Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 5 (15.1.1935)
- Date
- 1935-01-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 5, 15.1.1935 Worauf beruht das Englische Weltreich? darauf, daß die Juden an den öffentlichen Funktionen des Staats- und Gesellschaftslebens keinen Anteil mehr haben sollen. Es geht nicht etwa darum, daß z. B. den deutschen Juden der Gebrauch der deutschen Sprache verboten wird oder daß sie sich in ihrem eigenen Kreise nicht mehr mit deutschen Kulturgütern beschäftigen dürfen, sondern daß den Juden der Zutritt zur Beamtenlaufbahn, mm politischen Leben, zum höheren Unterricht verschlossen wird. Damit wird der Grad der Assimilation der Juden an die Umgebung nicht verringert, sondern nur ihre bürgerliche Stellung auf eine neue Basis gestellt. Daß daneben von jüdischer Seite aus der ernsthafte Versuch unternommen wird, neben den Kulturwerten der deutschen Umgebung auch wieder eine reichere Substanz zur Entwicklung zu bringen, ist eine andere Frage, die an sich völlig unabhängig von dem Problem der rechtlichen Stellung der Juden im Staate ist. Es ist notwendig, gerade gegenüber Ausführungen wie den hier erwähnten derartige präzise Unterscheidungen zu machen. Der Verfasser des erwähnten Aufsatzes sagt, daß bei jener Tagung Max Hildebert B o e Ii m den Versuch gemacht habe, klarzumachen, welche Bedeutung die jn Deutschland begonnene Dissimilation für die anderen Völker hat. Er zeigte, „daß solche ersten schiedlichen Regelungen völkischer Beziehungen in rechtlicher Form — auf Einzelheiten kommt es dabei gar nicht an - als ein für alle Völker bedeutsamer erster Schritt in ein bisher nur Gewaltlösungen ausgesetztes Gebiet anzusehen sind." Eine solche Beurteilung ist gewiß anzuerkennen, wenn sie nämlich eine Abgrenzung gegenüber manchem bedeutet, was in der Welt draußen bei der Behandlung von Minderheiten heute vor sich geht. Hierüber hat die „Germania" vom 11. Januar einen sehr guten Aufsatz mit dem Titel: „Ist Minderheit minder c n Rechtes?" veröffentlicht, der sich mit der Lage der deutschen Volksgruppen beschäftigt und sich zum Schluß dagegen wendet, daß eine Staatstheorie bestehe, „die nur den Staatsbürger einer Sprache und einer Kultur anerkennt", und der vom ,,lebendigen Recht des Volkstums" spricht, das schon durch sein Dasein die Unhaltbarkeit dieser Siaauibeorie aufzeigt. Der Ausspruch Max Hildebert Bochms ist gewiß in dem Sinne anzuerkennen, daß er sich gegen die Vergewaltigung nationaler Gruppen wendet, auch dann, wenn die Rechte von Minderheiten an sich gesetzlich festgelegt, aber in der Praxis, wie es nur leider allzu oft geschieht, tili er gangen werden. Hier liegt wohl eines derjenigen Gebiete der internationalen Politik, an dem die meisten europäischen Völker positiv interessiert sind, weil ihre Volksgenossen als Minderheiten in anderen Staatsverbänden leben, so daß sie auf dem Wege der gegenseitigen Anerkennung und Aelmmg allmählich dazu kommen sollten, die Praktiken eines minderen Rechtes für die Minderheiten zu überwinden. Daruber hinaus kann die Mitwirkung der Minderheiten an der Regelung ihrer eigenen Rechtsverhältnisse nur erwünscht «ein, weil ja erst d a n n eine volle Konsolidierung des innerstaatlichen Lebens möglich sein kann, wenn die nicht der Staatsnation angehörenden Volksgruppen einen Status gefunden haben, den sie als nicht auferlegt» sondern als mit ihren eigenen Interessen wie mit denen der Gesamtheit übereinstimmend empfinden, Polnisch« Wanderungen Der Blick über die Grenzen des eigenen nationalen Kreises hinaus ist in einer Zeit der nationalen Konsolidierung aller Völker besonders wichtig, um ein Gegengewicht gegen den Versuch der ,,geistigen Autarkie" zu schaffen. In diesem Sinne ist ein Buch interessant, das über Polen aus der Feder von Prof. Albert Gott lieb soeben erschienen