Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 8 (25.1.1935)
- Date
- 1935-01-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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*r. 8, 25.1.1935 JODISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Zwei Sechzigjährige Alfred Klee Von Emil Bernhard Cohn Wetm ich heute, wo Alfred Klee die Höhe des Lebens erklomm, an ihn denke, taucht vor mir die Frühzeit unserer Bewegung auf, die mit meiner eigenen Jugend zusammenfiel, und ich sehe ihn mit unmittelbarer Lebendigkeit an der Balkonbrüstung des Berliner Feenpalastes stehen und mit der bezaubernden Beredsamkeit, die ihm ja durch alle Zeiten treu geblieben ist, zu den 4000 Juden Berlins sprechen, die da versammelt waren. Das war jene berühmte Versammlung gegenüber der Berliner Börse aus dem Jahre 1898, als Max Nordau, der große Volkstribun des Zionismus, von eben derselben Stelle gegen die sog. Protestrabbiner seine Anklagen hinausdonnerte, eine Versammlung, von der man nur sagen kann, daß mit ihr eigentlich erst die Geschichte des Berliner Zionismus ihren Anfang nahm. Es machte damals den tiefsten Eindruck auf mich, nach dem weißhaarigen Nordau, dessen stämmige Unterset/theit im Einklang mit der gedrungenen Wucht seiner Rede stand, den schlanken, 23jährigen Mann zu beobachten, der mit klarer Begeisterung, aber ohne jeden Groll und ohne alles vulkanische Wesen seine Sätze formte und von der Brüstimg jenes Balkons auf die Massen hinunterrief, die ihm fast ebenso zujubelten wegen seiner Jugend wie Nordau wegen seiner mächtigen und hinreißenden Volksbercdtsamkeit. So habe ich damals Alfred Klee zum ersten Male gesehen und gehört, und so ist er für mich stehengeblieben bis auf diesen Tag. Klee ist in mehr als einem Sinne einer der hervorragendsten Mitschöpfer des deutschen Zionismus geworden. Seiner großen Redebegabung und dem Zauber seines gewinnenden Wesens ist die Begründung der meisten deutschen Ortsgruppen in ihren Anfängen zu verdanken. Leicht wird in dieser Zeit, wo allmählich mit Notwendigkeit und aus gutem Grunde die ganze zionistische Arbeit in die Hände eines großen Parteiapparates übergegangen ist, übersehen, was jene Männer der Frühzeit aufbauend geleistet haben. Wird einmal die Geschichte der Organisation geschrieben werden, so wird sich die schon quantitativ enorme Leistung Klees herausstellen. Die Generation von heute sieht Alfred Klee etwas anders und muß ihn ja anders sehen. An seiner Gestalt, an den Rollen, die er spielte und an der Stellung, die er heute einnimmt, kann man in sehr interessanter Weise das Wachstum der Bewegung erkennen. Wenn Klee heute in der Führung der jüdischen Gemeinde Berlins und des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden steht, wenn er der Vertreter der Berliner Großgemeinde in der Pariser Ica ist, und wenn die Zahl der Ehren, die er genießt, nicht zu nennen ist, so zeigt sich daran der Wandel der Zeiten. Klee ist jetzt beinahe vier Jahrzehnte ein Repräsentant der Bewegung. Darüber hinaus aber auch ein Repräsentant des deutschen Judentums. Er verdankt das nicht nur seiner großen propagandistischen Begabung, sondern nicht zum mindesten den diplomatischen Fähigkeiten, über die er verfügte. Im Grunde ist er nicht das, was man einen geborenen Revolutionär nennt, sondern hat allezeit durch 6euie verbindliche Art, die auch seine Gegner entwaffnete und gewann, Außerordentliches geleistet, Unebenheiten geglättet, Stachel herausgezogen und manche Fensterscheibe, die von gröberen Naturen eingeworfen wurde, wieder gekittet. Dem Schreiber