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Jüdische Rundschau · 1935-01-29 · Heft 9 (29.1.1935) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 9 (29.1.1935)
Date
1935-01-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 9, 29.1.1935 Ausgrabungen zur Bibelkunde Ein Reisebuch, Tubiiiycn ist vor wenigen Wochen die Liderung I 'um Handbuch" /um Alten Testament, Erste Reihe, „Biblisches R e ,i I I e \ i k on" von Kurt Galling, Professor in Halle a.d.S., Hogen 1 5, erschienen, in etwa neunzehn Spalten fuhrt Prof. Galling in dem Artikel „Ausgrabung" all das an, was hier im Hinblick auf Geschichtliches, Methode und Frtrag erwähnenswert ist. Auf die aufsch'ußm'chcn e s c Ii i c h 11 i c h e n Darlegungen _ im ersten Teil des Artikels sei mir aus dem Grunde nicht weiter eingegangen, weil soeben erst die wichtigsten Daten und Ereignisse in dem Aufsatz „Kulturdenkmäler Palästinas" in Nr. 2 der „Jüdischen Rundschau" angeführt worden sind. Im zweiten Teil des Artikels, der sich mit der M e t h o (1 e h.-fallt, tut < inlling die K o m p! i / i e r t h c i1 d e r A u s g r a b u n g s m e t h o d e n an einer idealen Konstruktion dar, bemerkt aber, da» die Bedingungen, die einer solchen Konstruktion?ugrumie liegen, in der Wirklichkeit niemals erfüllt werden. Zur Verdeutlichung wirklicher Schichtensituation wählt Galling das relativ einfache Heispid des Querschnittes der Grabung im T y r o p o i o n t a I i n J e r u s a I e m (!>p. 51 f.). Galling macht liier deutlich, wie es für die Aufdeckung der Schichtenfolge eines geschulten Auges bedarf, um so mehr, als man in den seltensten Fallen das gesamte Areal einer Stadt abheli!, sieh vie!""-'"'" '"""'i*' schiedenen Punkten in diesem Zus.mimenham'e die Bedeutung der Keramik für die palästinensische Areh mlogie ins licht. „Während für den Europäer die Bindung Möbelindustrie, mitten' ehr /iimeist mit Teilgrabtingen an vereinigen muli (Sp. 53). Galling stellt!1! Eisen/ei tiseh-mv liebsten ige;! Beobachtung arten treten roheren zu r p,1iaVui!eil»ei ,,- tischen In n. W a! / i n g e v 6 1 b e g i .i kann, d a Ii s c h e n i s t. Den •/iert (i. wie Sie „Bild »I.. s c h e n der sei) nr." Are: Aull d i ■\ r c h . i" r t i-; r Kultur" D e n k m ä 1 radition und Mode, etwa bei der sil.ii'ig ist, i-t dies in der Bronze- und .läst-mnisi-rheii und der westlichen (kred n'.t -riechis.iien) Keramik am deutn. :i I.) Galling hebt auch hervor, daß zur •i! auch die des Materials, vier Glättungsü e, sieh nicht um eine l.ntwicklirng von buiuien h.nid'-lf. „.Maligebeml ist für die aneeie die /eifl ehe Anset/img der ägvp- (>p. *<t). <i;il!iiig erwähnt hier auch :shru::,vsi über die Keramik der (lein \\ v sr j i|,) o, «leiten man entnehmen a t i e r u n g i ri der palästinensii ir i e n i c h t e t w a nur ein Rat e r) A ii rennen r ii d e - g r :i b ii u g s t a 1 i g k e i t Ski/- : Obwohl viele Ein/e!tatsachen (werk und Kunstfertigkeit das lassen, darf „den literaris pro f a n e n und r e 1 i g i 6 - sen Lebens die ihnen gebührende Bedeutung nicht aberkannt" werden. „Aber erst die volle Breite der Lebenserscheinungen, wie sie in den Ausgrabungen faßbar wird, vermag uns vor Fehlkonstruktionen allein aus literarischen Zeugnissen zu bewahren" (Sp. 