Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 9 (29.1.1935)
- Date
- 1935-01-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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M Seife 4 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 9, 29.1.1935 Der Firmenzusatz „deutsch Die Weiterführung des Firmcnzusatzes „deutsch" für nifhfarisclR' Finnin i-t hi-K.-mntlicli nach der Rechtsprechung des Kammergi tichts unbeanstandet geblieben, w ahrend _ im Schrifttum vetsehiedrne Aeiißcrungcn entgegengesetzter Richtung hervorgetreten waren. (Vgl. hierzu ,.Jüd. Rundschau'1 Nr. 16, 20, 29, 41 '12 von 1931.) In einem Falle, in welchem es sich um die Eintragung einer neuen Finna handelte, hat das Kamniergericht in hinein Beschlüsse vom 25. 10. 19 il ausgesprochen, daß die Firmenbezeichnung ., k-in«ch" zulässig ist, wenn da; Unternehmen deutscher Wesensart entspricht (arische Abstammung der Inhaber, ausschließliche Beschäftigung deutscher Arbeiter und Angestellter, Verwendung deutschen Materials), lu dem tnlschicdenen falle war das Verlangen tks Registerrichters, der Firmenzusatz ..deutsch" miisse vom „Wirtschaft-.-, rassen- und außenpolitischen Standpunkte aus" gerechtfertigt sein, insoweit erfüllt, als die arische Abstammung des Geschäftsinhabers nicht zu bezweifeln war. In den Grumten dieses Beschlusses heißt es u. a.: ..Der Stielt viMcsin kmh-«'-.;.. da Ii der Warnte! der Aiim'Iwu- Unprn über «Iii; ISe Ii mmig v.Hi Maat und Wik a'irh eine andere SMItm»mih'iir (K-r AHt;-m«-;i.!n it m ihr Wr* miluDg dies Wune-, „deutsch" in Firmen! teieirlmungen mit sieh gebracht hat, un'rl daß is von dicein (bei' hl spunkte aus grundsätzlich anzustreben ist, den Ciebrwch des /u»ttt/.es nach Möglichkeit einzuscbi.uikin." Hierzu führt Amtsgerichtsrat Gr ose Ii uff (Berlin) in einer Anmerkung zu der Veröffentlichung dieses Beschlusses in der „Juristischen Wochenschrift vom 26. Januar 1935 u. a. aus: ,,'himit ist eine wichtig« Direktive gegeben, die es Hon Kc^istcrycrii hteti enntiglii ht, im Einklang mit der huelisirirhUrülica Keclusprci hang in l'reufion nirht mir bei nruanrutueldcnden, sondent auch bei bereits (in der Verfalbeit!) eingetragenen Firmen den Mißbrauch des Wortes „deutsch" einzudämmen. Nur daiabcr, wann dies geschehen kann und mit welchen Mi'u-ln, bisielii noch nicht vOIligc Jiii ijj^kvit, doch ist auch bin die Amtäherunj; an das Schritt tum aul dem Vormarsch." Amtsgerichtsrat Groschuff hebt in seinen Ausführungen hervor, da!) der rassenpolitische Gesichtspunkt arischer Abstammung für die Frage der Verwendung des Firmcnzusatzes „deutsch" seiner Ansicht nach nur im negativen Sinne verwertet werden könne, daß also, wenn der Inhaber einer Firma Nichtarier sei, schon aus diesem Grunde die Firma „nicht deutsch" sei. " Konsul Alexander M, Simon Zn seinem 30, Todestag am 29. Januar Die Erkenntnis von der anormalen B e r u f s gl i ede« rung der Juden war in den letzten hundert Jahren wiederholt Veranlassung, Versuche anzustellen, um eine Veränderung der einseitigen Berufsgliederung herbeizuführen. Zu^ den wenigen Männern, die sich ernsthaft mit diesem Problem auseinandersetzten, gehört Alexander Moritz Simon. 1837 als Sohn wohlhabender Eltern in Hannover §e boren, ging Simon als junger Mensch nach den Vereinigten taaten, um die wirtschaftliche Entwicklung der neuen Welt kennenzulernen. Hier traf er Deutsche Judenpolitik und das Ausland In der „VüiUparoIc", 1 )üs-chlo!f, \o:n 21 1. ist ein Aufsatz von Dr. Job um von L e e r s ei »rbic-iii.il mit dem Titel: „Schadet uns tut-mc I u Jen Lp-;;;n i - c ha ft In diesem Aufsatz beschi'ip;t sieii I >r. \>m |.