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Jüdische Rundschau · 1935-01-25 · Heft 8 (25.1.1935) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 8 (25.1.1935)
Date
1935-01-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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^m^^m Seit« 4 JÜDISCH* RUNDSCHAU Nr. 8, 25.1.1935 Franz Werfel s Der Weg der Verheißung Franz Werfeis Bibelspiel enthält im ersten Teil, den wir auszugsweise in unseren beiden ersten Veröffentlichungen gebracht haben, die Geschichte der Erzväter von Abrahams Berufung bis zu Jakobs Wiedersehen mit seinem Lieblingssohn Joseph. Die Rahmenhandlung der mittelalterlichen Gemeinde, für deren Rettung ihr Rabbi vergeblich zum König bitten gegangen war, spielt auch ins biblische Geschehen immer wieder hinein; der Entfremdete, dessen junger Sohn den Weg ins Judentum zurück leichter und begeisterter finden wird als der zögernde, innerlich gehemmte und von den unerwarteten Ereignissen im Konflikt mit seiner Umwelt noch wie betäubte Vater, der Widersacher, dessen zwingende Veranlagung es ist, immer wieder gegen die Schwere der jüdischen Aufgabe aufzubegehren, die ängstlichen Greise, die zitternden, hoffenden, mitbittenden Frauen, der Reiche, sie alle nehmen teil und lind ein Teil der großen, ganzen Handlung, und ihr Rückgrat ist der Rabbi, der, aus unseren heiligen Büchern vorlesend, den jüdischen Weg vor ihnen allen — und uns — entrollt. — In unserem heutigen Auszug aus dem „Weg der Verheißung" beginnen wir mit dem Anfang des zweiten Teils, der die Geschichte Mosis enthält. In der ersten Szene erfährt Mose das Leid seiner Brüder in Aegypten, es folgt in Werfeis Bibelspicl die Offenbarungsszene vor dem brennenden Dornbusch, in der Mose den an ihn ergehenden Auftrag Gottes anzunehmen zögert, bis die Stimme ihm, dessen Zunge plump und dem das Wort schwer ist, von seinem Bruder Aaron kündet: „Er sei dein Mund!" Copyright Inl*r«ri* Werl»!, Wien. (Nethdrtlck eefboteB) Zweiter Teil (t. Fortsetzung) IVtOSe I in Bei haus lesung des rahbi: H'pll h st.irf hl ]) „.'<>' .sei mehrten sii ein neuer nichts wnpNti Israel sind dumpfen, <h uik!;ill Reine Brüder und das ganze Ge- Kiniler Israels aber waren fruchtbar und!);is ganze Fand war ihrer voll. Da kam Koni« auf über Aegypten, der von Joseoh i-, iinil er sprach zu den Heiden: Der Kinder allzuviel . . . Wohlan, lasset sie uns klug sie nicht weiter Vordringen... Und sie scl/len 1' nun untc über sie... Dir S I r a tl«', ./ <•- r M {fiel s c Ii a u p I a t z u n d d i e beiden S e i I e n s c/i uu pl ätze werden hell. Sie versinnbildlichen einen gmfien Han platz in Aegypten. In genauen Abstanden stellen die V (inner Israels als Arbeitssklaven und reichen einander ZU'gehteine und llanquadern im sircng.cn Rhythmus u-eiler. Aenyplisehe Atiiseher, darunter der riesenhaile oberste /' c o ii r n d beobachten und teilen die Arbeit, deren Emiziel freilich nicht sichtbar wird, da der Hau id>c;\ aal dem Altiirplalz mn'fiiiinimc» ist, der im Dunkel ließt. Van dort schalle: ■ich in unerbittlich stu Takt Aufseher lassen in chensolch unihre Lederpeitschen zur stummen Und \ im Und Ilammerschtüt'.o beruh. Di erbiltlicli starrem 'l'tihl Arbeit niedersanken