ist (Albert Göttlich: Polen -- Wanderungen eines Europäers, — Verlag von .Moritz Perlt s, Wien und Leipzig lü'SS). Dieses Buch eines in Polen lebenden Deutschen zeichnet sich durch eine überschwengliche Liebe zum polnischen Land und Volk aus und nimmt sogar in den politischen Fragen der Gegenwarf zunui-t den polnischen Standpunkt ein. Vielleicht ist die nationale Sclhstentäußcrung des Verfassers dadurch zu weit getrieben, und er hat den objektiven Blick des Wissenschaftlers manchmal verloren. Trotzdem bleibt das Buch instruktiv auch für uns, deren Interesse an diesem Lande der jüdischen Mas-cnsicdlung grüß ist. lieber die Juden schreibt Gottlieb ein Kapitel, in dem er im großen und ganzen zutreffend ihre wirtschaftliche und kulturelle Lage schildert; er beschäftigt sich besonders mit dem Schulwesen und stellt dar, wie gering der gesellschaftliche Kontakt zwischen Juden und. Polen ist. Allerdings vergißt Göttlich dabei, daß die wirtschaftliche Lage der Juden durch die Wirtschaftspolitik der Regierung außerordentlich verschlechtert worden ist, und er irrt sich auch, wenn er glaubt, daß die antisemitische Agitation auf ökonomischem Gebiete ohne wesentliche Folgen für die Juden geblieben sei. Zum Schluß sti-lit der Verfasser den Anteil der Juden an der polnischen Freiheitsbewegung dar und sagt schließlich mit einem Anflug von Bedauern, daß seit der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts diese Anteilnahme zurückgegangen ist. Wenn er aber zum Schluß meint, der Zionismus, der die Herzen der jüdischen Massen völlig erfüllt habe, habe die jüdische Absonderung zum F)ogma gemacht, und auf polnischem Boden verlernt, „nach Palästina zu schauen und Utopien von der Rückkehr in die alte Heimat zu spinnen", so zeigt dies, daß das Bild, das er sich von den polnischen Juden gemacht hat, nicht richtig iit. Vielleicht in keinem Lande der Welt ist — nicht zuletzt unter dem Druck der ökonomischen Not — der Auswanderungsdrangder Juden so stark wie in Polen, und nirgendwo gibt es daher eine solche Kraft der Pilaitinasehnsucht wie in diesem Lande. Der polnische Zionismus ist eng mit Palaltina verbunden. * Freund und Feind, wohlmeinende und negative Kritiker — sie alle beschäftigen sich mit uns und unseren Sorgen. Gewiß wird so manches richtige Wort zur Erkenntnis der Judenfrage dabei gesagt, und wir selbst sind am meisten geneigt, Kritik und Ratschläge zu hören und, wenn es angeht, auch danach zu handeln. Worüber wir erschrecken und was uns immer wieder auf unsere eigenen Kräfte zurückweist, das ist die Verzerrung, mit denen sich unsere Probleme und wir selbst in den Köpfen der Welt spiegeln. Vielleicht muß erst ein wirklich eigenständiges jüdisches Leben zur völligen Wirklichkeit werden, damit das Bild der Judenheit und ihres Lebens in den Augen der Nationen wieder gerade gerückt wird. K. L. Der „Englische Geist" Im letzten Heft der Londoner „International Affairs", der Zeitschrift des Royal Institute of International Affairs, finden wir einen Vortrag des Kanadiers Vincent M a s s e y über die Beziehungen innerhalb des britisch e*n Weltreichs. Der Redner legt ausführlich dar, in welch einzigartiger Weise sieh innerhalb des Commonwealth of British Nation«, wie der offizielle Titel heute heißt,, eine sehr weitgehende, ja fast völlige Freiheit d e r einzelnen Mitglieder mit einer wirksamen unu allen zugute kommenden freiwilligen Bindung verträgt. Am Schlüsse feiert er, als letztlich einigende Kraft, die das vielfältige Ganze zusammenhalte, den britischen Geist in folgenden Ausdrücken: „Weches sind die Eigenschaften des hinter alledem wirkenden Geistes? Lassen Sie mich einige von diesen feststellen, so, wie es der Wahrheit entspricht. Eine dieser Eigenschaften — das wollen wir nicht vergessen — ist die Toleranz. Welches sind die anderen? Eine gewisse Weite