Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 4 (11.1.1935)
- Date
- 1935-01-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU___ Nr. 4, 11.1.1935 Die revisionistische Weltkonferenz in Krakau (Von unserem Berichterstalter.) s. Krakau, 9. Januar. Die ehrwürdige, historische, ernste Stadt Krakau ist seit drei Tagen aus ihrer sanften Ruhe tieweckt, (iestern abend wurde liier die VI. Weltkonfercnz der revisionistischen liüon eröffnet; ihr fingen Beratungen des Brith Trumpeldor unu anderer revisionistischer Zweigverbände voraus. Das Dikl außerhalb und innerhall) der Beratungssäle ist völlig anders :ds das bekannte Bild zionistischer Konferenzen, Es wimmelt von Uniformierten, nicht nur Jugendlichen; weni;,' spontane Begeisterung, der :d> und zu ausbrechende laute Beifall im Saa'e macht den Eindruck eines Kommaiidobefehls. Ucbrigens im rinklan;; mit der Feststellung Jabotinskvs in seiner gestrigen Eröffnungsrede: „Der Revismnismiis ist cni.'L,' und allein auf I <>.;> i k gebaut, er kennt keine Sentiments." Die I.o;4ik ohne Gefühle wirkt wie Kalle ohne Sonne. Wahrend ein kalter Frost die Stadt umklammerte, hielt Jabotinsky vor einem nicht allzu zahlreichen Publikum und vor etwa 20" Ih legierten seine Eröffnungsrede ohne Warme, um mit „kalter ' L ogik" zu überzeugen. Wir heulen wiederum: der unaufhöi liehe moralische Druck auf I ngland werde letzten Fildes das britische Imperium zwingen, unsere Forderungen anzuerkennen. Trotz der Schlappe, die die IN ti<n»n der pilä>ti«en»-i-flii'»i Revisionisten an die \1iii ii 1 s i i'i \ I' i 'n h s uhtt, d inbt Jabntipskv 's' i (i i [ I it I' du n \ isionisti-e hen Bemüh i.i Ii st K \s , , ,,, uu Ui, sie sehon lange aus di I i 1 i. nute labotinsky an so i \ \ 1 '111*1,1,1 ind zu faseln i , 1 > i i i Mi i nl stellen, dafi I I "1 i i i * nun \urdeu soll. II I . * i i K t ei o etzt werden ..... I I I | l'ii'i wmk sie ihren I . Iii' ii t' ics Wcitkon- .Mr.... M r 1 M M: M : l i l ' i i i n Ri di In sdi dtigte sich 1 d i 1 i si i i »i ,n d r / nistischen ) \ i d d i d. '! >\ u Verdienste 1 i , ' ' i i i I I it u:ii) den I ' 1 i i ' 1 k n h du , hervor. I 1 i \ 111 r , ) r k s in der 1 i * i i ii i < i I / i i 1 u i i in , horte man | ' ' < i eine I in- )o ,t <l / ki (ii'inisiti i vs i sie z IS u)m Wcltt i i u I " erklaite i ii i i I i iii tt e revi-doi ' i \ i i i i i, i n i b h ii " ig c ü ri in s ,t, , | |t ,i / ,t i,,n Xu n,i,ation in i l 1 \ , 1 i i enau die j i ii x i i i i s| ] ' |) lSe Koali- 1 u i i h i i i i " i d i 1' a r i t ä t. I oi Im i i \n s ' u hin tun einer von Iii' 1 i '< i 1 i i i i 11 s' plm unter- ,ii k ,i i 1 i ii i i 11 ii / ui; ilo /i mistischen ( )i ' in i ii .| i i s i t u (i 'i ist \ Mtlini/t jetzt eine R o u ii d - I . I i - lu 1 ' s i > 1, I i r i um tisebtr Parteien, \\ idil ,i ine 11 t ii' tUi < r\\ d i i i \ i i ''i Ii i'ti n der Revisionisten. Bei Abschluß diese; Berichtes hat die Generaldebatte rtoch nicht begonnen. * Auf der Weitkonierenz des Brith Trumpeldor wurde Wladimir Jabotinsky zum Rosch Betar wiederg e w ii h 11. Mehrere Redner befaßten sich auf der „Bctar"-Konferenz mit dein Rundschreiben, das zu heftigen Auseinandersetzungen in der Frage der Zertifikat -Abteilung geiuhn hat und gaben ihrem IVstauneii darüber Ausdruck, dall dieses Zirkular iila — in und jetzt wieder suspendiert wurde. Den I Ich ro : i im : n antwortete Jabotinsky. [■> erklärte, du: 1 leraiogahe des Ruinki hi eikens sei durch die damals herrschenden \'i rha'trü-sc in dingt gewesen. Es habe siiIi darum gehaudi;:, ,1a- Ycaiojad der Zionistischen Exekutive auf die Venes'rmg der Zertifikate zu brechen. Fs sei jedoch ein