57). Galling hebt hier auch hervor, wie durch die Ausgrabungen die lange Zeit hindurch nicht gewürdigten kulturellen Beziehungen zwischen Aegypten und Palästina erst recht deutlich sichtbar fewordert sind. Bemerkenswert ist auch der Hinweis in diesem usammenhange: „Gewiß wird die R e I i g i o n s g e s c h i c h t c in weitgehendem Maße von Texten abhängig sein — die wir, wie z. B. die mythologischen Texte, übrigens auch den Ausgrabungen verdanken —, aber die Denkmäler ergänzen diese nicht nur, sondern haben zum Teil auch den Wert neuer Zeugnisse (Mckal-Stele von Bethsean, Stele von Balu'a im Ostjordanland, Stelen von Ras Schamra)" (Sp. 58). Galling warnt vor der Auswertung der Ergebnisse der Archäologie zu ajx>h>- getischen Zwecken. Als Beispiel führt er die Sintfiute r z ä h I u ii g der Genesis an. „Man nimmt der biblischen Erzählung, die für uns nicht Geschichte im Sinne der historischen Wirklichkeit darstellt, gerade den Tenor der ihr innewohnenden inneren Wirklichkeit, wenn man aus der Flut, die die ganze Welt untergehen läßt, ein historisches Faktum der babylonischen Tiefebene macht" (Sp. 60). Am Schlüsse des Artikels umreißt Galling nochmals recht deutlich seinen Stand- Fiunkt: „Archäologische Fakten ersetzen also nicht historische nterpretafkm. Wenn es mit Hilfe der Archäologie gelingt, den Kulturbestand der ausgehenden Bronzezeit und der beginnenden Eisenzeit breifschichtig zu konfrontieren, und wenn es gelingt, dam eine Siedlungskarte der beiden Perioden (ohne Rücksicht auf biblische Orte) zu zeichnen, dann ist für das Verständnis der israelitischen Geschichte mehr gewonnen als mit dem Sand von Ur, mit dessen Hilfe man an den gesunden Menschenverstand appelliert, um die Bibel zur Bibel zu machen! Auch das Material, das die Archäologie der Religionsgesehichtc bietet, wie Götternamen (Mekal in Bethsean) oder Mythen (Ras Schamra), stiftet in der Hand eines Dilettanten nur Unheil und wird erst lebendig von einem phänomenologischen und historischen Gesamtverständnis aus. (Vgl. etwa G. van der Leuw, Phänomenologie der Religion.) Der ,Ertrag' der Archäologie liegt mithin keineswegs so zutage, wie die aufgedeckte Schicht einer Grabung, er ist an Verarbeitung und Deutung gebunden, und vielleicht ist er dann am größten, wenn er selbst in eine neue sachgegebene Frage ausmündet" (Sp. 61). Rabbiner Dr. Ernst Steckelmacher, Bad Dürkheim Gesdudits - Literatur Das Ende Oesterreichs Franz Joseph I. von Karl Tschuppik, Verlag von Julius Kittls Nachfolger, Mahrisch-Ostrau. Das Buch von Tschuppik gibt auf 400 Seiten eine Rii "rapb'e dis H ib-.b'r imIuii h iiirs. Diruber hinaus gibt Isduippik die (n 'lial.te Oisti trii hs der letzten 70 Jahre, a!-o In- /um „(n'.i'mr d>s KuJhn '. Ir zeigt die enge \ trli'i'KktilK it d Hibsbui im hm H lusinachtsgedankens, wie ihn I ran/ Jnsenli streng und unbeirrbar festhielt, mit den Geschicken der Volker, arbeitet klar und folgerichtig den Nation ibt.iH n igiti-,t/ dir V Ikir hiralls, deckt den tragist hen Konlbkt, d.r iu> dir Y> keuuung dieses Nationalit '!< n'itwul t-.ii «"i ''Mt i d, i nd Mhilbrt den zwar heroischen, al er mit imi1 Mh b i h<nwi|Uiii/ sich vollziehenden l nt' rj in > ib - d ' mi!