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Jüdische Rundschau · 1935-01-22 · Heft 7 (22.1.1935) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 7 (22.1.1935)
Date
1935-01-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Hr.7, 22.1.1935 JDPISCHE RUNDSCHAU Softe? -------..........--------......- —.............—------------------------ " 1 "" ,T Franz Werf eis Der Weg der Verheißung Im ersten Teil von Franz Werfeis Bibelspiel, dessen Anfang wir in der vorigen Woche gebracht haben, beginnt die Rahmenhandlung im Bethaus der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde, die in ihrer Bedrängnis auf den Rabbi wartet: der Rabbi hat das Aeußerste versucht, um seine Gemeinde zu retten, er ist zum Konig bitten gegangen. Jedoch das Verhängnis ist nicht aufzuhalten, und der Rabbi kann nur noch eins tun: mit seiner Gemeinde noch einmal den langen „Weg der Verheißung" durchgehen, den jüdischen Weg vom Anfang in die Zukunft, wie er in unseren heiligen Büchern überliefert ist. Und so beginnt der Rabbi die Lesung der Thora. Vor den Hörern ersteht Abrahams Geschick: die drei Engel erscheinen, die Abraham bewirtet, die Engel, die zur Zerstörung der sündigen Stadt Sodom weitergehen werden. Die Figur des „Widersachers", der an allem mäkelt, kann nicht verstehen, daß Abraham für die Feinde bittet. Sein Aufbegehren findet Widerhall. Damit schloß unsere erste Veröffentlichung, In Werfeis Drama folgen nun die Szenen, in denen Abraham den Auftrag erhält, Isaak zu opfern, und Abrahams Opfergang, bis die Stimme Gottes Einhalt gebietet; dann Jakobs Traum und Raheis Tod. Von diesen Szenen beginnen wir mit der letzten unseren heutigen Abdruck aus dem Werfeischen Drama. Nach Raheis Tod folgt bei Werfel die ganze Josephs-Geschichte. Wir setzen unsere Veröffentlichung mit der Szene fort, in der das Zusammentreffen der Brüder mit Joseph in Aegypten — er erkennt sie, sie ihn aber nicht — geschildert wird. Copyright by Franz Werfet, Wim. (Nachdruck icrbotto) Im Bethaus Die (hier weggelassene) Szene zeigt den Eindruck, den der auf der Himmelstreppe der Altarbühne sichtbare Traum Jakobs auf die im Bethaus Versammelten ausübt. Der Traum verglimmt, auch die Altarbühne ist dunkel geworden. Herdenglocken und einige Takte dünner Hirtenmusik ertönen. LESUNG DES RABBI: „Rabel aber war schön von Gestalt und Ansehen. Und Jakob liebte Rahel." Der rechte Seitenschauplatz. Jakob und Rahel kommen einander entgegen. JAKOB: Wieder kommst du in Gedanken, Rahel, wie zu Anbeginn, Da am Quell die Herden tranken, Hirtin, Kind und Königin. RAHEL: Weißt du noch? Als dort am Bronnen Sich dein Kuß mir anvertraut, War ich ewig dir gewonnen ... JAKOB: Weißt du noch? Ich weinte laut. R All EL: Weißt du noch? Die Zeit der Plage, Die der Dienst um mich verschrieb? JAKOB: Sieben Jahr!... Es waren Tage. RAHEL: Tage? JAKOB: Hart' ich 'dich nicht lieb? RAHEL: Doch die Nacht kam... JAKOB: Gott vergelte Jener Nacht, was sie zerschlug, Als mich um den Dienstlohn prellte Niederträchtigster Betrug. RAHEL: Nun ist dir die Schwester teuer. JAKOB: Sie gebar mir Sohn um Sohn« RAHEL: Jakob... JAKOB: Ist mein Herz nicht euer? Rahel, Joseph heißt der Lohn. RAHEL: Mißt du je, was ich gelitten, Da sich Gott so lang versagt? Fruchtlos alles Flenn und Bitten, War ich bis zum Tod verzagt. Und ich lag schon wie in Scherben