dieser Zeilen war es vergönnt, in einem Punkte seiner Entwicklung das Wirken Klees am eigenen Leben zu verspüren. Das war in seiner Kampfzeit vom Jahre 1907, als er wegen seiner zionistischen Gesinnung vom Berliner Gemeindevoretand gemaßregelt worden war. Damals konnte er aus nächster Nähe sehen, was Kraft der Rede, Treue der Gesinnung und vor allem Freundsehaftstreue vermag. Die wenigsten wissen, daß aus jenen Kampftagen die Begründung des Neuen jüdischen Gemeindevereiiis und später der Jüdischen Volkspartei hervorgegangen ist. Die Art, wie Klee Jahre hindurch hier immer im Gemeindekampf mit demselben Hammer auf denselben Nagel schlug, muß um so höher gewertet werden, als jahrelang, selbst von führenden deutschen Zionisten bestritten wurde, daß die Eroberung der Gemeinden eine so wichtige Aufgabe sei. Die Erfolge haben Klee recht gegeben. Und so ist es gekommen, daß gerade diese seine Leistung im vollsten Lichte der Oeffentlichkeit steht, allgemein anerkannt ist und, wenn man so sagen darf, das Lebenswerk Alfred Klees gekrönt hat. Ganz besonders aber muß zum Schluß noch auf eines hingewiesen werden: Unter den Gemeindevorstehern nicht bloß des Berliner, sondern des ganzen deutschen Judentums, nimmt Alfred Klee eine einzigartige Stellung ein. Er ist einer der ganz wenigen, die über ein wirkliches jüdisches Wissen verfügen. All sein Denken, Fühlen und Wollen floß aus einem jüdischen Wissen, dessen fester Grund in der Jugend gelegt war, und das später mit leidenschaftlicher Hingabe von ihm ausgebaut, verlieft und vollendet wurde. Bei ihm quoll das Judenrum nicht aus dem Zionismus, sondern allezeit der Zionismus aus dem Judentum, und daher verlor er nie den lebendigen Zusammenhang mit dem religiösen und nicht einmal mit dem synagogalen Judentum. So bleibt auch hier seine Gestalt den Alten eine Ermutigung und den Jungen eine ernste und erhebende Mahnimg. So darf ich ihn heute an seinem Ehrentage von Herzen und in Freundschaft begrüßen und ihm den Wunsch seiner vielen Freunde aussprechen, daß ihm noch viele Jahre in gleicher Kraft und Schaffenslust beschieden seien und die Anerkennung der Besten ihn nicht nur heute beglücken, sondern allezeit zu neuen Leistungen führen möge, die wir und das deutsche Judentum von ihm erwarten. Professor Dr« Isaak Markon Der Oberbibliothekar der Hamburger Deutsch-Israelitischen Gemeinde, Professor Dr. Isaak Markon, begeht am 27. Januar seinen sechzigsten Geburtstag. Der Jubilar ist eine der markantesten Gclehrtengestalten des heutigen Judentums, als einer der besten Kenner der orientalischen Literatur bekannt und der erste Sachverständige für das ganze schwierige Problem der Karäer und Chasaren, über die er auch in allen bedeutenden Sammelwerken der jüdischen Literatur, angefangen von dem russisch-jüdischen Lexikon der Vorkriegszeit bis zur Eneyclopädia Judaica die einschlägigen Artikel verfaßt hat. Er war im Petersburg der Vorkriegsjahre gleichzeitig WirtschafMührcr, führender jüdischer Politiker Gemeindevorsteher und Mitglied des Nationalrats der russischen Juden —, wie Gelehrter und Mäzen. Am russischen Hofe angeseficn, brachte er es bis zum Ministerialrat und Holrat, erreichte viel in der Fürsorge für unsere bedrängten Glaubensgenossen, war dabei akademischer Lehrer an russischen Universitäten, Verfasser zahlreicher wissenschaftlicher Werke, im „Ort" tätig, Gründungsmitglied und Vizepräsident der „Gesellschaft zur Pflege der hebräischen Sprache", Herausgeber des „Hakedem", Mitarbeiter des „Hameliz", „Haseinan", „Haihri" usw., sein Haus war einer der Mittelpunkte des geistigen Lebens der russischen Judenheit. Auch in Deutschland kannte man ihn, der öfters in Berlin Gastvorlesungen hielt und als Mitglied internationaler wissenschaftlicher Gesellschaften sich überall betätigte. Besonderen Anteil hat er an der Abwehr der Angriffe gelegentlich des Beilis-Prozesses. Sein besonderes Interesse galt allen propalästinensischen Bestrebungen in Rußland. Nach dem Umsturz siedelte er nach Deutschland über, hielt Vorlesungen am Berliner Rabbinerseminar und in vielen anderen deutschen Gemeinden. 