Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 3 (8.1.1935)
- Date
- 1935-01-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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1935 Nr. 3, 8.1. 1935 JODISCHE RUNDSCHAU Seite 7 1 i wie «ehalte ich judenfeindschaft den Schabbat? Für Schabbat, 12. Januar Wo-chenabschnitt „Bo" (II. B. M. Kap. 10, 1-13, 16.) Der Wochenabschnitt „Bo" enthält, von zwei Geboten, die gehon im I. B. M. stehen, abgesehen, die ersten „Mizwot". Wir werden jetzt fortlaufend an Hand der Sidra einige der in ihr vorkommenden Gebote auf dem „Qneg Schabbat" besprechen. I. Die ersten beiden Verse des 12. Kapitels enthalten das Gebot der Netimondswcihe und damit die Grundlage des jüdischen Kalenders. Lest gemeinsam das schöne Gebet, von Raw, einem Talmudlehrer, verfaßt, das wir am Schabbat vor Rosch Chodcsch sprechen, wenn wir „Rosch Chodesch bentschen''. Achtet darauf, worum ein Jude betet. (Das Gebet steht in jeder Tefilin.) An sich ist die Neumondweihe nur durch das Synhedrion möglich. Wir sprechen aber noch heute die Gebete, die wahrscheinlich schon damals bei der Neumondweihe gesprochen wurden. Wißt ihr, was „lewono mekadesch sein" ist? — Fragt euren Lehrer oder einen alten Juden. Wenn iiir am Jörn Kippur bis zum Schluß in der Synagoge wart, müßtet ihr es schon mitgemacht haben! Literatur: S. R. Hirsch zu II. B. M. Kap. 12, 1—2. Ders. Oesammelte Schriften: Der jüdische Kalender (besonders wichtig!) Jüdisches Lexikon, Stichworte: Kalender; Rosch Chodesch; Birkat hachodesch; Birkat Lewana. I! In Kap. 13, 9 und 16 steht das Gebot vom Tefillinlegen. Die Jimgens haben beim Bar Mizwah-Unterricht schon sicher über die' Tefillin gesprochen. Deswegen solltet ihr euch doch nochmals über den Sinn dieses Gebotes Klarheit verschaffen. Lest mal nach, was S. R. Hirsch in seinem Werk: „Choreb, ein Versuch über Israels Herzenspflichten" darüber schreibt. Lest zusammen die Vorschriften über Tefillin aus dem „Kizzur Schulchan Aruch". — Welche Thora-Abschnitte stehen auf dem Pergament, das sich in dem Gehäuse der Tefillin befindet'J III. Lest aus Edmond Fleg, Moses, Seite 47— 54. Da sind viele Midraschim über die 10. Plage und den Aufbruch des jüdischen Volkes gesammelt. Beachtet besonders den Schluß!! \Veklien Sinn hat wohl der hier angeführte Midrasch? Uebcr die Gesetze unseres Wochenabschnittes, die mit Peßach zusammenhängen, wollen wir heute noch nicht sprechen. Das bewahren wir uns zu Peßach auf! E. IV. Die Haftara (Jer. 46, 13—28) enthält Jeremias Weissagung gegen Aegypten, das von Babylon besiegt werden wird. Erinnert euch an Stefan Zweigs „Jeremias": Juda hoffte, durch ein Bündnis mit dem Pharao die Babyionier besiegen zu können, Jeremia warnt vor Vertrauen auf Aegypten. Der Schluß des Kapitels cuthält herrliche Trostworte für den Gottesknecht Jakob. V. Zu diesem Wochenabschnitt gehört Psalm 77, ein herrliches Gedicht, dessen Lektüre wir dringend empfehlen. Warum ist gerade dieser Psalm für den Wochenabschnitt gewählt? Geschichte 1. Gesamtüberblick. Das Reich Israel ist bis zu seinem Untergang zu behandeln. Nach der Schilderung der Politik Jerobeams I. sollen die wesentlichen Könige erwähnt Unit ihre Geschichte ganz knapp behandelt werden. Zu diesen wesentlichen gehören Omri (er kommt in den Keilinschriften vor und dort wird Israel Bit-Humri genannt, ein Beweis