Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 6 (18.1.1935)
- Date
- 1935-01-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2653827-2653833--26299-2687674- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 4× ep/1047930
OCR text
mmm mmm Seite 6 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 6, 18.1. 1935 östlich von ihr 7. vi von Her- Unter dem Namen „The General Commercial Banking Corporation Ltd." hat am 1. Januar 1035 ein neues Bankinstitut in Jerusalem seine Wirksamkeit aufgenommen. Das vollgezeichtu'te Kapital der Gesellschaft beträgt: CR 25 000.—. Vorsitzender des Board ist Herr Isaak Feuerring. Durch die (iesellschaft El-Hahar werden seit Jahresfrist Flächen z w i s c h e n J e r u s a I e m u n d H e b r o n erschlossen. Die (iesellschaft hat bisher zwischen km 16 -23 der Straße Hebron- Jerusalem ca. 20 000 Dutiam erworben, die teils an der Straiie, teils westlich und gelegen sind. (Palnews.) Die „Pale stine Rubber Co. (Megame) Varost Vi Co.. Ltd." wurde mit einem Kapital £P 5000 registriert, Gegenstand des Unternehmens sind Stellung und Handel von Gummiwaren. (Palnews.) Der Verlag „Mis'char w'Taasia" (Tel-Awiw, P.O.B. 21) teilt uns mit, dal] demnächst eine dritte, neu bearbeitete Ausgabe des ö k o n o m i s c h e n H a n d h uclis Palästinas erscheinen soll, das über alle wirtschaftlichen und geschäftlichen Tätigkeitszweige im Lande informieren wird. Die letzte Ausgabe erschien 1032. Ellern's Bank, Tel-Awiw, Rothschild-Boulevard, veröffentlicht soeben einen Ralästina-Wirtschaftsbericht für das Jahr 1031. In dem Heft werden alle wichtigen Daten über die wirtschaftliche Entwicklung während des Jahres zusammengestellt. Der Bericht reicht bis zu den neuesten Ereignissen der Senkung des Hypotheken-Zinsfußes durch Konversion der Pfandbriefe. Kultur Zum Vorsitzenden des K e r e n B i a 1 i k, eines Fonds zur Förderung hebräischer Kulturarbeit, dessen Schaffung vom Kulturverhand Tarbuth am Tage der Beisetzung Bialiks beschlossen worden war, ist Dr. Chaim W e i / m a n n gewählt worden. Der Wa.nl Leunii hat eine aus 12 .Mitgliedern bestehende Kommission mit der Einberufung einer Konferenz zur Vorbereitung der H a in b a m - E e i e r i n P a 1 ä s t i n a beauftragt. Der vierte Band j a h ii L e v i n t ix h ,,P a 1 e s t i n e P o s r der M e in o i r e n v o n S c h marint zurzeit in Fortsetzungen in der Das Antiijtiitiitendfparttnent der Palästina-Regierung F)r. S Ii k e ii i k von der Jerusalem laubnis erteilt, Ausgrabungen auf A f u I e zu machen. Universität die Erdem alten Hügel von Orangenernte in Tel-Awiw — oder ein Geschenk des Meeres (S i e Ii e die Bilder auf Seit e 3) Orangencrnre in Tel-Awiw'-' Hat man schon einmal von einer Ernte in der Stadt gelrirt? Es ist aber doch so. Natürlich machen wir es ni.'ht so wie die Leute in den Pardessim. Die müssen erst die Orangen mühselig vom Baum pflücken und auf schweren Tragbahren zum Verpacken tragen, einwickeln, verpacken und die Kisten vernageln. Das geht bei uns in der Stadt ganz, anders, viel schneller und besser. Wenn die Zeit gekommen ist, sorgt der Sturm für alles. Wir brauchen nur noch an den Strand zu gehen, dann werfen einem die Wellen die fertig in Kisten verpackten Apfelsinen zu. Es ist 'Schabhatvormittag. Ich gehe in der Achad-Haam- Straße spazieren. Sie liegt weit vom Meere entfernt und der Sturm weht dort nicht so kalt. Die übliche Schahbatruhe herrscht. Jeder geht laugsam, keiner hat's eilig. Hasten tut man am Wochentage schon genug in Tel-Awiw. Plötzlich klingelt es hinter mir. Ich springe auf den Biirgersteig und eine arabische Droschke fahrt an mir vorüber, voll