Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 7 (22.1.1935)
- Date
- 1935-01-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 7, 22.1.1935 JUDA: Wie soll icli reden, wie mich rechtfertigen? Der Ewige bringt diese Schuld über uns. Drum sind wir, Herr, dir verfallen als Sklaven, Wir und der Knabe, der solches verbrach. JOSEPH: Fern sei dies von mir! Ihr ziehet in Frieden! Der Knabe bleibt... JUDA (wirft sich vor Joseph zur Erde): Nicht also, mein Herr! Sie waren zwei Bruder... von einer Mutter... Er blieb allein ... Wir bürgten für ihn ... Geknüpft ist des Vaters Leben an seines... Der stirbt, kehrt der Knabe nicht wieder zurück... (Erstickt): Schickst du uns heim... den Vater zu töten?? JOSEPH (schneidend): Aegy|)tische Männer, laßt uns allein! Diener und licwaffnete ziehen sich zurück. JOSEPH (sehr leise): Seht her! Ich bin Joseph. Ich bin euer Bruder. (Die Brüder erstarren) Tretet zu mir und fürchtet euch nicht, Denn ich bin Joseph, ich bin euer Bruder, Den ihr verkauft habt. .. BENJAMIN (wirft .sich an Josephs Brust): Nimm mich zu dir! (Nun zeigt sich — hi;r weggelassen — auf der Bühne ein Doppelgeschehen: Auf der einen Seite Josephs Begrüßung mit den Brüdern, auf der anderen Seite die Verkündigung zweier Engel an J.ikob, daß Joseph lebt. Die Engel geleiten Jakob in Josephs Arme.) RUFE IM Iii; I II \US: Alks zum (lutea! Alles zum (Inten! Alles zum Guten! JAKOB: Nun will ich sterben... Ich habe gesehen Dein Antlitz... Kind Habels... und daß du mir lebst... (Er gleitet in Josephs .lernen zur Erde) DEF! DK! IZF.1IN.1 MIHKIE: Ich Inn Joseph . . . Bei diesem vcrzüclilen Ruf verlischt die Bihclbühne. — Das B e t h a u s leird ein wenig heller. DER FROMME: ("tanz Israel i-,1 Joseph. Nach bitterer Trennung wird es den Vater wieder umarmen. DER RABBI: Füllet eure Seelen mit Jakob und Joseph! Sie geben uns Kraft, die laiifje Trennung zu ertragen. DER DREIZEHNJÄHRIGE: Laß uns zu jenen Männern treten, Vater, aus deren Stimmen all die herrlichen Bilder kommen... DER ENTFREMDETE: Geh du allein zu ihnen, mein Kind. Ich habe so vieles vergessen. Vielleicht bringst du es mir wieder zurück. Der Dreizehnjährige betritt zaghaft die l.csehanzcl. DIE FROMMEN AUF DER LESEKANZEL: Was will dieser Junge?... Kennt man ihn?... Es ist der Sohn des Abgefallenen... Fort mit ihm... DER RABBI: Könnt ihr wissen, wer dieser Knabe ist... (Er legt dem Dreizehnjährigen einen Gebetsmantel um) Komm und hör und sieh! Schluß des e r s t e n 1 e i l s. Der zweite schließt in der Aufführung unmittelbar an. (Weitere Teile folgen) Neuhin/utretende Abonnenten erhalten auf Wunsch die bisher erschienenen Teile des Werfel-Dramas kostenlos nachgeliefert. Lazarus (i o I <l s c Ii m i d t hat soeben die deutsche Ueberset/unR de- Talmud zum AbschluH gebracht. Der 9. Band der großen Talmud-Au-^abe durfte demnächst in dem Verlag von Maitimis Nijlioli im I faag erscheinen. — (Eine kleine Ausgabe erscheint im Jüdischen Verlag, Berlin). Wie gestalte leli den Schabbal? Für Schabbat, 26. Januar Wochenabschnitt „Jitro" (II. B. M. Kap. 18, 1-20, 26.) Dieser Oneg Schabbat wird sich ausschließlich mit den „Zehn Geboten" befassen. Einleitend lest aus „Moses" von Edmond Fleg Seite?S SO vor. Da sind die schönsten Midraschim, die mit der Gesetzgebung zusammenhängen, gesammelt und meisterhaft tibersetzt. Noch schöner wäre es, wenn ihr euch aus dem Talmud-Traktat Schabbat 86 b- 80 b vorlcrnen lassen konntet. Diese 3 Seiten enthalten sehr viel Anregung und grundlegende Bemerkungen über das Gesetz. Nach dieser Einleitung laßt die 10 Gebote „vorleinen" und dann sprecht über sie. Weist zuerst hin auf die Zweiteilung: Die ersten Gebote regeln das