Irrtum, zu •.d.iiilvn, daß dieses Runilschreiben nunmehr annulliert worden sei. F s sei vielmehr a u c h w t i t e r hi n i n Kra t t u n d wer d e nur unter g e wissen Vor aus set/u n g en, über die in einer S i t mi n g dir p i. 1 i t i s e ii e n K o in in i s s i o n Bericht erstattet werden w u r d e, z u r u e k g e zöge n \v e r - d e ii. Ein Zeitungs-Jubiläum Wieder Sprengstoiianschläge in Polen W i r s c h a ii, f, I uo.ar, (IT \ ) In W a w e r, wo die Nation dr.idikaiei! :n ko/tei Ztit li'ie boonder» eifrige Tatig- 1m it . uü'ahet beie w.nde ..u- . i' 11 j s e; -,; g i s eh e n Motiven ein >'\n eiMii.i :a:iM Mag imoi dir eniste Folgen hatte. Der laden eines jadis.'keM k.u.fm.i'tsis wurde durch eine Bombe vollkommen unuwtt, dir Inhaber wurde schwer verletzt und hat einen Ann verlon u. In W i I n a wurde eine Bombe vor einer Buchhandlung zur i..\p!o»i<>n gebracht.!.•> entstand erheblicher Sachschaden, verletzt wurde niemand. Eine Ausländer - Interpellation in Jugoslawien Unter den ausländischen Juden, namentlich unter den deutschen, die in Jugoslawien leben, hat eine Interpellation Besorgnisse ausgelost, die der Abgeordnete Milan B o z i c an den Innenminister gerichtet hat, und die sich mit der Frage der A u s 1 ä n d e r a r b e i t in Jugoslawien befaßt. Milan Bozic wies darauf hin, daß sich in Jugoslawien zahlreiche Ausländer befänden, die durch Korruptionsaffären, insbesondere durch Devisenschiebungen, dem Staat großen Schaden zugefugt hätten, und bei denen er eme strenge Untersuchung der Arleitserlaubnis forderte. Fntgegcn anderslautenden Auffassungen dürften die deutschen und sonstigen ausländischen Juden Jugoslawiens hierdurch nicht betroffen werden. Die Interpellation an den Innenminister ist einmal nicht gegen Juden, sondern allgemein gegen f r e m de St a a t s a 11 g e h d ri g e gerichtet, unter denen ausdrücklich die Untertanen Jugoslawien feindlich gesinnter Länder" verstanden werden; ferner ist bekannt, daß sich die ausländischen Juden in Jugoslawien stets ah besonders korrekt gezeigt haben, so daß der Interpellant keine Ursache gehabt haben kann, den Innenminister zu Schritten gegen sie zu veranlassen. Dem Verlangen der Wiener Israelitischen Kultusgemcinde nach Beschlagnahme der Judenbovkott-Agitationsschrift „Kenn Dich aus — bei jud und Christ", die ein Firmenvcrzcichnis mit Bezirks- und Straßeneinteilung enthielt, in dem jüdische und nichtjüdische Firmen durch auffallende Kennzeichnung unterschieden wurden, ist von der Staatsanwaltschaft jetzt entsprochen worden. Zum 150. Geburtstag der „TIMES" Von unserem Berichterstatter. London, 7. Januar 1035. Das Jubiläum der „Times" (auf das wir bereits in unserer vorigen Ausgabe kurz hingewiesen haben. Ii ed.), tlcs vornehmsten Blattes des eiigliseheii Bürgertums, das trotz seiner Ausgeglichenheit mit Stolz den Beinamen „Der Donnerer" führt, verdient auch von einer zionistischen Zeitung festgehalten zu werden. Nicht nur weil die „Times'' von der Presse der ganzen Welt wegen ihrer journalistischen Sauberkeit und Charakterfestigkeit gefeiert wird, sondern gerade auch wegen ihrer Haltung zu jüdischen Fragen. Die „Times" ist kein „Judenblatt" (obwohl, wie Argwöhnende sagten, der Titel von hinten nach vorne gelesen das Wort „Semit" ergibt). Soweit wir wissen, haben - - abgesehen von Benjamin Disracli — niemals Juden irgendwelchen Einfluß auf Redaktion oder Verlag gehabt. Oerade deshalb ist die sachliche Stellungnahme, die sie jüdischen Dingen gegenüber an den Tag gelegt hat, um so wirksamer. Denn nichts ist für die Behandlung jüdischer Dinge wuchtiger als ruhiger Blick und Objektivität. Folgende Beispiele seien