(m> mit dci ihiiauptuiig, dal} die Ablehnung des [udiiibuus diu eil diu Nationalsozialist!!!!-, dem tlt ii'-ehen Vu'k im \i:-'an.lf schade. I r wu-4 d ir.mf hin, daß der I?egi itf Ausbin d leine I.'inh; it ist und behandelt zunächst England, von dem er sagt, tl tli es dort nicht leicht sei, Verständnis i :; die deutsche JuUciifr.'ige zu erwecken.!' r a n k r e i c h dagegen kenne eine f ade ttgegnta scitaft. In den slawischen Mumien M i die Jmk'iigvgiivr-rhafi sehr star!... Iiis gei.kc;..-,;e '-oti R n m ,i n i e n, Ungarn und den m o h a in in e d a :i i - e ii e n I. a n d c r u außerhalb l.uropas, und seihst Japan ,ei den Juden eegemibcr niiiilr.iui><.b. Der Aitikel >ch!ieIH < 1.! - -: i t, dali e-, irrig sei, „wenn man ernsthaft um einer K, hadigung Deutschlands durch seine Judengegnersehaft redet". Dieser Aufsatz, der eine l.\l>cr»ielif über «Ii«* antiseniitischc Bewegung m den wi«. hli-g.-tvn I. .inderti gibt (wobei allerdings i:a i kw ae.iiK ■.■ Irr.uricr unt e b atiieit, so z. Ii. die Brh.wpttmg, die tu.hmtchidli. In n l'nnihen in Cotistantine such „als (h-gciiN wegung gegen die piai-che GrPtieipropaganda gegen das britische Reich" aUsgeKR worden), ist insofern interessant, als er unwillkürlich als ein Gegenbeweis gegen die sonst vielfach behauptete Machtstellung des Judentums im Auslände dient. Deutscher Export nach Palästina Der „Anzeiger für Maschinenwesen", Fssen, veröffentlicht am leb Jan. einen Aufsatz „Winke für das Maschinen- Geschäft mit [ka!aMma". Nach einem Hinweis auf den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes und seine Gründe wird in diesem Zusammenhang bemerkt: ..babebr Ar , k.eim ■■•n kre-b,,, vi be b über die .V e:t'/:neglid.k'itei. lur Ma-ii h..i. ikuMkn I i .• ••!, .4«. IHermi 1V1 jeii b.-inerkeii. dntS gerade in IV -im der irekefi deul-eie-r I'ir?< ii^ni--,.. lui weiiem ui,-s,i >o >.-!,.,>: ist wieja ehueliitu anderen La,.den,. <h:> ab in d. a in «k :. e-e, ,; ,p,.: \\ ■ Die Gutachten im Berner Prozeß Rem, 27. Januar. (JTA.) In der vergangenen Woche wurde dem Berner Polizeirichter, Gerichtspräsident W. M e y e r, das einige hundert Seiten umfassende Outachten des von den Angeklagten im Prozeß um die „Protokolle der W eisen von Zion" benannten Experten, Oberstleutnants a. D. Fleischhauer, übergeben. Dieses und die bereits von früher her vorliegenden Gutachten des gerichtlich bestellten Sachverständigen Loosli und des von den Klägern benannten Sachverständigen Prof. Baum garten, müssen nun vom Gericht den Experten gegenseitig zur Durchsicht übergeben werden. Das Prüfen der Gutachten dürfte längere Zeit in Anspruch nehmen. Aus diesem Grunde ist mit der Fortsetzung des Prozesses nicht vor Ende Februar zu rcclui eil. l.,b ■ n b 1: -leb die r-a! i-Jiticti- .,; i » e , d - . ' einw- S- ]' tue! Kennte 1: d-.- M ' .1 d . I r. V.m u:,,i Jt'31 j. .k-.m.i! eine bkagcriey v, . .va 60 ".0 ,, r der-, "Sei:,.in ei/.ttlen." Ein Palästina-Artikel IV 7 '• ' b b i 11 du 's hl , 1 1", 1 g[ /\.', lanttirlipft \<t > \ < t 1 \ - ' ' \l ' I O Ii ' lu.k „ 1 t 1 - s > d - 1 t <, 1 n 1 ', 1 1 1, Di« \'.is lt/ ' t d I ' ' I •! /' l„s na 1 ' > 11 ' iu-besondere der 1 -itw.vkh 0 1 0 1! ( 1 11 ' ' dl, 1 ■. , . hui' > t dit ' Pro1! > > Gs.l I s 1 ,, m < t '11 1, 11 d 1 im "i u , .ml und ' 1 1 \ 1 \<- i n , . 