Verhältnis vom Menschen zu Gott, die letzten die von Mensch zu Mensch. Zeigt, wie beim vierten Gebot (Schebbat!) die religiöse und soziale Motivierung zusammenwirken. Das wird noch deutlicher, wenn ihr die Fassung der „Zehn Gebote" im V. B. M. Kap. 5, 12—16 heranzieht. Sprecht dann über die soziale Bedeutung des Schabbat und betont, daß hier zum ersten Male auch das Tier in die Sozialgesetzgebung mit hineinbezogen wird! Sehr viel und sehr wichtiges Material zu anderen Geboten findet sich in „Sendung und Schicksal". (Schocken-Verlag.) Auf S. 119 ist ein Teil aus dem Bibel-Kommentar von Moses Mcndclsohn abgedruckt: „Das erste Gebot und über die Anordnung des Zehnworts". Hieraus läßt sich sehr viel vermerken; insbesondere sind viele alte Quellen benutzt. Der Abschnitt ist etwas schwierig, man muß sich also schon vorher etwas mit ihm befassen. — Auf Seite 223 —232 sind Geschichten von der Elfernehrung aus Talmud und Midrasch gesammelt und aus dem „Schulchan Artich" die Kodifizierung des Gebot« der Elternehrung entnommen. Dieses letzte Stück ist besonders instruktiv für die Methode des „Schulchan Amcb". Achtet darauf, wie die kleinsten Einzelheiten genau geregelt werden! Abschließend ist dann über die Bedeutung der Halacha zu sprechen. Lest den Aufsatz von Bialik: „Halacha und Aggada" in dem Buch Bialik „Essays" (Jüd. Verlag, ein sehr wichtiges Buch). Ihr werdet sehen, daß Bialik nicht nur ein Meister der Aggada war, sondern auch sehr genau die Bedeutung der Halacha einzuschätzen wußte. Die Aeltercn können unter sachverständiger Führung auch darüber sprechen, welche Rolle die Ethik der Zehn Gebote in der Welt spielte, und mit welchen Argumenten heute von einer bestimmten christlichen Gruppe die „jüdische Ethik" der Zehn Gebote verworfen wird. E. Die Haftara zu diesem Schahbat enthält das berühmte Kapitel Jcsaja 6, die Berufung des Propheten, mit dem im Zentrum des jüdischen Festgottesdienstes stehenden Vers der Kidduscha. Als Psalm für diesen Wochenabschnirt wird Psalm 19 empfohlen, die Offenbarung der göttlichen Herrlichkeit durch die Natur und das Gesetz. Geschichte 1. Allgemeine Uebersicht Fortsetzimg der Propheten. (Vgl. die vorige Ausgabe.) 2. Geschichte der jüdischen Menschen, a. Von den Königen von Juda wählen wir den letzten, Zedekia, weil sich an ihm die ganze Tragik der judäischen Könige und ihrer Politik zeigt. Er ist absolut ein Werkzeug der Parteien im Lande, und zwar der ägyptischen, welche ein Bündnis mit Aegypten erhofft und der babylonischen, welche im Anschluß an Babylonien das Heil des Landes erblickt. Durch seine Regierungszeit geht der Prophet Jeremia, der seine große politische und moralische Mission spürt. Die Regierungszeit Zedekias ist bis zu seiner Fortführung tragisch und voll von falschen politischen Instinkten. Eines der traurigsten Kapitel der jüdischen Geschichte. Er wird von allen Seiten hin- und hergeworfen und es ist fraglich, ob eine größere Begabung als er die Zeit gemeistert hätte. Seine Charakteristik, die Ihr in jedem Geschichtsbuch findet, kann vielleicht noch durch Zweigs „Jeremias" ergänzt werden; dort gibt es ein paar Szenen, etwa den Rat mit seinen Ministern oder eine der vielen Begegnungen mit Jeremias, die seinen Charakter deutlich zeigen. Paiastlnakunde Galiläa, Emek Jesreel und Karmel schließen den nördlichen Teil der Küstenebene ein, welchen man Haifa-Akko-Ebene, jetzt im jüdischen Teil „Emek Sebulon" nennt. Einwohner: (1921) 70000 auf 350 qkm, Bevölkerungsdichte 57 proqkm, Verkehrsstraßen: Die Küstenstraße nach Beiruth, die Karawanenstraße von Damaskus nach dem Meere, die jetzt zur Chaussee Akko—Safed ausgebaut ist. Südlicher Teil in jüdischem