hier genannt, die gleichzeitig einen Ausschnitt aus der jüdischen Oesehichte des letzten Jahrhunderts geben. Die ersten der Juden frage gewidmeten Leitartikel stammen aus der Zeit des Kampfes um die Emanzipation der englischen Juden vor etwa hundert Jahren, der später erfolgreich mit der Zulassung jüdischer Abgeordneten zum Parlament endete. Damals konnte die Redaktion noch von der Voraussetzung ausgehen, daß die Juden ihre Rückkehr nach Palästina wünschten. Im Zusammenhang mit der Da mas kusser Ritualmord-Affäre im Jahre ISN) veröffentlichte die „Times" neben anderen Zuschriften einen ausführlichen Brief des Prof. Theodores aus Manchester, der für lange Zeit als meisterhafte und endgültige Widerlegung dieser Anschuldigungen galt. Fs ist ein trauriges Zeichen für den Ablauf der jüdischen Oesehichte, daß sich die Zeitung wieder gegen Fnde des Jahrhunderts zum Sprachrohr der britischen Fntiiistting über die J u d e n p o g r o m c in R u ß 1 a n d machen mußte. Zwischen 1S80 und 1?S3 erschienen mindestens 13 Leitartikel in diesem Sinne. In derselben Zeit aber, unter der I eituug eines Herausgebers, der selbst ein hervorragender liebraist war, wird zum erstenmal ein längeres hebräisches Zitat im Urtext abgedruckt. Es wurde wohl als notwendig empfunden, einmal zu zeigen, daß die jüdische Oesehichte, die scheinbar ausschließlich vom Judenhaß geschrieben wird, auch schöpferisch gewesen ist. So geht es weiter, im Interesse der Wahrheit und der Gerechtigkeit. 1021 werden die sogenannten „P rotokolle der Weisen von Zion" eindeutig und unwiderlegt als Fälschung nachgewiesen. Inzwischen aber fand die neu heraufkommende Kraft der jüdischen Oesehichte entsprechende Anerkennung. Seitdem im Oebttrlsstadium der Balfour -Deklaration, im Jahre 1017, die Führer des Board of Deputies und der Angl« Jewish Association in dem berühmt gewordenen „Brief an die Times" gegen die zionistischen Bestrebungen protestiert hatten --- was übrigens einen solchen Entrüstungssturm hervorrief, daß beide vom Amt zurücktreten mußten —, ist das Paläst inaproblc m wohl in jedem Jahrgang der „Times" nach verschiedenen Seiten erörtert worden. Nicht immer zur Zufriedenheit des zionistischen Standpunktes, und in den großen Artikeln des vergangenen Sommers konnte man sieh auch über einige sachliche Unrichtigkeiten beklagen. Bei alledem darf man aber nicht übersehen, daß für England, die größte „mohammedanische" Macht, noch andere Interessen auf dem Spiele stehen. Der Oeist der Zeitung, deren Wesen und Haltung für England so charakteristisch ist, daß man sie eine „britische Institution" genannt hat, wird in der Oeburtstagsnummcr in historischer Rückschau untersucht. Auch wir Juden könnten aus den Prinzipien lernen, deren Anwendung oft zu unserem Nutzen ausgeschlagen ist. Rückblickend heißt es dort von der Zeitung: „Während sie kühl und praktisch die politischen Ereignisse abschätzte, jeden Fall für sich betrachtet, hatte sie tiefes Mißtrauen gegen doktrinäre und äußerste Unduldsamkeit gegenüber Ungradheit und Verschrobenheit." Und zur Gegenwart übergehend: „Die Aufgabe dieser Generation ist, dafür zu sorgen, daß die soziale und wirtschaftliche Entwicklung ruhig fortschreiten kann... ohne die geringste innere Störung durch Gier und Uebereile, Aengstiichkeit und Groll." Die Juden und die zionistische Bewegung können sich' von der Presse nichts Besseres wünschen, als objektiv u n d s a c h I i c h gewürdigt zu werden und könnten ihrerseits der „Times"' nichts Besseres wünschen, als daß sie diese großen Tugenden stets beibehalten möge. Julius Kollenscherr * Aus dem von uns bereits erwähnten Artikel Nah um Sokolows