LESUNG DES RAHBI: ,,... und sie bedrückten sie, durch schwerem Dienst und machten ihnen (Ins Leben sauer mit Arbeit in Ziegeln und Lehm . .. und Pharao gebot den Seinen: Jeglichen erstgeborenen Sohn Israels werft in den Fluß,.." Im Ein gang der Höhle werden einige hnrhllechlende Hebräer Iraucn sichtbar, darunter M ir jam, Moses Schwester MIRJAM: Die Königstochter sah unten im Rohr Den Korb, aus Sehilfgras und Weiden. Sie beugte sich nieder, da hörte ihr Ohr Ein weißes und winziges Weinen. Das Kindlein wnr rein und fein wie aus Licht Und Pharao» Tochter ließ von ihm nicht. Seufzer der Frauen Min.IAM: Mein Bruder ist grofi in Aegypten. Wahrend diene* Liedes ist Mose, ah ägyptischer Prinz ge- Itleldet. auf dem Mittel s e hauplatz erschienen. Er schreite! allein, in fielen Cedanhen, seinem goldenen Stube nach. Plötzlich hleilil er stehen MOSE: Hin Fremder ward ich im fremden Land... Er geht nach Units zur Straße weiter MIR.' \M; Nun ist er ein Hoher im Hohen Palast .•r goldenen Herrschaft um nächsten, ferne nur sieht er auf unsere Lust auf Israels blutige Strähnen. Er gehl, mit Stab und Sürnreif geschmückt, Durch sein Volk, das sich ächzend zu Boden bückt. Mose lud d;c Straße erreicht Mein Bruder int groß in Aegypten. GEFM hl I.H l)i:H ARBEITER (hinter Mose her): Bruder, Bruder, «lehnt du uns Brüder? Bruder, Bruder, hörst du uns Brüder? MOSE fwieder stehenbleibend): Ein fremder bin ich im fremden Land... EIN IIEI'.HAlSCilKR MANN (zusammenbrechend): Ich kann nicht liingcr ... Ich kann ... nicht mehr.., Die Auheher werfen sich auf den Zusammengebrochenen und entblößen seinen Hachen. Der Pranvogt läßt die Lederpeitsche auf ihn nieilvrsaitnen. Die anderen Hebräer schleudern mit einem wilden Aufschrei dlQ Ziegel fori DIK HEBRÄER: Wir können nicht langer ... Wir wollen nicht mehr... Der l'ronvngl stößt einen schrillen Pfiff aus. Bewaffnete mit Lanzen stürmen herbei und treiben die Hebräer auseinander und eon der Rahna Gott Abraham», Isaaks und Jakobs... DIE GEMEINDE IM BETHAUS: Erlös ans und fahr un« nach HauteI! DER FRONVOGT: Jagt sie zusammen und legt sie in Ketten! Er geht mit einem zufriedenen Lachen die lern Straße hinunter — Mose tritt ihm stumm in den Weg und schlägt ihn mit dem goldnen Stab tu Boden — Rauch« Finsternis LESUNG DES RAUM: „Und Mos« erschlug den Aegypter Und verscharrt« Ihn im Sand ..." DER WIDER8P RF.CI I ER: Motte erschlug... Das klingt gut... So halt MoM die Gebote, die er gibt .., Und dann, er hat mit dem Erschlagen gewartet, bl# er allein war... und ohne Gefahr ... der Tapfer»! DER VORSTEHER: Narr und Lästerer, ich warne dich zum letztenmal! Um deinetwillen §ind wir verhaßt unter den Völkern... DER WIDERSPRECHER: Nur um meinetwillen? Seid nicht so bescheiden! DER VORSTEHER: Wir wollen deine Stimme nicht hören. Wir kennen dich.., DER WIDERSPRECHE!»: Ihr kennt mich und ich kenne euch! DER FROMME: Wer wagt es, Streit zu entfesseln in dieser Nacht? LESUNG DES RABBI: „Und Mose floh vor Pharao. Er hütete aber die Schafe eines Priesters in Midjian und trieb eie in dl« Wüste und kam an den Berg lloreb..." * (Hier folgt Im Werfeischen Drama die Dornbusch-Szene) LESUNG DES RABBI: „Und Mose sagte Aaron all diese Worte des Herrn. Sie kehrten