mit Apfelsinenkisfen. Was ist los? Wer transportiert am Schabbat Apfelsinen? Ich drehe mich um, um wieder zurückzugehen, da kommt mir ein Ehepaar mit einem Kinderwagen entgegen. Aber in dem Wagen sitzt nicht etwa das Kind, nein, das trägt die Mutter. In dem schonen Wagen ruht, etwas verschmutzt und tropfend, eine Apfcisincnkiste. Was ist denn los? Warum decken sich alle Leute mit Apfelsinen ein? Und woher haben sie die brückte am Schabbat? Dann kommt eine alte Jemenitin und hält ängstlich etwas in ihrem Rockschoß verborgen. Eben st aßt sie jemand an und 10 bis 12 Orangen rollen auf den Boden. Unter Fluchen huckt sie sich, um alles wieder aufzuheben und in ihrem Rock aufzubewahren. Jetzt fangen die Leute schon an zu laufen und zu rufen. Im in er mehr Kisten sieht man. Die Leute schwitzen unter der Last der Kisten, die sie sich auf die Schulter geladen haben. Nun bin groB nicht, «ji \m mi ii gem. jcizi springen so; sten;_ die Frauen raffen die Rocke hoch und ie Kinder lachen. Eine grolle Welle hat all ,-ti auch am Meer angelangt und die K und < nicht Ernte vor mir. Zuerst weiß ich allerdings was vor sieh geht. Jetzt springen sehe die überhaupt 1 eute auf kreischen, , die sich zur Zeit in Sicherheit gebracht haben, bespritzt. Nur die Kinder mit ihren hohen (uimmistiefeln sind gut dran, tan Araber kommt zu mir inul will, wenn ich ihm einen halben_ Piaster gebe, für mich ins Wasser gehen und mir «in«-* Kiste herausholen, bevor sie noch ans Ufer kommt, damit _sie mir niemand wegnehmen kann. Es sind schon sehr viele Araber im Wasser, die dasselbe Geschäft machen. Für etwas mehr Geld bringen sie einem auch die Kisten nach Hause. Allmählich leert sich der Strand, und es sind nur noch einzelne da, die sich mit den lose im Sand liegenden Orangen begnügen. Die meisten haben ihr Out bereits in Sicherheit gebracht, bevor die Polizei merkt, was los ist. Die angeschwemmten Orangen sind nämlich durchaus kein Strandgut, sondern dem nächsten Zollbeamten abzuliefern. Jetzt geht die Jagd erst richtig los. Die meisten können sich zwar noch retten, da die Polizei nicht allzu stark vertreten ist, aber einige müssen doch daran glauben. Es ist sogar ein Auto zur Stelle, welches die Gefangenen abführt. So geht es noch einige Zeit weiter, bis die Straßen wieder fast leer sind und wieeler Schabbatruhe herrscht. H. B. Todesfall. In Haifa verstarb Edmund Levy (fr. Duisburg), den deutschen Zionisten seit Jahrzehnten aus seiner Arbeit in der ZVfD. und im Herzl-Bund, dessen Mitbegründer er war, bekannt. Der Verlust dieses allzu früh Heimgegangenen, der im vergangenen Jahre nach Palästina übersiedelte, wird in weiten Kreisen stärkste Anteilnahme hervorrufen. Abenteuerliche Fahrt durch den Regen Von J I 8 e Warburg Eine deutsche Zionistin erzählt ihre Erlebnisse im Eisenbahnzug während der Wetterkatastrophe Haifa, Januar 1935 Wir Europäer lernen hier täglich — wir lernen im Bus, in der Bahn, auf der Straße, in Geschäften und zu Haus, von fremden und von eigenen Kindern. Ich lerne gern. Was ich aber als waschechte Kielerin zu wissen glaubte, nämlich, was R e g e n ist und was Regen anrichten kann, das gerade ist mir erst hier im Lande in diesen Tagen vor Augen geführt worden! Verspätete Abfahrt Da es zum täglichen Leben gehört, auf Züge zu warten, da Fahrpläne zwar da sind, aber nicht immer eingehalten werden, wunderte ich mich nicht, am (Schabbat-Ausgang) Sonnabend abend, am 20. Dezember, in Ludd l'a Stunden auf dem Bahnsteig warten zu müssen. Ich war froh, Herrn N. aus Berlin zu treffen, dem ich ausführlich üb«- einige hübsche Erlebnisse in Ben Schemen berichten konnte und wartete