zum „Times"-Geburtstag zitieren wir noch nachstehende Episode: „Vor etwa einem Jahrhundert, genau vor 05 Jahren, d. h. IS 10, war die ,Times' die einzige englische große Tageszeitung, die Artikel über den politischen Zionisni ti s gebracht hat, d. h. darüber, daß man dem jüdischen Volk Palästina zusprechen sollte. Damals hieß das .Restauration of Israel'. Die .Times' hat in großer Aufmachung das Memorandum der schottischen Kirche, viele Adressen großer Verbände und offene Briefe von "Lord Shaftesbury gebracht, in denen mit biblischen Argumenten und aus moralischen Motiven der Vorschlag gemacht wurde, Palästina dem jüdischen Volke zu geben. Außerdem hat die .Times' über dieses Thema eigene redaktionelle Leitartikel veröffentlicht. Keine andere Zeitung hat auch nur ein Hundertstel von der Aufmerksamkeit und Sympathie aufgebracht, welche die .Times' dieser Idee widmete. Leider haben die politische Entwicklung, der Kampf zwischen der Türkei und Aegypten und die Uneinigkeit der Großmächte diesen Weg versperrt. Aber der Einfluß der .Times'-Propaganda blieb doch nicht ohne Resultat und hinterließ seine Spuren in der öffentlichen Meinung, ja sogar bei der Regierung." IN ALLER KÜRZE Im Warschauer Jüdischen Akademikerhaus wurde die 5. Landeskonferenz des hebräischen Kulturverhandes Tarbuth eröffnet. An der Konferenz nehmen Delegierte aus 300 Ortsgruppen teil. Aus dem Rechenschaftsbericht war zu entnehmen, daß Tarbuth in Polen 267 Elementarschulen unterhält, die von 30 515 Schülern besucht werden. Die Zahl der approbierten Lehrer beträgt 1200. In einer Reihe von Städten besitzt der Verband 53 eigene Schulgebaude. Ferner werden vom Tarbuth-Verband neun höhere Schulen erhalten. Am 6. Januar wurde in Jerusalem die Konferenz der Wizo durch die Oattin Dr. Chaim Weizmanns, Frau Dr. Vera Wcizmaitn, und Rebekka S i e f f eröffnet. Die Synagogengemeinde „Bnc Jeschurun", die Zweitälteste New Yorks, feierte das Jubiläum ihres 110jährigen Bestehens. Aus diesem Anlaß haben Präsident Roosevelt, Staatsgouverneur Herbert H. Lehman und zahlreiche andere jüdische und nichtjüdische Persönlichkeiten Glückwunschschreiben gesandt. Im Alter von fast 01 Jahren ist die Witwe des im Jahre 1015 verstorbenen Lords Nathaniel Mayer Rothschild, des ersten Lords der Familie und ersten jüdischen Mitglieds des Unterhauses, Lady Emma Louisa Rothschild gestorben. Lady Emma Louisa war die Mutter des jetzigen Chefs des englischen Hauses Rothschild, Lord Lionel Walter, an den i. J. 1017 die Baifour-Deklaration gerichtet wurde. In seiner Dezember-Nummer gibt das „Fachblatt des Reichsverbandes deutscher Filmtheater" einen Rückblick auf die deutsche Fiim Produktion des vergangenen Jahres. Während i. J. 1033 120 Filme gedreht wurden, waren es i. J. 1031 124 Filme. Für die 124 Filme waren 65 Regisseure verpflichtet, während i. J. 1033, wo vier Filme weniger gedreht wurden, 7-1 Regisseure tätig gewesen sind. Wie das Blatt betont, ist die größere Beschäftigung der d e u t - sehen Regisscure i. J. 1031 hauptsächlich durch das Ausscheiden der nichtarischen Kräfte in der Filmregie erreicht worden. Die im Jahre 1026 ausgesprochene Zulassung des Chaplin-Films „Goldrausch" ist auf Grund einer vom Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda angeordneten Nachprüfung von der Filmoberprüfstelle widerrufen worden. Abschluß der Orangenverhandlungen in Deutschland nie langwierigen Verhandlungen, welche die Bezahlung der in diesem Jahre nach Deutschland zur Einfuhr gelangenden palästinensischen Zitrusfrüchte zum Gegenstand hatten, »Ina vor einigen Tagen zum Abschluß gekommen. Die Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung hat nunmehr der bereits im Oktober erteilten Genehmigung eine Form gegeben, die den Wünschen der palästinensischen Exporteure weitgehend Rechnung trägt und eine Bezahlung der Importeure aut dem Wege des Kompensationsgeschäftes mit verschiedenen Ländern ermöglicht. Das Auftauchen größerer Transporte von G r a p e trults und Jaffa-Orangen auf dem deutschen Markte dürfte daher für die allernächste Zeit bevorstehen. Tagung des Haushaltsausschusses der« Reichsvertretung Die Pressestelle der Reichsvertretung der deutschen Judeft teilt mit: Der Haushaltsausschuß der Rcichsvertretung hat nach zweitägiger Beratung unter Leitung des Ministerialrats i. R. Dr. Hirsch den Etat der Reichsvertretung, einschließlich desjenigen des Zentralausschusses der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau, auf der Grundlage der ihm vom Präsidialausschuß vorgelegten Ziffern für die Zeit bis Ende 1035 verabschiedet. Auf Wunsch der Landesverbände und Gemeinden wurde eine von der bisherigen Regelung abweichende Verteilung der Kosten für die Berufsausbildung und -Umschichtung sowie für die Auswanderung vom 1. April d. J. ab beschlossen; an ihnen werden künftig die Gemeinden bzw. Landesverbände zur Hälfte teilzunehmen haben. In Uebereinstimmung mit dem Präsidialausschuß sprach sich der Haushaltsausschuß nachdrücklich für die Zusammenlegung der für Hilfe und Aufbau, Wirtschaftshilfe und Wohlfahrtswesen tätigen zentralen Stellen mit der Reichsvertretung aus. Die von einer solchen straffen Organisation zu erwartenden erheblichen Ersparnisse im Verwaltuugs- und Personaletat wurden in dem verabschiedeten Haushaltsplan bereits berücksichtigt. Die erforderlichen Mittel sollen durch eine Umlage auf die Landesverbände (Gemeinden) in Höhe von mindestens 1,50 RM. auf den Kopf der jüdischen Bevölkerung beschafft werden — die Gemeinde Berlin hat sich schon jetzt bereit erklärt, einen Kopfbeitrag von 2 RM. zu leisten --, der dadurch nicht gedeckte Rest durch freiwillige Leistungen aufgebracht werden. Die Reichsvertretung wird hierwegen alsbald mit den Landesverbänden und Gemeinden sieh ins Benehmen setzen. Verlauf und Ergebnis der Beratungen zeigen erntut den festen Willen aller Beteiligten zu aufbauender Gemeinschaftsarbeit, Vergleich um eine antijüdische Broschüre In Frankfurt wurde, wie wir auf Grund eines Berichts def „Frankfurter Zeitung" meldeten, in den letzten Wochen eine Broschüre mit dem Titel verbreitet: „Eine Antwort auf die Greuel- und Boykotthetze der Juden im Ausland". In ihr ist auch eine Anzahl Namen von Personen enthalten, die irrtümlich als Juden bezeichnet wurden. Zum Teil wurden diese Namen im „Frankfurter Volksblatt" öffentlich berichtigt. Es wurden aber auch einstweilige Verfügungen erlassen, die den Herausgebern die Weiter- Verbreitung der Broschüre untersagen, bis eine Richtigstellung erfolgt sei. So hatte sich lt. „Frankfurter Zeitung" vom 9. Januar dieser Tage das Frankfurter Landgericht mit einem Antrag eines Professors St. zu beschäftigen, der, obwohl Arier, ebenfalls in die Broschüre aufgenommen worden war. Es kam ein Vergleich zustande, in dem sich der Herausgeber der Broschüre und der Drucker verpflichten, die Verbreitung der Broschüre solange zu unterlassen, bis der Name des Antragstellers entfernt ist. Ilauptschriftlcitei: Dr. Robert Weltsch, BerlinChnrloUenburg ft Stellvertreter: Kurt Loewenstcin, Berlin W 15. Anzeigenleiterin und verantwortlich für den Anzeigenteil: Helene Chanciner, Berlin N 64, Verlag und Anicigenverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Meinckcstr. 10. D.-A. Dezember 33 300. — Druck: Siegfried Scholern, Berlin-Schöiieberg.