zurück und versammelten die Aeltcsten Israels und Aaron redete zu ihnen... Und danach ging Mose und Aaron zu Pharao hinein." Die Mittelbahne mit Ihren Seitenflächen, die, wie zu Beginn dieses Teilen, einen öffentlichen Platz vorstellt, wird hell. Auf der linken Seite deutet ein Pylon den Eingang tu Pharaos Palast an. Mose und Aaron kommen twn rechts. Hinter ihnen ein Häuflein der Aelt es len, von Angst und Unruhe geschüttelt. Mose und Aaron treten, unbehindert durch die Wache, vor den Pylon, wo sie zunächst sichtbar bleiben. Die Aeltesten warten gedrängt in der Mitte. Eine Fanfare selgt die Ankunft Pharao s im Palast an. Mose und Aaron verbeugen sich tief STIMME PHARAOS: Wer sind diese Männer? MOSE: Wir sind zwei Brüder.»« AARON: Aus Israel, deinem gehorsamen Volk. STIMME PHARAOS: Was wollen die Männer? AARON: So spricht der Herr... MOSE: Der Gott unsrer Väter, der König der Welten..« AARON: Israel,.. MOSE: Israel hab ich gesegnet Und ist mein erstgeborener Sohn... AARON: Drum höre Pharao meine Bitte... MOSE: Drum höre, Pharao, was ich gebiete, Und lasse in Frieden Israel zichn, Damit es mir opfere in der Wüste. STIMME PHARAOS: Wer ist dieser Herr, dieser König der Welten? (Gefälliges Gelächter des Hofstaates im Palast) Ich sehe ihn nicht und ich höre ihn nicht. Und dieser Herr will dem König gebieten? (Ilöchststeigerung des Gelächters) Nehmt meine Antwort: Verschärft sei die Fron! Mose und Aaron erheben steh. Dl» Aeltesten fuchteln und keifen ihnen wütend entgegen DIE ÄLTESTEN: Weh über uns ... Da seht ihr'fl ... Da habt ihr's ... Verschärft wird die Fron... Verlängert das Tag- Jwerk... uldet... Nun hören wir nichts mehr vor Aechzen und Angst... Euch möge der Herr erkennen und «trafen... Ihr habt Unsern Atem «Unkend gemacht Vor Pharaos Antlitz... MOSE (ohne das Gekeif zu beachten): Mein Bruder, nun komm Und wirf diesen Stab zu Pharaos Füßen, Daß er zur Schlange werde vor ihm. Beide verschwinden Im Palast KNABENSTIMME IM BETHAUS: Jetzt beginnen die zehn Plagen über A«gypten.,, DER FROMME: Ihr Knsben dieser Gemeinde! Hier «<«ht ein armer Junge, den sein Vater hat unbelehrt gelassen. Netmet ihr ihm der Reihe nach die zehn Plagen Ober Aegypten. ERSTER KNARE (Eingelerntes herunterleiernd).' Die drei ersten Plagen betreffen die niedorn Elemente: Erde und Wasser. Wasser wird xu Blut. Aus den SUmpfen steigen Frösche. Staub wandelt sich in Ungeziefer ... ZWEITER KNABE (ebenso): Die drei mittleren Plagen betreffen Tier und Mensch; Reißend Gewild, Vtehpest und Eiterbeulen.. DRITTER KNABE (ebenso): Die drei nächsten Plagen betreffen die höheren El«. mente: Luft und Licht. Blitz und Hagelschlag, Heuschreckenschwarme, Finsternis ... DER FROMME: Und die zehnte Plage? DIq obere Bühne hat sich Indessen etwas verfinstert. Die Aeltesten entzünden einige Packeln. Mose und Aaron treten aus dem Palast. Im Ausschnitt des Pylons wendet sich Mose noch einmal zu Pharao um MOSE: Mit furchtbaren Wundern hat Gott dich geschlagen. Er spricht noch einmal: Entläßt du uns nicht, Dann send ich um Mitternacht meinen Engel. Hinwandeln wird er von Hau» zu Haus Und würgen die Erstgeborenen alle, Von Pharaos Sohn bis zum Sohne der Magd. (Er und Aaron treten unter die Aeltesten) Ihr