1929 nahm er den Ruf als Oberbibliothekar in Hamburg an und hat die ihm anvertraute Bücherei zu einer der ersten jüdischen Kulturstätten nicht nur in Hamburg, sondern in ganz Deutschland überhaupt ausgebaut. Seine Arbeiten über die Geschichte der Juden in Hamburg zeigen, daß er nicht gewillt ist, sich zur Ruhe zu setzen. So steht er auch heute im Mittelpunkt eines Kreises, in dem er mit Würde den Verlust einer großen wirtschaftlichen Position und — was ihn noch mehr schmerzt --, einer der besten jüdischen Bibliotheken, die er in jahrzehntelanger Arbeit zusammengebracht hat, trägt. Diese Zeilen seien nicht geschlossen ohne eine kleine Reminiszenz, die nicht ohne Reiz sein dürfte. Als vor einigen Jahren Bialik zum letzten Male in Hamburg weilte, saßen der Dichter, sein „Adjudant" Weinberg, Professor Markon und der Schreiber dieser Zeilen beim Empfangstee an einem Tische. Ein älterer Jude, der gekommen war, um Bialik kennenzulernen, drängte sich an den Tisch. Jedem bot er die Hand, sagte „Scholatim Alcchcm" und fragte schließlich: „Und wer von Euch ist Bialik?" Julian Lehmann •< yi.» A.* ' ^Hk ✓ Aus demWochenabsdinitt für Sdiabbat, 26. Januar Am dritten Neumond nach dem Auszug der Kinder Jlsroel aus dem Land Mlzraim, an diesem Tag kamen sie in die Wflste Sinai. * Und sie waren von Rifidim aufgebrochen und kamen In die Wüste Sinai und lagerten sich in der Wüste, und Jisrael lagerte dort dem Berg gegenüber. * Mosche aber stieg hinauf zu Gott. Da rief der Ewige ihm vom Berg zu und sprach: »So sollst du sprechen «um Haus Jaakob und kundtun den Kindern Jisrael: * Ihr habt gesehen, was ich Mizrafm getan, wie Ich euch auf Adlersflügeln getragen und zu mir gebracht höbe. * Wenn ihr nun auf meine Stimme hören und meinen Bund wahren werdet, so sollt Ihr mir eigen sein aus allen Völkern, denn mein Ist alle Erde. * Und Ihr sollt mir sein ein Reich von Priestern und ein hellig Volk. Dies sind die Worte, die du zu den Kindern Jisrael reden sollst." I. Buch Moses, Kap. 19, Vers 1-7 (Aus der neuen deutschen Bibelübersetzung, herausgegeben van Torczyner. Verlag Kauffmann, Frankfurt a. M.) Der Rabbiner in der Kwuzah Zum Abgang Dr. Uckos Die Nachricht, daß Dr. Siegfried Ucko nach Palästina übersiedelt ist, wird in Deutschland bei allen, die ihn kannten, ein Bedauern darüber hervorrufen, daß er nicht mehr in unserer Mitte wirken wird. Denn in der verhältnismäßig kurzen Zeit, in der Dr. Ucko sein rabbinisches Amt in Offenburg versehen hatte, hat er sich allgemein in der jüdischen Ocffcntlichkeit die S v m p a t h i e n aller erworben, die in (enger oder loser) Verbindung mit ihm standen. Er hat in seiner Gemeinde den Typus eines Rabbiners verwirklicht, den man in Deutschland nicht allzu häufig antrifft, den Rabbiner, der nicht nur zu predk'-cn gewohnt ist, sondern der mit seiner (i cm ein de lebt und sein Amt als eine Art „Volksmission" auffaßt. Besonders engen Kontakt hatte er mit der J u g e n d, der er ein Fuhrer, Lehrer und Vorbild war. Mit Palästina haben ihn seit je viele Fäden verknüpft; er hat