dafür, daß er Bedeutung hat). Dann etwas eingehender die Regierungszeit des Ahab, den wir in der vorigen Nummer unter der „Geschichte der jüdischen Menschen" behandelt haben, dessen Gestalt und Bedeutung eingehend gezeigt werden soll, dann Jehu und zum Schluß die letzten Könige bis zum Auftauchen Sargons von Assyrien. Die Schwierigkeit des Reiches Israel besteht auf vielen Gebieten. Wieder einmal die Brüder Tharaud Die Brüder Jean und Jeröme Tharaud haben ein neues Buch geschrieben. Man darf nicht vergessen, daß sie es gewesen sind, die die Reportage in der französischen Literatur „hoffähig" gemacht haben. Aber ebenso unbestritten wie ihre Geschicklichkeit und stilistische Kraft ist ihr Antisemitismus, den sie neben ihren Reisebüchern in einer Serie judenfeindlicher Feuilletonbücher gepflegt haben. Wir haben an dieser Stelle ihre letzte Zeitreportage ,.Q u a n d Israei n'est plus roi" besprochen. Heute liegt ein neuer Band vor: „Vienne I a rou^ e" (Librairie Plön). Man erwarte nicht, daß Schriftsteller, die, wie das weltreisende Zwillingspaar, das gültigste Werk über ChaTles Peguy geschrieben haben, plumpe Hetzereien schreiben. Sie gehören vielmehr zu den „fetnen" Antisemiten, die sich außerordentlich beklagen, wenn man sie antisemitisch nennt, und sich darauf berufen, daß sie ja nur schilderten, was sie sähen. Wenn diese Realität einen antijüdischen Eindruck hervorrufe, was könnten sie dafür?! Aber ist ihre Realität die Realität? Die Federn der Tharauds sind in der letzten Zeit matt geworden. Ihre Arbeiten haben nicht mehr die farbige Dichte von früher, hinter der der böse Wille schwerer zu erkennen war. Jetzt legen sie die Geschichte vom „Roten Wien" vor, mit der sie die Historie der österreichischen Hauptstadt von 1918 bis heute vortäuschen wollen und die doch weiter nichts ist als ein Pamphlet gegen die Juden. Als ob Wien und die Juden identische Begriffe wären! Die Tharauds bleiben an der Tatsache hängen, daß eine Anzahl sozialistischer Führer Juden waren, aber was wirklich in ihrer Vielfalt die Juden Wiens bedeuteten, davon haben sie keine Ahnung. Es ist auch eine schwierige Materie, die viel Wissen voraussetzt. Aber selbst flüchtige Passanten, die rasch ein aktuelles Buch schreiben möchten, hätten sich schließlich ein wenig orientieren können, und wenn sie zum Beispiel nur die kurzweilige und trotzdem gründliche Geschichte Hans Tietzes über ..Die Juden Wiens" gelesen hätten. Sie hätten hier erfahren können, daß auf Hintertreppen Wien durch Theodor Herzl eine der Hnupfstätten des nationalen Judentums war, daß den vorwärtstreibenden Kräften zahllose konservative gegenüber standen, kurz, daß das Judentum sich nicht mit ein paar Erzählungen, am Kaffeehanstisch gehört, feuilletonisiereu läßt. Es ist eine ganz besonders raffinierte Art der Propaganda, die in diesen Büchern getrieben wird. Sie bringen plötzlich einen Vergleich, der als eine feststehende historische Tatsache, vorgetragen durch die l 'nerschiitterlichkeit, verblüfft, mit der er eine Diskussion für ausgeschlossen hält. Es handelt sich etwa um die Wohnungspolitik Breifners. Man weiß, wieviel Gründe zusammenkamen, um die gleichzeitige Durchführung einer Finanzsanieriing Wiens nicht glücken zu lassen. Aber was schreiben die Tharauds: „Wenn ich die Geschichte der Wiener Geineitide mir recht überlege, so kann ich nicht