'I \ i 1' ■ u Vir n 1 1, *, , , 1 1 |, , , ' v. v s | ' , M Dil 1 t vi 1 i Di 's | in 1 in 1 w i' <U 1 I I ii \ 1 <' 1 ifO iili! ' 1 ' h- Mi » lu ,i t 1 b 11 i e 1 i'u 1 D , \ 11 - n > 1 1 ' , in I' ' e hgun.' i 1 b bis '11 bl.c u'l. Staatskunde und Judenfirage Eine „Natio;iaiM./i.ili-.tisclu- SiaiisLiiiide" von Dr. Johann von Leers und Dr, Willy Becker «erscheint augenblicklich im Viilag von Boimess;v l lachf- KI, Poi-ilam, herausgegeben von der Rustinschen l.ehrattst'db Im 1. lieft wiril im Rahmen eines geschichtlir hen Rückblicks auf die Entwicklung des Deutschen Reielns it. a. auch die Jttdeiifrage behandelt. In einer Besprechung des Lehrstoffes hciflt es U. a.: „Schüler: Was wollten eigentlich die Juden- I ihrer: Ibas Volk in seinem Staat wn einen Bauin von oben nach unten spalten und an seinem dann faulenden Mark wie Schmarotzer sich nähren. Schüler: Wie kommt es, daß die Juden so denken und handeln? Lehrer: Weil sie keinen heim»fliehen Boden haben, in dem sie wurzeln können. So wuchern sie wie Pilz und Schwamm auf fiemdern Nährboden und saugen den - Volkskorper ihrer Wirte aus. So wurde Jndcngeist und Judenblut auch herrschend und uirbildhch im Wilhebnuiischen Deutschland. Von oben nach unten dran;: er in alle regierenden und besitzenden Schichten und kaiserliche und priesterliche Gewalt schlitzten ihn sorglich vorm .Antisemitismus' (Judenfeindschaft)" usw. Im Kapitel über Ras« und Volk wird im Anschluß an das Programm der NSDAP zur Frage der Staatsbürgerschaft gesagt: „Hiernach lehnt also das Programm den Begiiff: .Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens' ab und sieht im Judentum nicht die besondere Glaubensgemeinschaft, sondern die besondere Rassetunisclumg". Und bei der Besprechung dieses Lehrstoffes heilst es-. „Lehrer: Wie ist der Jude in uuserm Staat zu behandeln? Schüler; Als Gast unter rremdengesetzgcbuug." Die „Protokolle der Weisen von Zion", die bereits vor fünf Jahren in serbo-kroatischer Uebersetzung, in lateinischen Lettern gedruckt, herausgegeben wurden, sind jetzt in cyrillischer Schrift gedruckt und in Serbien massenweise unentgeltlich versandt worden. Antisemiten - Prozeß in Lodz Lodz, 27. Januar. (JTA.) Das Bezirksgericht in Lodz hat in einem Prozeß gegen IQ Mitglieder der antisemitischen N a t i 0 n a 1 d e m ok ratischen Partei in Lodz, die wegen antistaatlicher Agitation und Vorbereitung zu gewaltsamem Sturz, der Regierimg angeklagt waren, das Urteil gefällt. Sieben Angeklagte wttrdeti zu Gefängnisstrafen von 10 Monaten bis zu 2'k Jahren verurteilt, zwölf Angeklagte wurden freigesprochen. In dem Prozeß, der wegen seines politischen Hintergrundes in ganz Polen mit größter Spannung verfolgt wurde, kam die judengegncrisclie Tätigkeit der Nationaldemokraten zur Sprache. Die Verteidiger der Angeklagten, führende nationaldemokratische Advokaten, bemühten sich nachzuweisen, daß judengegnerische Tätigkeit im Interesse des polnischen Staates liege. Der Führer der Verteidigung behauptete in seinem Plädoyer, der ganze Prozeß werde im Auftrage der „a n o n y m e n jüdisch e n Regier u n g" geführt. Die Jugend wisse es nun, daß jedes Unglück, das über Polen kommt, von Juden herrühre. So sei es nicht zu verwundern, daß es oft zu antisemitischen Ausschreitungen kommt. Die „Protokolle der Weisen von Zion" hätten den Bestand einer „internationalen anonymen jüdischen Regierung" erwiesen; diese Judenweltrcgierung habe es besonders auf Polen abgesehen und will es verderben. Herr Dr. J. Burg, Leipzig, bittet uns, darauf hinzuweisen, daß der in Nr. 6 vorn 18, 1. 