Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 9 (29.1.1935)
- Date
- 1935-01-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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mgm JODISCHE RUNDSCHAU Literatur - Blatt NR. 9, 29. JANUAR 1935 Harry Austryn Wolfson, Professor für jüdische LiteraijjH.'t ^|^lC^kJiT|Xllfir^> jlX C^-^^I* U_Cl.C^Tf ^V^flLCf tur und Philosophie an der Harvard University, hat soeben *—' 3^ Harry Austryn Wolfson, Professor für jüdische Literatur und Philosophie an der Harvard University, hat soeben im Verlage der Harvard University Press ein großes zweibändiges Buch über die Philosophie Spinozas erscheinen lassen („The Philosoph)- of Spinoza. Unfolding the Latent Processes of his Reasoning"), ein Buch, das einen neuen Weg zum Verständnis der Spinozistischen Philosophie zu bahnen sucht. „Der erste Schritt zum Verständnis eines Philosophen ist die durch die historische Kritik erfolgende Feststellung dessen, was der Philosoph mit dem, was er sagte, gemeint hat, wie er dazu kam, zu sagen, was er sagte, und warum er es in der betreffenden Form sagte." Diese Worte aus der Einleitung des Buches legen die Richtung klar, in welcher sich Wolfsoiis Forschungen bewegen: er wiii die Oedankenwelt Spinozas aus ihren Quellen verständlich machen, d. h. aus den, in der arabisch-jüdischen und scholastischen Philosophie fließenden Quellen. Wolfsohn stellt gewissermaßen zwei Philosophen mit Namen Spinoza einander gegenüber: einen, den er B a r u c Ii nennt — sein Geist ist erfüllt von der traditionellen philosophischen Lehre, und .sein Denken wandelt auf den ausgetretenen Pfaden des mittelalterlichen Denkens, er ist der letzte der mittelalterlichen Denker — und einen, "den er Benedikt nennt, der der erste der modernen Denker ist, das ist jener Spinoza, der sich uns im Stile der „Ethik", in ihren Definitionen, Axiomen und Grundsätzen offenbart. Man wird wohl nicht fehl gehen, wenn man sagt, daß Wolfson sich für „Benedikt" nicht besonders erwärmt. Seinem Herzen steht „Baruch" nahe. Was er in diesem Buche will, hat Wolfson schon einmal im „Chronicon Spinozanum", in welchem ein Teil der hier veröffentlichten Untersuchungen bereits abgedruckt war, so ausgesprochen: „Die Ethik ,nach geometrischer Methode dargestellt' will er ersetzen, durch eine „Ethik nach scholastischer und rabbinischer Methode dargestellt". In sehr interessanten Ausführungen zeigt die Einleitung des Buches, wie die philosophische Literatur des Mittelalters, ob sie nun in arabischer, hebräischer oder lateinischer Sprache geschrieben war, eine geistige Einheit darstellte, und wie sehr das Hebräische in dieser Zeit eine der drei Weltsprachen des philosophischen Denkens war. Für Spinoza bedeutete die Kenntnis des Hebräischen nicht nur den Zugang zu den jüdischen Philosophen, sondern auch den Zugang zu den Werken der arabischen Philosophen, des Aristoteles und zu den Werken der wichtigsten griechischen Kommentatoren des Aristoteles und zu denen einiger lateinischer Klassiker der Philosophie. Auch dort, wo hebräische Uebcrsetzungen arabischer und griechischer Denker noch nicht veröffentlicht waren, fanden sich zahlreiche und ausführliche Zitate aus ihren Werken und breite Erörterungen ihrer Ansichten in den bereits veröffentlichten hebräischen Büchern. Alle drei Schrifttümer, das hebräische, arabische und