umhin, an Palästina zu denken. Hier wie dort dasselbe Kunststück. Mit Hilfsmitteln, die man nicht seihst geschaffen hat, die man in Palästina aus Amerika bezieht, in Oesterreich aus den Taschen der Bürger holt, macht man irgend etwas Erstaunliches, eine Art Äusstellungs-Pavillon. Aber wenn Amerika keine Dollar mehr schickt oder die Bourgeoisie finanziell entkräftet ist, dann verflüchtigt sich das Wunder und alles bricht zusammen." Die Tharauds haben in Karpathorußland und in Galizien, in Syrien und Saloniki, in Marokko und in den Pariser Salons herumgehorcht und überall haben sie in den Schattenseiten des Judentums nach dunklen Flecken gesucht. Was konnten sie für die Schwärze der jüdischen Schattenseite?! Aber hier haben sie sicli einmal selber festgenagelt: Sie wissen (angeblich) nichts von den Wächtern, den Pionieren, den Chaluzim — nichts von der Kraft der Idee, Jcm Geist der Jugend, der Begeisterung eines neu erweckten Volkes --, alles dient ihnen mir zu einem abgegriffenen Vergleich, dessen Held der tote Dollar ist. Das aber ist Polemik der Hintertreppe. Von jetzt ab werden sie sah nicht mehr mit höflicher Stilistik zurückziehen können. 1 'nd darum hat sieh die Mühe, dieses neue Buch der langweilig gewordenen, mit abgeklapperten Ideen arbeitenden Brüder zu lesen, gelohnt, in. g. LEIPZIGER FlRMEN-TAFEL Friedrich Uiimmer P8lz-Furnituren-Fabrik Leipzig IM33, Flemmingstr.9-11 KopHormeo / Außen / Nasen Seid. Ketten / CollierkUmmern Fut'.erstoüe / Werkzeuge usw. Diese Firmentafel erscheint in jeder Dienstag-Ausgabe aebr. winKler ft Gossmann markranstSdt ü. Leipzig Zurichterei Opoiaum » Skunk* * Bisam Inserieren Sie ständig CARL GRÜNDLING G. M. B. H. SCHKEUDITZ-LEIPZIG RAUCHWAREN-ZURICHTEREI UND FÄRBEREI Juda hat Jerusalem, und Jerusalem ist ein nationalreligiöser Faktor von hoher Bedeutung. Das Herüberschielenmüssen ist schon eine Schwierigkeit, und die Errichtung von eigenen Kultstätten ist eben nur ein Frsatz. Dazu kommen die außenpolitischen Schwierigkeiten. Pas Land im Norden ist standig von Syrien bedroht (Syrien heißt in der Bibel Aram). Dazu kommen die Feindschaften der Phönizier, die des judaischen Brudervolkes und spater das Heranrücken der Assyrer, die die streitenden Staaten schlucken. Vielleicht könnt Ihr am Schluß dieser Stunde nach dem Schicksal der zehn Stämme fragen, das bekanntlich nicht entschieden ist. Als Literatur kommen alle bisher zitierten Oeseluchtswerke in Frage. Eingehend ist dieser Zeitabschnitt in der Kittelschen „Geschichte des Volkes Israel" behandelt. Bei der Behandlung dieser Zeit hat man die Möglichkeit, trotz, des relativ trockenen Referates die Jüngeren zu erfassen, wenn man die Geschichten direkt aus der Bibel liest. Diese Geschichten sind oft gar nicht bekannt und von unheimlicher Lebendigkeit und Spannung. Am besten eignen sich für Jüngere und besonders für Jungens die Geschichten vom Aufstand Jehus aus dem II. Buch der Könige Kapitel 9 bis 10. Aber auch die anderen Geschichten, etwa die Begegnungen Ahabs mit Elia oder die Geschichte von Naboths Weinberg, sind für alle Altersstufen bis auf die kleinsten sehr geeignet. Man darf sie nur nicht aus dem „Kleinen Auerbach" lesen, sondern aus der Bibel selbst. Wenn man keine jüdische Uebersetzung _____________________ hat, benütze man hier Luther, der die männliche, harte Sprache dieser Raubritterzeit gut getroffen hat. 2. Geschichte der Jüdischen Menschen. 