des Geistes und Großherzigkeit; eine Bereitwilligkeit, Mannigfaltigkeit willkommen zu heißen und ihre Gaben nutzbar zu machen; ein störrischer Respekt vor der Freiheit IN ALLER KURZE Wie aus Jerusalem gemeldet wird, besuchte am 8. d. M. anläßlich des Abschlusses des Ramadan-Festes der Vertreter der Exekutive der Jewish Agency, Mosche Scherte» k, den Emir Abdallah von Transjordanien In Amman. Der Emir veranstaltete aus diesem Artlaß ein Frühstück, bei dem eine zweistündige Unterhaltung Abdallahs mit Schertok vor sich ging. Auch die beiden Söhne Abdallahs waren anwesend. In Form einer Genossenschaft mit beschränkter Haftung winde in London die Jewish Resettlements Ltd. mit dem Sitz im Woburn Liaouse gegründet. Aufgabe der neuen Gesellschaft ist es, einen Teil der Hilfsgelder für eingewanderte Juden als Kreditfonds zur Gewährung kleiner Darlehen, mit denen Einwanderer sich eine selbständige Existenz gründen können, zu verwalten. Konstruktive Hilfsaktionen verschiedener Art sollen durch die Gesellschaft finanziert werden. In der „Deutschen Justiz" bespricht Staatssekretär Dr. Fr ei ßl er den neu erschienenen Kommentar zur Rechtsanwaltsordnung vom Generalinspektor des N. S. Juristenbimdes, Prof. Dr. Noack, und bemerkt hierzu: „War es nicht beschämend, daß der deutsche Kechtsanwaltsstand im Gebrauch des Gesetzes, das ihm tägliche Grundlage seiner Arbeit gibt, auf einen jüdischen Kommentar bisher angewiesen gewesen ist? Schrie das nicht geradezu nach Abhilfe?" — Diese Aeußerung bezieht sich auf den in Juristenkreisen fast ausschließlich benutzten Kommentar von Frledl änd er, Auch der für das deutsche Notariatsrecht grundlegende Kommentar wurde von einem Juden, dem verstorbenen Justizrat Oberneck, verfaßt. In Oevel gönne (Oldenburg) waren, wie wir meldeten, auf dem jüdischen Friedhof auf 15 Gräbern die Grabsteine abgebrochen worden. Wie die „Oldenburgische Staatszeitung" in einem Polizeibericht mitteilt, sind die urabsehänder festgenommen worden. Es handelt sich um einen zwölf- und einen vierzehnjährigen Jungen. Der ältere ist in Haft genommen worden. Die Täter gehören keiner Formation der NSDAP, an. Die „Oldenburgische Staalszeitung" betont in einem Kommentar zu dieser Meldung, „daß die Juden sowohl als jeder Deutsche vor Verstößen gegen das sittliche Gefühl geschützt werden". In Butten heim und Hirschai <l, Orten nahe bei Bamberg mit bedeutender Korbwaren- und Kinderwagen indiuitrie, ist, wie uns mitgeteilt wird, an den Ortseingängen die Inschrift angebracht: „Juden sind hier nicht erwünscht." Der Verlag Brockhaus veröffentlicht einen Aufruf zur Feier des 70. Geburtstages von Sven Hedin am 19. Februar. In dem Aufruf wird darauf hingewiesen, daß Sven Hedin in einer Zeit, da die ganze Welt Deutschland feindlich gesinnt war, für Deutschland und deutsche Kultur eingetreten ist. Es wäre noch hinzuzufügen, daß Sven Hedin mütterlicherseits jüdischer Abstammung, also Nichtarier ist. Nach einer Mitteilung von Gitta Alpar beabsichtigen sie und ihr Gatte Gustav Fröhlich, ihre Ehe trennen zu lassen, wobei die nichtarische Abstammung Gitta Alpars eine Rolle spielt. Am 20. Januar findet in Berlin die Hauptversammlung der Vereinigung für das religi ös-Iiberale Judentum statt. Es ist ein Generalreferat von Rabbiner Dr. Dienemann (Offenbach) vorgesehen. Das Thema ist: „Wo stehen wir heute?" Außerdem werden Rabbiner Dr. Leo Baeck und Rechtsanwalt Dr. Julius L. Seligsohn über die Schabbat-Frage sprechen. Jugendfragen werden in einem Referat von Dr. Alfred Fabian (Breslau) behandelt. Eine Gruppe jüdischer Jugendlicher aus Deutschland im Alter von 15 bis 17 Jahren, die in Kürze durch die Abteilung für die Ansiedlung deutscher Juden bei der Exekutive der Jewish Agent v nach Palästina gebracht werden, wird in T e I C h a j angesiedelt werden. Die deutsche Abteilung der