lateinische, gingen auf dieselbe griechische Quelle zurück, dieselbe Terminologie, dieselben Begriffe bildeten den gemeinsamen Hintergrund, so daß wir sagen können, daß die drei philosophischen Literaturen in Wahrheit eine Philosophie darstellten. Von dieser einen Philosophie aus versucht es Wolfson, die „Ethik" Spinozas neu zu schreiben, sie von den Fesseln der geometrischen Methode zu befreien. Das erste Kapitel ist dieser Methode selbst gewidmet. Den Versuch, das Hauptwerk Spinozas von den Fesseln der geometrischen Form zu befreien, und es in eine neue lesbarere Form zu gießen, hat Gebhardt in seinem Buch „Von den ewigen und festen Dingen" gemacht. Wolfson will aber nicht nur die äußere Form aufgeben, sondern Schritt für Schritt aufzeigen, wie das mittelalterliche Denken die Probleme und Lösungen bereit stellte, aus welchen Spinoza seine Ethik aufbaute. So setzt Wolfson das Werk Spinozas von unten auf, aus seinen einzelnen Bestandteilen her zusammen. B c r g s o n hat einmal in einem Vortrag auf dem IV. internationalen Philosophen-Kongreß den Unterschied betont zwischen der ursprünglichen Intuition eines Philosophen, die etwas Einfaches ist („ein Philosoph, der dieses Namens würdig ist, hat niemals mehr gesagt, als eine einzige Sache"), und der komplizierten äußeren Form des Systems, in welcher der Philosoph diesen einen Grundgedanken zum Ausdruck brachte. Bergson hat dort gerade Spinoza als Beispiel gewählt: auf der einen Seite die schwerfällige Maschinerie von Definitionen, Axiomen, Grundsätzen und Scholien, die den Leser mit Bewunderung und Schrecken erfüllen (wie ein Schlachtschiff vom Typ eines Dreadnought, sagt Bergson), und auf der anderen Seite die ungemein einfache Grund-Intuition. Wolfsons Werk ist der Maschinerie gewidmet. Bergson sagt: „Hätte Spinoza vor Descartes gelebt, so hätte er wohl etwas anderes geschrieben, als was er geschrieben hat, aber da er doch Spinoza war, können wir sicher sein, daß doch wiederum der Spinozismus herausgekommen wäre." So ist die Abhängigkeit von den Quellen in den Augen Bergsons ohne wesentliche Bedeutung. Ganz im Gegensatz dazu sagt Wolfson: „Könnten wir die ganze philosophische Literatur, die Spinoza zugänglich war, auf Papierschnitzcl schreiben, die Schnitzel in die Luft werfen und wieder herunterfallen lassen, so könnten wir aus diesen dtircheinandergcmischten Papicrstreifen seine Ethik rekonstruieren." Gleichzeitigmit dem Buche Wolfsons erschien in deutscher Sprache ein Werk, das im Sinne der Ausführungen Bergsons sich an die einfache Grundintuition des Systems hei anzufühlen versucht: Dunin-Borkowskis posthuincs Werk „Aus den Tagen Spinozas". Der gelehrte Jesuit suchte in diesem Buche diese Grundintuition, die er „den neutralen Ort" des Systems nennt. Bei allem Gegensatz, in bezug auf die Einstellung ihrer Forschung stimmen beide Denker, Dunin-Borkowski und Wolfson, in der Beurteilung des Kleides der Ethik, der geometrischen Methode, überein. Die geometrische Methode ist der Zeitstil. „Die Darstellung aller möglichen Stoffe in geometrischer Form war in jenen Tagen Mode", sagt Dunin-Borkowski, und ebenso bringt Wolfson reiches Material dafür, daß „More geometrico" damals Mode war. Hatte doch Spinoza die Absicht, sogar seine hebräische Grammatik in geometrischer Form zu schreiben, gewiß ein Beweis dafür, daß keine logische Beziehung zwischen der