7. Der Prophet Elia. Eine sehr interessante und wesentliche jüdische Figur. Es ist einer von den sogenannten ,,ekstatischen" Propheten. Er ist der Führer einer sogenannten Prophetenschuie, einen solchen Führer nennt man Aw, Vater, und seine Schüler nennt man Banim, Söhne. Deshalb sagt z. B. Emil Götschelt Böhlen bei Leipzig Zurichterei Edelfdchsa / Wildwaran und Kanin Arnos, er sei nicht der „Sohn eines Propheten". I lia ist Kauz der Winidermanii, von welchem viele Wunder erzählt werden, auch sein Nachfolger Elisa vollbringt viel Wunder. Alle diese Elemente müßt Ihr nach der Bibel zusammentragen, und dann steht vor Puch eine sehr seltsame (iestalt, in der mau aber keineswegs nur das Interessante und Barocke sehen darf, sondern man muß verstehen, daß er sich auch als das moralische, religiöse und nationale Gewissen in Israel fühlte. Er kämpft gegen das „Sowohbals auch", das die träge Masse liebt, für klare Entscheidung. „Wie lange noch wollt ihr Impfen auf zwei Zweigen?" Er stellt das Volk vor das Entweder-Oder. Das ist eines der wesentlichsten [demente der jüdischen Gotiesidee (vgl. 1 Ingo Bergmann, „Worte Mosis" und „Kiddusch liaschem"). Quelle für die Darstellung des Elia ist die Bibel. Lektüre: Biblische Lh'agcschichten und als Parallele dazu eine der vielen Eliageschichten aus der chassidischen Literatur. Auch bei den ostjüdischen Schriftstellern findet man sonst eine große Anzahl von Eliageschichten, wo Elia als Bettler auftritt, usw. Als Lied: „Elijahu hanawi" oder, was Ihr sonst an Elias- oder Mo« schiachlicdern kennt. Palästlnakunti« Zwischen Galiläa und Schomron dehnt sich die dritte Landschaft aus, welche für das jüdische Siedlungswerk eine besondere Bedeutung hat, Emck Jesreel. Einige Zahlen: Ausdehnung: 520 <|kin. Auf ihnen wohnen etw a W Odo Einwohner, darunter etwa ö!XX) Juden. Bevölkerungsdichte etwa wie in Griechenland, 37 Einwohner pro Quadratkilometer. Boden ist für Getreidebau besonders geeignet: Bewässerung: Im Westen der Kischon, im Osten der Goliathbach. Verkehrswege: Hcdschasbahn, Chaussee Haifa Nazareth und Nazareth — Djcnnin. Die Städte dieses Gebietes sind fast rein arabisch: Na/arclh und Beisau (hebräisch: Beth Schaft, vgl. Saids Tod). Zählt die Kolonien auf, die es dort gibt, sie sind außerordentlich zahlreich. Es ist nötig, dieses Gebiet eingehend kennenzulernen) weil es das Musterland jüdischer Gebr. Zollmann Klempnerei Sanitäre Gas- und Vt'asscranlagon Leipzig S. 3 Moltkestr. (2 / Tel. 2286} Siedlung ist. Untersucht es geographisch in j Ihr findet darüber im I. Band der Hermann knndc genug. Vergoßt nie die Karte darüber initiier im I iermanu und im Prel Auf Seite 31 ist ein I angsschnitt durch Westpalästiuas. Ihr seht daran auch die einer bestimmten Landschaft. der Beziehung, tischen Palästinale! Ihr findet genug Material, die Gebirgskette Liefe oder Höhe J-P. SPEDITIONEN A. SCHAFER Höbeltransport / Spedition ✓ Lagerhäuser Gegr. 1851 BERLIN - WILMERSDORF Wlinelmsaue 3« Tel.: H6Emser Platz 7*36 tw(J{ökU*% dwuU das P^idsäna-Ami deAÜH jT?in%^o^^^^ Palästina internationales SpeflitionsDüro Brokerhoff & LipschUlz fe m. Ii. H. Berlin C 2,'Frömmelst/. 1a D 1 (Norden) 0394 und D 2 (Weidendamm) 0622 *■ Vom Palästina-Amt empfohlen Paul Fuss* Co. 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