Bettelnd vor dir auf den Knien: Gib mir Kinder, oder sterben Muß ich — so hab ich' geschrien. JAKOB: Ja, dein Schrei lebt ungesegnet Mir im Ohr als Wunde fort. Denn ich bin dir streng begegnet, Und ich sprach ein hartes Wort. RAHEL: Nie ist Jakob hart gewesen. Zartheit übt er, Licht und Trost. JAKOB: Rahel, nun sind wir genesen Und der Herr hat uns erlost. Sie gehen in ihrer Licht-Aura ein Stück miteinander. Dornt bleibt Jakob stehn und streichelt Raheis Haar. JAKOB: Schön bist du. Dein Haar umspülen Mond und Stern im Ueberfluu. RAHEL: Laß mich, Herr, noch einmal fühlen Deinen alten, ersten Kuß... (Umarmung) Wieder seh ich dich am Bronnen... JAKOB: Platschern nicht die Tröge hohl? RAHEL: Und mein Herz ist schon gewonnen! (Sie reißt sich jäh los) Jakob.,. Liebster.,. Bleib... Leb wobll JAKOB: Gehst du schon? RAHEL: Ja, ich muß scheiden. JAKOB: Wohin willst du? Ist es weit? RAIIEL: Nah ist noch ein Tor der Leiden, Doch es führt aus allem Leid. Sic hat sich von ihm entfernt und ist auf die Straße, hinabgestiegen. JAKOB (ihr unter Tränen die Arme nachbreitend): Wie... versteh ich... deine Worte? RAIIEL: Wo mich auch des Herrn Befehl Festhält am geheimen Orte, Lieb ich dich ... mein Israel! Sie verschwindet in der Höhle. Alle Bibelbühnen sind dunkel. EINE FRAUENSTIMME IM BETHAUS: Rahel, die du Kraft hast, noch in der Todesstunde Jakob zu lieben, gedenke unser an deinem Ort. ZWEITE FRAU: Vergiß auch unsre Kinder nicht! Sie sind ja deine Kinder... AUFSCHREI: Auch mein Kind heißt Joseph. Was wird morgen mit üim geschehen? LESUNG DES RABBI: „Joseph war siebzehn Jahre alt, ein Hirt« mit seinen Brüdern bei den Herden... Israel aber liebte den Joseph mehr als all seine Söhne... Und er machte ihm ein buntes Kleid..." * (Hier folgen In dem Schauspiel die von uns weggelassenen Szenen der Josephs-Geschichte. Wir setzen fort mit der Szene In Josephs Palast.) Josephs Palast mit den Vorhallen leuchtet auf. Links kommen, von Josephs Hausverwalter geführt, die Brüder mit Benjamin. In der Mitte des Saales wird eine große Tafel gedeckt. DER HAUSVERWALTER: Friede mit euch und habt keine Furcht. Der Herr hat euch, Männer, zur Tafel geladen. Herein nun ins Haus! ... Euer Bruder ist frei. Die Brüder betreten ängstlich zögernd den Saal. Diener nehmen ihnen ihre Säcke und Wanderstäbe ab und ordnen sie in einer Reihe vorne am Rande des Schauplatzes. — Schimon kommt von rechts und umarmt seine Brüder. DIE BRÜDER: Gegrüßt seist "du, Bruder... Wir bangten um dich... Wir bangen noch immer... Man lud uns zur Tafel.«* Ist das eine Falle... JOSEPH (ist plötzlich von oben, von der Altarbühne her, auf den Thronstufen erschienen): Friede mit euch! (Er tritt unter die Brüder, die sich bis zur Erda verneigen): Euer alter Vater... Ist er wohlauf... Und lebt er... JUDA: Dein Knecht lebt. JOSEPH: Gott sei gepriesen! (Er nimmt Benjamin bei der Hand): Und hier, der Jüngste, von dem ihr spracht, Der Sohn seiner Mutter, ist er's? JUDA: Er ist es. JOSEPH: Die Gnade des Herrn, mein Sohn, über dich... (Er wendet sich jäh ab und geht mit schnellen Schritten in die linke Vorhalle, wo er sein Schluchzen verbirgt) DIE BRÜDER (mißtrauisch, scheuj: Was hat dieser Mann ... Gebt Achtung ... Uebt Wer kann ihn verstehen... [Vorsicht... JOSEPH (kehrt sich den Brüdern zu, klatscht in die Hände): Ihr Brüder, zu Tisch! Nehmt