Darstellungsform und dem Spinozistischen System als solchem besteht. Wolfson führt drei Gründe an, welche den Philosophen bewogen haben mögen, diese geometrische Darstellungsform für die Ethik zu wählen, von denen besonders der dritte Grund einleuchtend erscheint: Spinoza konnte dadurch der Polemik ausweichen. Wolfson sucht nun also die ursprüngliche Ethik hinter der geschriebenen: sein Buch ist ganz im Anschluß an Spinozas werk geschrieben, in der Weise, daß von Definition zu Definition, von Axiom zu Axiom die scholastischen und rabbinischen Quellen aufgedeckt werden, welche Spinoza zugrunde Belegt haben mag. Er beginnt mit der Definition von Substanz und Modus und geht dann über zur Frage der Einheit der Substanz und ihrer Einfachheit, der Gott es beweise, Ausdeh- "ung und Denken, Unendlichkeit der Ausdehnung, Kausalität Ein Buch von Bentwich Daß ein bekannter Zionist wie Norman Bentwich, früher Generalstaatsanwall und jetzt Universitätsprofessor in Erez Israel, ein populär gehaltenes englisches Buch über „Die Judenfrage im Wandel der Kultur"1) erscheinen läßt, wäre für uns selbst dann von Interesse, wenn wir etwas Entsprechendes in deutscher Sprache besäßen. Da aber bei uns ein ungestilltes Bedürfnis nach einer lesbaren Einführung in die Judenfrage spürbar ist, so nimmt man Bentwichs Buch um so erwartungsvoller zur Hand. Und tatsächlich besitzt es große Vorzüge. Es ist vor allem literarisch ausgezeichnet gelungen. Ebenso wie der Verlag sein Bestes getan hat, um den Leser für verblüffend billiges Geld mit einem schön ausgestatteten Band zu erfreuen, so hat der Verfasser ein Buch geschrieben, das sich leicht und angenehm liest. Ohne strenge Systematik werden in sechs Kapiteln folgende Themen behandelt: Der Hintergrund der jüdischen Geschichte; Die örtliche und wirtschaftliche Verteilung der Juden; Der religiöse Hintergrund; Der Antisemitismus; Die moderne jüdische Kulturleistuug; Die nationale Hoffnung. Dabei erweist sich Beutwich als kultivierter und begabter Schriftsteller; für den deutschen Leser bilden die zahlreichen Zitate aus der großen englischen Poesie einen besonderen Reiz. — Von diesen formalen Vorzügen abgesehen, erblicken wir ein Verdienst in Bentwichs Bestreben, sich von Apologetik und Rechthaberei freizuhalten und auch unangenehme Wahrheiten ruhig auszusprechen. So finden wir denn über die Schattenseiten des jüdischen Volkscharakters Worte, die eben so deutlich wie mutig sind. Daneben kommen auch die lichten Seiten durchaus zur Geltung. Ucberhaupt sind die psychologischen Bemerkungen zum Teil ausgezeichnet. Hier merkt man mit Vergnügen, daß Bentwich, wie er in der Vorrede selbst sagt, das Buch ebenso sehr auf seiner persönlichen Kenntnis jüdischen Lebens in den wichtigsten Ländern wie auf bloßem Buchwissen aufgebaut hat. Aber wir haben auch manches zu bemängeln. Zunächst entspricht der leichten, eleganten Form eine gewisse Oberflächlichkeit des Inhalts. Es ist recht peinlich, etwa folgenden Satz zu lesen, in dem gleich mehrere Irrtümer enthalten sind: „Abgesehen von den Juden in Preußisch-Polen, die den l) The Jews and a changing civilisation. London 1934. The XX Century Library. 