<-- I>t m ihr Geschichte eines jedm 1 ei b - , i (i linlih ot r iimm In nden Länder mitmIwii i, s, ii n, i ,vir in i ii in /u < u die (k schichte I tiroj is 1 ii i /ii H i ,t ' i | i 1-weise, wielange t'ii.i i i i I p< '! i "i lo eph sich gegen den V , 1 I i , i ' 1 ))s hl b i-i i ir tos Juden noch aus ei, ] , i i i i ii i i Ii u'ti t im luden werden gen on< >' i i \]i'i i i r Ii bti'i i> wird objektiv Rechni i uii ,, ihr i-i Ii r Einleitung seine I i ' i i ' i i 1* i t oo i I i n»> 'i r Arier. Um so w i i * i t i ■ |ud. i t n ' i. wi t i s e m i t i s c h e B < i i ■>', i 1 mm '-i ■! | i< 1 i n zu sagen weiß. Ve i» ii i i i f ur , , | i-t für den Frei- 1 i \ ili i I i I ,1 ' 1 d s >ii ischin Handels- ' i i Mit, i f ,] ( ,, , r I tihes Isfib, hat er k i \ 1 * 1 i i t d i u n 1 r bedeutende j üdi - 1 i Ii t t > i 1 ti t \ i tu i ' ' innt. David K ti h s b ' i * l i i i 1 h i \ on Fmil S t e i n- 1 , 1 d i 1 1 i i 1 i 'i-i ' inh odeln viele Seiten di- Ii i n s t I 'i ippik o iiiier Stelle: „Zwei 'ro e Airli i i - . i Ni'tun \irkmipft, die Währiiti i'i I Ii I ii mi i' 1' im m1 tutern. Sein groß, 'es tu , i >t di tr im Oktober 180'J I ifte uii di!' i '\ i 1 hi u pi Winnen vermocht h «t \ M u i 11/ t, Ii ' Mt dem „Dreibriiderlbaus", der > i fl"l <b jii bs Werk ist cm «ihichti nbiit h In -t it kui fihhr, ein nso wenig wie das Hfn'in ifri p. rs nlnhir /u , <|cs K n-ers, der Kaiserin, des fiiiwilli' ms dun 1 11 ,i ii <>(srlii> dmen Kronprinzen Rudolf und des spater ermordeten Franz Ferdinand. I>r. T. Simon Zur Geschichte der deutsdien Juden Gedenkbuch zum 12Sjähriijen Bestehen des Oberrats der Israeliten Badens. J. Kauffmann Verlag, Frankfurt 1034. Preis RM 3, . Dieses Gedenkbuch enthält neben einem Geleitwort des Oberrats und einer Ansprache Dr. Leo Baccks bei der Gedenkfeier am 23. 2. 31 drei historische Arbeiten zur Geschichte der Badetier Juden. Selma Täubler-Stcrn schildert in einer gröberen Arbeit ebenso gründlich wie instruktiv die Emanzipation der Juden in Baden. Sigmund Reichenberger steuert ein Porträt des um das badische Judentum so verdienten Oberrats Nnphtaii Epstein bei. Schließlich beschäftigt sich mit den jüdischen Volksschulen in Baden Fi. R o s e n t h a I. Das Buch wird über den aktuellen Anlaß hinaus seinen, Wert als Quelle historischer Erkenntnis behalten. Geschichte der Jüdischen Gemeinde zu Kleinheubach a. M. Von Gottlieb Wagner, Pfarrer i. R. Preis RM 2,—, zu beziehen durch Dr. Sigmund Sichel, Kleinhetibach. Die kleine Schrift, die. aus den Vorarbeiten zu einer Ortsgeschichte von Kleinheubach entstanden ist, gibt einen guten Einblick in die Geschichte dieser jüdischen Gemeinde und ist besonders wertvoll durch die Liste dex ehemaligen Schutziuden dies« statt». -n. mi II' n i m/ < i. m 1 1 htsb.. h u imi ii i prochen, der Einwird suhlt b diskutiert. Das daß ts su h wie ein Ge- Weltgeschichte in einem Bande Die Kunst des Knaur-Verlages, eine Fülle von Stoff auf einem Minimum von Raum darzustellen, bewährt sich auch in der soeben erschienenen „Weltgeschichte" (herausgegeben von K. A. von Müller und P. R. R o h d c n), die auf 884 Seiten, unterstützt durch eine große Anzahl von Abbildungen und Tafeln, einen ausgezeichneten Ueberblick über das gibt, was wir über die letzten 5000 Jahre wissen. In einer Zeit, da die