35 veröffentlichte Bericht über die Bundestagung der „T'unat Tora wa'Awoda" ein Auszusr aus seinem groiieren Bericht war. Ein jüdisches Schiff. Der 26. Januar brachte dem Hamburger Hafenleben ein besonderes Ereignis. Ein Schiff mit LÜiem bisher unbekannten Abzeichen (blauen „P" auf weißem Grund) lockte viele Neugierige herbei. Am Tage der Ausfahrt fand eine Besichtigung dieses Dampfers, der „T e 1 - Aviv", die nach einer Reise ins Mittelmeer in den Dienst Triest— Haifa gesteht werden wird. Unser Mitarbeiter, der Berliner Pressephotograph LIerbert Sonncnfeld ist von der Arnold-Bernstein-Reeilerei eingeladen worden, die Mitteimerfahrt des Dampfers nach Palästina mitzumachen. Wie wir boren, wird er auch einen Film für die Reederei drehen, r Der große ÜbcrWick Entscheidende Ereignisse bewegen die Welt des Judentums. Der jüdische Leser braucht ein Blatt, das ihm von allem Geschehen schnell und zuverlässig Kunde gibt, das von hoher Warte aus die Ereignisse in ihrer Bedeutung wägt und deutet Die Judische Rundschau will diese Zeltung für den jüdischen Leser sein — das Blatt des deutschen Juden und des emporstrebenden Palästina. Sie widmet sich besonders der schnellsten Berichterstattung! als einzige zweimal wöchentlich erscheinende jüdische Zeitung Deutschlands kann sie immer sofort das Neueste aus Deutschland, aus Palästina und allen Teilen der Welt bringen In Ihren Leitartikeln gibt sie den großen Überblick, die weite Ausschau, die den jüdischen Leser über die Lage des Augenblicks unterrichten, ihm Kraft und Haltung vermitteln, ihm Weg und Richtung in die Zukunft weisen Lutn SC« dU .Jüdische Rundschau" THRflmäSi«.' Bestellen Sit noch heute für 2 Mark monatlich. 5,75 Math tHeTfsljährltch (ohne betondert Zustelifeoiten) beim Verlag, Berlin Wl5, Meinthtstraße 10 " ' '. W; ' , t ' •' "■»>'.._•• zum erstenmal größere Massen osteuropäischer juden, erlebte die große Welle der ersten ostjüdischen Einwanderung, sah ihr Elend und ihre Armut. Dieses Erleben war von so nachhaltiger Wirkung, daß er vom Judenproblem nicht mehr loskam, Nach seiner Rückkehr nach Deutschland machte er große Reisen nach den osteuropäischen Ländern und nach dem Orient, um die Lage der Juden zn studieren und die Ursachen ihrer Not zu ermitteln. Die intensive Beschäftigung mit den Problemen der jüdischen Not ließ ihn den sozialen Inhalt der Judenfrage erkennen, die auf dem Wege althergebrachter Philanthropie nicht gelindert werden kann. So gelangte er zu der Ueberzeugung, daß den Juden aus den osteuropäischen Ländern nur durch grund« legende Veränderung ihrer B e r u f s s t r u k t u r, durch Auswanderung und Kolonisation wirklich geholfen werden kann. Die kolonisatorischen Versuche des Baron Hirsch in Argentinien und die Anfänge der jüdischen Kolonisation in Palastina erweckten sein lebhaftes Interesse. Er sah jedoch die Schwierigkeiten dieser Versuche darin, daß sie ausschließlich mit erwachsenen Menschen gemacht wurden, die bisher keine körperliche Arbeit geleistet hatten und sich nicht ohne weiteres auf die schwere 'landwirtschaftliche Arbeit in fremder Umgebung umstellen konnten. Bei aller Anerkennung des Idealismus der ersten jüdischen landwirtschaftlichen Siedler in Argentinien und Palästina erkannte er in der mangelnden Vorbereitung und schlechten Auswahl der Menschen die Quellen der Mißerfolge dieser zum Teil sehr großzügig durchgeführten Versuche. Fachliche Vorbereifung auf Handwerk und Landwirtschaft, die bereits bei der Erziehung der Schulkinder begonnen werden muß, sorgfältige Auswahl der Auswanderer, ihre intensive Betreuung in den Einwanderungsländern bei dem Uebergang zu der in der Heimat erlernten handwerklichen und landwirtschaftlichen Arbeit erschienen ihm als die wichtigsten Voraussetzungen einer sinnvollen Emigrations- und Kolonisationstätigkeit. Obwohl Simon seine praktischen Versuche in Deutschland begann, schwebte ihm doch eine Berufsumschichtung des gesamten Judentums, namentlich aber die des Ostjudentums vor. In seiner Eigenschaft als Mitglied der A 11 i a n c e Universelle erreichte er es, daß in den von der Alliance erhaltenen Schulst! Handfertigkeitsunterricht und Erziehung zur körperlichen Arbeit in größerem