in Geduld. Bei der verspäteten Abfahrt fragte ich den Schaffner, warum wir solche Verspätung hätten, er antwortete, es sei viel Wasser auf den Schienen. Auf meine Frage, ob wir bis Haifa durchkommen würden, zuckte er die Achseln. Wir fuhren langsam, wir hielten oft, es wurde spät, kalt und ungemütlich. Die Lampe leuchtete so trübe, daß Lesen fast unmöglich war. Ich behielt meine gute Laune und sagte allen Nörglern: „Besser langsam und lebendig als schnell und entgleisen, wie das Vieh vor vier Wochen". Ich bin tafsächlich der Ansicht, daß die damalige Entgleisung des Güterzugs auf der Strecke Tulkerem—Haifa uns in jener Nacht das Leben gerettet hat. Die Reisegesellschaft Um 10 Uhr waren wir in Sichron Jaakow, das eine Stunde von Haifa entfernt ist, wo wir bereits kurz nach 7 Uhr hätten sein sollen. Ich erklärte meinen Nachbarn kurz entschlossen, daß mich die harten Bänke der 3. Klasse zu sehr drückten und ging in die zweite. Ich entdeckte, daß andere bereits so schlau gewesen waren, und man bot mir sofort einen Platz an. Ich fand noch einen zweiten für Herrn N. und holte auch ihn in den Komfort der fast europäischen 2. Klasse mit ihren abwaschbaren Bezügen über den weichen Polstern. Die Bahnbeamten gingen durch den Zug und versicherten uns sehr höflich und in allem Sprachen der Welt, daß alles getan würde, um uns die Weiterfahrt zu ermöglichen und daß die Gleise alle halbe Stunde revidiert werden würden. Es seien nämlich starke Ueberschwemm u n g e n d e r B a h n d ä m m e eingetreten. Eine lebhafte Diskussion setzte ein, ob man die Weiterfahrt wünschen sollte oder nicht. Ich war für Warten in Sicherheit, als Mutter von 3 kleinen Kindern, während einige junge Männer stürmisch eine sofortige Weiterfahrt forderten. Indessen prasselte der Fccgen gegen die Scheiben mit einer Gewalt, wie ich es in Hamburg und Kiel nie gesehen habe. Ein Pole neben mir fragte, ob das in Europa wohl möglich sei. Ein Palästinenser gab mir eine Zigarette, ein Junge aus Deutschland einen Bonbon. Mir gegenüber saß eine italienische Diakonissin, besetzte zwei Plätze, hüllte sich fröstelnd in ihr schwarzes Wollplaid und sagte auf deutsch, mit einer ganz dünnen hohen Stimme: „Ja, wer hätte das gedacht, wer hätte das gedacht, liebes Fräulein". Sie sagte das in jammerndem Tonfall und schlug immer wieder die Hände über ihrem armen Kopf zusammen. Ich versuchte ihr zu erklären, warum wir nicht weiterfahren konnten und welche Gefahr bestand, aber sie konnte es absolut nicht verstehen. Hunger Fs war elf Uhr geworden, der Bahnhof glich einem See, die Kälte war fürchterlich. Auch konnte der Bonbon und der mittlerweile geliehene Pullover des Jungen aus Deutschland mich über meinen Bärenhunger nicht mehr hinwegtäuschen. Ich sagte ganz schüchtern zu Herrn N. aus Berlin: „Ob es nicht doch einen Speisewagen gibt?" Gutmütiges Auslachen dieser Hungerphantasien einer verwöhnten Europäerin war die Antwort. Trotzdem machte ich mich auf die Suche, diesmal in Begleitung von Herrn N. und fand den Speisewagen. Auf meine Frage nach Plätzen, sagte der Oberkellner: „Platz ja, Essen nein". Jedoch auf meine strahlende Behauptung, er würde uns doch gewiß nicht verhungern lassen, forderte er uns auf, Platz zu nehmen, und servierte zwei gebratene Eier, für jeden einen halben Laib des flachen arabischen Brotes und Butter, sowie köstlichen heißen Tee. Ich fragte ihn, wie lange das mm dauern sollte. Er sagte, das wäre doch nicht schlimm und sobald er Brot und Eier aus dem Dorf bekäme, auch nicht schwierig. Er hätte anläßlich eines Sandsturms vor einigen Jahren 600 Passagiere -18 Stunden lang auf Kosten der