2 sh. 6d. größeren Teil der Million Juden im alten Deutschen Reich bildeten, zog die Hauptstadt Berlin fast 2001101) von ihnen an." Etwas später erfahren wir zu unserer Verblüffung, daß jetzt in Deutschland die christlichen Judcnstämmlinge als „Aryan Jews" (sie!) bezeichnet würden! (Tatsächlich heißen diese Menschen bekanntlich „Christliche Nichtarier".) An anderer Stelle wird Frank Wedekind zu Unrecht als Jude bezeichnet. Solche Schnitzer erzeugen Zweifel über die Zuverlässigkeit mancher anderer, nicht sofort kontrollierbarer Angaben. Aber auch in der grundsätzlichen Betrachtung vermag der Rezensent dem Autor nicht zuzustimmen. Für einen deutschen Juden, der die letzten Jahre mit wachen Sinnen miterlebt hat, ist es erschütternd, daß ein Zionist wie Bentwich' es als die besondere Mission der Juden ansieht, kollektiv für Frieden und Verständigung einzutreten, — nicht etwa nur in Palästina, wo Bentwich für weitherzigstes brüderliches Entgegenkommen gegenüber den Arabern eintritt, sondern auch in der Diaspora! Nach Bentwichs Ansicht sind die Juden, da sie vom „nationalen Vorurteil" (sie!) frei und durch ihre Religion seit jeher auf das Ideal des ewigen Friedens hingewiesen seien, ganz besonders geeignet, das dringende _ Bedürfnis der modernen Welt zu erfüllen und „Einheit in das Chaos unseres uiiethischen politischen Systems" zu bringen! - Es ist nicht möglich, die ganze politische Bedenklichkeit dieser Gedankengänge liier ausführlich aufzuzeigen. Den religiös-messinnischen Pazifismus setzt B. fast in eins mit dem praktisch-politischen, obgleich gezeigt worden ist (z.B. von Joachim Prinz in diesem Blatte), daß es sich um grundverschiedene Dinge handelt. Bentwich will noch heute nicht sehen, daß ein kollektives Eintreten der Juden für den Pazifismus nur dazu fuhren konnte, daß die Judcnheit zwischen den Mühlsteinen der modernen Nationalismen hilf- und hoffnungslos /ermahien würde! Auch beweisen Erfahrungen, daß nicht immer die Verfechtung einer Idee durch Juden dieser Klee Nutzen bringt. Norman Bentwich scheint freilich auch nicht der Mann zur Verkundung einer solchen Klee. Denn wo ist der feurige Atem, die hinreißende Sprachgewalt eines Mannes, der, selbst für eine Idee glühend, andere dafür entzünden kann? In diesem Buche gewiß nicht! (.'est de la litte'rature, wie die Franzosen sagen. Und deswegen genügt in diesem Punkt die bloße Feststellung unserer abweichenden Meinung. Dr. Arthur Prinz LAND ISRAEL Von Ludwig Siran» Sommermktag Sdirlttweit eben gerettet vor unerbittlicher Sonne, Wenige Kohle regungslos kostend stehn die Geschöpfe: Nahe schmiegt der innige Esel sein Graufell der Schatten Schenkenden Mauer, den Kopf ihr zugesenkt mit dem welfsen, Dunkelgerandeten, kindlichen Schild ums beteuernde Auge; Aber dem einzigen Baum vertraut das wartende, braune Pferd seinen Adel an, die lichte Seide des Schweifes Noch von Strahlen durchspielt, das Haupt im Herzen des Schatten* Dankbar zum treuen Stamm die almende Nüster gehoben. Regungslos stehn sie behütet wie unter gläsernen Glocken, Wahrend draufeen das All verzehrt wird von riesiger Weifeglut. Tiefland In falbe Steppe verschalt Fand ich voreinst, wellige Ebene, dich: Sumpfglitzernd, Tod Kochend und Zukunft im dumpfen Grunde. Einsam lagst du unter der Stimme des Seewinds Und antworllos. Nun Ist der unendliche Traum Von dir genommen. Aber Hönde erweckten didi Zu Blätterflustern, Und unter dem lackigen, dunklen Grün des Orangenlaubs Sfehl rot dein Boden Wie Fleisch einer grofeen, Aufgebrochenen Frucht. Bergland Bergland, kahles, immer die