politischen Umwälzungen auch einen Wandel des Geschichtsbildes mit sich bringen und neue Wertungen der einzelnen Epochen sich Platz zu bahnen versuchen, greift man mit besonderem Interesse zu neuen Oeschichtswerken um festzustellen, in welcher Form die neuen Ideen hier ihren Ausdruck gefunden haben. Im wesentlichen freilich beschränkt sich die Knaursche Weltgeschichte auf eine Darstellung, die im Geiste der klassischen deutschen Geschichtsschreibung gehalten ist, d. h. also möglichst ohne Werturteile und ohne Vorurteile. Man wird alles in allem den Versuch als geglückt ansehen dürfen. Wie es im Rahmen der kurzen Darstellung nicht anders zu erwarten war, sind im wesentlichen die Konturen dieses Geschichtsbildes gezeichnet worden, während die Einzelheiten naturgemäß stark zurücktreten mußten. Dieser Knappheit der Darstellung ist auch die Judenfrage zum Opfer gefallen, die ja uns bei der Lektüre dieses Bandes besonders angeht. Die religiösen Auseinandersetzungen im antiken Judentum werden auf einer halben Seite, und nicht immer ganz prägnant, dargestellt. Ein Satz etwa wie dieser: „Die Einwirkung des Priesterkodev auf die Darstellung der älteren Geschichte des Volkes ist sehr nachteilig gewesen", bleibt ziemlich dunkel. Kurz gestreift wird auch die große Judenverfolgung im II. Jahrhundert zur Zeit des „Schwarzen Todes", der, wie der Verfasser sagt, „wilde Pogrome gegen die städtischen Juden als Sündenbicke auslöste....; die Pogrome waren eine brutale Lasteriabschiittelung, die verschuldeten Bürgern die Arme zu weiterem Aufstieg frei machte". In der neueren Zeit findet die Judenfrage ebenfalls nur immer nebenbei Erwähnung, insbesondere im 19. Jahrhundert, wenn von der Entwicklung des Kapitalismus die Rede ist. „Vielfach waren jüdische Familien die mächtigsten Träger der Geldmächte, deren Versippungen sich über die verschiedenen Länder verzweigten. Diese Geklmächte suchten und gewannen Einfluß auf Zeitungen und Parteien und schließlich auf die Regierungen der verschiedenen Staaten, die ihrer Vermittlung bedurften." Der Verfasser dieses Kapitels läßt aber leider nicht mit der gleichen Deutlichkeit erkennen, daß der Kapitalismus auch in den Händen von Nicht- Juden eine ungeheure Macht wurde, Aehnlich verhält er sich, wenn er über die Literatur der jüngsten Zeit spricht und u. a. sagt: „Tagesschriftstellerei aller Art überschwemmte weithin die Oberfläche des geistigen Lebens; in Deutschland war sie zum größten Teil in jüdischer Hand," Auch hier wird eben nur eine halbe Wahrheit ausgesprochen. Wir vermissen auch die Erwähnung positiver Leistungen, so z. B. Fritz Flabers oder Rathenaus oder Ballins. Besonders erfreulich ist das Kapitel über die Epoche der Aufklärung, das Prof. Karl S t ä h 1 i n zum Verfasser hat und diese heute so verlästerte Epoche auch in ihren positiven Seiten und in ihren Vorzügen wiedergibt. Dr. N. Wolf Birnbaum gibt im Verlag Livtmia, Riga, einen „Grundriß der jüdischen Geschichte" heraus, der keinen Anspruch auf wissenschaftliche Bewertung erhebt, vielmehr den sehr nützlichen Zweck verfolgt, dem Laien, der erst jetzt mit jüdischen Dingen in Berührung kommt unu sich in großen Zügen schnell orientieren möchte, eine Uebersicht über das Ganze zu geben. In diesem Sinne