Umfange eingeführt wurden. Die Kosten zur Einrichtung dieser SchuKverkstätten stellte er aus eigenen Mitteln zur Verfügung. Von dem Gedanken ausgehend, daß die berufliche Erziehung beim Schulunterricht einsetzen muß, gründete er vor fast 50 Jahren in Hannover den Verein zur Förderimg von Handwerk und Gartenbau an jüdischen Schulen. Durch Stiftung größerer Beträge wurde für den Verein ein Grundstück mit Garten angeschafft, in dem die Kinder sowohl Unterweisung in gärtnerischer als auch in handwerklicher Tätigkeit erhielten. Auf Grund seiner bisherigen Erfahrungen ging Simon nun an einen größeren Versuch heran. Im Juni 1893 errichtete er die israelitische Erziehungsanstalt in Ahlem b. Hannover, der er aus eigenen Mitteln ein Vermögen von 200 000 RM. zur Verfügung stellte. Hier sollte die jüdische Jugend der Bodenkultur und dem Handwerk durch systematischen Unterricht zugeführt werden. Sein Hauptaugenmerk richtete Simon dabei auf die Ucberführung zur Gärtnerei, weil er die Juden für diesen Beruf für besonders geeignet hielt und die Möglichkeit einer selbständigen Tätigkeit in den Einwanderungsländern sah. (Ueber diese Anstalt haben wir vor kurzem berichtet. Red.) Im Januar 1905 verunglückte Simon; er erreichte ein Alter von 67 Jahren. In seinem Testament vermachte er ein Vermögen von über 4 Millionen für die Zwecke der Berufsumschichtung der Juden. Mit diesem Betrage wurde di<3 Alexander und Fanny Simon'sehe Stiftung begründet. In den 40 Jahren, die seit der Gründung der Ahlemer Anstalt vergangen sind, sind dort über 500 Menschen als Gärtner und Handwerker ausgebildet worden. Unbeschadet aller Ein« wände, die gegen die Erziehung in Ahlem und den antizionistischen Geist, der dort lange, namentlich nach dem Tode von Simon, geherrscht hat, muß anerkannt werden, daß Ahlem eine besondere Funktion im Judentum erfüllt hat. Hier ist eine große Zahl von Menschen, die als Lehrer in den jüdischen Berufsumschiehtimgseinrichtungen wirken, erzogen worden. Eine große Anzahl ehemaliger Ahlemer hat den Weg nach Palästina gefunden und sich dort gut bewahrt. Ahlc-m ist die einzige Anstalt, die heute noch von dem Pioniertuut Simons für die Idee der jüdischen Berufsumschichtung kündet, denn von der von ihm ausgestatteten Stiftung, die im Jahre 1W7 mit großen Plänen ihre Tätigkeit begann, ist heute kaum zu berichten. Die jüdische Lehrerbildungsanstalt in Peine und das Lehrgut Stein hörst, die von der Stiftung geschaffen wurden, sind nicht mehr in jüdischen Händen. Konsul Simon war kein Zionist, aber er beachtete interessiert die Versuche, die in Palästina gemacht wurden und hat sich kurz vor seinem Tode, als er mit einem großen Plan zur Organisierung der jüdischen Auswanderung an die Oeffent« lichkeit trat, für eine Zusammenarbeit von Zionistcn und Nichtzionisteu ausgesprochen. Simon war der Vorkämpfer der Idee der Berufsumschichtung zu einer Zeit, als namentlich in Deutschland die wirtschaftlichen Voraussetzungen hierfür noch nicht gegeben waren, deshalb ging er davon aus, daß die armen Kinder handwerkliche und landwirtschaftliche Berufe» ergreifen müssen, wobei er besonders an die Kinder in Waisen« anstaltcn dachte. Daß die Kinder des besitzenden Bürgertums in Deutschland genau so zum Uebergang zu produktiven Berufen gezwungen sein werden, konnte Konsul Simon nicht ahnen. Dies mindert jedoch nicht seine Bedeutung als Pionier für die Idee einer Berufsumschichtung auch in Deutschland. A-R- Todesfall. In KwuzatH Schiller bei Rechowoth verstarb N a f t a I i (Hans) Sonnenberge r, der vor einem Jahre aus Schweinfurt nach Palästina ausgewandert war. Ein Erdrutsch in der Sandgrube setzte seinem jungen Leben ein Ende. \