tausend Rundungen harlhin Ziehend unler feuriges Blau, du einzig nur leuchtend. Reines du, nichts als reinl Mit der kargen, rötlichen Erde, Mit dem weifegrauen Stein ob in Mittags Weifeglut verschlungen — Ob dich Nachmittag mild flberkommt, dafe lief dir die Sterken Farben erwarmen, denn leise zu reden bewegt er die stummen, Grofe sich zu öffnen wie Blumen dem Raum - ob Dunsthauch des Abends Sanfl und glänzend dir sitzt in Kehlen und Falten und langsam Schmelzen macht deine Höhn, durchscheinend — ob dir das Mondlich! Unter glasigen Schleiern die Farben erneut als gelräumte, Rot und grau und seltenes Grün (sie erschüttern gleich Tolen, Kehrend in nächtig Gedächtnis) - ob dir der eilige Morgen Wiederum nüchtern und grell umreife» die felsigen Kuppen - : Immer mit deinen nackten Hügeln, vereinsamtes, kommst du Wie mit schmucklosen Worten vor Gott... Wir aber, wir kennen, Kennen von Urvätern her dein reichliches Herz, und in Gurten Deiner verfallnen Terrassen Ist einstiger Frucht eine Spur uns Duftend und schimmernd wach, und selbst deine Steine, wir wissen», Hüten heimliche Säfte der Tiefe vor grausamen Sommern. Bergland, tausendbrüstige Mutter des Volkes, wir ahnen Jahre, da wieder du quillst die schwere Milch deinen Kindern. Gottes, Dauer, Zeit und Ewigkeit, Modi, Notwendigkeit und Zwecklosigkeit, Körper und Geist, der Erkenntnisfähigkeiten, der Wahrheit, den drei Stadien der Erkenntnis, dem Willen, den Tugenden, Liebe, Unsterblichkeit und Glückseligkeit. In einem letzten Kapitel „Was ist Neues an Spinoza?" faßt Wolfson in einer Reihe von „Gewagten Behauptungen" das Neue zusammen, das Spinoza gebracht hat. Dieses Neue aber ist auch wiederum der Mut, konsequent das zu Ende zu denken, was andere vor ihm zu denken begonnen haben. Der Hauptwert des Werkes liegt natürlich in den Einzel- Untersuchungen, auf die hier nicht eingegangen werden kann. Dem Autor gebührt besonderer Dank dafür, daß er den Gebrauch des Werkes durch eine Reihe von Indices erleichtert hat. Besonders nützlich ist das Verzeichnis der Stellen aus den Werken des Philosophen, die in dem Buche an verschiedenen Stellen zitiert und erklärt worden sind. elbändchen I u s „Der eine Frau" innenum! Gedichte von Sdi. Sdialom Dem Leser der 'neuhebräischen Literatur ist der Name Sch. Schalom nicht mehr unbekannt. Drei kleine Bände sina von diesem jungen Dichter in den letzten Jahren erschienen: zwei Gedichtbände, der erste von Bialik selber herausgegeben, als dritter Band eine Art Novelle: „Tagebuch aus dem Galil". »JfOJ KJ?S„ „Schlürfe das Wunder" nennt Sch. Schalom seinen vierten Band, der jetzt vor uns liegt (Verlag Dawar, Tel-Awiw). In tiefster Einsamkeit und Verzweiflung tönt durch alle Dichtungen das Lob des Lebens, das wunderbar, rätselhaft sich ihm in jeder Erscheinung offenbart. Wir wandern mit ihm durch die fernen Städte, die ihm nichts geben können als ihr artfremdes, zackiges Bild. So wandert er auch durch N ü r n b e r g — klettert einsam auf den Turm — eine Uhr schlägt fern - und nächtlich finden wir ihn trunken auf der Straße. „Die Symphonie einer Stadt" nennt er die rhythmisch knapp gehämmerten Verse. Das Grauen und das nächtliche Entsetzen, die Einsamkeit und das unheimliche Wachsen der Dinge erlebte schon jeder, der allein durch die Nacht wanderte. Dazwischen entzückende Liebesgedichte, einfach im Volksliederton. Als