dort einen Teil seiner Studienjahre verbracht und kennt das Land und seine Menschen. Nun geht er wieder hinüber, und zwar nicht in irgendeine Stadt, sondern in die Kwuzah Giwath Rrcntifr. Und dies gibt der Sache den mehr als persönlichen Charakter. Es ist das erste Mal, daß ein Rabbiner in eine Kwuzah geht. Bisher wurde oft über die Religionslosigkeit, ja zuweilen Religionsfeindschaft der Kwuzoth geklagt, aber es war ein recht bequemes und selbstverständlich wirkungsloses Moralisieren. Hier zum erstenmal ist eine Tat: ein Rabbiner geht hin, um mit den arbeitenden Menschen zu leben — man darf auf diesen Versuch gespannt sein. Und besonders wichtig scheint uns, daß hier nichts aufoktroyiert wurde, sondern daß die Leute von Giwath Brenner Ucko geTUfcn haben. Hier stehen wir am Anfang einer vielleicht bedeutungsvollen Entwicklung, und Ucko kann ein Pionier sein, so wie er ein echter Chaluz ist. So können wir denn nur sagen, daß ihn unsere herzlichem, Wünsche begleiten. Ueber die Abschiedsfeier, die seine Gemeinde veranstaltete, erhalten wir aus Offenburg nachstehenden Bericht: Wohl kaum jemals war die Svnagoge so überfüllt «He bei der Abschicdsfeier für Bezirksrabbiner Dr. Ucko am 6. Januar. Juden aus allen Orten des Bezirks waren gekommen, um ihre Dankbarkeit dein Scheidenden zu beweisen. Die Vielseitigkeit der Tätigkeit Dr. Uckos erhellte aus der Vielzahl Her Organisationen, Hie den Dank für seine Arl>eit abstatteten. Es sprachen Kvzirksältcster Rechtsanwalt Lion, Rastatt, für die Bezirk-svriagoge, Vorsteher E. Neu für die Synagogengemcinde Ottenburg, Konferonzrabbiner Dr. Schiff* Karlsruhe, sprach dir den (Mierrat der lsraelitc.i. f-ehrer Simon, Rastatt, überreichte für die Lehret Vereinigung des [ir/h-ks ein Album. Dr. Orzymisch, Bruchsal, flankte für die Mitarbeit Dr. Uckos im Vorstand des Landeswaiscrivereiris. Fr. Strauß, Karlsruhe, dankte für die Anregungen, die der Wohlfahrtsbund empfangen hatte. S. Homburqcr. Karlsruhe, betonte die Verbündenheit Uckos mit der Jugend. Ergiettend war die Ampr.fhe de, Redners des Synodalbezirkes, Joset Kaufmann. Kehl, dem vorher Dr. Ucko in Ausübung seiner letzten rabbini-ehen Handlung tVierlfbst Hie Würde eines „Chowep" verliehen hatte. Dr. Ucko dankte, erörterte rlw Gründe seiner Alijah und entwickelte den ergriftenen Hörern das Bild eines künftigen, religiös au .gefüllten Oalmh-Paseins. Die Feier umrahmten iniiMkaibehe IDarbietungen unter l^etittng Walter Wein» tclltnks. Zu erwähnen «ind der Svnagejgcnehor Ottenburg, Lehre* Hraehsalcr, Buhl, Dr. Iloffm.inn. Lahr, da-, Doppelnnartctt der Lehre*. Vereinigung des Bezirks und Kurt Frank, Ottenburg. 111 r ri) Hl 11 rt M II 111 (MI! (1M11 II 11 tll M H H t M14 i t M1111 < 11111 r 11 i < SI j T11111»1111 i!: IN111! i 11M r H1111 f tt i 11111 Tri M11 :< II T111 M1t»r»*^»«HWT»»W»Pr»W^»m EIN GROSSER JUDENFREUND | Isser »Ber Wolf | Im Alter von 90 Jahren ist in Kowno der verdienstvolle Patriarch der litauischen Juden, Isser-Ber Wolf, verstorben, nachdem er mehrere Jahre erblindet und doch rege an den Geschehnissen der Umwelt teilnehmend war. Der Verstorbene, ein Nachkomme des Wilnaer Oaon, hat schon als Siebzehnjähriger im lahrgang 1861 des „Mamagid" mit einer exegetisch-grammatikalischen Abhandlung und mit zwei Gedichten debütiert, wovon eins tFWW ton« (Liebe zu Jerusalem) heißt (Nr. 28, 1861). Diese zionistische Jugendliebe blieb der Inhalt seines Lebens. Selbst in der liberalen Aera der russischen Juden war Wolfs Devise die progressivnationaljüdische Paarung, und als die besten Männer der hebräischen Haskala die