sind die Tatsachen der jüdischen Geschichte und Geistesgeschichte in großen Umrissen zusammengefaßt. Das Büchlein beschränkt sich auf die Darstellung von Tatsachen ohne Bewertung und ist gerade darum als Informationsquelle zu empfehlen. Unter dem Titel „W e 11 w a n d e r n in der Welten« wen d e" veröffentlicht Paul R o h r b a c Ii, der bekannte Kolonialpolitiker (im Verlag R, Oldenbourg, München, M. 4,80), ein Buch, das Keiseblärter aus 36 Jahren zusammenfaßt. Rohrbach kämpft für das Verständnis und die Kenntnis des Orients, wo Deutschland eine besondere Aufgabe zu erfüllen habe. Das Buch vertritt eine bestimmte äußere politische Idee, entsprechend jenen Gedankengängen, die schon das kaiserliche Deutschland zu einer stärkeren Ostpolitik bewegen wollten mit der Ueberzeugung, daß, wie Rohrbach in der Vorrede sagt, England niemals in einen Krieg gegen Deutschland eingetreten Wäre, wenn die Position Deutschlands in der Türkei (Bagdad-Bahn) bereits so stark gewesen wäre, daß England im Kriegsfalle eine Bedrohung der Verbindungswege des Empire hätte befürchten müssen. Noch im Jahre 1<)')2 vertritt Rohrbach dieselben Ideen einer Zusammenfassung Mitteleuropa -- Balkan - Orient, und im Juli l»)3'i äußert er die Meinung, daß durch eine auf dieses Ziel gerichtete deutsche Politik ein Zusammenwirken von Deutschland, England und Italien bewirkt werden könnte, Die pessimistische Meinung, die der Verfasser im Mai 1931 von den inneren Verhältnissen Englands hat, sind inzwischen durch die Entwicklung wohl modifiziert. Interessant ist für uns auch, daB Rohrbach in Belgrad im Zusammenhang mit seinen politischen Konzeptionen sich des Liedes eines „österreichischen Reiterleutnants" aus dem Kriege erinnert, ohne ihn zu nennen; es war Hugo Zuckermann. Im Verlaufe seiner Reise ist Rohrbach mehrfach nach Palästina gekommen. Die drei palästinensischen Kapitel, die das Buch enthält, tragen die Jahreszahlen 1898, 1<)11, 1932. Das frühere Palästina gibt Anlaß nur zu religiösen Erinnerungen. 1898 gedenkt er in Sichein der Botschaft des Arnos von Thekoa, von der er sagt, daß in ihr „zum erstenmal in der Religionsgeschichfe die Wahrheit aufleuchtet, die allen primitiven, auf Kultus gegründeten Gottesdienst überwindet: Gerechtigkeit ist besser denn Opfer, Gottesliebe ist Nächstenliebe". — Das von 1932 datierte Kapitel schildert die Ausgrabungen in Meggitlo, deren Besuch den Verfasser auch zu den jüdischen K o I o n i e n des Emek führte. In kurzen Strichen erzählt Rohrbach etwas von der Lebensführung der Menschen in der Kwuzah und bestaunt u. a. die Tatsache des lebendigen Hebräisch. Er hatte ein Gespräch mit -einem ehemaligen Rechtsanwalt, der auf die Frage, wie er denn „das völlig umgestellte Leben ertragen" könne, antwortet, er sei glücklich und fühle sich aus unablässigen Gewissenskonflikten befreit. Das Buch Rohrbachs bietet in seiner Vielfarbigkeit jedem Leser interessante Aspekte, wenn auch manche seiner politischen Ideen und Urteile sicherlich nicht immer Zustimmung finden können. Ein neuer Führer durch Palästina Im Verlag Sfeimatzky, Jerusalem, erschien soeben in hebräischer Sprache ein neuer Reiseführer durch Palästina, verfaßt von Seew W i I n a i, unter Mitarbeit von Dr. A. Bonne. Der Führer, der