen Literatur, kein Sonder-Stempel benutzt. Dagegen kam beim X. Kongreß in Basel ein Stempel „BA¬ SF L — KÜNORESSBURLAU" zur Verwendung. Auch beim XI. Kongreß, der im August 1013 in Wien stattfand, wurde ein Sonder-Stempel benutzt. Häufiger als die in der Vorkriegszeit verwendeten Stempel, die ja seinerzeit noch nicht die ihnen heute geschenkte Beachtung fanden, sind diejenigen der Nachkriegszeit, zumal sie auch häufig neben den Inschriften in der Sprache des Kongreßlandes hebräischen Text zeigen. Die Stempel der Karlsbader Kongresse von 1921 und 1923 sowie derjenige von Prag 1933 sind in Tschechisch und Hebräisch gehalten, der Stempel vom XV. Kongreß in Basel wieder nur in Deutsch. Viel seltener und unbekannter sind Sonder-Stempel von Tagungen zionistischer Landesverbände. Dem Verfasser liegt bisher nur derjenige des VII. Kongresses des russischen Landes-Verbandes vor, der im Mai 1917 in Petrograd tagte. Zum IV. Kongreß der Zionistcn-Revisionisten vom August 1930 in Prag sah man einen großen, tschechisch und hebräisch gehaltenen Sonder-Stempel, der nicht allzu selten ist. An Gelegenheitsstempeln sonstiger jüdischer Tagungen sind diejenigen des 1. und 2. Kongresses der Agudas Jisroel in Wien 1923 und 1929 zu nennen, die man ebenfalls zuweilen antrifft. Paul P, Lindenberg Palästina Woche Berlin, 3.—10. Februar Sonnlag, den 3. Februar, Uhr, im großen Saal der Philharmonie, Bernburger Straße 22 Größe und Gefahr der Stunde Kundgebung zum Erwerb der Hule-Konzesslon Essprechen : MARTIN BUBER/Dr.GEORG LANDAUER Rezitation: MEINHART MAUR / SPRECHCHÖRE Dienstag, den 5. Februar, 20'/s Uhr, Im großen Saal des Brüdervereins, Kurfürstenstraße 115-116 Selbsthilfe und Solidarität Bericht des Leiters der deutschen Abteilung der Jewish Agency In Palästina Dr. GEORG LANDAUER Donnerstag, den 7. Februar, 20'/^ Uhr, Im großen Saal des Logenhauses, Klelststraße 10 Die Zukunft Erez Israels Palastina 1900 — 1935 — 1950 Dr. MICHAEL TRAUB Sonnabend, den 9. Februar, 20'/s Uhr, In der Sing- Akademie, Am Festungsgraben 2 Zion — Zwei Jahrtausende jüdischer Sehnsucht Ein Oneg Schabbat: Rabbiner Dr. JOACHIM PRINZ Kantor BENJAMIN BESTIMT EDITH HERRNSTADT-OETTINGEN CHEMJA WINAWER mit seinen 30 jüdischen Sangern Sonntag, den 10.Februar, 11V« Uhr, Im Atrium, Kaiser-alles (Ecke Berliner Straße) Makkabi-Sportschau Der 2. Makkabiah entgegen Dr. HANS FRIEDENTHAL „Der Weg der jüdischen Jugend nach Erez Israel" Rückblick und Ausschau / Vorführungen, Tänze, Chöre Orchester der Jüdischen Künstlerhilfe Karten für diese Veranstaltungen Melnekostr. 10; BZV-Helm. Kantstr. 54; Atlantic-ExpreB, Frledrichstr. 10Q(S-Bahn Friedrichs!!-.); bei Ftndar, Alte Schönhauser Str. 54| Deutschland-Palästina, KurfOrstendamm 224, Ecke Meinßkafitr.; Konditorei Hansa, Flensburgs Str. 19; Buchhandlung Hedem, Dahtmannstr, 8; Buchhandlg. Lippmann, Trautonaustr. 16; Heppner, Inselstr. 5. Berliner Zionistische Vereinigung Ankündigungen aus dem Reich Breslau: Zion. Vereinigung. Acn 30. Jan., 20.30 Uhr, im Palästina- Fiüro, (iartens'r. 25. Vortragszyklus: „England und Palästina'', 4. (letzler) Teil: „Das Palästina-Mandat — Inhalt und Verwirklichung'1. Referent: Dr. Haus Prinz. — Frankfurt am Main! Am 4. Februar, 20.30 I hr, Vcrciiishaus, Eschenheimer I .aml-.tr. 27, Gesellschaft lur jüdische Volksbildung, Rabb. Dr. Paul Lazarus (Wiesbaden): „Asien und Europa, die Scliiclisalshcgcgriuiigcn der Juden". — KarlsruheI Kur.svortrug Dr. Kurl Licht, Mannheim, üljer die politischen und juristischen Voraus-ctzungen des Palästina-Aufhaus am 2. Febr., im Lehrhaus, Beginn 8.30 Uhr. — Kauet: Am 29. Jan., 8.30 Uhr, Murhard-Siaal, Dr. Haus Pomerauz: „Zionismus als Wirklichkeit und Aufgabe''. Am 31. Jan., 8.20 Uhr, Jugendvcraustaliung, Dr. Hans Pomeranz: „Palästina wächst — der Weg in das Land". Familien - Nachrichten Herr Georg Sobcrsky und Frau, Düsseldorf, Schiitzenstr. 24, begingen am 20. Januar die goldene Hochzeit. Frau Johanna G o 1 d s. c ii m i d t, Münster, begeht am 2. Fcbrual den 89, Geburtstag. Palästina -Amts -Tagung fUr Rheinland -Westfalen Zwecks gründlicherer Information und engerer Zusammenarbeit veranstaltet das Palästina-Amt eine Reihe von Bezirkstagungen seiner Vertrauensleute im Reich. Die erste dieser Tagungen fand am 20. Jan. unter Teilnahme von ca. 60 Mitarbeitern des Bezirkes Rheinland- Westfalen in Essen statt. Die Tagung war vorbereitet durch einen vorangegangenen Besuch eines Mitarbeiters des Berliner Palästina-Amtes der in dem Bezirk gelegenen Zweigstellen. Die Tagung selbst wurde eingeleitet durch ein Referat von Walter Tempel, Berlin, 'über die „Gegenwärtige Situation in Palästina und die Aufgaben des kommenden Jahres". In seinen instruktiven Ausführungen zeigte der Referent die Ursachen der wirtschaftlichen Konjunktur auf und wies auf die damit verbundenen Gefahren hin. Er betonte, daß eine Stabilisierung der Wirtschaftsverhältnisse in erster Linie durch eine verstärkte nationale Kolonisation und die Förderung der in Entwicklung begriffenen Industrie zu erreichen ist. Der zweite Teil der Tagung diente den praktischen Fragen der Palästinaamts-Arbeit in der Provinz. \fiatäsUHa4cU(M Uohh<m*> Land / ••vfllkerung / Landwirtschaft / Industrie / Verwaltung / OesundheiUwesen / Erziehung / Einwanderung / Karen Hajessod / Koren Kajameth Lejiarael / Zionismus 3. bis 5. Februar 1935 iJM

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