Eisenhahngesellschaft verpflegt. Bei Sichron Jaakow war es schwieriger, weil das Dorf > 2 Stunde vom Bahnhof entfernt, hinter den Bergen liegt. Das Werter wurde ein Höllenspektakel. Man begann sich zu freuen, jedenfalls ein dichtes Dach über dem Kopf zu haben. Um 12 Uhr plötzlich große Aufregung, einige Siedler aus Sichron Jaakow kamen mit frisch gebackenern Brot und Käse. Sofort standen einige hundert Menschen Schlange in strömendem Regen und kamen kauend und lachend in den Wagen zurück. Viele boten mir von ihrem Brot an, wie ich überhaupt eine prachtvolle Kameradschaftlichkeit während der ganzen Fahrt (oder besser, während des Aufenthaltes im Zug) bemerkt habe. Die alte Schwester fing plötzlich an zu weinen. Sie war hungrig. Eine Sekunde später standen von beiden Seiten ein Araber und ein Jude vor ihr mit Brot und Käse in der Hand. Sie nahm von beiden, aß unter Tränen, nachdem sie sich ein großes weißes Leinentuch sauber auf ihrem Schoß ausgebreitet hatte und jammerte immer vor sich hin: „Seit, gestern früh habe ich doch nichts gegessen, seit gestern früh". Ein Mann — er kam aus Oan Schmuel — öffnete seinen Koffer und verteilte Orangen unter uns alle. Wir müßten sie nehmen, sagte er, er hätte noch genug. Kameradschaft in der Not Einige von uns wurden allmählich sehr müde. Der achtjährige Junge aus Deutschland wollte gern schlafen, erklärte aber, er brauchte eine Ecke. Ich veranlaßte, daß man ihm das Gepäcknetz freimachte, und er schlief dort volle 8 Stun-> den, beneidet von uns allen. Jedoch kannte die Kameradschaftlichkeit keine Grenzen; der nette Herr N. aus Berlin bot mir seine sehr weich gepolsterte Schulter als Ruhekissen an. Ich nahm das Angebot an, und wie ich versuchte, mich etwas auszustrecken, erhob sich der stumme Fellach aus seiner Ecke, machte Herrn N. ein Zeichen hineinzurutschen. und mir, es mir bequem zu machen, lächelte mich an und verschwand in die 3. Klasse. Und der Regen prasselte unentwegt gegen die Scheiben, die man geschlossen halten mußte, der Wind heulte und drinnen war die Luft zum Schneiden, und das war das einzig Unangenehme. Nach einer Weile ging ich deswegen an die Tür zum Luftschöpfen. Natürlich hatten wir jede Hoffnung aufgegeben, vor Anbruch des Morgens weiterzufahren. Es wäre zu gefährlich gewesen. Immer noch sangen einige Unentwegte hebräische, jiddische, russische und polnische Lieder. Ein Araber kam uns mitten in der Nacht besuchen. In unverfälschtem Schwäbisch berichtete er von seiner Suche nach einem Nctzplatz, die inzwischen alle besetzt waren. Er hatte sein Deutsch in der deutschen Kolonie in Haifa gelernt. Gegen Morgen schlummerten wir alle ein Stündchen. Noch einmal bekamen wir Orangen geschenkt und die letzten Zigaretten wurden geteilt. Es stürmte und goß, aber es gab einen Wasserhahn auf dem Bahnhof. Also hinaus. Da ich nichts anderes zu verteilen hatte, ließ ich meine Eau de Cologne herumgehen. Der Weitertransport Jetzt geschah etwas Hübsches. Zwei Bahnbeamte gingen durch den Zug, erkundigten sich bei jedem Passagier höflich, welche Sprache er verstünde, und fragten: „Sind Sie einverstanden, wenn wir Sie nach Tulkerem zurücknehmen und von dort mit Autos nach Haifa schicken?" Ja, sollte man eigentlich nein sagen? Es gab doch keine Alternative, die Chausseen dieses Distriktes sind in der ganzen Regenzeit unbefahrbar. Wenn man nicht bis nach Beendigung aller Gleisreparaturen in Sichron Jaakow sitzen bleiben wollte, was Tage kosten konnte, und tatsächlich dauerte die Reparatur über zwei Tage, so mußte man zurück, um von dort auf die Chaussee Jerusalem—Afuleh--Nazareth—Haifa zu gelangen. Diese „Abstimmung" spielte sich