jewish Agency hat bereits mit der Pica, der der Boden und die Gebäude von Tel Chaj gehören, einen Pachtvertrag geschlossen. Die Kinder aus Deutschland werden in Tel Chaj unter der Aufsicht der benachbarten Kwuzah Kfar Gileadi stehen, die ihnen bei der Einordnung in die Wirtschaft helfen und sie zur landwirtschaftlichen ATbeit anleiten wird. Ali Ergebnis der Unterhaltungen, die seitens des Politischen Departements der Jewish Agency mit dem Chefsekretariat und der Leitung des Departements für öffentliche Arbeiten der Palästina-Regierung geführt wurden, hat die Arbeitszentrale der I fistadruth mit dem Departement für öffentliche Arbeiten einen Vertrag über die Uebernahme einer größeren Arbeit bei der Wasserversorgung Jerusalems aus dem Jnrkon geschlossen. Die Arbeit wird ca. 35 000 Pfund kosten und rund 100 jüdische Arbeiter fünf bis sechs Monate beschäftigen. Der König von Rumänien hat den Berliner Schriftsteller Professor Dr. Eugen Wölbe zum Offizier des Ordens vom „Stern von Rumänien" ernannt. Die Auszeichnung erfolgte in Anerkennung seines Werkes „Carmen Sylva. Der Lebensweg einer einsamen Königin", Verlag vom Rochier & Amelang in Leipzig. Zum Generalkonsul Litauens in Tel-Awiw ist der ehemalige litauische Vize-Minister für Finanzen, Rachm Dewitz, ernannt worden. In Riga ist der sowjetrussische Rabbiner Kagan eingetroffen, der wegen illegaler Fortführung von hebräischen Schulen und Jcichlwoth drei Jahre lang tinch Sibirien verbannt war. Rabbi Kagan, der aus Moskau kommt, befindet sich auf der Reise nach Palästina, des Einzelnen; ein Gefühl der Verantwortlichkeit und ein Sinn für Treuhänderschaft, wo diese nötig ist; politische Weisheit und Reife ohnegleichen, und vor allem eine «ehrliche, ja leidenschaftliche Hingabe an den Frieden."* Auch wer angesichts eines so schmeichelhaften nV»tio-> nalen Selbstporträts eine gewisse Beklemmung empfindet, wird nicht leugnen können, daß dieses Bild in hohem Or/»d der Wahrheit entspricht. Welchen Wert für uns J tt d e\n die Toleranz und Weitherzigkeit der Engländer, ihre Bereitwilligkeit zur Anerkennung auch des Fremdartigsten und ihr1 Sinn für Treuhänderschaft haben, ist bekannt. Wenn England und seine Dominions heute zu den Ländern zählen, in denen der Antisemitismus relativ am geringsten und die Gleichberechtigung der Juden vollständig sind, so ist dies, abgesehen vom materiellen Reichtum der britischen Welt, in erster Linie jenen Eigenschaften des britischen Geistes zuzuschreiben. Vor allem aber ist das Vertrauen zu England die Basis, auf der die zionistische Politik aufgebaut ist, und trotz, aller Meinungsverschiedenheiten, Reibungen und Mißverständnisse und alier berechtigten Beschwerden, die wir in einzelnen Punkten gegen England erheben müssen, bleibt das jüdische Volk davon überzeugt, daß Großbritannien seinen Sinn für Treuhänderschaft auch in Palästina beweisen wird. A. P. Die Revisionisten - Konferenz in Krakau Bei der revisionistischen Weltkonferenz in Krakau, Aber deren Eröffnung durch Jabotinsky wir in der letzten Nummer der „Jüdischen Rundschau" berichtet haben, wurde nach den von den einzelnen Mitgliedern der revisionistischen Leitung erstatteten Spezial-Referaten die Generaldebatte durchgeführt. Innerhalb der Konferenz zeichnet sich die Gruppe der sogenannten „Ma xi m allsten" ab, die gegen jede Verständigung mit anderen zionistischen Gruppen auftritt und einen völligen Bruch der Revisionisten mit der Zionistischen Organisation fordert. Nach Meinung dieser Gruppe soll die Krakauer Konferenz sich selbst als „Unabhängigen Zianistcn- Kongreß" erklären. Die Mehrheit aber unter J abortin sk y s Führung ist der Meinung, daß die Revisionisten sich bemühen mögen, andere zionistische Gruppen zu sich herüberzuziehen und daß ein selbständiges Auftreten der Revisionisten zur völligen Erfolglosigkeit