Besitz. Hier sind versumpfte und sandige Gebiete durch Drainage zu brauchbarem Boden für Pflanzungen und Gemüse geworden. Städte: Haifa, Akko. Haifa-Bay als aussichtsreiche Stätte jüdischer Industrialisierung und Siedlung. J. P. Korrespondenz Religionsoberlehrer Dr. Wochenmark, Schwäbisch* Gmünd, schickt uns zur Frage der Gestaltung des Oneg Schahbat eine längere Darlegung, worin er sich dafür ausspricht, daß die Schabbat-Feiern nicht allgemeinen Fortbildungszwecken dienen sollen, sondern der religiösen Schabbat-Lust, und daß daher die Unterhaltungen hauptsächlich um den Thora- Abschnitt kreisen sollen. Hierzu müssen besonders religiöse Gesänge treten, ferner solle zur Abwehr „asketischer Geistigkeit" auch die körperlichen Ansprüche der Jugend durch Reichung von Schahbal-Ohst befriedigt werden. Der Schreiber ist der Meinung, daß die Verhältnisse in den Kleingemeindcn für Oneg-Schabhat-Feiern besonders günstig sind und gibt nachstehende Darstellung der Schabbal-Feiern in Schwäbisch-Gmünd: Die gesamte jüdische Jugend versammelt sich In der Synagoge, wo von einem der größeren Knaben das Minchagehet vorgetragen wird. Sodann begibt sich die Jugend zu einer jüdischen Familie, wo ihrer ein gedeckter Tisch harrt. Hier wird Kiddusch gemacht, Schir Hammaalaus gesungen usw. Ueber verabreichte Süßigkeiten und Früchte werden gemeinsam die Berochaus gesprochen. Sodann folgte ein gemeinsam gesungenes hebräisches Schabbatlied, hierauf der kapitelweise von den größeren Schülern abwechselnd verlesene Thora-Abschnitt des jeweiligen Schabbats. Dabei dürfen noch während der Lektüre Fragen gestellt oder 'Bemerkungen gemacht werden. Nach der Lektüre wird das Gelesene unter Leitung des Lehrers besprochen. Die freie Aussprache über das, was nur irgendwie im Zusammenhang mit dem Gelesenen steht, gibt auch den Allcrjüngsten Möglichkeit und Ansporn, aus sich herauszugehen. Dieser Aussprache folgen dann abwechselnd das Genießen des „Schabbat-Obstes" und das Singen von hebräischen I iedern und Gebeten, bis zum gemeinsamen Besuch des öffentlichen Gottesdienstes zum Schabbat-Ausgange. — Diese Art Oneg Schabbat soll nicht als mustergültig hingestellt werden, vielmehr muß diese sich überall nach den örtlichen und persönlichen Verhältnissen richten. Professor Ismar E1 b o g e n hat das Manuskript seines Buches „Die Geschichte der Juden in Deutschland" beendet. Das Buch umfaßt das gesamte wirtschaftliche und kulturelle Leben der Juden auf deutschem Boden vom Jahre 300 bis auf heute. Es erscheint Anfang März bei der Jüdischen Buch-Vereinigung. PxUätÜH&-$cUau ÜMtmutid Land / Bevfilkerung / Landwirtschaft / Industrie / Verwaltung / Oesundheitswesen ✓ Erziehung / Einwanderung / Keren Hajeasod / Keren Kajemeth LeJIsraei / Zionismus Sonntag d. 27. Jan. 9-20 Uhr Montag d. 28. Jan. 9-22 Uhr Dienstag d. 29. Jan. 9-14 Uhr Neue Turnhalle des Hakoah, Weberstr.4 Eintritt: 30 Rpf., Jugendl. 20 Rpf. Schafft Boden u% £wz luad m durch Spenden für den Jüdischen Nattonaltonds Keren Kalemetn leiisrael Berlin Wl 5, Heinelf estr.io Postsme^ 28247 BERLINER HANDWERK UND EINZELHANDEL Altpapier HB Herbert Cohn Barlin NW 40. HfMeatral!« 20 21 5*nimei-Nr. C 5 Himft b2\*> Aufzuge Ernst Fischer. Fahrsiunnaoriii WH,' Itulmbich.r Str. t, U 4 R™. 7851 '52, Nachirul G 3 I schier!?7fV Rcpar in) Art. Pfiff! <• Fahritu'.Nc.lr. Aalteite jüd. Firma fieser trnckt. Liefer n. Mittl il Jud.C.rm Auto Auto - uierxstatt Är: E. Schuster •MeMsfpaHwst uenuienat B ■ r I I n SW 29, BIQclierstraOc il Tr'.fon : F 6 5331. nacht» I- 6 '1771 Bauwesen BqFH Bauarbelten jeder Art Blumann & ßrünberg C2, Gr. Pr«.ider.t(nMr. 3. 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