ersten waren, welche 1882 die Chibbath-Zion aufs Schild erhoben, stand l. B. Wolf in vorderster Reihe. Mit dem Erscheinen von Theodor HerzI hat Wolf sogleich dem Zionismus Hand und Herz geweiht. Eine vergessene Denkwürdigkeit, die mit dem Namen des Dahingeschiedenen verknüpft ist, möge hier in Erinnerung gebracht werden. Vor 60—70 Jahren, als I. B. Wolf vielfach und geistreich in hebräischer Sprache schriftstellerte, hatte er, wie es damals unter den hebräischen Dichtern üblich war, anläßlich der ersten Dreikaiser-Zusammenkünft in Berlin 1872 (Wilhelm I., Franz Joseph I. und Alexander IL), zu Ehren der drei Monarchen eine Ode, betitelt BTTOST? WX\Tt „Die dreilache Schnur" (Anspielung auf Ecclesiastes 4, 12) im „Hatnagid'* veröffentlicht. Die älteste hebräische Wochenschrift »Hamagid" erschien in Lyck (Ostpreußen) und der Redakteur hatte die Nummer 35, in der das Huldigungsgedicht v°n I. B. Wolt abgedruckt war, mit einem Begleitschreiben an Kaiser Wilhelm I. eingeschickt, worauf folgendes Antwortschreiben eingegangen war: „Seine Majestät der Kaiser empfing Ihr Schreiben vom 6. d. M. mit dem hebräischen Gedicht und stattet Ihnen den Dank ab für die Ehrerbietung und den Beweis der Vaterlandstreue, die Sie damit erbringen wollten. Seine Majestät bedauert nur sehr, in den Jugendjahren sich nicht bemüht zu haben, die hebräische Sprache zu erlernen und zu kennen, und daher wäre ihm das Gedicht ein versiegelter Brief, hätte er überhaupt seinen Inhalt und die Gefühle der Vaterlandsliebe, die Sie hegen, sebon nicht aus Ihrem Begleitschreiben erfahren. Im Allerhöchsten Namen Sr. Majestät des Kaisers unterzeichnet, Berlin, den 15. September 1872. Der Geheime Kabinettsrat v. Wilmowski." Memel, 20. Januar 1935._ Leon Scheinhaus Dr. Zemach Schabad, der bekannte jüdische Folklorist, ist dieser Tage in Wilna gestorben. Der nicht nur in seiner Heimat sehr populäre Mann hat sein Leben dem Judentum gewidmet, hat sich als Schriftsteller, Wissenschaftler, Sammler, besonders als Folklorist um die jiddische Sprache und Literatur und manche ihrer Grenzgebieie verdient gemacht. Er gehört zu den Gründern des „Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts" („Jwo") in Wilna und gab einige Jahre die populären „Wilnaer Sammclbücher" heraus. Vor allem aber galt sein Leben dem lebendigen Judentum, der Sorge um seine Gemeinde, der er in der schwierigsten Situation, während der deutschen Besetzung in den letzten beiden Kriegsjahren, vorstand. Dr. Schabad hatte im vorigen Jahre — seinem siebzigsten — eine Palästina-Reise gemacht und sich jetzt im Lande ansiedeln wollen; der Tod trat dazwischen. Bei der Beerdigung waren mehr als fünfzig heimische und allgemein jüdische Organisationen vertreten. Die Wilnaer Gemeinde hat De. Schabad ein Ehrengrab gestiftet. Ein in Südafrika weilender jüdischer Künstler aus Po* lästina, Nahum G ultmann, hat den Justizminislcr der südafrikanischen Republik und früheren Ministerpräsidenten, General Sntuts, gebeten, ihm zu einem Porträt zu sitzen, das im Auftrag des Bürgermeisters Dizengoff für das Museum von Tel-Awiw gemalt werden soll. Smuts hat sich hierzu bereit erklärt. Smuts, dessen Londoner Rede über die Ungerechtigkeit des Vcrsailler Friedensoertrages vor einigen Wochen großes Aufsehen in ganz Europa gemacht hat, ist ein großer. Judenfreund und Förderer des Zionismus. «) i" t :he? len pS ks-< erdie1 ng :he;ch «ta af/a rer tde ■Met ist,. tts» ärti M itst »II— iW :m egf et, ein ,C9 he inj! a-. er* iilla he tu >r« er* if* er uf 09% es e» tft;\ «r> <S :r •n T» 1m n 31 >h :r :r r- T d Ii 8 th