führen müßte. Kennern der jüngsten Parteigeschichte wird dabei auffallen, daß Jabotinsky, der bei der Wiener Revisionisten- Konferenz 1932 der Führer der separatistischen Maximalisten- Gruppe war, was zum Austritt der Großmann - Lichtheim- Gruppe geführt hat, jetzt von noch maximalistischeren Extremisten bedrängt wird. Während einer Rede Wolf gang Weisls, der einen radikal-separatistischen Standpunkt vertritt, geriet, nach den vorliegenden Berichten, Jabotinsky in solche Erregung, daß er den Saal verließ. Der Antrag der Maximalsten, ein Sympathietelegramm an den Terroristenführer Achimeir abzusenden, stieß anscheinend auch auf Widerstand. Es wurde, wie Zeitungen berichten, in den Couloirs um jedes einzelne Wort dieses Telegramms gehandelt. Anscheinend fühlen sich manche „gemäßigte" Revisionisten nicht wohl bei dieser Solidaritätskundgebung. Wir werden nach Abschluß der Konferenz einen zusammenfassenden Bericht veröffentlichen. Mischehe und Erziehung Den über die Frage, ob ein arischer Vater das Wohl seines arischen Kindes durch Eingehung einer Mischehe gefährdet, ergangenen Beschluß des Bayerischen Obersten Landesgerichts vom 3. 10. 1934, über "den die „Jüdische Rundschau" am 27. 11. 1934 berichtet hat, unterzieht Rechtsanwalt Dr. Matzke, Berlin, in der „Juristischen Wochenschrift" vom 12. Januar einer eingehenden Würdigung. In dem entschiedenen Fall hatten Amts- und Landgericht aut Grund ihrer Ermittlungen den Eindruck gewonnen, daß die Persönlichkeit der Stiefmutter, wenn sie auch Nichtarierin ist, keinen hinreichenden Anlaß zu der Befürchtung gibt, sie werde das geistige oder leibliche Wohl der erstehelichen 12jährigen arischen Tochter ihres arischen Ehemanns gefährden. Auf Grund dieser Feststeilungen hatte det Vater sein Erziehungsrecht behalten. Rechtsanwalt Dr. Matzke lehnt diese Entscheidung ab. Er führt an der angegebenen Stelle aus, daß als „Gefährdung des geistigen Wohls" im Sinne des in Frage kommenden § 1666 BGB. auch die Erziehung zu einem dem Dritten Reich' unerwünschten Charaktertyp angesehen werden müsse. In diesem Zusammenhange heißt es ti. a.: „Ks i#t al>er auch gar kein Zweifel daran, daß der Umstand, daß im vorliegenden Falle dos Kind stündig der p-sychisehen BceiniluMtmg durch eine nichtarische Stiefmutter ausgesetzt ist, zu einer besonderen Clmrakterentwieklung des Kindes führen nt u Ii. Wer das leugnet, leugnet die rassische Bedingtheit jeder Erziehung und diese Bedingtheit zu leugnen ist für einen Nationalsozialisten undiskulabcl. Mit gutem Grund hat die Preußische Justizverwaltung den nichtariiclien Richtern die Ausbildung der Referendare entzogen. Es besteht also zweifelsfrei auch ein tirsHchlteher Zusammenhang zwischen dem Verhalten des Vaters des Kindes und der zu erwartenden l'hajwkterenlwicklung des Kindes." Vorschläge zur Eherechtsreform Der Vorsitzende des Familienrechtsausschusses bei der Akademie für Deutsches Recht, Rechtsanwalt Dr. F. M ö ß - rner, hielt dieser Tage einen Vortrag, bei dem er nach dem „Völkischen Beobachter" eine Reihe von Vorschlägen vortrug (von denen er erklärte, daß sie bei den Vorberatungen ventiliert würden, daß jedoch dem späteren Inhalt des Gesetzes damit nicht vorgegriffen werden solle). Für die Eheschließung forderte Rechtsanwalt Mößmer u. a. das Verbot der mischrassigen Ehen. Er erklärte dazu, daß 1926 in Berlin von 1216 Juden 355 Ehen mit Nichtjüdinnen eingegangen seien, und daß von 1050 Jüdinnen 198 Nichtjuden geheiratet hatten. Ilatiptschriftlcjter: Dr. Robert Weltsch, Berlin-Charlottenburg 9. Stellvertreter! Kurt Loewersstcln, Barlin W IX Anzeiginklt«rii> und verantwortlich für den Anzeigenteil: Helette Chanciner, Berlin N 54, Verlag und AfUKiganverwaltung: Jßdltche Rundschau, Berlin W 15, Meinekestr. 10. D.-A. Dciembcr 33 300. — Druck) Siegfried Scholen», Bcrlin-Schüncbcrg. t