auf den neuesten Stand gebracht ist und alle Landschaften, Verbindungswege und sonstigen Verhältnisse Palästinas darstellt, wird sicherlich den Kindern des Landes hei ihren Wanderungen sehr willkommen sein. Darüber hinaus aber ist dieser Führer denjenigen jüdischen Touristen aus dem Ausland, die hebräisch verstehen, zu empfehlen. Das Buch enthält auch verschiedene wertvolle Uebersichten, so i. B. eine Chronologie der Geschichte Palästinas, eine Palästina-Bibliographie, ein Verzeichnis der jüdischen Presse, ein Verzeichnis der arabischen geographischen Bezeichnungen. Auch die für Touristen wichtigen Teile Transjordauiens sind berücksichtigt. Wie der Verlag mitteilt, stellt eine Ausgabe des Führers in noch vergrößertem Umfange in deutscher und englischer Sprache bevor. Alte undneueWelt im Reiche der Mitte Pearl S. Buck: East Wind : West-Wind. Leipzig, B. Tauchnitz. Vor kurzem las man in den Zeitungen die alle Kennen des Reiches der Mitte aufregende Nachricht, daß in China fortan den Männern das Tragen der altertümlichen Haartracht, den Frauen aber das seit Jahrhunderten übliche Einschnüren der Füße polizeilich verboten sei. Da weht wirklich ein frischer Wind durch alte Tempel und Paläste — fast ein Sturm zu nennen, wenn man an die fanatische Hingabe denkt, mit der das alte Geschlecht der Samurai noch heute die überkommene Vätersitte liegt und pflegt. Da ist es von besonderem Interesse, ein Buch zu lesen, in dem eine sehr kluge West-Europäerin, die so lange in China lebte, bis sie mit den Augen der Einheimischen zu sehen, mit ihrem Herzen zu fühlen verstand, diesen Zwiespalt zwischen Alt und Jung darstellt. Pearl Buck, deren trübere Bücher (ganz besonders das prächtige Buch „Die Gute Erde") schon an dieser Stelle besprochen wurden, spricht hier im Namen einer chinesischen Frau, die an sich selbst diesen Wandel zwischen Alt und Neu erfährt. Ihre über alles geliebte Mutter, eine Gestalt wie aus altem Elfenbein, geht daran zugrunde, daß der einzige Sohn eine Fremde geheiratet hat und nicht mehr nach den Sitten der Väter lebt; aber die Tochter selbst muß dem geliebten Manne zugeben« daß manche der alten Sitten mit der Zeit aus Wohltat zur Plage wurden. Und ein Kind, das geboren wird, vereinigt zwei Welten, die Welt des Westens und die Welt des Ostens. — Mit Erschütterung sieht der Jude, der dies Buch liest, ähnliche Kämpfe im fernen Volkstum sich abspielen wie sie sich vor wenigen Generationen in unserer eigenen Mitte abspielten. Manches Rätsel löst sich; aber manches Rätsel knüpft sich auch — hier wie dort. P. A.! Weide thüyJUed de* pidi&cketv ÜucU-S/eMiwLyutttyl Sie bietet für den geringen Vierteljahrsbeitrag von RM S.2S vier wertvolle Bacher Im Jahr u. die „Blatter der JBV." Jetzt beitretende Mitglieder können als erstes Buch wählen: entweder Georg Hermann „Eine Zeit stirbt" oder,,Die jüdische Bibel In deutscher Sprache", Bd. 1 (Tore) Im Februar bringen wir Prof, Elbogen „Die Geschichte den Juden in Deutschland", dann folgt ein Palästina-Bilderband, herausgegeb. v. Dr, Georg Landauer u. der neue Roman v, Karl Jakob Hirsch „Hochzeitsmarsch In Moll" JÜDISCHE BUCH-VEREINIGUNG BERLIN W19, PARISER STR. 7 d / OLIVA J S 0068 .

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