um 8 Uhr ab. Es gab noch einmal ein frugales Frühstück, nachdem vom Dorf wieder Brot gebracht wurde, und die langen Schlangen im Regen standen, geduldig und vergnügt. Ich habe die ganze Nacht kein unfreundliches Wort gehört. Unser netter Siedler aus Gan Schmuel versorgte uns wieder mit Orangen. Gegen 10 Uhr fuhren wir fort. In Tulkerem standen fünf Autobusse und fünf Taxis, nach zwei Minuten war kein Platz frei. Ich wollte mich nicht drängeln und wartete. Nach einigen Minuten kommt ein Mann zu mir und fragt mich auf hebräisch: „Willst du nicht nach Haifa fahren?" Ich sage: „Ja, aber es gibt keinen Platz mehr." Darauf sagt er: „Ich werde dafür sorgen, daß du Platz bekommst", und nach 10 Minuten, während derer er mit sämtlichen Chauffeuren auf Arabisch verhandelt hat, verschafft er mir einen Platz in einem arabischen Bus. Ich fand das besonders nett; und da klagt man in diesem Land manchmal über rauhe Umgangstormai! Arabische Gastfreundschaft Die gute Behandlung, die mir ja schon die Erfahrungen der ganzen Fahrt versüßt hatte, sollte aber noch fortgesetzt werden. Neben mir saß ein städtischer Araber — übrigens im Aussehen von einem Juden nicht zu unterscheiden. Er bestand darauf, mir alle Bilder im „Falastin" (einer arabischen Zeitung) zu erklären. Ich mußte von dem flachen Brot und dem scharfen Käse, den er und seine Freundin zum Mittag aßen, kosten und auch eine Mandarine durfte ich nicht zurückweisen. Als ich ihm aber zu erklären versuchte, daß eine weitere Apfelsine meine Kräfte überstiege, wurde er sehr böse und gab erst nach, als ich sie in Briefpapier wickelte, um sie mir aufzuheben. Er legte sie jedoch, wie auch meine Handschuhe, ins Gepäcknetz, denn ich sollte es bequem haben. Amüsanterweise erinnerte er mich alle Viertelstunde an die Apfelsine, bis ich sie aß. Ich wollte auf dem Marktplatz in Tulkerem Zigaretten kaufen, aber er erlaubte es nicht. Er hätte genug für mich. Als Entgelt mußte ich seine Visitkarte mit eingedruckter Blume annehmen und ihm versprechen, seine Frau und seine Kinder zu besuchen, wenn ich mal Zeit hätte. Es regnete schon wieder in Strömen. Acht Autobusse lagen am Wege, deren Motor durch Wasser defekt geworden waren. Immer wieder mußten wir halten. Der Nil im Emek Sebulon Die Landschaft hatte ihren Charakter völlig verändert. Sie glich einer überschwemmten Nillandschaft. Elinter Afuleh stürzte ein reißender Wasserfall von den Bergen. Kurz vor Haifa stand die Straße völlig unter Wasser und aus Feldern waren tiefe breite Seen geworden. Das Land war nicht wiederzuerkennen. 24 Stunden nach meiner Abfahrt von Ben Schemen langte ich in Haifa an, war reichlich ermüdet, aber an manch interessanter Erfahrung reicher. Land der Gegensätze! Ein Rothschild-Schauspiel Als Feier für den verstorbenen Baron Edmond de Rothschild findet am Donnerstag, dem 31. Januar, 8 Uhr abends, im Cinema Edison Jerusalem die Uraufführung des Schauspiels „Mercd h a b i 1 u i m" von Ben S e w L i b e r statt. Hc brätle Uebersetzung: Abraham Schlonsky, Regie: W. Yurgrau (ehem. Barnovvskybühnen), Musik: Alice Jacob-Loewenson. Die Rolle Rothschilds spielt Ch, Ladendorf (ehem. Königsberg), das übrige Ensemble besteht aus bekannten palästinensischen Schauspielern. t aläsiina-Grundfonds Heran Haiessod e.V. Postscheckkonto: Berlin Nr. 104951 Bankkonto: Dresdner Bank, Depositenkasse KurfOrstendamm 181 Mi\aU -Spiet Eine Reise nach EREZ ISRAEL RM \m20 15 Rpf, Porto Herausgegeben vom Heren Kajemeth Lejlsraei Berlin W15, Meinekestr. 10 / Postscheckkonto: Berlin Nr. 28247 im vertrieb der Buchhandlung Hedem Bln.-Charl., Dahlmannstr. 8 / Postscheckkonto; Berlin Nr. 109591