letzter Teil dieses Buches, auch als Ein erschienen, ist ein dreiteiliger Sonett c n z y 1 Mann" — er nennt es „Jenseits des Blutes" und „Chaninah, mein Sohn". Der Manu, ganz : Geistesinensch, versucht die Ketten jeder hergekommenen Moral zu sprengen. Nur kämpfend kann er sich von den eigenen inneren Stimmen befreien. Leidenschaftlich hingerissen und bewegt von der Geliebten, „der Gefährtin, der Magd und der Herrin", bleibt er getrennt für immer, ein Einzelner, der nur im Augenblick der höchste!! Liebe Vergessenheit trinkt. Meisterhaft ist in den 11 Sonetten die ewige unendliche Sehnsucht nach Einheit und ihre Uncrfüllbarkeit geschildert. Die Frau, die Geliebte, „Gott schuf mich, eine Palme unter verkrüppelten Sykomoren der Steppe", sie, die freie, Aufrechte, ist jetzt gebunden an ihr schicksalhaftes _Erleben dieses Mannes und an das Leben, das in ihr wird und das sie erschreckt und ersehnt. „Chaninah, mein Sohn", der dritte Teil des Zyklus, ist gleichzeitig die Vollendung des Ganzen. Hier zeigt sich der Dichter losgelöst von allem Zeitlichen, Ererbten. Das Kind, elternlos, ohne Fehl, neu aus Gottes Hand, nimmt mit „Augen, in denen keine Tür zum Verschließen ist", die Wunder der Welt in sich auf. Doch selbst in diesem gedachten reinen Wesen lebt das Dunkle, nicht zu Lösende, das das Herz mit Schrecken beklemmt. Erlösung bringt nur die Stunde, in der der Dichter die Welt noch einmal aus sich heraus schafft. Da bricht die jubelnde Befreiung des schöpferischen Menschen durch, „dem ein Becher zuteil ward vom Weine der Schöpfung und dem ein Lied geschenkt war von der Macht des Menschen". Anna N u ß b a u in, Tel-Awiw Jerusalem Flugo Bergmann Botanik. Aus dem Nachlaß des palästinensischen Bota-« nikers Ahron Aronsohn erschien jetzt in Palästina in hebräischer Sprache ein großes botanisches Werk über die Pflanzenwelt Transjordaniens, beruhend_ auf den Tagebüchern der wissenschaftlichen Forschungsreise Aronsohns aus den Jahren 1001 190$. Das Werk enthält außer den Tagebüchern, zahlreichen terminolngi-cheu Abhandlungen und Bildern ein Verzeichnis von 65b Pflanzen mit hebräischen und lateinischen Namen. Die Herausgabe und Bearbeitung besorgte der palästinensische Botaniker H. R. Oppen heim er, die hebräische Uchertragung und Redaktion Jizchak Epstein unter Mitwirkung anderer Fachleute. Jüdisch-italienischer Dialekt. Im Florentiner Verein für jüdische Studien wur<|e zum erstenmal ein in dem jüdischitalienischen Dialekt „Giudaico-fioreutino" abgefaßtes Theaterstück „La Gnora Lima" aufgeführt. In einigen Provinzen Italiens hat sich ein besonderes Judenitalienisch ausgebildet, so das „Giudeico fiorentino" in Toseana. In Rom wurden vor einiger Zeit Gedichte in jüdischitalienischer Sprache unter dem Titel „Soneti giudaico-'-omaneschi'1 herausgegeben. 'Uoig«^ Juncea 18 Üb* Uhr, fei UU!») mm) rs" ■z gfS '•irtreiche ordert äncigt Volks* r vermi die* mung /eiche :ut$cb heut« l S.1 ihrer Jude rischet )t istn nichts* rklärti olk,} ndersi orali-' lefüh! dent fstieg eitet, senen lieses tsche n tun» J u » irdej* tüdit alle ische n enj fhörichent ern," über •Cind \A\Vl^'*.i*>-±l turajat^l dea Ge> . dqt ■ ibeij» aus ntf. der ideji idejj denirtin kein rhen von leer äter ver» ' Ofer und auj daß lenjen, retrse: ftsnen rut- Lco ipiirer ind ere soll" zulen iau ter ner er, ich ter in Salten uen C-; hr Iftas iril-!« e-" >g. ♦