ein eure Plätze nach Alter und Würde: Reuben ... hier Schimon... Levi und Juda .., Hier Dan... Naphtali... da Gad und dort Ascher.., Isaschar... Sebulon... Benjamin zu mir! DIE BRÜDER (sich auf die angewiesenen Plätze niederlassend, flüsternd): Er kennt unsre Namen... Er liest unser Alter... Wer soll das verstehn... Ein Prophet... wehe uns... Mir ahnt nichts Gutes... JOSEPH: Seht hier, meinen Becher! Ich nippe von ihm ... Nun lasset ringsum Im Rundtrunk ihn kreisen und tut mir Bescheid! Der Becher kreist. — Tafelmusik. — Diener tragen auf und schenken ein. — Der Hausverwalter steht dicht hinter Joseph, der in der Milte der Tafel erhöht neben Benjamin sitzt. DIE BRÜDER: Wie süß ist dein Wein, Herr, wie süß und wie Daheim ist er herb ... [schwer.,. JOSEPH: So trinkt und seid fröhlich! (Der Becher ist zu ihm zurückgekehrt, er reicht ihn mit einem leisen Befehl dem Verwalter) LESUNG DES RABBI: „Und Joseph sprach zu seinem Verwalter: Meinen silbernen Becher tue in den Sack des Jüngsten..." (Der Verwalter geht zum Gepäck der Brüder und führt den Befehl aus) „Und sie zechten mit ihm und wurden trunken..." Während die Brüder sich der Musik und dem Wein immet gelöster hingeben, neigt sich Joseph zu Benjamin herab. JOSEPH: Benjamin, wir teilen ein gleiches Geschick. Auch ich hab den einzigen Bruder verloren, Den mir die Mutter gebar... BENJAMIN: Lieber Herr... JOSEPH: Als ich ein Kind war, lehrte mein Vater Mich in den Sternen Verborgenes lesen... Und du? BENJAMIN: So lehrte mein Vater auch mich'. JOSEPH: Erheb deinert Blick und sieh dort die Sterne, Die beiden strahlenden, sich begegnen ... Wo ist dein Bruder? BENJAMIN: Herr... er ist..* nah ... Ganz nah... JOSEPH: Ich lese 'dasselbe... Der meine.. s Auch er ist nahe ... ganz nah ... BENJAMIN (immer erregter in den Himmel starrend): Was ist das...? Joseph ist unbemerkt aufgestanden und hat den Raum verlassen. — Die Tafelmusik bricht ab. DER HAUSVERWALTER: Der Morgen dämmert. Das Fest ist zu Ende. Der Herr entläßt euch. Vor dem Palast Bepackt stehn die Esel mit Korn und Geschenken. DIE BRÜDER (erheben sich schwerfällig): Auf, auf, ihr Brüder!... Empfiehl uns dem Herrn! Dank für das Fest!... Und Dank für die Gnade! Wir wollen reisen... Ein gütiger Herr... Sic« nehmen ihre Säcke und Wanderstäbe auf und entfernen sich in die rechte Vorhalle. RUFE VON ALLEN SEITEN: Der silberne Becher... der silberne Becher, „j Diener und Bewajjnete besetzen rings alle Ausgänge. RUFE: Der silberne Becher... der Becher des Herrn..j Er ist gestohlen ... DIE BRÜDER: Gebt frei uns den Weg! DER HAUSVERWALTER: Warum habt ihr Gutes mit Bfisetn vergolten? Aus seinem Becher weissagt der Herr. SCHIMON (schreit auf): Wie sprichst du zu uns? Wir sind keine Diebe! REUBEN: Bleib ruhig, Schimon! JUDA: Wir Männer sind fremd Und ohne Beistand... Durchsucht unsre Säcke! Und findet der Kelch sich bei einem von uns, Der sei euer Sklave! DER HAUSVERWALTER: Der Herr wird's entscheiden« Die Brüder öffnen ihre Säcke, der Hausverwalter hebt sofort aus Benjamins Sack den Becher hoch. DIE BRÜDER: Du Gott Abrahams...! SCHIMON (brüllt): Tötet uns alle!! So ist es am besten,.. Er führt mit seinem Stock einen gewaltigen Hieb gegen dim Tafel, die zusammenbricht. JOSEPH (erscheint auf den Thronstufen): Was habt ihr getan?

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