aber rüstet die Ucberschrcitung, Und schlachtet das Lamm und setzt euch zum Mahl, Ein jeder daheim im Kreis seiner Sippe Die Lenden gegürtet... DIE ÄLTESTEN: Wir harren des Rufs, Dem Herrn gehorsam... Doch zitternden Hcrzeni.». Die Aeltesten beginnen davonzuschleichen — Dumpfe Hornsignale von alten Seiten plötzlich — Die Aeltesten erstarren Welche Zeichen!? MOSE: Pharaos Feldhcrm sammeln. Ihr Kriegshccr... DIE ÄLTESTEN (aufjammernd): Pharaos Heer wider uns!? Weh! Sind nicht Gräber genug in Aegypten? Entführst du uns deshalb aus seiner Pracht, Damit Uns Schilfmeer und Wüste verschlingen? Wie oft mit Tränen beschworen wir dich: Hör auf und laß uns Aegypten dienen. Besser ein Knecht sein und dienen als tot. DER DREIZEHNJÄHRIGE: Warum jammern jene erbärmlichen Münner? Gott wird sie doch retten... DER WIDERSPRECHER (mit großer Schärfe): Jene Münner haben recht! STIMMEN IN DER GEMEINDE: Der Narr soll schweigen! DER WIDERSPRECHER: Reden will ich, endlich reden! (Er schwingt sich auf eine Dank. Alles Licht liegt auf ihm. Die llibelhühne- Int erloschen) Was können jene Münner für ihr Elend? Was kann ich für meines? Ich habe Gott um seine Verheißung nicht gebeten. Sie liegt mir bleischwer in den Gliedern seit Jahrtausenden. Er reißt mich uns Abrahams Heimat und wirft mich nach Kanaan. Er reißt mich aus Kanaan und wirft mich nach Aegypten. Er reißt mich aus Aegypten und wirft mich in die* Wüste. Und so bis auf den heutigen Tag. Denn bei Sonnenaufgang werden sie mich töten oder aus der Stadt jagen. Und dies alles wegen seiner Verheißung. Wohin ich komme, dort klafft das Nichts. Und meine Zeit ist das ewige Nie. Die anderen Menschen werden geboren, leiden und sterben. Nur ich muß zu allem noch Gott auf dem Rücken tragen wie einen Berg. Ich werfe Ihn ab. Ich habe ihn satt... DIE MÄNNER DER GEMEINDE (schon während der Rede): Reißt ihn herab... Stopft ihm den Mund... Sehlagt ihn tot... Gott wird Uns um seinetwillen strafen.,. DER VORSTEHER: Nein, schlagt ihn nicht... Die Tür auf.. . Hinaus mit ihm».. Stoßt ihn nus der Gemeinde, aus dem Hau« der Lehre, das er beleidigt hat... DER WIDERSPRECIIER (In die Tür gedrängt): Ich gehe selbst... Rührt mich nicht an... Ich gehe. Aber meine Stimme sollt ihr immer wieder hören... Die Pforte wird hinter ihm verriegelt — Die Muriner /lehren auf ihre Plätze zurück — Totenstille DER FROMME: Gott ist hier gelästert worden, sein Haus verunreinigt.»« Was befiehlt unser Lehrer zur Sühne? DER RABBIS Zur Sühne werden wir des herrlichen GottessiegS nichfi gedenken, nicht des Zuges durch das Schilfmeer, nicht der flammenden und dampfenden Süulc, die vor uns einherging, und aller Gnaden sonst. Zur Sühne werden wir des Leides gedenken, das unser Volk dem Harra und seinem Propheten bereitet hat... Lesend: „Ünd Mose ging mitten In die Wolke und stieg auf de» Berg und blieb auf dem Berg vierzig Tage und Nachte.. Dlt HtmmelBtreppe erglimmt schwach. Man sieht die Gestalt Moses auf den Stufen knien. Vor dem Felstor wartet Jos na mit verhalltem Haupt (Weitere Teile folgen) Neuhinzutretende Abonnenten erhalten auf Wunsch die bhher erschienenen Teile des Werfel-Dramas kostenlos nachgeliefert. i

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